Edlengut Kaltenklamm
Gut Kaltenklamm
| Nor-III-03-E3 Gut Kaltenklamm |
| Wappen |
| Karte des Lehens |
| Lage des Lehens |
| Edlengut in Baronie Schnakensee |
| Status: Bespielt |
| Kontakt: Kaltenklamm |
Übersicht
Karges, wildromantisches Gut in der Baronie Schnakensee im dicht mit Nadelhölzern bewaldeten Vorderkosch, wenig ebenes Gelände, Jagd und Waldwirtschaft (Eichelmast, Holzwirtschaft, Köhlerei), kaum Landwirtschaft, Eckern- und Eichelmast in den Wäldern, Köhlerei, Pechbrennerei, zerklüftetes Gelände (diverse Klammbäche und Brüche, im Winter immer die Gefahr von Lawinenabgängen und Schlammmuren im Frühjahr). Namensgebend ist die Kaltenklamm, ein schroffes, unpassierbares Nadelöhr, durch das die Kalte fließt - ein Sturzbach aus den Koscher Bergen, der sich zur Schneeschmelze mit seinen eiskalten Wassermassen regelrecht hier hindurchdrückt.
Neben dem Örtchen Kaltenstein gibt es nur noch eine handvoll weiterer Gehöfte, auf denen mehr als nur eine Familie wohnhaft ist. Ansonsten findet man die Bewohner des Edlenguts in kleinen (Wald-)Bauernhöfen, einsamen Köhlerkaten oder tief im Wald versteckten Holzfällerhütten, die meist nur in den Monden nach der Ernte betrieben werden. In den wärmeren Monaten werden die höher gelegenen Almen des Edlengutes bewohnt und bewirtschaftet.
Flora & Fauna
Das Edlengut Kaltenklamm umfasst ein Gebiet von grob 140 Quadratmeilen (ca. 16 mal 9 Meilen) und erstreckt sich von den ersten hohen Gipfeln des Vorderkosch im Nordosten bis in hügeliges Waldland im Südwesten des Gutes. Zwei breite Bachtäler sind die Lebensader des Edlengutes, durch eines fließt die namensgebende Kalte, ein wild sprudelnder Gebirgsbach, der sich oben in den Bergen durch eine enge Klamm drückt, sowie das Tal der Arge, welche auch im Vorderkosch entspringt, an deren Mittellauf sich jedoch zahlreiche Nebenarme und breite Tiefmoore gebildet haben. Beide Bäche fließen dort zusammen, wo der Hauptort des Gutes, der Wehrhof Kaltenstein, liegt.
Die höchsten Gipfel des Lehens trennen die Bachtäler von Kalte und Ange voneinander, nennenswert sind hierbei der Stenzelkopf (zu dessen Fuße sich die Ruine der Burg Argenklamm findet), die Schwarzspitze und, der höchste Berg des Massivs, der Firunspfeiler, dessen Spitze oft bis in den Ingerimm hinein von Schnee und Eis bedeckt ist. In der Frühjahrsschmelze wird insbesondere die Kalte zu einem reißenden Gewässer, dass kein Erbarmen kennt.
Die felsigen Wälder des Vorderkosch werden dominiert von Kiefern, Fichten und Lärchen, in höheren Regionen wachsen auch vereinzelt noch Krüppelkiefern. In den tieferen Regionen findet man ausgedehnte Bergwälder, in denen vor allem Eichen, Rotbuchen und Fichten zu finden sind. In dem sanfteren Hügelland südöstlich von Kaltenstein gibt es auch einige Kastanien-Schonungen, die hier prächtig gedeihen und auf deren Erträge man in den nächsten Jahren und Jahrzehnten hofft.
Dadurch, dass die Wälder weitestgehend unberührt sind, finden sich hier neben zahlreichen Vogel- und Insektenarten viele größere Wildtiere: Luchse, Füchse, Rotwild, Wildschweine und sogar der ein oder andere Bär. Insbesondere die Wildschweine sind in den letzten Jahren zu einer wahren Plage geworden und so hat der Edle von Argenklamm im Jahre 1032 BF eine bis heute gültige Anordnung erlassen, dass jeder Kaltenklammer pro Götterlauf die Felle eines erwachsenen Wildscheins und zweier Ferkel in Kaltenstein abzuliefern hat.
Tiefer im Kosch hausen zudem einige Orkbanden und auch der ein oder andere Goblinstamm. In den vergangenen Jahren gab es zum Glück wenig Berührungspunkte, dennoch errichtet der Orden der Donnerer in den Bergen des Nachbargutes Eisbühl eine Wacht gegen die Schwarzpelze.
Wirtschaft
In den Bachtälern finden sich alle paar Meilen kleinere Höfe und zugehörige Äcker, auf denen man hauptsächlich Dinkel, Raps und Emmer sowie vereinzelt auch Steck- und Kohlrüben anbaut. In den Bachauen betreibt man zudem Schweinemast; insbesondere der am Mittellauf der Kalte beheimatete Wutzenhof ist auch über die Grenzen des Edlenguts hinaus ein Begriff, werden dort doch mehrere hundert dieser Tiere gehalten, was für hiesige Verhältnisse eine stolze Zahl ist. Eichelmast und neuerdings auch die Kastanienmast sorgen dafür, dass die Tiere ausreichend Nahrung erhalten.
In den Vorgebirgen findet man zudem einige Waldbauernhöfe, die Kühe, Ziegen und Schafe halten und im Sommer Almwirtschaft betreiben.
Der Versuch am Hof Weiherseck Wildschweine zu domestizieren, war bislang noch nicht von Erfolg gekrönt und brachte dem Hirten eher Spott ein. Trotzig wie die Nordgratenfelser aber nunmal sind, wurden die Versuche dennoch nicht aufgegeben.
Da die Höfe meist recht einsam gelegen sind und es in den Wäldern des Vorderkosch noch immer Wölfe, Bären und Rotpelze (oder schlimmeres) gibt, erfüllen die Wohnhäuser ebenfalls einen wehrhaften Zweck. So ist typische Bauweise der hiesigen Höfe ein sogenanntes "Festes Haus", dessen Erdgeschoss meist aus groben steinen Gemauert wurde. Zumeist dient dieses auch als Stall. Darüber türmen sich dann ein oder zwei weitere Stockwerke in Block- oder Fachwerkbauweise. Da sich der Zugang meistens im 1. Stockwerk (also 3-4 Schritt über dem Boden) befindet, kann man ein festes Haus nur über eine Leiter oder eine kleine Brücke betreten, die im Notfall eingezogen wird.
Neben der Landwirtschaft ist vor allem die Forstwirtschaft ein wichtiger Erwerbszweig für die Bewohner von Kaltenklamm. Der Holzschlag wird vor allem in den mittleren Lagen betrieben, wofür sich drei feste Holzfällersiedlungen in den Bergen etabliert haben, die jedoch in den Sommer- und Herbstmonaten überwiegend verwaist sind. Die im Wald geschlagenen Hölzer werden mittels Schlitten bis zum Lager transportiert und dort mit einer Rutsche, der sogenannten Loite, talwärts gebracht. Im Tal lagern sie dann bis zum Frühling, wenn die Kalte dank des Frühjahrshochwassers zur Trift genutzt werden kann. Zu diesem Zweck findet sich bei der Fronmühle, kurz hinter Kaltenstein, auch ein Stauwehr. Ab der Fronmühle wurde die Kalte zudem teilweise begradigt, sodass man von hier ab die Hölzer weiter bis zur Ambla flößt.
Nahe der größeren Höfe und der Holzfällerlager findet man eine handvoll Köhlereien, die neben der üblichen Holzkohle auch Pech und Holzessig brennen.
Die Wälder rund um den Hof Fichtenberg, ganz im Süden des Edlenguts, wurden bereits vor vielen Jahrzehnten nahezu komplett geschlagen, sodass man aus der Not eine Tugend gemacht hat und sich dort auf einem Gebiet von rund 10 Hektar ein durch niedrige Palisaden abgestecktes Areal befindet, auf dem Baumsetzlinge verschiedenster Arten heranwachsen.
Leute
Das Leben für die Menschen hier in Kaltenklamm ist hart und entbehrungsreich. Dem wilden Land muss jedes Feld abgetrotzt werden und Forstwirtschaft ist seit jeher knochenharte Arbeit. Und trotzig und stur ist auch der hiesige Menschenschlag. Da mag es nicht verwundern, dass man hier wenig Zeit und Verständnis für Müßiggang oder gar künstlerische Betätigungen hat. Wenn der harte Winter die Arbeit auf den Feldern und in den Wäldern unmöglich macht, wird gestrickt, gestickt (eine auch unter Männern eine sehr beliebte Beschäftigung!), gedrechselt und geschnitzt.
Mögen die Kaltenklammer auch als Wortkarg und verschlossen gelten, so ist der Zusammenhalt untereinander eine Selbstverständlichkeit, die das (Über-)Leben in diesem Landstrich überhaupt erst möglich macht. Das wenige, was man hat, teilt man in der Not ohne Weiteres auch untereinander. Und trotz der Größe des Lehens leben kaum 200 Seelen in Kaltenklamm, sodass letztlich doch jeder jeden irgendwie kennt. Gegen Fremde hat man in der Regel nichts...außer sie kommen nicht aus Kaltenklamm.
Ebenfalls sprichwörtlich ist die Direktheit der meisten Kaltenklammer. Man spricht nicht lange um den heißen Brei herum, sondern sagt direkt und geradeheraus, was man denkt und möchte.
Eine Besonderheit in der gesamten Baronie ist die Erlaubnis der Jagd auf Tiere bis zu Rot- und Schwarzwild, welche auf ein Jahrhunderte altes Edikt zurückzuführen ist. So ist es wenig verwunderlich, dass auch die meisten Kaltenklammer sich auf die Jagd mit dem Bogen verstehen oder sich zumindest dem Aufstellen von Wildfallen widmen. Da ausreichend Getier in den Wäldern anzutreffen ist, leiden die Kaltenklammer auch in der kälteren Jahreszeit nur selten Hunger. Auch ausreichend Felle, Sehnen und sonstige Erzeugnisse sind meist vorhanden. Lediglich die Felle eines erwachsenen Wildschweins sowie zweier Ferkel müssen jeden Götterlauf an den Landesherren gegeben werden, was auf einen Erlass zur Reduzierung der Wildschweinpopulation von vor gut 10 Jahren zurückgeht (aber kaum Wirkung zu zeigen scheint).
Angesichts der der Witterung und der Jagdleidenschaft der Kaltenklammer mag es nicht verwundern, dass in dem Edlengut auch ein kleiner Tempel des Firun zu finden ist, die "Halle des eisigen Vaters", an der höchsten Stelle des Passweges gelegen, der die Kalte durch ihr Tal begleitet und den Nordosten mit dem Rest des Lehens verbindet. Lassen es sich die Bewohner auch nicht nehmen, dort regelmäßig mit einem Teil ihrer Beute dem Herren der Jagd Tribut zu zollen, so werden der alte, verschwiegene Geweihte und sein nunmehr 40 Götterläufe zählender Akoluth von den Bewohnern allerdings eher gemieden. Ohnehin sind diese beiden nur selten irgendwo anzutreffen und auch in den wenigen Siedlungen bekommt man sie fast nie zu Gesicht. Man munkelt, dass beide ein Leben in der Abgeschiedenheit, weit droben in den Bergen, der Gesellschaft anderer Menschen ohnehin vorzögen.
Besonderheiten
Jeden Götterlauf findet ab dem zweiten Markttag im Praios ein zweitägiges Volksfest auf dem Lechminsfeld, einem Festplatz nahe der Fronmühle, zu Ehren des Herren Praios statt, zu welchem auch zahlreiche Bewohner der Nachbarslehen anreisen. Höhepunkt ist das "Orkenschießen", ein Wettbewerb für Bogenschützen, bei dem auf ein Fass geschossen werden muss, welches eine Anhöhe hinunter rollt. Wer die meisten Pfeile in dem Holz des Fasses versenkt, ehe dieses im Stroh am Fuße des Hügels ausrollt, gewinnt das kleine hölzerne Standbild einer Greifenfeder. Sehr zum Leidwesen der Kaltensteiner konnte seit vier Jahren kein Einheimischer den begehrten Pokal mehr gewinnen.
Der Hof und seine Ämter
Hofhaltung des Edlengutes Kaltenklamm
Zusammenfassung
- Name: Gut Kaltenklamm
- Lehensherr/in: Ulfried Tommeldan von Argenklamm
- Wappen: Auf blau ein silberner Pfahl
- Residenz: Wehrhof Kaltenstein
- Wichtige Familien: Haus Argenklamm
- Einwohner: 180
- Zwerge:
- Hauptort: Wehrhof Kaltenstein
- Siedlungen:
- Wehrhof Kaltenstein
- Wutzenhof
- Hof Fichtenberg
- Almenhof
- Thureshof
- Hof Weiherseck
- Klammthaler Hof
- kleinere Waldhöfe, Holzfällerlager sowie Jäger- und Köhlerhütten
- Burgen und Schlösser: Burg Argenklamm (Ruine)
- Untergeordnete Lehen: keine
- Tempel:
- Halle des eisigen Vaters (Firun) am Passweg in den Bergen
- Peraine-Schrein in Kaltenstein
- Praios-Schrein auf Burg Argenklamm (unbekannt)
- Landschaften: Vorderkosch, nordgratenfelser Wald
- Gewässer:
- Besonderheiten:
Geschichte
Offizielle Quellen
- Aufbruch nach Neukrashof - 1045 BF (Prolog zum Neuspielerplot 2022)
- Ein Treffen mit Oda - 1045 BF
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Wo der Firun selbst den Atem anhält und seine eisige Faust tief in die Bergflanken des Vorderkosch bohrt, da liegt das Edlengut Kaltenklamm – ein wildromantisches, doch schroffes Fleckchen Erde in der Baronie Schnakensee: zerrissen, zerklüftet, unwirtlich. Sanfte Hügel kennt es kaum, vielmehr schießen steile Hänge wie Lanzen gen Himmel, zwischen ihnen rinnen wilde Wasser, die im Tauwetter tosend ins Tal stürzen wie entfesselte Rossherden.
Namensgebend ist die Klamm, die die Kalte über Jahrtausende hinweg mühsam ins Gestein gesägt hat. Ein finsteres, felsiges Nadelöhr ist es nun, durch das sich die Kalte zwängt, ein Gebirgsbach, der sich nur zur Schneeschmelze in einen reißenden, eiskalten Strom verwandelt und alles mit sich zu nehmen droht, was ihm im Wege steht.
Dort, wo der Fluss Atem holt, bevor er ins tiefere Land weiterzieht, liegt Kaltenstein – Wehrhof, Hauptort und einziger rechter Fleck von Zivilisation in diesem verwegenen Lehen. Die wenigen weiteren Gehöfte ducken sich wie geduldige Hunde unter das Joch von Fels und Tanne – weit verstreut und oft nicht mehr als eine Lichtung groß. Manche hausen in windschiefen Köhlerkaten, andere in alten Blockhäusern, deren Balken sich unter dem Gewicht des Winterschnees zu krümmen scheinen. Hier, wo der Mensch mit Firun ringt und mit Efferd verhandelt, ist jede Ernte ein Sieg, jedes Dach ein Bollwerk gegen Wind und Winter, und jedes neue Leben ein Wunder.
Flora und Fauna
Die dichten Wälder um Kaltenklamm sind ein raues, ehrliches Stück Natur – keine lichte Märchenidylle, sondern ein Ort voller Widerstandskraft. Knorrige Ulmen stemmen sich gegen den Wind, sturmgebeugte Tannen krümmen sich entlang der Hänge, und dunkles Farnwerk breitet sich zwischen moosüberzogenen Felsbrocken aus wie eine lebendige, grüne Decke. An den Klammhängen halten sich Flechten und Eiben mit zäher Entschlossenheit am nackten Gestein fest, während unten im Talgrund Pappeln und Eschen wie stille Wachtposten über den nebelschweren Wassern stehen. Andernorts leuchten Sumpfdotterblumen und Pfeilkraut in feuchten Mulden wie vergessene Schätze, und wer früh aufsteht, kann beobachten, wie Libellen über glitzernde Tümpel schwirren, während Frösche im Chor quaken, als stimmten sie einen uralten Gesang an.¹
Hier lebt alles, was klug genug ist, sich zurückzuziehen: Graue Füchse schleichen durch das Unterholz, Dachse und Marder huschen durch Brombeerranken, und mit etwas Glück² erspäht man den Schatten eines Luchses, bevor er im Dickicht verschwindet. In den Lüften stehen Bussarde, Rotmilane, Falken und Sperber. Nachts erklingen die heiseren Rufe von Käuzen und Waldohreulen, und wenn der Wind aus günstig steht, trägt der Wald ihr Echo bis tief ins Dorf – ein Klang, vor dem sich nur noch Kinder erschrecken³. Im Fluss glitzern Forellenleiber zwischen Steinen, während Bachneunaugen sich unter Wurzeln winden. Alte Fischer berichten gar von Flusskrebsen mit blauschimmernden Scheren, die bei richtiger Mondphase auftauchen und angeblich Glück bringen – sofern man sie wieder freilässt⁴.
Leute
Die Kaltenklammer gelten – selbst unter Nordgratenfelsern, wohlgemerkt – als wortkarg, wetterhart und schwer zu knacken wie gefrorene Rüben. Wer hier geboren wird, lernt früh, dass Reden Silber ist, aber Schweigen manchmal das Leben rettet – sei es im Forst, am Fluss oder beim nächtlichen Gang über die Brücke über die Kalte. Fremde werden nicht unfreundlich, aber mit prüfender Zurückhaltung empfangen: ein Nicken, ein Blick, ein Brummen. Wer sich bewährt – sei es beim Holzhacken, bei der Flussquerung oder im Umgang mit der Natur, der bekommt früher oder später einen Platz am Herdfeuer und einen Becher heißen Wacholdertrank in die Hand gedrückt, stark genug, um Äste zu entrinden.
Die Menschen von Kaltenklamm sind keine Träumer. Wer zwischen Bärenpfaden und Wildschweinsuhlen lebt, lernt früh, dass der Wald nicht mit offenen Armen verwechselt werden darf, mag er vor allem in den Sommermonaten einladend wirken. Die hiesige Bevölkerung hat sich längst mit der Tatsache arrangiert, dass das Land ebenso viele Zähne wie Früchte trägt. Man geht nicht unbedacht durchs Unterholz, man tastet vor dem Griff zur Wurzel, und wer Pilze sammelt, weiß: Manches, das schön leuchtet, taugt eher zum letzten Sud als zur Mahlzeit.
Kinder lernen früher das Knacken eines Zweigs zu deuten als ein Buch zu lesen – Tragik überkommt mich -, und wer sich nachts draußen bewegt, hat entweder einen guten Grund – oder keinen Verstand. Dennoch begegnet man der Wildnis nicht mit Furcht, sondern mit jener gelassenen Vorsicht, die aus Erfahrung erwächst.
"Der Fuchs beißt nicht, wenn du nicht nach ihm trittst", sagt ein altes Sprichwort.
So lebt man hier nicht gegen, sondern neben dem Tier, dem Dorn und dem Schnee. Und wenn ein Fremder verschwindet, weil er sich doch einmal zu sicher war und die Warnungen und Hinweise der Bewohner in den Wind schlug, dann zuckt man mit den Schultern, murmelt ein Gebet zu Firun und nimmt beim nächsten, nächtlichen Waldgang eine Fackel mehr mit.
Der Zusammenhalt im Dorf ist stark wie das Wurzelwerk der größten Tannen. Jeder kennt jeden, und wenn ein Kind über die Wiesen stromert, weiß es die Augen von sieben Müttern, drei Tanten und einem grantigen Großvater auf sich.
Besonderheiten
Einmal im Götterlauf, wenn der zweite Markttag im Praios naht, erwacht das sonst so stille Kaltenklamm zu selten gekannter Betriebsamkeit und Ausgelassenheit. Dann nämlich lädt das Edlengut zum Volksfest auf das Lechminsfeld, einer großzügigen Wiese unweit der Fronmühle, zu Ehren des Herrn Praios selbst, ein.
Händler schlagen ihre Planen auf, Kinder jagen bunt flatternden Bändern hinterher, und über allem liegt der Duft von geröstetem Emmerkorn und gebratenem Speck. Man trinkt heißen Wacholdertrank, singt alte Lieder und lauscht den Geschichten jener, die sonst nur Bäume oder Bachläufe zum Publikum haben.
Höhepunkt der zweitägigen Feierlichkeiten ist jedoch das sogenannte 'Orkenschießen' – ein Schützenwettbewerb mit eigentümlichem Regelwerk und umso größerem Unterhaltungswert: Ein mit Stroh ausgestopftes Fass wird den Hang hinabgerollt, und wer in der Lage ist, im vollen Lauf die meisten Pfeile in dessen knarrendes Holz zu treiben, erhält als Siegestrophäe eine kleine Greifenfeder aus geschnitztem Holz – Symbol des Lichts, des Muts und des fairen Wettbewerbes. Dass seit vier Götterläufen kein Kaltensteiner mehr diesen Preis erringen konnte, wird im Tal mit schweigendem Kopfschütteln und im Wirtshaus mit lautem Fluchen quittiert. Man munkelt, die Greifenfeder scheue den Heimvorteil oder der Sieger muss kürzlich einen blauen Krebs gefunden haben.
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¹ Das habe ich mir von einem Burschen in Kaltenstein erzählen lassen, denn wer mich kennt, weiß, dass ich das frühe Aufstehen scheue wie die Katze das Wasser. Auch wenn meine liebreizende Begleitung allerweil versucht, aus mir einen frühen Vogel zu machen, kann mich der Wurm noch immer gern haben. Verzeiht die Wortwahl.
² Glück ist ein relativer Begriff und dient hier lediglich zur Verdeutlichung dafür, dass das Sichten eines Luchses ein seltenes Schauspiel ist. Sicherlich aufregend aber ganz bestimmt keine Komödie, sodass ich froh bin, dass ich auf meinen Reisen durch die Wälder keinem dieser Tiere begegnete.
³ Und größtenteils wildnisunerfahrene Schriftsteller, die aber nur ein einziges Mal. Wirklich.
⁴ Ich halte das für eine dieser Geschichten aus dem unerschöpflichen Fundus der Lokalmythen. Nicht, dass ich blaue Krebse für unglaublich halte, aber dass sie Glück bringen sollen? Vielleicht hat ein Dörfler mal einen freigelassen und ist am folgenden Tag prompt einem Luchs begegnet...
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Auszug aus "Naturbetrachtungen aus Schnakensee" von Rahjaehr}}
