Nordmärker Greifenspiegel28

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Das PDF des Greifenspiegels findet sich hier.

Mark Elenvina

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Flussgarde rehabilitiert

Elenvina, Praios 1048 BF. Aufgrund namenloser Umtriebe zur Herzogenturnei 1048 BF (der Greifenspiegel berichtet) geriet selbst die ehrwürdige Flussgarde in Verdacht, von Agenten des Dreizehnten unterwandert zu werden und wurde darum kurzfristig zur Überprüfung von ihren Aufgaben entbunden.
Mit der Expertise und überaus handfesten Unterstützung der Kirch
e des Herrn Praios, mit Unterstützung der Diener der Herrin Hesinde aus der Halle des Heiligen Cereborn wie auch der Akademie der Herrschaft vermochten die Seelen der tapferen Mitglieder der herzöglichen Garde geprüft wurden. So verkündet der Hof zu Elenvina nun voll der Genugtuung, dass sämtliche Flussgardisten, welche die Prüfung gemeistert hatten, wieder in vollen Rang und und Würden in Dienst gestellt sind. Nicht so jedoch die Leuenantin Imelda von Hohenstedt, der Weibel Erlfrid von Münzheim und die Korporalin Willa Frehenberger. Diese wurden ob erwiesener 'Buhlerei mit dem Namenlosen' am Mittag des 10. Praios 1048 BF im Hof der Eilenwïd-über-den-Wassern nach erfolgter Verurteilung im Beisein der Vertreter der Kirchen standrechtlich durch die herzögliche Spießwartin Hadelin Armshaus mit dem Schwert vom Leben zum Tode befördert. Ihre Leichen wurden verbrannt.
Sicher mögen die Nordmarken nun sein, dass kein Unheil mehr sich einer Ratte gleich in die tapfere Flussgarde gegraben hat.
Alara Togelstein-Horning

Hochzeit in Knechtstett

Gut Stolzenfels - Knechtstett, Baronie Herzoglich Fuchsgau, Praios 1048 BF. In dem kleinen Landstrich Knechtstett wurde jüngst öffentlich ausgerufen, dass sich die Junkerin Isavena von Leuenstolz mit der Ritterin Alana von Altenberg vermählt hat.
Den Heiratsantrag an die stolze Rittersfrau aus dem Hause Altenberg aus Schweinsfold mit Verbindungen bis zum Travia-Tempel in Elenvina machte die Junkerin zu Knechtstett angeblich während ihrer ausufernden Feierlichkeiten zur Wintersonnenwende im Firun 1047 BF.
Gerüchten zufolge sollte der Bund eigentlich früher geschlossen werden (da hatte es wohl wer ganz eilig - Anm. Autor), jedoch verschob sich die Eheschließung dann doch auf einen Zeitpunkt nach den herzoglichen Turnieren, da die Neu-Leuenstolzerin ihr ritterliches Können im Wettstreit zur Schau stellen musste. Doch auch wenn die Herrin von Gut Stolzenfels seit geraumer Zeit strahlt wie ein Honigkuchenpferd, munkeln manche Zungen von einer nicht Standes entsprechenden Entscheidung der Junkerin. Selbst am eigenen Hofe wird die Wahl nicht von allen Angestellten und Beschäftigten mit Verständnis bedacht. Schließlich bedeutet die Ehelichung einer Frau, dass die Erbfolge im Junkerngut wohl kaum aufrechterhalten bleibt und das Volk sich in absehbarer Zukunft auf einen neuen Lehnsherren oder -herrin einstellen dürfte.
Aber bleiben wir mit unseren Sorgen und Nöten lieber im Hier und Jetzt und schieben düstere Zukunftsaussichten zur Seite : Glückwunsch an die neuvermählten Damen. Möge ihr Glück lange währen.
(Beregis Trappdorf)

Das Geheimnis des “faulen Ritters”

Elenvina, Praios 1048 BF. Das Herzogenturnier ist beendet und damit die Turnierserie, welche Seine Hoheit Herzog Hagrobald Guntwin vom Großen Fluss zu Ehren seines Großvaters Jast Gorsam veranstaltet hat. Die Tage in Elenvina zu Beginn dieses Götterlaufes haben jedoch für mancherlei Befremden bei den zahlreichen Gästen aus aller Welt sowie bei den Einwohnern der Stadt gesorgt. Wurden doch zwischenzeitlich die Tore der herzoglichen Feste Eilenwïd-über-den-Wassern geschlossen und das Turnier unterbrochen, hörte man von der Ermordung des Allwasservogtes und noch Schlimmeren. Doch hierüber möge der geneigte Leser an anderer Stelle Kunde erhalten. Uns interessiert hier vielmehr das Schicksal des sogenannten “faulen Ritters”. Recht unrühmlich hatte er während der Turniere zu Kyndoch, Schweinsfold und Kaldenberg von sich Reden gemacht. Die Zuschauer und Turnierteilnehmer hatten ihn alsbald als Beleidigung und bar allen Anstandes wahrgenommen. Schließlich hatte er in Herzogenfurt sogar den König von Andergast brüskiert und zuletzt das Kaldenberger Turnier für sich entschieden. Doch was steckt hinter all diesem unmöglichen Auftretens des lange unbekannten Schwarzen Ritters? Nun, wir haben recherchiert und zahlreiche Menschen gefragt. Ausführlich erteilte mir die geschätzte Anconiterin Merle von Weissenquell Auskunft und auch das Gespräch mit dem Gouverneur von Yar’dasham, Seiner Wohlgeborenen Exzellenz Ugdalf von Pandlarilsforst und von Hauberach, war recht aufschlussreich. Beide waren nämlich auf eigentümliche Weise an der Aufklärung des Geheimnisses um den “faulen Ritter” wie auch an der Rettung seiner Familie beteiligt. Des Weiteren sollen neben Hochgeboren Wunnemar von Galebfurten auch die Ingra-Geweihte Imelda von Hadingen, die Ritter Ivrea von Fischbach und Gereon von Hauerberg sowie der Rondrageweihte Rorik Donnerschall mitgewirkt haben.
Tatsächlich ist es eine äußerst spannende Geschichte, die ich da recherchieren durften. Nur - soviel darf wohl gesagt werden - obliegen Teile dieser Geschichte der Verschwiegenheitspflicht, auf welche mich Beamte der herzöglichen Verwaltung eindringlich aufmerksam gemacht haben.

Die Waffenkammer

Begonnen hatte die Aufklärung wohl mit einem Vorwurf, dass der besagte ‘faule Ritter’ den Allwasservogt ermordet haben solle. Niemand geringeres als Wendelmir VI. Zornbold, der König von Andergast, beharrte darauf, den Schwarzen Ritter gesehen zu haben, wie er mit einer Zeremonialwaffe aus der Herzöglichen Waffenkammer in den frühen Morgenstunden über den Burghof der Eilenwïd gelaufen sei. Die Waffe sei voller Blut gewesen. Um diesem Vorwurf nachzugehen, bat der Herzog die zuvor genannten ‘Ermittler’, in der Waffenkammer zu überprüfen, ob tatsächlich eine solche Waffe fehlen würde. Dort empfing sie der jüngst erst bestallte neue herzögliche Waffenmeister, der Angroscho Xampanosch Sohn des Xallinosch, des bekannten Breewalder Schmieds. Eindringlich habe dieser darauf hingewiesen, dass in seiner Waffenkammer “alles in bester Ordnung” sei und keine Waffe fehlen würde. Bei ihm sei noch nie etwas abhanden gekommen. Dennoch hat er die ‘Ermittler’ nicht vollends überzeugen können, wie mir der Gouverneur von Yar’dasham bestätigte.
“Ob der Kerl nun wirklich eine Waffe ‘verloren’ hatte, einfach nicht kooperativ oder schlicht nicht in der Lage war, unser Anliegen zu begreifen”, erläuterte mir Ugdalf von Pandlarilsforst und von Hauberach, “muss letztlich offen bleiben, da sich während des Gesprächs eine unerwartete Wendung ergab, die unsere Aufmerksamkeit beanspruchte. Sei es wie es sei: Dieser Waffenmeister war entweder unfähig oder unwillig oder beides. So oder so war er meines Erachtens für seinen Posten gänzlich ungeeignet, was ich auch später an geeigneter Stelle kundtat.”
Schließlich zog der Herzog wohl umgehend Konsequenzen und entließ den gerade erst eingestellten Waffenmeister wieder aus seinen Diensten. Bevor ich nun auf die vom Gouverneur benannte ‘unerwartete Wendung’ eingehe, sei an dieser Stelle noch gesagt, dass mir Seine wohlgeborene Exzellenz bestätigte, dass weder die mutmaßlich verloren gegangene Waffe noch der sogenannte ‘faule Ritter’ etwas mit der Ermordung des Allwasservogtes zu tun gehabt habe. Hinsichtlich des Verdachts, den der Andergaster König wider den ‘faulen Ritter’ geäußert hatte, konnten sich einige nicht des Eindrucks erwehren, dass dahinter möglicherweise auch der verletzte Stolz ob der Brüskierung beim Lanzengang in Schweinsfold stecken könnte.

Eine unerwartete Wendung

Die Wendung war, dass es durch eine Person, deren Namen ich hier nicht nennen darf, Hinweise gab, wo die ‘Ermittler’ etwas über den beschuldigten ‘faulen Ritters’ in Erfahrung bringen könnten. Der Schwarze Ritter habe am Vorabend am Rande des Festes, zu welchem der Herzog eingeladen hatte, mit der Turniermarschallin, der Rondrageweihten Praia vom Großen Fluß, gesprochen. Er habe vor weiteren Morden gewarnt. Nun sei es dringlich, den ‘faulen Ritter’ zu finden, um weiteres Unheil zu verhindern.
Die Rückfrage bei Praia vom Großen Fluß ergab, dass sie als Turnierleiterin durchaus die Identität des Schwarzen Ritters kannte, aber die Ehre und die Turnierregeln es verboten, diese Preis zu geben. Den Name würde sie nur nennen dürfen, wenn sich der Mordverdacht bestätigen würde. Außerdem sei das Gespräch mit dem ‘faulen Ritter’ eine Beichte gewesen und sie dürfe deshalb über den Inhalt des Gespräches keine Auskunft geben. Eine Sackgasse also? Soviel jedoch verriet die Turniermarschallin: der Hinweis auf weitere Morde sei keine ‘Warnung’ gewesen, sondern eine ‘Befürchtung’.

Das Nest

Dann bekamen unsere ‘Ermittler’ den Hinweis, dass sie möglicherweise im ‘Nest’ hilfreiche Informationen erhalten könnten. Das ‘Nest’ ist eine ‘Imman’-Schenke, in der sowohl begeisterte Zuschauer, als auch Spieler die Siege der ‘Elenviner Hengste’ feiern oder die verlorenen Partien herunterspülen. Geführt wird das ‘Nest’ vom einstigen stets gefeierten Spieler Milian von Rickenbach, der allseits unter seinem Spielernamen ‘Die Adlerkralle’ bekannt ist. So begaben sich unsere ‘Ermittler’ dorthin und begegneten Dort dem Ritter Ulfried von Isarnhoe, der in den Turnieren ‘Der Enterbte’ genannt wurde.
“Er hat uns berichtet, dass sein Vater, seine Schwester, von Tsa gesegnet, sowie die zwei kleinen Kinder”, berichtete mir Merle von Weissenquell, “schon seit mehreren Monden spurlos verschwunden seien.” Wenn man sich im Gut Hartholz, dem Lehen der Familie, oder in der Baronie Meilingen umhörte, hieß es, die Familie sei verreist. Sein Schwager jedoch sei immer mal wieder aufgetaucht. Doch Ulfried habe ihn nicht zur Rede gestellt, weil er sich mit seinem einstmals besten Freund entzweit hatte nachdem dieser seine Schwester geehelicht hatte - im Streit über das Erbe, dass die ermordete Baronin von Meilingen auf Bitten von Ulfrieds Vater Zedrik von Isarnhoe schließlich eben jenem Schwager zugesprochen hatte. Nun hatte Ulfried seinen Schwager hier in Elenvina gesehen - offensichtlich unter den Gästen des Herzogs.
Früher seien die beiden, Ulfried und sein Schwager, als reisende Ritter von Turnier zu Turnier gereist. Sein Schwager sei ein sehr hervorragender Turnierritter. Ulfried hatte seinen Schwager gestern noch im Gespräch mit der Turniermarschallin Praia vom Großen Fluß gesehen. Hier horchten unsere ‘Ermittler’ auf. Während Ulfried noch argwöhnte, sein Schwager habe seiner Schwester und den Kindern etwas angetan, mutmaßten die ‘Ermittler’, dass der Schwager möglicherweise der ‘faule Ritter’ sein könnte, und er - so sagte mir Merle von Weissenquell - zu “seinem unflätigen Verhalten gezwungen wird, also erpresst” wurde. Sie vermuteten, dass der ‘faule Ritter’ in Wahrheit Liudger von Rechklamm sei, der Edle von Hartholz.

Die schwarze Kutsche

An dieser Stelle sei uns ein kurzer Exkurs erlaubt. In der ‘Elenviner Postille’, welche eine Sonderausgabe zum Herzogenturnier veröffentlicht hat, gab es einen Bericht darüber, dass jener ‘faule Ritter’ gesehen wurde, wie er mit einer zwielichtigen Bornländerin (der Greifenspiegel Nr. 27 berichtete) in einer schwarzen Kutsche von Kaldenberg nach Elenvina gereist sei. Die Kutsche sei von Waffenknechten des berüchtigten Söldnerführers Ariakes von Havena begleitet worden. Ariakes wird bezichtigt, Kriegsverbrechen im Alberniakrieg verübt zu haben (siehe die Ausgaben des Nordmärker Greifenspiegels Nr. 17 bis 20). Die Bornländerin sei schließlich in einem namhaften Elenviner Hotel abgestiegen, dessen Namen wir aber hier nicht nennen dürfen, weil das möglicherweise geschäftsschädigend sein könnte. Nachdem die ‘Ermittler’ diese Information in den Zusammenhang gebracht hatten, brach Ivrea von Fischbach unmittelbar zu diesem besagten Hotel auf.

Kinder der Finsternis

Die übrigen jedoch machten sich auf, einen Gelehrten aufzusuchen, der in der Villa des berühmten Baumeisters Palladiosch Sohn des Vitrufax wohnt. Der Baumeister selbst war von einigen Götterläufen aufs Land gezogen - ins beschauliche Eisenstein. Milan von Rickenbach hatte den ‘Ermittlern’ den Hinweis gegeben, dass dieser Gelehrte ihnen möglicherweise helfen könnte. Er wüsste mehr über das üble Subjekt, welches in jenem Hotel abgestiegen sei. Der Herr vom Steyneychenwaid, wie der Mann heißt, hatte wohl Besuch von der Meilinger Hofmagierin Ynis Witrin und ihrem Schüler Fionnuisce. Der Herr vom Steyneychenwaid warnte die ‘Ermittler’. Die Bornländerin sei gefährlich. Er rückte sie in die Nähe des Namenlosen. Auch sei davon auszugehen, dass sie mit ‘Kindern der Finsternis’ im Bunde sei. Wenn sie den ‘faulen Ritter’ erpresste, dann wären er und seine Familie in großer Gefahr. Als sie dies hörten, brach sofort ein Teil der ‘Ermittler’ auf, um Ivrea von Fischbach zu warnen, die gerade das Hotel aufsuchte, wo die besagte Bornländerin abgestiegen war.
Die übrigen ‘Ermittler’, welche noch beim Herrn von Steyneychenwaid verblieben, diskutierten mit ihm die mutmaßliche Absicht, welche die Bornländerin verfolgte, wenn sie Liudger von Rechklamm erpresste, damit er als Schwarzer Ritter sich so unehrenhaft aufführte. Vielleicht sollte es Unruhe und Zwist schüren. Vielleicht sei es einfach das Ergötzen an der Herabwürdigung der Sturmherrin oder des Adels. Vielleicht sollte es auch nur die Aufmerksamkeit binden, damit im Hintergrund noch viel üblere Machenschaften vollzogen werden könnten.
Wenn es ‘Kinder der Finsternis’ waren, welche die Familie des Meilinger Edlen als Geisel hielten, dann sei davon auszugehen, dass diese sich an den Geiseln nährten, so erklärte der Herr von Steyneychenwaid. Darum hätten sie die Geiseln auch stets in ihrer Nähe. Demnach müsste Liudgers Familie derzeit auch in Elenvina sein. Wahrscheinlich würden sie in dunklen Kellern oder Verliesen gefangen gehalten. In den Dunklen Zeiten seien unter der Stadt verschiedene Stollen geschaffen worden. Gerüchteweise sei dort auch der sogenannte ‘Bäckerpruch’ überwunden worden.

Schwarze Kerzen

Derweil hatten die eilends aufgebrochenen ‘Ermittler’ das Hotel erreicht. Vor dem Hotel standen Söldner des Ariakes von Havena Wache. Doch diese hielten die ‘Ermittler’ nicht auf. Ivrea von Fischbach war wohlauf. Nichts von dem, was sie befürchtet hatten, war eingetreten. Das Zimmer der Bornländerin war verlassen. Doch Spuren hatte sie hinterlassen: Die Möbel standen voll mit heruntergebrannten schwarzen Kerzen und es war ein übler Geruch im Raum.

Das Geständnis

Nachdem sich die ‘Ermittler’ gesammelt und ihre Informationen ausgetauscht hatten, machten sie sich auf zur Eilenwïd. Dort fanden sie auf einem der Türme Ehrwürden Praia vom Großen Fluss. Vor ihr kniete Liudger von Rechklamm und flehte sie verzweifelt an. Eindringlich bedrängte er sie und gab an, dass er der Mörder des Allwasservogtes sei. Hatte der ‘faule Ritter’ also dich Gorfang vom Großen Fluss ermordet? Doch auf Nachfragen der ‘Ermittler’ konnte er nichts zum Tathergang sagen. Bald war klar, dass er zu diesem Geständnis gezwungen worden war, wie vor einigen Wochen der Baron von Kaldenberg nach dem Mord an Tsaja vom Berg.

Unter den Wassern

Nun galt es, Liudgers Familie aus den Fängen dieser finsteren Gestalten zu befreien. Sie wurden als Geiseln gehalten, um den Meilinger Edlen zu seinem Handeln zu zwingen. Sie seien an einem ‘unerwarteten Ort’ festgehalten worden, so nannte es Ugdalf von Pandlarilsforst und von Hauerbach. Die Hinweise führten die ‘Ermittler’ in Verliese, deren genaue Lage wir nicht veröffentlichen dürfen. Nur soviel: Die Kerker lagen weit unter der Erde, vielleicht sogar unter der Wasseroberfläche des Großen Flusses. Gerüchteweise stammten die Keller aus den Dunklen Zeiten. Dort seien noch während des Alberniakonfliktes Kriegsgefangene festgehalten worden. Die ‘Ermittler’ stiegen hinunter. “Es war stockfinster und sehr unheimlich”, berichtete mir Merle von Weissenquell, die dort unten tapfer nach den Familienangehörigen des ‘faulen Ritters’ suchte. Übereinstimmend erzählen die ‘Ermittler’ von einem ‘Schatten’, der sogar durch Wände gehen konnte. Vielleicht war es ein Vampir? Oder eine Kreatur des Namenlosen?
Schließlich hörten sie ein Wimmern. Ein Kind weinte. So fanden sie die Zelle, in der die Famile festgehalten wurden: Liudgers Frau Rowena, ihre drei kleinen Kinder, eines erst ein Säugling, nur ein paar Monde alt, sowie Rowenas Vater Zederik von Isarnhoe. Sie waren voller Angst, gezeichnet von der Gefangenschaft, abgemagert, vom Schein der Fackeln geblendet. Die Vampire hatten sich von ihrer Lebenskraft genährt, auch von der der Kinder. Einzig Zederik war noch einigermaßen ansprechbar. Er erzählte, dass unter den Geiselnehmern einige mit bornischem Akzent dabei waren, möglicherweise Schergen der besagten Bornländerin. Aber einen hatte Zederik erkannt, berichtete Merle von Weissenquell: “Friedegoz von Wintergrad, der Adjutant des Allwasservogts!” Dieser war also auch in diese Machenschaften verstrickt. Er und diese Bornländerin waren wohl die Drahtzieher des Ganzen.

An der Oberfläche

Was wollten sie mit all dem bezwecken? Der ‘faule Ritter’ diente lediglich der Ablenkung von weit dunkleren Machenschaften. Er sollte ‘Chaos’ stiften, befand der Gouverneur von Yar’dasham. Es steckt also dahinter eine weit größere Verschwörung.
Der Herzog verurteilte in all seiner Weisheit Friedegoz von Wintergrad zum Tode. Der ‘faule Ritter’ soll seine Schuld abgleichen und büßen, indem er ‘auf Jahr und Tag’ dem Orden des Donners verpflichtet ist. Dann sollte seine Ehre wiederhergestellt sein. Seine Familie jedenfalls ist wieder in Sicherheit. Wir können unseren tapferen ‘Ermittlern’ nur dankbar sein! Sie sind wahrhaft Helden!
(Himiltrud von Bösenbursch)
- mit bestem Dank an Rorik Donnerschall, Merle von Weissenquell und Ugdalf von Pandlarilsforst und von Hauberach.

Landgrafschaft Gratenfels

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Baron Kunibald richtet Raubgesindel

Zikadenfels/Baronie Trappenfurten, Praios 1048 BF. Rechtzeitig vor Beginn der Turnierzeit im Herzogtum sind die Wege durch das südliche Gratenfels noch sicherer geworden: Baron Kunibald Gutbert Tsafelde-Sturmfels von Trappfenfurten hob kurz vor dem Jahreswechsel eine Räuberhöhle aus.
In den unwegsamen Wäldern der Berge, die man als Zikadenfelsen kennt, hatten Gefolgsleute Seiner Hochgeboren das Lager einer Bande ausfindig gemacht, die sich dort versteckte. Ihre Mitglieder sollen seit Efferd 1047 BF in Trappenfurten eine Reihe von Überfällen, Bedrohungen und Gewalttaten verübt haben.
Der Baron hatte angeordnet, die Gesetzlosen zu finden und zu fassen, lebendig oder tot. Von Burg Trappenstein aus hatte er dazu auch seine Reisige ausgeschickt, und höchstselbst unternahm er so manchen Waffenritt, um Untertanen zu befragen.
Bei einer dieser Erkundungen berichtete ihm nun ein Waldbauer von verdächtigen Beobachtungen in einem abgelegenen Tal. Als der Baron in seiner prächtigen Schlachtrüstung dort eintraf, begleitet von einer angemessenen Zahl bewaffneter, fand er das Räuberversteck, vor Praios’ und der Menschen Augen verborgen in einer Höhle. Die Bande versuchte zu fliehen, erhob dann aber, als sie erkannte, dass dies aussichtslos war, die Waffen gegen den Baron und seine Leute. Der Kampf war hart, doch rasch entschieden. Die meisten Räuber wurden getötet. Seine Hochgeboren erschlug eigenhändig die mutmaßliche Hauptfrau mit dem Reiterhammer. Noch vor Ort und Stelle verurteilte der Baron die Gefangenen wegen ihrer Untaten gegen Recht, Ordnung und Leben zum Tod und ließ sie erhängen. Hernach wurden allesamt geköpft und ihre Häupter im nahen Zikadenfels auf dem Dorfplatz aufgespießt.
„Der selige Herzog Jast hätte nicht anders verfahren, um anderem Gesindel eine Warnung zu geben“, erinnerte Hochgeboren Gutbert an den harten, aber gerechten Großvater des heutigen Herrschers der Nordmarken. Der örtlichen Geweihten Schwester Perainigunde und den Bürgern von Zikadenfels trug er auf, sich um die angemessene Bestattung der kopflosen Leiber zu kümmern.
(Madarius von Eselsbruck)

Überstürzter Traviabund im Tempel zu Tannbühl

Traviatempel Tannbühl, Baronie Witzichenberg, Rondra 1048 BF. Wie uns erst heute kundgetan ward, wurde bereits am 20. Ingerimm, in äußerster Eile im Tannbühler Traviatempel ein Ehebund geschlossen: Der Ritter Aldec von Schweinsfold, Sohn des Junkers Lambrinus von Schweinsfold, nahm Duridanya ya Cordaya von Tannwirk, designierte Erbin der Edlen zu Siebenstein, zur Frau. Von der Familie des Bräutigams war niemand erschienen. Auf Seiten der Braut waren außer den Eltern noch Ihre Gnaden Helgolind Behrenfreit aus dem Perainetempel von Kreuzweiher und Doktor Ramon ya Hadras nebst seiner Gemahlin Desideria Sanceria aus dem Witzichenberger Hospital anwesend. Auch die Magd Winifred und der Bursche Gorwin, die in der ganzen Affäre eine nicht unbedeutende Rolle gespielt haben sollen, wohnten der Zeremonie bei.
Man munkelt von Intrigen, gefährlichen Überfällen und einer Flucht des Paares aus der benachbarten Baronie, wo zu diesem Zeitpunkt der Herzogenfurter Teil des „Herzog Jast Gorsam - Gedächtnis - Turniers“ ausgetragen wurde. Man hört, dass der junge Ritter auf Wunsch seines Vaters einer anderen, sehr hochstehenden Dame die Hand zum Bund reichen sollte, aber treu zu seiner Verlobten gestanden habe und es aus diesem Grund zum Bruch mit dem Junker gekommen sei. Gerüchte? Wer weiß! Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass der Ritter nun den Namen seiner Gemahlin trägt.
(Lara von Siebenstein)

Tsatagsfeier im Hause Fischwachttal

Baronie Tommelsbeuge, Burg Fischwacht, 6. Praios 1048 BF. Im Namen Seiner Hochgeboren Geribold von Fischwachttal, Baron zu Tommelsbeuge, und seiner Gattin, Ihrer Hochgeboren Tsaja Eberwulf von Tannwirk zu Fischwachttal, wird hiermit freudvoll kundgetan, dass am heutigen Tage der erstgeborene Sohn des Hauses Fischwachttal, der edle Eoban Alrik, sein erstes Lebensjahr vollendet hat. Mit aufrichtiger Dankbarkeit gegenüber den Zwölfen blicken die Eltern auf ein gesundes und gedeihliches Jahr zurück, in dem der junge Herr von Fischwachttal erste Schritte wagte, erste Worte formte und mit wachem Blick die Hallen der Burg Fischwachts erkundete. Der Segen des Götterfürsten Praios, unter dessen Zeichen er geboren ward, möge ihn auch fortan auf seinem Wege begleiten.
Das Gesinde der Burg und Freunde des Hauses fanden sich zu einem schlichten, aber herzlichen Mahl im Großen Saal zusammen. Neben einigen Gästen aus Witzichenberg war auch die Familie von Eberbach auf die Burg gekommen. Möge der zweite Lebenslauf des jungen Erben ebenso von Wohlfahrt, Glück und göttlichem Beistand begleitet sein, und möge er in der Gunst seiner Eltern, des Volkes und der Zwölfe gleichermaßen gedeihen.
(Disibold Schwarzlist)

Neuer Vogt in Witzichenberg berufen

Baronie Witzichenberg, Edlengut Heidegrund, Rondra 1048 BF. Bereits im Rahja 1047 BF setzte die Baronin Melinde Eberwulf von Tannwirk zu Witzichenberg einen neuen Vogt in ihrem Gut Heidegrund ein. Dabei handelt es sich um niemand anderen als Aldec ya Cordaya von Tannwirk, Sohn des Junkers Lambrinus von Schweinsfold aus der Baronie Herzogenfurt, der erst kürzlich die Tochter der Edlen zu Siebenstein zur Gemahlin genommen hat. Die Gerüchte über ein Zerwürfnis zwischen dem jungen Ritter und seiner Familie wollen nicht verstummen und die Tatsache, dass das junge Paar sich in Witzichenberg, also außerhalb des Einflussbereichs der Familie Aldecs, niederlässt, scheinen diese zu bestätigen.
Mögen die Zwölfe den neuen Vogt in seinem Wirken unterstützen!
(Lara von Siebenstein)

Grafschaft Isenhag

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Exodus aus Fasar, Flüchtlinge erreichen den Isenhag

Isenhag, Hes, 1047 BF. Infolge der Nach des Geflügelten Todes und der Zerstörung von Keshal Anghra (der Bote berichtete in Ausgabe 231 & 232) ist es zu einem Exodus der Angroschim aus Fasar gekommen. Nachdem sich der Staub in Fasars Straßen gelichtet hatte, alle Brände gelöscht und die Überlebenden der Katastrophe aus den Ruinen der betroffenen Stadtteile geborgen waren, standen die Erzzwerge der Stadt vor dem Nichts. Gewaltsam ihrer Heimat und all ihrem Hab und Gut beraubt, entschieden sich die meisten Sippen für den Auszug aus Fasar. Im Mond der Allweisen erreichten nun die ersten Flüchtlinge den Isenhag. Ihr Ziel war vornehmlich Calbrozim, die Kapitale der Grafschaft. Viele der Geflüchteten wollten dem in Fasar während des Kampfes der beiden Purpurwürmer gefallenen Grafen Ghambir, Sohn des Gruin die letzte Ehre erweisen und gleichzeitig seiner Nachfolgerin Grafin Gandrixa, Tochter des Ghambir ihre Aufwartung machen. Die Fasarer Sippen suchen nach einem neuen Auskommen im Isenhag und sehen die Tochter des verstorbenen Grafen als bedeutendste Anlaufstelle in diesem Streben, hat doch Graf Ghambir zu Lebzeiten den Handel Calbrozims mit den Zwergen von Fasar gefördert. Das Aushandeln von neuen Handelsverträgen mit im Isenhag erzeugten Waren wird den Hof wohl einige Zeit beschäftigen. Die Kernlande der Angroschim zwischen Ingrakuppen und Eisenbergen werden bis zu achthundert Angroschim eine neue Heimat bieten. Mit dieser Zahl rechnet man in Calbrozim, so ist aus informierten Kreisen zu hören.
Viele der Sippen werden jedoch nicht in Calbrozim bleiben, dies ist ebenfalls zu vernehmen. Der Großteil der Flüchtlinge strebt Isnatosch, das Bergkönigreich Eisenwald, als endgültigen Wohnort an, während ein anderer, kleinerer Teil nach Xorlosch ziehen wird. In Senalosch, der Hauptstadt Isnatoschs sind ebenfalls schon erste Erzzwerge aus Fasar angekommen und herzlich von Bergkönig Fargol, Sohn des Fanderam begrüßt worden, der sich in seinem Handeln bekräftigt fühlt die letzte Festung für eine viel größere Zahl Einwohner ausbauen zu lassen, als es sie derzeit gibt. Wir wünschen den Geflüchteten alles Gute und den Segen des Alten Väterchens bei ihrem Neuanfang im Herzogtum.
(Burkhard Ludolfinger)

MI: Der Inhalt des Artikels gibt einen Teil der Geschehnisse des Abenteuers Bande aus Silber der Kampagne um Brandans Pakt wieder.


Erinnerungsschreiben zur Landwehrübung

Baronie Eisenhuett, Schloss Hasenfeld, Namenlose Tage 1047/48 BF. Seine Hochgeboren Vogt Jast Godehard von Schleiffenröchte erinnerte die Wohlgeborenen der Baronie Eisenhuett an die anstehende Landwehrübung im Travia 1048 BF. Sein Schreiben, datiert auf den Ersten Namenlosen, verwies auf das gräfliche Schreiben zur Einberufung, welches im Winter in Kopie allen Belehnten gegen persönliche Empfangsbestätigung zugegangen sei. Die bisherigen Rückmeldungen der Edlen ließen zu wünschen übrig. Manche hätten alleinig eine Hand Entbehrliche für die Landwehr avisiert. Einer sich hätte gar selbst entschuldigen wollen mit beiligendem Geschenk. Auch sei ein Schreiben eines hier unbekannten Medicus eingegangen, der die Unpässlichkeit seines Edlen begutachtet habe und beglaubigen würde. Gegenüber dem Greifenspiegel läßt Seine Hochgeboren wie folgt zitieren:
"Im Kriegsfall sind Entbehrliche nämlich genau das! Taugen sie nichts auf Euren Dörfern und Feldern gemeinsam mit Peraine und Efferd, was sollen sie dann taugen auf dem Felde gegen die Ausgeburten des Namenlosen? Wisset Ihr denn heute schon mehr als der Götterfürst, wer dereinst für Euch entbehrlich sei und vom Feldzug nicht zurückkommen soll? Wenn Ihr im Kriegsfall den Schutz Eures Landes und Eurer Menschen, welche Eure Saat ausbringen und Eure Ernte einfahren sollen, den Unentbehrlichen überlassen wollet, so ist es Eure Pflicht, in Friedenszeiten aber auch sämtliche Kriegstauglichen in der Verteidigung zu unterrichten und wohl zu üben."
“Im Namen Seiner Hoheit des Herzogs und Ihrer Hochwohlgeborenen Gräfin Gandrixa Tochter des Ghambir erwarte ich zur Landwehrübung eine jede Belehnte und einen jeden Belehnten in persona! Zusätzlich zu Eurem persönlichen Gefolge ist der Zehnte Eurer Einwohner der Landwehr der Baronie zu stellen, die eine Stärke von 10 Bannern zu erreichen hat. Anzutreten nach dem Erntedankfest am Praiostag, den 4. Travia, hinter der Bosboldenbrucher Brücke auf den Bleichwiesen und angrenzendem Felde. Abmarsch Richtung Breewald und Altenfurt in der folgenden Früh mit Erscheinen der Praiosscheibe.”
(Ensfrit Löbich)

Hexe vom Eisenwald wieder gesichtet?

Baronie Rabenstein, Isenhag, Praios 1048 BF. Beunruhigende Kunde dringt aus dem Eisenwald - und es wird gemunkelt, ein alter Schrecken rege sich erneut. In den ersten Tagen des Praios fand ein Wildhüter des Barons von Rabenstein die Bewohner eines Einödhofs nahe Rossol am Pass nach Zwagelfegen tot auf. Einig, so sein entsetzter Bericht, war ihnen, dass keiner der sieben Hörigen auch nur noch einen einzigen Tropfen Blut im Leibe gehabt habe. Von seiner Hochgeborenen Gnaden Lucrann von Rabenstein war kein Kommentar zu dem Vorkommnis zu erhalten, unser Korrespondent gab nach seinem Verweis aus der Burg des Freiherrn zu Bericht, dass dieser einen wahrlich erzürnten Eindruckt auf ihn hinterlassen habe.
Unter den Bewohnern in den Dörfern, die ich hernach durchreiste, hörte ich aber immer wieder eine Sache: “Die Hexe ist zurück!” Oder auch “Die Frau im pfirsichfarbenen Tanzkleid - sie wird dich holen!” Maulfaul aber waren die Leute, als ich sie nach Genauerem befragte. Nur so viel erfuhr ich: bei der Hexe vom Eisenwald, die seit einem halben Jahrhundert hier ihr Unwesen treiben soll, handele es sich um eine junge, schöne Frau, die zumeist ein pfirsichfarbenes Gewand trage - aber jedem, der in ihre Fänge gerate, das Blut bis zum letzten Tropfen aussauge. Ich werde versuchen, Weiteres in Erfahrung zu bringen, um es der geneigten Leserschaft zu unterbreiten.
(Hesindiago Wagenknecht)

Haus Bittersteg fest im Sattel

Garstenborn, Baronie Eisenhuett, Praios 1048 BF. Das Haus Bittersteg vermeldet seine erste Teilnahme an einer Herzogenturney. Marbold von Bittersteg war es vergönnt, wenige Monate nach seiner Schwertleite an der Jast-Gorsam-Gedächtnis Turney in Elenvina teilzunehmen. Der junge Herr ritt an gegen Rohaja von Ragathsquell, Mitglied der Leib- und Ehrenwache Ihrer Hoheit der Herzogengattin. Damit sitzt Haus Bittersteg mit seiner vierten Generation nun fest im Sattel des Niederadels.
(Margund Oderlapp)

Schwertleite in Breewald

Baronien Eisenstein, Rittergut Breewald, Ingerimm 1047 BF. Erst sehr zögerlich dringen Berichte zu mir über das Fest, welches anlässlich des Ritterschlages des ältesten männlichen Enkels der Herrin von Breewald, Noitburg von Rechklamm, auf der Scheuburg am 1. Tag des Ingerimm stattgefunden hat. Auch sind alle diese Berichte sehr zurückhaltend und einsilbig. Der Greifenspiegel konnte nicht herausfinden, warum das so ist. Möglicherweise war es kein besonders traumhaftes Fest. Zur Schwertleite des jungen Herrn Mihoal von Rechklamm war eigens eine Delegation des Ordens der Heiligen Ardare zu Arivor aus dem Horasreich angereist. Festo von Schreyen hat selbst den Ritterschlag erteilt. Der junge Rechklamm war Page und Knappe seines Onkels Gelon Adlerkralle im Ardaritenorden und wird nun als Ordensritter und Novize weiterhin seinen Dienst im Auftrag des Seneschalls der Ardariten in den Nordmarken verrichten.
(Himiltrud von Bösenbursch)

Grafschaft Albenhus

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Von der Landwehrübung in der Baronie Ludgenfels, 15. - 30. Travia 1048 BF

Feldlager errichten und verteidigen Erfolgreich verlief die erste Aufgabe für die Truppen aus der Baronie Witzichenberg. Diese bestand darin, ein Feldlager zu errichten, zu befestigen und zu verteidigen. Unter der Führung des Burgoffiziers Leon Eberwulf von Tannwirk, Oheim der Baronin Melinde, wurde das Lager angelegt nach Plänen, welche die beiden wohlgeborenen Herren Reto von Tannwirk und Leuthwin Eisenblatt zuvor ausgeknobelt hatten. Hierzu sei angemerkt, dass letzterer, seines Zeichens Edler zu Hohwiesen in der Baronie Orgils Heim, einst als Sappeur im Windhager Technischen Regiment gedient hat. Und so riet er seinem Freund Reto von Tannwirk zu Drachenstieg bereits im Vorfeld der Übung, eine ausreichende Menge an Schanzpfählen herstellen zu lassen und auf einem Trosswagen mitzunehmen. Wer konnte schließlich wissen, ob man vor Ort genügend geeignetes Holz für die Befestigung einer Palisade finden würde, und außerdem ginge das Schanzen viel schneller, wenn man die fertig angespitzten Pfähle bereits zur Hand hat und nicht jeden Stamm erst mühsam mit dem Beil bearbeiten muss. Gemäß den Regeln der Wehrheimer Kriegskunst wurde das Lager so nach außen hin durch einen anderthalb Schritt tiefen Spitzgraben, einen daraus auf der Innenseite aufgeworfenen Erdwall und einen auf dem Erdwall errichteten Zaun gesichert. Aus jeweils drei schräg in den Boden gerammten und in der Mitte mit Seilen verbundenen Pflöcke wurden zudem Annäherungshindernisse gebildet, wie man sie gegen Kavallerie oder in Formation marschierendes Fußvolk einsetzt. Unterstützung erfuhren die Witzichenberger Landwehrkämpfer bei dieser schweren Arbeit durch einige Sappeure des Herzoglich-Eisenwalder-Garderegiments, welche die Pläne für gut befunden und sich dem Arbeitseinsatz auf Befehl ihres Obersts angeschlossen hatten. Nun galt es, die errichtete Befestigung im Rahmen eines in der Nacht vorgetragenen Überraschungsangriffs auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und gegen die anstürmenden Eindringlinge zu verteidigen. Als Angreifer fungierten die zwergischen Landwehrtruppen der Vogtei Brüllenbösen unter dem Kommando ihres Bergvogtes Borix Sohn des Barax. Die Landwehr der Baronie Witzichenberg wurde in ihrem Abwehrkampf unterstützt durch die Truppen der Baronie Kranick welche von Ihrer Hochgeboren, der Baronin Iriane Madalin von Kranick zum Kranickfluchs, höchstselbst angeführt wurden.
Zum Glück für die Baronin von Witzichenberg erfolgte der Angriff der Brüllenbösener erst in den frühen Morgenstunden und nicht schon bei Einbruch der Dunkelheit, hatte sie doch für diesen Abend zahlreiche Freunde, Nachbarn und Bekannte zu einem Festmahl in ihr Feldlager eingeladen. Und während die beiden Baroninnen und ihre Ritter die Wachen einteilten und sich die besten Plätze für die verschiedenen Posten und Wachfeuer überlegten, konnten der Marschall und sein Persevant beobachten, wie gleichzeitig im Witzichenberger Lager eine lange Tafel aufgebaut und Essen an mehreren Kochfeuern auf Spießen und in großen Töpfen zubereitet wurde. Ein besonderer Schachzug der Baronin Melinde waren die Wachgänse, die in Käfigen vor der Palisade platziert worden waren und einen überraschenden Angriff vereitelten. „Besser als jeder Wachhund“, erklärte die Baronin mit einem schelmischen Lächeln. Ob ihrer Verdienste in dieser Nacht wurden die Gänse, die eigentlich zur Verproviantierung mitgebracht worden waren, anschließend begnadigt.
Lange wurde die Palisade erfolgreich verteidigt, und während die gepolsterten Armbrustbolzen flogen, wurden mit hölzernen Waffen reichlich Prellungen und blaue Flecke ausgeteilt, wobei überwiegend die Verteidiger diese einstecken mussten. Schließlich gelang es einigen Angreifern, durchzubrechen und ins Lager einzudringen. An dieser Stelle muss der mutige Einsatz der Junkerin von Bussardstein, die ich die Ehre habe ‚Frau Mutter‘ zu nennen, erwähnt werden! Obwohl sie bereits 68 Götterläufe zählt und nicht professionell im Waffenhandwerk ausgebildet wurde, stand sie ihren Mannen und Frauen vor, bis sie nach einem ehrenvollen Zweikampf zu Boden ging. Alle drei Parteien wurden von Turam Sohn des Fanderasch, dem Marschall der Nordmarken, für ihren vorbildlichen Einsatz gelobt und man kann sagen, dass die Landwehr aus Witzichenberg und Kranick sich wacker gegen die erfahreneren und ausdauernderen Kämpfer aus der Vogtei Brüllenbösen gehalten hat.
(Lara von Siebenstein) in Zusammenarbeit mit (Richild Bleichbruck)

Haltet die Position!

Vogt Barox Sohn des Burgamon stand den Übungen zur Einheit „Position halten“ vor. Eine dieser Übungen bestand darin, die Position auf einem Hügel zu halten. Eine zu bewältigende Aufgabe, sollte man denken… Und das dachte auch die Junkerin von Bussardstein, Ihre Wohlgeboren Belina von Siebenstein, meine teure Frau Mama, die im Alter von 68 Götterläufen und ohne fundierte militärische Ausbildung ihre Truppe in diese Aufgabe führte. Unterstützt wurde sie von Ihrer Wohlgeboren Vidda von Hardanger, Edle zu Weizenfeld, Absolventin der Herzoglichen Kriegerakademie zu Elenvina.
Also bläute meine Frau Mama ihren Mannen und Frauen ein, dass jeden äußerst unangenehme Konsequenzen erwarten würden, der es wagte, seine Position zu verlassen! Da meine Frau Mama in Bussardstein wie ein Drache gefürchtet wird, war nicht damit zu rechnen, dass irgendjemand auch nur einen Fußbreit ohne Erlaubnis weichen würde.
Doch die Götter haben Humor! Der Vogt sandte einen gemischten Trupp aus Zwergen und Menschen auf den Hügel. Erste kleinere Attacken mit aus Schleudern abgeschossenen Kieseln hielten die Bussardsteiner stand. Die Plänkerer ließen jedoch nicht nach und griffen, als andere Provokationen keine Wirkung zeigten, zu wahrlich dem schelmischen Gott gefälligen Mitteln: Einer der Angroschim entblößte sein Hinterteil und streckte es den braven Bürgern der Baronie Witzichenberg entgegen. Voller Vertrauen auf die Zwölfe und in ihre Junkerin bewegten sie sich keinen Halbfinger. Meine teure Frau Mama jedoch, der gute Manieren stets über alles gehen, stürzte sich wutentbrannt auf den Angroscho, titulierte ihn „Flegel“ und versohlte ihm den blanken Hintern mit dem Holzschwert. Ich werde nie den Blick Ihrer Wohlgeboren Vidda von Hardanger vergessen, als sie versuchte, meine teure Mama festzuhalten, vergeblich jedoch, sie schlüpfte ihr durch die Finger. Auch wenn die Übung damit als verloren gelten musste, hat die Junkerin mit ihrem Handeln den Respekt und die Zuneigung ihrer Truppe gewonnen!
(Lara von Siebenstein)

Überraschende Einladung nach Witzichenberg

Ein interessanter Effekt bei jeglicher Zusammenkunft adeliger Herrschaften ist der, dass man Bekanntschaften schließt und erneuert. So auch während der Landwehrübung in der Baronie Ludgenfels, die just zu Ende geht. In der Baronie Witzichenberg werden die Beziehungen zu den Gratenfelser Nachbarn gepflegt und die Baronin Melinde Eberwulf von Tannwirk ist stets offen, neue Verbindungen zu knüpfen. So mag sich auch die Einladung nach Witzichenberg erklären, die Ihre Hochgeboren an den jungen Ritter Marbold von Bittersteg ausgesprochen hat. Der Besuch soll schon bald nach der Rückkehr aus Ludgenfels stattfinden, was die Frage aufwirft: “Wozu die Eile? Warum nicht das Frühjahr abwarten?” Es ist bekannt, dass Ihre Hochgeboren Kandidaten, denen sie ein Amt anzuvertrauen gedenkt, einer gründlichen Prüfung unterzieht. Ob es Pläne gibt, den Hohen Herrn von Bittersteg in Witzichenberg in Dienst zu nehmen?
Man munkelt, dass die Baronin der Junkerin von Bussardstein, nach deren desaströsem Abschneiden in der Aufgabe “Position halten”, einen Dienstritter anempfehlen wird. Bekannt ist, dass der Hohe Herr nach seiner Schwertleite eine Anstellung sucht. Im Frühjahr und Sommer hat er aber auf dem elterlichen Gut seinen Vater, den Edlen Ritter Gerho Alban von Bittersteg zu Garstenborn, bei der Ausbildung der Landwehr unterstützt und war auch bei der Landwehrübung in der Baronie Ludgenfels in führender Rolle vor Ort.
(Talina Dohlenfelder)