Nordmärker Greifenspiegel26
Das PDF des Greifenspiegels findet sich hier.
Mark Elenvina
Seltsame Vorkommnisse in Knechtstett
Knechtstett, Baronie Herzoglich Fuchsgau, Firun 1047 BF. Jüngst häuften sich Berichte aus dem Junkergut Knechtstett, die davon berichten, dass in der Region ungewöhnlich viele Wolfssichtungen gemacht wurden. Die hiesige Bevölkerung ist sich jedoch uneins, ob es sich um ganze Rudel der pelzigen Wildräuber handelt oder um ein angsteinflößendes Einzeltier.
Die Präsenz des oder der grauen Jäger wurde mit seltsamen kultischen Zeichen in Verbindung gebracht, die am Tag der Jagd am ersten Firun 1047 BF an den Häusern der Ortschaft Knechtstett auftauchten.
Einige Einheimische berichteten von einer in Pelze gehüllten Gestalt, die vor Tagesanbruch noch durch den Ort schlich und anscheinend die Häuser beschmierte, während die Junkerin wohl getrost auf ihrem Gutshof ein ausuferndes Fest vorbereitete.
Ob die Zeichen einen Fluch darstellen sollen oder eine Warnung Firuns sind, sich dem Wintervater gefälliger zu verhalten, blieb ungeklärt und auch die Junkerin wollte sich zu den Malereien an den Häusern nicht äußern.
Anscheinend blickt die Region auf eine neue Bedrohung, wenn schon mit den sporadisch einfallenden Flußpiraten nun auch noch nach Fleisch dürstende Bestien das Umland zwischen Oberhurst und Wiezenstein unsicher machen.
Wird die Junkerin den Willen und die Mittel haben, die Bevölkerung schützen zu können?
(Beregis Trappdorf)
Ein neuer Heiliger für die Nordmarken?
Elenvina, Storchengarten. Boron 1047 BF. Der tragische Opfertod des Liudger von Bösenbursch beschäftigt nicht nur den Herzog, für den er sich opferte, seine Familie, die diesen Blutzoll nun tragen muss, sondern auch die zwölfgöttlichen Kirchen.
Ihre Hochwürden Ivetta von Leihenhof, Hüterin der Saat des Hauses der Segensreichen Mutter und der Storchengarten der Peraine südlich von Elenvina, Äbtissin des Therbûniten-Ordens und des Vierschwesternordens soll nach gut informierten (oder auch schwatzhaften) Kreisen eine Depesche an Seine Erhabenheit, den Diener des Lebens, Leatmon Phraisop nach Ilsur gesandt haben, in der sie ihm die ebenso tragischen wie heldenhaften Umstände des Todes des edlen Herrn Liudger von Bösenbursch schilderte. Wichtige Aspekte der Göttin Peraine, für den auch die Priesterinnen und Priester der Peraine-Kirche jeden einzelnen Tag einstehen, sind Aufopferung, Hilfsbereitschaft und Verantwortung. Alle drei hat Liudger mit seiner Tat mehr als nur bewiesen – er war bereit, trotz seiner Ängste, sein Leben für Schwächere, für Hilfebedürftige – darunter auch die Goblins der ambelmunder Wälder – zu geben.
So soll Ihre Hochwürden, die ein Jahr zuvor auf persönlichen Wunsch des Dieners des Lebens die Peraine-Kirche als Legatin bei der Enthüllung des Heiligtums Boronia vertreten hatte, Seine Erhabenheit darum gebeten haben, Liudger zu einem Lokalheiligen der nordmärkischen Peraine-Kirche ernennen zu dürfen, zu einem Patron für Aufopferung und Verantwortung, damit er auch nach seinem Tode ein Leuchtfeuer dieser für jegliche Gemeinschaften so wichtigen Eigenschaften sein könne. Man munkelt, dass ihr Einfluss eine positive Entscheidung wahrscheinlich machen wird.
Persönlich hat sie schon im Perainetempel des von ihr geleiteten Storchengartens eine Messe zu Ehren Liudgers lesen lassen und ihre Gebete an Peraine gesandt.
Derzeit sucht Ihre Hochwürden auch in den Nordmarken nach Unterstützern ihres Anliegens und hat sich daher an verschiedene Peraine-Tempel der Nordmarken, insbesondere des Nordens, gewandt ebenso wie an ihr persönlich bekannte Priester und Adlige, darunter Rahjan Bader, dem Hochgeweihten der Rahja aus Eisenstein und Hochabt des Vierschwesternordens, Rionn, dem Tsageweihten, der Liudger auch im Sterben nicht verlassen hatte oder Lucrann von Rabenstein, dem Baron von Rabenstein und Geweihten des Herrn Boron.
Es scheint ihr ein gar persönliches Anliegen zu sein, Liudger von Bösenbursch für sein enormes Opfer, für seine Aufopferungsbereitschaft und sein Verantwortungsgefühl über den Tod hinaus zu ehren.
(Dalida Ernbrecht)
Alte Keller und Schriftstücke entdeckt
Liebsang, Baronie Herzoglich Fuchsgau, Boron 1047 BF. Jüngst wurden bei Arbeiten im Archiv der Amtsstube Vogeleck einige versiegelte Kellerräume wiederentdeckt. Die Dorfvorsteherin, Meisterin der Ernte Theodora Schüttelbirn, informierte umgehend die Junkerin, Praioberga von Erlensang, als zuständige Dienstherrin. Eine Investigatio durch den Dienstritter Anselm von Erlensang brachte mehrere alte Bücher und Steintafeln, sowie einige antiquierte Möbelstücke aus den versiegelten Räumen zu Tage. Weder die anwesende Peraine Geweihte noch eine Gelehrte aus dem Gefolge des Ritters konnten die verwitterten Schriftzeichen auf den Dokumenten genauer deuten. Das Alter des Fundes und der versiegelten Räume ließen sich daher nicht genauer datieren. Darum wurden die Fundsachen und die Räume, auf Geheiß des Ritters, wieder verschlossen und vermauert. Ein Gesuch an die Academia Dominationis Elenviniensis im fernen Elenvina gerichtet. Man erhofft sich die Unterstützung durch einige der Gelehrten, um Klarheit über diesen Fund zu gewinnen. Die aufkommenden Gerüchte um eine Verbindung zu möglichen Paktieren oder Schlimmeren aus altvorderer Zeit wiesen die anwesende Geweihte und der Vertreter des Hauses Erlensang entschieden zurück. Der Ritter und die örtlichen Büttel stellten die Ruhe und den Frieden vor Ort wieder her.
(Theodora Schüttelbirn)
Landtgrafschaft Gratenfels
Flößer verunglückt
Kleinhütten/Baronie Trappenfurten, im Boron 1047 BF. Auf der Flößerstrecke vom Kapellsee nach Kahnhalt ist bereits zu Anfang des Traviamonds ein Flößer tödlich verunglückt. Er war dort allein mit einem Floß Bauholz unterwegs, als sich laut einer Untersuchung der Wache des Barons eines der Taue löste, die das Gefährt zusammenhielten. Der Mann geriet zwischen die Tannenstämme, wie Zeugen beobachteten, die zur selben Zeit auf dem Weg entlang des für die Flößerei nutzbar gemachten Eulenbachs reisten. Sie konnten den Mann erst aus dem Wasser ziehen, nachdem sich die Stämme des auseinander gegangenen Floßes an der nächsten Schleife des Eulenbachs verfangen hatten. Er erlag seinen Verletzungen noch am Ufer. Die Zeugen haben den Verunglückten kurz vor dem Ablegen im Kapellsee mit einem noch unbekannten Mann in der Tracht eines Zimmermanns sprechen sehen. Nach jenem sucht nun die Wache des rechtschaffenen Barons Gutbert, in der Hoffnung, dass er vielleicht mehr über das Unglück berichten könne.
(Madarius von Eselsbruck)
Vögtin von Siebenstein zur Edlen ernannt
Baronie Witzichenberg, Burg Tannwirk, 14. Boron 1047 BF. Für langjährige treue Dienste erhielt Ihre Wohlgeboren Jasinai ya Cordaya von Tannwirk, bis dato Vögtin des Gutes Siebenstein, den Titel „Edle von Siebenstein“.
Die Baronin Melinde Eberwulf von Tannwirk zu Witzichenberg zeichnet mit dieser Belehnung nicht nur eine loyale Vasallin aus, sondern dankt dieser damit auch für ihre Ermittlungen bei den mysteriösen Vorfällen in der Baronie Ambelmund im Vorfeld der Tsatagsfeierlichkeiten des Herzogs im Travia 1047 BF.
(Lara von Siebenstein)
Alt-Baron von Witzichenberg ist heimgegangen
Baronie Witzichenberg, Burg Tannwirk, Hesinde 1047 BF. Das Haus Eberwulf von Tannwirk gibt bekannt, dass Seine Hochgeboren Alrik Eberwulf von Tannwirk, ehemaliger Baron zu Witzichenberg, am siebten Tag des Hesindemondes von Golgari über das Nirgendmeer geleitet wurde.
Um die Gesundheit Seiner Hochgeboren hatte es seit längerem nicht gut gestanden. Bis zu seinem Schlaganfall vor drei Götterläufen hatte Alrik von Tannwirk in Elenvina ein rahjagefälliges Leben geführt, nach diesem kehrte er zu seiner Familie auf Burg Tannwirk zurück, wo er seine letzten Jahre im Kreise seiner Kinder, Enkelkinder und Ur-Enkel verbrachte.
Geboren wurde Seine Hochgeboren am 1. Peraine 958 BF auf Burg Tannwirk als ältestes Kind von Helmbrecht und Jocasta Eberwulf von Tannwirk. Nach dem frühen Tode seines Vaters im Jahre 976 BF, trug er den Baronstitel zwar schon nominell, führte seinen Knappendienst bei Ihrer Hochgeboren Hiltpurga II. Timmerlain von Vairningen aber zu Ende und erhielt seinen Ritterschlag drei Götterläufe später.
Sein Traviabund mit seiner Gemahlin Ludmilla wurde mit sechs Kindern gesegnet, bevor diese im Jahr 1022 BF verstarb. Seine Hochgeboren führte die Baronie weitere fünf Götterläufe, bevor er deren Geschicke in die Hände seiner Tochter Roana gab und sich in Elenvina niederließ. Im Jahr 1039 BF traf ihn, wie viele andere Familien auch, ein neuerlicher Schicksalsschlag: Sein Sohn Lechdan fiel in der Schlacht um Mendena.
Erst im Jahre 1044 BF kehrte er dauerhaft nach Witzichenberg zurück, wo inzwischen seine Enkelin Melinde die Baronskrone trägt. In den letzten Monaten wurde Seine Hochgeboren trotz der aufopfernden Pflege seiner Schwester, Ihrer Wohlgeboren Liliane Eberwulf von Tannwirk, zusehends schwächer. Erst im vergangenen Perainemond war sein Bruder Ernbrecht nach jahrzehntelanger Abwesenheit heimgekehrt, um sich mit seinem Bruder auszusöhnen, mit dem er damals im Streit auseinander gegangen war.
Am Krankenlager des siechenden Bonvivants weilten seine überlebenden Kinder, mit Ausnahme Ihrer Hochgeboren Roana, deren Aufenthaltsort nach wie vor unbekannt ist. Sein Wunsch, sie noch einmal zu sehen und ihre Stimme zu hören, blieb unerfüllt. Auch sein Schwiegersohn und früherer Knappe, Geribold von Fischwachttal, Baron zu Tommelsbeuge, hatte seine Gattin Tsaja begleitet, um dem Sterbenden seinen Respekt zu erweisen und gemeinsam präsentierten sie ihm sein jüngstes Enkelkind, Eoban Alrik, welches erst am sechsten Praios das Licht Deres erblickt hatte.
Nach Rücksprache mit dem Hof-Medicus Dr. Bellentor kamen am Nachmittag des siebten Hesindes die jüngeren Enkel und Ur-Enkel, um sich von ihrem Großpapa zu verabschieden. Im Laufe des frühen Abends verlor Seine Hochgeboren das Bewusstsein und sein Atem ging nur noch flach. Die Familie weilte bei dem sterbenden Mann, allen voran die Baronin Melinde. Seine Schwester Liliane hielt seine Hand, sein Bruder Ernbrecht tupfte ihm die Stirn, während Ihre Hochwürden Bishdara Winhaller, Borongeweihte aus Witzichenberg, mit leiser Stimme Gebete sprach. Zur abendlichen Phexensstunde kam Seine Hochgeboren noch einmal zu sich, verlangte einen Becher Wein und fragte, ob Roana nicht endlich eingetroffen sei. Seine Schwester setzte einen Becher mit Wein an seine Lippen und er trank einige kleine Schlucke, bevor er wieder das Bewusstsein verlor. Ihre Hochgeboren Melinde beugte sich zu ihm, küsste seine Stirn und flüsterte etwas in sein Ohr. Es war in der Rahjastunde, als er zum letzten Mal die Augen öffnete, den Blick schon ins Jenseits gerichtet, seine Lippen formten ein leises ‚Ludmilla‘, dann ein Seufzen und Alrik Eberwulf von Tannwirk, Alt-Baron zu Witzichenberg, war über das Nirgendmeer gegangen.
Eine Abordnung der Imman Mannschaft der ‚Kefberger Keften‘ überführte am übernächsten Morgen den Sarg des Alt-Barons von der Burg, wo er im zwölfgöttlichen Schrein aufgebahrt worden war, zu dem am Rande des Dörfchens Witzichenberg gelegenen Borontempel. Bewohner aus Witzichenberg und Umgebung kamen, um ihrem früheren Baron das letzte Geleit zu geben. Der Zug wurde von Ihrer Gnaden Winhaller angeführt, ihr folgte der Sarg, dann folgte das Baronspaar, Melinde und Ingrawin, und die Geschwister Alriks. Ernbrecht stützte sein Schwester Liliane, die zwar Haltung bewahrte, aber der man den Schlag, den der Verlust ihres ältesten Bruders ihr versetzt hatte, deutlich anmerken konnte.
Im Tempel fand nur ein kurzer Götterdienst statt, denn der Sarg wurde für die Dauer von drei Tagen aufgebahrt, um allen Einwohnern der Baronie Gelegenheit zu geben, sich zu verabschieden. Die Ehrenwache des Toten wurde jeweils von einem Mitglied der Familie Tannwirk, der Familie Siebenstein, die mit der Familie Tannwirk verwandt sind, sowie einem Mitglied der ‚Kefberger Keften‘, übernommen.
Seine Wohlgeboren Riko von Sterz, Vogt zu Riedenburg, erschien bereits am Abend des 9. Hesinde auf Burg Tannwirk, um der Familie sein Beileid zu bekunden. Seine Wohlgeboren war nach Erhalt der Nachricht trotz der widrigen Witterungsverhältnisse unverzüglich zu Pferd und ohne sein Gefolge aufgebrochen, welches Burg Tannwirk dann am 10. Hesinde erreichte.
Die feierliche Beisetzung erfolgte am 12. Hesinde im Beisein der Familie, darunter auch der Baron zu Tommelsbeuge, den Würdenträgern der Witzichenberger Tempel, der Familie Siebenstein, der Familie Hardanger, Seiner Wohlgeboren Riko von Sterz nebst Gefolge und unter großer Beteiligung der Einwohner Witzichenbergs.
Seine Hochgeboren Alrik ruht nun Seite an Seite mit seiner geliebten Ludmilla, in dem für die Familie von Tannwirk mit einem schmiedeeisernen Zaun abgeteilten Bereich des Witzichenberger Boronangers.
Möge der Herr Boron seiner Seele Friede gewähren und die Herrin Rahja ihn in ihr Paradies aufnehmen!
(Lara von Siebenstein)
Die Kefberger Keften trauern um ihren Gründer und Wohltäter
Baronie Witzichenberg, Kefberg, im Hesinde 1047 BF. Die Imman Mannschaft Witzichenbergs, die Kefberger Keften, trauern um ihren edlen Gründer und Wohltäter, Seine Hochgeboren Alrik Eberwulf von Tannwirk, Alt-Baron zu Witzichenberg, der am siebten Hesinde zu Boron gegangen ist.
Gemeinsam mit seiner Gemahlin Ludmilla hatte Seine Hochgeboren Alrik das Immanspiel in Witzichenberg gefördert und die Gründung der ‚Kefberger Keften‘ um das Jahr 1020 BF protegiert. So oft es ihm möglich war, hat Seine Hochgeboren den Spielen ‚seiner‘ Keften beigewohnt und sie regelmäßig auch finanziell unterstützt.
Die Kefberger Keften entbieten der Familie Eberwulf von Tannwirk ihre Anteilnahme.
(Lara von Siebenstein)
Geistersichtungen in Wäldern von Ambelmund
Baronie Ambelmund, Boron 1047 BF. Die Wälder in der Baronie Ambelmund kommen nicht zur Ruhe. Erst im Efferd waren dort namenlose Umtriebe auszumerzen, und im Travia nicht nur der Herzog und der König von Andergast vor dem Zorn des Tierkönigs der Vielfraße zu retten, sondern sogar ein leibhaftiger Elfenvampir unschädlich zu machen. Groß war die Hoffnung aller braven Leute, dass nach all dem endlich Frieden in der Gegend einkehrte und Firuns raue Natur wieder ihr einziger Gegner ist, dem sie alltäglich ihre Lebensgrundlagen abzuringen haben. Doch weit gefehlt: vom Westrand des Tanns, wie die Wälder von den Einheimischen genannt werden, wird erneut gar Schauerliches berichtet:
Gestandene Köhlersleute aus dem Lipsteynischen, in Jahren harter Arbeit gestählt und im wohlvertrauten Tann gewiss nicht leicht zu verängstigen, waren es, die im Boron ganz und gar aufgelöst vor ihren Gutsherren gestürzt kamen. Auf dessen Geheiß hin hatten sie sich zuvor daran gemacht, ein bislang ungenutztes Waldstück an den Grenzen des Junkergutes der Köhlerei zuzuführen. Bereits zu Beginn ihres Unterfangens mussten sie die Angriffe eines wildgewordenen Waldschrates abwehren, was ihnen nach den stockenden Erzählungen ihres Anführers Fegerin Kahlbrandt auch gelungen ist. "Den Biestern kommt man nur mit Feuer bei - also haben wir ihm Manieren eingebrannt. Dann war erstmal Ruh... außer ein paar Rotpelzspuren nix aufregendes." hat er später dem Greifenspiegel geschildert. Diese Ruhe dauerte aber nur bis zu jener Nacht an, in der, so die Köhlersleute, eine wahrhaftig gespenstische Horde aus dem Nichts über deren Lager hereingebrochen sein muss: "Gräßlich anzuschauen" seien sie gewesen, "spinnengleich, mit langen, skelettartigen Armen und Beinen. Aus ihren bluttriefenden und von seltsamen Zeichen übersäten, fürchterlich grimassierenden und geifernden Fratzen" hätten "nur leere Augen mitleidlos auf ihre Opfer geblickt." Ein fahles Leuchten soll sie umhüllt haben, und denjenigen, die den Todesmut aufbrachten, sich wie ihr Anführer den Angreifern zu stellen, sei daraufhin fast der Schädel vor Kopfschmerzen zersprungen, während sich im ganzen Körper lähmende Erschöpfung ausgebreitet habe. Als dann noch der sorgsam geschichtete Kohlenmeiler wie von Geisterhand aufbrach, war es um das letzte Bisschen Kampfgeist der armen Leute geschehen. Mit nichts als dem, das sie in diesem Moment zur Hand hatten, sind sie um ihr Leben gerannt und gen Lipsteyn geflohen. Nie wieder wollten sie auch nur einen Fuß in dieses götterverlassene Waldstück setzen, so bekundeten sie einmütig.
Seine Wohlgeboren Radulf von Lipsteyn war über diesen Zwischenfall am Rande seines Gutes äußerst ungehalten und hat es sich nicht nehmen lassen, den Ort des Geschehens unverzüglich selbst zu untersuchen. Hierbei waren aber weder die Geister noch Hinweise auf deren Herkunft auszumachen. Die einzigen aufgefundenen Spuren deuteten darauf hin, dass sich nach den Erscheinungen Goblins über das verwaiste Lager hergemacht und alles geplündert haben müssen, was nicht niet- und nagelfest war.
Angesichts der noch ausstehenden Aufklärung der Ereignisse erließ der Junker die Anweisung, dieses Waldstück bis auf Weiteres zu meiden.
Ambelmund, oh Ambelmund, welche neue Bedrohung ist in Deinen Wäldern erwacht? Sobald hierzu neue Erkenntnisse vorliegen, wird der Greifenspiegel getreulich berichten.
(Eilada Daubschlager)
(Hinweis/Meisterinformationen: hierbei handelt es sich um die aus menschlicher Perspektive geschilderten Geschehnisse aus der Nordmarken-Kinder-PnP-Runde, in denen die von den Kindern bespielten Goblin-Held*innen im Abenteuer “Hüter der Tannen - alles für ein Zweiglein” auf äußerst kreative Weise das Köhlerproblem in besagtem Waldstück gelöst haben. Es waren im Übrigen weit mehr handwerkliche als magische Fertigkeiten beteiligt…).
Neuer Meister der Esse in der Grafenstadt Amleth
Grafenstadt Amleth, Baronie Schwertleihe, 14. Tsa 1047 BF. “Flamma exivit, nova scintilla nata est!” - Die Flamme ist erloschen, ein neuer Funke geboren! Schwarzer Rauch stieg aus den dunklen Schornsteinen des Ingerimmtempels in der Grafenstadt Amleth und kündete vom Tod der Tempelsvorsteherin, der Meisterin der Esse Auxilia von Eisenhuett. Drei Jahrzehnte stand die Geweihte dem alten Tempel des Feuergottes vor und prägte das Bild der Stadt. Nach einer zwölftägigen Trauerzeit wurde mittels eines Feuerorakels der neue Meister der Esse ermittelt. Überraschenderweise fiel die Wahl auf das jüngste Mitglied der eisernen Gemeinschaft: Belfionn vom Schlund. Erst knapp vor einem Götterlauf hatte sich der Geselle des Ingerimm der Geweihtenschaft in Amleth angeschlossen, folgte er doch seiner Gemahlin, die eine Position am Hofe des Barons von Schwertleihe angetreten war. Geboren war Meister Belfionn im nordmärkischen Paggennau, doch solvierte er sein Noviziat in einem Ingerimmtempel ab, der am heiligen Schlund im östlichen Garetien liegt, und ein besonderer Ort des Glaubens ist. Er vertritt den mystischen Zweig des Ingerimmkult und steht den Lehren des Angroschglauben nahe. Mit wenigen Worten des Dankes nahm er die Würde eines Praetors an und begab sich für einige Tage zur Meditation in die Feuerkammern, dem Heiligtum des Tempels. (Faldor Schwarzlist)
Eine bronzene Schlange für ein verwunschenes Tal
Galebbogen/ Baronie Galebquell. Tsa 1047 BF. Seit einigen Jahren schon dient der Baron der weiten Lande zwischen dem Kosch und der Galebra der Göttin Hesinde, Roklan von Leihenhof, als geweihter Priester. Für manche erstaunlich war vor einigen Jahren dieser Schritt Seiner Hochgeboren, doch war er bereits länger zuvor als Consor ein Laiendiener im der Hesindianischen Gaben. Gar wurde er 1039 BF im Hort Drachenblick unweit der Tesralschlaufe in Tobrien als Prätor in den Sacer Ordo Draconis aufgenommen.
Sein wissenschaftliches Steckenpferd schien nicht nur die nordmärkische Geschichte, insbesondere jene verlorenen Epochen der Zeiten vor Bosparans Fall zu sein, sondern auch die menschlichen und nicht-menschlichen Völker, die zu all diesen Zeiten auf dem Gebiet des heutigen Herzogtums gelebt hatten. Zu diesen zählen nicht nur die Zwerge, die seit ewigen Zeiten unter den Bergen ihre Königreiche bevölkern und gegen Drachen verteidigen, sondern auch rot- und schwarzpelzige Scharen. Vor der Ankunft der Menschen und der Urbachmachung der nordmärkischen Lande im Namen der Zwölfe lebten auf diesem Grund sowohl Orks als auch Goblins. Noch heute sind wild oder räuberisch lebende Goblinstämme eine Plage vor allem für die Barone und Edlen im Norden des Herzogtums. In den unwegsamen Regionen, den dichten Urwäldern oder den hohen Bergen, findet man dagegen noch heute allerorten Spuren der früheren Besiedelung der heute weitgehend vertriebenen Schwarzpelze.
Diesen Völkern, ihrer Geschichte und diesen Spuren widmete sich Seine Hochgeboren Roklan von Leihenhof als Mentor des Immerwährenden Hortes hesindianischer Gaben. Nicht nur leben auf dem Grund der Baronie Galebquell mehrere Goblin-Sippen, die sich anders als jene des Tieflandes, eine eigenständige Jäger- und Sammler-Kultur bewahrt haben sollen, auch berichtete er von deutlichen Hinweisen vorzeitlicher orkischer Besiedelung, die dank der Götter nur noch letzte Zeichen einer weit zurückliegenden Vergangenheit sind.
Eines dieser Zeichen dieser wilden, barbarischen Vergangenheit vor der Besiedelung der Menschen ist das Tal der blutigen Stele, welches in den Höhen des galebqueller Koschgebirges zu finden ist. Obzwar das Tal alten Karten aus den Archiven der Galebburg zufolge bereits seit Jahrhunderten bekannt war, geriet es doch in Vergessenheit. Erst vor gut zwanzig Jahren wurde es von dem damaligen Baron Riobhan von Leihenhof, dem Vater Roklans, und seinem Ratgeber Ynbaht von Lichtenberg wiederentdeckt und unter Bann gestellt. Roklan von Leihenhof nahm – mittlerweile als Mentor der Hesinde-Kirche – die Forschungen zu diesem mysteriösen Ort gemeinsam mit der Magierin Adepta maior Ancilla von Grangor, Esquiria, auch bekannt als Calderine von Leihenhof, seiner eigenen Base, aber einer ausgebildeten Gildenmagierin aus der horasischen Akademie der Erscheinungen zu Grangor, wieder auf.
Diese Erkenntnisse fassten sie bis Phex 1046 BF in einem eigenen kleinen Werk zusammen, ergänzt durch arkane und karmale Analysen, detaillierte Zeichnungen der Stele, des Tals und seiner Umgebung sowie Berichten über verschiedene, vor allem in der Zusammenschau erst auffälligen Phänomenen. Diesen Bericht stellte Seine Hochgeboren dem Hesinde-Tempel in Elenvina zur Verfügung. Offenbar gelangte der Bericht oder eine Abschrift davon auch in den Pentagontempel zu Gareth, denn Roklan von Leihenhof wurde von Seiner Eminenz, dem Erzwissensbewahrer des Zirkels Argelions und Erstem Schlangenrat, Valnar Yitskok, nach Gareth eingeladen. Begleitet von Ancilla von Grangor suchte Seine Ehrwürden, Magister Roklan von Leihenhof den Pentagontempel auf.
In einer feierlichen, aber erstaunlich schlichten Zeremonie empfing Roklan – zu seiner eigenen Überraschung – aus der Hand Seiner Eminenz den bronzenen Schlangenhalsreif und wurde für seine tiefen historischen, arkanen und spirituellen Erkenntnisse um das Tal der blutigen Stele zum Magister des Tals der Blutigen Stele geweiht. Wie Ihre Exzellenz Tersana Godal, die vormalige Hohe Lehrmeisterin des mittlerweile zerstörten Tempels in Tiefhusen, als Erzmagistra der Blüte vom Hilval eine Madablüte am Hilval erforscht und vor allem bewacht, so solle Seine Ehrwürden Roklan von Leihenhof fürderhin das Tal der blutigen Stele weiterhin erforschen und bewachen.
(Dalida Ernbrecht)
Le-O – ein neuer Götze der Goblins?
Nordgratenfels, Tsa 1047 BF. Eher für Gelehrte und Geweihte interessant mögen die neuesten völkerkundlichen Erkenntnisse Seiner hochgeborenen Exzellenz Roklan von Leihenhof sein, die er während seiner Forschungsexpeditionen durch die Wälder im Norden der Grafschaft Gratenfels gewonnen hatte. Nicht jedem ist bekannt, dass der Baron von Galebquell mittlerweile seit einigen Jahren ein Priester der Wissensgöttin Hesinde ist und diese spirituelle Aufgabe äußert ernst nimmt. Sein eigenes Spezialgebiet sind fremde Kulturen, speziell diejenigen der Nicht-Menschen. So gehört er zu den wenigen Gelehrten des Mittelreiches, die sich tatsächlich mit der Lebensweise der Rotpelze befassen. Und auch wenn die wilden Rotpelze sehr viel von den Menschen trennt und man ihnen eine eigene Kultur nicht zubilligen kann, so zeigen sich doch nach Experten wie Roklan von Leihenhof verschiedene Eigenheiten der nordmärkischen Goblins, die sie von anderen Goblins des Reiches und anderer Regionen unterscheiden.
„Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen…“ so wird Erzmagister Roklan von Leihenhof zitiert. „… dass die Goblins aus Festum eine beinahe menschliche Lebensweise angeeignet haben und dort die Bürgerrechte genießen. So ungewöhnlich dies auch scheint, so können sich offenbar Goblins mit sicherlich nicht unerheblichem Aufwand in die menschliche Gesellschaft einfügen. Missionierungsversuche der zwölfgöttlichen Kirchen sind ebenfalls fruchtbar, übernehmen die dortigen Goblins doch die Verehrung Peraines und Firuns.“
Die Goblins der Nordmarken sind indes weniger zivilisiert, leben sie doch in wilden und barbarischen Banden und Stämmen in den tiefen Wäldern insbesondere des Nordens Galebquells. Sie beten zu seltsamen Götzen wie einer Wildschweinsau Mailam Rekdai oder einem Jägergötzen Orvai Kurim. Nun berichtet seine Exzellenz jedoch davon, dass seit einiger Zeit die Sippen und Stämme Rituale abhalten, um einen Leo oder Le-O anzubeten. Seinen Erkenntnissen zufolge flehen sie diesen Götzen, den sie als einen schlanken hellhäutigen Menschen mit langem, dunklen Haar und einem länglichen, geraden Ast oder Stock auf ihren Höhlenmalereien darstellen, um Schutz gegen Monster und Unholde wie Bären, Wölfe und Elfen an.
Es mag erstaunen, aber seine Exzellenz habe sich unter die Stämme begeben und sogar ein Gespräch mit einer Schamanin geführt. Sie habe ihm erzählt, der gerade Stock sei kein Ast oder eine Waffe, sondern eine Flöte. Auch Goblins kennen Musik, zumeist Trommeln, aber auch einfache Knochenflöten, die sich an Kunstfertigkeit nicht mit denen der Menschen oder gar der Elfen vergleichen lassen.
Seine Exzellenz erinnerte sich an die Berichte von der Tsatagsfeier des Herzogs von vor wenigen Monden. Der junge Ritter Ritter Liudger von Bösenbursch hatte sich als Köder zur Verfügung gestellt, um einen Dämon oder Geist (die Berichte aus dem Greifenspiegel 25 sind hier ungenau) anzulocken, damit dieser vernichtet werden konnte. Der edle Herr Liudger von Bösenbursch war dabei zu Tode gekommen, hatte sein Leben für die Sicherheit des Herzogs geopfert. Nach Exzellenz von Leihenhof hatten auch die dortigen Goblinsippen unter diesem Geist oder Dämon gelitten. Goblins sind von einfachem Gemüt und Verstand, interpretierten sie etwa das Opfer Liudgers als Eingreifen eines Gottes, einer höheren Macht? Verehrten sie nunmehr Liudger als Götzen?
Mittlerweile tritt dieser Le-O auch bei anderen Sippen in den Nordmarken auf. Es scheint interessant zu beobachten, dass die wilden Goblins sich schwertun, die Verehrung der Zwölfe zu übernehmen, aber das heldenhafte Opfer eines Ritters wird zu einem aus ihrer Sicht göttlichen Eingreifen. Welche Möglichkeiten sich für die Missionierung der Goblins eröffnen, mochte Erzmagister Roklan von Leihenhof indes noch nicht abschätzen.
(Dalida Ernbrecht)
Hohe Steuern in Firnholz, was hat der neue Vogt vor?
Firnholz, Efferd 1047 BF. Nachdem sich die Baronin von Firnholz unmittelbar nach ihrer Rückkehr von den Feierlichkeiten des Geburtstags des Herzogs in Ambelmund (DATUM) auf eine Pilgerreise mit offenem Ende begeben hatte, wurde durch sie zur Verwaltung der Baronie noch eilends ein Vogt eingesetzt: Praiomar von Elgering. Er war bis dahin ein gänzlich unbekannter Mann, und uns ist auch in der Zwischenzeit nichts weiter über ihn bekannt geworden.
Allerdings erließ er kurz nach Fedoras Aufbruch gen Norden ins Gebirge und der Nahen Grenze zum Kosch, einige Steuer-Erhebungen, die es vorher lange nicht gegeben hatte. So wurde bespielsweise die Weinsteuer auf sämtliche Alkoholischen Getränke ausgeweitet, sie gilt nun auch für für Met, Bier, Gebranntes und alles mit Alkohol (Rum, Rumtopf, Gegorenes Obst) sowie Mohawasser.
Zudem wurde nach einiger Zeit auch der Mühlenzins angehoben, und das Verbot der Handmühlen erneut bei Androhung schwerer Strafen bekräftigt.
So soll er zudem Büttel und Wachen dazu abstellen, bei Verdacht in die Häuser und Wohnstätten einzudringen und Etwaige Handmüheln zu beschlagnahmen und die Nutzer zusätzliche Arbeit verrichten zu lassen.
War es noch nicht schlimm genug, wurde dann auch noch ein sogenannter Rondra-Heller eingeführt, den jeder Einwohner, gleich welchen Alters, zu entrichten habe (in Höhe eines Kreuzers in einem Mond) - Hierbei handelt es sich offiziell um eine Schutzsteuer für Militär und Wachen, für Büttel, einen Wachposten, einen Soldaten, einen Botenreiter, einen Dorfvorsteher, Torwachen, usw. Natürlich ist es wichtig, die Grenzen der Baronie und die Tore einer Stadn oder eines Ortes zu schützen, aber die ist eigentlich die Verantwortung des Barons oder der Baronin, oder des Vogts, und nicht die Angelegenheit des gemeinen Volkes.
Vor kurzem wurde bekannt, dass es nun ab dem nächsten Mond auch eine Wegesteuer innerhalb der Baronie geben soll - An Stadttoren auswärts, an Kreuzungen und an Gebietsübergängen, zur "Benutzung" der Straße bzw. des befestigten Weges, Für Wagen und Last-Tiere zahlt man extra - außer offizielle Botenreiter! Adel ausgenommen.
Wie man hört, hoffentlich ist es nur ein Gerücht, wird sogar darüber nachgedacht eine Wassersteuer einzuführen. Wir wissen noch nicht, wie genau diese aussieht und ab wann sie entrichtet werden muss, oder wer sie zu entrichten hat, aber bekannt ist, dass sie wohl Wasserkreuzer heißen soll und diesen hat jeder jeden Mond zu entrichten, da ein jeder Wasser trinkt, oder sich wäscht, oder damit kocht, und es so verbraucht - egal ob es aus einem Fluss, Quelle, Bach oder Brunnen kommt. und wieviel Wasser verbraucht wird.
Wie außerdem verlautet wurde, soll es noch eine Art "Vergnügungssteuer" geben, Rahjageld oder so, welchen Gastwirte, Bordelle, Garküchen und Spelunken zu entrichten haben, obwohl diese bereits unter der Alkoholsteuer zu leiden haben und die Gäste wegen steigender Preise für Speis und Trank bereits an einigen Stellen ausbleiben.
Welche Arten von Steuern und Erhöhung von Geldern, die der Vogt seit einiger Zeit sogar gezielt und unter Androhung von Gewalt einkassieren lässt, es neuerlich oder in naher Zukunft noch geben wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass die Bevölkerung schon jetzt unter den Abgaben ächzt, und so mancher die Abwesenheit der Baronin bedauert. "Unter unserer gütigen Baronin hätte es das nie gegeben, hoffentlich kehrt sie bald zurück, und schafft Ordnung." hört man hinter vorgehaltener Hand.
Veriane Mausefaust Benutzer: Moschkito
Trauer in Galebquell - Base des Barons und ihre Kinder verstorben
Galebquell, Travia 1047 BF. Die Wappen und Banner in der Baronie Galebquell hängen tief dieser Tage. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat das Haus Leihenhof geliebte Familienmitglieder an die Blaue Keuche verloren, die in der Grafschaft Albenhus grassierte (der Greifespiegel 25 berichtete).
Ihre Wohlgeboren Gwenna von Leihenhof und ihre beiden, 1030 BF geborenen Zwillinge Durahja und Durinja von Krotenau waren gerade zu Besuch bei den entfernten Verwandten aus dem Haus Unkenau, als die Blaue Keuche ausbrach. Auch die drei Leihenhoferinnen steckten sich mit dem gefährlichen Siechtum an und obwohl sie gleich in die Isolation in Einzelzimmer der Burg Unkenau gingen, umklammerte sie der Griff der Krankheit besonders schwer. So starben sie nach Auskunft der Junkerin Azula von Unkenau kurz bevor ihre eigene Tochter Iseweine von Unkenau zu Boron ging.
Untröstlich berichtete die Junkerin ihrem entfernten Verwandten und Oberhaupt des Hauses Leihenhof von dem Verlust, nahm sie doch die Schuld und die Verantwortung auf sich. Doch Ivetta von Leihenhof und Roklan von Leihenhof sprachen sie von jeder Schuld frei, denn Siechtum und Krankheit schlugen oft unvermittelt und erbarmungslos zu.
Schwer traf der Tod seiner Ehefrau und seiner Kinder Roderich von Krotenau, den Edlen von Falkenhain, der sich in seiner Trauer zurückzog. Obwohl man munkelte, dass die Ehe nicht von inniger Liebe getragen war, so bestach sie doch durch Loyalität und Vertrauen. Seit dieser Zeit stürzte sich der Konnetabel und damit Burghauptmann von Galebquell in Jagden auf Raubtiere und Räuber, kämpfte erbittert und aggressiv auf Turnieren und schien gar manches Risiko mehr zu suchen.
Möge Boron der Seelen der Verstorbenen gnädig sein und Rahja dem zurückgelassenen Herzen Frieden und Harmonie schenken.
Dalida Ernbrecht
Grafschaft Isenhag
Haus Bösenbursch entrichtet weiteren Blutzoll
Baronie Ambelmund, Boron 1047 BF. Es scheint, als sollte das kleine Amtsadelsgeschlecht derer von Bösenbursch nicht zur Ruhe kommen. Nachdem erst der albernische Familienzweig 1042 mit Minhild von Bösenbursch die Erbin der Baronie Gemharsbusch verlor und 1043 Gudo von Bösenbursch, der vermutete Nachfolger der Edlen von Moosgau, im Kampf gegen ein finsteres Feenwesen gestorben war, ist nun auch Herrn Gudos Bruder Liudger zu Boron gegangen.
Das ohnehin schon kleine Haus Bösenbursch besteht fast ausschließlich aus nordmärker Beamten und gilt als zutiefst zerstritten. Nach Herrn Gudos Tod zog sich die Familie weitgehend in die Baronie Gemharsbusch in Albernia zurück, wo sich wohl noch immer die meisten Angehörigen aufhalten.
Die Umstände von Herrn Liudgers Märtyrertod wider den Namenlosen sind an anderer Stelle bereits erschöpfend beschrieben worden, und so wollen wir unsere Leser nicht erneut mit den bedrückenden Einzelheiten belasten. Die Tragweite dieses erneuten Todesfalls für die Familie verdient aber besondere Rücksicht:
Mit Herrn Liudger stirbt nun schon der zweite designierte Erbe der greisen Edlen von Moosgau, ein Lehen, welches der Familie einst als Dank für treue Dienste am Herzogenhaus überlassen wurde. Somit verbleibt in gerader Abstammungslinie nur noch die Rechtsgelehrte Luzia von Bösenbursch, die sich jüngst mit dem albernischen Ritter Hadebrand von Münzberg vermählte. Die Nachfolge in Moosgau, einem Lehen, welches durch seine Abgeschiedenheit und das berüchtigte Temperament des Eisensteiner Barons schon zuvor ein undankbarer Posten gewesen war, dürfte der künftigen Inhaberin nun nochmal mehr Bauchschmerzen bereiten.
Damit aber nicht genug - denn wie der Greifenspiegel von Kollegen der Havena-Fanfare nun erfahren hat, war Herr Liudger auch noch im Begriff, das Eheversprechen seines Bruders mit Himiltrud von Bösenbursch (geb. Rechklamm) aufzunehmen. Auch Frau Himiltruds weitere Aussichten haben sich durch den Todesfall wohl kaum gebessert.
Fast noch Besorgnis erregender als das Ereignis selbst sind aber die Folgen, oder vielmehr das Ausbleiben derselbigen: Weder Baronin Praihild noch die Edle Rahjalin noch irgendjemand sonst aus der Familie hat seit Herrn Liudgers Tod irgendein öffentliches Wort zu dieser Sache oder irgendeiner anderen verlauten lassen. Informierte Quellen berichten, dass sowohl in Gemharsbusch als auch in Moosgau die Lehnsvögte die Geschäfte übernommen haben und die Tore von Burg und Herrenhaus seit Wochen fest verschlossen sind. Für alle, so scheint es, außer einer Person, nämlich Rahjalin von Bösenbursch, die Gerüchten zufolge kürzlich in großer Eile in die Baronie Crumold in das dortige Boronkloster gebracht wurde. Es steht zu befürchten, dass die schon zuvor lauten Zweifel an Wohlgeboren Rahjalins Zustand nur noch umso lauter werden dürften.
Der Gemharsbuscher Lehnsvogt Adalhard von Lanzentann bemühte sich auf Anfrage des Greifenspiegels bereits, zu versichern, dass die Geschäfte der Bösenburscher Lehen “den Umständen entsprechend möglichst ungestört” weitergeführt würden.
(Weynard)
Santo subito! Rionn unterstützt Heiligsprechung
Baronie Eisenstein, Hesinde 1047 BF. Während man in den Nordmarken noch vor drei Götterläufen sehr skeptisch auf diesen Tsageweihten geschaut hat, der sich “Rionn” nennt - ja, einfach nur “Rionn” - so ist er eigentümlicherweise inzwischen zu so etwas wie eine Autorität der Tsakirche geworden, dessen Wort neben dem der allseits geschätzten Rike von Eisenstein - auch bekannt unter dem Namen “Glöckchen” - allseits Gehör findet.
Wir erinnern uns: Dieser “Rionn” ist vor fünf Götterläufen ganz unvermittelt in den Nordmarken erschienen. Das heißt, eigentlich hatte ihn der Nordmärker Sternenkundler Hesindiard von Rickenbach in Albernia des Nachts nackt auf einem Feld auf dem Boden liegend gefunden. Da der Gelehrte nichts mit ihm anfangen konnte, hat er ihn beim naheliegenden Tsatempel in Völs am Waldsee abgegeben, weil es Anzeichen gab, dass er der Tsakirche nahe sein könnte. Die damals dort lebende Tsagweihte Uisce Beatha hatte ihm dann den Namen “Rionn” gegeben. “Rionnag” ist Alberned und bedeutet “Stern”. Denn in der Nacht, als der Sternenkundler Rionn auf dem Feld fand, sah man am Nachthimmel einen Stern fallen. “Rionn” konnte sich an seinen wirklichen Namen nicht erinnern. Er konnte sich an nichts aus seiner Vergangenheit erinnern.
So kam bald das Gerücht auf, er sei gar kein echter Tsageweihter, sondern möglicherweise mit dem Rattenkind im Bunde. Auch wirft ihm die Familie Rechklamm vor, dass er leichtsinnig das Leben des Rechklamm-Enkels Eoinbaiste gefährdet habe, einem Novizen der Jungen Göttin, der in die Fänge der Schergen des sogenannten “Bäcker-Pruchs” geriet. Doch nachdem Rionn sowohl auf dem Hoftag auf der Pfalz in Angroschgau bei Kaiserin Rohaja vorgesprochen hatte, als auch beim Geburtstag des Herzogs in Ambelmund aufgetreten war, haben viele in den Nordmarken ihre Skepsis abgelegt und Rionn scheint überraschend mittlerweile Ansehen zu genießen.
Darum ist es nun auch nicht unbedeutend, dass er sich aus dem Tsatempel zu Eisenstein zu Wort meldet in Sachen Liudger von Bösenbursch. Er hat an namhafter Stelle kund getan - so beispielsweise bei der Herzogenmutter, die ihn aus einem uns unbekannten Grunde schätzt - dass er die von Hochwürden Ivetta von Leihenhof vorgeschlagene Heiligsprechung des Bösenburcher unterstützt (siehe Artikel in diesem Greifenspiegel: “Ein neuer Heiliger für die Nordmarken?”) sowie sich den Gedanken von Hochwürden Deggen von Baernfarn, Ritter der Leuin, auch anschließt, der die Seligsprechung Liudgers fordert (der Greifenspiegel Numero 25 berichtete). Luidger habe sein Leben eingesetzt für den Schutz und Erhalt des Lebens selbst - und schließlich hatte Luidger es auch hingegeben. So würde er vor den Augen der Lebensfördernden Göttinnen (im Sinne der Vierschwestern-Ordens meint Rionn damit: Peraine, Tsa, Travia und Rahja) wie ein Heiliger wirken und sicherlich zu einem solchen erhoben werden müssen.
Vielleicht spricht daraus auch nicht unerheblich ein schlechtes Gewissen, welches Rionn hat, weil er gegen den Rat und den Willen Liudgers handelnd, beständig versuchte, das Leben des Tierkönigs der Vielfraße zu bewahren, obwohl dieser von einem uralten Vampirwesen besessen war. Damit dies gelang, musste Liudger von Bösenbursch sein Leben geben (siehe Artikel im Greifenspiegel Numero 25: “Rondrianische Gedanken - Von der Schwierigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen”).
So ist es auch aus Sicht der Familien von Bösenbursch und von Rechklamm ein Mindestes, sich mit der Forderung von Hochwürden Ivetta von Leihenhof und Seiner Gnaden Rionn auseinanderzusetzen: Santo subito!
(Himiltrud von Bösenbursch)
Rionn untersucht Käfersichtung
Baronie Eisenstein, Rittergut Breewald, Firun 1047 BF. In der vorigen Ausgabe des Greifenspiegels haben wir berichtet, dass eine Bäuerin in der an die Äcker des Gutes Breewald angrenzenden “Öde” - jenem unheimlichen, lebensfeindlichen Landstrich mitten in der Isenhagschen Baronie Eisenstein - mehrere große Käfer entdeckt hatte (siehe Greifenspiegel Nr. 25). Nachforschungen des greisen Magierschülers Hilarious Sternenfeld hatten ergeben, dass es sich anhand der Beschreibung, welche besagte Bäuerin gab, um sogenannte “Äonen-Käfer” handeln könnte, welche auch Millenium-Käfer genannt werden.
Jetzt ist dem Greifenspiegel zu Ohren gekommen, dass ein Geweihter der Jungen Göttin, welcher sich derzeit im Tsatempel im Aal Bosch aufhielt - einem verwunschenen Wald in der Baronie Eisenstein - aufgebrochen sei. Es handelt sich um jenen Geweihten, der mittlerweile unter dem Namen “Rionn” in den Nordmarken bekannt geworden ist. Diesen Namen hatte die albernische Tsageweihte Uisce Beathe ihm gegeben, weil er sich nicht mehr an seinen wirklichen Namen erinnern konnte: Gedächtnisverlust. “Rionnag” ist Alberned und bedeutet “Stern”.
Jedenfalls ist dieser Rionn - einfach nur “Rionn” - aufgebrochen, um in der Öde nach diesen Käfern zu suchen, so heißt es. Er habe die Hoffnung, herauszufinden, wie die Millenium-Käfer die ihnen zugeschriebene Amnesie bewirken, welche ihre Opfer unterworfen werden, wie es in den schlauen Büchern des Hilarious Sternenfeld beschrieben steht. Rionn scheint wohl anzunehmen, dass er darüber auch etwas über seinen eigenen Gedächtnisverlust herausfinden und ihn vielleicht aufheben könnte.
Die Millenium-Käfer ähneln sehr den sogenannten “Großen Schrötern”, nur seien sie deutlich größer und hätten vier rote Hörner auf dem Rückenpanzer. Sie seien dämonischen Ursprungs und gehörten zum Einflussbereich der Widersacherin des Herrn Boron - so Hilarious Sternenfeld. Es ist also in vielfacher Hinsicht ein sehr gefährliches Unterfangen, welches der Tsageweihte Rionn dabei eingeht. Nun mag ihm zugute kommen, dass er bekanntermaßen ein sehr erfahrener Exorzist ist. Doch was mag ihm in dieser lebensfeindlichen und unheimlichen “Öde” nicht alles zustoßen?
(Himiltrud von Bösenbursch)
Kilian von Midderneit nimmt sich Hilarious an
Breewald, Baronie Eisenstein, Hesinde 1047 BF. “Das einzige, was ich mit Sicherheit ausschließen kann, ist, dass ich Bote des Lichts werde.” Wir erinnern uns: Das sagte Anfang dieses Götterlaufs noch der greise Magierschüler Hilarious Sternenfeld, der im Eisenstein’schen Breewald “gestrandet” war. Der Greifenspiegel Numero 25 berichtete über ihn ausführlich. Der bedauerliche Magierschüler war vermutlich durch einen Zeitfrevel bei einer Reise durch den lebensfeindlichen Landstrich, welcher “Die Öde” genannt wird, einer unnatürlichen Alterung unterworfen (der Greifenspiegel Numero 17 berichtete). Die heimatliche Akademie der Herrschaft wollte ihn nach seinem Unglück nicht wieder aufnehmen in ihren Reihen. Wir vermuten, der Grund dafür könnte sein, dass damit die Akademieleitung eingestehen müsste, dass es sich bei dem greisen Magierschüler tatsächlich um den mittlerweile 19 Götterläufe alten Hilarious Sternenfeld handeln könnte und ebenso damit dokumentieren würde, dass in der “Öde” befremdliche und unheimliche Dinge vor sich gehen.
Zwischenzeitlich hatte sich der Graumagier Innozenz des Magierschülers angenommen und ihn in seinem Turm auf der Scheuburg im Gut Breewald unterrichtet. Doch seitdem sein neuer Lehrmeister vor mittlerweile einem Götterlauf aus seinem Hausarrest geflohen ist, gab es niemanden mehr, der sich in geeigneter Weise um die Bildung des greisen Magierschülers kümmern konnte. Hinzu kam, dass die Praioskirche - in persona des Geweihten Phoebus Feuerherz - die Studierstube des Graumagiers versiegelt hatte und somit kein Zugang mehr zu den Büchern gewährleistet war. Und das in der Zeit, wo er eigentlich seine Abschlussprüfungen ablegen müsste.
Doch vor kurzem erreichte die Herrin von Breewald, Noitburg von Rechklamm, ein Brief aus dem benachbarten Gut Hinterwald. Kilian von Midderneit, seines Zeichens Magus im Bund des Weißen Pentagramms, schreibt: “Soeben hat ein Bote mir den 25ten Nordmärker Greifenspiegel gebracht und ich musste vom Schicksal des Eleven Hilarious Pistorious Notorious Sternenfeld lesen.”
Dieser Magier war es vor drei Götterläufen, zu dem der Magierschüler Hilarious mit einer Botschaft von der Akademie in Elenvina unterwegs war. Auf dem Weg nach Midderneit nahm Hilarious Sternenfeld die “Abkürzung” durch die “Öde”. Auf dem Rückweg wurde der Magierschüler schließlich Opfer der Einflüsse dieses verdorbenen und unheilvollen Landstrichs (der Greifenspiegel Numero 17 berichtete).
“Da der Eleve derzeit keinen Lehrmeister zu haben scheint, und ihn sein Schicksal ereilte, als er mir eine Botschaft brachte, würde ich meine Hilfe anbieten wollen, sofern Euch daran gelegen ist”, so schreibt der Gelehrte Herr Kilian weiter. Daraufhin lud Noitburg von Rechklamm den Weißmagier zu einem Besuch auf der Scheuburg im Gut Breewald ein. Sie sollen sich schnell einig geworden sein, dass es wirklich das beste für Hilarious sei, wenn der Gelehrte Herr Kilian von Midderneit sich der Ausbildung des Magierschülers annehmen würde. Der Weißmagier nahm den Schüler sogleich auch mit. Dazu beförderte er den Greis auf einem Eselskarren, weil dieser aufgrund der Schwäche seiner Glieder nicht zu Fuß reisen konnte. So lebt Hilarious nun im Hause des Weißmagiers - einem zweistöckigen Fachwerkhaus mit Reet bedeckt - nahe dem Ort Midderneit im Eisenstein’schen Gut Hinterwald - auf der anderen Seite der “Öde”.
Wir befinden, dass es vom Gelehrten Herrn Kilian von Midderneit tatsächlich sehr großherzig ist, dass er sich des bedauerlichen Magierschülers angenommen hat.
(Himiltrud von Bösenbursch)
Zwergische Stollenvermessung
Vogtei Brüllenbösen, Gut Erzwacht, Boron 1047 BF. Der Edle von Erzwacht, Seine Wohlgeboren Xorgolosch Sohn des Fuldoram, staunte nicht schlecht, als er von seinem aufgeregten Wachtmeister in den Burghof gebeten wurde. Dort hatte sich, völlig unangekündigt, eine Versammlung von sieben Zwergen aus Xorlosch eingefunden. Angeführt wurde die Gruppe von Naraxos Sohn des Nurox - ein alter Erzzwerg mit schloweißem Bart und Haupthaar, der sich als Amtmann in der Verwaltung des Bergkönigs von Xorlosch, Väterchen Tschubax Sohn des Tuagel, vorstellte. In seiner Entourage gesellten sich weitere sechs Zwerge verschiedenen Alters sowie Ponys, beladen mit seltsamen hölzernen Gerätschaften und farbig getünchten Schnüren.
Naraxos händigte Xorgolosch ein Schreiben des Grafen von Isenhag, Seine Hochwohlgeboren Ghambir Sohn des Gruin aus, gerichtet an die Isenhager Barone und Vogte. Mit Wissen, Billigung und Wohlwollen des Herzogs der Nordmarken möge man die Gesandten des Bergkönigs in einem wichtigen Begehr der Bergfreiheit unterstützen. Man möge der Gesandtschaft ermöglichen eine Prüfung durchzuführen, ob die an Xorlosch angrenzenden Lande die ober- und insbesondere untertägigen durch die Lex Zwergia gemarkten Grenzen einhielten. Amtmann Naraxos beteuerte ausdrücklich, dass dem Bergkönig keinerlei Verstöße oder Untaten bekannt seien, er aber auf eine freiwillige Hilfe im Sinne der Sicherheit und Zusammenarbeit mit der Bergfreiheit hoffe.
Nachdem der Edle eingewilligt hatte und die Gesandtschaft in Eile auf der Feste einquartiert wurde, begann diese am nächsten Morgen und den vier darauffolgenden Tagen mit ihren Arbeiten.
Hierbei wurden sie von den Bewohnern Erzwachts zum Teil mit Staunen und Unglauben beäugt. Die Zwerge begaben sich nacheinander zu allen Erz- und Silberminen auf dem Hochplateau. Sie triangulierten, so der Fachbegriff für die örtliche Vermessung, die Mineneingänge und deren Winkel und übertrugen diese auf eine Karte. Mittels der Schnüre und Seile - in bestimmten Abständen farbig in grün und rot getüncht - und großen hölzernen Winkelmaßen erfasste man die Länge und Winkel der untertägigen Stollen und Schächte.
Am frühen Morgen des letzten Tages vor der Abreise der Gesandten machten sich die Xorloscher Zwerge unter alleiniger Führung des Edlen mit Grubenlampen in die Lagerstollen der Burg auf. Erst am späten Nachmittag traten sie wieder ans Tageslicht. Dies war selbst für die Burgbewohner ungewöhnlich, da die Stollen nicht sonderlich tief in den Fels gehauen sind und nur als Lager der Feste dienen.
Als Seine Wohlgeboren Xorgolosch auf die Besichtigung der Lagerräumlichkeiten angesprochen wurde, antwortete er ausweichend aber in einem Tonfall deutlicher Erleichterung:
“Alles ist zur vollsten Zufriedenheit verlaufen. Lasst uns heute Abend für unsere Gäste noch ein Fass anstechen, bevor sie morgen wieder in ihre Heimat aufbrechen!”
(Dolgar D. Dachs)
Die Abendmutter
Ein Ammenmärchen aus dem Isenhag
Baronie Eisenstein, Isenhag, Hesinde 1047 BF. Meine Großmutter Noitburg, die Herrin von Breewald, erzählte mir. als ich ein Kind war, abendlich am Kaminfeuer auf der heimatlichen Scheuburg, gerne Sagen und Märchen. Hier ist eines davon.
„Sei auf der Hut! Komm heim, solange es noch hell ist! Vergiss nicht, sonst holt dich die Abendmutter!“, mahnen im Isenhag die Mütter und Großmütter die Kinder zur rechtzeitigen Heimkehr. Die ‚Abendmutter‘ sei eine Spukgestalt, die einst von einer Hexe verflucht wurde und nun seit Jahrhunderten im Sumpf ihr untotes Leben fristen muss. Es sei ein trauriges Schicksal einer jungen Frau. Etliche Geschichten ranken sich um die schauerliche Abendmutter.
In der Baronie Eisenstein erzählt man sich, dass die ‚Abendmutter‘ im Eschenbruch nahe dem Bunten Schloss von Obena leben würde. Die Bauern im Isenhag erzählen, wenn man einen Tautropfen auf einer zitternden Spinnwebe sieht, dann sein die ‚Abendmutter‘ nicht weit. „Lange, schmutzige, fahlgraue Haare wehten strähnig um eine Kapuze, die sie sich tief in ihr Gesicht gezogen hatte. Unter dieser war zunächst nur ein kantiges, knochiges Kinn zu erkennen“, berichtet eine greise Bäuerin. „Als sie mich in ihrer Reichweite wähnte, versuchte sie energisch, ihren vor Schmutz starrenden, nach kaltem Moder übel riechenden Mantel über mir auszubreiten.“
Woher kommt die ‚Abendmutter‘? Die Menschen im Isenhag erzählen eine traurige Geschichte. Einst eine schöne, junge Frau, musste sie eine Verwandlung durchmachen. Sie erzählen von ihrer Kindheit, ihrer Liebe, ihrem Verlust. „Sie hatte das Liebste in ihrem Leben verloren, was man nur verlieren konnte. Wie groß musste die Traurigkeit sein, dass in ihrem Blick solch großer Schmerz liegt?“
Vor vielen hundert Götterläufen habe ein Mädchen in der Gegend um die Hyndanburg gelebt. Sie habe sich als Junge verkleidet, um sich zu seinem Liebsten aufzumachen. Sie habe gegen den Willen der Eltern geheiratet und dann in der Heideburg – heutiges Buntes Schloss – unweit des Eschenbruchs gelebt.
Eigentlich sei sie früher einmal die Tochter einer rassigen Schönheit aus Almada sowie eines Tobrischen Handlungsreisenden gewesen sein. Ihre Mutter lehrt sie die Heilkunde, der Vater das Handeln. Als ihre Lebensgeschichte jene tragische Schicksalswendung erfuhr, sei sie nur fünfzehn Götterläufe alt gewesen. Das Mädchen verliebte sich und folgte ihrem Herzen, das sie direkt zur Heideburg auf den sogenannten Bolleberg führte. Damals war das Leben entbehrungsreich und gefährlich, die Orks zogen raubend durch das Land.
Sie sei Heilkunde mächtig gewesen sowie eine gute Köchin. Drei Kindern habe sie das Leben geschenkt. Das Märchen erzählt dann von dem schmierigen, dicklichen und aufdringlichen Burgherrn auf dem Bolleberg. Um seinen Willen zu erhalten, hatte der Herr ihre Kinder als Geiseln genommen und in einer Hütte im Eschenbruch versteckt. Die verzweifelte junge Frau habe sich dann an eine Hexe gewandt.
Zweimal sei sie dieser Hexe begegnet, die ihr bei der ersten Begegnung eine glückliche Ehe vorhersagte, bei ihrer zweiten jedoch verflucht – als sie sich in ihrer größten Not an das Kräuterweib wendete. So wurde aus der jungen Frau eine unsterbliche Geistergestalt, die jahrhundertelang Kinder durch ihre hakennasige, mantelwehende, krächzende Erscheinung erschreckte. Zum ruhelosen Geist geworden, streifte sie fortan auf der Suche nach ihren eigenen Kindern nachts über das Land. Kinder scheucht sie nur zu ihrem Schutz nach Hause, und ihr fällt auch noch allerhand anderer Schabernack ein, der ihr in ihrer Geistergestalt möglich wurden.
(Himiltrud von Bösenbursch)
Felsbeben vor Andacht in Xoramswand
Vogtei Brüllenbösen, Gut Xoramswand und Erzwacht, Boron 1046 BF. Es war an einem kalten Spätnachmittag im Boronmond 1046 als die ersten schweren Schneeflocken des Götterlaufs auf das Edlengut Erzwacht niedergingen, dick und träge wie fallende Federn aus Ifirns Mantel. Der eigentlich erst in ein paar Tagen zurück erwartete Fratam Sohn des Fuldoram, Wachtmeister auf Burg Erzwacht, kämpfte sich mit festem Schritt und sorgenvoller Miene durch den aufwirbelnden Neuschnee den Pfad zur Burg Erzwacht hinauf.
Im Burghof angekommen, verharrte der Angroscho, die Rechte an seine Seite gepresst und schwer atmend. Der Schweiß stand ihm trotz Kälte in dichten Perlen auf der Stirn und das Haar unter seiner Kapuze hing ihm wirr ins Gesicht.
Nun erkannte man deutlich, dass sich nicht allein Erschöpfung in seinen Zügen eingegraben hatte – nein, es war Angst, blank und unverstellt, wie ich sie bei einem Erzzwerg zuletzt nur im Getümmel der Schlacht wider Albernia gesehen hatte, als ich selbst als Chronist und Beobachter der Streitenden zugegen war.
Nach kurzem Verschnaufen rief Fratam mit donnernder Stimme seine Wachmannschaft herbei. Die Tore der Feste wurden bis auf die Mannlöcher verriegelt, die Wachen aufgestockt und zusätzliche Patrouillen mit brennenden Fackeln zu den Minenschächten ausgesandt. Der Wachtmeister berichtete später in der düsteren Wachstube, dass es am Vortag im Edlengut Xoramswand zu einem unheiligen Felsbeben gekommen sei – die Felsen selbst, so sagte er, hätten geächzt wie unter Qual. Zu Angroschs Gnade kam niemand zu Schaden.
Fratam hatte seinen Bruder, Seine Wohlgeboren Xorgolosch Sohn des Fuldoram, auf einer Reise ins benachbarte Xoramswand begleitet. Der Edle von Erzwacht war einer Einladung des dortigen Edlen, Seine Wohlgeboren Luxurr Sohn des Lagalrix, gefolgt, der zu einer Andacht für seinen verstorbenen Vater, Lagalrix Sohn des Larborax, geladen hatte. Die bereits erfolgte Übergabe des Lehens Xoramswand von Lagalrix an dessen Sohn sollte dabei noch rituell vor den heiligen Schmiedefeuern Angroschs bezeugt werden.
Doch in der Nacht vor der Andacht kam es zu jenem unheilvollen Beben, und der Edle von Erzwacht beschloss, seinen Bruder in aller Eile vorauszuschicken, um Erzwacht zu sichern und insbesondere den Schutz der Minen zu gewährleisten. Ein weiteres Beben wie in Xoramswand blieb – den Zwölfen sei Lob und Dank - aus.
(Dolgar D. Dachs
MI: Die Geschehnisse im Edlengut Xoramswand lassen die Auswirkungen des Abenteuers “Ruf des Berges” bis zur namensgebenden Xoramswand ausstrahlen und werden in einem Briefspiel zusammen mit der Andacht bespielt.
Grafschaft Albenhus
Große Geodenzusammenkunft an Brandans Ring
Baronie Kaldenberg, Ingerimm 1046 BF
Unzählige Sagen und Legenden ranken sich um den Steinkreis, der sich in der Baronie Kaldenberg, nahe der Mündung der Galebra in den Großen Fluss befindet. Benannt ist der Kreis aus Menhiren nach dem ersten der Geoden Brandan, Sohn des Brodosch. Für Zauberkundigen der Angroschim ist er ein Ort von großer Wichtigkeit. Viele halten ihn gar für den bedeutendsten Steinkreis des Kontinents. Dies gilt insbesondere, nachdem derjenige, den Brandan am Schlund errichtete, beim Ausbruch des Vulkans vernichtet wurde (siehe AvBo228).
Geoden aller Zwergenvölker trafen sich im Mond der Peraine an Brandans Ring (siehe AvBo229). Für die Einwohner der Grafschaft Albenhus und des angrenzenden Gratenfelser Beckens ist dies ein Ereignis, das es seit vielen Generationen nicht mehr gegeben hat. Geoden in einer ungekannten Zahl versammelten sich und es gibt Berichte über das Erscheinen von Mindergeistern. Die kleinen elementaren Manifestationen bildeten sich am Rande der Veranstaltung und vertrieben alle neugierigen Zuschauer. Ein dichter, alles verhüllender Nebelschleier hing zudem über der ganzen Region.
Xenos von den Flammen, der oberste Zauberkundige Zwerg und Greifax Windmeister aus dem Windhag sowie Gargamil Gebirgsbock, Sohn des Gamrosch aus dem Isenhag wurden auf dem Weg zum Kreis der Menhire unzweifelhaft erkannt, nebst vielen anderen ihrer Profession.
Was an Brandans Ring geschehen ist, bleibt uns indes verborgen, denn kein Mensch traute sich nahe genug ran, um dies zu verfolgen. Die Zusammenkunft dürfte jedoch im Zusammenhang mit dem Kriegsrat auf der Schwarzdrachenwacht stehen, die keinen Mond zuvor stattgefunden hat. Das große Aufgebot lässt zudem ohne jeden Zweifel auf ein bedeutendes Ereignis schließen.
(Burkhard Ludolfinger)
MI: Der Inhalt des Artikels gibt den Versuch der Angroschim wieder mit dem Elementarherren des Erzes Kontakt aufzunehmen. Das Ereignis findet parallel zum Abenteuer Stelen aus Kupfer der Kampagne um Brandans Packt statt.
Allerlei
Kriegsrat auf der Schwarzdrachenwacht
Vertreter aus Isnatosch und Xorlosch bei Kriegsrat, Peraine 1046 BF Wie der Aventurische Bote berichtete (siehe AvBo229) hat im Peraine ein Kriegsrat der Angroschim auf Okdrâgosch stattgefunden. Nach uns vorliegenden Informationen ist der Angriff des Purpurwurms Ishlarin und die damit verbundene Katastrophe am Schlund eines der Hauptthemen gewesen. Wie die Zwergenheit auf diese Bedrohung reagieren wird, ist bisher unbekannt. Die Schnelligkeit, mit der die Versammlung auf der Festung des Hochkönigs in den Trollzacken einberufen wurde und die Namen der hohen Vertreter aller Zwergenvölker, die zugegen waren, sprechen jedoch von einiger Dringlichkeit. Borindarax, Sohn des Barbaxosch, gräflicher Vogt von Nilsitz und Urenkel des Rogmarog von Isnatosch, der Fargol nach Okdrâgosch begleitete, gab uns gegenüber zu, dass der Elementardrache, der über Erz und Feuer gebietet, eine große Gefahr für die Angroschim darstellt. Und die Bedrohung rührt seiner Aussage nach nicht allein von Ishlarin selbst her, sondern auch von dem Werkzeug der Zerstörung, dem er sich bedient. Bei dem Angriff auf das Heiligtum am Schlund hat der Purpurwurm Golemiden eingesetzt, die die Zwerge als zur einstigen Armee des Pyrdacor zugehörig erkannt haben. Es waren also elementare Diener des Gottdrachen, der die Drachenkriege heraufbeschwor, die die Teilnehmer am Fest der Erneuerung angriffen und für so viele Tote verantwortlich sind (siehe AvBo228). Den Überlieferungen der Angroschim zufolge haben die Golemiden tausende von Zwergen getötet in den Drachenkriegen, indem sie einfach durch den Fels der Wände kamen und so die Verteidigungen der Angroschim einfach umgingen. Nur die Begründung des Geodentums und den Pakt mit dem Elementarherren des Erzes zum Schutze ihrer Bingen hat die Zwergenheit vor der vollkommenen Vernichtung bewahrt. Auch aus diesem Grund, der Unterwerfung der einstigen Werkzeuge des Erzfeindes Pyrdacor durch Ishlarin, ist der Drache für viele Angroschim ein offenkundiger Beweis für das angebrochene Domadraschom, das Heldenzeitalter der Angroschim. Doch nicht alle Zwerge sind dieser Meinung und so zeigte sich die Zwergenheit auf Okdrâgosch wieder einmal uneins und war gespalten in zwei Lager. Diejenigen, die zu Albrax stehen, haben im Angesicht der Bedrohung jedoch Zuwachs erhalten. So finden sich unter ihnen nun nicht mehr nur die Ambosszwerge aus Tosch Mur unter Arombolosch, Sohn des Agam, dem Bruder des Hochkönigs und die Zwerge von Isnatosch, sondern auch die Brillantzwerge aus Angralosch im Raschtulswall, sowie alle drei zwergische Grafen, darunter Ghambir, Sohn des Gruin vom Isenhag. Die Opposition führt weiterhin die erzkonservative Priesterschaft des Angrosch aus Xorlosch. Des Weiteren sind zu den Skeptikern die Bergkönige von Dumron Okosch im Kosch und Angoramtosch im Phecanowald zu zählen. Wir hoffen, dass trotz allen Dissens eine Einigung erzielt wurde, wie man der Gefahr, die Ishlarin darstellt, begegnen will. Hilfsangebote der Kaiserin hat Albrax, Sohn des Agam, bisher höflich aber bestimmt abgelehnt. (Burkhard Ludolfinger)
MI: Der Inhalt des Artikels gibt die Geschehnisse der ersten Kampagnenfibel Der Rat von Okdrâgosch wieder, welche als Begleitmaterial zur Kampagne um Brandans Pakt erschienen ist und zeitlich vor dem ersten Abenteuer Stelen aus Kupfer spielt.
Liebsang Musikmanufaktur
Dorf Vogeleck, Junkergut Liebsang, Fuchsgau, Peraine 1047 BF
Erschallen Lieder tief im Tann,
regt das Flötenspiel sie an.
Springt der Maiden Herz ein Stück, findet Lautenklang ihr Glück.
Tanzt ein jeder hier zum Wohlklang, spielt der Barde auf der Liebsang.
Liebsang: Lauten, Harfen und andere Musikinstrumente. Sie sind robust, formschön und leicht zu pflegen. Liebsang: Nur echt mit der silbernen Drossel.
Handel und Verkauf in der Krämerstube Glockenhall, Dorf Vogeleck, im schönen Junkergut Liebsang, Fuchsgau / Nordmarken Arlo Glockenhall





