Nordmärker Greifenspiegel25
Das PDF des Greifenspiegels findet sich hier.
Mark Elenvina
Einladung zur Herzogenturnei!
Elenvina, Travia 1047 BF. Frohlocket, Ihr tapferen Nordmärker, denn die nächste Herzogenturnei wird im folgenden Götterlaufe stattfinden! Dieser Tage sind Nordmark, der wackere Herold des Herzogtums, und seine Persevanten auf Reisen in den Landen seiner Hoheit, die Ladung zur Feier zuzustellen.
Turniermarschall im folgenden Götterlaufe ist seine Hochgeboren Riko von Sterz, der Vogt zu Riedenburg, welcher die letzte Herzogenturnei anno 1044 BF für sich zu entscheiden wusste.
Und so empfingen Seiner Hoheit Vasallen und Freunde folgende Botschaft:
‘Unsere getreuen Vasallen, Freunde und Gäste,
Zum sechzigsten Male jährt sich die Thronbesteigung Unseres verehrten Ahnherren Jast Gorsam vom Großen Fluss, möge Boron seiner Seele Frieden schenken.
Zehn Götterläufe ist es her, dass Wir selbst zum Herzog der Nordmarken gekrönt wurden.
Und so laden Wir Euch zum dritten Tage des Phexmondes 1048 BF nicht allein zur Herzogenturnei gen Elenvina auf Unsere Feste Eilenwïd-über-den-Wassern, sondern auch zur rauschenden Feier all dieser Gedenktage. Prachtvoller und glänzender soll das Zusammentreffen werden denn jemals zuvor.
Auf dass sich alle wackeren Ritter auf dem Felde der Ehre messen können, werden Wir vor der Herzogenturnei drei weitere Turniere ausloben. So werden Wir im Praiosmond im Isenhag zu Kyndoch die Lanzen kreuzen, im Rondramond in Gratenfels zu Schweinsfold und im Efferdmond in Albenhus zu Kaldenberg.
Die Sieger sowie alle tapferen Recken erwarten Wir zur Herzogenturnei und laden darob Euch alle zum dritten Tage des Phexmondes 1048 BF auf Unsere Feste Eilenwïd-über-den-Wassern und die Tjostbahn ebendort.
Für die Zeit der Herzogenturnei sowie einen Mond zuvor und hernach befehlen Wir Unseren Landfrieden in den Nordmarken, auf dass jeder unbehelligt gen Elenvina zu reisen vermöge.
So folgt unserem Ruf, getreue Vasallen und Freunde, und tjostet und feiert mit Uns!
Gegeben zu Elenvina am 30. Travia 1047 BF
Siegel des Herzogs’
Mit großer Vorfreude schon beginnen sich die genannten Orte zu rüsten, auf dass nicht nur die Herzogenstadt, sondern auch jede der Grafschaften sich in den Ruhme, Ausrichter einer Turnei zu Ehren des Herzogenhauses zu sein, kleiden wird.
(Alara Togelstein-Horning)
Eilmeldung aus der Reichskanzlei: Die Herzogenturnei wird beobachtet!
Elenvina, Travia 1047 BF. Die kaiserliche Kanzlei für Scharmützel, Gestech und allerly Kurzweil gibt kund und zu wissen, dass sie einen Beobachter auf die nächste Herzogenturnei zu Elenvina entsenden wird. Dazu auserkoren wurde der kaiserliche Herold mit Amtsnamen Bedono, einer der Persevanten des Reichswappenkönigs. Den Grund für diese Ungewöhnliche Entscheidung erklärte Ihre Exzellenz Quisira von Kaldenberg, Reichsrätin für Scharmützel, Gestech und allerly Kurzweil, dem Greifenspiegel wie folgt: „Sicher erinnert sich die geneigte Leserschaft an die letzte Turnei im Phex 1044 BF. Damals war Seine Hochgeboren Welfert von Mersingen ä.H der herzogliche Turniermarschall und damit höchster Schiedsrichter über die Turnei. Nun trug es sich aber zu, dass eben dieser selbst an der Turnei teilnahm. Das hat nicht nur in meinem Hause sondern auch am Reisenden Kaiserhof für … sagen wir… „Verwunderung“ gesorgt. Herold Bedono soll sicherstellen, dass es auf der nächsten Turnei keine Verstöße gegen die kaiserlichen Turnierregeln gibt.“ Derweil konnte die Redaktion herausfinden, dass es sich bei Bedono um den Nachfolger des auf Burg Devendoch an der Trollporte ermordeten Herold Beilunko handelt. Letzterer war dort einem Attentat der Schwarzschelmin Gwenplen, einer Schülerin des Erzschurken Torxes von Freigeist, erlegen. Hinter dem Amtsnamen Bedono, der an die Bedonblüten erinnert, die das Wappen Beilunks zieren, verbirgt sich Trollwulf von Streitzig ä.H., ein Vetter des Barons von Orgils Heim.
(Jendromir Murks)
Unerwartete Hochzeit in den Weinbergen des Fuchsgau
Baronie Fuchshag, Praios 1047 BF. Schon seit Jahren munkelt man, dass die Hochgeweihte der Peraine, Ivetta von Leihenhof, und ihren schönen Ritter Hartuwal von Hornisberg, mehr verbindet als nur treuer Dienst und tiefe Freundschaft. Seit einigen Jahren schon weilt der Ritter aus dem kleinen Haus Hornisberg an Ivettas Seite und wurde vermutlich auf Ihre Bitte hin durch Herzog Hagrobald Guntwin vom Großen Fluss geehrt und zum Landedlen von Sturmtrutz erhoben ([Greifenspiegel berichtete]. Wer sich für Gerüchte interessierte, mutmaßte, dass der Ritter auch der Geliebte der Hochgeweihten sei und das trotz des Altersunterschiedes von knapp 20 Jahren. Manch einer war vermutlich schockiert darüber, dass eine Geweihte der Peraine einen jüngeren Geliebten hatte, manch einer darüber, dass die seit Praios 1035 BF verwitwete Ivetta sich nicht wie eine traviagefällige Witwe verhalte oder auch nur so, wie man es von einer Hochgeweihten und Äbtissin der Peraine-Kirche erwarte.
Doch Rahjas Funke kann auch auf Hochgeweihte der Peraine überspringen. Und so verband Rahja, die Göttin der Liebe, die Herzen Ivettas und Hartuwals in einer Liebe, die über die Jahre stärker wurde. Und so mag es diejenigen, die Ihre Hochwürden und Seine Wohlgeboren und die Beziehung zwischen beiden kennen, nicht verwundern, als am 05. Praios 1047 BF, also exakt zwölf Jahre nach dem grausamen Tod ihres ersten Ehemannes Koradin von Rothammer ([Nordmärker Nachrichten berichteten]), Ivetta und Hartuwal in einer sommerlichen Zeremonie an den Ufern des Großen Flusses auf dem Junkergut Storchengarten den Rahjabund schlossen. Es war Ivettas enger Freund Rahjan Bader, Hochgeweihter der Rahja, der die Zeremonie leitete. Nur eine kleine Feier war vorgesehen, nur wenige Gäste waren informiert worden, darunter Ivettas Neffe Roklan von Leihenhof, Baron von Galebquell, oder Hartuwals Mutter Jasslin Elida von Kranick. Aber auch die Vogtvikare der Phex-Kirche und Legaten im Zwölfgöttlichen Konzil zu Tobrien, Hector Ramirez de Valoise und Sayalana Sternentreu de Valoise beehrten mit ihren Kindern das Paar.
Doch wurden Zeremonie und Feierlichkeiten unterbrochen, als sich eine Schar Reiter beinahe im Stechgalopp näherte. Tatsächlich war wohl die Information über die anstehende Hochzeit doch noch in die Herzogenveste gedrungen und Ihre Hoheit, die Herzogengemahlin Concabella Blanca von Ehrenstein-Streitzig war gekommen, obwohl doch die Geburt von Prinzessin Salabirga Harlindis nur selbst wenige Wochen zurücklag. Auch die Prinzen und Prinzessinnen Ilara Meingard von Ehrenstein-Streitzig, Hadurald Brandil vom Großen Fluss und Praiana von Ehrenstein-Streitzig waren gekommen, um mit ihrer ‘Amma Ivetta' zu feiern.
So wurde der eigentlich klein geplante Rahjabund zu einem doch noch großen Fest an den Ufern des Großen Flusses mit herzoglichen Besuchern und bestem Wein aus herzoglichen Bestand.
(Dalida Ernbrecht)
Landtgrafschaft Gratenfels
Herzog vermisst!
Ambelmund, 11. Travia 1047 BF. Anlässlich seines Tsatages hatte der Herzog der Nordmarken unlängst auf Burg Ambelmund geladen um eine Jagd auszurichten in den angrenzenden Wäldern. Alles war wohl gerichtet, als die Jagdgesellschaft im ersten Dämmerlicht zu einer Firunsandacht erschien. Dem ein oder anderen sah man an, dass ihm der Schlaf noch in den Gliedern saß, und das ein oder andere anregende Getränk machte noch die Runde, als bereits die Ansagen der Firungeweihten Frunhild von der hohen Bärenklamm zu den zur Jagd freigegebenen Tieren zu Gehör gebracht wurden. Kam doch der Firnholzer Baronin, ebenso wie drei anderen der hochgeborenen Gäste die Ehre zuteil, einen kapitalen 16-Ender, einen Kapitalen 14-Ender sowie einen 12-Ender mit ungerader Zahl und einen 12-Ender gerader Zahl einzeln jagen zu dürfen, abseits der restlichen Jagdgesellschaft, die auf Auerochsen, Keiler und Streiflinge, und sogar Rehwild gehen durften. Schon vorher war der Herzog und sein hoher Gast, der Andergaster König, seine königliche Majestät Wendelmir VI. Zornbold bei der Firunsandacht vermisst worden, als plötzlich das schwer verletzte Roß des Herzogs zum Burgtor hereinstürmte und kaum zu bändigen und einzufangen war. Zum Glück war Ihre Hochwürden Ivetta von Leihenhof zur Stelle, dem armen Geschöpf zu helfen, als den Umstehenden gewahr wurde, was das Tier so schwer verletzt hatte. Scharfe Krallen hatten tiefe Wunden in den Flanken des Tieres verursacht, und bei dem Versuch sich zu befreien musste es den Herzog abgeworfen haben. Nicht nur die Landhauptfrau, auch die umstehenden Gäste waren sich alsbald einig, dem Herzog und seinem Gast in den Wald nachzueilen, sollte doch schlimmeres passiert sein!
Firuns Segen
Die Firungeweihte war es denn, die der Jagdgesellschaft einen Segen des „Wolfsrudels“ sprach, bei der alle Anwesenden sich kräftigten und ihren Jagd-Geist erst dadurch stärkten, dass sie tief einatmen sollten, sehr laut brüllen und sich anschließend auf die Brust schlugen. Hohe Herrschaften, Edle Gefolgsleute, so manche Dame und Höflinge wendeten das Ritual 3 Mal an, bevor sie auf die Knie sanken und Firuns Segen empfingen, wie es ihnen aufgetragen war, es muss für Zuschauer und Außenstehende ein eigenartiges Bild gewesen sein. Dennoch spürte man fortan, wie die Jagdgesellschaft plötzlich gleich eines Wolfrudels immer von den anderen wusste, wo sie sich befanden, ob Gefahr drohte, wie man auf die Jagd gehen wollte und welche Strategie man einsetzte.
Spurensuche
Selbstverständlich befanden sich unter denen, die den Spuren des armen Pferdes nachgingen, welches Blut verloren hatte, und Hufabdrücke hinterlassen hatte, auch ihre Lieblichkeit Tharvana Sulvinger, die Rahjageweihte des Köngs von Andergast, Ihre Hochgeboren Fedora vom Firnholz, Ihre Hochgeboren Iriane Madaline von Kranick zum Kranikfluchs, seine Hochgeboren Irian von Tandosch, ein Gelehrter Magister für Tränke, Kräuter und Alchemie, ein Rondageweihter, und weitere tapfere Helden, so dass man alsbald auch die Spuren des Pferdes des Königs fand, welches gar beim Losreiten ein Hufeisen verloren hatte. Auch die Fährtensuche der Jägerin May Tuchbier war äußerst hilfreich dabei, die Umstände aufzuklären. War die Jagd der beiden, auf die sich der Herzog und sein Ehrengast begeben hatten, von Anfang an ein Wettstreit gewesen, wer die meisten Tiere erlegen würde? Die Spuren im Wald belegten eindeutig, dass sie beide Ihre Rösser nicht schonten, und einiges an Wild sogar hinter sich mitschleiften, um es nicht auf der Strecke zu lassen. Man konnte den Spuren immer mehr entnehmen, dass es sich längst nicht mehr um eine Firungefällige Art der Jagd handelte, man bezeichnete es hinter vorgehaltener Hand sogar als „Raserei“, die die beiden Kontrahenten wohl ergriffen hätte.
Dies schien aber dann auch letztendlich sogar ihr Verderben gewesen zu sein, denn ein Unwesen welches schon seit geraumer Zeit die umliegenden Wälder von Ambelmund unsicher gemacht hatte, (Eine Sonderveröffentlichung des Nordmärker Greifenspiegels anlässlich der Tsatagsfeierlichkeiten des Herzogs am 10. Travia 1047 BF in Ambelmund hatte berichtet) war auf die beiden aufmerksam geworden.
Was war geschehen?
Ein wohl zweifach mannshohes Wesen, mit riesigen Pranken und Klauen hatte das Pferd des Herzogs so schwer verletzt, es hatte einen Kampf gegeben, Goblinblut, Pferdeblut, Tierblut und Menschliches Blut waren kaum mehr voneinander zu unterscheiden gewesen, es muss fürchterlich ausgesehen haben. Das Schreckensbild welches sich im Wald den Helden offenbarte, wurde nur noch von der Schrecklichen Szenerie überlagert, dass man sich in einem verderbten toten Wald aufhielt, der die Lebensgeister allem Lebendigen entzog. Die Müdigkeit überkam die Ausgezogenen, die eigentlich den Herzog suchen wollten, Trübsinn umfing ihren Geist, die Kraft schwand ihnen aus den Adern und dem Geist, das Praiosmahl schien unerbittlich heiß auf sie hernieder, trugen doch die Bäume an diesem Ort keine Blätter für ein schützendes Schattendach.
Der Sumpf
Nur eine kleine Oase fand sich, bei der man sich beraten konnte und die Liebliche um Rahjas Segen bat, die Recken und Damen wieder aufzurichten und mit dem Gedanken an die Liebsten und das Lebendige wieder zu Kräften rief. So konnte die Suche fortgesetzt werden, auch wenn sofort die nächste Herausforderung auf die Gruppe wartete. Ein unübersichtlicher und schier unüberwindlicher Sumpf, in dem man jederzeit bei einem Fehltritt in einem Morast versinken konnte. Mehr als einmal blieb einer der Gefährten in dem Dreck stecken und musste mit vereinten Kräften mit Stöcken, den mitgebrachten Bögen, einem Tuch oder einem Schwert in der Scheide zum Festhalten wieder aus dem Schlamm befreit werden. Selbst unsere Baronin vom Firnholz und sogar ihre Lieblichkeit die Rahja-Geweihte blieben nicht davon verschont. Ein Ausrutscher beim Versuch die nächste einigermaßen sichere oder trockene Stelle zu erreichen, und schon versank man bis zur Hüfte im Sumpf. Natürlich konnte man nicht verhindern, dass bei der Gelegenheit der ein oder andere Dolch, Geldbeutel oder Trinkhorn verloren gingen. Immerhin konnten alle heil gerettet werden, und sogar ein schwer gerüsteter Krieger überstand den Weg durch den Sumpf. Verdreckt, schlammig, schmutzig, klamm, abgekämpft, hungrig und müde trafen sie Abends auf ein Ortskundiges altes Weib, die ihnen wenigstens einen ruhigen Lagerplatz zeigen konnte. Bis tief in de Nacht hinein war der Gelehrte Meister der Alchemie, Jorik Aldenwein ins Gespräch mit der alten Frau vertieft, bevor endlich alle ihre Erholung fanden.
Der nächste Tag
So ging es am nächsten Tag daran eine steile Felsenwand mit einem sehr steilen kaum zu erkennenden Pfad zu erklimmen, denn das grausame Tier hatte in der Höhle in der Felswand sein Lager, und man vermutete, dass dorthin auch die beiden Vermissten gebracht worden waren. Was wohl passiert wäre, wenn man gegen die Kreatur hätte kämpfen müssen, will man sich gar nicht ausmalen. So zeigte sich auch, dass der ein oder andere durchaus unter Höhenangst litt, und von dem Rest der Gruppe erst überredet werden musste. Mit vereinten Kräften bewältigte man auch den Anstieg zu dieser Höhle und fand den Herzog und den König tatsächlich lebend vor. Die beiden waren nicht bei Bewusstsein, ihre Wunden konnten zwar schließlich versorgt werden, aber die Gebete der Versammelten reichten nicht aus, die Verletzten wieder zu beleben, und so musste man sie mit vereinten Kräften tatsächlich ebenfalls über die steile Kletterwand bergen, um sich danach weitere Gedanken zu machen, wie sie in ihrem unklaren und gesundheitlich bedenklichen Zustand auch noch weiter transportiert werden könnten.
Am Fuße des Abstiegs traf man dann allerdings auf eine der anderen Gruppen von Jagdgefährten, die den Spuren des Krallenwesens gefolgt waren, und es trotz seines gefährlichen Hungers und seiner gefährlichen Krallen, wenigstens im Zaum halten konnten, mit allerlei Proviant in Schach hielten und ihm gar Mäuse und Ratten zum Fressen gaben, um es davon abzuhalten, Menschen anzufallen. Es konnte in keine Ketten gelegt werden und es konnte weder verwundet noch getötet werden. Die alte weise Frau wusste zu berichten, dass in der Nähe lebende Goblins eine Art Hort oder Dorf errichtet hatten, in dem sie lebten und dass diese es verstünden das Krallenwesen zu bändigen. Ein mächtiges Ritual der Rahja-Anrufung machte es möglich, Ihre Lieblichkeit der Rahja in eine wunderschöne Stute zu verwandeln, die den Herzog tragen konnte und Ivetta von Leihenhof verwandelte sich vor aller Augen in eine Hirschkuh, so dass sie im Stande war, den König von Andergast zu transportieren. So machte man sich auf in das Goblindorf, um dort Rat zu suchen!
Die Goblins
Tatsächlich wussten sich die Goblins einigermaßen verständlich zu machen. Sie pflegen eine ganz eigene Art des Zusammenlebens als Horde, als großer Stamm, mit einer Schamanin als Anführerin. Sie sind wuselig, geschwätzig, laut, pelzig, sie stinken und haben keinerlei Etikette oder Benimm, aber sie wussten, dass es sich bei dem Krallenwesen um den König der Vielfrasse – ja, um den König der Tiere und des Waldes handelte, der von einem Druiden aus seinem Schlaf geweckt worden war. 1000 Jahre lang hatten die Goblins ein Ritual, um den gefährlichen Vielfrass-König schlafen zu lassen und ihn in eine Art Gefängnis zu bannen, da er sonst das Vieh anfallen und fressen würde und ewig Hunger habe. Wie sich herausstellte, hatte er vor all dieser Zeit selbst darum gebeten, ihn mit Hilfe dieses Rituals schlafen zu lassen, damit er kein Unheil anrichte in der Welt. Nach einigem Nachfragen kam heraus, dass er einen gefährlichen Geist gefressen hatte, einen verderbten Vampir-Elfen der sich unheilig dem Rattenkind verschrieben hatte. Der König der Vielfrasse hatte sich geopfert, der gefährliche Geist war aber zu mächtig gewesen und hatte Besitz von ihm ergriffen. Die Goblins bereiteten nun ein Ritual vor, welches den König der Vielfrasse von dem Geist befreien sollte und heilen, aber dies schlug fehl. Die Freude über die Heilung und das geglückte Ritual den König der Vielfrasse geheilt zu haben, währte in dieser Nacht nicht lang, denn der befreite Geist erschien den Anwesenden, hüllte sich aber in bedrohliches Schweigen.
Nur Boron kennt das Ende
Am nächsten Tage berichteten die Menschen von Albträumen, die Goblins und der König der Vielfrasse von einem weiteren Ritual, welches vor all der Zeit angewendet worden war, um den Geist zu fangen, damit der Vielfrass-König ihn fressen konnte.
Der gleiche Druide, der den Vielfraßkönig freigelassen hatte, und damit so viel Unheil angestiftet hatte, erwies sich dann aber als recht hilfreich, um den Ritualplatz zu finden, wo das Mondlicht bei Vollmond mit der Energie der Erde in einem Steinkreis tanzen. Auch konnte er aus seinen Erfahrungen noch den Auftrag geben ein Hexagramm zu erstellen, um den Geist zu fangen. Silber sollte es bändigen, eine Madablüte musste beigebracht werden, um ebenfalls in einen Schutzzauber überzugehen und silberne Pilze und weitere Dinge wurden von den Goblins herbeigeschafft, um das Ritual durchführen zu können. Ja, man muss behaupten, ohne die Goblins hätte man das Ritual wohl schwerlich ausführen können. In ihrer Sippe werden das uralte Wissen um solche Dinge von einer Schamanin an eine Nachwuchs-Schamanin weitergegeben, weshalb dieses uralte Wissen erhalten bleibt, und so haben sie sich nicht nur als äußerst hilfreich und selbstlos erwiesen, sondern auch uns „Großlingen“ den Schutz anheim fallen lassen, den sie kannten, und die Möglichkeit den Geist zu fangen und schlussendlich zu vernichten.
Heldenhaft erwies sich zudem der hohe Herr Liudger von Bösenbursch, welcher eine Elfenflöte spielte, und sich somit als Köder für den Geist voller Mut und im Wissen um die Gefahr, voller Opferbereitschaft für die gemeinsame Sache in den Bannkreis stellte, um den Geist mit dem Flötenspiel anzulocken. Leider konnte keiner der Geweihten mehr noch etwas für Ihn tun, nachdem er von dem Geist angefallen und gebissen worden war. Der Geist wurde, unter Einsatz des Lebens zwei weiterer Helden im Bannkreis gefangen. Das Mondlicht wurde alsdann durch einen Sumu-Geweihten des Andergaster Königs und als Herold in seinem Gefolge, beschworen, und durch das Mondlicht konnte der unheilige Geist schlußendlich vernichtet werden und ist zu Staub zerfallen. Der Geist war vernichtet, aber die Trauer um den tapferen Helden der Nordmarken war groß. Seine Gnaden Rionn, ein Geweihter der Jungen Göttin Tsa war es, der den Segen sprach, der auch den Umstehenden den Trost zu spenden vermochte, ob des Verlustes.
Eine Tsafeier und eine firungefällige Jagd hätten es sein sollen, aber schlußendlich fand man sich auf der Burg Ambelmund ein und das Glas wurde auf den Tsatag des Herzogs und auf den Mut und die Opferbereitschaft des Herrn von Bösenbursch erhoben und so fanden 5 Tage ein doch noch halbwegs glückliches Ende, ein versöhnliches Ende.
Und wieder einmal zeigt sich, dass man manchmal auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, die nicht den Glauben an die 12 Götter teilen, die anders sind und fremdartig, und sich doch als hilfsbereit und kundig erweisen. Goblins, Sumu-Anhänger, Schamanen, Wilde, Meister der Alchemie, Hochgeweihte, Könige, Einfache, Adelsgeschlechter der Nordmarken – nur mit diesen vereinten Kräften war es möglich eine derartige verderbte und unheilige Gefahr ein für allemal zu besiegen!
(Valerian Maurenbrecher)
Rondrianische Gedanken - Von der Schwierigkeit, die richtigen Entscheidungen zu treffen
Offener Brief seiner Hochwürden Deggen von Baernfarn, Ritter der Löwin, an den Greifenspiegel zu den Ereignissen der Jagd in Ambelmund anlässlich des Herzoges Tsatag
Ambelmund, im Travia 1047. Es ist mir ein Bedürfnis und Anliegen, vor der Herrin Rondra mein Scheitern einzugestehen, meine Schwäche offen zuzugeben. Nur dadurch kann ich vor mir selbst und vor der Herrin Rondra meine Achtung vor mir selbst wiederherstellen. Ich will Buße tun und bin bereit, das mir von der Kirche der Herrin Rondra auferlegte Schicksal anzunehmen.
Ich war zugegen auf der Jagd zu Ambelmund, um den Tsatag des Herzogs der Nordmarken zu feiern. Ein Ereignis, das, wie allgemein bekannt ist, von Ereignissen überschattet wurden, die beinahe den Landesherrn, dem Herzog der Nordmarken, ebenso wie seinem Ehrengast, dem König von Andergast, das Leben kosteten. Eine unheilige Entität, ein Feylamia, also ein elfischer Vampir, trieb sein Unwesen. Was war geschehen?
Ein äonenaltes Unwesen, das in grauer Vorzeit nicht besiegt, aber zumindest gefangen und gebannt war, war zurückgekehrt und hatte Tiere und Rotpelz, aber auch Menschen getötet. Hingemetzelt in einem mordlüsternen Heißhunger könnte man sagen.
Als bei einem Jagdausflug der Herzog und der König nicht zurückkehrten, befassten sich viele, so auch ich, mit den unheilvollen Ereignissen. Also begleitete ich eine Schar einsatzbereiter und tatkräftiger Gäste der Tsatagsfeier auf ihre Suche in den Wald. So fanden wir heraus, dass ein seltsames, tierhaftes Wesen, das sich selbst als „König des Waldes“ bezeichnete, in unstillbaren Heißhunger und triebhafter Mordlust einen schwer vorstellbaren Wildfrevel anrichtete, mehrere Auerochsen, Wildschweine und sogar Goblins tötete. Immerhin gelang es, den Herzog und den König, zwar noch lebend, aber dennoch verletzt und ohne Bewusstsein zu finden. Der „König des Waldes“ hatte die hohen Herrschaften angegriffen und im Wald an Bäume aufgehängt, wohl um diese später zu verspeisen.
Also fiel die Entscheidung, den Übeltäter und Beinahe-Mörder des Herzogs zu suchen. Allerdings wurde entschieden, das angreifende Wesen zu fangen und nicht zu töten. Eine strittige Entscheidung. Zwar wurde von einer Besessenheit und nicht von Handeln aus eigenem Antrieb durch die Kreatur ausgegangen. Dennoch bedeutete dieser Plan, das Leben Unschuldiger zu gefährden, deren Gesundheit oder gar deren Ableben zu riskieren zugunsten der Schonung dessen, der beinahe Herzog und König grausam hingemetzelt hätte. Tatsächlich wurden bei der Unternehmung mehrere Streiter, so auch ich selbst, verletzt und es ist sicher als großes Glück zu bezeichnen, dass diese Unternehmung nicht noch ein Menschenleben forderte. Denn dieses Wesen zu fangen und nach Ambelmund zu bringen, um es dort in der Speisekammer einzusperren und somit auch ruhig zu stellen, war wahrlich ein gefährliches, um nicht zu sagen potentiell tödliches Unterfangen.
Ich hatte meine Gewissensbisse daher, so viele Menschen der Gefahr auszusetzen anstatt zu versuchen, es im Kampf zu besiegen. Doch ich gab der Geweihtenschaft der Tsa und der Peraine nach, die ein Leben schützen wollte, und sei es auch das Leben einer besessenen Kreatur des Waldes, auch um den Preis der Gefährdung des Lebens Unschuldiger. Ich weiß nicht, ob das falsch war, ob ich bereits hier mit meinem Schweigen der Herrin Rondra gefrevelt habe. Doch man hatte Erfolg – oder auch Glück – zumindest dahingehend, dass die Waldkreatur gefangen und in einer Speisekammer eingesperrt werden konnte.
Nun… es gelang sogar, die Waldkreatur mithilfe des Rotpelz von ihrer Besessenheit zu befreien. Insofern erwies sich die Einschätzung der Tsakirche als richtig, dass auch das Leben der Waldkreatur rettbar war. Allerdings geschah dies um den Preis, dass die unheilige Entität, der Feyama, der Elfenvampir, hierbei befreit wurde und weiter sein Unwesen treiben konnte. Wie viel Leben diese Befreiung des Feyamas bis zu dessen späteren Vernichtung kostete, vermag ich nicht zu schätzen. Zwar sind mir Opfer unter den Menschen bis auf eine Ausnahme nicht bekannt, jedoch kann ich keine Aussage zu dem Rotpelz oder anderen Kreaturen treffen, deren Leben ja nicht minder schützenswert ist als das der Waldkreatur. Vor allem hatten wir sicher auch einfach nur Glück, dass kein weiterer Mensch dem unheiligen Wirken dieses geisterhaften Elfenvampirs zum Opfer fiel.
Erneut stehe ich vor der Frage: Darf ich als Diener der göttlichen Löwin zulassen, dass viele unschuldige Seelen zwölfgöttergläubiger Menschen gefährdet werden, um mit ungewissem Ausgang ein nicht den Zwölfgöttern dienendes Wesen versuchen zu verschonen? Oder kommt das einem Boltanspiel mit schlechten Karten gleich, das ebenso in einer Katastrophe und mit vielen Toten enden kann? Kann ich als Diener der Löwin die Verantwortung dafür übernehmen?
Allein das ist schon eine schwere Entscheidung, die sicher viele einfache Menschen überfordert, die aber auch für uns Geweihte eine kaum lösbare Aufgabe darstellt, wie man nicht zuletzt daran erkennen kann, dass auch die Diener der Zwölf hierbei nicht einer Meinung waren.
Nun. Sei es, dass ich bereits hier die Göttliche Löwin enttäuscht habe oder auch nicht. Doch es stand nunmehr die Aufgabe an, den befreiten bösen Geist zu besiegen und die Gefahr zu bannen, die wir selbst heraufbeschworen hatten. Also forschten wir nach einer Möglichkeit. Hierbei fanden wir auch heraus, wieso die Waldkreatur samt des unheiligen Geistes aus seiner Gefangenschaft entkommen war. Ein Zauberkundiger Mensch jenseits der durch den Codex Raulis genehmigten Gildenmagie hatte die besessene Waldkreatur befreit und damit auf die Bewohner Ambelmunds losgelassen – und, aufgefunden und befragt, schien dieser so genannte Druide, noch nicht einmal Gewissensbisse oder Scham für sein Tun zu empfinden. Eine Verantwortung dafür, eine tödliche Gefahr auf die Menschen losgelassen zu haben, schien der Zauberkundige nicht zu empfinden. Wie war mit dem Rechtsbrecher zu Verfahren? Einerseits könnte dieser auch mit seinem Wissen zur Beseitigung der Gefahr beitragen. Andererseits aber handelte es sich zweifellos um einen Rechtsbrecher, von dem Einsehen nicht zu erwarten war und der nach Recht und Gesetz zur Verantwortung gezogen werden müsste.
Der Vorschlag, den Rechtsbrecher dingfest zu machen und zur Befragung der praioskirchlichen Inquisition zu überstellen, fand kein Gehör. Stattdessen wurde den Worten des Druiden Glauben geschenkt, dass man zur Bannung des unheiligen Geistes ein Artefakt aus einem Praiostempel erlangen müsse.
Nun, ich will es vorwegnehmen. Die Bannung des Feyamas gelang, auch mit hilfe der Informationen des Rechtsbrechenden Zauberkundigen. Jedoch entkam dieser, und ein Verfahren zur Feststellung der Schuld oder Unschuld und zur Festsetzung einer Strafe, so ein Gericht dies so entscheidet, konnte nicht erfolgen.
Auch hier plage ich mich mit der Frage, ob ich richtig handelte – oder vielmehr, ob ich anders hätte handeln müssen. Zwar war das Vorgehen einerseits erfolgreich. Andererseits wurde erneut ein Gefährder und Rechtsbrecher geschont, und erneut wurden Unschuldige einer Gefahr ausgesetzt, und es war reines Glück, dass – bis auf einen Menschen, der sein Leben ließ – niemand hierbei zu Schaden kam.
Nun ging es darum, also den unheiligen Geist, den Feylamia, zu bannen. Welchen Plan also fassten wir? Der Feylamia sollte in einen Bannkreis gelockt werden, um dort letztlich gefangen gehalten zu werden, bis er durch das Mondlicht, das einer solchen Kreatur schadet, vernichtet zu werden. Ein erfolgversprechender Plan… mit einem pikanten Detail. Um den Geist anzulocken sollte ein Mensch im Bannkreis auf der Flöte spielen, und somit letztlich das eigene Leben opfern. Aus den Reihen der Gäste wurde, da er des Flötenspiels kundig war, der wackere und aufrechte Herr von Bösenbursch vorgeschlagen und ausgewählt. Zwar nahm der Herr von Bösenbursch sein Schicksal an, dennoch war es nicht er selbst, der sich aus eigenem Antrieb für diese Aufgabe anbot.
Und hier schäme ich mich, geschwiegen zu haben. Hier hat mich der Mut, den ich vor der Herrin Rondra zu zeigen habe, verlassen. Ich hätte einschreiten müssen. Ich hätte Nein sagen müssen zu diesem Unterfangen, rebellierte doch jegliches Moralempfinden bei diesem Geschehen. Schonten wir zuvor eine gefährliche, todbringende Kreatur, schonten wir ebenso zuvor den in sträflichem Leichtsinn die Gefahr heraufbeschworen habenden Druiden, so sollten wir jetzt das Leben eines unschuldigen Menschen opfern? Und niemand, noch nicht einmal die für den Erhalt des Lebens eintretende Geweihtenschaft der Tsa erhob Einspruch?
Nun, wem will ich einen Vorwurf machen, da ich selbst schwieg, nicht den Mut fand, die Stimme zu erheben. Und doch war es falsch. Doch kann ich mich nicht damit abfinden, dass Schuldige geschont und Unschuldige geopfert werden. Denn ein Menschenopfer war es letztlich, selbst wenn damit der Sieg über den unheiligen Geist gelang.
Ich hätte etwas tun können. Ich hätte etwas tun müssen. Das Mindeste, was mir möglich gewesen wäre, wäre mich selbst Flöte spielend als Opfer anzubieten. Einmal im Bannkreis gefangen hätte der Geist nicht mehr entkommen können, und ich hätte mit geweihter Klinge im Kampf bestanden oder wäre in Rondras Halle eingegangen. Das hätte ich tun müssen. Allein, ich fand nicht den Mut, zu sprechen, und so trage auch ich Schuld am Tod des wackeren Herrn von Bösenbursch.
So bleibt mir nichts anderes als anzuerkennen, dass ich vor dem strengen Auge Rondras gefehlt habe und will Buße tun, welche Buße auch immer mir meine Kirche auferlegt. Soweit meine Kirche dies als Buße anerkennt wäre es mir eine Ehre, einen Schrein der Herrin Rondra zu Ehren des Herrn von Bösenbursch an geeignetem Ort stiften zu können.
Und ich werde künftig nicht mehr schweigen, wenn Unschuldige einer Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt werden sollen, nur um einen Schuldigen zu schonen.
Zuletzt gedenke ich des tapferen Herrn von Bösenbursch, der heldenhaft dem sicheren Tod ins Auge blickte, der sich für andere opferte und das wertvollste gab, was einem Menschen eigen ist. Sein Leben. Der Opfermut dieses Helden ist bemerkenswert, und ich werde mich an die Oberen der Kirche Rondras wenden und um Prüfung der Seligsprechung bitten.
Die bei dem Unterfangen beiwohnenden Diener der Zwölf Göttlichen Geschwister ersuche ich, den Opfermut des Herrn von Bösenbursch zu bezeugen.
(Deggen von Baernfarn)
Überfallener entkommt Räubern
Kahnhalt/Baronie Trappenfurten, Erdstag, 12. Efferd 1047 BF. Borsik Hintersass, ein Hausierer aus Wettershag, rastete am Abend des 12. Efferd an der Landstraße von Kleinhütten nach Kahnhalt. Dort, im Hauptort der Baronie Trappenfurten, wollte er aus seiner Kürbe (Kiepe, Anm. d. Red.) hochwertige Kurzwaren feilbieten, wie es sein angemeldetes Gewerbe ist.
Doch der gesetzestreue Mann sah sich aus dem Gebüsch neben seinem Rastlager heraus jäh von Räubern bedroht. Er beschreibt sie so: „Ein dümmlicher Schlaks mit Kraushaaren, von seinen Kumpanen Celio genannt, eine dürre Albernierin mit flinkem Dolch, Glancina mit Namen, wohl die Anführerin, und ein brutaler Grobian in zerschlissener Zimmererkluft.“
Sie überwältigten unter Bedrohung seines Lebens Meister Borsik und fesselten ihn. Sodann begannen sie, seine Waren zu durchwühlen und sich um jede Kleinigkeit zu zanken. Weil sie dabei unachtsam waren, konnte der Überfallene seine Füße befreien und in die Spätsommernacht flüchten.
Am nächsten Morgen las ihn ein Bauer aus Kleinhütten an der Straße auf. Dieser nahm ihn mit seinem Karren nach Kahnhalt, wo der Überfallene die Raubtat bei der Wache des edlen Barons Gutbert anzeigte und auch der Gratenfelser Gazette darüber berichtete (dieser Artikel ist Ergebnis dieses Gesprächs, geschätzte Leser).
Er habe, ergänzte Borsik Hintersass abschließend, mitangehört, dass die drei aus Gernebruch über die Galebra nach Trappenfurten übergesetzt seien. Nichts Gutes ist seit den Tagen der Altbaronin Veriya von dort gekommen! Weitere Kumpane, so hat der Überfallene ebenfalls erlauscht, sollen andernorts auf die drei Räuber gewartet haben.
(Madarius von Eselsbruck)
Heißhunger und Prügeleien zum Efferdfest lassen spannendes Wettschwimmen vergessen
Ambelmund, Efferd 1047 BF. Obgleich nur einen Mond später mit der herzöglichen Jagd zu Ambelmund ein Großereignis von nordmarkenweiter und darüber hinausreichender Bedeutung bevorstand, hatten sich bereits anlässlich des traditionellen Efferdfests zahlreiche Gäste von nah und fern in der Stadt an Tommel und Ambla eingefunden. Neben Markt und einer kleinen Turney lockte nicht zuletzt das alljährliche Wettschwimmen von der Amblabrücke gen Albernisch Ambelmund und von dort zurück zum Efferdtempel, wo Ambla und Tommel sich vereinigen.
Zum nunmehr siebten Male (und das vierte Mal in Folge) ist es dem einheimischen Flößer und Imman-Spieler Waldhere Triftinger gelungen, alle anderen Mitschwimmenden hinter sich zu lassen und als erster am Ziel anzugelangen. Im Gegensatz zu den Vorjahren wurde er dabei aber endlich wieder ernsthaft herausgefordert. Niemand geringeres als seine Wohlgeboren Ealfred von Tommeltann, der Ritter und Herr des gleichnamigen Gutes im Südwesten der Baronie, hat sich seinerseits als vom Unergründlichen begnadeter Schwimmer bewiesen und bis kurz vor dem Ziel gut mit dem inzwischen von vielen als unschlagbar gerühmten Seriensieger mitgehalten.
Bei regnerischem Wetter war nach diesem nicht nur efferdgefälligen, sondern auch höchst unterhaltsamen Wettstreit eigentlich alles bereitet für ein frohes und ausgelassenes Festtreiben. Rechte Feierstimmung wollte dennoch nicht aufkommen - stattdessen war vielen Menschen von Anfang an eine zunächst unerklärliche Anspannung anzumerken. Vor allem in den langen Warteschlangen vor den Essensständen manifestierte sich diese rasch in Aggressionen unter den Marktbesuchern, die zunächst noch mit harschen Worten und bald höchst handgreiflich ausgetragen wurden - und das, obwohl bis dahin noch kaum Hochprozentiges geflossen sein konnte. Die Stadtwachen hatten ihre höchste Not damit, die immer wieder aufflammenden wilden Keilereien - vor allem auf dem Praiosplatz - aufzulösen. So etwas habe man zuvor noch nicht erlebt, war aus deren Kreis später zu vernehmen. Noch verblüffender war aber der Grund für die Ausschreitungen, der einmütig nicht nur von den Rädelsführern, sondern auch von den weiteren Beteiligten im Nachhinein benannt wurde: ein unerklärlicher Heißhunger soll es gewesen sein, der jäh vom Volk Besitz ergriffen und dieses zu seinem schändlichen Verhalten getrieben hätte.
Ob auch diese bizarren Erscheinungen mit der Rückkehr des "Tyrannen der Wälder" zusammenhingen, die nur wenige Wochen später im Zuge der Herzöglichen Jagd in der Baronie aufgedeckt wurde? Es bleibt zu hoffen, dass diese Begründung nicht nur Spekulation ist, und die Ambelmunder sich schon zum nächsten Fest wieder als die braven Leute beweisen, als die man sie kennt.
(Eilada Daubschlager)
Namenlose Ränke aufgedeckt - Wälder dennoch nicht sicher
Ambelmund, Efferd 1047 BF- (der Greifenspiegel berichtete bereits in seiner Sonderveröffentlichung "Ampla Ultima Acta et Agenda" anlässlich der Tsatagsfeierlichkeiten des Herzogs am 10. Travia 1047 BF in Ambelmund), mit Berichtigungen und Ergänzungen vom Travia 1047 BF. Eine Serie bizarrer Todesfälle, bei denen die grausam zugerichteten Leichen von Holzfällern oder Jägern kopfüber in Baumkronen hängend aufgefunden wurden, sorgte bis Anfang Efferd für Angst und Schrecken in der Baronie. Im einfachen Volk kursierte darob die zunächst fälschlicherweise als Mär abgetane Kunde, der "Tyrann des Waldes" sei wiedergekehrt. Der Nordmärker Greifenspiegel und sogar der Aventurische Bote berichteten bereits über jene mysteriösen Ereignisse und auch die alte Sage. Manch einer trug schon berechtigt Sorge, die Tsatagsjagd des Herzogs könne hierdurch gefährdet sein.
Im Efferd 1047 BF und damit gerade noch rechtzeitig vor dem anstehenden herzöglichen Großereignis mit vielen adligen Gästen aus den Nordmarken, dem Raulschen Reich und benachbarten Landen - allen voran seiner königlichen Majestät Wendelmir VI. Zornbold - wurde jedoch seitens ihrer Hochgeboren Wunnemine von Fadersberg, Baronin von Ambelmund, Entwarnung gegeben: Dank des entschlossenen Handelns hierfür von ihr selbst geladener sowie weiterer, aus eigenem Antrieb frühzeitig vor der Tsatagsjagd angereister Gäste seien die vermeintlichen Verantwortlichen der schändlichen Taten gestellt und ein für allemal unschädlich gemacht worden.
Anhänger des Rattenkindes sollten es demnach gewesen sein, die hinter den Geschehnissen steckten. Ihr Anführer habe eine raubtierähnliche dämonische Entität herbeigerufen, die den armen rechtschaffenen Leuten wie der Tyrann des Waldes erscheinen sollte. Was jener Frevler genau damit bezweckte, ist noch immer unklar - das Wissen darüber sei mit seinem kranken Hirn vergangen. Nachdem der Rädelsführer mit seinen Schergen und ihren niederhöllischen Handlangern vom Derenrund getilgt war, kam es jedenfalls zunächst zu keinen weiteren merkwürdigen Todesfällen mehr, so dass die Jagd tatsächlich stattfinden konnte.
Dass es sich hierbei um eine folgenschwere Fehleinschätzung der Baronin und ihrer getreuen Unterstützer handelte, belegen die weiteren Artikel dieser Ausgabe: tatsächlich war die von den Kultisten beschworene Wesenheit nicht die primäre und wichtigste Ursache aller schrecklichen Geschehnisse in den Wäldern, sondern mutmaßlich nur der Versuch, die Ereignisse im Sinne des Rattenkindes zu verschärfen und für dessen Ziele zu nutzen.
Zum Vorwurf sollte dies jenen tapferen Streitern, die dem Treiben ein Ende bereitet haben, keinesfalls gereichen, vielmehr sei ihnen Dank geschuldet: die Welt wird gewiss nicht schlechter, wenn Schergen des Dreizehnten von ihr getilgt werden!
(Eilada Daubschlager)
Die goblinische Sage von Karkh Kaju
Ambelmund, Travia 1047 BF. Angesichts der jüngsten Ereignisse während der herzöglichen Jagd in Ambelmund sei nachfolgend das goblinische Märchen von Karkh Kaju wiedergegeben. Vernommen wurde dieses bereits 1044 BF in der Baronie Ambelmund durch den Geweihten der Allweisen Hesindian von Tannenfels, der sie auch nacherzählt und (mit sprachlichen Freiheiten) ins Garethi übersetzt hat:
“Seit dem ersten aller Tage wühlt Mailam Rekdai, die große Mutter Sau, im Puur Mulla, fördert dabei alles Gute und Schöne zu Tage und vertilgt auch das meiste Böse, das ihr vor den Rüssel gerät, um es als fruchtbare Erde wieder auszuscheiden.
Alle Wesen, die Stämme der Hirsche und Rehe, der verschiedenen Vögel und Fische; der Bären, Wölfe, Füchse und Luchse und auch wir Suulak verdanken ihr das Leben und freuen uns über alles Leckere, das Mailam Rekdai für uns übrig lässt – im Sommer mehr, im Winter weniger – aber immer so viel, das wir Mailam Rekdai dafür zu danken haben.
Einer aber war wie sein ganzer Stamm nie mit seinem Anteil zufrieden – Karkh Kaju, der Gefräßige: immer plagte ihn der Heißhunger, und wenn seine Qualen besonders schlimm waren, wurde er rasend vor Wut. Vor allem im Winter fraß er den anderen Kindern Mailam Rekdais alles weg, was ihre Mutter für sie ausgegraben hatte, zwang die Kreaturen, ihm alles zu geben und stürzte sich am Ende sogar, noch immer schier wahnsinnig vor Hunger, auf diese selbst, um sie zu verschlingen.
Bald fürchteten ihn alle Stämme und nannten Karkh Kaju nur noch Orva kjusta, den „Tyrannen“. Das dauerte nicht nur Mailam Rekdai, das betrübte sogar Karkh Kaju selbst, wenn er einen kurzen Moment etwas anderes als Hunger fühlen konnte.
Mailam Rekdai wühlte immer schneller und immer tiefer, um auch Karkh Kaju satt zu bekommen, war doch auch er ihr Kind, das sie freigegraben hatte. Doch so sehr sie auch wühlte, nie bekam sie seinen Hunger gestillt.
Eines Tages stieß sie dabei auf einen im Puur Mulla versteckten Happen, so riesig, dass alle ihre Kinder und sogar Karkh Kaju davon für lange Zeit satt hätten werden können und er selbst ihren Magen für länger ausgefüllt hätten.
Doch oh weh, dieser Happen war voller böser Geister, die – einmal befreit – ausschwärmen und alles schlecht machen wollten, so viele und so groß, dass sie zu verschlingen selbst Mailam Rekdai Bauchschmerzen bereitet hätte.
Mailam Rekdais Kinder, auch die Suulak waren darunter, aber sahen, was geschehen war, und stellten sich hilfsbereit um die Geister herum auf, schufen ein Gefängnis, damit jene nicht vor Mailams Rüssel fliehen konnten. Dieses Gefängnis aber war schwach und hätte dem Ansturm der bösen Geister nicht lange standgehalten.
Die große Mutter war deswegen schon dabei, sich doch selbst auf das Böse stürzen, da rief die Stammesälteste der Suulak, dass lieber Karkh Kaju die bösen Geister auffressen sollte, vielleicht würde dies seinen Hunger stillen und einmal auch den anderen Kindern Mailam Rekdais und der Mutter selbst helfen.
Und tatsächlich trieb Karkh Kaju sein ewiger unbändiger Hunger dazu, genau das zu tun. Obwohl es viele Geister waren und diese sich wehrten, verschlang er sie am Ende alle. Es kostete ihn aber viel Kraft, und die Geister rumorten in seinem Bauche weiter, drängten nach draußen und quälten ihn mindestens ebenso sehr wie sein immerwährender und selbst durch den Bauchschmerz nicht gezähmter Hunger.
Die anderen Kinder Mailam Rekdais, vor allem die älteste der Suulak, sahen, dass die Geister nicht endgültig besiegt waren, aber gegen das Gefängnis nicht ankamen, solange Karkh Kaju auch darin steckte und sie wieder und wieder, von Hunger und Raserei getrieben, erneut verschlang. Also hielten sie das Gefängnis um Karkh Kaju und die Geister geschlossen und sorgen bis heute dafür, dass dieses heil und stark bleibt.
Die Kinder Karkh Kajus aber tragen noch immer den Suulak und allen anderen Kindern Mailam Rekdais nach, dass ihr Stammesältester mit den Geistern gefangen ist. Also hütet Euch, wenn ihr einem davon begegnet! Denn ihr Hunger ist ebenfalls noch immer unbändig.
Suncuua Taati-Kurim, Schamanin der Tuluukai-Brydh-Blogai, am Lagerfeuer im Kreise der allerjüngsten ihres Stammes, so vernommen im Rahja 1044 BF
Ebenfalls wiedergegeben sei nachfolgend ein völkerkundlicher Aufsatz des Hesindian von Tannenfels, der bereits sich bereits 1045 BF wissenschaftlich mit der Sage vom Tyrann der Wälder auseinandergesetzt hat:
Parallelitäten in den Überlieferungen von Mensch und Goblin in den Nordmarken am Beispiel der Sage vom Tyrann der Wälder - ein Plädoyer für die Ausdehnung der völkerkundlichen Forschung im Herzogtum auf die Goblins
Die allweise Herrin Hesinde sei gepriesen, dass steter Forscherdrang, dem Menschen von ihr in die Seele gehaucht, selbst im vermeintlich Altvertrauten noch immer Überraschendes zutage fördert und dieses in das Licht neuer Erkenntnisse rückt. Und welche Provinz des Neuen Reichs könnte mehr für Altvertrautes und Beständigkeit stehen, als das Herzogtum Nordmarken, dessen Geschichte wir nirgendwo sonst von Menschen und Zwergen gemeinsam geschrieben wurde und wird. Gerade völkerkundlich und historisch konzentrierten sich folgerichtig zahlreiche Abhandlungen auf die allseits bekannten und offenkundigen engen Verbindungen der menschlichen Bevölkerung zu den Angroschim. Auch die Einflüsse der Elfen und der Völker des Flussvaters sind - wenngleich weit weniger prominent - zumindest in Ansätzen von der Wissenschaft beleuchtet.
Allzu leichtfertig wurde jedoch in der Vergangenheit vernachlässigt, dass neben den genannten Völkern noch weitere Kulturschaffende wie vereinzelte Trolle, besonderes aber die Goblins die Nordmarken bewohnen und - obgleich letztere zumeist als primitive Strauchdiebe oder gar ernsthafte Plage geschmäht werden, die zu erforschen nicht lohnt - durchaus weit darüber hinausgehende Spuren im kulturellen Erbe der menschlichen Bevölkerung und damit des Herzogtums hinterlassen haben.
Gerade in den Wäldern Nordgratenfels’ sind die ‘Suulak’, wie sie sich selbst nennen, durchaus zahlreich und nicht nur in den landläufig bekannten Banden, sondern vereinzelt noch in ihren ursprünglichen Stammesverbänden anzutreffen. Der Autor dieser Handlung hatte, der Mutter der Weisheit sei dafür sechsfach gedankt, die unschätzbare Gelegenheit, mehrere Forschungsreisen zu einem dieser Stämme zu unternehmen, der im Südosten der Baronie Ambelmund und den angrenzenden Gebieten heimisch ist und sich selbst Tuluukai Brydh-Blogai nennt, und dabei von diesen selbst nicht nur die Sprache, sondern auch vieles über deren Lebensweise, Glauben und Weltsicht lernen und dokumentieren zu können.
Besonders hervorzuheben sind dabei deren zumeist sehr bildreiche und daher auf den ersten Blick nur schwer in die menschliche Sprache zu übersetzenden Überlieferungen, die vor allem von ihren Frauen mündlich weitergegeben werden und tiefe Einblicke in die zunächst fremde und archaisch wirkende Gedankenwelt dieses Volkes gewähren. Umso überraschender war die Erkenntnis, dass einige der goblinischen Geschichten ganz offensichtlich Einzug auch in die menschliche Sagenwelt der Region gefunden haben.
So hat der Berichterstatter beispielsweise in einigen Nordgratenfelser Dörfern in verschiedenen Abwandlungen die Mär vom Tyrannen des Waldes vernommen, einem äußerst gefräßigen Wesen, das in immerwährendem Heißhunger vor allem im Winter über jedes Lebewesen, ganz gleich ob Mensch oder Tier hergefallen sei, das seinen Pfad in den Wäldern gekreuzt habe, um es entweder sofort zu verschlingen oder zur späteren Verspeisung in die Bäume zu hängen.
Je nach Dorf war es dann der Herr Firun höchstselbst, sein lokal verehrter Heiliger namens Kurim oder eine mächtige Dienerin der "großen Mutter" (ein Terminus, der für verschiedene Göttinnen aus dem Kreis der Zwölfe zu stehen scheint), die dem Treiben des gefährlichen Wesens Einhalt geboten und dieses in ein Gefängnis tief im Herzen des Waldes gesperrt haben soll.
Meist steht am Ende der Erzählung die vor allem an die Kinder gerichtete Mahnung, sich nicht alleine und nicht zu tief in manche Gebiete der Wälder vorzuwagen, um ja nicht auf diesen Kerker und das darin noch immer lauernde, in vielen Jahrhunderten nur noch hungriger gewordene Wesen zu stoßen. Bezeichnenderweise handelt es sich dabei zumeist um Stammesgebiet der hiesigen Goblins.
Von deren Feuern wiederum stammt die frappierend ähnliche Sage von ‘Karkh Kaju’, der bei ihnen den Beinamen ‘Orva kjusta’ trägt, was dem Begriff Tyrann in unserer Sprache nahe kommt. Diese Wesenheit war den Überlieferungen zufolge vom selben unstillbaren Hunger getrieben wie der Tyrann der Wälder, von dem die Menschen raunen. Den Goblins zufolge wurde jener in grauer Vorzeit von einer ihrer Schamaninnen überlistet, in dem sie ihm einige böse Geister, mit denen sie ebenfalls ihre Nöte hatten, zum Fraß vorwarf. Diese hätten Karkh Kaju so schwer im Magen gelegen und so geschwächt, dass er schließlich überwältigt und eingesperrt werden konnte. Noch heute soll es einen Ort in den Wäldern geben, den sie als Gefängnis dieses Tyrannen hüten und streng verborgen halten.
Der Wahrheitsgehalt der uralten Erzählungen mag schwer abschließend zu eruieren sein. Viel interessanter ist der (nicht nur) mit diesen dokumentierte Austausch zwischen Mensch und Goblin, der verdeutlicht, dass es lohnt, auch letztere in die völkerkundliche und geschichtswissenschaftliche Forschung zu den Nordmarken einzubeziehen, ja sogar als einen Schwerpunkt zu setzen.
Hesindian von Tannenfels, Hesinde-Geweihter, Elenvina, im Hesinde 1045 BF
Ein ehrenvolles Hochzeitsgeschenk
Baronie Galebquell, Praios 1047 BF. Das frisch vor Rahja - und mit Sicherheit durch Phex - einander verbundene Paar Ivetta von Leihenhof und Hartuwal von Hornisberg trat eine Reise an, um den jungen Rahjabund noch einmal genießen zu können. Gemeinsam mit ihrem Neffen Roklan von Leihenhof erreichten sie auch die Baronie Galebquell. Auf der altehrwürdigen Herrschaftlich Galebburg, dem Sitz des Herrschers der Baronie Galebquell, einem wuchtigen Gemäuer geschmiegt an die Hügelflanken über der Baronsstadt Galebbogen, erfuhr der Bräutigam noch eine besondere Ehrung, empfing aus den Händen des Barons selbst ein besonderes Hochzeitsgeschenk:
Seit der Schlacht auf dem Schonbünder Grün im Rondramond 1033 BF, als der letzte Edle Hlûthard von Kieferfeld kinderlos und unverheiratet gefallen war, war das Edlengute Lovast heimgefallen. Keinen Edlen ernannte der Baron von Galebquell bis zum heutigen Tag, da er die Lehnsurkunde über dieses abgeschiedene Flecken Deres dem Gemahl seiner Tante Ivetta überreichte und ihm den Lehnseid abnahm.
So wurde der einstmals nachgeborene Sohn eines nachgeborenen Zweiges des traditionsreichen Hauses Hornisberg, der vor der Gnade der Götter höchstens die Aussicht auf eine Anstellung als Ritter am Hofe eines Junkers oder Edlen nachweisen konnte, zu einem Adligen mit gleich zwei Titeln und Gütern.
Doch Gerüchte flatterten wie Fliegen oder Mücken umher und vergifteten die Ohren der Hörenden. So heißt es, Hartuwal sei in einem Streit um Titel und Lehen des Edlen von Lovast zwischen den Häusern Hornisberg, Galebfurten und Lichtenberg ein Kompromiss gewesen, der Kandidat, der ein Gleichgewicht zwischen den drei mächtigen Familien der Baronie Galebquell halten konnte. Es hieß weiter, Seine Wohlgeboren Bodar von Hornisberg, Familienoberhaupt und Junker von Hornisberg habe selbst ein Auge auf Lovat geworfen, doch habe Seine Hochgeboren Roklan mit der Belehnung seines nunmehr mit seiner eigenen Tante aus dem Haus Leihenhof verheirateten und damit eng an dieses gebundenen Hartuwal dem einflussreichen Junker ein Schnippchen geschlagen.
Das Haus Hornisberg wurde geehrt, aber die Macht konzentrierte sich nicht in der Hand des Familienoberhauptes.
(Dalida Ernbrecht)
Neue Admiralin für die Nordmärker Flotte ernannt
Baronie Ambelmund, 10. Travia 1047 BF. Im Rahmen seiner Tsatagsfeierlichkeiten, die Seine Hoheit der Herzog, mit einer firungefälligen Jagd in der Baronie Ambelmund beging, ernannte er für die im Aufbau befindliche Nordmärker Flotte eine Admiralin. In das Amt wurde die Kapitänin Rahjadana von Tannwirk, eine Großcousine der Baronin von Witzichenberg, berufen.
Die knapp fünfzig Götterläufe zählende Dame wuchs in der Baronie Kyndoch auf. Sie absolvierte ihre Offiziersausbildung an der Schule der Seekadetten in Harben, diente dann als Fähnrich und Leutnant, bevor sie sich der Südflotte des neuen Reiches anschloss. Dann führten ihre Aufgaben sie ins Perlenmeer, wo sie sich unter dem Befehl Ihrer Exzellenz Deirdre Sanin an der Bekämpfung der Blutigen See beteiligte.
Zur Kapitänin aufgestiegen, war es ihre Aufgabe, die von borbaradianischen Truppen belagerte Stadt Beilunk zu versorgen. Nach dem Feldzug gegen Haffax und der damit verbundenen Befreiung großer Teile der schwarzen Lande, bat die Kapitänin um ihre Entlassung und kehrte in die Nordmarken zurück.
Die Position des Vize-Admirals legte Seine Hoheit in die Hände Seiner Hochgeboren Irian von Tandosch, aus der Grafschaft Isenhag, einem tüchtigen Seefahrer mit Verbindungen ins Südmeer.
(Lara von Siebenstein)
Steckbrieflich gesuchter Spielmann gefasst!
Baronie Ambelmund, Travia 1047 BF. Anlässlich der Feierlichkeiten des Tsatags unseres geschätzten Herzogs in der Baronie Ambelmund, weilten auch Ihre Hochgeboren Melinde Eberwulf von Tannwirk, Baronin zu Witzichenberg, und ihr teurer Gemahl, Ingrawin Eberwulf von Tannwirk, unter den Gästen. Auf einer Mission im Rahmen der Suche nach Seiner Hoheit dem Herzog und seinem Ehrengast, Seiner königlicher Majestät Wendelmir VI. Zornbold, König zu Andergast, die im Vorfeld der offiziellen Jagd bei einem Ausritt verschwunden waren, traf das Baronspaar nicht nur auf eine Räuberbande, die eine für die Feier gedachte Weinlieferung stahl und einen ambelmunder Weiler terrorisierte, sondern auch auf einen Spielmann, der seinem Dudelsack derart schrille Töne entpresste, – anders kann man es nicht bezeichnen – dass die Pferde scheu wurden. Diese Geräusche erinnerten die Baronin an einen Unfall, der sich am Rande ihrer Feier anlässlich ihrer Belehnung am 15. Ingerimm 1044 BF vor dem Sankta-Theria-Hospital ereignet hatte. Ein abgewiesener Musikant hatte mit seinem Dudelsack ein Gespann zum Durchgehen gebracht, wobei ein Mann verletzt wurde. Der Vorfall wurde zur Anzeige gebracht und der Unfallverursacher mit Steckbrief gesucht, jedoch erfolglos (siehe GS Ausgabe 18). Es stellte sich heraus, dass der in Ambelmund aufgegriffene Spielmann der in der Baronie Witzichenberg gesuchte Missetäter war. Ihre Hochgeboren Melinde belegte den Mann mit einem Spielverbot in ihrer Baronie, was von manchem als zu geringe Strafe angesehen wurde.
Unter maßgeblicher Beteiligung des Hohen Herren Ealfred von Tommeltann, der Gelehrten Dame Allegria Hesindia zu Donnerhall und des Gelehrten Herren Concitatus Murako Flaviora gelang es der Gruppe, die Räuberbande dingfest zu machen, den Weinhändler samt seinen edlen Tropfen zu befreien und das Ross Seiner königlichen Majestät, welches ebenfalls in die Hände der Räuberbande gefallen war, seinem Herrn zurück zu bringen, der gemeinsam mit Seiner Hoheit, an einem anderen Ort aufgefunden wurde.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die Gruppe auch die Missetaten einer Gruppe Jugendlicher aufdeckte, die mit seltsamen Rauschkräutern hantierten und damit den geregelten Tagesablauf im Weiler erheblich behinderten.
(Lara von Siebenstein)
Fedora von Firnholz nun offiziell doch auf Partnersuche?
Firnholz, 11. Travia 1047 BF. Anlässlich des Tsatags des Herzogs der Nordmarken sollte eine Jagd in den Ambelmunder Wäldern veranstaltet werden, zu welcher eine ganze Jagdgesellschaft auch den Nordmarken und anderer Lande im Mittelreich geladen war. Anlässlich der Feierlichkeiten war sogar seine königliche Majestät Wendelmir VI. Zornbold – König zu Andergast erschienen. Nicht ganz uneigennützig, wie manche wohl meinten, da der König bekannt dafür ist, gerne und viel zu speisen und zu trinken, und ein Gerücht besagte, es habe gar eine Wette zwischen dem Herzog der Nordmarken und dem König gegeben, was seine Anwesenheit erklären würde. Genaues konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen.
Wie man nun meinen will, ist eine solch illustre Gesellschaft von Hochadel, vertretenen Nordmärker Adelsgeschlechtern, Vertretern des Gratenfelser Grafen (er selbst ließ sich erneut wegen einer Unpässlichkeit entschuldigen), Edlen und Vögten, Vertretern von Häusern und entfernten Lehen, eine gute Gelegenheit sich einmal auf Freiersfüsse zu begeben und sich unter den Anwesenden umzusehen, ob nicht gar eine gute Partie zu machen wäre, sei es für eigene Kinder, Knappen und Lehensnehmer, oder gar für sich selbst? Wie auch im Falle von Fedora Madalin vom Firnholz, wo es gerüchtehalber am Rande der Feierlichkeiten, wie uns zugetragen wurde, wohl zu mehreren Gesprächen gekommen sein soll.
Von Ihrer Hochgeboren war dazu natürlich offiziell keinerlei Stellungsname zu bekommen, auch vermelden wohl unterrichtete Kreise, sie selbst würde diese Meldungen weiterhin als Gerücht behandelt wissen wollen.
Dieses Gerücht, welches ja nun schon seit einiger Zeit besteht, scheint nun aber von eben diesen Quellen ganz offiziell bestätigt. So waren diesmal wohl mehrfach die Bemühungen Ihrer Hochgeboren zu beobachten, nicht nur eine Partie für Ihre Kinder Adamar vom Firnholz und Anniella zum Firnholz zu suchen, sondern eben auch für sich selbst. So soll es 4 aussichtsreiche Kandidaten unter den hohen Gästen des Herzogs gegeben haben, deren Namen wir an dieser Stelle aber aus Gründen der Diskretion nicht weitergegeben können. Auch möchten wir die Herren nicht bloßstellen, sollte es mit einem solchen Bündnis zum Baronshaus Firnholz nun doch nichts werden.
Aus eben diesen Quellen war aber zu entnehmen, dass diese Partnersuche, die wohl auch aus anderen Kreisen als bewahrheitet bestätigt - und sogar tatkräftig unterstützt wird, am Ende der Feierlichkeiten sogar zarte Knospen getragen haben soll.
Wie verlautet wurde, soll Fedora zuletzt in einem Gespräch mit Seiner Hochwürden Pagol von Lipsteyn, Vorsteher des Praiostempels von Ambelmund, gesehen worden sein. Auch wurde ihre Anwesenheit tagsüber in eben jenem Praiostempel bemerkt, was uns ebenso zu dem Schluss kommen lässt, dass wohl schwerlich eine Abkehr vom Praiosglauben ihrer Hochgeboren zu sprechen ist, wie es noch im Nordmärker Greifenspiegel Nr. 19 zu lesen war. Jedenfalls soll nach dem Gespräch der Gesichtsausdruck von Fedora durchaus als glücklich beschrieben worden sein, was wohl ebenfalls im Zusammenhang mit den Bemühungen bei der Partnersuche stehen soll.
Stiftet die Praioskirche und nicht die Rahjakirche hier den neuen Traviabund? Trägt die nun doch offiziell bekannt gewordene Partnersuche Ihrer Hochgeboren bereits schon Früchte? Auch wenn Fedora selbst zu den Anfragen diesbezüglich keinerlei Antworten gibt, so hat es doch von ihr auch keinerlei Dementi oder Zurückweisung der Gerüchte gegeben. Leider war es uns aber unmöglich, herausfinden, wer nun der auserwählte Kandidat der Baronin gewesen sein soll.
Zudem möchten wir den weiteren Verhandlungen oder gar zarten Banden, die hier entstehen sollen, nicht im Wege stehen, indem wir vorweg greifen oder gar voreilige Schlüsse ziehen.
Dennoch wünschen wir der Baronin auf diesem Wege Glück bei Ihren Bemühungen, liegen doch die tragischen und traurigen Ereignisse, die ihre Familie so hart trafen, schon geraume Zeit zurück und es wäre ihr und der Baronie zu wünschen, wenn nun wieder fröhlichere und schönere Zeiten anbrächten. So wurde uns ebenfalls zugetragen, das Ihre Hochgeboren mehrfach selbst Äußerungen in diese Richtung getätigt habe, sich nun endlich wieder dem Leben und der Zukunft zuwenden zu wollen und die Vergangenheit ruhen zu lassen. Der Schmerz um die Verluste nicht nur ihres Gatten Loncald vom Rothammer, das Drängen ihres Bruders und Vaters sich alsbald danach wieder zu vermählen, und der Verlust eben jener Familienangehörigen, hat durchaus ihre Spuren hinterlassen. Es hat lange Zeit gedauert, bis die Baronin sich in ihre neue Rolle und Verantwortung eingefunden hatte, aber es ist unserer Baronin zu wünschen, dass nun bessere Zeiten anbrechen mögen, und was wäre schöner als ein solcher neuer Traviabund? Auch wenn das vielleicht noch seine Zeit brauchen wird, und der richtige Kandidat vielleicht noch nicht gefunden wurde, so freut uns doch zu hören, dass scheinbar hinter den Kulissen schon vieles dafür getan wird, dies voranzubringen. Die Götter mögen es glücklich fügen.
(Valerian Maurenbrecher)
Motte Feldertrutz verliert erneut ihren Kommandanten
Baronie Witzichenberg, Motte Feldertrutz, Travia 1047 BF. Erneut findet ein Wechsel in der Position des Kommandanten der Motte Feldertrutz statt. Nach dem der letzte Kommandant seine Position nur kurz inne hatte, berief die Baronin von Witzichenberg den Leutnant zur See a. D. Frodebrand Efferdlieb von Harthals-Schwarzklamm in die Position des Interims-Kommandanten, was aber von vorne herein nur als Übergangslösung gedacht war. Nach der Ernennung Rahjadanas von Tannwirk zur Admiralin der Nordmärker Flotte, berief diese den Herrn Leutnant zum Adjutanten. Künftig soll ein entfernter Verwandter der Baronin das Amt dauerhaft übernehmen: Gwyndol ya Cordaya von Tannwirk, bisher Mitglied der Flussgarde, wird in Bälde in Witzichenberg eintreffen und das Kommando auf der Motte übernehmen. Bis dahin obliegt das Kommando dem Korporal Garmwart Kupferfeld, seines Zeichens Richtschütze und Imman-Schiedsrichter. (Lara von Siebenstein)
Silvana von Tannwirk erhält Hofamt auf Burg Tannwirk
Baronie Witizchenberg, Burg Tannwirk, Travia 1047 BF. Die junge Ritterin Silvana Raxa ya Cordaya von Tannwirk, die im letzten Perainemond sowohl beim Herzogenfurter Frühjahrsturnier als auch beim Turnier von Havena auf sich aufmerksam gemacht hat, dürfte noch allen gut in Erinnerung sein. Wenn es auch mit der begehrten Position als Herzogenfurter Stadtritterin nicht geklappt hat, wurde der Hohen Dame nun ein anderes Angebot gemacht, welches sie nicht ausschlagen konnte. Die Baronin von Witzichenberg hat das Amt der Stallmeisterin zu vergeben. Durch die guten Leistungen der jungen Ritterin bei den oben genannten Turnieren, war die Baronin Melinde auf ihre junge Verwandte aufmerksam geworden und da es sich bei dieser um eine veritable Pferdekennerin und versierte Reiterin handelt, scheint sie für die zu besetzende Aufgabe die beste Wahl zu sein. (Lara von Siebenstein)
Minniglichkeit auf den Steineichenhof
Baronie Meilingen, Gut Steineichenhof, Rondra 1047 BF. Wie schon in den zurückliegenden Götterläufen, lädt auch diesen Götterlauf Ihre Wohlgeboren Lioba von Grauningen Adlige der Nordmarken zum minniglichen Austausch auf den Steineichenhof. Über den gesamten Götterlauf sind Adlige mit diesem Ansinnen auf dem Edlengut willkommen, im Rondramond, zu Ehren der Sturmherrin, soll es jedoch nicht nur zu zufälligen Begegnungen kommen.
Willkommen sind alle Adligen des Herzogtumes die sich der Minne verschrieben haben und sich gleichermaßen zum minniglichen Wettstreit, Austausch und zum gemeinsamen Spiel berufen fühlen.
(Celio Mittelreicher)
Firnholzer Baronin geht auf Pilgerfahrt
Baronie Firnolz, Travia 1047 BF. Fedora Madalin vom Firnholz ließ aktuell verlauten, sie begebe sich aus persönlichen Gründen für unbestimmte Zeit auf eine Pilgerfahrt. Sie setzte erst vor ein paar Tagen Praiomar von Elgering als Vogt der Burg Gevelsberg ein, die Ernennung kam plötzlich und wurde ohne eine größere Feierlichkeit durchgeführt, es scheint der Baronin wichtig zu sein, alsbald in die Wallfahrt zu starten. Gab es noch vor kurzem Anlass zu Spekulation darüber, ob im Firnholz nicht bald eine große Feierlichkeit anlässlich eines neuen Traviabundes der Baronin geplant würde, sieht die Lage nun gänzlich anders aus!
Der Grund und auch das Ziel der Reise sind uns unbekannt und vom Baronshof, sowie aus in der Regel gut unterrichteten Kreisen, war ebenfalls nichts an Informationen zu erhalten. Wie aber bekannt wurde, finden weitere Vorbereitungen für die Abwesenheit der Baronin statt, so gab es Depeschen in Richtung Storchengarten und Galebfurten. Außerdem wurde auch von einer weiteren Verstärkung der Burgwachen, der Büttel und der Gratenfelser Reiter, sowie der Grenzgemarkungen berichtet. Wie weiterhin bekannt wurde, soll noch ein Besuch in Rothammer seitens der Baronin stattfinden, was äußerst ungewöhnlich ist, da es normaler Weise ein Besuch der Vasallen am Baronshof ist, welcher ohnehin angestanden hätte. Ob sich Fedora vor dem Start ihrer Pilgerreise zudem auch persönlich noch nach Reussenstein und in andere Lehen der Baronie begibt, ist indess ungewiss. Scheinbar hat es die Baronin wirklich eilig zu dieser Pilgerreise aufzubrechen, da auch erneute Regelungen bezüglich ihrer Nachfolge, sowie in weiteren wichtigen Angelegenheiten getroffen wurden. Auch hierüber konnte aber aktuell nichts in Erfahrung gebracht werden, ggf.wird diese Regelungen zur richtigen Zeit auch der neue Vogt bekannt geben, wir gehen hier weiterhin davon aus, dass Fedoras Sohn, Adamar vom Firnholz, als Nachfolger benannt ist.
Obwohl wir es in der Regel von Fedora kennen, die Dinge immer mit einem guten Zweck zu verbinden, scheint es diesmal auch tatsächlich so, dass sie diese Reise allein antritt und die Pilgerfahrt ohne Bedeckung unternimmt, die einer Baronin zustehen würde. Ebenso wie sie sich wohl keinem wanderndem/fahrendem Geweihtem/Novizen oder anderen Pilgern anschließen wird. Wir werden sehen, welche Nachrichten es künftig über die Pilgerfahrt der Baronin vom Firnholz zu berichten gibt und wie es in der Baronie weitergeht, und wir versuchen natürlich ebenfalls eine Reaktion oder eine Verlautbarung seitens der Kinder der Baronin zu diesem Entschluss zu erlangen. Der Greifenspiegel wird selbstverständlich über neue Entwicklungen berichten.
Veriane Mausefaust
Nachwuchs in Tommelsbeuge!
Baronie Tommelsbeuge, Burg Fischwacht, 6. Praios 1047 BF. Im Namen Seiner Hochgeboren Geribold von Fischwachttal, Herr von Tommelsbeuge, und seiner edlen Gattin, Ihrer Hochgeboren Tsaja Eberwulf von Tannwirk zu Tommelsbeuge, wird hiermit feierlich verkündet, dass am 6. Praios des Jahres 1047 BF ein gesunder Sohn das Licht der Welt erblickte.
Der junge Erbe trägt den Namen Eoban Alrik. Mit dem Zweitnamen ehren die stolzen Eltern den Vater Tsajas und Schwertvater Geribolds, den ehemaligen Baron Witzichenbergs, Seine Hochgeboren Alrik Eberwulf von Tannwirk.
Die Patenschaft für den jungen Eoban wird Ihre Hochgeboren Iriane Madalin von Kranick zum Kranickfluchs, Baronin von Kranick, übernehmen.
Möge das Leben des Jungen Herrn von Fischwachttal von Ehre und Weisheit geprägt sein, und möge er dereinst das Haus von Fischwachttal in ein neues Zeitalter der Blüte führen.
Erfreulicherweise geht es der Kindsmutter genauso wohl wie dem neugeborenen Spross, und sie erfreut sich bester Gesundheit nach der Entbindung.
Gegeben zu Tommelsbeuge, im Monat Praios.
(Disibold Schwarzlist)
Unglaublicher Fund im Treuklinger Wald
Baronie Tommelsbeuge, Treuklinger Wald, 8. Praios 1047 BF. Zwei an dieser Stelle auf eigenen Wunsch hin nicht genauer beschriebene Einwohner Brinnens fanden zufällig den Eingang zu einer unterderischen Krypta, die eine anrührende Geschichte aus der Zeit der Zorganpocken hier in Tommelsbeuge erzählt.
In der Krypta befanden sich Dutzende Leichname, von denen heute nichts mehr außer den Gebeinen übrig ist.
Doch welche Geschichte erzählt dieser Ort und warum kennen wir sie?
Dieser Umstand ist Seiner Gnaden Herdan zu verdanken, der unter Aufgebot all seiner Kräfte einen Zufluchtsort schuf, an dem sich all diejenigen Erkrankten versammelten, die durch die Pocken zu Leid und Tod verdammt waren und die ihre Anverwandten durch Isolation vor Ansteckung schützen wollten. Herdan schuf auf diese Weise eine Zuflucht, an der sich die Menschen trotz ihres Leides umeinander kümmerten und sich gegenseitig auf dem letzten Lebensabschnitt begleiteten.
Herdan, der allen ein strahlendes Beispiel an Mitgefühl und Barmherzigkeit war, warf für diesen nicht hoch genug einzuschätzenden Akt der Menschlichkeit sogar sein eigenes Leben in die Waagschale, denn er war der Einzige, der den Ort, den man in Brinnen ‘Die Zuflucht’ nennt, bezogen hatte, ohne zuvor erkrankt zu sein.
Doch selbst über den Tod hinaus nahm sich Bruder Herdan den Menschen an und bereitete ihnen, so gut es unter diesen widrigen Umständen eben ging, eine Ruhestätte, die er in Wandnischen fand. Dort bettete er die Verstorbenen zur Ruhe und markierte die Nischen mit einem Boronsrad und einer Zahl, die Dank der durch Hochwürden Borada und Ihre Gnaden Alassia Marnion gefundenen Aufzeichnungen des Travia-Geweihten zu Namen zugeordnet werden konnten.
Diese sollen nun hier genannt werden, um einerseits der Verstorbenen zu gedenken und andererseits möglichen Angehörigen die letzte Ruhestätte ihrer Anverwandten aufzuzeigen:
Daria Zerf
Hatto Zerf
Wando Moscher
Vizelin Horger
Tilrun Rallerhaun
Alanus Rallerhaun
Grimmhel Kessler
Odrud Kundsam
Weddo Sebelgarn
Fegerin Rädle
Autchar Tormann
Alrik Uhl
Vea Uhl
Geiselhart Simis
Rhela Thaban
Maura Dorschau
Miril Flemmler
Marbert Gockler
Balder Gockler
Mögen sie in Borons Hallen ihre ewige Ruhe gefunden haben!
Derzeit werden mit Nachdruck weitere Aufzeichnungen von oder über Bruder Herdan gesucht. Da die Abtei Gänsehof die Zorganpocken ebenfalls nicht überdauerte, verhofft man sich in Brinnen, dem Heimatdorf Seiner Gnaden, fündig zu werden.
Wie es nun mit dem Grabmal weitergeht, wird derzeit von Seiner Hochgeboren Geribold von Fischwachttal, Baron zu Tommelsbeuge gemeinsam mit seinem Hofstaat und Hochwürden Borada besprochen.
Es wird laufend berichtet.
(Disibold Schwarzlist)
Manchmal kommen sie wieder …
Baronie Orgils Heim, Kaiserlich Elsternhöh, 1046 BF. … heißt es über Wiedergänger (unheilig!), jedoch mag diese Aussage auch auf andere Subjekte zutreffen, deren Anwesenheit ebenso unerwünscht ist. Gemeint sind hier Doctor Dario-Eraldo Tiljak-Karinor, seine Gespielin Circe ter Greven und deren Scholarin. Alle drei haben die Baronie Witzichenberg, die Nordmarken und das Reich verlassen, haben jedoch -- bedauerlicherweise innerhalb der Nordmarken und dort sogar noch in nominell höherer Position -- eine Anstellung gefunden. Seine Wohlgeboren Wilmibert von Bregelsaum hat es unverständlicherweise für eine gute Idee gehalten, auf der Pfalz Ihrer Majestät, "Kaiserlich Elsternhöh", diesem Medicus und dieser Maga von zweifelhaftem Rufe, eine Anstellung zu geben. Man kann nur hoffen, daß diese Entscheidung beim nächsten Besuch Ihrer Majestät die fälligen Konsequenzen haben wird. (Khadan Hesindel)
Travia-Schrein zu Tommelsbeuge fertiggestellt
Baronie Tommelsbeuge, Freiherrlich Tommelsbeuge, 27. Rondra 1047 BF. In den vergangenen Wochen haben die vielen fleißigen Hände, die an der Fertigstellung des Travia-Schreins an demjenigen Ort, an dem einst die Abtei Gänsehof stand, mitgeholfen haben, noch einmal kräftiger zugepackt. Allen Beteiligten war daran gelegen, die Arbeit noch vor dem Erntemond zu beenden. Und tatsächlich ist es vollbracht! Nach nun beinahe anderthalb Götterläufen endete der Schreinbau am gestrigen Abend mit einer gemeinsamen Speisung an eigens herbeigetragenen Tischen, Bänken und Stühlen. Gemeinsam mit seiner Hochgeboren Geribold von Fischwachttal, seiner Wohlgeboren Gereon von Hauerberg, Ihrer Wohlgeboren Irminella von Eberbach samt Gatte aßen und tranken allen tatkräftigen Unterstützer des Baus gemeinsam - der Herrin Travia zu Ehren. Neben den Hohen tommelsbeuger Herrschaften nahm auch Hochwürden Bellatrava Bienenbusch, die gemeinsam mit ihrem Gatten Hochwürden Trajan Bienenbusch dem Tannbühler Travia-Tempel vorsteht, an den Feierlichkeiten teil. Selbige hatte den Schrein vor dem gemeinsamen Mahl gesegnet und den Bau auch auf spiritueller Ebene abgeschlossen. Da Tannbühl in der Baronie Witzichenberg liegt, kann die erneute Zusammenarbeit als ein weiterer Beweis der engen Bande zwischen Witzichenberg und Tommelsbeuge betrachtet werden.
Auf profan handwerkliche Weise wurde in den vergangenen anderthalb Jahren zunächst das Gelände erkundet und, wo nötige, gerodet. Anschließend hatte man Bestand aufgenommen. Glücklicherweise lieferte die Ruine noch einiges an brauchbarem Baumaterial. Dann hatte man mit dem Bau der Gebäude begonnen, wobei der umliegende Wald – genau wie die zuvor inventarisierten Ruinen – zur Gewinnung von Baumaterial genutzt wurde.
Heute findet sich neben dem Schrein an jenem denkwürdigen und geschichtsträchtigen Ort neben dem Schrein selbst ein kleiner Gänsestall, selbstredend mit eigener Schar, ein stattliches Gemüsebeet und eine Holzhütte, die Reisenden eine kostenfreie, wenn auch einfache Übernachtungsmöglichkeit bietet.
(Disibold Schwarzlist)
Grafschaft Isenhag
Wettkampf unter den Augen des Mantikors
Grafschaft Isenhag, gräfliche Vogtei Nilsitz, Senaloch im Travia 1047 BF. Im Angesicht der wachsenden Bedrohungslage durch den Geflügelten Tod, wie die Angroschim die Drachen nennen, steigt auch unter den Erzzwergen die Anzahl derer, die an das durch Hochkönig Albrax Sohn des Agam ausgerufene Heldenzeitalter glauben. Viele der Anhänger dieser Zukunftsvorstellung folgten nun einem Aufruf des Oberst des Eisenwalder Garderegimentes Ingerimms Hammer Dwarosch Sohn des Dwalin nach Senalosch, in den Tempel der Bestie der ewigen Dunkelheit. Dort, in einem im Glauben der Zwerge dem Sohn Angroschs und Rondras gewidmeten Sakralbau- im Tempel des Kor, der in den oberirdischen Stadtteilen der Letzten Festung liegt, wurde im Travia diesen Götterlaufs ein Wettkampf unter den Augen des alveranischen Scharfrichters und der Aufsicht des Geweihten Metenax Einhand Sohn des Muhortimnax ausgetragen.
Krieger, Söldner, Soldaten und sonstiges Waffenvolk aller vier kleinen Völker trafen sich im Tempel, der gleichzeitig ein Kriegerdenkmal an die Gefallenen des Haffax-Feldzugs ist, um sich miteinander zu messen. Mitglieder des Eisenwalder Garderegimentes Ingerimms Hammer zeigten ihr Können gegen Krieger der Hämmer von Ârxozim aus der Felsenfestung Braschtôkril hoch oben am Berg Götterfirst, die der Bergvogt von Ârxozim Tharnax Sohn des Thorgrimm nach Senalosch führte. Einige der berühmten Xorloscher Drachenkämpfer traten ebenfalls an und fochten unter anderem gegen Krieger aus Tosch Mur und Mitglieder der gefürchteten Kor-Knaben, dem Söldnerbanner, das einst Albrax Sohn des Agam, der Angarok Rogmarok selbst im Feld führte. Mit dabei waren natürlich auch die Söldner der Nilsitzer Spießbuben, die im Senaloscher Kor-Tempel beheimatet sind. Und sogar Soldaten der Schlunder Bombarden, geleitet von Thorin Drachentöter Sohn des Thorgrimm, Bruder des Bergvogtes von Ârxozim, waren aus Garetien in den Isenhag gekommen, um dem Wettbewerb, welcher mehrere Tage andauern sollte, beizuwohnen.
Doch die Zwergenheit ist in der Frage des Heldenzeitalters immer noch nicht so geeint, wie es hier vielleicht den Anschein haben mag. Sie steht nicht geschlossen hinter ihrem gewählten Hochkönig. So ist zu vermuten dass der Bergvogt von Ârxozim sich mit seinem Besuch in der Hauptstadt des Bergkönigreiches Isnatosch, des einzigen Reiches der Erzzwerge, dass bedingungslos zu Albrax steht, keine Freunde in der Bergfreiheit Koschim gemacht hat. Den streitbaren, einstigen Hauptmann der Angbarer Sappuere scheint dies jedoch nicht davon abzuhalten seine Loyalität zum Sohn des Agam unter Beweis zu stellen und seine Männer in seinem Sinne vorzubereiten auf die Schicksalsschlacht, die Angaraxanan taroxom nardoschin in der Zunge der Zwerge.
Bleibt abzuwarten, ob weitere Zwerge Dumron Okoschs, Xorloschs oder Angoramtoschs dem Beispiel des Bergvogtes folgen und sich zum Heldenzeitalter bekennen. Tosch Mur, das Reich der Ambosszwerge unter Bergkönig Arombolosch Sohn des Agam, dem Bruder des Hochkönigs steht derweil treu zu Albrax, ebenso wie es die Brillantzwerge von Angralosch tun.
Wünschen wir Borindarax Sohn des Barbaxosch, dem Vogt von Nilsitz Hesindes Weisheit und Phexens Geschick bei seiner diplomatische Initiative für die Unterstützung des Hochkönigs. Seit dem Besuch des Hochkönigs in Calbrozim, dem Tod des Grafensohnes während der Unruhen in der Grafenstadt und dem Auftauchen eines riesigen Elementardrachens, das für viele Zwerge eindeutiges Zeichen für das Anbrechen des Heldenzeitalters ist, versucht der Urenkel des Rogmarog von Isnatosch, alles, um für Albrax Partei zu ergreifen.
(Burkhard Ludolfinger)
Der Ruf des Rogmarog und eine erneute Geodenzusammenkunft im Isenhag?
Grafschaft Isenhag im Rondra 1047 BF. Nach der letzten Zusammenkunft der Elementarzauberer der Angroschim im Travia 1042 BF, scheint fünf Götterläufe später wieder ein solches Ereignis bevorzustehen. Überall im Isenhag wird von Geoden berichtet, die durch die Lande in Richtung ihrer großen Siedlungen ziehen, zuvorderst seien an dieser Stelle hier Xorlosch, Senalosch und Calbrozim genannt. Doch auch über die Umgebung von Makamesch, Koschim im Koschmassiv und Murolosch im Amboss wird solches erzählt, was wiederum zumindest gegen eine große Zusammenkunft an einem einzelnen Ort sprechen könnte.
Derweil sind die Geoden nicht die einzigen, die es in den Isenhag zieht. Aus vielen Städten des Herzogtums und auch von darüber hinaus ist zu vernehmen, dass Angroschim ihre Häuser in Menschenstädten verkaufen und in die Kernlande zwischen Ingrakuppen und Eisenbergen zurückkehren, um wieder mit ihrer Sippe im Schutze der Berge zu leben.
Was Geoden und allgemein die Angroschim dazu bringt in die Kernlande der Zwerge zu ziehen bleibt uns verschlossen, doch nur allzu leicht lässt sich diese Entwicklung mit den Unruhen in Calbrozim, der Sichtung eines großen Drachen über den Ingrakuppen und der Katastrophe vom Schlund in Verbindung bringen. Immer mehr Zwerge interpretieren die genannten Geschehnisse offenkundig als nicht zu leugnende Zeichen des Heldenzeitalters.
Der Ruf des Rogmarog von Isnatosch, sich in der Letzten Festung niederzulassen, erklingt lauter denn je von den Bergen des Eisenwaldes bis in die Niederungen der Elenviner Ebene, die Albenhuser Lande und das Gratenfelser Becken und viele folgen ihm.
Mögen die Götter fügen, dass die Angroschim sich irren und der Geflügelte Tod sich nicht erneut erhebt, um ihnen den Krieg zu erklären.
(Burkhard Ludolfinger)
Hilarious nicht Bote des Lichts
Breewald, Baronie Eisenstein, Praios 1047 BF. “Das einzige, was ich mit Sicherheit ausschließen kann”, erwidert Hilarious Pistorious Notorious Sternenfeld, wenn man ihn fragt, was denn nun aus ihm werde. “Man sollte nie etwas ausschließen”, erklärt der Greis dann. Denn nominell müsste er bald seine Abschlussprüfungen ablegen, wird er doch in diesem Götterlauf 19 Jahre alt.
Wir erinnern uns: Innozenz berichtete im Hesinde 1044 BF im Greifenspiegel, Ausgabe 17, wie ein elenviner Magierschüler durch die „Öde“ reiste. Er war mit einer Nachricht der Magierakademie zu Elenvina, seinem Studienort, vermutlich unterwegs zum Weißmagier Kilian von Midderneit im gleichnamigen Ort im Gut Hinterwald in der Baronie Eisenstein. Dafür reiste er auf dem kürzesten Weg über Breewald nach Midderneit, welcher mitten durch jene unwirtliche, lebensfeindliche Gegend führt, den die Menschen im Isenhag „Die Öde“ nennen. Man hatte ihm dringlich davon abgeraten, es sei besser den weiteren Umweg über Obena zu wählen, als durch diesen verwunschenen Landstrich zu reisen. Doch der 16-jährige Magierschüler schoss alle Warnungen in den Wind, vielleicht, weil er neugierig war, welche Beschaffenheit jene besagte „Öde“ nun denn wirklich habe.
Es gab nämlich zu der Zeit zunehmend Berichte über jene „Öde“ im Greifenspiegel über „Irritierende Begebenheiten in der ‚Öde‘“ (Ausgabe 16) und „Zwischenfälle in der Öde“ (Ausgabe 15), welche ihn möglicherweise neugierig gemacht haben. Wahrscheinlich geschah das Schlimme und Erschreckende aber erst auf seiner Rückreise aus Midderneit gen Breewald. Denn da klopfte zu aller Überraschung und Erstaunen ein alter, ausgemergelter Greis mit letzter Kraft an das Tor der Scheuburg, dem Heim der Herrin von Breewald, Noitburg von Rechlamm. Er trug die Kleidung eines Elenviner Akademieschülers, welche aber schlottrig am Leib herunterhing. Der alte Mann behauptete tatsächlich, dass sein Name Hilarious Sternenfeld sei und er eigentlich ein junger Mensch sei. So musste er in kurzer Zeit zahlreiche Götterläufe gealtert sein.
Im Haus Rechklamm stehen die Gebote der Gütigen Mutter Travia hoch im Kurs und so nahm Noitburg ihn auf. Der Graumagier Innozenz untersuchte den Greis. Er äußerte die Vermutung, dass es sich um die Auswirkung eines Zeitfrevels handeln könnte, einer verbotenen Anwendung einer der „sieben magischen Formeln der Zeit“, über die Rohal der Weise geschrieben hat.
Innozenz schickte nach Elenvina zur Akademie der Herrschaft. Dort wurde dann überlegt, ob man den Vorfall untersuchen wolle, sei man doch sehr skeptisch, ob es sich bei diesem alten Greis wirklich um ihren Schüler Hilarious Sternenfeld handeln möge, den man dort aber auch bereits vermisste.
Eine Abordnung aus der Elenviner Magierakademie – so berichtet dann die Ausgabe 18 des Greifenspiegels – soll dann mitten im Winter nach Breewald gereist sein. Die Akademieleitung schweigt darüber allerdings. In Breewald ging jedoch das Gerücht um, dass diese Delegation den Greis untersucht habe, ob er wirklich Hilarious Sternenfeld sei und – wenn diese bestätigt sei – wie es zu dieser schrecklichen Verwandlung kommen konnte. Am Ende sei die Delegation aber wieder abgereist und der alte Mann, der behauptete, Hilarious Sternenfeld zu sein, blieb auf der Scheuburg zurück.
Dort blieb er seither zunächst unter der Obhut des Graumagiers Innozenz. Er unterrichtete den mutmaßlichen Magierschüler. Nach anfänglicher Skepsis der Burgbewohner und der Menschen in Breewald, sahen sie Hilarious Sternenfeld bald als einen der ihren, bemühte er sich doch, nach seinen Kräften zu helfen, wo er konnte. Schließlich wurde Hilarious sogar ziemlich beliebt. Einzig, dass er mit Blick auf die Bedrohung aus der „Öde“ häufiger davon sprach, dass man „kriegstüchtig“ werden müsse, irritierte viele.
Etwas mehr als anderthalb Götterläufe später änderte sich die Situation für den greisen Magierschüler. Im Spätsommer 1046 BF drang ein Praiosgeweihter namens Phoebus Feuerherz mit der Unterstützung zweier Bannstrahler aus der Abtei St. Aldec in Linnartstein in der benachbarten Baronie Kyndoch in die Scheuburg ein (der Greifenspiegel, Ausgabe 22, berichtete). Sie stellten den Innozenz in seinem Magierturm unter Hausarrest. Die Gründe dafür sind der Öffentlichkeit unbekannt. Drei Monde später drang dann die Kunde durch, dass der Graumagier geflohen sei. Der greise Magierschüler war an der Flucht nicht ganz unbeteiligt. Hilarious Sternenfeld habe die Magierrobe seines Lehrmeisters angezogen und den ganzen Tag am Schreibpult in der Studierstube gestanden – und zwar mit dem Rücken zur Tür. Immer wenn die Bannstrahler die Studierstube kontrollierten, hatten sie ihn dort angetroffen und für seinen Meister gehalten. So wurde die Flucht erst spät entdeckt. Seither ist Innozenz flüchtig und untergetaucht.
Das hat aber nun zur Folge, dass Hilarious Sternenfeld nun seit mehr als einem halben Götterlauf nicht mehr unterwiesen wird. Er sei zwar fleißig bemüht, sich weiterhin Wissen anzueignen. Doch treten nun sämtliche Fragen hinsichtlich möglicher Prüfungen an der Akademie in den Hintergrund. Die weitere Zukunft des greisen Magierschülers ist derzeit ungewiss, wie auch der Verbleib seines Lehrmeisters Innozenz. Wir werden die Entwicklungen seitens des Greifenspiegel weiter verfolgen.
(Himiltrud von Bösenbursch)
Himiltrud erneut Witwe
Breewald und Moosgau, Baronie Eisenstein, Travia 1047 BF. Kurz vor Redaktionsschluss ereilte uns aus der Baronie Ambelmund im Norden der Grafschaft Gratenfels eine schreckliche Nachricht. Herzog Hagrobald Guntwin vom Großen Fluss hatte anlässlich seines Tsatages eingeladen, mit ihm in den Wäldern zwischen Tommel und Ambla zu jagen. Als Gast soll sogar der König von Andergast, Wendelmir VI. Zornbold, bei der Jagd zugegen gewesen sein. Was bisher bis in den Isenhag durchgedrungen ist, sollen sie in den Wäldern auf ein uraltes Wesen mit unsterblicher Gier getroffen sein. Dieses soll aber durch ein weit finsteres Wesen beherrscht worden sein: einem ‘Feylamia’, einem sogenannten ‘Elfenvampir’. Diesen galt es zu bannen, um das Wesen aus dem Wald von seinem Einfluss zu befreien. Mit Flötenspiel sollte der Vampir, ein Wesen aus dem Einflussbereich des Rattenkindes, gelockt werden, um ihn zu überwinden. Als Flötenspieler brauchte es einen Freiwilligen, der mutig und tapfer genug war, sich dieser grausigen Gefahr zu stellen.
Nun: Es meldete sich der aus dem Eisenstein´schen Moosgau stammende Liudger von Bösenbursch. Er war seit kurzem verlobt mit der Witwe seines Bruders Gudo, Himiltrud. Kurz bevor er sich der Gefahr stellte, soll er der Landhauptfrau der Nordmarken, Ihre hochgeborene Exzellenz Iseweine von Weiseprein, noch ein Versprechen abgerungen haben: “Versprecht mir, dass für die Witwe meines Bruders gesorgt ist, falls mir etwas zustößt!”
Sein Flötenspiel soll wahrhaft vortrefflich gewesen sein. Doch wer sich in solche Gefahr begibt, kommt darin um. So wurde Liudger von Bösenbursch zum Erschrecken aller Zeugen zum Opfer des Elfenvampir. Tatsächlich konnte der Vampir in der Folge überwunden werden. Somit war dieses Opfer nicht sinnlos, was einen Trost zu spenden vermag. Liudger wurde gerade einmal 30 Götterläufe alt.
Die Familien Bösenbursch und Rechklamm (aus letzterer stammte seine Verlobte Himiltrud) sind zutiefst erschüttert über diese Nachricht. Erneut verloren sie auf solch schreckliche Weise einen engen Angehörigen. Die Trauer ist groß.
Die arme Himiltrud hatte erst vor knapp dreieinhalb Götterläufen ihren geliebten Ehegatten verloren, Liudgers Zwillingsbruder Gudo von Bösenbursch. Jener war auf sehr ähnliche Weise aus dieser Welt geschieden. Im Peraine 1043 BF hatte er sich an der Jagd nach dem Räuberhauptmann Theoderich Wægel und seinen Schergen beteiligt. Die Räuberbande hatte sich seinerzeit in den Ingrakuppen versteckt. Da der Unterschlupf der Räuber in den Bergen lag, die zum Gut des Hauses Bösenbursch gehören, also zum Gut Moosgau, sollte er als Ortskundiger die von verschiedenen Isenhager Baronen aufgebotenen Schar führen, welche den berüchtigten Erzschurken Wægel stellen sollten. Die Wægel-Bande hatte sich in den Ruinen einer alten Zwergenbinge, Zaman, verborgen. Beim Eindringen in die alte Festung sind die tapferen Streiter allerdings nicht nur auf die Räuber und ihre Familien gestoßen, sondern auch auf ein Wesen aus dem Einfluss des Rattenkindes: einer Schwarzfee. Dieses Ungeheuer hatte etliche Menschen ermordet und bedrohte nun auch die Kinder der Räuber. Mutig hatte sich Gudo von Bösenbursch dem Wesen der Finsternis entgegen gestellt und war in den Wochen darauf seinen Verwundungen erlegen. Gudo wurde nur 26 Götterläufe alt.
Himiltrud und Gudo waren seinerzeit gerade einmal fünf Götterläufe verheiratet. Nun wurde Himiltrud von Bösenbursch, die mit ihrem Verlobten Liudger vor allem in Albernia auf Dun Glaoran in der Grafschaft Bredenhag lebte, nun noch vor der bereits geplanten Hochzeit zum zweiten Male auf so schreckliche Weise Witwe. Wir hoffen, dass die Landhauptfrau ihr Versprechen halten wird.
(Himiltrud von Bösenbursch)
Millenium-Käfer in der Öde
Breewald, Baronie Eisenstein, Rondra 1047 BF. Im Gasthaus “Zum stolzierenden Pony” im Örtchen Breewald in der Baronie Eisenstein war das Entsetzen groß, als eine Bauersfrau ihre Beobachtung in einem angenehm warmen Bier ertränken musste. Sie war auf einem Acker an der Grenze des Gutes Breewald gewesen, rahjawärts, dort wo das gute, urbare Land des ‘Bríghland’ an jene lebensfeindliche Landschaft stößt, welche allseits die “Öde” genannt wird. Sie habe beim Pflügen von ihrer Scholle aus beobachtet, wie sich mehrere riesige Käfer über den dürren, ausgemergelten Boden der “Öde” bewegt hatten. Zwei Götterläufe ist es jetzt her, dass Reisende in der “Öde” seltsame Steinformationen gesehen hatten: messerscharfe, spitze Steinnadeln, welche über die ganze karge Gegend verstreut in die Höhe ragen (der Greifenspiegel berichtete: siehe Ausgabe Nummer 19). Jetzt scheinen neben den verschiedentlich gesichteten untoten Zwergen auch noch diese Biester von Käfern hinzugekommen sein. Als Experten konnten wir Hilarious Sternenfeld befragen. Er hatte auf die Beschreibung der Bauersfrau in den Büchern seines Lehrmeisters Innozenz nachschlagen und fand heraus, dass solche Käfer bereits öfters in der Geschichte der Welt aufgetreten sei, nämlich jeweils als Anzeichen von sogenannten “Karmakirthäa” - was wiederum dies sei, konnte der greise Hilarious nicht erklären. Diese Käfer würden “Äonen-Käfer” genannt oder auch gerne “Jahrtausend-Käfer” oder oft auch “Millenium-Käfer”. Sie würden aus dem Einflussbereich der Widersacherin des Herren Boron kommen. Eine Eigenschaft dieser “Millenium-Käfer” sei, dass sie das komplette Gedächtnis auslöschen könnten. Ein Grund mehr, diese unheimliche Gegend fortan zu meiden! (Himiltrud von Bösenbursch)
Grafschaft Albenhus
Die Blaue Keuche in der Grafschaft Albenhus!
Grafenland Albenhus, Rondra 1047 BF. Es war eine furchtbare Nachricht, die den Grafenhof zu Albenhus erreichte. Ein Bote von der Burg Unkenau mitten im fruchtbaren, aber auch morastigen Sumpfland am Großen Fluss berichtete Ihrer Hochgeboren Gelda_von_Albenhus, der Vögtin des Grafenlandes Albenhus von einem Ausbruch von Dumpfschädel und Blutigem Rotz auf dem Gut Unkenau. Dies ist soweit nichts Ungewöhnliches gerade im schwülen Sommer und die Kräuter der Sümpfe sind Peraines Gaben gegen die Plage der Siechen. Doch verliefen die Siechtümer in diesem Jahr besonders schwer und die Peraine-Geweihten und Heilerinnen hatten ihre liebe Müh’, die heilenden Kräuter zu sammeln. Schon bat Ihre Wohlgeboren Azula von Unkenau, die Junkerin und Herrin dieser Moore und Sümpfe die Anconiten aus Albenhus um Hilfe.
Doch besonders schwer sollte es ausgerechnet das Haus Unkenau selbst treffen, denn nicht nur erkrankte Iseweine von Unkenau, die Tochter und Erbin Ihrer Wohlgeboren am Blutigen Rotz. Die Götter meinten es nicht hold mit der Hofdame der Gräfin von Albenhus und die eigentlich leichte Erkrankung wuchs sich zu einer Blauen Keuche aus. Ihre Wohlgeboren ließ ihre Tochter in einem abgelegenen Gemach der Burg isolieren, um eine Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden und bat die Perainegeweihten Unkenaus, alles nur menschenmögliche zu tun, ihre Tochter zu heilen. Doch die Blaue Keuche ist eine heimtückische Erkrankung. Das Fieber nahm stetig zu, Iseweine litt unter Atemnot und schwerem Husten - weder die Anconiten noch die Perainegeweihten konnten die Krankheit heilen, der Erbjunkerin nur Linderung verschaffen. Doch letzten Endes schuldet jeder Mensch der Welt noch einen Tod und so trat auch Iseweine nach kurzer, aber schwerer Krankheit am 29. Tag des Rondra-Mondes den Weg über das Nirgendmeer an.
Trauer erfasste das Haus Unkenau und die Trauer wie auch die immer noch auftretenden Fälle von Dumpfschädel und Blutigem Rotz hielten das Oberhaupt Azula von Unkenau und andere Vertreter der Familie von weiten Reisen ab.
Peraines Segen und der Umsicht Ihrer Wohlgeboren Azula von Unkenau mochte es zu verdanken sein, dass nicht weitere Fälle der Blauen Keuche auftraten, weshalb die Bauern und Bürger des Gutes in diesem Jahr noch einmal glimpflich davongekommen waren.
(Dalida Ernbrecht)
Allerlei
Angroschs Hammerschlag, Katastrophe am Schlund
Königreich Garetien, Vulkan Schlund im Raschtulswall, Ende Tsa 1046 BF. Wie die Leser des Aventurischen Boten bereits vor Kurzem auf dessen Titelseite lesen konnten, kam es am Vulkan Schlund im Süden Garetiens zu einer Katastrophe n. Der Vulkan spieh daraufhin tagelang Feuer und verdunkelte den Himmel. Bis über die Sicheln und die Trollzacken sind die Felder von Asche bedeckt, das Herz des Reiches war aber besonders schlimm betroffen.
Der Ausbruch des Schlunds ist jedoch kein natürliches Ereignis, ruht er doch seit Jahrtausenden. Berichten zufolge griff ein gewaltiger Elementardrache und von ihm beherrschte Goldemiden die Festlichkeiten des Tages der Erneuerung am Heiligtum des Angrosch an, welches dort jedes Jahr am Ende des Tsamondes stattfindet. Zur Feier waren Gläubige des Angrosch und des Ingerimm, der Simia und natürlich auch Tsa gekommen. Unter ihnen waren unter anderem aber auch bedeutende Würdenträger der Angroschim, darunter Hochkönig Albrax, Sohn des Agam und dessen Bruder Arombolosch, Bergkönig vom Tosch-Mur unter dem Ambossgebirge. Auch Graf Ghambir, Sohn des Gruin vom Isenhag und dessen Tochter Prinzessin Gandrixa waren anwesend. Beide waren gekommen, um die Asche des vor wenigen Monden in den Wirren eines Aufruhrs in Calbrozim umgekommenen Prinzen Gatrox, Sohn des Ghambir, in dem heiligen Vulkan beizusetzen.
Dass diese Persönlichkeiten die Katastrophe überlebten, ist vermutlich nur dem direkten Eingreifen von Alverans Hammer zu verdanken, der einen Himmelskörper aus dem Sternbild Hammer und Amboss herniederfahren ließ, um den Drachen zu Boden zu schmettern. So zumindest deuten es die Kirchen von Ingerimm und Angrosch. Zwar wurde der Drache durch den fallenden Stern offenkundig nicht vernichtet, doch suchte er daraufhin alsbald das Weite und ermöglichte so vielen die Flucht aus dem zu zornigem Leben erwachten Vulkankrater.
Soviel Glück hatten jedoch längst nicht alle Festteilnehmer. Dutzende von ihnen fanden einen grausamen Tod durch den Drachen, seine elementaren Häscher oder gar bei der Flucht aus dem Krater, während der Vulkan Lava zu speien begann.
Unter den Toten befinden sich auch zwei hochrangige Angehörige der Angroschkriche, namentlich Xolgorim, Sohn des Xaraf, der Hochgeweihte Xorloschs und Norgram vom Stein, ebenfalls Hochgeweihter und Hüter der Hammerhöhle Malmarzrom im Ambossgebirge.
Die Stimmen unter den Zwergen, die von einer neuen Heldenzeit sprechen, werden immer lauter und unter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass sich jener Drache, der den Schlund angriff, nur wenige Monde zuvor aus einer Jahrtausende währenden Gefangenschaft unter den Ingrakuppen befreien konnte. Einige glauben sogar, dass er für die Unruhen in Calbrozim verantwortlich sei.
In den Kernlanden der Angroschim herrscht derweil hektische Betriebsamkeit. Die Städte der Angroschim, allen voran Senalosch, die Letzte Festung, Makamesch und nicht zuletzt die Festung von Calbrozim und Tolshidur wurden abgeriegelt. Die Bergwachten sind in Alarmbereitschaft und Soldaten des Isenhager Garderegimentes Ingerimms Hammer wurden aus den Kasernen von Albenhus, von Burg Nilsitz und Trollpforz abgezogen, um die Außengrenzen des Eisenwalds zu sichern. Auf Nachfragen war von Seiten des Hirschenthrons zu erfahren, dass der Herzog die Soldaten auf Bitten des Ehrenoberst Fargol, Sohn des Fanderam zum Schutze der Kernlande der Angroschim unter den Befehl des Rogmarog von Isnatosch stellte.
Xorlosch hingegen demonstriert Gelassenheit, steht man dort dem Hochkönig und dessen Verkündung des Heldenzeitalters doch ablehnend gegenüber.
In den Nordmarken jedoch kann niemand leugnen, dass Großes vor sich geht. Viele der unter Menschen lebenden Zwerge verlassen allerorts die Städte und Ortschaften und ziehen zu ihren Sippen in den Eisenwald, die Ingrakuppen oder das Koschmassiv.
(Burkhard Ludolfinger)
MI: Der Inhalt des Artikels gibt die Geschehnisse des Auf ins Abenteuers Basaltschmelze wieder, welches den Auftakt zur Kampagne um Brandans Pakt darstellt.





