Sankta-Theria-Steig
Pilgerweg Theria
Allgemeine Beschreibung
Der Pilgerweg der Heiligen Theria, kurz Sankta-Theria-Steig genannt, führt von Abilacht über Honingen, Andoain, Witzichenberg, Herzogenfurt und Nembutal bis nach Gratenfels. Er wurde am 1. Peraine 1044 BF mit zahlreichen Feierlichkeiten entlang des neu eröffneten Pilgerwegs eingeweiht. (Lest hierzu zahlreiche Berichte im Nordmärker Greifenspiegel Nr. 18.)
In den Nordmarken war der Streckenabschnitt zwischen Honingen und Nembutal seit jeher auch als Alte Honinger Handelsstraße bekannt.
Ein Reiseführer für den Pilger von Welt wurde im Auftrage der Baronin zu Witzichenberg durch die Kartografin und Schriftstellerin Lara von Siebenstein veröffentlicht. Er trägt den Titel „Von Abilacht nach Gratenfels - auf den Spuren der Heiligen Theria“.
Stationen des Pilgerwegs
- Abilacht - Peraine-Schrein nahe des Honinger Tors, gestiftet zum 1. Peraine 1044 BF durch den Niederhoninger Baron Ordhan Herlogan
- Honigfeld - Peraine-Tempel (Hüter der Saat Perainfried) und Pilgerherberge Bienenkorb (Wirtin Amala Markosh)
- Therias Hain - Peraine-Tempel der Heiligen Theria (Hüterin der Saat Morena Baryll) und Heiligtum Therias Hain (Waldstück und angeblicher Fundort des Honinger Tiegels), Pilger kommen im Gästehaus des Junkerguts Therias Hain unter (Junkerin Maira Baryll), im Tempel kann gegen eine Spende heiliges Saatgut erworben werden.
- Honingen - Peraine-Tempel am Theria-Platz (Hüter der Saat Agalmyr Baryll; Aufbewahrungsort von Therias Honinger Tiegel in einem kristallenen Schrein; Honinger Gnadenturney Ende Phex und heilige Prozession zum Saatfest am 1. Peraine, Ausgangspunkt der nun in Sankta-Theria-Steig umbenannten ehemaligen ‘Alten Honinger Handelsstraße’ - auch: als ‘Niederhoninger Landstraße’ bekannt - zwischen den Nordmarken und Albernia, Fortführung des Sankta-Theria-Pilgerwegs von hier nach Abilacht)
- Morholt - [Abkürzung] Peraine-Tempel (kein ansässiger Geweihter, Akoluthin Elfira Vialigh), Pilgerherberge Therias Ruh (ehemals: ‘Waldesruh’, Wirtin Gilia Faenbusch)
- Andoain - Peraine-Tempel (Hüter der Saat Perainwyn), Pilgerunterkunft Am Sankta-Theria-Steig im Zollhaus
- Witzichenberg - Sankta-Theria-Hospital mit Peraine-Schrein (unterhalten von den Baronen von Witzichenberg), Verkaufsstand am Pilgerweg (bietet Devotionalien und Reisebedarf an, betrieben durch das Handelshaus DaRe), Gasthaus Pilgersruh (ehemals: Tannenruh, Wirtspaar Endilia und Kuno Folmin)
- Kreuzweiher - [Umweg] Peraine-Tempel mit heißen Quellen am Kreuzweiher; Tempelreliquie: Tontäfelchen mit einem Salbenrezept der heiligen Theria; Altar der Bildhauerin Tillandsia Gürtelschneider (Hüterin der Saat Elfriede Gumbeltritt)
- Herzogenfurt - Pilgergasthof Therias Met-Stübchen mit Peraine-Schrein (Wirt Ghazbar Hulkonjeff)
- Perainefelden - [Umweg] Peraine-Tempel (Hüterin der Saat Alrike Rottingen), Klosterruine mit Fresko der Heiligen Theria
- Ulmenau - Peraine-Schrein mit Theria-Statue
- Hottenbusch - [Umweg] Peraine-Schrein (zeigt Holzschnitzereien mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Theria )
- Nembutal - Gasthof Honigtopf (ehemals: ‘Gartenlaube’, Wirt Kalver Bertenschlag bietet zu jeder Mahlzeit von Kindern geschnitzte Holzfigürchen der Heiligen), Endpunkt der nun in Sankta-Theria-Steig umbenannten ehemaligen ‘Alten Honinger Handelsstraße’ zwischen Albernia und den Nordmarken, Fortführung des Sankta-Theria-Pilgerwegs von hier nach Gratenfels
- Rickenhausen - Peraine-Schrein (unter anderem Statue der Heiligen Theria, Gästebuch für Pilger)
- Gratenfels - Peraine-Tempel (Hüter der Saat Rudon Hainert) und heilende Schwefelquellen in und firunwärts der Stadt (werden jedes Jahr im Peraine durch den Hüter der Saat gesegnet; angeblich schöpfte bereits die Heilige Theria aus den Schwefelquellen, um einen Heerführer der bosparanischen Festung Scopulus Gryphorum zu heilen, der bei einem Angriff durch Orks lebensbedrohlich verwundet worden war; die im Stadtgebiet gelegene Schwefelquelle wird seit dem Saatfest 1044 BF als Sankta-Theria-Quelle bezeichnet)
(Quelle: Nordmärker Greifenspiegel Nr. 18, Beitrag von: Keara Lenahan|K.L.)
Das Leben der Heiligen Theria
Auch wenn der Geburtsort der später als Theria Ulghain von Honingen bezeichneten Peraine-Geweihten nicht bekannt ist, können Quellen belegen, dass sie ihre Weihe in der 841 vor unserer Zeitrechnung gegründeten Stadt Abilacht erhielt. Die Stadt war damals Teil der bosparanischen Provinz Nordmarken (Confinium septentrionalium).
Die Geweihte führte im Jahr 836 v. BF einige Aussätzige aus Abilacht. Die Verstoßenen gründeten eine Siedlung namens Jammerloch, etwa zwei Tagesreisen nördlich der Stadt. Die Geweihte der Gütigen Göttin, welche damals noch unter dem Namen Peraisha verehrt wurde, sorgte sich aufopferungsvoll um die Kranken. Im Jahr 827 v. BF, so sagt es die Legende, erkrankte Theria selbst an der schrecklichen Sieche, doch die Hüterin des Lebens zeigte Gnade und ließ Theria in einem Hain einen Tiegel mit Waldhonig finden, mit dessen Inhalt diese alle Kranken heilen sollte. Von diesem Tage an sprach man von dem “Wunder von Honingen” und nannte das Dorf fortan nicht mehr Jammerloch, sondern nach eben jenem Wunder: Honingen - denn aller Jammer, heißt es, sei mit einem Male verstummt. Theria Ulghain wurde nach ihrem Tode heilig gesprochen. Quellen zufolge soll sie um 800 v. BF in der bosparanischen Praefectur Gratia Lapis gestorben sein. Der Verbleib ihres Leichnams ist unbekannt.
Etliche Jahrhunderte später - um 610 nach Bosparanas Fall - wurde ein angeblicher Nachfahre der Heiligen, der Abilachter Verwalter Perwyn Ulghain, von Fürstin Marhada ni Bennain in den Adelsstand erhoben. So kommt es, dass man auch die Heilige selbst in jüngeren Quellen mitunter als “Theria ni Ulghain” bezeichnet liest, auch wenn diese Schreibweise erst unter der Kultur der Flussleute Anwendung fand und somit als nachträgliche Adelung der gemeinen Geweihten zu verstehen ist, was von konservativen Historikern kritisch gesehen wird. Honingen erblühte bald nach dem Tod der Heiligen zu einer prächtigen Stadt, die unter dem besonderen Segen Peraishas stand und 705 v. BF zur Hauptstadt des nun eigenständigen Principats Albernia ernannt wurde. Diesen Status behielt Honingen bis 615 v. BF, ehe der Fürstensitz nach Havena verlegt wurde. Auch während der sogenannten Dunklen Zeiten (564-162 v. BF) blieb Honingen ein Zentrum der Peraisha-Verehrung. Damals hatte das als sumu- und peraisha-fromm geltende Haus Krustan die Präfektur des Honinger Landes inne, und das Umland der Stadt gedieh so prächtig, dass man das Honinger Land zuweilen auch als “Krustans Garten” bezeichnete.
Einen ersten Niedergang erfuhr die Stadt zur Zeit der Priesterkaiser (zwischen 335 und 465 nach dem Fall Bosparans), als die Anhänger des Götterfürsten die Herrscher Honingens, denen eine gewisse Feen-Affinität nachgesagt wurde, entmachteten und deshalb nicht wenige Diener auch Peraishas - sofern sie mit dem Hause Krustan assoziiert wurden - auf dem Scheiterhaufen landeten.
Dem Peraine-Glauben der Honinger tat dies keinen Abbruch, und nach der Großen Flut von Havena im Jahr 702 BF wurde Honingen für zwanzig Jahre erneut Hauptstadt des Fürstentums. Noch heute gilt die Stadt, neben Ilsur und Anchopal, als einer der wichtigsten Orte der Verehrung der Gebenden. Jährlich wird hier vom 25. bis zum 30 Phex, also kurz vor dem Saatfest, die sogenannte Gnadenturney veranstaltet. Die von der Honinger Gräfin Franka Salva Galahan geladenen Turnierteilnehmer streiten dabei nicht nur um persönlichen Ruhm, sondern um die Ehre, während der Prozession am 1. Peraine den Tiegel der Heiligen Theria vom Turnierfeld zurück in den Honinger Peraine-Tempel tragen zu dürfen. Es wird zudem von den Siegern der Turney erwartet, eine ansehnliche Summe der Siegesprämie für die Armenspeisung zu spenden.
Der Honinger Tiegel soll der Heiligen von Peraisha (Peraine) selbst an einem Waldrand einige Stunden südöstlich von Honingen offenbart worden sein. Dieser Ort wurde später nach der Heiligen Therias Hain benannt. Heute steht der Tempel der Heiligen Theria inmitten des gleichnamigen Dorfes und ist eine der wichtigsten Pilgerstätten Albernias. Der Legende nach empfing die Heilige hier am Waldrand zunächst eine Vision, die ihr den Ort aufzeigte, an dem sie den Kranken von Abilacht eine neue Heimat schaffen sollte. Später soll Theria immer wieder hierher gekommen sein, um mit der Göttin Zwiesprache zu halten, und es heißt, es sei auch genau hier gewesen, wo sie den Heiligen Tiegel gefunden habe.
Therias Hain wurde zur Priesterkaiserzeit zerstört, doch um 770 BF kehrte ein junger Peraine-Geweihter namens Perainian Baryll an diesen Ort zurück und überzeugte den damaligen Grafen Jumian von Istar Galahan davon, das Heiligtum neu zu errichten. Das Haus Baryll wurde daraufhin mit Therias Hain belehnt und kümmert sich seither um die Pflege des Heiligtums. Es heißt, die Saat auf diesem Landstrich gedeihe besonders gut und alle Samen, die auf dieses Land fielen, würden auch andernorts in jeder Erde anwachsen.
Der heutige Hüter der Saat des Honinger Tempels, Agalmyr Baryll, ist ein Onkel der Junkerin Maira Baryll von Therias Hain. Agalmyr Barylls jüngere Schwester Meara war die erste Gemahlin des heutigen Honinger Waffenmeisters und Niederhoninger Barons Ordhan Herlogan.
Erst in jüngerer Zeit konnte durch Studien alter Quellen nachgewiesen werden, dass das Wirken der Heiligen über Honingen hinaus reichte. Ihre letzten Jahre soll sie in der bosparanischen Praefectur Gratia Lapis - auf dem Gebiet der heutigen Landtgrafschaft Gratenfels - verbracht haben, wo sie den Siedlern beistand, die das Land den Orks abzutrotzen versuchten. Der Verbleib des Leichnams der Heiligen ist durch keine bislang bekannten Quellen eindeutig belegt.
(Quelle: Nordmärker Greifenspiegel Nr. 18, Beitrag von: Keara Lenahan|K.L.)
Einweihung des Pilgerwegs
Honingen (Albernia) / Gratenfels, Peraine 1044 BF. Am 1. Peraine, einem der höchsten Feiertage der gütigen Göttin, fanden zahlreiche Feierlichkeiten entlang eines neu eröffneten Pilgerwegs zwischen den Reichsstädten Abilacht und Gratenfels statt. Der zu Ehren der Heiligen als Sankta-Theria-Weg benannte Pilgerweg wurde auf Betreiben des Honinger Peraine-Tempels unter der Leitung Seiner Hochwürden Agalmyr Baryll und des Gratenfelser Peraine-Tempels unter der Leitung Seiner Hochwürden Rudon Hainert eingeweiht. Doch es heißt, entscheidende Hinweise auf das Wirken der Heiligen Theria, auch in den Gratenfelser Landen, seien auf Betreiben des umtriebigen Honinger Waffenmeisters und Niederhoninger Barons Ordhan Herlogan geliefert worden, der hierzu die in Honingen tätige Peraine-Geweihte Perainlind Neidenstein beauftragt hatte, in alten Quellen gezielt nach Stationen im Leben der Heiligen zu forschen, und die dazu auch auf Aufzeichnungen des greisen Hofhistorikers Mellarch von Havena zurückgegriffen habe.
So stellte sich heraus, dass die Heilige nicht nur Aussätzige aus Abilacht im heutigen Honingen versorgte, wofür sie bekannt geworden ist, sondern später auch bosparanische Siedler in der Praefectur Gratia lapis, rund um das heutige Gratenfels, begleitete. Auch die Gratenfelser Schwefelquellen sollen vor über 1800 Jahren schon von der Heiligen genutzt worden sein. Einige Aufzeichnungen legen sogar nahe, die Heilige sei im Gratenfelser Land ums Leben gekommen, auch wenn über den Verbleib ihres Leichnams nichts bekannt ist.
In Abilacht, von wo die Aussätzigen damals vertrieben worden waren, stiftete Ordhan Herlogan einen kleinen Peraine-Schrein nahe des Honinger Tors, der von Agalmyr Baryll geweiht wurde. In Honingen fand die jährliche Sankta-Theria-Prozession statt, bei der der Sieger der Honinger Gnadenturney den heiligen Tiegel vom Turnierfeld zurück in den Tempel tragen durfte und die Gräfin, Hochwohlgeboren Franka Salva Galahan, symbolisch einen Honigtopf spendete. In diesem Jahr siegte brisanterweise ein Sohn des Honinger Waffenmeisters in der Tjost, Callan Herlogan, dem damit die Ehre zuteil wurde, den heiligen Tiegel zu tragen. Doch es heißt, der Ritter habe seinen Vater während des gesamten Turnierverlauf nicht eines Blickes gewürdigt. Auch in Therias Hain, dort, wo die Göttin der Heiligen den heilenden Honig offenbart hatte, feierten zahlreiche Pilger das Saatfest, und der Tempel gab gegen eine geringe Spende heiliges Saatgut an Vertreter der Bauern aus, die zu diesem Zweck aus ganz Albernia angereist waren, um das Saatgut, von dem es heißt, es gedeihe in noch so kargem Boden, mit in ihre Dörfer zu nehmen.
In Niederhoningen benannte die Wirtin des Morholter Gasthofs “Waldesruh” ihr Haus zu Ehren der Heiligen in “Therias Ruh” um, und örtliche Imker priesen ihren Honig an. Im Baronssitz Andoain wurde im Zollhaus die Pilgerunterkunft “Am Sankta-Theria-Steig” eingerichtet.
Den längsten Streckenabschnitt des Sankta-Theria-Wegs stellt die Landstraße von Honingen über Grafenhöh und Andoain, Witzichenberg, Tannbühl, Bussardstein, Falkenhorst, Herzogenfurt und Ulmenau nach Nembutal dar, die in den Nordmarken als Alte Honinger Handelsstraße bekannt war, in Albernia sprach man mitunter auch von der Niederhoninger Landstraße. Nun soll die Straße den klangvollen Namen Sankta-Theria-Steig erhalten, um direkt auf ihre Bedeutung als Pilgerweg hinzuweisen.
Auch in den Nordmarken wurde zum Saatfest die Heilige geehrt. Das durch die Barone von Witzichenberg in dem gleichnamigen Ort unterhaltene Hospital, welches unmittelbar am Pilgerweg gelegen ist, wurde zu Ehren der Heiligen umbenannt in Sankta-Theria-Hospital. Das neue Baronspaar von Witzichenberg, Melinde und Ingrawin von Tannwirk, stiftete dem Hospital eine Statue der Heiligen, die fortan im Vorhof des Hospitals, auf einem Sockel an einem Wasserbassin aufgestellt, den Eintretenden begrüßt. Das zuvor zu Ehren der Baronsfamilie als “Tannenruh” bezeichnete Gasthaus in Witzichenberg benannte der geschäftstüchtige Wirt kurzerhand in “Gasthaus Pilgersruh” um. Direkt am Pilgerweg errichtete das Handelshaus DaRe zudem einen kleinen Verkaufsstand, an dem nun neben Reisebedarf auch Andenken und Devotionalien angeboten werden. Unter anderem kann man dort kleine Modelle der Burg Tannwirk erwerben, kleine Spielfiguren in Überraschungsbeuteln sowie handgroße Abbilder der Sankta-Theria-Statue aus dem Hospital.
Eine größere Feier des Saatfests wurde in der Baronie Witzichenberg im Peraine-Tempel von Kreuzweiher begangen, der nur wenige Meilen abseits des Sankta-Theria-Steigs liegt und über einen Karrenweg von Bussardstein aus erreichbar ist. Der Peraine-Tempel von Kreuzweiher beherbergt eine heiße Quelle und soll als Wegstation in die Pilgerstrecke der Heiligen Theria aufgenommen werden.
In der Baronie Schweinsfold gibt es gleich drei Orte der Verehrung der Heiligen. Etwas abseits der Pilgerstraße liegt - im Herzen der Baronie - die Ortschaft Perainefelden. In einer alten Klosterruine kann man hier ein Fresko bewundern, welches die Heilige Theria darstellt.
In Herzogenfurt, der Hauptstadt der Baronie, wurde - pünktlich zur Einweihung des Pilgerwegs - ein neuer Pilgergasthof eröffnet. Der Wirt Ghazbar Hulkonjeff lädt die Pilger in “Therias Met-Stübchen” ein, im dort zu nächtigen und vom lokalen Honigmet zu probieren. In Ulmenau gibt es einen Peraine-Schrein mit einer Statue der Heiligen Theria. Diese wurde bereits vor gut zweihundert Götterläufen von Lys von Ulmentor, einem bekannten Bildhauer und Ahn der heutigen Junkerin von Ulmentor, geschaffen und gestiftet.
Auch in der Baronie Rickenhausen gedachte man Theria von Honingen. Im kleinen Dorf Hottenbusch, welches nur zwei Meilen firunwärts des Pilgerweges liegt, schmückte man den bereits seit langem bestehenden Peraine-Schrein mit Holzschnitten, welche Szenen aus dem Leben der Heiligen Theria darstellen. In Nembutal, dessen nördliche Hälfte zur Baronie Rickenhausen gehört, wurde der Gasthof “Gartenlaube” umbenannt in “Honigtopf”. Der Wirt ließ verlauten, dass jeder Gast von nun an auf Wunsch zu jedem Gericht ein von frommen Kindern geschnitztes Holzfigürchen der Heiligen erhalte.
Da der letzte Teil des Pilgerwegs zwischen Nembutal und Gratenfels auf dem Halwartsstieg verläuft, an dem auch der Ort Rickenhausen selbst liegt, hat es sich die Baronin Thalissa di Triavus nicht nehmen lassen, dem dort befindlichen Peraine-Schrein ein neues Standbild der Göttin sowie ein etwas kleineres der Heiligen Theria zu stiften. Außerdem wird dort von nun an ein Gästebuch ausliegen, in welchem sich geneigte Pilger verewigen und Wünsche an die Göttin oder ihre Heilige formulieren können, sofern sie des Schreibens mächtig sind. Der Dorfschreiber von Rickenhausen wurde überdies angewiesen, nicht des Schreibens kundige Pilger auf Wunsch diesbezüglich zu unterstützen.
In Gratenfels wurden, wie jedes Jahr, die Schwefelquellen von Seiner Hochwürden Rudon Hainert gesegnet. Die im Stadtgebiet gelegenen Quellen wurden in Sankta-Theria-Quellen umbenannt, um auf das Wirken der Heiligen in Gratia Lapis hinzuweisen: Angeblich schöpfte bereits die Heilige Theria aus den Schwefelquellen, um einen bosparanischen Heerführer zu heilen, der bei einem Angriff durch Orks auf die damals nahegelegene bosparanische Festung Scopulus Gryphorum lebensbedrohlich verwundet worden war. Eine Geweihte der Kirche spielte - nach einer Ansprache Seiner Hochwohlgeboren Alrik Custodias-Greifax - zusammen mit einigen fahrenden Darstellern das Leben der Heiligen auf dem Marktplatz nach. Es heißt, der Niederhoninger Baron Ordhan Herlogan soll im Winter mehrmals in die Grafschaft Gratenfels gereist sein, um Gespräche mit den Baroninnen Melinde Eberwulf von Tannwirk in Witzichenberg, Selinde II. Tsasalda von Schweinsfold, Thalissa di Triavus von Rickenhausen sowie mit dem Landtgrafen persönlich zu führen. Aber auch mit dem Abilachter Reichsvogt Glenndun Aldewen, dem Seshwicker Baron Ronan zu Naris und der Honinger Lehensvögtin Hesindiana Eadhild Angrad sowie Vertretern der Peraine-Kirche soll der Niederhoninger sich getroffen haben, um über den Pilgerweg zu sprechen.
Die Umbenennung der alten Handelsstraße von Honingen nach Nembutal in Sankta-Theria-Steig und die Eröffnung des Pilgerwegs dürfte den Anrainer-Baronien einen Zustrom an Pilgern bescheren. Insbesondere der Niederhoninger selbst sowie die Baronin von Witzichenberg dürften darüber hinaus von der Bewerbung der einstigen, bislang nur regional bedeutsamen Verbindungsstraße profitieren. Zwar führt auch die Reichsstraße III durch beide Lehen, über die ein Großteil des Fernhandels zwischen dem Greifenpass und Elenvina oder Havena verkehrt. Doch der Grenz- und Straßenzoll dort wird von Reichsbeamten kassiert und fließt über das Fürsten- beziehungsweise Herzogenhaus als Abgabe direkt in die Reichskasse. Anders sieht es auf der Alten Honinger Handelsstraße aus, denn schon jetzt hat sich bei findigen Händlern herumgesprochen, dass der Grenzzoll auf dieser geringer ausfällt, was sich insbesondere bei größeren Lieferungen rentiert. Der auf der Landstraße kassierte Zoll wird zu einem großen Teil an die Honinger Gräfin beziehungsweise den Landtgrafen von Gratenfels abgeführt. Doch ein Teil fließt auch direkt in die Kassen derjenigen, welche die Zollstationen betreiben, und dies sind der Niederhoninger Baron und die Baronin von Witzichenberg. Eine Belebung der Landstraße dürfte diese auch für den Handel attraktiver machen und sich somit positiv auf die Einnahmen der Grenzbaronien auswirken.
Neben allem frommen Ansinnen mögen so also auch wirtschaftliche Überlegungen die Bestrebungen des Niederhoningers erklären, der Heiligen Theria zu größeren Ehren zu verhelfen.
(Quelle: Nordmärker Greifenspiegel Nr. 18, Beitrag von: Keara Lenahan|K.L.)
Zölle und Abgaben
Zu beachten: Der Sankta-Theria-Steig überquert zwischen den Orten Andoain und Witzichenberg nicht nur die Grenze zwischen den beiden Baronien Niederhoningen und Witzichenberg, diese bildet auch die Landesgrenze zwischen dem Fürstentum Albernia und dem Herzogtum Nordmarken. Daher werden hier von den Reisenden bei Grenzübertritt die folgenden Zölle erhoben:
- Für Händler drei Hundertstel des Warenwerts, zu zahlen an Zöllner des jeweiligen Barons oder der Baronin als Einfuhrzoll auf der entsprechenden Seite. Vier Zehntel der Zolleinnahmen werden einbehalten, sechs Zehntel gehen an das jeweilige Grafenhaus.
- Für Reisende 5 Kreuzer, zu zahlen an Zöllner des jeweiligen Barons oder der Baronin bei Betreten der jeweiligen Provinz
- Auf Niederhoninger Seite wird zudem ein Brückenzoll fällig bei der Überquerung des Rauwassers bei Andoain. Dieser beträgt 1 Heller pro Rad und 1 Kreuzer pro Bein (Zug- und Lastentiere inbegriffen). Der Brückenzoll geht an den Baron.
(Quelle: Nordmärker Greifenspiegel Nr. 18, Beitrag von: Keara Lenahan|K.L.)
Ausführliche Quellen
Nordmärker Greifenspiegel Nr. 18 mit vielen Artikeln zur Einweihung des Pilgerweges im Jahr 1044 BF.