Nordmärker Greifenspiegel27
Das PDF des Greifenspiegels findet sich hier.
Mark Elenvina
Seltsame Bornländische Gräfin
Elenvina, Phex 1047 BF. Spät am Abend in einer schwarzen, abgedunkelten Reisekutsche fuhr sie vor: Die Gräfin Erzsébet von Ecsed und Fogarasföld. Ein befremdlicher und seltsamer Ruf reist ihr voraus. Vor etlichen Götterläufen hatte sie aus ihrer bornischen Heimat fliehen müssen. Damals hatte es in Festum mehrere seltsame Morde an jungen Frauen gegeben. Die abergläubigen Bornländer hatten die landlose Gräfin, die zur Gesellschaft der Hauptstadt des Landes an Born und Walsach gehörte, verdächtigt. Sie habe - so der unbewiesene Vorwurf - die Frauen ermordet, um in ihrem Blut zu baden. Davon habe sie sich ewige Jugend versprochen.
An diese Gerüchte konnte sich im Interview mit dem Greifenspiegel ein bornländischer Ritter erinnern, Kilian d.J. Adlerkralle von Adlerstein, welcher im vergangenen Peraine am Frühlingsturnier in Herzogenfurt teilgenommen hatte und derzeit durch die Nordmarken und Albernia zog. Zumindest gelang es uns, aus den nicht leicht verständlichen Aussagen des Ritters diese Erzählung herauszuhören, denn der Bronnjar befleißigt sich eine sehr einschlägigen sewerinischen Dialektes.
Tatsächlich aber sind diese Ereignisse doch recht viele Götterläufe schon her, denn damals habe die Gräfin als Favoritin bei der Wahl zur bornländischen Adelsmarschallin gegolten. Das muss im Jahre 1008 BF gewesen sein, wo auch der Nordmärker Baron Balan von Sandowall versucht hatte, bornländischer Adelsmarschall zu werden (vgl. Aventurischer Bote Nr. 29, Seite 4). Der damalige Eisensteiner Baron hatte offensichtlich auch Ansprüche auf einen bornischen Adelstitel. Die Vorwürfe wider die Gräfin seien eine Intrige gewesen - so heißt es aus dem Umfeld der Bronnjarin. So habe die Verbündete des Grafen Uriel von Notmark ihre Chancen in der Wahl verloren. Damit könnten ihre Kontrahenten Gräfin Thesia von Ilmenstein und der Amtsinhaber Herzog Jucho von Dallenthin und Persanzig die Wahl unter sich ausmachen (Aventurischer Bote Nr. 29, Seite 2f).
Das ist also - wer rechnen kann, klar im Vorteil - bereits beinahe vierzig Götterläufe her! Doch die besagte, bornländische Gräfin sieht heute immer noch aus, als sei sie Mitte Fünfzig. Sie selbst gibt an, dass sie nur 54 Götterläufe alt sei. Doch das kann ja nicht sein, denn dann hätte sie bei der Wahl damals noch Minderjährig sein müssen.
Auf jeden Fall ist die sogenannte “Blutgräfin” nun bereits zum wiederholten Male im Hotel “Zum Fischkönig” - der besten Adresse in Elenvina - abgestiegen. Die Bürger der Nordmärker Herzogenstadt beobachteten bereits öfters die schwarze, abgedunkelte Kutsche zu später Stunde. Noch befremdlicher - so können wir berichten - ist die seltsame Bronnjarin auch verschiedentlich in der Isenhager Baronie Eisenstein gesehen worden, wo sie in einem Fremdenzimmer des Gasthauses “Zum Stolzierenden Pony” im Dorf Breewald übernachtet habe. Wir werden weiter verfolgen, was die “Blutgräfin” in den Nordmarken so treibt, und im Greifenspiegel dem geneigten Leser berichten.
(Himiltrud von Bösenbursch)
Landgrafschaft Gratenfels
Wegelagerer erbeuten Silberschatulle
Zikadenfels / Baronie Trappenfurten, im Phexmond 1047 BF. Auf der Landstraße zwischen Zikadenfels und Kleinhütten haben Räuber eine Kutsche überfallen. Der Kutscher und ein Begleiter wurden dabei verletzt, eine Schatulle voller Silbertaler geraubt.
Das Fahrzeug war im Auftrag eines Kaufmanns aus Grüningen (Baronie Wolfsstein) nach Zikadenfels unterwegs, um dort Web- und Schnitzwaren zu kaufen. In der anbrechenden Dunkelheit erspähte der Kutscher eine scheinbar zufällig über die Straße gestürzte Kiefer.
Als er anhielt, trat aus dem Unterholz ein großer, maskierter Mann und forderte ihn sowie den neben ihm sitzenden Wächter zum Absteigen auf. Als der Begleiter daraufhin zu seinem Speer griff, traf diesen aus einem Versteck heraus ein Armbrustbolzen in den Arm: „Der nächste Schuss geht ins Herz!“, drohte der Räuber auf der Straße.
Derart eingeschüchtert ergaben sich die beiden Männer. Sie wurden sogleich von dem schlaksigen Vermummten und einer hiter der Kutsche aus dem Wald geschlichenen Kumpanin mit vorgehaltenen Klingen bedroht.
Dann kam ein weiterer Missetäter dazu, trotz seiner Maskierung leicht als Zwerg zu erkennen. Dieser durchwühlte die Kutsche und fand alsbald eine Schatulle, in der sich eine nicht genau bezifferte Summe an Silbertalern für den geplanten Handel befand.
Die Räubersfrau piekte den Kutscher mit ihrem Dolch, um ihn zur Herausgabe eines Schlüssels zu zwingen. Doch dieser beteuerte wahrheitsgetreu, dass der Schlüssel einem Handelspartner in Zikadenfels per Beilunker Reiter zugegangen sei – gerade um einen Diebstahl des Geldes zu vermeiden. Verärgert hieb ihm daraufhin der große Dünne mit dem Knauf seines Kurzschwerts auf den Kopf.
Der Angroscho hantierte nun an dem Schloss herum und hatte es bald geöffnet. Nachdem er das Silber eingesackt hatte, schlugen die anderen beiden Räuber ihre Gefangenen bewusstlos und machten sich ungesehen von dannen.
Die Wache des fürsorglichen Barons Gutbert, die tags darauf den Ort des Überfalls untersuchte, fand keine Hinweise auf den Verbleib der Bande. Seine Hochgeboren rief die Bürger von Zikadenfels auf, wachsam zu bleiben.
(Madarius von Eselsbruck)
Traviabund im Sankta-Theria-Hospital zu Witzichenberg
Baronie Witzichenberg, St.-Theria-Hospital, Ingerimm 1047 BF. Am 14. Ingerimm wurde im „Witzichenberger Hospital“ feierlich ein Traviabund geschlossen:
Der Leiter des Hospitals, Dr. Ramon ya Hadras, und seine langjährige Gefährtin Desideria Sanceria, besiegelten ihre Verbindung vor der Gütigen Mutter. Die Zeremonie wurde bei bestem Wetter in dem prächtigen Garten des Hospitals unter einer von einer Weide beschatteten Laube abgehalten.
Mutter Bellatrava Bienenbusch vom Traviatempel in Tannbühl segnete den Bund des Paares in Anwesenheit etlicher Gäste, darunter das Baronspaar zu Witzichenberg und weitere Mitglieder der Familie, der Edle Herr Rondrik von Eberbach, der dem Bräutigam als Trauzeuge zur Seite stand sowie die Geschwister der Braut, die ihr als Trauzeugen dienten. Ferner waren anwesend die Hohe Dame Silvana ya Cordaya von Tannwirk, die Edle Dame Duridanya ya Cordaya von Tannwirk und Ihre Gnaden Helgolind Behrenfreit, alle drei Damen sind Freundinnen der Braut.
Außerdem weilten unter den Gästen der Hofmedicus zu Witzichenberg, Dr. Edorian Bellentor, und sein Kollege Meister Drego Grabschaufler, Hofmedicus zu Tommelsbeuge.
Nach der Zeremonie gab es ein Mahl für die geladenen Gäste, welches Endilia und Kuno Folmin, die Wirtsleute des Gasthauses Pilgersruh im Dörfchen Witzichenberg, zubereitet hatten. Am Nachmittag waren die Bewohner des Dorfes auf einen Umtrunk zur Feier in den Garten geladen. Während den Erwachsenen Bier und Apfelwein gereicht wurde, gab es für die Kinder unter den Gästen Apfelsaft und kleine Säckchen mit Süßigkeiten.
Später wurde aufgespielt und man tanzte auf den Wegen und Rasenflächen des frühsommerlichen Gartens. Am Abend wurde ein prächtiges Spanferkel von der Burg gebracht, dazu in großen Mengen Fladenbrot - das Hochzeitsgeschenk der Familie Eberwulf von Tannwirk.
Als es dunkelte wurden überall im Garten Lichter entzündet, was die Witzichenberger als Einladung verstanden, fleißig weiter zu feiern. Einen besonderen Auftritt gaben der Schafhirte Findan und seine zwei Gehilfen. Findan war im letzten Winter im Hospital erfolgreich behandelt worden und sah es nun als seine Pflicht an, sich bei dem Brautpaar für seine Behandlung, die er nicht hatte bezahlen können, zu revanchieren. Die drei waren mit ihren langen, ungepflegten Haaren und Bärten und ihrer wilden Kleidung aus Leder und Fellen wirklich wüste Erscheinungen. Mit sich führten sie Flöte und Sackpfeife, mit denen sie zu Findans krächzendem Gesang gar schaurige Töne erklingen ließen. Die Reaktionen der Zuschauer auf Lieder wie „Trollhammer“ und „Jagdzeit“ waren, nun sagen wir, gemischt. Während viele der jüngeren Gäste ausgelassen zu dem „Krach“ (Zitat Ihrer Wohlgeboren Liliane Eberwulf von Tannwirk) tanzten und ihre Köpfe wild schleuderten, hielten sich andere die Ohren zu und versuchten möglichst viel Abstand zu den Musikanten zu halten. Seit diesem Auftritt, der legendär zu werden droht, spricht man von den drei Hirten schon jetzt nur noch als „Fins Trolle“. Sowohl die Baronin Melinde und ihr Gemahl Ingrawin als auch das Brautpaar applaudierten sehr höflich nach der von Herzen kommenden Darbietung.
Das Hochzeitsfest dauerte bis in die frühen Morgenstunden, und das Brautpaar brach nach einer sehr kurzen Nachtruhe zu seinem Honigmond gen Gareth und Perricum auf.
(Lara von Siebenstein)
Junkerin zu Bussardstein gibt Vermählung ihrer Tochter bekannt
Baronie Witzichenberg, Gut Bussardstein, Ingerimm 1047 BF. Ihre Wohlgeboren Belina von Siebenstein, Junkerin zu Bussardstein, freut sich, die Vermählung ihrer Tochter Lara mit dem Herrn Leutnant zur See, Frodebrand Efferdlieb von Harthals-Schwarzklamm, bekannt zu geben! Der Traviabund wurde am 17. Ingerimm 1047 BF im Traviatempel zu Elenvina geschlossen. Ihre Exzellenz, die Admiralin Rahjadana von Tannwirk, wohnte der Zeremonie als Trauzeugin bei.
Dem frischvermählten Paar die besten Wünsche!
(Belina von Siebenstein)
Verlobung der Häuser Weidenpfuhl und Aretin
Burg Widderkopf, Edlengut Neu-Arraned, Baronie Arraned / Edlengut Sturmhöhe, Baronie Witzichenberg, Peraine 1047 BF. Im Peraine diesen Jahres wurde die Verlobung zwischen Cordoban von Weidenpfuhl und Roxane von Aretin auf Burg Widderkopf geschlossen. Ein Ereignis, was allgemein für Überraschung gesorgt haben dürfte, denn die Familien waren bis dahin miteinander gar nicht bekannt. Wie es zu diesem Verlöbnis kam, darüber gibt es nur Gerüchte, die besagen, dass die Braut auf einer Reise zu Schaden kam und von dem Hohen Herrn Weidenpfuhl gerettet wurde. Man munkelt, dass die Verhandlungen über den Ehekontrakt noch nicht abgeschlossen sind, ja womöglich noch nicht einmal begonnen haben - ein Schritt, der üblicherweise vor dem Schließen und Verkünden eines Eheversprechens gegangen wird. (Lara von Siebenstein)
Grafschaft Isenhag
Der Tod eines Großen des Reiches
Graf Ghambir, Sohn des Gruin ist zu Angrosch gegangen, Efferd 1047 BF
Mit vor Trauer schwerem Herzen und tiefer Bestürzung muss ich Ihnen werte Leser vom Tode eines Großen des Reiches berichten. Graf Ghambir ist in die ewige Esse Angroschs heimgefahren.
Über einhundertvierzig Götterläufe saß der scheinbar unerschütterliche Sohn des Gruin auf dem Thron des Isenhag. Nach der Lex Zwergia, gewählt von den Bergkönigen von Xorlosch und Isnatosch, saß er so manches Problem einfach aus, war sich bewusst, dass unliebsame Adlige über weniger Zeit verfügten als er selbst.
Ganze Generationen des Raulschen Reiches kennen nur seinen Namen. Mit ihm verbinden sie das Land zwischen Ingrakuppen und Eisenwald, welches vom Großen Fluß, einer der größten Lebensadern Westaventuriens durchströmt wird.
Seine Hochwohlgeboren Ghambir stand für Sturheit, aber auch Stabilität, und dafür wurde er über die Grenzen des Herzogtums geschätzt. Auch wenn das ganze Reich sich wandelte, blieb der Isenhag stets ruhig, beschaulich und unerschütterlich.
Die Umstände des Todes des Grafen sind nicht vollständig aufgeklärt. Sicher ist, dass er in Fasar zu Tode kam. Vermutlich war Ghambir, ebenso wie Prinzessin Gandrixa im Auftrag des Hochkönigs, in diplomatischer Mission in der mhanadischen Stadt, als die Nacht des Geflügelten Todes hereinbrach (der Aventurische Bote berichtete in Ausgabe 231). Augenzeugen berichten gar, dass unser Graf tapfer und aufrecht im Kampf mit einem der Drachen zu Tode kam.
Seine Hochwohlgeboren, der zu Lebzeiten ein gutes Verhältnis zu den Brillantzwergen pflegte und mit ihnen Handel trieb, war möglicherweise von Albrax dazu auserkoren im Streit zwischen dem Bergkönigreich Angralosch im Raschtulswall und den Erzzwergen von Fasar zu vermitteln und deshalb nach Mhanadistan gereist. Dass Ghambir, der den Isenhag zu Lebzeiten so selten verlassen hat, ausgerechnet in der Fremde den Tod findet, macht es nur noch tragischer.
Doch Prinzessin Gandrixa ist mit den sterblichen Überresten ihres Vaters längst heimgekehrt, da diese Zeilen zu Papier gebracht werden. Der Trauerfeier in Calbrozim fand in Anwesenheit vieler gekrönter Häupter statt. Auch Hagrobald vom Großen Fluss, der Herzog der Nordmarken, war gekommen, um seinem Vasall die letzte Ehre zu erweisen.
Doch wer folgt nun auf Graf Ghambir? Stabilität und Kontinuität sind bedeutsam für die Angroschim, so dass diese Frage bald eine Antwort finden wird. Ghambir hatte sich bereits nach dem Tod seines Sohnes Gatroxs und dem Exil dessen Zwillings Gharmnons aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Kaum jemand hatte ihn mehr zu Gesicht bekommen. Prinzessin Gandrixa war seither seine engste Vertraute, die ihm bei politischen Fragen zur Seite stand. Schon früher war sie es gewesen, die er zu Rate zog, so hört man aus Quellen am Hofe. Gandrixa agierte stets überlegt und weitsichtig, geschickt in Fragen des Handels, aber auch der Diplomatie. Lange vor dem Ableben ihres Vaters hatte sie die Amtsgeschäfte faktisch übernommen und leitete den Hofstaat in der Grafenfestung an der Opferschlucht. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Einigung zwischen Xorlosch und Isnatosch nicht lange auf sich warten ließ. Fargol sicherte der Prinzessin bereits vor der Trauerfeier in Calbrozim seine Unterstützung zu. Es geht das Gerücht, Borindarax, Sohn des Barbaxosch, Urenkel Fargols, Vogt von Nilsitz und einer der Werber um die Hand der Prinzessin, habe vor ihr gekniet und sie aufgefordert, die Krone des Isenhag zu ergreifen, die Stimme Isnatoschs sei ihr dabei sicher. Gemeinsam erreichte man offenbar eine Einigung mit Xorlosch unter dessen Bergkönig Tschubax, Sohn des Tuagel, wenn diese auch gewisse Zugeständnisse als Gegenleistung gefordert habe.
Mit den Stimmen beider Bergkönige war die Wahl zur Kandidatin der Gräfin des Isenhag seitens der Angroschim vollzogen, ganz so, wie es die Lex Zwergie will. Und so schwor die Tochter Ghambirs dem Herzog der Nordmarken Gefolgschaft, wie es das Lehnsrecht im Herzogtum am Großen Fluss vorsieht, und wurde neue Gräfin des Isenhag.
Ein neuer Wind weht nun am Hofe zu Calbrozim und wir dürfen guter Hoffnung sein, dass Gandrixa, Tochter des Ghambir die großen Fußstapfen ihres Vaters ausfüllt. Ambitioniert und voller Motivation geht die neue Herrscherin ans Werk und ihre Vasallen neigen das Haupt und beugen das Knie. Der Graf ist tot, es lebe die Gräfin.
(Burkhard Ludolfinger)
MI: Der Inhalt des Artikels gibt einen Teil der Geschehnisse des Abenteuers Bande aus Silber der Kampagne um Brandans Pakt wieder.
Rionn verschollen in der “Öde”
Baronie Eisenstein, Peraine 1047 BF. Erneut blicken wir sorgenvoll auf jenen unheimlichen und lebensfeindlichen Landstrick in der Isenhag’schen Baronie Eisenstein, der von den Menschen dort die „Öde“ genannt wird. Im Winter hatte sich ein Tsageweihter, der in den Nordmarken unter dem Namen „Rionn“ – einfach nur „Rionn“ – bekannt ist, aufgemacht, um den Hintergrund für das Auftreten der sogenannten „Millenium-Käfer“ ausfindig zu machen (wir haben im Greifenspiegel 25 und 26 berichtet). Gegenüber „Glöckchen“, einer Tsageweihten im Tsatempel im Eisensteiner „Aal Bösch“ soll Rionn geäußert haben, dass ihn interessiere, wie das funktioniere, dass diese Ungetüme von Riesenkäfern, ihren Opfern das Gedächtnis rauben.
Rionn selbst hatte vor vier Jahren sein Gedächtnis verloren und war in Albernia auf einem Feld vom Nordmärker Gelehrten und Sternenkundler Hesindiard von Rickenbach in einer sternenklaren Nacht aufgefunden worden, als gerade just ein Stern vom Himmel fiel. Der hatte ihn dann alsbald „ausgeliefert“ an die Tsagweihte Uisce Beatha in Völs am Waldsee. Diese nannte ihn nach dem Alberned-Wort für Stern „Rionn“.
Nun hoffte er wohl, bei diesen „Millenium-Käfern“ etwas über das Wesen seines eigenen Gedächtnisverlust erfahren zu können. Des Weiteren sei er als erfahrener und versierter Exorzist an den Eigenschaften der Käfer selbst interessiert. Denn Gelehrte behaupten, die „Äonen-Käfer“, wie sie auch genannt werden, würden dämonischen Ursprungs sein und der Domäne der Widersacherin des Herrn Boron zugeschrieben. Davon würden die vier roten Hörner auf dem Rückenpanzer der riesigen Käfer zeugen. Schon unheimlich der Gedanke, dass in der sogenannten „Öde“ möglicherweise Dämonen frei herumlaufen könnten.
Weiter behaupten die Gelehrten, diese Käfer, die riesigen „Großen Schrötern“ ähneln würden, seien Anzeichen für ein soganntes „Karmakorthäon“ – das sei, wenn ein Zeitalter zuende gegangen sei und ein neues irgendwann anbrechen könnte.
Der Tsageweihte Rionn jedoch – und das stimmt zur Sorge – sei nun seit mehreren Monden nicht mehr gesehen worden, seitdem er im Firun mutig in die „Öde“ geschritten sei. Manche sagen bereits, er ist dort verschollen. Das wäre eine schreckliche Nachricht. Zwar war der Tsageweihte nicht ganz unumstritten, weil niemand wusste, was sein Hintergrund war. Auch wirft ihm das Haus Rechklamm vor, dass es seinem Leichtsinn zuzuschreiben war, dass der Tsanovize Eoinbaiste bei der Lützeltaler Hochzeit 1045 BF eine Geisel des sogenannten Bäckerpruch geworden sei. Doch soll Rionn in den zurückliegenden Götterläufen in den Nordmarken auch so manch gute Tat vollbracht haben, dass es sicher doch Leute geben wird, die ihn vermissen.
(Himiltrud von Bösenbursch)
Rechklamm-Urenkel geboren
Baronien Eisenstein und Gemharsbusch, Rahja 1047 BF. Die Freude auf der Scheuburg soll groß gewesen sein, als die Nachricht aus Albernia eintraf. Besonders Noitburg von Rechklamm, die Herrin von Breewald, soll gejubelt haben, als sie hörte, dass ihre Enkelin Himiltrud zwei gesunde Jungs zur Welt gebracht hatte. Sofort schickte man nach der Tsageweihten “Glöckchen”, dass man einen Dankgottesdienst zu Ehren der Ewigjungen feiern wolle. Die Urenkel von Noitburg seien nach den beiden großen Helden aus dem Hause Bösenbursch benannt, welche in den zurückliegenden Götterläufen ihr Leben hingaben, um die Menschen in den Nordmarken vor namenlosem Grauen zu bewahren: nach Himiltruds verstorbenen Gatten Gudo und nach dessen Bruder Liudger, mit dem sie verlobt war, als dieser starb, den Vater der Zwillinge. Damit rücken die beiden Kinder in der Erbfolge beider Häuser hinauf, sowohl im Haus Bösenbursch mit Blick auf das Gut Moosgau in Eisenstein als auch im Haus Rechklamm: Sollte die Erbin Isotta, Himilstrud Schwester, nicht wie der Baron es fordert einen Ehemann finden, so gibt es nun zwei männliche Erben namens Gudo und Liudger. Dass die Umstände unter denen die beiden Kinder im albernischen Gemharschbusch geboren wurden nicht ganz einfach gewesen sein sollten - man berichtete von einem Spuk der auf der Burg Dun Glaoran umging - wurde schließlich überlagert von der schönen Nachricht, dass Himiltrud schon bald mit den beiden Kindern und ihrer Cousine Koarmin zu Besuch auf die Scheuburg kommen wollen anlässlich der anstehenden Schwertleite von Mihoal von Rechklamm im Rondra 1048 BF. (Himiltrud von Bösenbursch)
Von Eisenstein nach Altenfaehr
Baronie Eisenstein, Phex 1047 BF. Aufbruchstimmung und Wehmut. Das verspürten viele auf der Hyndanburg im Gut Rickenbach. Viele Burgbewohner und auch Menschen im Ort Rickenbach zu Füßen der Burg hatten sich an die junge Familie gewöhnt und sie waren ihnen lieb geworden: der siebenjährige Leuhart von Schellenberg und seine kleine Schwester Mara. Aber auch die elfjährige Koarmin von Rickenbach, welche seit vier Götterläufen Pagin der Ritterin Ira von Plötzbogen war. Das Mädchen, welches aus dem benachbarten Gut Breewald stammte, war inzwischen auf der Hyndanburg heimisch geworden. Die Burgbewohner liebten es, wenn die Kinder auf der Burg tobten oder mit dem Hund des Zwergen tollten. Cullan hieß diese Wehrheimer Dogge. Respekteinflößend. Aber für die Seinen ein liebevoller Beschützer. Er gehörte zu Xobbel, wie der Zwergenkrieger heißt, der zur Ritterlanze gehörte. Auch er würde nun mit nach Albernia gehen.
Albernia. Ja, das sollte das Ziel des kleinen Trosses werden. Genauer gesagt: Die Baronie Altenfaehr in der Grafschaft Großer Fluss. Dort hatte die Ritterin Ira nun eine Anstellung als Dienstritterin. Ihre Dienstzeit beim Eisensteiner Baron war nun vorüber. Auf der Burg Faehrwacht würden sie zukünftig wohnen. Dort soll die Ritterin die Rekruten der Burgwache ausbilden, sowie die Knappinnen und Knappen ihres neuen Herrn, Hakon Fingorn, dem Baron von Altenfaehr. Sicherlich würde das auch der kleinen Koarmin zugute kommen, die ja in zwei Götterläufen Knappin werden soll.
Koarmins Mutter, Miril von Rechklamm, soll es hingegen sehr schwer fallen, ihre Tochter nicht mehr so nahe in der Nachbarschaft zu wissen. Albernia ist doch schon weit weg. Andererseits sind auch einige ihre übrigen Kinder weit weg: Daithi zieht mit dem Meisterbarden Dyderich vom Sümpfle durch die Welt, Fionnuisce lebt auf der Burg Meilingen bei der Hofmagierin Ynis Witrin und Aiobhe ist Knappin bei der Burgoffizierin von Schweinsfold, Coletta von Hadingen. Nur Niamh, Eoinbaiste und Mihoal leben in der Baronie Eisenstein.
Mit Wehmut ließen die Menschen in Rickenbach und Breewald die Familie ziehen. Wir wünschen ihnen den Segen der Zwölfe und einen guten Neuanfang in Albernia.
(Himiltrud von Bösenbursch)
Der Spuk von Dun Glaoran
Bredenhag, Tsa 1047 BF. Toter Märtyrer sucht eigene Familie heim! Tote und Verletzte!
Vorwort: Als Schreiber des Greifenspiegels kommen wir in unserem Streben nach der Wahrheit manchmal in ein Dilemma: Wenn nämlich die zwölfgöttergefällige Pietät im Widerstreit zur Verkündung der allerneusten Neuigkeiten steht. So auch in diesem Fall: Auf ausdrücklichen Wunsch der Betroffenen, deren Schicksal und vor allem deren Schicksalsschläge wir schon einige Jahre begleiten, haben wir zugestimmt, diesen besonderen Bericht ausnahmsweise etwas zurückzuhalten, obwohl uns zahlreiche interessierte Nachfragen aus Bredenhag ob der Umstände erreichten. Mittlerweile haben sich die Wogen derart geglättet, dass die Geschichte nun doch das Licht der Welt erblicken kann. Wir bitten unsere treuen Lesenden um Verzeihung für diese Verspätung, hoffen aber, dass die Gründe nachvollziehbar genug sind.
Nach dem Tod Liudgers von Bösenbursch i(Mitte Travia 1047) hatte sich der Gemharsbuscher Baronshof, mit Verkündungen ansonsten eher freigiebig, verständlicherweise in borongefälliges Schweigen gehüllt. Liudger, vormals beim Bund des wahren Glaubens, hatte den Kirchendienst quittiert, um seines verstorbenen Bruders Platz- oder vielmehr, dessen Plätze, wie es heute scheint- einzunehmen. Wie sich herausstellte, hatte die Stille auf Dun Glaoran wohl nicht nur mit der Trauer um den Verstorbenen zu tun.
Schon einen Mond nach Liudgers Tod in Ambelmund hatte es Gerüchte über Geisterscheinungen in den dortigen Wäldern gegeben. Ansässige Rotpelze(!) hatten derlei gemeldet, sich des Problems aber angeblich bereits selbst entledigt. Eine Untersuchung des Crumolder Boronklosters, in dem die Großmutter des Toten seit einiger Zeit behandelt wird, konnte dann im Hesinde tatsächlich bestätigen, dass Liudger eben nicht die ihm weithin gegönnte und gewünschte Ruhe gefunden hatte, sondern dass sein rastloser Geist ausgerechnet im Ambelmunder Praiostempel umging. Auch die Boroni berichteten daraufhin, dass das Problem gelöst worden sei.
Im Firunmond sodann kam es zum folgenschweren Spuk auf Dun Glaoran, der Baroninresidenz von Gemharsbusch. Es heißt, mitten im Abendmahl des 14. Firun sei urplötzlich ein großes Getöse losgewesen, als die Burg begann, sich gegen ihre Bewohner zu wenden. Die Bewaffneten der Baronin hätten versucht, sich zur Wehr zu setzen, seien aber von ihren unsichtbaren Feinden überwältigt worden, sodass vorerst nur die Flucht aus der Burg blieb. Mehrere Mitglieder des Hofes wurden dabei verletzt, darunter der betagte Großvater des Verstorbenen und auch der Hofkaplan ihrer Hochgeboren, der bereits mit einem Exorzismus begonnen hatte.
Ebenfalls verwundet wurde Dienstritter Gerion von Schrötertrutz, der versucht hatte, Himiltrud von Bösenbursch, die Witwe von Liudgers Bruder Gudo, zu erreichen. Diese wiederum befand sich nach übereinstimmenden Auskünften im Zentrum des Spuks- kurz zuvor hatte sie sich aufgrund einer Unpässlichkeit vom Abendmahl entschuldigt. Auch von Schrötertrutz musste sich jedoch schlussendlich dem unsichtbaren Feinde geschlagen geben und mit dem Rest des Hofstaats in den nahen Ort Gemharsbusch ausweichen. Die schweren Burgtore schlossen sich hinter ihm sogleich von selbst. Beim sofortigen Versuch, wieder gewaltsam in die Burg einzudringen, wurden mehrere Waffenknechte verletzt und einer gar getötet. In Gemharsbusch angekommen, schmiedete man Pläne, wie dem Spuk beizukommen sei. Eine zufällig anwesende Delegation aus Elenvina, die den Nachlass Liudgers hatte regeln sollen, verstärkte die abgeschmolzenen Reihen der Baronin.
Wenig später gelang es einer gemischten Truppe aus wackeren, jungen Nordmärker Recken, zusammen mit den verbliebenen Waffentreuen der Baronin, doch noch, die Burg zu stürmen. Ständig von schauerlichen Erscheinungen gejagt, konnten sie Himiltrud von Bösenbursch schließlich finden und dem Poltergeist, zu dem ihr Schwager Liudger inzwischen geworden war, entreißen. Hierbei tat sich wohl vor allem die Hesinde-Novizin Aisigia von Rickenbach hervor, die mutig ins Zentrum des Spuks voranstürmte, während mehrere Knappen ängstlich in Deckung kauerten. Yofenia von Lanzentann, die letzte vor Ort verbliebene Dienstritterin der Baronie, führte die kleine Truppe zurück in Sicherheit.
Zu diesem Zeitpunkt muss die Lage sehr prekär erschienen sein, denn selbst die Retter der Frau Himiltrud waren nun in der Mehrzahl ebenfalls schwer bis lebensgefährlich verletzt worden. Frau Praihild standen kaum noch Bewaffnete zur Seite, und selbst Verstärkung vom nahen Grafenhof hätte wohl wenig gegen geisterhafte Widersacher ohne Körper ausrichten können. Somit war die Burg weiterhin im Bann des Poltergeists gefangen und noch immer wurde mit dem jungen Liugrimm von Schrötertrutz eine weitere Person in der Burg vermisst.
Am Ende war es eine Gruppe Abenteurer, die von der Baronin in dieser Stunde der Verzweiflung angeworben wurde, die den Spuk schließlich beilegen konnte. Über diese Helden ist wenig bekannt. Aussagen einer wohl stark angetrunkenen Magd im örtlichen Gasthaus, wonach Borongeweihte, Magier, spitzohrige Elfen aus dem Ewigen Eis, Goblins und Barbaren von jenseits der Orklande beteiligt gewesen sein sollen, dürfen jedoch stark bezweifelt werden. Zwar schwört besagte Magd, genau solche Gestalten in der Vogtei im Orte Gemharsbusch gesehen zu haben, aber es gilt als ausgeschlossen, dass die höchst praiosgläubige Baronin zu solchen Mitteln greifen würde, zumal sie erst kürzlich dem Söldnertum abgeschworen hatte. Offizielle Auskünfte wurden hierzu jedenfalls nicht erteilt.
Was genau den Geist des verstorbenen Liudger von Bösenbursch, immerhin Märtyrer wider den Namenlosen und bereits davor verdienter Ordensbruder, derart angefacht haben könnte, ist ebenfalls noch nicht ganz heraus. Mutmaßungen drehen sich vor allem um Himiltrud von Bösenbursch. Wie sich nämlich inzwischen herausstellte, hatte Liudger nicht nur versprochen, den Traviabund seines Bruders mit ihr aufzunehmen. Sie war zum Zeitpunkt des Spuks auch bereits schwanger!
Die vielen pikanten Einzelheiten dieser Ereignisse veranlassten uns, der Bitte der Familie, sich einige Zeit in Ruhe sammeln zu können, nachzukommen. Baronin Praihild ließ uns kürzlich ihren Dank zukommen und teilte zugleich mit, dass Frau Himiltrud im Peraine 1047 gesunde Zwillinge zur Welt gebracht habe. Deren Namen, Gudo und Liudger, könnten wohl treffender nicht gewählt worden sein. Außerdem habe die als tief zerstritten geltende Familie seit der Geburt enger zusammengefunden und ginge mit neuem Elan an die kommenden Monde heran. Der Nordmärker Familienzweig, der seit 1045 BF in Gemharsbusch weilt, wird demnach bald in das Stammlehen Moosgau im Isenhag zurückkehren.
(Halman Quent)
Der Schrei des Rotwildes
Baronie Eisenstein, Firun 1047 BF. “fáeth fiada” - so lautet ein altes albernisches, firungefälliges Schutzgebet für Jäger und Gejagte. Es ist in Alberned verfasst. Die Übersetzung des Titels lautet: “Der Schrei des Rotwildes”. Ob in diesen Wochen im Isenhag’schen Eisenstein das Rotwild mancherorts schreit? Auf jeden Fall gibt es viel Unruhe unter den Wildhütern in der Baronie. So kam jüngst Alrik Lückel, der Jagdmeister des Breewaldes, zu seiner Herrin, Noitburg von Rechklamm, und berichtete davon, dass zum wiederholten Male unerlaubt kapitale Hirsche aus dem Wald verschwunden seien. Das wird dem Baron, Rajodan von Keyserring, auf Dauer überhaupt nicht gefallen, weil er alsbald in seinen Wäldern nicht mehr ordentlich jagen können wird. Denn auch in anderen Wäldern seiner Baronie gibt es Berichte darüber, dass freche Wilderer unterwegs sein müssen und das den Wildhütern selbstverständlich bekannte Rotwild stark dezimiert haben sollen. Was es damit auf sich hat? Das ist gerade das Gesprächsthema in den Dörfern der Baronie Eisenstein. Wer kann so dumm sein und den Eisensteiner Baron so zu provozieren. Auf Wilderei stehen harte Strafen. Und Rajodan von Keyserring wird nicht davor zurück schrecken, diese Strafen mit aller Härte zu vollstrecken. (Himiltrud von Bösenbursch)
Allerlei
Drachen verwüsten Fasar
Die Zerstörung Keshal Anghras, Efferd 1047 BF
Der Kampf zweier Drachen hat im zurückliegenden Mond des Unergründlichen einen Teil Fasars zerstört und viele Leben gekostet (der Bote berichtete in Ausgabe 231). Der Grund dieses titanischen Aufeinanderstoßens der sogenannten Purpurwürmer über der Stadt im oberen Mhanadistan ist unbekannt. Fest steht, dass der Elementardrache, den die Angroschim Ishlarin nennen, begann, die Stadt mit seinem Odem in Schutt und Asche zu legen und damit offenbar einen Rivalen auf den Plan rief.
Ishlarin ist jener Drache, welcher die Zeremonie der Erneuerung am Angroschheiligtum am Schlund angriff und nur durch einen Sternenfall zurückgeschlagen werden konnte. Letztlich führte es aber auch zum Ausbruch des Vulkans, der Zerstörung des Heiligtums und Ascheregen in vielen Teilen des Reiches. Sein Ziel, den Hochkönig der Angroschim und mit ihm alle hochrangigen Vertreter der Zwergenheit zu töten, konnte aber verhindert werden, auch wenn die Zahl der Opfer dennoch nicht gering ausfiel.
Wie aus dem Nichts erschien dann während des Drachenangriffs auf Fasar ein weiterer sechsbeiniger Geschuppter, wohl der Blaue Wyrm, auch als Abd al’Tughra bekannt. Dies ist jener Drache, der den Zwergen von Angralosch den Bruch des Uralten Friedensvertrag zwischen Angroschim und Drachen vorwirft, da sie im Raschtulswall siedeln und somit die einst festgelegte Grenze zwischen Zwergen und Geschuppten verletzen. Er setzte ihnen eine Frist, das Gebirge wieder zu verlassen und ihr neu gegründetes Bergkönigreich aufzugeben. Seit Verstreichen dieses Ultimatums greift Abd al’Tughra immer wieder Enklaven der Zwerge und auch ihre Handelszüge an, um sie zu schwächen und Angralosch wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Bisher jedoch ohne Erfolg.
Die Nacht des Geflügelten Todes, wie die Einwohner von Fasar sie nennen, kostete viele Leben - Menschen wie Zwerge. Ganze Häuserzeilen und Türme von Erhabenen der Stadt sind zerstört, durch den Kampf der Drachen, teils auch weil sie dem Raub der Flammen anheimfielen. Keshal Anghra, der Stadtteil der großen erzzwergischen Gemeinde Fasars, ist nahezu vollständig zerstört. Inmitten des Viertels klafft ein großer Krater im Erdboden und zeigt die Überreste einer riesigen, unterirdischen Kaverne, die wohl einst Zentrum des Lebens der Angroschim war. Über eintausend Zwerge sind ohne Heimat.
Doch der Ruf des Rogmarog von Isnatosch ertönt aus der Ferne, noch lauter als zuvor. Fargol ruft die Kinder Angroschs zurück in die Wiege ihrer Völker, in den Isenhag. Der Sohn des Fanderam hat Senalosch, die Letzte Festung, zu der sie ausgerufen wurde, weitsichtig so ausbauen lassen, dass weit mehr Zwerge dort Platz haben, als bisher dort leben. Und so laufen in der Zwergenkapitale im Firun des Eisenwaldes die Vorbereitungen, Sippen aus Fasar aufzunehmen.
Das sind jedoch nicht die einzigen Vorbereitungen, die man in Nilsitz beobachten kann. Geoden sind dieser Tage kein ungewöhnlicher Anblick mehr in den Siedlungen der Vogtei. In den oberirdischen Stadtteilen Senaloschs kann man sie sogar dann und wann über den Wehrgang der Stadtmauer laufen sehen. Es scheint, in Isnatosch will man vorbereitet sein, wenn der Geflügelte Tod aus dem Himmel herab stößt. Die Bergwachten mit ihren Drachenbanngeschützen sind in Alarmbereitschaft und durch Xorloscher Drachenjäger verstärkt.
Den Kampf der Drachen scheint Ishlarin gewonnen zu haben, auch wenn er nach der Auseinandersetzung rasch das Weite suchte. Vom Blauen Wyrm, den der Elementardrache im Sturzflug ins Zentrum von Keshal Anghra schmetterte, fehlt hingegen jede Spur. Die Druckwelle des Einschlags erschütterte die Erde und verursachte eine Staubglocke über dem Kampfgebiet, in deren Schutz sich Abd al’Tughra offenbar davon gemacht haben muss.
(Burkhard Ludolfinger)
MI: Der Inhalt des Artikels gibt einen Teil der Geschehnisse des Abenteuers Bande aus Silber der Kampagne um Brandans Pakt wieder.
Jubiläen, wohin das Auge blickt: Wahrer der Ordnung reiste in die Rommilyser Mark
Baronie Friedwang, Ingerimm 1047
Wo weilte der Wahrer der Ordnung zwischen Peraine und Rahja ? Die längere Abwesenheit Seiner Eminenz Pagol Greifax in Elenvina, kurz vor den Neujahrsfeierlichkeiten und dem großen Jubiläumsjahr, mag bei manchen Hauptstädtern für Erstaunen, wenn nicht sogar leichte Beunruhigung gesorgt haben.
Pagols Absenz hatte einen außergewöhnlichen Grund. Der Luminifactus bereiste im Frühjahr die ferne Rommilyser Mark, sowohl zu kirchenpolitischen Konsultationen wie aus einem sehr persönlichen Anliegen heraus: Dem Besuch der Baronie Friedwang, am Südwestrand der Schwarzen Sichel, um dort den Jahrtag der Dritten Dämonenschlacht zu feiern.
Der Greifenspiegel war exklusiv dabei, in Person unseres freien Mitarbeiters Caius Norbwyn Nottfels. Allerdings wurde die Redaktion bis zur Rückkehr S.E. um Diskretion bezüglich der genauen Reiseroute gebeten. Seit dem 20. Rahja befindet sich Pagol wieder wohlbehalten im Herzogtum.
Tatsächlich liegt Friedwang kaum eine Tagesreise von der bedrohten Grenze zu Transysilien entfernt. Erst im letzten Herbst soll es einen Überfall der götterlosen Feinde auf die Nachbarbaronie Oppstein gegeben haben, bei dem beinahe ein neugeweihtes Firunsheiligtum niedergebrannt worden ist. Entsprechend schien zwischen dem 22. und 24. Ingerimm besondere Vorsicht geboten zu sein, in den Tagen, in denen Pagol Greifax im Friedwängischen weilte.
Dass S.E. Pagol den Sieg über den verfluchten Bethanier in der Rommilyser Mark, noch dazu auf dem Land, zelebriert hat, mag den einen oder anderen Leser verwundern. Dieser Umstand war einem weiteren Jubiläum geschuldet: Auf den Tag genau vor 25 Jahren hatte Pagol Greifax den Friedwanger Praiostempel höchstselbst konsekriert, anlässlich einer Rundreise durch das damalige Fürstentum Darpatien. Wie es hieß, hatten Baron Alrik von Friedwang sowie Hochwürden Malachanias, als Lichthüter der "Sankt-Alborans- Siegesbasilika", einige Hebel in Bewegung gesetzt, um den prestigeträchtigen Wiederbesuch zu ermöglichen. Ihre Hochgeboren Syrenia von Mersingen ä.H., Erbvögtin zu Friedwang, soll als Verwandte S.E. zudem familiären Einfluss geltend gemacht haben.
Unter dem tosenden Jubel des einfachen Volkes und dem weithin schallenden Klang mehrerer Tempelgongs zog Pagol in Markt Friedwang ein, am 23. Tag des Mondes Ingerimm. Neben dem 1300. Götterlauf der Gründung der altdarpatischen Baronien Gallys und Friedwang wurde beim Festpraiosdienst auch der Opfer der vergangenen Jahrzehnte gedacht. Nicht wenige der örtlichen Praiosgeweihten haben in den chaotischen Tagen der Wildermark das Martyrium erfahren. Auch der Tempel selbst, der gleich im ersten Jahr nach der Schlacht an der Trollpforte geweiht worden ist, hatte stark gelitten. Nun wurde das Heiligtum aufwändig renoviert und insbesondere die güldene Kuppel erneuert.
S.E. ließ es sich nicht nehmen, aus diesem freudigen Anlass eine Greifenstatue zu spenden: ein Glanzstück nordmärkischer Kupferschmiedekunst, das ebenfalls mit Blattgold geschmückt wurde und nun hoch über dem Hauptort der Baronie leuchtet. Das Kuppeldach wurde dazu eigens mit einer ausgeklügelten Stützbalkenkonstruktion verstärkt, als weiteres Meisterwerk des Markgräflichen Baumeisters Perilax, Sohn des Pantagrax, der auch die Vorhalle neu gestaltet hat. Unter den Besuchern fand sich nicht zuletzt Anshelm Horninger, Geheimer Inquisitionsrat und Vorsteher des Praiostempels zu Rommilys. In der einstigen Wildermark haben Recht, Ordnung und Glaubenstreue gesiegt: Diese Botschaft war den Kirchenoberen wichtig.
Am Rande der Visite gelang es Baroness Tsalinde von Friedwang einen gestohlenen Praiosgong wiederzufinden, der an einer nahen Richtstätte vergraben worden war: Die Baronieerbin hat ihre Knappenzeit bis vor kurzem in der Grafschaft Albenhus verbracht, in Diensten Alrik Eckberts von Baernfarn, eines Leutnants der Herzöglichen Flussgarde. Von einem wundersamen Lichterglanz und ucurigefälligen Erscheinen eines Falken, als Höhepunkt des mittäglichen Praiosdiensts, wird ebenfalls berichtet.
Ebenso gab es ein herzliches Wiedersehen des Wahrers mit einer Gastwirtin des Marktfleckens Friedwang, die S.E. schon vor einem Vierteljahrhundert Gastung gewährt hat. Rauline Sockrenmoor darf als eine überaus travia- wie praiosgefällige Frau gelten. Ihr Gasthaus trägt rein zufällig denselben Namen wie der berühmte "Güldene Greif" an der Herzogenpromenade, was Pagol seinerzeit als gutes Omen gegolten haben mag.
Im Jahre `47 hat der Wahrer geruht, ein weiteres Mal im darpatischen "Greifen" zu übernachten: ein deutliches Zeichen auch gegen das Wirtshaussterben, von dem die Wildermark in Jahren der Plünderung und des Krieges heimgesucht worden ist. Pagols Festpredigt hat zweifellos von neuem Praiosfurcht und Zuversicht in die Herzen der einfachen, korgeplagten Märker gepflanzt.
Caius N. Nottfels (Uwe Eichler)
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Jedwelche freie Bürger und Bürgerin, welche sich als Bauern oder Handwerker in der Baronie Kaiserlich Phecadien niederlässt und sich eine Heimstätte schafft, werden reich belohnt!
Die phecadischen Grundherren bieten allen interessierten (Einfügung der Redaktion: freien!) Bauern (Einfügung der Redaktion: Wer hierauf schollenflüchtig zu werden wünscht, bedenket, dass dies den Rechten zuwiderstehet und entsprechend geahndet wird!): (Einfügung der Redaktion: weiterhin)
persönliche Freiheit
Einen Hof mit einer Hufe Ackerland als vererbbares Eigengut
Lebensmittel bis zur ersten Ernte
Saatgut, Vieh und Werkzeuge werden vom Grundherrn gestellt
Sechs Jahre Steuerfreiheit
Handwerkern:
Freiheit von Zunftzwang (Einfügung der Redaktion: bedenket, dass solches der Ordnung einer Stadt nicht wohlanstehet!)
Eine Werkstatt als vererbbares Eigengut
Lebensmittel auf Jahr und Tag
Werkstatteinrichtung und Werkzeuge werden vom Grundherrn gestellt
Sechs Jahre Steuerfreiheit
Wer sich in Phecadien niederlässt und sechs Götterläufe lang besagte Hufe oder Werkstätte bewirtschaftet, soll sie am ersten Tag des siebten Jahres zu Eigentum erhalten.
Interessierte melden sich mit Leumundzeugnis an der nächstgelegenen phecadischen Zollstelle.
Unterzeichnet
Hisela Luntfeld, Untervögtin von Kaiserlich Phecadien im Namen von Reichsvogt Cusimo Garlischgrötz und Baronin Rohaja von Gareth




