Elenviner Wein

Im hügeligen Elenviner Umland gedeiht ein erstaunlich guter Wein - um so verwunderlicher, da dies das einzige Weinanbaugebiet Nordmarkens ist. Selbst das fruchtbare Gratenfelser Becken liegt schon zu weit firunwärts, als dass dort noch Rahjas Früchte gediehen.

Roter und weißer Geron, Trollberger, Windhager und Geronsblut sowie noch einige andere Rebsorten werden in der Stadtmark Elenvina im Bogen des Großen Flusses gezogen. Der manchmal im Handel erhältliche Elenviner ist üblicherweise nur eine Mischung aus allen Rebsorten aus den Weinbergen eines Winzers, selten ein sortenreiner Wein (der in Aventurien eher eine Ausnahme darstellt). Üblicherweise werden rote und weiße Reben in einem Weinberg zusammen angebaut - ein aus diesen gemischten Beeren zusammen vergorener Wein ist oft Rosafarben, was der Herrin Rahja wohlgefällig ist. Er 'schillert' oft in allen Rosentönen und wird darum auch Schillerwein geheißen. Die Qualität dieses Weins ist schankend, vom zu Recht verrufenen 'Elenviner Landwein' bis hin zu trefflich mundenden Erzeugnissen der besten Winzer ist unter diesem Namen alles dabei.
Für den Eigengebrauch der Winzer werden oft in einer besonderen Pressung nur die Erzeugnisse der besten Lagen und Weinstöcke verwandt, so dass das, was auf dem eigenen Tisch des Winzers steht, und das, was in großen Fässern gehandelt wird, sich unterscheiden wie eine unreife Mostbirne und ein ausgereifter Peraineapfel.

In jüngster Zeit haben einige der Weingärtner im Tal des großen Flusses begonnen, die Trauben bis weit nach dem Traviamond an den Stöcken trocknen zu lassen und die verrunzelten, halb ausgedörrten Früchte erst nach dem ersten strengen Frost zu ernten. Die Ausbeute dieses Mostes ist zwar erheblich geringer, aber deutlich süßer als die reguläre Ernte zu Beginn des Travienmondes, und der Wein, der aus diesem Most hervorgeht, läßt beinahe vergessen, dass sein Ausgang nicht in den sonnendurchglühten Ebenen Almadas oder den Hängen des Rashdulswalles lag.

Der Trollberger, eine Rotweinsorte, ist vermutlich die älteste reine Rebsorte im Elenviner Umland und bereits seit vierhundert Götterläufen bezeugt. Er hat kleine Beeren, die gerade mal die Grüße eines kleinen Fingernagels erreichen, in dicht gepackten Trauben. Die Beeren sind fast blau, mit einer weißlichen Schicht überzogen, und haben viele Kerne. Der aus ihr gekelterte Wein ist vollmundig, schwer und trocken, Lästerzungen würden fast von 'herb' sprechen. Die Farbe ist ein tiefes, geheimnisvolles Rot. Wenn die Trauben an den Reben trocknen und nach dem ersten Frost geerntet werden, ergibt dies einen faszinierenden süßen Wein mit vielgestaltigen Aromen, der nach einem Mahl oder zu Süßspeisen wirklich trefflich mundet, doch auch rasch zu Kopfe steigt.
Nur sehr wenige Winzer verstehen sich auf die (seltene Berufs-)Fertigkeit, aus den roten Trauben des Trollbergers einen Weißwein zu keltern, indem sie die Maische rasch abpressen, so dass der Traubensaft keine Farbe aus den Hüllen der Beeren annimmt. Den weißen Wein aus roten Trauben so auszubauen, dass der fruchtige Geschmack erhalten bleibt, ist eine große Kunst, die nur wenigen gelingt, dann jedoch aber Weine von ganz besonderem Charakter ergibt.

Roter Geron ist ein vergleichsweise leichter, sehr fruchtiger Rotwein von leuchtend roter Farbe mit dem Geschmack nach Beeren und dunklen Früchten. Es ist wohl ein Zufallssämling aus dem Trollberger und einer unbekannten Rebe und wird gleichfalls schon sehr lange, über 200 Götterläufe, im Elenviner Land gezogen. Er ist einer der Grundweine der als 'Elenviner' gehandelten Landweinmischungen. Sortenrein und von den kundigen Händen eines guten Winzers ausgebaut entfaltet er ein fruchtiges, ansprechendes Bukett und ist ein guter Begleiter zu vielen Mahlzeiten.

Der Weiße Geron ist ein spritziger, säurehaltiger Weißwein, der im Elenviner Umland eher trocken ausgebaut wird. Die Trauben sind klein und dichtbeerig und von einem hellen, ins Gelb spielenden Grün. In sehr sonnigen Sommern werden sie gelbbraun und bekommen winzige schwarze Punkte, was ihrem Geschmack jedoch keinen Abbruch tut und im Gegenzug ein Zeichen von Reife und hohem Zuckergehalt ist. Die Blätter sind rundlich und weniger tief eingeschnitten als jene des Trollbergers. Die Beeren reifen sehr spät im Jahr, so dass der weiße Geron traditionell die zuletzt gelesene Rebsorte ist.

Der Windhager ist gleichfalls ein Weißwein, der trotz seines Namens aus dem Elenviner Land stammt. Entstanden ist er zu Zeiten Kaiser Valpos durch eine Kreuzung von rotem und weißen Geron. Die mittelgroßen Blätter sind tief eingeschnitten, die Blattoberfläche ist glänzend grün. Die Traube ist lockerer als jede des Weißen Geron, die Beeren selbst sind größer und von grünlichgelber Farbe, die schwarzen Punkte des Geron jedoch fehlen ihr vollständig. Der aus ihm gekelterte Wein ist kräftig, mit dem Geschmack nach Gewürzen der Gewürzinseln und einem leicht nussigen Unterton.

Das Geronsblutist ein Rotwein, nicht mit dem Roten Geron verwandt. Durch seine sehr kräftige Farbe wird er oft anderen Weinen beigegeben, um einen satten Farbton zu erreichen. Zusammen mit dem Roten Geron bildet er die Grundlage des roten Elenviner Landweins. Die Traube des reich tragenden Weins ist mitteldicht, die blauen bis blauschwarzen Beeren sind sehr groß und werden auch gerne als Früchte verspeist. Sortenrein ausgbaut ergibt das Geronosblut einen runden, harmonischen Wein, der vielen Almadanern in wenig nachsteht.

Der Rahjadorn, ein sehr spät reifender Rotwein, duftet intensiv nach Benbukkel und Muskat. Seine großen, lockeren Trauben mit den blauschwarzen Beeren ergeben einen Rubinroten Wein von betörendem Duft. Trotz des Namens sind die Reben dornenfrei, eventuell ist der Name eine Anspielung auf den Wolf, den die oft sehr schweren Weine am Folgetag im Kopf des Trinkers hinterlassen.