Neuspielerplot 2024 - Die Jagd in Kyndoch

Neuspielerplot 2023 – Die Jagd in Kyndoch

Zeitraum: Travia 1046 BF

Ort: Baronie Kyndoch, Burg Efferdwacht.

Inhalt: Der Baron der Baronie Kyndoch, Liafwin von Fadersberg, lädt zur Jagd auf seinen Sitz Burg Efferdwacht.

Mit Texten von: Froschhausen, Knechtstett, Steinbrücken, Zollstein, Tannwald, WaldemarFlussgrund, EbroFlussgrund, Föhrenschild, Kaltenklamm, GutErzwacht, Xoramswand, DanSch, BorBar und Iseweine

Die Geschichte als Datei findet sich hier.


Die Einladung

Burg Efferdwacht, Baronie Kyndoch, im Efferd 1046 BF Liafwin von Fadersberg, der Baron von Kyndoch, strich sich überlegend über seine Bart. Ihm eilte der Ruf als unverschämt wohlhabender Mann voraus, und er selbst kultivierte den Ruch des mächtigen Adligen, auf dass seine Standeskollegen möglichst bald vergessen mochten, dass er erst auf dem Haffaxfeldzug von seiner Herkunft und Erbe erfahren hatte. Doch dies hielt die alteingesessenen Familien nicht davon ab, jede seiner Entscheidungen genauestens zu beäugen - längst nicht immer mit wohlwollender Miene.

Er reichte seinem Vasallen Otgar von Salmfang, dem mächtigsten Junker seines Lehens, einem Hünen von Mann, einen gesiegelten Brief. “Meine Ladung zur Herbstjagd.”

Der Landjunker nickte. “Wen habt Ihr geladen?”

“Meine Vasallen, und einige Adelshäuser im Umfeld.”

“Es werden sich dort sicher einige taugliche Leute für Euren Hofstaat finden.” kommentierte Otgar trocken. Und wohl einige faule Eier - doch diese würden sich mit etwas Glück rasch offenbaren.

"Ist Phex mir hold kann ich hernach einige der vakanten Positionen mit loyalen Vasallen besetzen.” Er schmunzelte. So schwierig konnte es doch wahrlich nicht sein, einen getreuen Hofstaat um sich zu versammeln … anders als sein Hofkaplan, der ihm, kurz nach seiner Krönung, bei der erstbesten Gelegenheit in den Rücken gefallen war. Seitdem war der junge Baron vorsichtig geworden - doch ohne einen Hofstaat war seine Baronie nicht zu verwalten.


Und so traf wenige Tage später ein Bote bei den Niederadligen der Umgebung ein und überbrachte eine mit eleganter Handschrift auf teurem Bütten gestaltete Einladung:



Geschätzter Nachbar,

wir laden Euch und die Euren zum 25. Travia 1046 BF auf unser Schloss Efferdwacht am Rodasch. Wir wollen dort zur Herbstjagd in den Flussauen auf Federwild gehen. Darum bringt Eure Jagdvögel und edlen Rosse, dem Herrn Firun zu huldigen.

Auch wollen wir bei dieser Gelegenheit einige bislang vakante Stellen an unserem Hofe neu besetzen und hiermit die Verbindungen zu Euch und Euren Landen erneut vertiefen und festigen.



Die Zwölfe zum Gruße, Praios und Firun voran!


Liafwin von Fadersberg, Baron zu Kyndoch

Ankunft auf Burg Efferdwacht

25. Travia 1046 BF Es war ein sonniger Tag Ende Travia. Über der Burg Efferdwacht, auf zwei Inseln in einem Sumpfgebiet am Ufer des Großen Flusses erbaut, wehte stolz das goldene und rote Banner der Baronie Kyndoch. Der einzige Zugang über die Burg war über die Vorburg, unter dem mächtigen Torturm hindurch, dessen Zugbrücke in einen düster anmutenden Zwinger führte. Fallgatter versperrten die beiden Zugänge, während über ihnen ein Pechloch Unheil verkündete.

Hinter dem zweiten Fallgatter löste sich die Erinnerung an die ehemalige Zollfeste, die die Efferdwacht in früheren Zeiten gewesen war und es offenbarte sich die Schönheit des Baronssitzes.
Die Vorburg dagegen war ein herzliches Willkommen. Einem gepflegten Garten gleich erstreckte sie sich bis zum Palas und umfasste Ställe, Schmiede, Lager und Gesindehäuser. Zwei weitere Tore führen in die Mauern der Anlage. Eines zu einem Anleger, an dem Schiffe für Kontrollen und Besuche anlegen können und ein zweites, das weiter in die eigentliche Residenz führt. Eine Schildmauer samt Zugbrücke trennt diese von der Vorburg ab, ist zum Großen Fluss jedoch offen gelassen worden. Gefahr drohte der Residenz dadurch jedoch keine, es sei denn der Fluss fiele trocken oder gefröre vollständig.

Über die zweite Zugbrücke, hinter einer hohen Schildmauer, verborgen, gelangte man zum Palas der Efferdwacht. Ein gepflegter, mit zahlreichen Blumenbeeten verzierter Garten lud ein, über seine Kieswege zu schreiten, hin zu zahlreichen schattenspenden Bäumen, Bänken und Pavillons. Geradeaus führte der Weg zu einem schönen, zweistöckigen runden Haus, hinter dem sich der prächtige dreistöckige Palast im eslamidischen Stil erhob.

Eine dienstbeflissene Magd begrüßte die Ankömmlinge, nahm sie in Empfang und brachte sie in die Eingangshalle des prachtvollen Palas. Pferde und Bedienstete der Gäste wurden von einer Schar dienstbarer Geister entgegengenommen und versorgt.
Bereits kurze Zeit später traf auch der Haushofmeister ein und hieß sie herzlich im Namen Seiner Hochgeboren Liafwin von Fadersberg auf der Efferdwacht willkommen. Der Haushofmeister war ein ein wenig in die Jahre gekommener Höfling von schlankem Körperbau, sein Haar lag ergraut und etwas ausgedünnt in sanften Wellen nach hinten gekämmt an seinem Kopfe an. Sein Wams war aus einem feinen, roten Brokat geschneidert, dessen goldene Knöpfe dezent und geschmackvoll das Bild abrundeten. Dazu passende, dunkle Schnallenschuhe und ausgestellte Hosen zeugen umso mehr vom gepflegten Stil des Haushofmeisters. Seine braunen Augen schienen alles und jeden streng zu mustern, während er mit aufrechter Haltung sich vor den Gästen verbeugte - keinen Zoll niedriger, als es die Etikette erforderte.

„Phexhilf von Birkenbruch ist mein Name, edle Herrschaften. Seid willkommen auf Seiner Hochgeboren Feste und Schloss Efferdwacht. Ich bitte Euch, folgt mir.“
Mit dieser knappe Begrüßung führte der Domestik die breite Treppe, die sich vom Eingangsbereich nach oben spannte, hinauf in das erste Geschoss und linkerhand in einen dort angeschlossenen Gebäudetrakt, wo er den Ankömmlingen jeweils eines der zahlreichen, großzügig eingerichteten Zimmer zuwies.

Dann wandte er sich nochmals an seine Gäste. „Heute Abend seid Ihr zum Abendmahl in den Rittersaal geladen. Diesen findet Ihr, wenn Ihr die Treppe hinunterschreitet und Euch zur linken Hand wendet.
Bedauerlicherweise ist seine Hochgeboren noch in dringenden Geschäften verhindert und wird Euch bei dieser Speise leider keine Gesellschaft zu leisten vermögen. Die Bediensteten sind angewiesen, Euch ab der siebenten Stunde aufzutragen und Euch nach Eurem Begehr zu bewirten. Mit allem gebotenen Respekt wird es an diesem Abend keine Sitzordnung bei Tische geben.“
Mit einer weiteren, höflichen Verbeugung verabschiedete sich der Haushofmeister endgültig und ließ den Ankömmlingen Zeit, sich einzurichten, während ihr Gepäck von ihren Bediensteten und jenen der Efferdwacht auf ihre Zimmer gebracht wurde.

Nordmarken Barsch2.png

Der Rittersaal war ein hoher, mit Holz vertäfelter Raum, an dessen Längsseite die Wände mit einem prachtvollen Wandteppich, der Jagdszenen, die Veste Efferdwacht und das Wappen Kyndochs nebst vielen gerüsteten Rittern mit den Bannern vieler Kyndocher Edlengüter zeigte.
Meginhard von Schwarzdorn, ein beinahe schon unscheinbarer Mittvierziger mit kurzem, hellbraunem, aber bereits lichter werdendem Haar und einem akkurat gestutzten Vollbart, stand eine Weile beinahe schon andächtig vor einem der Wandteppiche und besah die darauf abgebildete Szene mit leicht zur Seite geneigtem Kopf. Er trug höfische Kleidung, die zwar standesgemäß, aber dezent war. Lediglich sein Schwert, welches er gegürtet hatte, verriet ihn als Ritter. Während die Rechte Hand locker auf dem Schwertknauf ruhte, hielt er in der linken Hand ein weites, schwarzes, mit schmalen grünen Borten verziertes Barett unter seinem Arm. Eichward von Feuerberg, ein nur mittelgroßer aber dafür kräftiger Mann mit kurzgeschnittenem dunkelbraunen Haar das die ersten grauen Ansätze zeigte, trat durch die Tür und sah sich suchend um, ob er vielleicht ein bekanntes Gesicht erspähte. Die glatt geschabten Wangen wiesen dennoch den dunklen Hauch eines Bartschattens auf, der wohl nie ganz aus seinem Angesicht zu entfernen war. Die passgenauen Wildlederhose und Stiefel wurden durch ein helles Leinenhemd ergänzt. Auch an seinem Gürtel fand sich ein Schwert, das auf Stand und Kriegertum verwies. Die Narbe um sein linkes Auge mochte daher gut aus einem lange zurückliegenden Kampf stammen. Mit gerunzelter Stirn schweifte der Blick einmal durch den Saal, blieb an der, außer der Dienerschaft, einzigen anwesenden Person hängen, bevor er gemessenen Schrittes den Raum betrat.
Als der Vogt von Schlehbronn die Schritte hörte, schrak er aus seiner Einkehr auf und sah zum Eingang des Rittersaals. Er nickte dem Junker von Zollstein knapp zu, begrüßte ihn förmlich mit: „Euer Wohlgeboren!“, und reichte ihm dann die Hand zum ritterlichen Gruße.

Das Nicken und den Gruß militärisch knapp erwidernd hellten sich die Gesichtszüge des Junkers auf, als er die dargebotene Hand fest umschloss. „Herr von Schwarzdorn, erfreut Euch hier zu treffen. Wie mir scheint, sind wir die ersten beiden, die es geschafft haben sich einzufinden. Ihr wisst nicht zufällig, mit wessen weiterer erfreulicher Anwesenheit wir rechnen können?“
Meginhard sah sich verwundert um. So förmlich kannte er seinen alten Bekannten eigentlich nicht. „Ähm, ich denke, die anderen Lehensnehmer und Vögte der Baronie sind ebenfalls geladen.“, erwiderte er. „Aber…das weiß ich nicht genau Eichward, es ist reine Spekulation.“, beeilte er sich zu ergänzen. „Dann werden wir uns wohl überraschen lassen, wer dem Ruf alles gefolgt ist, Meginhard. Da wir nun eh nicht wissen, mit wem zu rechnen ist und die Sitzordnung heute freigegeben ist… was hälst Du davon, wenn wir uns erst einmal einen Krug Bier bringen lassen und dort vorn,“ dabei deutete er auf die mittlere der beiden Tafeln, „Platz nehmen“.

„Ja, gerne.“, stimmte Meginhard zu und ließ dann seinen Blick über die Tische schweifen. „Hmmm…“, stutzte er, „…das sind aber reichlich viele Plätze für die hiesigen Lehensnehmer.“ Er strich sich mit der linken Hand über den kurz geschorenen Bart und kniff die Augen zusammen. „Wir erwarten demnach noch weitere Gäste.“, stellte er lapidar fest und sah seinen Begleiter fragend an.
„Ja, scheint mir auch so. Zumindest stand in meiner Einladung nichts davon Begleitung mitzubringen, sonst wäre meine Holde sicher mitgekommen. Also dürftest Du recht haben,“ stimmte Eichward zu, während er sich einen Stuhl heranzog. Dann winkte er einem der Diener. „Sei so gut, Bursche, und bring er uns zwei ordentliche Krüge vom guten Dunklen des Barons“. Nachdem er sich und das Schwertgehänge im Stuhl zurechtgerückt hatte, wandte er sich wieder Meginhard zu. „‚Und wie steht es daheim, mein Guter? Die Familie wohlauf?“

Der Vogt des Barons blickte noch immer suchend im Raum umher, auch als er dem Ritter antwortete: „Gut…gut, sehr gut, danke!“. Dann zuckte er mit den Schultern und setzte sich direkt neben seinen alten Bekannten, zog sein Wams zurecht und blickte Eichward endlich auch an, als er mit ihm sprach: „Prikt hat die Verwaltung eines kleinen Hofguts übernommen.“, sagte er mit hörbarem Stolz in der Stimme. „Und bei…“. Meginhard stockte mitten im Satz und in seinem Gesicht war Verwunderung zu erkennen. Er wies mit dem Kopf in Richtung der Stufen, die gerade ein Zwerg hinunter gelaufen kam.

Xorgolosch Sohn des Fuldoram betrat hastig den Rittersaal. Etwas aus der Puste, nachdem er die lange Treppe heruntergeeilt war, sah er sich in dem Raum um. Da der Edle der Erzwacht in seiner Gästekammer kurz eingenickt war, hatte er schon befürchtet zu spät zu erscheinen und einen schlechten Eindruck bei den anderen Gästen zu hinterlassen. Glücklicherweise stellte er fest wohl einer der ersten Hungrigen an diesem Abend zu sein. Xorgolosch war ein Angroscho, ein Zwerg in jungen bzw. nun fast mittleren Alters. Er trug neben seinen dunkel gegerbten Stiefeln und Hosen ein helles graues Wams aus Leder, dass man schon fast als Gehrock bezeichnen konnte. Es wäre fast als typische Bekleidung eines Bergmannes durchgegangen, wären da nicht die Doppelreihe feinster Messingknöpfe mit Silberziselierungen gewesen, die ihn als jemand von Stellung kennzeichneten. Sein langer schwarzer Bart, der ohne Übergang aus der Kopfbehaarung folgte, lag perfekt gepflegt zur Geltung gebracht über den obersten Knopfreihen.

Der Neuankömmling kannte die anwesenden Personen nicht. Da diese in ein Gespräch vertieft schienen nickte er ihnen sehr tief und vornehm zu und wünschte „Guten Abend“. Er schritt durch den Raum und nahm an einem der Tische platz. Sofort bemerkte er, dass die Tische und Stühle eher für die Größe eines Langbeiners gemacht waren. Er nestelte seine Pfeife aus seiner Wamstasche und legte diese vor sich ab.
‘Nah wenigstens gibt es Krüge in anständiger Größe! dachte Xorgolosch als er den Krug in die Hand nahm und hineinsah. Ein Diener in einer Ecke schien zu verstehen und eilte mit einer Kanne herbei.
Meginhard von Schwarzdorn erhob sich von seinem Stuhl und grüßte den Angroscho zurück: „Guten Abend, Euer…“, ließ er bewusst eine Pause, da er offensichtlich nicht wusste, wie es den ihm unbekannten Neuankömmling zu grüßen hatte.

Auch Eichward erhob sich und deutete ein respektvolles Nicken hinüber zu dem Angroscho an. „Travia und Angrosch zum Gruße.“ Aus seinem Blick sprach offenkundige Neugier.

„Angrosch zum Gruße!“, erwiderte Xorgolosch nachdem er elegant vom Stuhl herunterglitt. „Verzeiht, ich wollte die hohen Herren zunächst nicht stören. Xorgolosch groscho Fuldoram. Ich komme aus Brüllenbösen, den Rodasch aufwärts, aus den Ingrakuppen. Ich verwalte das Gut der Erzwacht für meinen Vogt.“ Xorgolosch nickte ebenfalls, wenn nun, nachdem er direkt angesprochen wurde, auch etwas unbeholfen. Das Parkett mit so viel Adel und Edlen hier war ihm sichtlich noch nicht ganz geheuer.

„Mit wem habe ich das Vergnügen, werte hohe Herren?“ schob Xorgolosch leicht unbeholfen nach. „Ich bin Meginhard von Schwarzdorn, baronlicher Vogt von Schlehbronn.“, antwortete der Angesprochene knapp und emotionslos, ehe er zu seinem Nebenmann blickte.„Eichward Leachim von Feuerberg zu Zollstein, erfreut Eure Bekanntschaft zu machen.“ Dabei hob er grüßend seinen Bierkrug in Richtung des Zwergs. „Mein kleines Gut und der dazugehörige Marktfleck sind am Rodasch gelegen und Teil dieser Baronie hier“. Dann legte er nachsinnend den Kopf etwas schief. „Verzeiht meine Neugier, Herr Xorgolosch, aber wie kommt es, dass ihr hierher in die Baronie Kyndoch geladen seid, wo Euer Land doch dem Brüllenbösener zugeordnet ist? Natürlich nur, wenn die Frage nicht zu unziemlich ist.“ Dabei schenkte er dem Zwerg ein offenes und freundliches Lächeln. „Ihr dürft Euch auch gern an unseren Tisch setzen, niemand sollte das gute Bier des Barons allein trinken müssen. Oder erwartet ihr noch Euch bekannte Gesellschaft?“
„Aber bitte, haltet Eure Fragen nicht zurück. Nun, ich bin zum Teil selbst sehr überrascht, dass ich eine Einladung auf Burg Efferdwacht bekommen habe. Ich nehme an, dass alle hier Anwesenden das gleiche Einladungsschreiben erhalten haben. Neben meiner Wenigkeit wurden auch noch ein weiterer Edler aus Brüllenbösen eingeladen - auch von meinem Volke. Ich denke unser Gastgeber wird uns hierzu noch aufklären.“, erwiderte Xorgolosch. Im Augenwinkel erkannte er nun eine Dame die den Rittersaal betrat.

Efferdane von Feldertreu, eine junge Geweihte des launenhaften Gottes von Anfang 20, kannte bisher hier niemanden persönlich. Die Namen sagten ihr natürlich etwas. Doch erst vor kurzen war sie aus Havena in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Sie schob sie die Kapuze, ihres langen mit Perlmut besetzten, Mantels zurück. „Efferd zum Gruße.“
Da er bereits stand, als die junge Geweihte nach dem Zwerg den Saal betrat, schob Eichward nun den Stuhl ein Stück zurück, um zu einer förmlichen Verbeugung anzusetzen. „Euer Gnaden,“ dabei beugte er respektvoll das Haupt, „möchtet Ihr uns die Ehre erweisen, Euch zu uns an den Tisch zu gesellen?“ Dabei warf er einen kurzen Seitenblick zu Meginhard hinüber, der die junge Frau ebenfalls mit einer Verbeugung und der gebührlichen Anrede begrüßte und Eichward sodann mit einem Lidschlag zu verstehen gab, dass er keine Einwände hatte.
„Vielen Dank werter Herr, Efferdane von Feldertreu und mit wem habe ich das Vergnügen?“ Sie folgt der Einladung und setzte sich an den Tisch. Lauter edler Herrschaften, da fühlte sie sich als Tochter einer Vögtin fast ein wenig fehl am Platze.
„Meginhard von Schwarzdorn, Euer Gnaden!“, antwortete einer Männer und deutete etwas ungelenk eine erneute Verbeugung an. „Sehr erfreut euch kennenzulernen“
„Ganz meinerseits. Durch mein Noviziat war ich ja lange Jahre nicht mehr hier in der Gegend. Daher entschuldigt, wenn ich die werten Herrschaften hier nicht kenne.
Meine Mutter hat mich gebeten ihr bei ihren Aufgaben zu helfen. Die Verwaltung von Froschhausen bringt viel Arbeit mit sich.“ Isavena von Leuenstolz schritt etwas unsicher die Gänge entlang, die man ihr von dem Gästezimmer aus in Richtung Rittersaal beschrieben hatte. Es wirkte alles so fremd und ungewohnt hier. Nach etwas suchen lag der Rittersaal dann vor ihr und durch die Türöffnung konnte sie bereits Stimmen hören. Kurz verharrte sie nochmal und ordnete ihr Gewand, klopfte vorsichtshalber den Staub von den feinen Wildlederhosen und strich sich die widerspenstige Strähne des eigentlich im Nacken zum lockeren Zopf gefassten Haares hinters Ohr.

Neugierig, wer sich hier schon versammelt hatte, betrat sie den Raum.
Ein kurzer Blick über die Szenerie verriet ihr, dass sie anscheinend nicht zu den letzten gehörte, die zum Essen erscheinen. Es war noch reichlich Auswahl an Sitzgelegenheiten vorhanden. Die anwesenden Personen grüßte sie mit einem deutlich vernehmbaren: „Rondra und Travia zum Gruße“ und nickte dabei unbestimmt zu den bereits besetzten Plätzen hinüber. Eilig versuchte sie die Anwesenden einzuordnen.

‚Ein Angroscho und eine Efferdgeweihte … sehr interessant. Und wen haben wir da noch?‘ Unwillkürlich folgten Isavenas Beine schon der nicht ganz zu Ende gedachten Überlegung, die beiden Herren näher in Augenschein zu nehmen, und so steuerte sie auf die Tafel mit dem Vogt und dem Junker zu. Ein Mann mittleren Alters betrat den Rittersaal. Er trug höfische, gepflegte Kleidung. Ein weinrotes Hemd mit leichten Ausschnitt, welcher eine makellose Haut zeigte, schmeichelte einen athletischen, großgewachsenen Körper. Dazu trug er eine lockere Hose in schwarz und dunkle Halbschuhe. Filigraner, goldener Schmuck glitzerte an seinem Untergelenk und am Hals. Die kastanienbraunen Haare fielen ihm in leichten Wellen in die Stirn. Er verströmte einen Hauch Exotik.
Mit einem freundlichen Lächeln musterter er die bereits Anwesenden. Dann ging er auf die Gruppe des Vogtes zu, nicht ohne dabei höflich die Personen am Nachbartisch zu grüßen.

An den Vogt von Schlehbronn sowie den Junker von Zollstein gewandt: „Die Zwölfe zum Gruße, Reginhard von Kropfenhold ist mein Name. Darf ich mich zu diesem Tisch gesellen?“ Nun konnten die Anwesenden auch einen zarten Hauch von Rosen und anderen der Lieblichen angenehmen Düfte in der Luft wahrnehmen, der von Reginhard ausging. Auf dem Weg zum Tisch mit den beiden Herren rauschte auf einmal eine Gestalt, umhüllt von Rosenduft, an Isavena vorbei und erreichte das anvisierte Ziel noch vor ihr. Erstaunt weiteten sich die Augen der Junkerin zu Knechtstett, als sie einen Abkömmling des nachbarschaftlichen Edlengutes gewahr wurde.

‚Ist das nicht der Sproß derer von Kropfenholds?‘ ging es ihr durch den Kopf, während sie unvermittelt stehen blieb und den Neuankömmling bei den anderen beiden Männern fokussierte.
Mehrere Herzschläge lang schaute sie einfach, bis ihr aufging, dass das unverwandt anmutende Starren unhöflich wirken könnte. Sie setzte sich wieder in Bewegung und überbrückte die letzte Distanz mit eiligem Schritt. Isavena blieb etwas hinter Reginhard stehen und lächelte sanft, als sie wieder in den Dunstkreis der angenehmen Duftwolke trat. ‚Wenigstens ein Mann, der mal nicht nach Leder, Schmierfett oder Schweiß riecht‘ dachte sie, während sie stattdessen laut sagte: „Und ist vielleicht auch noch ein weiterer Platz an dieser Tafel frei?“ Meginhard von Schwarzdorn, noch immer stehend, sah den jungen Mann überrascht an und zwang sich zu einem Lächeln. Er konnte weder das Gesicht noch den Namen dieses Mannes zuordnen und so warf er etwas hilfesuchend einen kurzen Seitenblick zu dem Junker von Zollstein neben sich.

Als plötzlich noch eine junge Frau hinter dem Fremden auftauchte, die er ebenso wenig kannte, kniff er kurz die Augen zusammen, deutete eine Verbeugung an und antwortete an beide gerichtet zwar schnell, aber bar jeder Emotion in der Stimme: „Meginhard von Schwarzdorn, angenehm. Sehr gerne.“, und wies sodann mit der ausgestreckten rechten Hand auf die beiden freien Plätze ihm gegenüber. Isavena nickte dem Herren von Schwarzdorn kurz, ehe sie sich einen der beiden Plätze sicherte. Bevor sie sich endgültig auf ihren Allerwertesten nieder ließ stellte sie sich mit einem leichten Knicks vor.
„Isavena von Leuenstolz mein Name. Junkerin von Gut Knechtstett aus der Baronie herzöglich Fuchsgau“ Dann ließ sie sich auf dem Stuhl nieder und winkte einem Schankknecht herbei.
„Eichward Leachim von Feuerberg zu Zollstein, meine Damen, mein Herr“, nahm der Junker kurz militärische Haltung an, ehe er sich bemühte, schnell genug der Dame Isavena den Stuhl zum Platznehmen zurecht zu rücken, ehe sie sich auch schon setzte. „Es scheint, als würden die Gäste nun zügiger eintreffen, jetzt da die Stunde des Abendmahls naht.“ Dabei nahm er selbst ebenfalls wieder Platz. „Mit dieser illustren Runde haben wir die Plätze der ersten Tafel ja bald mit angenehmer Gesellschaft gefüllt. Ich hoffe, ihr hattet eine angenehme Anreise? Gerade die Damen und Herren von weiter her nicht aus der Baronie Kyndoch haben sicher die ein oder andere Stunde auf der Straße verbracht?“
Dankend nahm Reginhard den Platz an und setzte sich. Dann musterte er die Dame, die nahezu zeitgleich mit ihm am Tisch ankam und fragte charmant: „Verzeiht, Isavena von Leuenstolz habt Ihr gesagt? Erinnert Ihr Euch an mich - ich bin ein Sohn von Gerbrand von Kropfenhold. Reginhard. Ich meine, wir haben uns schon einige Jahre nicht mehr gesehen. Wie ist es Euch ergangen?“
Nachdem sie sich einen Wein geordert hatte, richtete die Junkerin ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Geschehen am Tisch und sie nickte Reginhard lächelnd zu.

„Sicherlich erinnere ich mich an euch … obwohl ich euch irgendwie …“ Isavena verstummte und wusste auch nicht recht was sie sagen sollte - kleiner? jünger? unerfahrener? - nichts erschien ihr passend, also beließ sie es bei einem entschuldigendem Lächeln.
Um dem peinlich begonnen Gespräch zu entgehen, widmete sie sich lieber der Frage des Herren von Feuerberg zu Zollstein: „Die Reise war ganz angenehm. Ich kann mich glücklicherweise stets auf einen guten Kutscher an meiner Seite verlassen und fand etliche ruhige Momente um Praios‘ letzten Glanz auf den herbstlichen Feldern zu bewundern. Außerdem ist die Strecke aus dem Süden bis hier her ja recht gut bewohnt und bewirtschaftet. Nahezu nach jeder Tagesreise gibt es eine Unterkunft zu finden. Demnach war der Aufwand her zu kommen nicht der Rede wert.“ Und um Reginhard am weiteren Gespräch zu beteiligen, blickte sie fragend zu ihm.
„Und wie ist eure Reise gewesen?
„Kutsche!“, entfuhr es dem Mittvierziger, der sich bislang nicht als besonders gesprächig gezeigt hatte und stattdessen noch immer stand und im Saal umher blickte. Dann erschrak er, als ob er gerade selbst bemerkt hatte, dass er versehentlich einen Gedanken laut ausgesprochen hatte. So griff er zu dem Bierkrug vor sich auf dem Tisch und setzte zu einem Schluck an, überlegte es sich dann jedoch anders und sah wieder zur Treppe, ohne auch nur vom Gerstensaft genippt zu haben.

„Ich bin aus Elenvina angereist. Mein Weg war daher vielleicht etwas kürzer. Aber schön zu hören, dass Eure Reise ebenfalls gut verlaufen ist.“ Dann blickte er neugierig die anderen am Tisch an - hatten sie auch etwas zu Ihrer Anreise oder dem Anreisegrund zu berichten? Überrascht sah die brünette Frau Meginhard von Schwarzdorn an und ihre hellblauen Augen hefteten sich an seine Gestalt.
„Ja - Kutsche.“ erwiderte sie verwundert und betrachtete den stehenden Herren einen Augenblick. Als dieser aber anscheinend auf interessantere Anblicke wartete, wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Gespräch am Tisch zu, warf Meginhard von Schwarzdorn jedoch noch mal einen irritierten Seitenblick zu.

„Was unser Freund Meginhard sicher sagen wollte,“ versuchte Eichward seinem Freund beizustehen, „ist, dass natürlich nicht jeder von uns der Annehmlichkeit einer Kutsche bis hierher bedurfte.“ Sein Blick folgte dem Meginhards um zu sehen, was dessen Aufmerksamkeit eingefangen hatte. „Ich selbst hatte ja auch das Glück einer kurzen Anreise. Von Zollstein nach Efferdwacht sind es erst den Rodasch und dann den großen Fluss hinunter auf der Straße gerade einmal um die 30 Meilen. Mein gutes Ross hat mich den Weg leicht seit dem Morgen hierher getragen, ohne das es unziemliche Hast gewesen wäre.“ Dabei lächelte er freundlich zu Isavena hinüber. „Hätten wir vorher von den übrigen Gästen gewusst, hätten sicher einige von uns, wie heißt dieses neumodische Wort noch gleich…“ er grübelte kurz, „ach ja, Fahrgemeinschaft, bilden können. Das soll zur Plauderei schon auf der Anreise im horasischen die neueste Mode sein.“ Nach einer weiteren kurzen Denkpause. „Aber man muss diesen Liebfeldern ja auch nicht alles nachmachen, nicht wahr?“

Die letzten Worte Eichwards bewirkten, dass Isavenas Mimik etwas reservierter wurde.
„Nun, dann mag es meinem liebfeldischen Erbe zu verdanken sein, dass ich die Annehmlichkeit einer Kutsche zu schätzen weiß und nur weiter empfehlen würde. Zumal für eine Jagd ja auch ein wenig mehr Gepäck transportiert werden möchte, als für einen nur herkömmlichen Nachbarschaftsbesuch.“ Sie winkte beschwichtigend ab. „Denkt was ihr wollt! Für das Wohlwollen meines Hinterteils und der Mitführung meines Jagdgepäcks ist eine Kutsche ein wahrer Segen. Ich finde, da kann man es den Liebfeldern ruhig mal gerne .. wie sagtet ihr? Nachmachen.“ Leicht betroffen nippte Isavena an ihrem Wein.

„Entschuldigt meine Liebe, ich wollte euch natürlich nicht respektlos nahe treten. In unserer Familiengeschichte widersprechen sich die Erzählungen, ob wir vor vielen, vielen Generationen aus Garetien stammen oder doch von den Zyklopeninseln. Dann wären wir ja auch quasi Liebfelder, was beileibe kein Beinbruch wäre.“ Dabei lächelte er verbindlich. „Ich für meinen Teil durfte eine Ausbildung in Elenvina an der Kriegerakademie genießen, und setze daher eher auf ein strammes Reittier zur Fortbewegung. Seht mir nach, dass sich meine Begeisterung für Kutschen vielleicht eher auf einen Streitwagen beschränken würde. Berufsbedingt, sozusagen. Das sollte nicht gegen Euch gehen, und ich habe auch keine Vorurteile gegen das Horasreich.“ Ein erneuter entschuldigender Blick folgte, mit dem er versuchte das soeben angesteuerte Fettnäpfchen vielleicht doch ungeschehen zu machen.

Mit freundlichem Gesichtsausdruck verfolgte Reginhard den Austausch zwischen der Leuenstolzer und dem Zollsteiner. Die Pause nutzte er für einen hoffentlich geistreichen Beitrag: „Das Horasreich hat so einige Wunder hervorgebracht. Ich hörte von den Künsten der Anatomischen Akademie, in der man sich für einen kleinen Obolus die Nase zurechtrücken lassen kann. Oder das Vinsalter Ei - hattet Ihr bereits die Gelegenheit, eines zu begutachten?“ Isavena war schon beim Nippen klar, dass sie etwas überreagiert hatte. Aber die Worte trafen einen wunden Punkt in ihrem inneren. Jedoch, jetzt wo sie die Worte so harsch heraus posaunt hatte, bereute sie es auch umgehend, überhaupt so angesprungen zu sein. Es war ja schließlich nur ein Wort. Den Wein auf der Zunge zergehen lassend, blickte sie die beiden Herren fast dankbar an und nach zwei Wimpernschlägen lächelte sie auch wieder, wenn auch mit einem traurigen Schatten in den Augen.

„Verzeiht - vielleicht habe ich etwas überreagiert. Aber zu oft schon hat man mich auch ob meiner Abstammung belächelt und verspottet. Wie dem auch sei …“ Isavena wandte sich an Reginhard und schüttelte den Kopf. „… nein - leider ist es mir selber noch nicht möglich gewesen nach Vinsalt oder überhaupt ins Horasische zu reisen. Ich kenne die Dinge die ihr erwähntet nur aus den Beschreibungen meines Vaters.“ Dann schenkte sie Meginhard für einen Moment Aufmerksamkeit, nur um zu registrieren, dass er wohl wirklich auf jemand bestimmtes gewartet hatte, da er sich auf einmal eiligst entfernte. Anschließend sah sie kurz abwechselnd zu Reginhard und Eichward „Wie ist es mit euch? Wart ihr schon einmal über die Grenzen des nordmärkischen hinaus? Oder binden die Aufgaben zu sehr an Wohnort und Familie?“.
„Ach, ihr wisst ja, die Verpflichtungen… so etwas wie eine Lustreise ist uns einfach nicht wirklich gegönnt.“ Dabei zuckte er die Schultern. „Einmal hatte ich das Glück Gareth besuchen zu können. Ein wahrhaft erhebender, wenn auch verstörender Anblick mit all den vielen Menschen auf einem Platz. Und natürlich ins Albernische hinüber, das das war während des Aufstands und des Krieges, keine Reise“. Kurz schienen seine Gedanken abzudriften. Dann folgte sein Blick dem Meginhards und er begann ebenfalls zu winken. Mit einem Seitenblick zu Isavena und Reginhard meinte er etwas leister: „Seht, da kommt meine Nachbarin, die Junkerin vonErlenquell. Lasst sie uns doch in unserer Runde begrüßen, dann ist unser Tisch vollzählig. Sie wird euch gefallen, eine wirklich reizende Dame.“
Reginhard wollte noch etwas von seinen Reisen beitragen, hielt dann aber inne und schaute erwartungsvoll in Richtung der Junkerin von Erlenquell.

Nordmarken Barsch2.png

Elko von Flussgrund hatte sich zügig in seiner Kammer zurechtgemacht, sein bestes Hemd und seine Lieblingsstrümpfe montiert und trat dann hinaus auf den Gang. Er wartete in Treppennähe auf seinen Bruder Ebro, mit dem er sich dort verabredet hatte um gemeinsam hinunterzutreten. Die Warterei verbrachte er damit, aus dem Fenster in den Hof zu blicken und die aufgehängten Bilder zu begutachten.

„Elko“, ertönte die schneidende Stimme der Edlen von Tannwald. Die äußerst stämmige Gundula von Zweigensang trug ihr strähniges, karottenrotes Haar offen und trug ein einfaches und weites blaues Kleid. In ihrer rechten Hand hielt sie einen Apfel in dem sie nun kräftig hinein biss. Der Saft der Frucht lief ihr über das Doppelkinn und es schien die Adelige nicht zu stören. „Mir ist zu Ohren gekommen das die Haffenbergerin und der Schleckenbronner auch hier sind.“ Gundulas Gesicht verzog sich zu einer angewiderten Grimasse. „Ich bleibe dem Abendessen fern, doch ich erwarte das Ihr und euer Bruder, Aidan und seiner Gnaden Waldemar mich gut vertreten werdet. Ich esse in meinem Gemach.“ Dann biss sie wieder in den Apfel.

“Sehr… Sehr wohl, Euer Wohlgeboren!” konnte Elko noch verdutzt erwidern, bevor er seine Dienstherrin davon stapfen sah und von einem säuerlichen Geruch die Nase zu rümpfen begann. Der Geruch hätte ihn vor wenigen Monaten wohl noch ziemlich irritiert, doch mittlerweile war er ihm nur allzu vertraut und Elko begann schon zu mutmaßen, welch kreativen Anrufungen wohl gleich den Korridor erfüllen würden. Denn kaum hatte sich Gundula von Zweigensang zurückgezogen, tauchte Waldemar von Flussgrund, gekleidet in seinen Stinktierfellmantel, schwitzend und mit dreckigen Stiefeln im Gang auf. Mit seinen 2 Schritt Körpergröße, der frisch rasierten Glatze und seinem mächtigen Schnurrbart war er eine ziemliche Erscheinung. Er erblickte Elko und gab ihm einen heftigen Schulterklaps „ Potz Rattenblut und Eichhornpelz da hast du aber das große Los gezogen im Kämmererkarrusell! Wenigstens den Firuntempel hat sie stehen gelassen auch wenn es da noch viel zu tun gibt! Geht die Jagd bald los?“
“Ich weiß es nicht, Onkel. Ich dachte, wir sollten uns zur siebten Stunde zum Abendmahl versammeln, vielleicht erfahren wir dann mehr. Aber ist es denn nicht ohnehin schon zu spät für die Jagd?”

Hmm, für mich bestimmt nicht und mein Falke braucht auch Futter, aber du hast recht alles zu seiner Zeit. Und jetzt ist es Zeit für meine Tracht! Ich ziehe mich schnell um und bin dann bereit für die feine Gesellschaft."

“Ihr müsst euch erst noch umziehen? Was habt ihr denn die ganze Zeit seit unserer Ankunft gemacht?”, entwich es Elko, der sich dann aber gleich wieder zu fassen versuchte und etwas höflicher hinzufügte: “Bitte beeilt euch, Onkel, ich fürchte, wir sind schon spät dran.”
Selbstsicher, fürsorglich und scheinbar unbeeindruckt von Elkos Stress erwiderte Waldemar ruhig: „Firun soll uns doch wohlgesonnen sein für unsere Jagd, da braucht es ein gewisses Mass an Vorbereitung. Ausserdem brauchte meine Falkin Zeit für ihr Training nach der Reise hierhin. Ich werde nicht viel Zeit brauchen, keine Angst. Du solltest besser Ebro suchen oder sitzt der schon beim Bier mit Aidan? Wobei, der neue Hausritter der Vögtin poliert wohl noch sein Kettenhemd! Hahaha hust hust!“ und drückte sich an Elko vorbei zu seinem Gemach, um seine Tracht anzuziehen wobei er sich noch einmal umdrehte und zu Elko gewandt sprach: „Du bist zwar mein Neffe geschätzter Elko, aber auch für dich heisst dann bei Tische die korrekte Anrede für mich ‘Euer Gnaden‘.“
“Natürlich, geschätzter Onkel”, gab Elko noch zurück bevor Waldemar sich nach seinem Gemach begab. Wieder allein wuchs Elkos Ungeduld nur umso mehr und er begann damit, nervös auf dem Gang auf und ab zu gehen.

Das Gespräch der beiden Flussgrunder wurde in diesem Moment von dem Geräusch schwerer Stiefel auf dem Gang unterbrochen. Aidan von Föhrenschild, der junge Hausritter Tannwalds, kam geradewegs auf die beiden zugeschritten. Gekleidet war er noch immer in den bräunlichen, etwas abgeschabten Gambeson, den er bereits auf der Anreise getragen hatte und ganz offensichtlich hatte er nicht daran gedacht, sein Schuhwerk vom Schlamm der Strasse zu reinigen. „Euer Gnaden - Herr von Flussgrund“, er nickte beiden Anwesenden zu. „Was halten die Herrschaften von einem kleinen Ausritt? Dieses Herumsitzen behagt mir nicht und das Ge…“ - er hielt kurz inne - „den repräsentativen Pflichten, wird Frau von Zweigensang wohl selbst nachkommen wollen. Man könnte doch den Jagdforst bereits einmal auskundschaften, für einige Stunden sollte das Licht noch reichen und der Abend ist zu schön, um ihn hinter Mauern zu verbringen.“

„Ah, Hoher Herr. So sehr ich es auch schätzen würde mit euch auszureiten, befürchte ich jedoch, dass dafür nun wirklich keine Zeit bleibt. Ihrer Hochwohlgeboren hat mir mitgeteilt… dass sie dem Abendmahl … fernbleiben werde und uns damit beauftragt, sie dort zu vertreten.“ Aidan nahm einen tiefen Atemzug und nachdem er die Luft wieder hörbar entlassen hatte, antwortete er leicht verstimmt: «Nun gut, dann wollen unserer Lehenspflicht nachkommen. Ich nehme an, wir sollten uns zu den übrigen Gästen in den Saal begeben?» „Hallo Bruder!“ ertönte die Stimme von Ebro, welcher sich zu den beiden dazustellte. Er hatte wie sein älterer Bruder ein Hemd angezogen, es war jedoch zerknittert und sass schief. „Hab ich vorher Onkel gehört? Lass uns zum Abendmahl gehen, ich habe Hunger und Durst, oder worauf wartet ihr? - Hoher Herr“ womit er mit einem Kopfnicken auch Aidan begrüsste.

„Na auf dich haben wir gewartet, Bruder!“, entgegnete Elko mit der Ungeduld und Schärfe wie sie nur Brüder füreinander übrig haben können. „Und jetzt fehlt noch unser geliebter Onkel. Aber kommt jetzt! Ich habe schon etliche Gäste nach unten gehen sehen.“ Elko nahm die ersten Stufen der Treppe nach unten und blickte zurück zu Ebro und Aidan. „Onkel Waldemar wird den Weg schon selbst finden. Wir sollen heute die Herrin von Flussgrund vertreten. Da dürfen wir nicht schon anfangs einen schlechten Eindruck machen indem wir uns verspäten.“ Er nahm ging langsamer einige Schritte weiter treppab und hoffte, dass die anderen ihm folgen würden.

Als Waldemar schliesslich gekleidet in seiner Geweihtentracht, bestehend aus einem eisblau-weissen Gewand, einer weissen Kappe, allerlei kleinem Jagdschmuck (Zähne, Klauen, Federn) und einem Fellüberwurf aus Stinktierfell, aus seinem Gemach trat war der Gang leer. Nur eine feine Schlammspur führte den Gang entlang. Er hatte die Standpauke für den unnützeren der beiden Brüder mitbekommen und die Schlammspur stellte natürlich keine Herausforderung dar. Und so stampfte er eiligen Schrittes der Spur nach…

Nordmarken Barsch2.png

Nachdem eine jede und jeder an seinem Gefäß genippt - oder einen kräftigen Schluck - genommen hatte, sprach Reginhard: „Gerade hatten wir es von den Errungenschaften des Horasreiches und Reisen in das Reich des Horas.“ An Meginhard gewandt, „Unser Tisch scheint nun gut besetzt, die Nachbartische fast leer. Wenn ich fragen darf, warten wir auf noch weitere Gäste - oder wollen wir hier zusammenrücken und die wenigen verbliebenen Gäste an unserem Tisch platzieren?“

Sichtlich überrascht, dass diese Frage ausgerechnet ihm gestellt wurde, warf Meginhard einen Blick in die Runde und stellte seinen Bierkrug hastig wieder auf dem Tisch ab, wobei etwas von dem Gerstensaft über den Rand schwappte und auf den Tisch lief. „Hmmm…also…ich denke…der Herr Baron wird sich etwas dabei gedacht haben.“. Dann schien dem Vogt etwas einzufallen, denn er sah suchend im Raum umher und ergänzte schnell: „Der Mundschenk, wir fragen den Mundschenk!“ Doch dieser schien beschäftigt und hatte den Raum verlassen.

Efferdane dreht neugierig den Kopf. „Nun so ganz ohne Grund wird man und nicht hierher gerufen haben. Bei Efferdsbart.“ „Da habt Ihr sicherlich recht. So schön ein gemütliches Beisammensein ist, der Herr Baron wird uns sicher nicht nur eingeladen haben, damit wir seine Küche plündern und den Keller leer trinken.“ Dabei schmunzelte Eichward vergnügt. „Vielleicht hat der Herr Baron ja eine Gefährtin gefunden und will uns eröffnen, mit wem er nächstes Jahr den Traviabund einzugehen gedenkt und zur Hochzeit laden? Das wäre doch einmal ein fröhlicher Anlass!“ Dann folgte er Meginhards Blick, der sich suchend umsah. „Nun, mein lieber Meginhard, ich befürchte, der Mundschenk macht sich rar, vielleicht wird ja gleich das Essen aufgetragen, nachdem anscheinend nun alle Tische besetzt sind. Da wollen wir wohl besser nicht die Tafeln durch die Gegend rücken… lassen wir es einfach, wie es ist. Es scheint ja jeder seinen Platz gefunden zu haben.“ Mit den letzten Worten winkte er einem Diener, noch einmal den Krug nachzufüllen.

Meginhard nickte und sah betreten hinab zu seinem noch immer vollen Bierkrug, dessen Inhalt sich jedoch teilweise über den Tisch ergossen hatte. „Da habt Ihr wohl Recht“, stimmte Reginhard Eichward zu. „Die Tische haben sich jetzt doch recht zügig gefüllt.“ Als die Tür zum Saal mit unangemessener Wucht geöffnet wurde und Reginhards Schwester Meingard eintrat, warf er ihr ein entwaffnendes Lächeln zu. Dem Blick Reginhards und dem plötzlichen Luftzug folgend runzelte Eichward überrascht die Stirn. „Ich muss überhört haben, dass ihr noch Eure Begleitung erwartet, entschuldigt, sonst hätten wir natürlich einen Platz an dieser Tafel freigehalten.“ Dabei lächelte er entschuldigend. „Ich hoffe es bereitet nicht zu viele Umstände, wenn die Dame nun an einem anderen Tisch Platz nimmt?“ „Nein, nein, habt Dank. Es ist ganz recht, dass wir uns etwas verteilen. Schließlich sind wir ja hier, um auch neue Bande zu knüpfen“, sprach Reginhard mit einem charmanten Lächeln.

Nordmarken Barsch2.png

Orinka saß in ihrer Kammer und dachte nach. Sie hatte in den letzten Tagen schlecht geschlafen. Die Reise nach Burg Efferdwacht war eine willkommene Abwechslung. Die viele Arbeit in Steinbrücken schürte in ihr eine tiefe Sehnsucht zu reisen. Orinka schrak auf, sie hatte vor lauter Grübelei völlig die Zeit vergessen. Hastig sprang sie auf und strich Ihre Kleider glatt. Sie hatte eine weiche Hose aus Wildleder, ein weißes Leinenhemd, darüber eine Weste aus hell braunem weichem Leder die ihr bis über die Hüften reichte. In Gedanken strich sie über die feinen, schlangenförmigen Verzierungen die die Ränder säumten. Sie war ein Geschenk ihrer Mame zum Abschied. Dann sah sie auf die beiden Tätowierungen an ihren Handgelenken: Armreifen die einer Schlange ähneln. Orinka band ihr schwarzes Haar zu zwei Zöpfen. Sie klopfte ihre Pfeife aus und verstaute sie in dem kleinem Beutel mit dem Tabak. Sie sah auf ihr Bett und blickte auf ihr Schwert. Dann viel ihr Blick auf den Maghan (Stab) und wanderte zu Letzt auf ihren Dschalek (Dolch). Orinka lächelte, sie nahm den Dolch, gürtete ihn und verließ ihr Zimmer.

Mit selbstsicherem Gang schritt sie den Flur entlang, die Treppe herab, dann links auf den schon belebte Rittersaal zu. Sie hörte Stimmen und dann tauchte sie lächelnd in den von Kerzen und Feuer erleuchteten Raum. Nicht schnell doch zielstrebig ging sie durch den großen Rittersaal auf einen Tisch zu der noch Platz bot. Dabei schaute sie lächelnd zu den Anwesenden Gästen und gab ein deutliches den „Zwölfen zum Gruß“ von sich. Orinka war von schlanker Figur mit hohem Wuchs, sie hatte schwarzes langes Haar das zu zwei Zöpfen geflochten war. Sie ging zu dem Tisch der noch frei war und hielt überrascht inne. „Oh ein Angroscho“ dachte sie, und sprach es fast im gleichen Atemzug aus. „Verzeiht hoher Herr“, sagte sie lächelnd, „ich bin überrascht und hoch erfreut. Orinka von Kieselgrund, Edle von Steinbrücken. Ist hier noch einen Platz frei?“, fragte sie in dem Moment in dem sie sich setzte.

Xorgolosch schmunzelte zunächst als er die Überraschung des neuen Gastes bemerkte. In Brüllenbösen war der Anblick eines Angroscho keine Seltenheit. In manchen Baronien hingegen schien sein Volk nicht ganz so bekannt zu sein. Xorgolosch erhob sich sofort. „Xorgolosch Sohn des Fuldoram“, dabei macht der Zwerg eine leichte Verbeugung in Richtung von Orinka. „Ich komme aus Brüllenbösen und verwalte das Gut der Erzwacht an den Ingrakuppen. Wie ihr seht ist mein Tisch noch recht leer und ich wäre überaus erfreut wenn ihr mir Gesellschaft leisten würdet.“ Xorgolosch nahm wieder Platz.

„Ich nehme an, ihr seid ebenfalls zur Jagd eingeladen?“, sprach er. Ein Lächeln konnte man durch den Vollbart schier nur erahnen, aber die Augen verrieten, dass sich Xorgolosch über eine Ansprache am Tisch freute.
Orinka deutete einem der Diener an, ihren Krug mit Bier zu füllen. Dann wandte sie sich wieder Xorgolosch zu. „Ja, ich erhielt die Einladung des Barons und freue mich sehr an der Jagd teil nehmen zu könne. Leider muss ich zugeben das Jagen nicht mein Talent erste Wahl ist. Auch die Falknerei habe ich noch nicht für mich entdeckt. Von daher muss ich wohl heute reichlich speisen um die Fastenzeit nach der Jagd zu überstehen.“ Orinka griff nach dem gefülltem Krug hielt ihn in Richtung Xorgolosch und sprach „Edler Herr Xorgolosch Sohn des Fuldoram, es ist mir eine Ehre, heute mit euch zu speisen und den spannenden Geschichten aus Brüllenbösen zu lauschen.“ Xorgolosch erhob seinen Krug und prostete Orinka zu. „Dann lasst uns anstoßen auf den Baron von Fadersberg!“, sprach er und setzte an. Nach weiteren tiefen Schlucken des Bieres - er hatte nun bereits den zweiten wieder neu gefüllten Krug vor sich - wurde er zunehmend lockerer. „Ich muss zugeben, dass auch die Jagd nicht zu meinen Tugenden zählt. Vor allem nicht die Falknerei oder die indirekte Jagd auf Federwild. Früher einmal als Kinder haben wir immer wieder die Höhlenspinnen in den Tiefen Xorloschs zusammengetrieben. Meine Sippenbrüder haben ihnen dann den Garaus gemacht. Anschließend gab es immer zur Feier gesottenes Spinnenfleisch an Finsterröhrlingen. Nach dem Mahl leckt sich jeder die Finger!“ Nach einer kurzen Pause in der Xorgolosch sichtlich in den Genüssen schwelgte, blickte er in Orinkas Gesicht und hob erneut an: „Ich hoffe ich habe Euch nun nicht mit den Spinnen meiner früheren Heimat den Appetit verdorben. Ich bin als Angroscho eher ein Freund der direkten Jagd. Leider würden wohl die Bolzen meiner schweren Armbrust ein solches Entlein, welches es hier zu bejagen gilt, eher zerreißen. Der Braten wäre dann nicht so ansehnlich. Von einer ausgestopften Trophäe oder einigen hübschen Zierfedern ganz zu schweigen.“
Orinka stellte ihren Krug auf den Tisch hob abwehrend die Hand und Lächelte. „Ach hoher Herr Xorgolosch eure Fürsorge ehrt euch, aber seid ganz unbekümmert, ein gutes Essen könnt ihr mir mit keiner Geschichte verderben. Ihr Blick glitt beiläufig durch den Raum und sie beobachtet das treiben der anderen Gäste und wandte sich nach kurzer Zeit wieder ihrem Gesprächspartner zu. „Nun aber um nicht das Risiko einzugehen noch jemand anderem den Appetit zu verderben berichtet doch von eurer Heimat. Ich habe bereits viel gehört über die Angroschim besonders für Ihre Handwerklichen Künste werden sie in aller Herren Länder gelobt. Wie schafft ihr das ?
Orinka lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und merkte wie ihre erste Anspannung langsam von ihr wich. Sie blickte ein weiteres mal durch den Raum. Nur um sich kurz darauf wieder dem Gespräch zu lauschen.
Xorgolosch begann nun Orinka etwas über Angrosch, die Urväter und seinem Volk der Erzzwerge zu erzählen als sich der Rittersaal immer mehr füllte. Selten hatte er jemanden vor sich sitzen, der so an den Sitten und Gebräuchen der Zwerge interessiert war.

Nordmarken Barsch2.png

Als Elko, dicht gefolgt von Ebro, durch die Pforte zum Rittersaal trat, wurde seine Aufmerksamkeit, trotz der feinen Gesellschaft vor ihm, zunächst auf ein Geräusch hinter ihm gelenkt. Er hörte dort im Korridor lauter werdende, stampfende Schritte.

Dicht hinter Elko und Ebro und ohne das Gestampfe zu beachten, betrat Aidan Welferich von Föhrenschild die Halle, der junge Hausritter Tannwalds. Er hatte seinen etwas abgeschabten bräunlichen Gambeson anbehalten, sein Schwert umgegürtet und sein rechter Stiefel hinterliess eine feine Schlammspur. Er hielt kurz inne und liess seinen Blick durch den Raum und über die Anwesenden wandern, bis dieser schliesslich an den Jagdszenen des Wandteppich hängen blieb. Mit halb geöffnetem Mund betrachtete Aidan die Tapisserie und blieb etwas verloren im Raum stehen. Waldemar war inzwischen rasch die Treppe heruntergekommen und hatte seinen Schritt gar noch beschleunigt, als er in der Pforte die zusammengewürfelte Gruppe sah. Er lief direkt auf sie zu, als der Hausritter Aidan plötzlich stehen blieb und der Hüne Waldemar im vollen Lauf in diesen hinein krachte: „Potz Pilzsammler und Holzschläger! Was bleibst du einfach stehen mitten im Lauf? Geniesst du die Aussicht? Lass dich nicht ablenken von all dem Brimborium!“.

Der junge Elko in seinen schönen Strümpfen blieb abrupt stehen, wandte sich nach hinten und zischte: “Onkel, ich muss doch sehr bitten, reisst Euch zusammen!”

“Ich glaub es hackt? Die edle Dame hat uns aufgetragen, dass wir sie ZUSAMMEN wohl vertreten sollen, da läuft man nicht einfach davon! “ “Ihr hättet uns nicht derart nachzurennen gebraucht, wenn ihr zuvor nicht so getrödelt hättet. Es ist ja wohl wirklich nicht zu viel verlangt, von erwachsenen Menschen zu erwarten, dass sie imstande sind, sich zeitgerecht zurechtzumachen. Aber scheinbar ist das für Euer Gnaden schon zu viel, da kann ich von meinem Bruder wohl auch nicht mehr erwarten. Und überhaupt…”.
Elko wurde sich der anderen Damen- und Herrschaften im Raum bewusst, brach sofort sein Gezanke ab und errötete. Steif blickte er die Anwesenden an und steuerte dann eilig auf Tisch H zu, wo er allein noch genügend freie Plätze ausgemacht hatte. Er bedachte die Gäste an den anderen Tischen beim vorbeigehen mit einem genuschelten “Die Zwölfe zum Gruss”. Er glättete nochmals mit den Händen sein Hemd und richtete sich an die schon am Tisch Sitzende: “Wenn Euer Wohlgeboren gestatten, Elko Walmar von Flussgrund. Wenn ich mich richtig erinnere, sei für heute Abend die Sitzordnung frei. Wäre mir und den meinen”, er zeigte auf die anderen drei ohne sie anzublicken, “wohl die Ehre vergönnt, uns an Euren Tisch zu gesellen?”

Ebro stellte sich etwas unbeholfen wartend hinter Elko. Er war noch leicht gekränkt über die scharfen Worte des Bruders.

Nordmarken Barsch2.png

Schnellen Schrittes und vor Wut schäumend eilte Meingard den Gang hinunter. Nicht nur, dass sie recht kurzfristig zu dieser Reise angeheuert wurde - und dazu noch von ihrem eigenen Bruder. Nicht nur, dass sie bis hierhin mit nur mäßig viel Informationen versorgt wurde. Nein, auch der Umstand, dass sie bis vor wenigen Augenblicken in der Annahme gehalten wurde, hier nur, aus welchen Gründen auch immer, zum Geleitschutz angeheuert worden zu sein. Jetzt sollte sie sich plötzlich mit in den Rittersaal begeben und mit den feinen Damen und Herren ein nettes Stelldichein geben. Mehr und mehr beschlich sie der Verdacht, dass hier ihr Vater etwas im Schilde führte, um nun endlich eine standesgerechte Erbin aus ihr zu machen.

Schwungvoll öffnete sie die Tür zum Rittersaal. Ihr blondes, lockiges Haar hatte sie zu einem strengen Dutt verknotet. Hier und da hatte sich eine Locke aus der Frisur gelöst. Zu hohen ledernen Stiefeln trug sie eine hellbraune Hose, darüber ein weißes Hemd. Ihr Gesicht war hübsch, so dass man zu Recht davon ausgehen konnte, die Familie sei von Rahja gesegnet. Nur die geschürzten Lippen mochten nicht ganz zu der ansonst feinen Erscheinung passen. Sie schritt in den Saal hinein, erblickte Reginhard, welcher ihr ein charmantes, wohlwollendes Lächeln entgegensandte, was sie allerdings nicht erwiderte, und ging schnurstracks auf einen der Tische mit freien Stühlen zu. Kraftvoll zog sie einen Stuhl heran, setzte sich, schnaubte wie ein Elenviner Ross - und schien sich erst dann darauf zu besinnen, das noch weitere Personen am Tisch saßen. Sie blickte sich kurz in der Reihe um „Meingard von Kropfenhold, Rondra zum Gruße“. Als sie sah, dass auch andere Personen am Tisch aus einem Bierkrug tranken, winkte sie einen Diener zu sich, um das gleiche Gebräu zu ordern. Noch bevor dieser den Krug abstellen konnte, nahm sie ihn aus der Hand und trank die ersten 6 Züge ohne abzusetzen, um sich dann mit dem Handrücken den Schaum von den Lippen zu wischen. Gerade noch konnte sie sich besinnen und unterdrückte einen Rülpser.

Xorgolosch drehte sich zu seiner neuen Tischnachbarin und war erfreut über ihren Bierkonsum.
„Xorgolosch Sohn des Fuldoram mein Name, Rondra und Angrosch zum Gruße! Wie ich sehe schmeckt Euch das Bier des Herrn Baron. Ich habe als Gastgeschenk auch noch vier Fässer aus unser meisterlichen Zwergenbraukunst dabei. Vielleicht lässt der Baron ja nach der Jagt auch ein Fässchen anstechen. Das müsst ihr dann einfach probieren!“
Orinkas Aufmerksamkeit wurde von der Schwungvoll öffnenden Tür zum Rittersaal abgelenkt. Ihr Blick fiel auf den neuen Gast. Sie beobachtete mit den Augen die herannahende Edle. Nachdem Meingard den Krug abgestellt hatte und zufrieden schien sagte sie“ Die Götter zum Gruße Orinka von Kieselgrund mein Name, seid willkommen in unserer Runde und genießt die angebotenen Speisen und Getränke. Ich bin sicher das wird ein fröhlicher Abend. Lächelnd hob sie erneut den Krug mit Bier und ihr Blick wanderte zum Nachbartisch in Richtung Reginhard.

Meingard nickte den Tischnachbarn nach deren Vorstellung kurz zu. ‚Ein fröhlicher Abend‘, wiederholte sie in ihrem Geiste. Nun gut, wenigstens hatte der Angroschim ein für sie spannendes Thema angeschnitten, weshalb sie ihn nun direkt ansprach: „Ich kenne das Bier der Zwerge. Kräftig und vollmundig. So wie es sein muss. Vielleicht kommen wir ja in den Genuss.“ Sie nahm noch einen kräftigen Schluck und sah sich dabei über den Rand des Kruges am Tisch um. Dabei blieben ihre Augen an den Edelsteinen und dem Rock der älteren Dame hängen. Vielleicht etwas zu lang, um noch angemessen höflich zu sein. Nachdem sie sich den Bierschaum mit dem Handrücken abgewischt hatte, setzte sie fort: „Ansonsten“, und sie überlegte, ob sie ihre Fragen klug umschreiben oder direkt ansprechen sollte und entschied sich für den goldenen Mittelweg, „ansonsten frage ich mich, was uns in den nächsten Tagen erwartet. Ich hatte von einer Jagd gehört?“ Dann blickte sie noch einmal zu dem Ringreifkleid. Für eine Jagd schien hier eine Menge aufgeboten worden zu sein. Zugleich schienen die edlen Damen und Herren mit wenig Jagdgefolge angereist. „Oder erwartet uns noch ein anderes Programm?“

„Ich bin hier auch sehr gespannt!“, antwortete der Angroscho. „Falkenjagd ist eher weniger mein Steckenpferd. Nun, trotzdem wurde auch jemand wie ich aus einem entfernteren Gut eingeladen. Als ich meinen Vogt davon erzählte sprach er von Völkerverständigung mit den Zwergen - aber bis jetzt scheine ich wohl der einzige meiner Art zu sein. Oder hat man mich nur wegen unserem guten Bier und der Stimmung eingeladen?“. Xorgolosch lachte lauthals und erhob abermals seine Krug. Es war nun der zweite, den er geleert hatte. Er winkte den Diener herbei zum nachfüllen.

`Herrn Firun huldigen und bei der Gelegenheit vakante Stellen bei Hofe besetzen.` Orinka gingen die Worte der Einladung nochmal durch den Kopf. `Der Baron scheint nach Verbündeten zu suchen, eine gute Gelegenheit für weiter Kontakte.`Orinka zwang ihre Gedanken wieder auf das Gespräch am Tisch. Ihr Blick ging zu Xorgolosch, lächelnd sagte sie: „Wenn dem so ist Herr Xorgolosch dann macht euch darauf gefasst, dass ich euch mit Einladungen nach Steinbrücken überhäufen werde, um mit euch die Weinernte zu bewerten und die Obstbrände zu verkosten. Gutes Bier ist uns immer Willkommen.“ Orinka hob die Hand und ließ ihren Krug füllen.

Ein Zwerg von etwa achtzig Jahren betrat den Raum, die Stirn in Falten gelegt. Seine Kleidung wirkte eher praktikabel als modisch, war aber hochwertig verarbeitet, sein geflochtener erdbrauner Bart war in den breiten Ledergürtel gesteckt. Nach einem kurzen Moment der Orientierung trat er auf Orinka und Xorgolosch zu. „Garoschem,“ sagte er ihnen zunickend, „ich bin Luxurr Sohn des Lagalrix. Hat das Festmahl bereits begonnen?"

Nordmarken Barsch2.png

Drei große Tafeln waren aufgebaut, bedeckt mit blütenweißem Linnen, und darauf waren Krüge und Teller angerichtet, und Diener standen bereit, um den Gästen aufzutragen.

Auf zum Mahle!



Mit einem Pochen des Zeremonienstabes des Haushofmeisters öffnet sich die Türe, und der Hofkaplan, die Jagdmeisterin und Ihnen folgend der Haushofmeister selbst traten in den Saal. „Seid mir gegrüßt, werte Gäste, im Namen seiner Hochgeboren Liafwin von Fadersberg auf seiner Burg, der Feste Efferdwacht.“ Der kraftvolle, angenehme Bariton des Haushofmeisters drang mühelos durch den Saal. Irgendwo jenseits der Sechszig war vermutlich das Alter des Herrn Phexhilf von Birkenbruch, der sich den Gästen höflich bei deren Ankunft vorgestellt hatte.

Sein akkurat in sanften Wellen nach hinten gekämmtes Haar war längst ergraut, doch tat dies einer gepflegten Erscheinung keinen Abbruch. Sein Wams war aus feinem, roten Brokat geschneidert und mit passenden goldenen Knöpfen abgesetzt. Das am meisten ins Auge stechende Merkmal jedoch waren seine braunen Augen, die alles und jeden streng zu mustern schienen. „Seine Hochgeboren ist heute abend leider noch in dringenden Regierungsgeschäften verhindert, so dass Eure Tischleute und Begleiter bei diesem Begrüßungsmahl die Jagdmeisterin Theodara Leerscheun, Seine Gnaden Praiofan Ratsburger und meine Wenigkeit sein werden.
So bitten wir Euch denn zu Tisch, geschätzte Gäste!“

Tisch Haushofmeister

Gediegenen Schrittes kam Phexhilf zu seinem Platz herüber geschritten und nahm Platz. In Der Gesellschaft von gleich drei Flussgrundern und dem Hohen Herren von Föhrenschild, der wie die Flussgrunder mit dem Gut Tannwald verbunden war, hatte es der Haushofmeister mit gleich zwei in sich geschlossen Gruppen tu tun. Vier Gäste aus Tannwald und allesamt Kyndocher. „Im Namen des Barons und der Gütigen Herrin Travia, heiße ich die Herrschaften zu diesem Mahl willkommen …“ Waldemar spürte ein Brummen in seinem Magen nach den Worten Elkos; ‚was fiel diesem niederen Beamten ein, ihn, einen Geweihten Firuns und seinen Onkel so vor allen Gästen anzusprechen?‘ Er beruhigte sich aber beim Gedanken an die speziellen Umstände in Elkos naher Familie, den frühen Tod des Vaters und den bedauernswerten Zustand seiner Mutter, Waldemars Schwester, und zog es vor zu schweigen und ihn später zur Rede zu stellen.

Da weder seine Ankunft, noch seine Worte der Begrüßung ihm die notwendige Aufmerksamkeit verschafften, räusperte sich Phexhilf kurz und nahm in der einkehrenden Ruhe erneut Anlauf: „Im Namen des Barons und der Gütigen Herrin Travia, heiße ich die Herrschaften zu diesem Mahl willkommen und hoffe sehr, dass Euch die Speisen unserer Küche munden.“ Während er sprach, blickte der Haushofmeister die Gäste eindringlich an, denn eine Unhöflichkeit wie jene, die er soeben erfahren hatte, durfte es gegenüber dem Baron nicht geben. Nicht unbedingt, weil Seine Hochgeboren derart großen Wert darauf legte, sondern schlicht aus dem Grund, dass es sich gegenüber seinem Amt oder dem höheren Stand des Barons schlicht nicht geziemte. Der Hüne Waldemar löste sich von seiner Grüblerei über das respektlose Verhalten Elkos und den Gründen für ebendieses und wandte sich an den sich räuspernden älteren Herrn, er hatte ihn gar nicht kommen sehen da er so sehr in Gedanken versunken war, und hob die Hand: „Firun zum Gruße Meister von Birkenbruch, welch Ehre mit Ihnen an einem Tisch sitzen zu dürfen!“ Dabei schaute er mit einem Auge etwas eifersüchtig zu den Gestalten an den Nebentisch, die mit der Jagdmeisterin am Tisch saßen. „Firun zum Gruße, Euer Gnaden“, antwortete dieser höflich.

„Herr von Birkenbruch“, begann Elko zögerlich, „ich muss euch ausrichten, dass sich Ihrer Wohlgeboren Gundula von Zweigensang für das heutige Abendmahl höflichst und unter grösstem Bedauern entschuldigen lässt. Ich hoffe inständig, dass ich und die weitere Gesandtschaft aus Tannwald“, er wies auf Waldemar, Ebro und Aidan, „sie für heute Abend vertreten können.“ „Bedauerlich, doch ich bin sicher, die Edle hat mit euch einer gute Wahl getroffen. „ Er winkte mit der Hand und Diener tafelten Teller mit Rebhühnchen, gedünstetem Gemüse in einer braunen Soße auf. „Die Lieblingsspeise des Baron. Ich hoffe es wird euch munden.“ Etwas zurückhaltend lehnte sich Phexhilf zurück und wartete, das alle anfingen zu essen. „Der Baron möchte neue Vasallen kennenlernen. Sein Hof benötigt Unterstützung. Könnt ihr euch vorstellen am Kyndocher Hof zu arbeiten?“

Überrascht von der direkten Frage traute sich Elko noch gar nicht mit dem Essen anzufangen und antwortete stattdessen, das Besteck in den Händen neben dem Teller ruhend: „Oh, das wäre mir natürlich eine ausgesprochene Ehre. Allerdings … befürchte ich, dass ich zumindest in der näheren Zukunft in Tannwald nicht abkömmlich sein werde. Ihr müsst wissen, ich trage …“ Jäh wurde das Gespräch unterbrochen als sich eine Frau an den Tisch stellte. Die mitt- dreißigjährige Adlige war eine gutaussehende Frau, mit freundlichen Gesicht. Sie trug ihr braunes Haar zu einem langen Zopf geflochten, den sie rechterhand an sich herunterhängen ließ. Ihre auffälligen grüne Augen, die sie mit etwas Kohleschminke betonte, streifte über den Tisch. „Fast wäre mein Herz voll von Kummer gewesen, hätte ich mich zur Edlen von Tannwald hätte setzen müssen. Doch muss ich mit Leichtigkeit erkennen das nur ihr Gefolge hier ist. Ich hoffe das wird weniger Schwierigkeiten bereiten.“ Herausfordernd schaute sie alle an. Der Haushofmeister stand auf. „Gemach, gemach Euer Wohlgeboren. Wir wollen doch das Abendessen nicht mit Streit beginnen.“ Die Frau lächelte versöhnlich. „Nichts liege mir ferner. Hadelind von Haffenberg, Vögtin von Bitterburg mein Name.“ Dann setzte sie sich hin. „Verzeiht, ich hatte Euch unterbrochen…“ Phexhilf setzte sich wieder ihn.

Waldemar, der sich überhaupt nicht angesprochen fühlte von der Frage von Phexhilf da es ja offensichtlich bereits eine Jagdmeisterin gibt und ihn Firun wohl eher zur Überwachung der morgigen Jagd hierher geschickt zu haben scheint, beugte sich zu Elko und raunte so leise wie er halt konnte: „Wer ist das denn? Scheint keine Freundin von deiner Edlen zu sein…“

Elko indessen, vom plötzlichen Auftritt der Vögtin von Bitterburg ganz verdutzt, nahm das Geraune seines Onkels nur peripher wahr. Er verfolgte mit halb offenem Mund das Tischgespräch. Seine Mahlzeit befand sich noch immer unangetastet vor ihm im Teller. Waldemar stand trotz der ausbleibenden Antwort von Elko auf und wandte sich an die Neuangekommene: „Firun zum Grusse euer Wohlgeboren, ich hoffe sie sind angenehm gereist. Waldemar von Flussgrund mein Name, Hüter der Jagd und Geweihter des Firuns, ich bin erst seit kurzem hier und weiss nichts über ihre allfälligen Unstimmigkeiten mit der Edlen zu Tannwald. Ich hoffe wir sind ihnen angenehme Tischgenossen und sie mögen das Mahl genau so geniessen wie unsere Wenigkeit, sollte ihre Streitigkeiten allerdings einer guten Zusammenarbeit bei der Jagd im Wege stehen, wünschte ich diese zu klären bevor wir uns dem Weidwerk widmen.“ Hadelind schaute den Haushofmeister an und machte eine abweisende Geste. „Keine Sorge, Euer Gnaden. Mein Unbill hat hier nichts zu suchen und ich kann durchaus einschätzen, wer eine wertvolle Gemeinschaft sein kann. Ich kann nur eines sagen: ich freue mich auf die Jagd! Wie schaut es bei Euch aus?“, damit erhob sie ihren Kelch und schaute in die Runde. Elko fasste ebenfalls den Kelch und hob ihn eine handbreit vom Tisch: „Auch ich freue mich auf die Jagd.“ sagte er, halbweg glaubhaft.
„So soll es sein!“, sagte der Haushofmeister und langte nun zu. „So soll es sein!“, wiederholte die Vögtin und prostete allen zu.

Tisch Jagdmeisterin

Theodara Leerscheun, die Jagdmeisterin des Barons von Kyndoch, war eine sehnige, mittelgroße Frau mit in den Vierzigern, die aus hellbraunen, wachen Augen ihre Gegenüber musterte. Sie hatte wettergegerbte Haut und ausgeprägte Falten in den Augenwinkeln. Gekleidet war sie in einfache Leinenhosen, geschnürte Stiefel und ein ungebleichtes Leinenhemd, über dem sie ein Wams aus dunkelgrünem Loden trug, das am Ausschnitt mit feinen Stickereien aus braunem Faden, die Eicheln, Blattwerk und Ranken zeigen, verziert war. Über ihre linke Hand zog sich eine gezackte, wulstige Narbe.
Mit raumgreifenden Schritten ging sie zu dem ihr zugewiesenen Tisch und grüßte die Gäste dort.
„Firun zum Gruß, ich möchte euch im Namen seiner Hochgeboren herzlich begrüßen. Lasst uns die Kunst unsere Küche gemeinsam genießen. „ Sie nickte den Personen am Tisch freundlich zu, bevor sie sich setzte.
Als sich die Jagdmeisterin näherte, erhob sich Eichward sofort. Eine Dame, auch wenn sie nicht von Stand sein mochte, begrüßte man nicht im Sitzen. „Frau Leerscheun, es ist mir eine Freude, Euch an diesem Tische zu haben. Ich vermute, für einen nicht unerheblichen Teil der Spezereien die uns heute aufgetischt werden, seid ihr sogar selbst verantwortlich?“ Theodara wandte sich an Eichward:“ Da habt ihr Recht, eure Wohlgeboren. Das Wild für heute Abend habe ich geschossen. „ Sie lächelte kurz und schaute dann in die Runde: „Ich hoffe, die Anreise der hohen Damen und Herren war angenehm und ist ohne Probleme abgelaufen?“

Isavena war unwillkürlich mulmig zumute, nachdem der Haushofmeister und seine Begleiter im Rittersaal eintraten. Erwartungsvoll hörte sie seine Worte und war ziemlich erleichtert, als sie die Frau in der doch ähnlich einfachen, nichts desto trotz kunstvollen, Kleidung auf ihren Tisch zukommen sah.

Die Erleichterung zeigte sich auch auf Isavenas Gesicht, als sie der Jagdmeisterin herzlich lächelnd zunickte bei deren Ankunft am Platz. Ein kurz erhobenes Glas rundete die Begrüßung in Richtung Jagdmeisterin ab.

„Firun zum Gruße“ antwortete die Junkerin, nachdem Eichward und Theodara gesprochen hatten. „Meine Anreise verlief ohne Probleme, danke der Nachfrage. Sagt, ihr habt das Wild für das Mahl geschossen? Was wird es denn genau geben?“ fragte Isavena neugierig. Auch auf Eichwards Gesicht zeichnete sich jetzt die Vorfreude auf das kommende Mahl ab. „In den Landen des Barons kann eine Reise dieser Tage doch nur gut und sicher sein,“ schmunzelte er. „Gefühlt ist es schon ewig her, dass uns irgendwelche Unbill bedroht hat, derer wir uns hätten erwehren müssen. Aber, da mögen die Zwölfe meine Zeugen sein, ich will mich darüber nicht beklagen, ganz im Gegenteil.“

Meginhard, der sich ebenfalls erhoben hatte, nickte der Jagdmeisterin knapp zu, nahm sodann wieder Platz und folgte der Unterhaltung seiner Tischnachbarn aufmerksam, aber zunächst schweigend.
Auch Reginhard war kurz aufgestanden, verbeugte sich zur Begrüßung und machte dabei eine einladende Geste mit seiner Hand. „Welch eine Freude.“ Dann setzte er sich wieder und wartete auf die Antwort, welche Speisen dargeboten werden würden. Theodara nickte zum gesagten: „ Ihr habt Recht, die Straßen seiner Hochgeboren sind in der Regel sicher. Wir sind ja nicht in den Nordgratenfelser Landen. Um eure Neugier zu Stillen, es wird heute Abend Rebhuhn geben.„

„Vorzüglich, vorzüglich. Da wollen wir doch dem Herrn Firun und der Herrin Travia danken, dass uns das Waidwerk und die Küche des Barons so hervorragend den Gaumen erfreuen.“ Dabei warf er einen Blick hinüber an den Nachbartisch, ob der Kaplan schon Anstalten machte zum Tischgebet zu schreiten. Aber da es anscheinend noch nicht soweit war, nahm er dann doch seinen Krug und prostete in Richtung Theodara. „Auf Euch und Euer Geschick mit dem Bogen, gute Frau. Unser Dank soll Euch gewiss sein!“ Theodara hatte sich einen Becher Wasser eingießen lassen und prostete dem Mann ebenfalls zu „ Habt Dank. Möge Firun sein Wohlwollen ebenfalls auf die bevorstehende Jagd lenken“ Sie nahm einen Schluck, bevor sie an die Runde gewandt weitersprach „ Sind die Lehen, aus denen ihr kommt gute Jagdgebiete - seid ihr oft auf der Jagd?“

„Ach…“, Meginhard lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und faltete die Hände vor seinem Bauch. Seinen Blick hatte er auf seinen vollen Bierkrug vor ihm gerichtet. „…wie ihr wisst, werte Meisterin Leerscheun, gibt es in Schlehbronn nicht mal einen Wald. Und Fische jagen finde ich wenig erbaulich.“ Dann zwang er sich zu einem Lächeln und sah die Jagdmeisterin direkt an. Die Junkerin von Knechtstett wirkte auf die Frage der Jagmeisterin plötzlich etwas reserviert. Nach einem kurzen Schluck stellte sie ihr Weinglas vor sich und spielte verlegen mit der Spitze ihres rechten Zeigefingers am Glasrand herum, was diesem hier und da ein leises Quietschen entlockte.

„Wisst ihr, bei uns in Knechtstett verhält es sich ähnlich wie der Herr von Schlehendorn grade so schön sagte: größeres Wild zum Jagen gibt es bei uns eher weniger. Außer man möchte es sich mit den Schafbauern verscherzen und deren Vieh belauern. Aber das macht Firun wohl wenig Ehre.“ Ein kurzes, verzeihendes Lächeln. „Ich behelfe mir viel mehr damit, dass ich einen kleinen Hof in seiner Kaninchenzucht unterstütze und regelmäßig dort Jagdwild für das Training meiner Vögel besorge. Felder gibt es genügend bei uns, Wälder weniger. Meine Mutter hatte einst die Falknerei unserer vorherrschenden Landschaftsform entsprechend weiter entwickelt. So verfügt das Junkerngut über ein paar wenige Jagdvögel. Jedoch - das ich mit denen oft der Jagdfreude fröne, kann ich leider nicht bestätigen.“ Isavena seufzte. „Es gibt zu viele andere Dinge um die sich gekümmert werden muss.“ Und nach einem weiteren Schluck aus ihrem Weinglas fügte sie noch an: „Daher bin ich froh über die Einladung des Barons und der damit verbundenen Gelegenheit, endlich mein langes Training in vollem Umfang austesten zu können.“

„Das ist doch kein Grund Trauer zu tragen… jedes unserer Güter ist eben so zugeschnitten, wie es die Götter und der Baron wollten. Der Jagdwald bei uns in Zollstein liegt auch hinter der Grenze nach Treuenbronn, ich muss den Schleckenbronner jedes mal um Erlaubnis fragen, wenn es einmal etwas größeres als einen Hasen oder mehr als ein verirrtes Reh geben soll. Aber für ein paar Flaschen Wein sind wir uns da noch immer einig geworden…“ Dann nahm Eichward einen kräftigen Schluck aus dem Krug. „Nicht das ich da übermäßig geübt bin. Am liebsten jage ich mit dem Sauschwert, wenn einem die Bauern unter Anleitung meiner Wildhüterin die Schwarzkittel aus den Feldern zutreiben. Das mit dem Bogenschießen haben sie uns in Elenvina leider nur so am Rande erklärt, und die Falken sind eher etwas mit dem meine Frau und meine Tochter sich vergnügen.“ Ein leicht verträumtes lächeln stahl sich in seine Augen. „Aber meine kleine Prinzessin würde Euch gefallen. Ein rechter Wildfang, dem es gar nicht spannend genug zugehen kann. Wenn ich jemand finde, der sie in Knappschaft nimmt, wird sie bestimmt einmal eine große Ritterin.“ Theodara hörte aufmerksam zu „ Dann wird es für einige von Euch ja ein recht neues Programm. Ich bin gespannt.„ Dann wandte sie sich an Eichward „ Habt ihr denn schon einen Plan für die Pagenschaft eurer Tochter“

„Nein, einen echten Plan habe ich noch nicht gefasst. Aber es würde Zeit werden… meine Rondralda ist jetzt 9 Götterläufe alt. Talent hat sie auf jeden Fall, von meinen Kindern kommt sie am ehesten nach mir und macht ihrer Namenspatronin alle Ehre.“ Dabei räuspert Eichward sich. „Ich hatte ja die Hoffnung, hier bei der Jagd jemanden zu finden dem noch ein Knappe abgeht. Oder hat vielleicht gar der Baron derzeit Bedarf, falls ihr das wisst?“ Dann begann er wieder zu strahlen. „Aber ich bin sicher, mein kleiner Praiosschein wird gut unterkommen. Wenn man sie erst einmal kennt, kann man ihr eh keinen Wunsch abschlagen. Und Ritterin will sie ja auch selbst werden. Von Geschichten über Amazonen oder unserer tapferen Kaiserin kann sie gar nicht genug bekommen"!“ Isavena lauschte aufmerksam dem kurzen Bericht Eichwards und musste unwillkürlich lächeln bei der Beschreibung seiner Tochter. Mit einem erheitert, neugierigen Unterton führte sich Isavena ihr Glas zum Munde und kurz bevor sie am Wein nippte fragte sie Eichward etwas ungläubig: „Ihr kennt Geschichten über Amazonen?“ Dann folgte ein kurzer Schluck und beim Abstellen des Trinkgefäßes erkundigte sie sich interessiert: „Erzählt ihr uns eine?“

Reginhard blickte zu der Junkerin von Knechtstett und wunderte sich über diese Frage, ließ sich jedoch nichts anmerken. Er wartete auf einen Augenblick, um mit den Themen Jagd und Knappschaft fortfahren zu können.
„Nun, ich bin natürlich kein Barde…“ dabei räusperte sich Eichward, „ aber wenn ihr möchtet kann ich später nach dem Essen am Kamin bei einem weiteren Gläschen Wein gerne eine Geschichte erzählen.“
Theodora wirkte interessiert. „Wenn ihr die Geschichte zum Besten gebt, schließe ich mich der Hörerschaft gerne an.“ Efferdane schmunzelte„Ja so erzählt uns doch eine Geschichte. Seemannsgarn hört man sehr vieles in Havena. Doch Amazonen reisen ja bekanntlich hoch zu Ross und nicht per Schiff. Zumindest habe ich noch keines in den Hafen einlaufen sehen.

„Nun, da anscheinend doch der ein oder andere eine Geschichte hören möchte… und wir scheinen ja mit dem Essen noch etwas Zeit zu haben…“ Eichward räusperte sich vernehmlich bevor er noch einen kräftigen Zug aus seinem Krug nahm und sich den Schaum vom Mund wischte. „Lasst mich kurz überlegen, also wie war das noch…“ Dann beugte er sich vor, und seine Stimme nahm einen etwas tieferen, tragenden Ton an. „Es war einmal eine tapfere Amazone namens Rondralida. Sie zog gerade durch das friedlichen Dorf Oberau am Ufer des Flusses Rodasch. Dieser Fluss war von großer Bedeutung für die Bewohner des Dorfes, da er ihnen Wasser, Nahrung und Transportmöglichkeiten bot.

Doch eines Tages wurden die Bewohner des Dorfes von einer Gruppe gefürchteter albernischer Piraten bedroht, die den Fluss für ihre eigenen Zwecke nutzen wollten. Sie plünderten die umliegenden Dörfer und brachten Angst und Schrecken über die friedlichen Menschen der Nordmarken.

Rondralida, eine geschickte Kämpferin mit dem Säbel und Bogenschützin, die gerade mit ihrem treuen Pferd Sturmblitz durch die Lande reiste, beschloss, sich der Bedrohung entgegenzustellen. Sie rüstete sich mit ihrem Bogen, ihrem Säbel und ihrem Mut aus und begab sich auf die gefährliche Queste, um die Piraten zu besiegen, nachdem Sie ein Gebet zur Herrin Rondra gesprochen und ihren Beistand erbeten hatte.

Statt auf ihrem stolzen Ross zu reiten, paddelte sie den Fluss Rodasch entlang und suchte nach den Piratenverstecken, denn die Sumpfauen am Rodasch konnten tückisch sein. Als sie eines der Verstecke der feigen Piraten am albernischen Ufer fand, griff sie mutig an und überraschte die Piraten. Mit ihrem geschickten Klingenspiel besiegte sie einen Piraten nach dem anderen, den Namen Rondras mit jedem gefallenen Gegner auf den Lippen. Nur einer, der die Vergeblichkeit des Widerstands erkannte, konnte ihrem heiligen Zorn entkommen indem er ins Wasser sprang und davon schwamm, während seine Kumpanen einer nach dem anderen unter dem blitzenden Stahl der Rondratochter fielen.

Die Nachricht von der tapferen Amazone verbreitete sich schnell unter den übrigen Piraten. Sie wurden nervös und begannen, vor Rondralida zu fliehen. Doch sie ließ nicht locker. Sie verfolgte die Piraten bis zu ihrem letzten Unterschlupf, der sich tief im Schilf eines Seitenarms des Rodasch verbarg und stellte sich dem gefürchteten Piratenkapitän Feanwin persönlich. Es war ein erbitterter Kampf, aber Rondralida gab nicht auf, selbst als die Axt des Piratens ihr ins Bein fuhr. Mit all ihrer Kraft und ihrem Können gelang es ihr, den Piratenkapitän zu besiegen und die Piraten endgültig zu vertreiben. Die Bewohner Oberaus waren überglücklich und dankten Rondralida für ihren Mut und ihre Tapferkeit. Sie feierten sie als Heldin und die Geschichte von der tapferen Amazone, die die Piraten auf dem Fluss Rodasch abwehrte, wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Rondralida wurde zu einer Legende in den Kyndocher Landen und ihr Mut und ihre Entschlossenheit inspirierten viele andere junge Frauen, sich gegen Ungerechtigkeit und Bedrohungen zu stellen.
Aber nicht jedes Mädchen kann eine echte Amazone werden, und so werden in unseren Landen diejenigen, die der Herrin Rondra dienen wollen tapfere Kriegerinnen und edle Ritterinnen, um Rondralidas Andenken zu bewahren.“
Bei den letzten Worten war Eichward unbewusst aufgestanden, hatte den Krug erhoben und schloss mit einem: „So war es, bei Rondra, und wird es in unseren Landen immer sein!“ ehe er sich der Augenpaare bewusst wurde die sich dabei auf ihn gerichtet hatten, und er sich errötend und einem ruhigeren „Entschuldigt, ich habe mich mitreisen lassen,“ wieder setzte. Meginhard blickte sich hektisch um und versuchte abzuschätzen, wie die anderen Edeldamen und -Männer regierten. Ließen sie sich mitreißen oder waren sie ob des emotionalen Ausbruchs des Junkers peinlich berührt? Isavenas Augen hingen gebannt an der Gestalt Eichwards während er seine Geschichte zum Besten gab. Erst war sie etwas enttäuscht, als er ihre Bitte abwiegeln wollte und dann um so erfreuter, als die anderen auch um die Geschichte baten und er einwilligte die Zeit bis zum Essen zu überbrücken. Schlussendlich prostete Isavena Eichward am Ende seiner Erzählung mit einer ziemlich glücklich und sichtbar beeindruckten Miene zu. Dann kamen einige Diener.

Kurz wurde die Aufmerksamkeit der Gäste unterbrochen, als Diener Rebhühnchen mit gedünsteten Gemüse in brauner Soße auftafelten. Für die Efferdgeweihte gab es eine kalte Fischsuppe.
Meginhard war erleichtert ob dieser willkommenen Ablenkung und entspannte sich etwas.
Reginhard war etwas verwundert ob der langen Darbietung seines Tischnachbarns, bewahrte aber ein wohlwollendes Lächeln. Zugleich bemerkte er die hektischen Blicke Meginhards und entschied, selbst das Wort zu erheben. „Welch großartige Erzählung. Das war mir neu.“ Dabei applaudierte er höflich, aber kaum hörbar für die Nachbartische. „Eure Erzählung zeigt auch, dass viele von uns einst Bedrohungen durch Flusspiraten ausgesetzt waren. Den Zwölfen sei Dank, dass es tapfere Helden wie Rondralida, treue Ritter und entschlossene Herrscher gab und gibt, damit wir heute in ruhigeren Zeiten leben können.“ Freudig empfing er den silbernen Teller mit Rebhühnchen und Gemüse. Doch bevor er sein Besteck aufnahm fragte er noch in die Runde: „Und gerade eben hatten wir es auch von der Ausbildung weiterer tapferer Streiter. Hoher Herr von Feuerberg, Ihr sucht noch einem einem Schwertvater für Eure Tochter? Nun, mein Vater ist selbst verdienter Ritter und hat zu dieser Zeit keine Pagin. Zugleich sucht auch meine Schwester eine Schwertmutter oder einen Schwertvater für ihren Ältesten.“ Er lächelte charmant in die Runde. „Ich bin mir sicher, aus dieser Zusammenkunft werden großartige Verbindungen erwachsen.“ Dann blickte er in Richtung der Jagdmeisterin, in der Erwartung, dass sie das Mal eröffnete.

Diese verstand seinen Blick.“Lasst uns essen.“ Sie lächelte freundlich und nahm den ersten Bissen. Meginhard von Schwarzdorn schloss kurz die Augen, faltete dabei die Hände und murmelte leise einige unverständliche Worte in seinen akkurat gestutzten Vollbart.

Dann lächelte er in die Runde und fügte ein: „Wohl bekommts!“, hinzu, ehe er zu seiner Forke griff und sich ein Stück des Rebhuns von dem Tablett nahm.

Geduldig ließ Isavena sich ihre Portion Rebhuhn und Gemüse herrichten und nutzte die Gelegenheit Reginhard zuzuhören. Dann meinte sie erstaunt in seine Richtung:
„Eure Familie ist ohne Knappe oder Pagin? Das verwundert mich. Ich dachte euer Haus ist immer heiß begehrt um Zöglinge in die Ausbildung zu geben. Meine Vermutung war, dass die Familien an euren Toren Schlange stehen, um ein gutes Wort für ihren Nachwuchs einlegen zu können.“

Dann nutzte auch Isavena die Möglichkeit endlich ihrem Hunger mit ein paar Bissen Herr zu werden. „Ach - und sagt, ihr habt doch etliche Geschwister, nicht wahr!? Sucht vielleicht eine oder einer der euren noch eine Anstellung als Ritter? Mein Gut benötigt noch etwas militärische Verstärkung.“ Isavenas Blick wurde traurig bei den nächsten Worten. „Seitdem mein Bruder verschwunden ist, fehlt mir … sagen wir - die kämpferische Erfahrung. Wenn der Herzog zu den Waffen ruft befürchte ich, sitze ich in der Bredouille.“

Reginhard schnitt gerade ein Stück Rebhuhn, hielt jedoch mit der direkten Ansprache an ihn inne und hörte aufmerksam zu. Dann legte er das Besteck ab, um sich ganz seiner gegenüber zu widmen. „Das Euer Bruder verschwunden ist, tut mir sehr leid. Ich hörte davon.“ Wieder fiel ihm die Namensgleichheit zu seinem Halbbruder ein - eine Familienverflechtung, die aber nicht öffentlich war. „Wir können Euren Verlust gut nachempfinden, denn auch wir haben zwei Geschwister in den Schlachten der letzten Jahre verloren. Was Eure Frage betrifft: Meine Schwester Meingard, sie sitzt am Tisch gegenüber“, und er deutete mit einem höflichen Kopfnicken in die Richtung des Tisches des Kaplans, was Isavenas Blick unwillkürlich folgen ließ, „ist zwar keine Ritterin, aber dafür eine sehr fähige Kriegerin. Sie hat ihre Fähigkeiten an der Elenviner Akademie erworben - und in zahlreichen Unterfangen seitdem. Vielleicht kann ich Euch aber auch einen Jungritter empfehlen. Mir fällt da bereits ein Name ein. Habt Ihr besondere Ansprüche? Und ich möchte Euch gerne an einem Punkt korrigieren: Vater hat zu dieser Zeit keine Pagin. Namen hier einfügen, aus dem Hause hier fehlt ein Name, hat jüngst seinen/ihren Knappendienst bei ihm angetreten. Ich glaube, er/sie hat Vaters Erwartungen in der Pagenzeit mehr als übertroffen. Aber bis zum Ritterschlag wird es noch ein paar Götterläufe dauern. Für die Ausbildung wiederum gibt durchaus bereits Interessenten. Doch Vater ist auch stets darauf bedacht, neue Bande zu knüpfen um so den Zusammenhalt weit über das eigene Gut hinaus zu stärken.“ Kopfnickend und mit souveränen Blick schaute er bei letztem Satz in die Runde. Dann strich er seine Serviette glatt und nahm sein Besteck wieder auf.

Meginhard wurde ob der Unterhaltung zwischen den beiden Edelleuten der Nachbarsbaronie hellhörig und ließ sein Rebhuhn unangetastet. Als sich in dem Gespräch eine kurze Pause ergab, nutzte er die Gelegenheit, sich einzumischen: „Verzeiht wohlgeboren,“,
sprach er Reginhard direkt an, „aber ich denke, das heutige Treffen kann ein Gewinn für alle werden. Ich habe gerade mit einem Ohr gehört, dass ihr ebenso wie der Herr von Zollstein für eure Nachkommen noch einen Schwertvater sucht!“ Er verschwieg natürlich geflissentlich, dass die Ausführungen der Edlen von Knechtstett bezüglich des Ansehens der Familie von Kropfenhold mindestens ebenso viel dazu beitrugen, das Interesse Meginhards zu wecken. „Und da euer Vater, ebenfalls ein angesehener Ritter und…Edler,“, er sprach das letzte Wort wie eine Frage aus, „…selbst noch Kapazitäten für einen Knappen hätte,“ Meginhard wandte sich zu Eichward und setzte ein Lächeln auf: „trifft sich das doch ganz hervorragend, oder?“ Dann ging sein Blick wieder zu Reginhard und er fuhr fort: „Letztes Jahr hat meine ehemalige Knappin den Ritterschlag erhalten.“ Ohne diese Andeutung zu vertiefen, sprach er weiter: „Nun habe ich selbst viel Freude daran, junge Menschen zu einem ehrbaren und aufrechten Leben anzuleiten. Und würde mich freuen, eurer Tochter oder eurem Sohn diese Erziehung angedeihen zu lassen. Und der Herr von Zollstein…“, Meginhard deutete nun mit der Forke vor seiner Brust auf den neben ihm sitzenden Eichward, „…könnte doch sicher euren Vater dafür gewinnen, den Sproß eines solch angesehenen Hauses wie das der Zollsteins zu einer Ritterin zu formen, nicht?“.
Meginhard nickte aufgeregt und blickte dabei abwechselnd von Eichward zu Reginhard und wieder zurück. Isavena begann zu schmunzeln, während sie sich ein paar weitere Bissen gönnte und dem ungewohnten Redefluß des Herren von Schlehendorn zuhörte. Während Meginhard seine Schäfchen versuchte ins Trockene zu schaffen und politische Fäden zu spinnen begann, verschmälerten sich Isavenas Augen und fixierten den Herren von Schlehendorn. Sorgfältig abschätzend betrachtete sie Meginhard, während sie auf die Antworten der anderen Herren wartete - es war ohnehin nicht an ihrer Reihe sich gerade einzumischen. Da ihm niemand seinen kleinen Ausrutscher übel zu nehmen schien entspannte sich Eichward sichtlich und nahm zunächst einige Happen von seinem Teller, während die anderen sich unterhielten, bevor er wieder das Wort ergriff. „Nun, es wäre natürlich eine Ehre, wenn sich für meine Tochter ein Platz bei einer so edlen Familie wie derer von Kropfenhold finden würde. Bisher haben sich unsere Wege ja nur am Rande berührt. Ich kenne natürlich Eure Schwester Meingard von der Akademie in Elenvina, auch wenn sie fünf Jahrgänge unter meinem eigenen war und wir deswegen in der Ausbildung nicht allzu viel gemeinsame Unternehmungen hatten außer der regelmäßigen Teilnahme am Rondradienst. Wenn ihr, oder natürlich eher Euer Vater es erlauben, würde ich gerne einmal nach dieser Jagd auf Euren Gütern mit meiner Tochter vorstellig werden.“

Mit einem charmanten Lächeln antwortete Reginhard: „Welch vortrefflicher Zufall, dass Ihr Meingard bereits kennenlernen konntet. Ich bin mir sicher, sie freut sich darauf, Euch wiederzusehen.“
Dann setzte er fort, zunächst an die Herren von Zollstein und Schwarzdorn zugleich gewandt: „Ich denke, eine solche Verbindung zwischen unseren Häusern wäre ganz im Sinne meines Vaters.
Ich unterstütze Eure Idee“, sprach er in Richtung Eichwards“, mit Eurer Tochter nach dieser Jagd bei meinem Vater vorstellig zu werden. Schlussendlich müssen Ihr, Eure Tochter und Vater zusammenfinden. Gerne kann ich Euch aber in den nächsten Tagen auch einen ersten Eindruck geben, wie sich das Leben in Erlengrund gestaltet und worauf unser Haus viel Wert legt. Fühlt Euch frei zu fragen.

Gleichzeitig“, sprach er in Richtung Meginhards, „würden auch wir uns freuen, wenn wir bei Euch, Hoher Herr, vorstellig werden dürfen.“
Meginhard sah zufrieden aus und schien nicht zu bemerken, dass Isavena ihn beobachtete. An Reginhard gewandt machte er eine wegwerfende Handbewegung und erwiderte lächelnd: „Na selbstverständlich! Ihr müsst nicht vorstellig werden, ich lade euch zur nächsten Gelegenheit im Namen der Herrin Travia auf meine bescheidene Scholle ein!“ Isavena war etwas irritiert über den Verlauf des Gesprächs, aber groß wundern tat sie sich nicht. Nachdem der Herr von Schlehendorn mit seinem redseligen Ausbruch das politische Spiel eröffnet hatte, vollzog sich ein gemeinsames Übereinkommen ziemlich schnell. Isavena seufzte innerlich und dachte im Stillen ‚Immer geht es um dasselbe‘.

Während sie den Herren bei ihren Zukunfstplänen zuhörte, musterte sie Reginhard mit gleichem abschätzenden Blick, wie sie Meginhard vorhin musterte. Irgendwas fand sie komisch, konnte es aber nicht genau benennen und betrachtete ihren Tischnachbarn nun, als würde sein bloßer Anblick ihr den Grund für das seltsame Gefühl verraten.
„Habt Dank, Hoher Herr. Wir freuen uns sehr auf Eure Einladung.“ Reginhard lächelte vergnügt. Er blickte einmal in die Gesichter der anderen Anwesenden am Tisch, um sie zum Gespräch einzuladen, nahm einen Bissen Rebhuhn und fragte dann: „Im Namen der Herrin Travia … Hoher Herr, wenn ich fragen darf, welche Beziehung hat Eure Familie zur Gütigen Mutter? Eine starke Bindung zur Gütigen Mutter scheint mir dieser Tage seltener geworden zu sein.“

Meginhard, der mit seiner Forke gerade ein Stück des Rebhuhns zu seinem Mund führen wollte, verharrte in der Bewegung und senkte seine Hand langsam wieder nach unten. Er schien einen Moment zu überlegen, denn er legte die Stirn in Falten und presste seine Lippen aufeinander. Der Moment der Stille wurde beinahe schon unangenehm, als der Vogt von Schlehbronn langsam zu nicken begann. Ohne Reginhard anzublicken, begann er endlich zu sprechen: „Das mag sein. Aber nicht in Schlehbronn. Wir achten die Herrin Travia hoch und stellen unser Tun unter ihren Namen und unser Heim unter ihren Schutz.“ Dann setzte er ein übertriebenes Lächeln auf und blickte abwechselnd zu Isavena und Reginhard: „Ist dies im Fuchsgau nicht mehr üblich?“

Bei Reginhards letzten Worten blickt Isavena erstaunt auf und diesen stirnrunzelnd an. Die merkwürdige Frage die er grade gestellt hatte, vertiefte das seltsame Gefühl von eben noch weiter. Innerlich immer noch mit Reginhards ungewöhnlicher Äußerung beschäftigt, entglitt ihr Gesichtsausdruck ein wenig bei Meginhards Gegenfrage. „Natürlich halten wir Travias Tugenden hoch und heilig.“ empörte sich sich kurz, warf Reginhard einen schiefen Seitenblick zu und ergänzte „Zumindest bei uns in Knechtstett. Aber ich nehme an, in der Region Erlengrund wird es nicht anders sein.“ Dann fixierte Isavena Meginhard wieder mit leicht verengtem, skeptischen Blick. Überrascht legte Reginhard sein Essbesteck ab und hob beschwichtigend die Hände. „Bitte entschuldigt, ich glaube, meine Frage war etwas missverständlich. Die Gütige Mutter ist uns in Erlengrund ebenso wichtig wie ihre 11 Geschwister. Ich fragte, da unsere Familie sehr gute Beziehungen auch in den östlichen Teil der Nordmarken pflegt. Nach Albenhus. Dort gibt es Familien, die sehr viel Engagement an den Tag legen, die großen Herausforderungen der letzten Jahre zu überwinden und sich für die Gebote der Gütigen Mutter einsetzen. So wurde jüngst der Bau eines neuen Tempels begonnen, und es werden jährlich Pilgerfahrten zu Heiligen Stätten der Travia entsandt. Sicherlich wäre man dort sehr erfreut, Pilger aus weiteren Teilen der Nordmarken im Gefolge zu haben. Jüngst begleitete unsere Muhme, Gratfriede von Kropfenhold, Geweihte der Peraine, trotz ihres hohen Alters, eine Reise.“ „Hmmm…eine Pilgerfahrt.“, raunte Meginhard und lehnte sich dabei auf seinem Stuhl zurück. Er schien angestrengt über etwas nachzudenken. Nach einer Weile lehnte er seinen Oberkörper wieder nach vorne und stützte sich mit seinen Unterarmen auf dem Tisch ab.

„Wisst ihr was? Eine traviagefällige Pilgerfahrt ist eine äußerst löbliche Idee!“, sagte er nickend zu Reginhard und lächelte dann Isavena an: „Das haben wir schon viel zu lange nicht mehr gemacht!“, sagte er freudig zu ihr und erhob dabei den linken Zeigefinger: „Am besten mit der ganzen Familie!“. Dann wurde seine Aufmerksamkeit wieder von dem Rebhuhn eingenommen, welches noch immer halb auf seiner Forke steckte. Nickend griff er nach dem Besteck und führte das Bratenstück langsam zu seinem Mund. Nachdem das Mahl abgetragen worden war, reichten die Diener noch das ein oder andere Getränk. Die Gespräche wurden ruhiger, allgemeine Müdigkeit machte sich breit. Theodara gähnte verstohlen. „Der Tag wird morgen recht früh beginnen,man sollte seine Sinne bei einer Jagd zusammen haben und ausgeruht sein. Ein Unfall aufgrund einer unüberlegten Handlung ist schnell passiert. Ich werde mich zu Bett begeben. Ich würde den hohen Herrschaften ebenfalls raten, die Nacht nicht zum Tage werden zu lassen“ sie lächelte in die Runde, als sie sich erhob. „Möge Boron über eure Träume wachen“

Tisch Kaplan

Der Kaplan, der seinem sechzigsten Tsatag vermutlich bereits ‚auf Wiedersehen‘ gesagt hatte, war ein rüstiger Mann von großer und klobiger Gestalt. Seine rot-goldene Robe war peinlich sauber, täuschte aber nicht darüber hinweg, dass ihr Träger die Kochkünste am Hofe des Barons zu würdigen wusste. Seine Glatze verbarg die rote Mütze seines Ornats. Um so buschiger wuchs dafür sein sauber trimmter grauen Backenbart, den er in demselben Schnitt wie der vorherige Bote des Lichts, Heliodan Jariel Praiotin XII, trug. Ein junger Mann erkannte die Geste von Orinka und füllte ihren Tonkrug zum zweiten male mit Bier. Orinka sah wie die gold perlende Flüssigkeit in den Krug floss. Eine weiße Schaumkrone deutet darauf hin das der Krug fast gänzlich gefüllt war. Orinka sah in Gedanken die Schaumkrone an. Eine Bewegung im Augenwinkel und ein räuspern riss sie aus ihren Gedanken. Als sie ihre Umgebung wieder wahr nahm, erkannte sie einen weiteren Angroschim. Er nannte sich Luxurr Sohn des Lagalrix. ,Die Runde am Tisch wird ja immer interessanter` dachte sie bei sich. Lächelnd sagte sie „Poftim, gewiss Herr Luxurr, nehmt platz und bereichert unsere Runde“. Orinka sah sich den neuen Gast genauer an. Sie stellte fest das die normalen Stühle eher unpraktisch für die Vertreter der Angroschim waren. , Das muss ich bei meiner Rückkehr nach Steinbrücken in Auftrag geben, ich benötige Stühle für mögliche Besucher der Angroschim. Vier sollten erst einmal genügen`. Dann trat ein weiterer Gast an den Tisch. Orinka sah über den Rand ihres Kruges und erhaschte einen kurzen Blick auf die Gestalt. Das kühle perlende Getränk erstarrte in ihrem Hals und drohte sie zu ersticken. Sie beherrschte sich gerade noch rechtzeitig davor den vermeintlichen Klumpen in ihrem Hals in einem weitem Bogen auszuspucken und zwang ihn ihre Kehle herunter, so das nur ein kurzer Husten davon zeugte, was vor sich ging. ,verdammte Gilechem! Oh Herrin der Weisheit, warum strafst du mich mit einem Kassirosch.´dachte Orinka und zwang sich zu einem Lächeln als sie den Krug wieder auf den Tisch stellte.

‘No xomschog brodexam bosekam - die Sonne scheint, als wolle sie das Erdreich spalten!’, waren die ersten Gedanken als Xorgolosch den Kaplan, einen Diener des Praios, zum eigenen Tisch schreiten sah. Nicht, dass er als Zwerg Praios ablehnte. Vielmehr verstand er einfach die Großlinge nicht, warum man so viele Götter benötigt - sogar dann auch noch einen höchsten Gott, der die Sonne verkörpert. Die Angroschim haben nur einen Gott. Das war völlig ausreichend.

Nun ja, nachdem für Xorgolosch das Parkett des Rittersaales zunächst etwas holprig war, hat sich nun doch eine illustre Tischrunde entwickelt. Man wird sehen ob man die gute Stimmung beibehalten kann oder ob sich, einer Predigt gleich, die Frömmigkeit des Schweigens am Rest des Tisches einstellt.

Nach der Äußerlichkeit seines Leibesumfangs würde der geistliche Neuankömmling zumindest nicht das Mahl und das Bier verschmähen. Ein Hoffnungsschimmer für den Angroscho - solange man isst und trinkt, kann man nicht sprechen.

Luxurr mühte sich etwas mit den dem für Menschengröße gefertigtem Stuhl ab, bis er sich in eine halbwegs angenehme Position gebracht hatte. „Verzeiht, wenn ich frage, aber dies ist mein erstes Mal in einer so hohen Halle. Wird denn gleich das Essen aufgetragen, oder vollziehen wir zuerst die Lobpreisung des allmächtigen Baumeisters? Die menschlichen Sitten verwirren mich leider - obwohl ich mich bereits seit mehreren Jahren um Verständnis bemühe - gelegentlich immer noch. Es scheint, als würdet, ihr“ - Luxurr war einen Blick auf die anwesenden Menschen - „mit Verlaub, einfach alles auf den Kopf stellen, was zwergischer Brauch als verlässlich erwiesen hat. “
Mit einem Anlupfen und Zunicken begrüßte Meingard den Angroscho an ihrem Tisch. Als die Kriegerin erkannte, dass sich der Hofkaplan an ihren Tisch gesellen würde, erhob sie sich und verneigte sich förmlich. Nach einem „Euer Gnaden“ setzte sie sich wieder. Dann lauschte sie auf die Antworten.
Bevor der Kaplan irgendeine Frage beantwortete straffte er sich kurz und ließ seinen Blick über die Gäste schweifen. Innerlich rollte Praiofan mit seinen Augen. `Mehr Neuadlige. Oh, Praios, wo soll das nur hinführen?´ Sichtlich bemüht, versuchte er zu Lächeln. „Dem Götterfürsten Praios zum Gruße!“, eröffnete er das Gespräch und legte Würde in seine Stimme. „Custos Lumini Praiofan Ratsburger, Hofkaplan auf der Baronsfeste Efferdwacht.“ Dann nickte er allen zu, wobei er sich dabei ertappte, etwas irritiert auf die ´befremdlichen´ Tätowierungen der Edlen von Steinbrücken zu schauen. Mit einer schüttelnden Bewegung richtete er wieder das Wort an alle. „Seid herzlichst willkommen … Gäste von Stand. Ich bin mir sicher, das Mahl beginnt gleich. Betrüblicherweise weiß ich nichts um die privaten Gründe des Hochgeborenen Baron, doch kann ich versprechen, das ich, sowie die Jagdmeisterin Leerscheun und Hofmeister von Birkenbruch, ihn würdig vertreten werden. Am morgigen Tag wird er sich dazu gesellen. Doch eine Aufgabe hat er mir aufgetragen … Euch kennenzulernen. So erzählt mir von euch.“ Die Aussage des Angroscho Luxurr ignorierte er beflissen. Dann setzte er sich, wobei sein Bauch den Tisch verrutschte, das zu einem riskanten Schwanken der Kelche führte.
Orinka erschrak als der Tisch vom voluminösem Bauch des Kaplans erbebte. Schnell versuchte sie die wankenden Krüge zu retten, was ihr zumindest bei den in ihrer Reichweite befindlichen Krügen auch gelang. Durch den kurzen Rüttler wieder aufmerksamer, viel ihr die Aufforderung des Kaplans wieder ein. Lächelnd sprach sie in die Runde“ Nun dann nehme ich mir die Freiheit zu beginnen euer Gnaden. Mein Name ist Orinka von Kieselgrund. Ich bin die Edle von Steinbrücken. Ich freue mich sehr über diese Einladung obwohl ich nicht für mein Jagdglück bekannt bin, werde ich morgen mein bestes geben damit wir den darauf folgenden Tag auch noch volle Teller haben werden.“ Orinka hob ihren Krug und sprach „ auf einen genussvollen Abend und eine erfolgreiche Jagd“. Sie trank einen Schluck und machte Anstalten sich zu setzen. Während sie sich setzte schaute sie zu den anderen Tischen hinüber und lächelte amüsiert da sie feststellte das es am Tisch des Haushofmeisters wohl nicht zu seiner Zufriedenheit läuft zumindest wenn sie die Gesichtszüge richtig deutete. Als sie wieder auf ihrem Stuhl platz genommen hat sprach sie „ Werdet ihr uns morgen zur Jagd begleiten euer Gnaden? Sie dachte bei sich ´Das würde ich nur zu gerne sehen` und musste erneut lächeln.

„Euer Gnaden, es ist uns eine Ehre, Euch an unserem Tisch zu haben“, führte Xorgolosch die Vorstellungsrunde fort. „Wenn ich mich als nächstes vorstellen darf“, der Zwerg nickte dabei langsam dem Geweihten zu. „Xorgolosch Sohn des Fuldoram, Edler der Erzwacht, Vogtei Brüllenbösen. Als Angroscho wuchs ich in den heiligen Hallen von Xorlosch auf. Lernte jedoch alsbald die Welt der Oberfläche näher kennen und fand Anknüpfungen, ohne jedoch meinen Gebräuchen und meinem Glauben komplett zu entsagen. In meinem Einflussbereich befinden sich auch mehrere Erz- und Silberminen. Hier zahlt sich meine Ausbildung in einer zwergischen Binge aus.“

Xorgolosch musste einfach gleich mit seinem Glauben kontern. Er akzeptierte die Zwölfe natürlich und wusste auch um deren Kraft und Wunder, jedoch ging ihm das Getue seiner Gnaden - Custos Lumini hin oder her - schon jetzt gegen seinen Bart! Der Angroscho lächelte zum Abschluss und schaute in die Runde, wer sich als nächstes vorstellen möge.
Orinka lauschte den Ausführungen von Xorgolosch `der Angroscho ist durchaus sympathisch und auch redegewandt`dachte sie bei sich. Ihr Blick ging durch den Raum und streifte die anderen Tische. Ihr Blick verweilte am Tisch des Haushofmeisters `gut`dachte sie `das Gespräch schien langsam in Schwung zu kommen und seine Gesichtszüge scheine sich auch langsam zu entspannen. Fast war Orinka versucht ihm zu helfen er wirkte doch durchaus zerknirscht der arme. Am Tisch der Jagdmeisterin jedoch schien es gut zu laufen sie plauderten rege miteinander. Ihr Blick blieb an der jungen Efferdgeweihten hänge. Sie musterte die Perlmutt Verzierungen an ihrem Mantel mit Wohlgefallen. `Èine wirklich schöne Gewandung`dachte Orinka. `Das ist doch bestimmt die junge Efferdane von Feldertreu ich habe doch letzten von ihr gehört. Orinka vermerkte in Gedanken, das sie später mit ihr ins Gespräch kommen wolle und richtet ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Vorstellungsrunde an ihrem Tisch. Ein leichtes Hungergefühl stellte sich ein.
„Dann ergreife ich als nächste das Wort. Meingard von Kropfenhold. Ich bin Tochter des Elden des Guts Erlengrund, Baronie Fuchsgau. Bisher verdinge ich mich als Mitglied der Plötzbogener und geleite Adelige, Händler und jeden der nach unserem Schutz fragt auf Ihren Reisen und Geschäften. Meine Ausbildung habe ich an der Elenviner Kriegerakademie absolviert. Was wäre sonst noch von Interesse …“ Meingard überlegte kurz. „Das Gut Erlengrund ist vor allem für seinen Wein bekannt. Vater beschäftigt sich aber auch mit der Ausbildung von Streitrössern. Die Ausbildung am Bogen liegt ihm ebenfalls sehr am Herzen - damit wir das Gut vor Flusspiraten oder ähnlichem Gesindel verteidigen können. An Wald mangelt es allerdings, weshalb nur selten - oder nie - zu einer Jagd in Erlengrund gerufen wird. Ach ja, und am Tisch der Jagdmeisterin sitzt mein Bruder, Reginhard von Kropfenhold, den ich hierhin begleitet habe. Reginhard ist Cellarius am Hof der Baronie Galebquell und sicherlich hier, um neue Lieferanten kennenzulernen und ihre Waren zu verproben.“ Letzteres war vermutlich nur die halbe Wahrheit, dachte sie sich. Dann schaute sie sich erwartungsvoll in der Runde um und wartete auf das nächste Wort.

Luxurr runzelte kurz die Stirn, als ihm Gewahr wurde, dass die Runde nun an ihm war. Er räusperte sich: „Herr Custos, verehrte Tischgemeinschaft. Ich bin Luxurr, Sohn des Lagalrix, Abkömmling der ehrenwerten Draxamorta-Sippe. Seit den Tagen, da das Drachengezücht begann, Xorlosch zu bestürmen, hüteten meine Vorfahren die Wälle und Felsen der heiligen Stadt. Nach dem Tod meines Vaters im vergangenen Jahr ist es nun an mir, die Xoramswand an den Hängen der Ingrakuppen und das zugehörige Gut zum Nutzen von Menschen und Angroschim als Edler zu verwalten. Unsere Armbrüste, die wir meisterlich zu fertigen wissen und auch bereitwillig gegen angemessen Preis an unsere Verwandten und Verbündeten liefern, mögen die Rückkehr der Drachen verhüten.“ Luxurr lehnte sich zurück und seufzte innerlich. Seine Vorstellung war er seit Beginn des Tages mehrfach durchgegangen. Dass er sie ohne sich zu verhaspeln vorgetragen hatte, machte ihn zufrieden. Er warf einen Blick in die Runde, ob jemand noch mehr von ihm erfahren wollte.

Der Kaplan schluckte genüsslich sein Wein hinunter und lächelte in die Runde. „Der erste Schritt sei getan, so sind wir … unter gleichen.“ Mit einer winkenden Geste gab er den Dienern das Zeichen aufzutafeln. Im nu folgten Rebhühnchen mit gedünsteten Gemüse und einer braunen mehligen Soße auf silbernen Tellern. „Nicht jedem steht der grimme Firun hold, aber hierbei geht ja auch sich kennenzulernen. Der Baron ist auch noch recht neu im Amt und sein Hof benötigt fähige Vasallen.“ Kurz kräuselte Praiofan seine Augenbrauen enttäuscht zusammen. Das der neue Baron seine ´Unterstützung´ nicht besonders wertschätze stieß ihm noch immer sauer auf. Doch wer weiß, vielleicht gab es ja jemanden unter den Gästen, der sich als fähig erschien und ähnlich wie er denken würde. Dann wäre es durch aus leichter den jungen Baron in praiosgewollte Richtung zu lenken … Nach dem ersten bissen ins Rebhühnchen sprach er weiter. „Euer Wohlgeboren Xorgolosch, ich bin mir sicher das hier niemand Euch von euren Glauben weg führen möchte. Allerdings wenn es Euer Wunsch wäre, mehr vom Götterfürsten zu erfahren, wäre es mir eine Ehre Euch heranzuführen. Das gilt natürlich für jeden hier am Tisch. Doch genug der Theologie. So erzählt doch einmal, wie Ihr euch vorstellen könntet, den Baron zu Diensten zu sein, falls eine Stellung in Frage kommen würde.“ Interessiert schaute er in die Runde.

Meingards Blicke lagen gerade auf dem Rebhühnchen, als der Kaplan mehr zu dem vermutlich eigentlichen Ziel dieser Veranstaltung sprach. ‚Fähige Vasallen für seinen Hof‘, wiederholte sie in Gedanken. Darum ging es hier also. Hatten Vater und Reginhard tatsächlich die Absicht, ihrer bisherigen Beschäftigung ein Ende zu setzen? Kurz warf sie einen finsteren Blick in Richtung Reginhards, den dieser aber nicht zu bemerken schien.

Luxurr wunderte sich: ‚Eigentümlich, warum die Großlinge sich so oft so unklar ausdrücken müssen.` “Nun,“ meldete er sich zu Wort, „benötigt der Baron denn Expertise in Aufbau, Pflege und Unterhalt von Torsionsgeschützen respektive -waffen? Oder plant er, solche zu erwerben? Dann werde ich dem jungen Herrn selbstverständlich gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen, sofern es meine Dienstpflichten an der Xoramswand zulassen.`Oder verstehe ich euch falsch, gnädiger Herr Custos?“

Nun da eine Redepause die Stimmung am Tisch ein Gefühl der Unannehmlichkeit verbreitete räusperte Orinka sich und griff zu ihrem Bierkrug. Dann sprach sie: „Euer Gnaden, ich muss schon sagen, Ihr redet nicht lange um den heißen Brei herum und kommt doch schnell zur Sache. Das ist eine durchaus angenehme Angewohnheit, wie ich bemerken darf. Es wurde ja bereits verkündet das der Baron vorhat einige Stellen zu besetzen. Jedoch wie die Edle Rondriane schon anmerkte, wäre es durchaus hilfreich zu wissen nach welchen Fähigkeiten der Baron sucht. Da wir ja nun, wie mir scheint, alle nicht wissen um was es geht, nutze ich die Gelegenheit hier meine Hilfe anzubieten. Ich verfüge über eine recht gute Beobachtungsgabe und kann sicherlich ein Juwel von einem Blender unterscheiden wenn ich es vor mir habe. Auch das verwalten und Organisieren liegt mir. Ich denke ich konnte durch ein paar kleine Änderungen in Steinbrücken das Gemeinwohl schon durchaus verbessern. Ich bin der Meinung das ich Familiär bedingt über hilfreiche Kontakte verfüge und bin immer darum bemüht diese weiter auszubauen. Es gelang mir den Herrn Mokosch Alhanjeff als Geweihten für einen verwaisten Tempel in Steinbrücken zu gewinnen und diesem im Namen der Heschinja wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Gemeinsam mit der guten Schwester Istar vom ansässigem Perainetempel. Werden die Gottesdienste regelmäßig und für jedermann abgehalten. Zusammen versuchen die beiden gerade eine Stätte für Wissen und Heilung zu errichten um Ihre Kenntnisse darin zu vertiefen und sich um die Bedürftigen zu kümmern. Ich plane gerade junge Männer und Frauen zu guten Handwerkern zu machen, sowie meine Sohn in eine Knappschaft zu bringen. Nur falls es euch interessiert, euer Gnaden, in der Heschinja gefälligen Büchersammlung des Herrn Mokosch konnten wir einige alte Rezeptbücher finden und Probieren gerade ein für Steinbrücken typische Spezialität zuzubereiten. Falls ihr Interesse habt. würde ich mich darüber freuen, wenn ihr uns einen Besuch abstattet, um selbst die Köstlichkeiten zu versuchen und uns zu helfen eine Steinbrücker Spezial zu finden.

Nun, ich hoffe ich habe euch einige interessante Seiten präsentieren können. Alles weiter würde ich mir vorbehalten dann zu besprechen, wenn es ein konkretes Anliegen gibt“. Zufrieden lächelnd lehnte Orinka sich zurück und schaute gespannt in die Runde. Mit einen Auffordernden Gesichtsausdruck in Richtung Xorgolosch versuchte sie ihn zu Wortergreifung zu animieren.
Der Kaplan verschluckte sich, stellte den Kelch ab und hustete. ´Torsionsgeschütze? Heschinja? Rezepte? Es wird ja immer schlimmer.´, dachte er bei sich. „Gemach, werte Gäste … wie gesagt, ich weiß leider auch nichts genaueres. Sicherlich gefestigte Göttertreue sollte eine Voraussetzung sein.“, sagte er hastig. „Mit Heschinja meint ihr die … weise Hesinde? Woher stammt ihr, Euer Wohlgeboren Orinka? Verzeiht, aber eure Wortwahl, wie auch euer Name, hört sich nicht sehr nordmärkisch an. Und so schlimm wird das nicht werden mit dem singen, ich werde Euch unterstützen. Das wird dem Baron sicherlich gefallen.“
Orinka, kurz abgelenkt von dem umliegendem Geschehen, besann sich jedoch schnell wieder und vernahm die Frage. Sie lächelte, während sie in Gedanken ihr Antwort formulierte. „Nun euer Gnaden das freut mich das ihr Fragt. Mein Geburtsnahme ist Orinka Alhanjeff, ich stamme aus der Familie der hier ansässigen Alhani ab. Meine Schwester und gleichzeitig die Muhme unserer Mechpoche ist die Edle von Ulenau Heshinja Alhanjeff von Uhlenau. Den Namen Kieselgrund trage ich seit ich mit mit meinem verstorbenem Mann Randolf den Bund der Travia eingegangen bin. Und gewiss meine ich mit Nennung der Heshinja die allwissende Hesinde. Die Alhani haben eine tiefe Verbindung zu Heshinja und aus diesem Grund freute ich mich sehr als Mokosch sich entschloss seinen Hort des Wissens in Steinbrücken zu eröffnen."

`Alhani? Waren das nicht so was wie Norbarden? Besser gesagt, wie die Zaohri? Ein Menschenschlag ohne Recht und Ordnung?´ Der Kaplan schüttelte innerlich den Kopf. Es wurde immer schlimmer. Ohne auf die Edle weiter einzugehen ließ er die anderen Gäste weitersprechen.

Unterdessen nahm Xorgolosch den Blick von Orinka war, zögerte jedoch und war erleichtert, dass der Kaplan eingesprungen ist. Er würde sich bei diesen Gesprächen erst einmal zurück halten. Er hatte mit seinen Minen schon genug zu tun. Wobei ihm bei den Aussagen Luxurr heiß wie siedendes Öl eingefallen ist, dass ja auch sein eingelagertes Torsionsgeschütz unbedingt einer Inspektion bedurfte. Auf seine Nachbarschaft kann er da bestimmt zählen.

Er freute sich nun schon bald sein Pfeiffchen anzustecken, sobald das Mahl beendet war.
Während die anderen sich unterhielten, war Luxurr für einen Moment in Gedanken versunken. Er grübelte über die Bemerkung nach, die er in seiner Heimat aufgeschnappt hatte, dass die höfische Jagdgesellschaft am kommenden Morgen vermutlich singen würde, um für eine erfolgreiche Jagd zu beten.

„Verzeiht, werte Damen und Herren,“ wandte er sich während einer kurzen Gesprächspause schließlich an die Tischrunde. „Hier wird gesungen, um die Götter um Erfolg bei der Jagd zu bitten? Ich dachte immer, der Bärengott mag es eher ruhig. Oder war das nur der Rabengott? Nun gut… Ich bin im Singen nicht sonderlich geübt, möchte aber meinen Teil beitragen.
Wenn ihr mir etwas Zeit gebt, werde ich mich morgen früh umgehend auf die Suche nach einigen wohlklingenden Steinen und Felsbrocken machen, um euch dabei zu begleiten.“ Luxurr nestelte etwas umständlich eine an einer bronzenen Kette befestigte Stimmgabel unter seinem Bart hervor und hielt sie in die Höhe. „Diese hier habe ich für genau solche Gelegenheiten immer mit dabei,“ sagte er mit einem liebevollen Blick auf das kleine Werkzeug. „Möchte mich jemand begleiten?“ Er warf einen Blick in die Runde und sagte enthusiastisch: „Ich werde beim Tragen sicherlich Hilfe gebrauchen.“ „Singende Steine? Ja, ähm, ich denke unsere Stimmen reichen. Vielleicht sollten wir das doch nach der Jagd in Angriff nehmen.“ Praiofan wurden diese Gäste immer fragwürdiger.

Bei diesen Vorstellungen wurde Meingard ganz anders zumute. Wenn in so kurzer Zeit so viele Verbesserungen eingeführt wurden, muss es vorher ja drunter und drüber gegangen sein - dachte sie sich und nahm einen Schluck von ihrem Gebräu. Eifrig überlegte sie, ob und wie sie sich in das Gespräch einbringen konnte. Still am Tisch zu sitzen wirkte vermutlich uninteressiert, was auch stimmte, aber vielleicht noch schlimmer, dümmlich. Und diese Blöße wollte sie sich nicht geben. „Euer Gnaden, bitte verzeiht, wenn ich frage, aber inwiefern steht Ihr mit dem Handelshaus Ratsburger in Verbindung?“ Sein Blick wurde müde. „Bevor ich von Praios erhört wurde, gehörte ich zu dieser dereischen Familie. Doch nun stehe ich mit Leib und Seele im Dienste der Götter. Nun, hegt ihr Handelsinteressen?“, fragte Praiofan.

Meingard überlegte, was sie auf diese Gegenfrage antworten sollte. „Ich denke, es kann nie schaden, gute Beziehungen zu einem Handelshaus zu pflegen. Einige Waren sind rar oder kommen von weit her. Zugleich ist eine jede und ein jeder angespornt, seine eigenen Waren zu einem möglichst guten Preis zu veräußern. Das Gut meines Vaters lebt nicht vom Wein, sondern von dem, was durch das Veräußern des Weines eingenommen wird. Ich bin mir sicher, er hat stets Interesse daran, seine Beziehungen zu Handelshäusern auszubauen.“

Der Kaplan machte sich an die Reste seiner Rebhühner zu schaffen. „Nun, leider kann ich diesbezüglich nicht weiterhelfen. Doch gebe ich eure Anfrage gerne an die Gäste weiter.“ Nun machte er sich daran fein säuberlich die Knöchelchen des Rebhühnchens fleischfrei zu halten.
Orinka widmete sich ihrem Mahl und lachte innerlich über den Tanz der Augenbrauen des Kaplans als sie ihr Herkunft preis gab. `Offensichtlich fördere ich nicht gerade das Interesse des Gliechem, ùmso besser.` dachte sie. Nachdem ihr Hunger vorerst gestillt war, suchte sie den Tisch nach Nachspeisen ab. Sie lauschte aufmerksam dem Gespräch am Tisch und vernahm das die edle Meingard offensichtliche Handelsabsichten hatte. Orinka machte sich wiederum in Gedanken einen vermerk dieses Thema mit Meingard nochmal zu besprechen.

Als der Kaplan mit seinem Mahl geendet hatte, erhob er sich. „Es war mir eine Egre mit Euch gespeist zu haben. Doch der Herr Praios wird sein Auge wieder früh erheben.“ Er verneigte sich und ging. Offensichtlch war das Abendmahl beendet.

Aufbruch!

Der Morgen kam frisch und klar ins Land. Leichter Nebel hing über dem Fluss und erzählte, dass der Herbst längst ins Land geschritten war - dem tiefblauen Alveranszelt, das sich über tiefgrünen Weiden und abgeernteten Stoppelfeldern spannte, längst zum Trotze.

Die Jagdgesellschaft hatte sich mit Rossen und Falken vor der Burg eingefunden, prächtig geschmückt und mit schön herausgeputztem Fußvolk mit Hunden und geflochtenen Körben, in denen die erwarteten Fänge verwahrt werden konnten.

Der junge Baron, Liafwin von Fadersberg, war von zierlicher, drahtiger gestalt, doch angetan mit kostbaren Gewändern aus feiner Wolle, die mit goldenem Faden bestickt waren. Sein halblanges, blondes Haar war mit Pomade nach hinten gekämmt, Er saß auf einem eleganten Apfelschimmel, einem Elenviner Vollblut mit langer weißer Mähne und Schweif, das ob der vielen Menschen aufgeregt tänzelte.

“Ich freue mich, dass Ihr alle, meine lieben Nachbarn, meiner Einladung gefolgt seid.” wandte er sich an seine Gäste. Viele waren es, und er war sich sicher, dass einige die Neugier, andere aber die Aussicht auf eine gute Anstellung am Baronshofe hierher gebracht hatte. Unter Garantie aber brachte ihm, dem jüngsten und am genauesten beäugten der Barone im Umland, dies aber die um so kritischere Beobachtung seiner Nachbarn. Jeder Fehltritt bei seiner Jagd, jedes Mißgeschickt, würde ihm, dem Neuen, voraussichtlich auf Götterläufe vorgehalten werden.

Um so wichtiger war es, dass die Jagd nicht nur ohne Zwischenfälle ablief, sondern zu einer Veranstaltung wurde, die seine Gäste begeisterte. Er hatte keine Mühe - und keine Kosten - in der Vorbereitung gescheut, so dass nach seinem Dafür tun der Tag ein kurzweiliger und das Bankett am Abend eine überwältigende Angelegenheit zu werden versprach. Und selbst die Götter schienen mit Wohlgefallen auf sein Unterfangen zu blicken - der Tag war trocken und wenig windig und gab das Seine, um die Jagd zu einer frohen Lustbarkeit zu machen.

“Ehe wir uns aber vor das Angesicht des gestrengen Herrn Firun begeben, wollen wir noch seinen Segen und den seiner elf göttlichen Geschwister erbitten, auf dass dieser Tag sein Wohlwollen finde. Ehrwürden Ratsburger, mögt Ihr uns diese Ehre erweisen?”

Der Kaplan saß, ebenso wie die Jagdgesellschaft, hoch zu Roß, in seinem Falle auf einem glänzend gestriegelten Braunen mit schmaler Blesse, an dessen auf Hochglanz gewienerten Prunkgeschirr kein Fleckchen zu sehen war. Obgleich das Tier, ein grobknochiger Warmblüter und im Auftreten und Erscheinungsbild seinem Reiter darum nicht unähnlich, von einer Stallmagd am kurzen Zügel gehalten wurde, machte Seine Ehrwürden keinen besonders glücklichen Eindruck. Eine Hand hielt er am Sattel, in der anderen fasste er die kurze Kette eines Weihrauchschwenkers.
Vorsichtig löste er seine freie Hand und hob sie in einer Segensgeste gen Alveran. “Möge der gestrenge Herr Firun, der gerechte Herr Praios und ihre zehn göttlichen Geschwister ihre Augen auf die hier Versammelten richten.”

Langsam setzte sich sein Roß in Bewegung und umrundete die Gäste, so dass ein jeder von ihnen von den duftenden Schwaden des schwelenden Weihrauchs berührt wurde.
“Seid euch allezeit eingedenk, dass Ihr als von Praios eingesetzte Verweser Seines Landes Schutz und Schild all seiner Untertanen seid. Aufrecht und recht sollen Eure Taten sein, frei von Hinterlist und Falschheit, so wie es auch der Herr Firun lehrt. Messt Euch in rechtem Kampf mit dem Wild, auf dass ihr euch reicher Beute für würdig erweist!” Sein Ross war wieder am Ursprungsort angekommen und spielte zufrieden mit den Ohren, während es auf seinem Gebiss kaute. Ein Helfer trat hinzu und übernahm den Weihrauchschwenker, so dass der Kaplan beide Hände frei hatte, die er mit offenen Handflächen gen Alveran führte.

“Der Segen der Götter sei auf euch an diesem Tage! So sei es!”

“So sei es!” wiederholte der Baron die Worte. „So sei es!“, murmelte Xorgolosch fast unhörbar in seinen Bart. Er stand am Rand des großen Pulkes von herausgeputzten Persönlichkeiten. Er schob sich seine Pfeife wieder in den Mund und wendete sich zu seinem Pony neben sich. „Das wird bestimmt ein Spaß“, sagte er und streichelte die Stirn und die Nüstern des Tieres. Das Pony war mit einer schön bestickten Decke ausgestattet, über dem mit breiten Lederriemen große Taschen an beiden Seiten angebracht waren. Seine Armbrust war oben auf dem Rücken geschnallt, seine Ogerschelle und eine Handaxt lugten aus eine der Taschen. „Ich hoffe nur die Langbeiner reiten nicht so schnell. Wir beide haben ja nicht gerade die längsten Beine zum laufen.“, presste der Zwerg zwischen Lippen und Pfeife heraus und paffte dabei eine kleine wohlriechende Wolke in die Luft. „So sei es!“, ewiderte Meginhard von Scharzdorn beinahe schon feierlich und blickte zu dem älteren Mann direkt neben sich, der den Jagdfalken des Edlen trug und den Segen ebenfalls wiederholte. „So sei es!“, rief Hadelind von Haffenberg, Vögtin von Bitterburg, feierlich heraus. Die äußerst attraktive Adlige saß auf einem weißen Pferd und zwinkerte Meginhard keck zu.

„So sei es.“ Mit fester Stimme bekräftigte Eichward den Segensspruch des Kaplan. Auf seinem kräftigen Fuchsfalben sitzend, angetan für die Jagd in grüner, gefütterter Leinenkleidung richtete er sich im Sattel auf. Der Jagdfalke, den er auf der behandschuhten Hand trug wirkte im Vergleich zu Pferd und Reiter fast ein wenig klein. Links am Sattel hing ein kurzer Bogen mit einem Köcher voll einem Dutzend Pfeilen, rechts ein Sauschwert mit in die Klinge eingelassenem Knebel. Stoisch und ruhig stand das kriegserfahrene Ross zwischen denen der übrigen Gesellschaft, bereit sich auf ein Zeichen seines Reiters in Bewegung zu setzen. „So sei es“, klang es aus den Kehlen Reginhards und Meingards. Von ihm kraftvoll und wohlklingend, von ihr eher etwas halblaut. Beide hatten ihre Bögen und Klingen parat. Mit einem Schmunzeln beobachtete Reginhard das Zwinkern der Vögtin von Bitterburg.

“So sei es?“, murmelte Luxurr fragend und sah sich um, was die übrigen Gäste taten. Da um ihn herum alle dieselbe Schlussformel sprachen, schloss er sich an und wiederholte noch einmal deutlich lauter: „So sei es!“ Anschließend widmete er sich wieder seiner kunstvoll aus Eschenholz und Stahl gefertigten Armbrust, die er an den Packsattel des Zwergenponys schnallte, das neben ihm an einem Holzpfosten angebunden war. Sie sollte nicht zu Schaden kommen, falls die Jagd in ein wildes Getümmel ausartete. „So sei es!“ rief Waldemar mit seiner tiefen Bassstimme und übertönte damit die Worte der um sich stehenden Flussgrunder. Er sass auf einem stämmigen Tizamtaler und hielt seine sich ruhig verhaltende Blaufalkin auf seinem Lederhandschuh. Elko sass sicher im Sattel seines geliebten Elenviner Vollbluts Sulva. Nur der Bewegung seiner Lippen, liess sich entnehmen, dass er wohl auch in die allgemeine Bekundigung eingestimmt hatte.

Ein in die anderen Stimmen einstimmendes „So sei es“ kam auch aus Isavenas Richtung, doch blickte sie gar nicht so sehr zum Kaplan, um der Segnung ganz ihre Aufmerksamkeit zu schenken, sondern sie musterte vielmehr mit großem Interesse die anderen Jagdteilnehmer und registrierte mit forschender Neugier die Details ihrer Ausrüstung und Jagdkleidung.
Sie selber war in die weiche Wildlederhose von gestern Abend gewandet, deren Säume florale Verzierungen trug. Der morgendlichen frischen Luft trotzte die Junkerin mit einem wollendem Wams und darüber einer gesteppten Jacke. In der Hand hielt sie ein paar wildledernde Handschuhe, die die selbe Ornamentik wie an ihrer Hose aufwiesen.
Hinter Isavena wartete ihr geliebtes Pferd Eppo, auf Hochglanz gestriegelt und für die Jagd zurechtgemacht, und Fredo, Isavenas Stallmeister, der Eppo für die Zeit der Segnung und der nötigen Ansprachen hielt, als auch Isavena Jagdvogel bewahrte, bis die Junkerin endlich aufstieg.

Theodara saß auf ihrer sehnigen Stute, sie trug die gleiche Gewandung wie am Abend zuvor. Allerdings hatte sie ihre Narbe an der Hand unter weichen Wildlederhandschuhen verborgen, Bogen und Jagdspieß waren zur Hand. Sie schaute sich die Jagdgesellschaft an und seufzte leise für sich. `Lieber wandle ich alleine auf den Spuren des weißen Jägers`schoß es ihr durch den Kopf.
Sie rang sich ein Lächeln ab und stimmte in die Rufe der Gesellschaft ein „ So sei es. Möge Firun`s Auge auf uns liegen“ Orinka saß auf ihrer grauen Stute und tätschelte ihr liebevoll den Hals. Sie mochte die Stute sehr, trug sie sie doch schon lange sicher auf ihrem Rücken. Gewiss war sie nicht das jüngste und stärkste Pferd hier, ja nicht einmal das schönste, aber für Orinka war sie ein treuer Begleiter, seit vielen Jahren schon. Orinka trug Kleidung aus weichem Wildleder Ihren Oberkörper schütze ein wattierter Waffenrock. An ihrem Gürtel hing ein gepflegtes Schwert.
Als der Kaplan mit seiner Messe geendet hatte, richtete sie sich im Sattel auf und ließ ihren Blick über die Jagdgesellschaft gleiten. ´Nun den´ dachte sie ´vielleicht gewährt mir die allwissende ja doch einen Erfolg. Sie lenkte ihr Pferd geschickt mit leichtem Schenkeldruck durch die Anwesenden Blickte sich um.
Efferdane hatte ein wenig Probleme ihr Pferd zu zügeln. Die Reiterei lag ihr nicht so sehr. Nicht das sie Pferde nicht mochte, sie hatte in ihrem Noviziat nur sehr selten die Möglichkeit dazu gehabt. „Ich hoffe ich blamiere mich nicht und lande im Graben.“ dachte sie grimmig bei sich.

Nordmarken Barsch2.png

Kaum ein Wölkchen war am Himmel, dass das Strahlen des Praiosschildes zu dämpfen wagte. Hell lag das Sonnenlicht über den prachtvoll gekleideten Adligen, gerade so, als weise der Fingerzeig der Götter als gutes Omen auf den Tag.

“Nun aber lasst uns aufbrechen! Nehmt eure Falken! Und folgt mir!” Liafwin ließ sich einen grauen Gerfalken reichen, den er auf seinen kunstvoll verzierten Falknerhandschuh setzte. Das Tier wandte unter seiner Haube den Kopf, blieb aber ansonsten ruhig sitzen - nicht zum ersten Mal schien es mit dem Fadersberger zu jagen. Dieser gab seinem Ross die Sporen und führte seine Gäste hinaus auf die Wiesen am Fluss, die nun, nach der zweiten Heumahd, kurz und bestens geeignet für einen belebenden Ausritt waren.

Nordmarken Barsch2.png

Die Edle Gundula von Zweigensang stand etwas abseits mit ihrem Gefolge. Die schwere Frau trug ein helles Leinenhemd mit grüner Borte, das sichtlich unter einigen Flecken unbekannter Herkunft litt. Ein weite Reiterhose aus schwerer grauer Wolle ließ sie sogar noch voluminöser Wirken, als sie eigentlich war und der breiter Ledergürtel um ihren Hüften schmälerte dieses nicht. Wie immer trug sie ihr strähniges, karottenrotes Haar offen und war mit Kurzbogen, Köcher und Proviantbeutel ausgestattet. „Na folgen wir. Gerne nach euch, Euer Gnaden.“, sagte sie gelangweilt zu Waldemar dem Firun-Geweihten und biss wieder in einen Apfel. Die abweisenden Blicke der Vögtin von Bitterburg und weiteren Gästen entgingen ihren Begleitern nicht.

„Sehr wohl euer Wohlgeboren"! Waldemar achtete kurz auf die Reaktion der anderen Gäste, legte sein Augenmerk aber schnell auf die Landschaft um ihn herum. Er versuchte alles wahrzunehmen, weitete sein Blickfeld, versuchte das leiseste noch hörbare Geräusch wahrzunehmen, die Richtung des Windes zu spüren und seinen Geruchssinn zu schärfen, was angesichts der vielen Parfümdüften um ihn herum schwer war. Erst dann schaute er sich nach seinen Gefährten um.

Elko ließ seine Stute im Trab neben seinen Onkel aufmarschieren. Wäre er sich der Anwesenheit all dieser feinen Dam- und Herrschaften und insbesondere des Barons nicht so bewusst, er würde wohl seine Sulva in einen wilden Galopp über die gemähten Wiesen fallen lassen. In der Tat schien sein Reittier unruhig darauf zu warten und er musste es schon sehr zügeln, um seinen Onkel Waldemar nicht zu überholen.

Nordmarken Barsch2.png

Ein knapp 30-jährige Mann mit kurzen, dunkelbraunen Haar und rasierten Gesicht angenhemen Gesicht achtet ritt neben Reginhard von Kropfenhold. Alle Falten an seinem Wappenrock und Kleidung saßen perfekt und keinen einzelnen Faden zogen sich die Hemden am Bund. „Firun zum Gruße! Gerdor von Hamrath, Edler von Kronau mein Name. Leider bin ich erst an diesem Morgen eingetroffen.“, sprach er seinen Rittnachbarn an. “Ich liebe die Jagd, es ist jedes Jahr ein Vergnügen, wenn nur die Zweigensangsche nicht dabei wäre.” Sein Blick wanderte zu einer kräftigen Adligen. „Mit wem habe ich das Vergnügen Firuns Ruf zu folgen?

„Reginhard von Kropfenhold“, antwortete sein Rittnachbar und lächelte charmant. „Da habt Ihr Recht. Klare Luft, Wind im Haar und doch zugleich ein Messen mit den Kräften der Natur.“ Sein Blick verharrte einen Moment auf dem Gesicht seines gegenüber. „Wenn ich Euren Kommentar aufgreifen darf - weshalb diese Verunstimmung durch Eure Nachbarin?“

„Sehr erfreut, Hoher Herr von Kropfenhold. Und verzeiht mein Kommentar, wir sollten mit freien Herzen auf die Jagd ziehen. Und wir müssen ja nicht mit jedem gemeinsam die Fährten aufnehmen. Ihr seit Herr eines Gutes?“ Der Edle wirkte wie eine ehrliche Haut. Reginhard wartete für einen Augenblick mit seiner Antwort und beobachtete interessiert die Gesichtszüge des Edlen von Kronau. Etwas wunderlich war dieser Kommentar schon. „Da stimme ich Euch zu. Mit freiem Herzen und innerer Ruhe. Schließlich wollen wir dabei dem Herren Firun nahe sein.“ Er lächelte gewinnend.

„Ich kann mich nicht Herr eines Gutes nennen. Vielmehr vertrete ich hier meinen Vater, Gerbrand von Kropfenhold, der diesen Besuch leider nicht persönlich antreten kann. Mein Vater ist Edler des Guts Erlengrund, Fuchsgau. Er - und auch ich - erhoffen uns, ein paar neue Bekanntschaften zu machen und die Bande zwischen den Häusern zu stärken. Wenn ich fragen darf, was führt Euch hierher? Als Edler von Kronau werdet Ihr vermutlich nicht an einer Anstellung am Hofe des Barons suchen.“

„Ah, der hohe Herr von Kronau“, mischte sich Meginhard von Schwarzdorn in die Unterhaltung ein und ritt neben den Angesprochenen. Der alte Jagdmeister Meginhards folgte ihm, ließ jedoch einigen Abstand, sodass er nicht in Verdacht kommen sollte, dem Gespräch neugierig zu lauschen.

„Es freut mich, dass ihr es noch zur Jagd geschafft habt!“, fuhr der Junker fort. Dann erst schien es sich dessen bewusst zu werden, eine Unterhaltung gestört zu haben, weswegen er sich räusperte und verlegen ergänzte: „Verzeiht, ich wollte nicht stören.“ Das Gesicht Gerdors hellte sich auf. „Herr Vogt, wie schön. Ihr stört nicht. Ich habe mich gerade mit dem Hohen Herrn Reginhard von Kropfhold bekannt gemacht. Wir sprachen gerade über die Gründe unseres Besuches. Ihr kennt euch?“
Reginhard nickte dem Vogt freundlich zu und ließ es an ihm dem Hohen Herren von Kronau zu antworten.
Meginhard nickte eifrig. „Jaja, wir haben uns gestern auf dem Empfang seiner Hochgeboren kennengelernt und bereits fruchtbare Bande geknüpft!“ Ein zufriedenes Lächeln zeigte sich in Meginhards Gesicht.
Eine weitere Reiterin gesellte sich zu ihnen. Die mitt- dreißigjährige Adlige war eine gutaussehende Frau, mit freundlichen Gesicht. Sie trug ihr braunes Haar zu einem langen Zopf geflochten, den sie rechterhand an sich herunterhängen ließ. Ihre auffälligen grüne Augen, die sie mit etwas Kohleschminke betonte, suchten diese von Meginhard. Sogleich errötete Gerdor. „Oh, Frau Vögtin! Welch eine Freude euch hier zu sehen!“, sagte dieser und es war deutlich das er sie kannte. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Wohlgeboren von Hamrath! Hadelind von Haffenberg, Vögtin von Bitterburg mein Name. Es scheint wir sind eine gute Runde für die Jagd.“

„Bitterburg, Bitterburg…hmmm…“, Meginhard schien einen Augenblick angestrengt zu überlegen, ehe er fortfuhr: „Liegt das nicht auch im Fuchsgau? Oder sogar schon in den Bollharschen?“, frug er die Vögtin.
„Ihr habt recht, Fuchsgau. Ihr sollten einmal zu Besuch kommen.“ Wieder zwinkerte die schöne Frau ihm zu.
Reginhard lauschte gespannt dem Dialog, der sich da grade auftat. Meingard hielt sich in der Nähe ihres Bruders. Eine Jagd, so erheiternd sie auch sein mochte, war nicht selten ein Ereignis seltsamer Unfälle, die Erbereien beschleunigten oder Neubesetzungen nötig machten. Zumindest hatte sie das einmal von einem Auftraggeber erzählt bekommen. Und als Plötzbognerin konnte sie es sich nicht leisten, dass ihr Bruder Opfer eines solchen Umstandes wurde. Sie hatte schließlich einen Ruf zu verteidigen. Ja, und sie mochte ihren Bruder auch zu sehr.

Meginhard nickte der Vögtin eifrig zu. „Ja, selbstverständlich, sehr gerne! Ich habe gerade erste Bande in den Fuchsgau geknüpft!“ Er machte eine kleine Pause und sah währenddessen lächelnd zu Reginhard, ehe er sich wieder Hadelind zuwandte und weiter sprach. „Ihr seid freilich auch zu uns nach Schlehbronn eingeladen. Wir bewohnen dort zwar nur einen zugigen Wehrhof, aber in Schlehberg haben wir ein kleines Haus, das auch von Gästen bewohnt werden kann!“
„Und ihr auf die Bitterburg!“, sagte die Vögtin und Meginhard lächelte daraufhin zufrieden.

Nordmarken Barsch2.png

Das Schlusslicht machte ein großer, leicht untersetzte Adliger in schwarzer Gewandung, schwarze Stiefel, schwarze Hose, weißes Hemd unter schwarzer Jacke, auf einem schwarzen Pferd. Seine schwarzen Haare lagen glatt bis auf die Schulter und sein Blick aus den grünen Augen wirkten durchbohrend und stechend. Ob dieser Freude an der bevorstehenden Jagd hatte, konnte man schwer einschätzen. Überraschenderweise beschleunigte er seinen Ritt und verlangsamte ihn neben Eichward von Feuerberg.

Während er noch versuchte die Schar der Reiter und Begleiter zu überblicken, nachdem der Kaplan sein Gebet beendet hatte, wurde Eichward der schwarzen Gestalt gewahr, die sich neben ihm in die Kavalkade einreihte. Mit einem interessierten Seitenblick musterte er den Neuankömmling und begrüßte ihn dann. „Seit gegrüßt, Herr von Schleckenbronn.“ Einen Grund würde er sicher haben, so gezielt neben Eichward zum Stehen zu kommen. „Es freut mich, dass ihr es ebenfalls zur Jagd geschafft habt, werter Nachbar. Da sind wir Kyndocher ja überaus zahlreich vertreten bei diesem Waidwerk.“ Mit einem Schenkeldruck setzte Eichward sein Pferd in Bewegung uns passte sein Tempo dem des Rappen seines Nachbarn an. „Ihr seit heute morgen erst eingetroffen? Aber von Quellburg hierher ist es ja auch nur ein Katzensprung…“
Der blasse Mann schaute den Edlen von Zollstein direkt an. „Boron hat sich dieser Jagd angeschlossen. Ihr seit vorbereitet, Wohlgeboren Feuerberg?“ Der Geruch von alten Weihrauch kam vom Junker aus.
„Natürlich, natürlich, Wohlgeboren Schleckenbronn, ich führe alles mit, was wir für den heutigen Tag brauchen sollten,“ antwortete Eichward. „Aber ich hoffe doch, Boron wird sein Auge am heutigen Tag nur auf unsere Beute richten, und die edle Gesellschaft verschonen.“ Sein Blick galt jetzt dem schwarzen Pferd seines Nebenmannes. „Euer edles Tier, aus welcher Zucht stammt es, wenn ich fragen darf? Rabensteiner? Galebquell?“ Die Antwort war knapp: “Rabensteiner.“ Dann deutete er auf seinen Hirschfänger am Gürtel. „Boron verschont niemanden.“ Dann gab er seinem Pferd die Sporen und entfernte sich von Eichward. Doch bevor er sich wundern konnte, war die nächste Gästin neben ihm. Mit einem leichten Kopfschütteln folgte Eichward seinem Nachbarn. Aus dem Schleckenbronner wurde man einfach nicht schlau… und eine vernünftige Konversation zu führen war ein mühsames Geschäft. Als sie bei Efferdane ankamen, die verträumt über das Land zu blicken schien und mit der er gestern Abend bereits am Tisch gesessen war, hielt er sich zunächst zurück um dem Neuankömmling die Gelegenheit zu geben sich mit der Dame bekannt zu machen. Auch wenn er sich kaum vorstellen mochte, wie das aussehen sollte.
Doch dieser ritt weiter weg und schien keine weitere Interesse zu zeigen.
Efferdane blickte über die Landschaft und lächelte.
„Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich zuletzt auf einer Jagd war. Ich muss noch ein Kind gewesen sein. Lange ist es her, so man den Fischfang nicht auch als Jagd bezeichnen kann. Viele Tugenden, die einen Jäger an Land auszeichnen, benötigt ein Fischer ebenso. Geduld, manchmal stundenlanges warten, in Stille verharrend. Einen wachsamen Blick und dann geschickte Hände und Finger, auf das ihm die Beute nicht doch noch entgleitet.“
Etwas verdutzt brachte Eichward sein Pferd neben dem Efferdanes zum Halt. „Nun, Teuerste, wie mir scheint hat uns das Schicksal erneut beinander gestellt. Entschuldigt, ich hatte eigentlich erwartet der Herr von Schleckenbronn würde sich mit Euch bekannt machten wollen, aber anscheinend treiben ihn seine Gedanken schon weiter… wollen wir uns sputen und dem Herrn Baron mit seiner Schar folgen, bevor sie uns vollends enteilen?“ Dabei nahm er erwartungsvoll zu Efferdane blickend die Zügel etwas hoch und sah dann über die Schulter, ob sich ihnen noch andere Gäste anschließen mochten, bevor er schließlich seinem Fuchsfalben mit einem Schenkeldruck zu verstehen gab, der bereits enteilenden Rotte des Barons zu folgen, in der Hoffnung, dass Efferdane sich ihm anschließen mochte.
Efferdane versuchte so gut es ging ihm zu folgen. „Wartet mein Herr….Wir Diener Efferds sind selten die wildesten Reiter. Wenn dann nur auf den Wellen… Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Mit einem knappen „ho,“ nahm Eichward sein Pferd etwas zurück um Efferdane die Möglichkeit zu geben aufzuschließen. Immerhin war dies eine gemeinschaftliche Jagd. An ihrer Seite ritt er dann dem Baron und der übrigen Gesellschaft hinterher, stets darauf achtend, das sie nicht den Anschluss verlor.
Efferdane schloss auf, hob die Hand zu einem dankbaren Gruß an Eichward.So langsam wurde sie etwas sicherer im Sattel. „Aber Efferdpferdchen sind mir dann doch lieber.“ murmelte sie.

Nordmarken Barsch2.png

Isavena saß auf ihrem Pferd Eppo und befand sich inmitten der anderen Adligen, welche dem Baron folgten. Mit aufkeimenden mulmigen Gefühl sah sie sich immer wieder beklommen um und war sich das erste Mal auf dieser Reise nicht so sicher, ob sie hier richtig war. Etwas verloren blickte sie hierhin und dahin, wandte sich gar nach hinten um, den Sperber auf ihrem behandschuhten Arm dabei wohl balancierend. Die Gesichter waren ihr zum großen Teil bekannt, hatte sie doch etliche beim gestrigen Abendmahl ausgiebig betrachten und einige davon gar persönlich sprechen können, aber hier und da erblickte sie auch stirnrunzelnd neue Antlitze. Beim herumschweifen lassen fiel ihr Augenmerk dann auf die Zwerge, deren Anwesenheit sie beim Mahle schon aufregend sonderbar fand und gab sich einen Ruck.

Kurzerhand ließ Isavena ihr Pferd antraben, so dass sie rasch zu den Herren aus dem kleinen Volk aufschloss. „Ich grüße die Herrschaften“ meinte Isavena mit einem freundlichen Lächeln und einem angedeuteten Nicken. „Isavena von Leuenstolz mein Name, Junkerin von Knechtstett aus der Baronie Fuchsgau“ stellte sie sich vor und blieb dann mit dem Blick auf der herauslugenden Ausrüstung des Zwerges neben sich hängen.

„Ihr führt eine interessante Ausrüstung mit euch, werter Herr ….?“ stockte sie fragend und hoffte, dass der Angroscho neben ihr sich vorstellen würde.

Der Angesprochene sah zu der Reiterin auf, die ihn auf seinem Pony um mehrere Häupter überragte. „Luxurr, Sohn des Lagalrix, ist mein Name.“ Der Zwerg versuchte die Junkerin einzuschätzen, kam aber zu keinem Ergebnis. Er hatte sie sich am Vorabend am Nachbartisch lebhaft unterhalten sehen, aber nicht viel von den dortigen Gesprächsthemen mitbekommen.
„Ich hüte die Xoramswand in der Vogtei Brüllenbösen“, ergänzte er seine Vorstellung knapp, aber höflich. „Auf welchen Teil meiner Ausrüstung bezieht sich Eure Bemerkung, werte Dame? Auf die hier?“ Luxurr hob die Armbrust ein wenig an, die zu seiner Linken am Packsattel des Ponys festgeschnallt war. „Oder auf die hier?“ Der Zwerge klopfte mit seiner Rechten auf einen der beiden Feldsteine, die die Größe kleiner Kürbisse hatten und die er mit Lederriemen und einer Packdecke hinter sich befestigt und abgepolstert hatte. Die eisblauen Augen Isavenas folgten den Gesten des Zwerges und es schlich sich ein ziemlich überraschter Ausdruck auf ihre Miene, als sie den Feldsteinen ansichtig wurde.
Mit einem freundlich, offenen Lächeln nickte sie Luxurr zu. „Beides, werter Herr Luxurr!“ entgegnete Isavena der Frage. Dann zeigte sie mit etwas Verzögerung erst in Richtung Armbrust, anschließend auf die Steine.
„Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich eine Armbrust zur Jagd eignet. Noch habe ich je davon gehört, dass wer damit großen Jagderfolg gehabt hätte. …. Und wozu benötigt ihr Steine?“ „Aber natürlich eignet sich eine Armbrust zur Jagd!“, sprang Xorgolosch in die Unterhaltung mit ein. „Verzeiht, Xorgolosch Sohn des Fuldoram mein Name, Edler der Erzwacht, ebenfalls aus dem Brüllenbösen.“, er lächelte und zog das Kinn leicht nach unten - einen Gruß angedeutet.
Auch er griff neben sich und tätschelte achtsam das Holz seiner Armbrust während er weiter sprach. „Armbrüste eignen sich nach meiner Auffassung hervorragend für die Jagd. Sie sind präzise - insbesondere die Waffen, die von den Meistern unseres Volkes angefertigt werden - und durchschlagskräftig. Im Gegensatz zu Bögen kann man ohne Kraftanstrengung zielen bis zur Schussabgabe. Allenfalls bei der Reichweite können diese meisterlichen Waffen den Bögen nicht das Wasser reichen.“, führte Xorgolosch weiter aus und deutete mit seiner offenen Hand auf seinen Brüllenbösener Nachbarn. „Und er hier, mein teurer Freund und Nachbar Luxurr, ist Spezialist auf noch größeren Kalibern mit der auch eine Jagd auf Drachengezücht keine Schwierigkeit mehr darstellt.“
Luxurr nickte zustimmend. „Richtig. Sehr richtig. Da wir heute aber nur Jagd auf Kleinwild machen, habe ich nur meine verlässliche Armbrust mitgenommen. Für den Falle eines Drachenangriffs empfehle ich den Rückzug in eine befestigte, am besten unterirdische Stellung, sofern keine Ballista oder kein Krieger der Schule des Drachenkampfes zu Xorlosch zur Verfügung steht… Was diese Steine hier anbelangt: Die haben nichts mit der Jagd zu tun, ich hatte sie lediglich direkt vor unserem Aufbruch am Wegesrand liegen gesehen und konnte nicht widerstehen. Sie sehen sehr vielversprechend aus. Ihr müsst wissen,“ Luxurr räusperte sich, „dass Granite neben den üblichen Vulkangesteinen ein besonderes Klangvolumen bieten. Ich möchte die beiden hier Zuhause spalten und sie gegebenenfalls in mein Litophon integrieren. Aber verzeiht, ich schweife ab…“ Der Zwerg besann sich kurz.
„Nun gut, werte Isavena, wenn ihr mögt, demonstrieren der werte Xorgolosch und ich Euch gerne den Nutzen unserer Armbrüste, sofern sich die Gelegenheit bietet. Aber sagt, was ist Eure bevorzugte Methode der Jagd? Die Falkenjagd oder die mit dem Bogen?“ Isavena musste bei der Bemerkung über Drachenangriffe schmunzeln, hörte den beiden Herren aber aufmerksam zu.
Ihr war es etwas unangenehm von oben zu den Zwergen herunter zu sprechen, aber sie konnte mit dem Vogel auf dem Arm schlecht absteigen. „Nun, wie ihr seht, bin ich eher der Beizjagd angetan, als der Bogenjagd.“, dabei hob sie zur Bekräftigung leicht die entsprechende Gliedmaße mit dem Vogel darauf.

„Ich mag es, ihren Flug zu beobachten, während die Tiere sich fokussiert auf die Beute konzentrieren. Pfeile bewegen sich nicht ganz so elegant und gewandt oder abwechslungsreich wie ein Vogel“ Isavena lächelte die Zwerge spitzbübisch an. Dann richtete sie nachdenklich den Blick wieder auf die Armbrust.
„Ich kann mir schwer vorstellen, dass es Freude macht einen Bolzen bei seiner Flugbahn zu beobachten. Geschweige denn, dass sich eine Armbrust eignet, grazileres Wild wie Vögel zu erlegen.“ Nach ein paar wenigen nachdenklichen Schritten fügte sie hinzu „Und außerdem ist es doch nur möglich einen einzelnen Schuss abzugeben. Das Nachladen bei einem ungünstigem Treffer dauert ja viel zu lange und derweil ist das Wild dann auf und davon? …. Was jagt ihr mit so was bevorzugt? … mal von Drachen abgesehen.“ „Weder Pfeile noch Bolzen sollen abwechslungsreich fliegen, sondern ihr Ziel möglichst effizient und zuverlässig treffen und möglichst sofort niederstrecken“, erwiderte Luxurr irritiert. „Bei einem gut ausgebildeten Schützen genügt meist schon ein einzelner Treffer, um mit einer Armbrust das Ziel zu erlegen. Besonders bei Vögeln gilt dies natürlich, zumal die Armbrust ja für den Kampf gegen fliegende Gegner entwickelt wurde. Auf oder unter der Erde lässt sich besonders gut Großwild bejagen, etwa Bären oder Wühlschrate, die einen dicken Pelz oder Borke aufweisen. Jagdfalken, so schön sie im Fluge sein mögen,“ Luxurr deutete auf Isavenas Vogel, „eignen sich für solche Beute nicht übermäßig. Aber Ihr habt natürlich recht, das Nachladen einer Armbrust dauert merklich länger als das eines Bogens, besonders vom Rücken eines Pferdes aus.“ „Bleibt denn überhaupt etwas vom Vogel übrig, wenn so ein Bolzen ihn erwischt?“ fragte Isavena neugierig.
„Das hängt zu weiten Teilen davon ab, ob man entsprechende Jagdbolzen verwendet. Kriegsbolzen, die geformt und gehärtet wurden, um Drachenschuppen zu durchdringen, würden einen Vogel wohl einfach zerfetzen. Aber warum sollte solche jemand zur Vogeljagd verwenden? Das wäre ja reine Verschwendung, zumal Vögel eh nur wenig Fleisch auf die Tafel bringen. Ich habe hier,“ Luxurr klopfte auf den Köcher, der an seinem Gürtel befestigt war, „ein paar Bolzen mit abgeflachter Spitze. Damit sollte es möglich sein, ein paar Vögel am Stück vom Himmel zu holen. Mir ist zwar ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz klar, in welcher Weise die Vögel die Bewohner dieser Baronie hier plagen, aber wenn der Baron uns eingeladen hat, um sie zu bejagen, dann werden wir Angroschim“, er nickte zu Xorgolosch, „uns seinem Hilfsgesuch sicherlich nicht verweigern.“ „Lieber Luxurr, ich gebe Dir da natürlich voll und ganz recht.“, nickte Xorgolosch zurück zu dem anderen Angroscho. „Jedoch kenne ich die Menschen mittlerweile doch zu gut - habe auch an ihrer Seite im Krieg gekämpft - bei dieser Jagd steckt mehr dahinter.“ Er lugte nach vorne und drehte sich um sich sicher zu sein, dass keiner der Diener des Barons in Hörweite ist bevor er weitersprach. „Auch Euer Wohlgeboren Isavena von Leuenstolz wird mir zustimmen, dass es hier nicht um eine Vogelplage geht.“, blickte der Angroscho zu der Dame hoch zu Ross.

„Zunächst mal geht es bei der Vogeljagt wohl um eine firungefällige Tat, die vielen Menschen einfach auch nur Spaß macht und man es als erbaulichen Zeitvertreib und auch als eine Art Wettkampf ansieht. Wobei ich deutlich vermute, dass hier mehr dahinter steckt und der Baron doch noch etwas anderes mit uns vor hat.“, den letzten Satz sprach Xorgolosch deutlich leiser aber für Luxurr und Isavena gut vernehmbar. Isavena hörte sich die Bolzenlehre genau an, konnte aber wenig folgen. Armbrüste waren ihr noch unvertrauter, als der Umgang mit dem Bogen. Bei Luxurrs Gedankengang bezüglich einer Vogelplage musste sie schmunzeln und nickte dem anderen Angroscho bekräftigend zu, als diese dem Zwerg mit den seltsamen Klangsteinen die Gepflogenheit von geladenen Adelsjagden erklärte. Xorgoloschs Worte weckten Neugier in Isavena und sie fragte in ebenso leiser Lautstärke zurück „Das klingt, als würdet ihr mehr wissen, Herr Xorgolosch. Oder sind das nur Vermutungen? Meine Zofe meinte ja, der Baron sei auf Brautschau, aber da er nicht mal mehr am gestrigen Abend zum Mahle anwesend war, bezweifel ich diese These. Ganz ehrlich? Ich fragte mich auch schon, warum der Herr Baron sehr weitläufige Nachbarn gar aus der Region herzöglich Fuchsgau einlädt.“

Dann dachte sie kurz nach „Und ich glaube die Region Brüllenbösen liegt auch nicht zwingend in der näheren Nachbarschaft.“ Nachdenklich und neugierig blickte Isavena die Zwerge beim weiter reiten an. „Ihr habt recht, werte Isavena, nächst gelegenen Nachbarn sind wir aus Brüllenbösen sicherlich nicht. Offiziell geht es dem jungen Baron wohl auch um neue Verbündete und Gehilfen an seinem Hof. Aber wie gesagt, wir werden es wohl noch erfahren“, erwiderte Xorgolosch. „Lasst uns nun aufschließen, nicht dass wir etwas verpassen!“ Der Zwerg von der Xoramswand nickte nur stumm und versuchte zu verstehen, was das wohl für die nächsten Tage bedeuten würde. Isavena, Xorgolosch und Luxurr beeilten sich sodann, um die übrige Jagdgesellschaft wieder einzuholen. Theodara hatte ihrer Stute kurz nach dem Aufbruch die Sporen gegeben, um sich in die vordere Gruppe zu setzten. Sie fand ihre Postion kurz hinter der des Barons. Offensichtlich genoss sie den Ritt, ließ die Haare im Wind flattern. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war entspannt.

Die Jagd

Der Weg war eben, als Schwemmland vom Großen Fluss geformt, und erst in einiger Entfernung zeichneten sich die Hügelkuppen ab, die das Land belebten und den Weinbauern hier sonnige Südhänge für ihre Reben boten. Knapp einhundert Schritt neben der Efferdwach
t erhob sich eine kleine Siedlung, umrahmt von Obstgärten und hüfthohen Mauern aus Feldsteinen, die Gärten und Siedlung vor wilden Tieren bot, was in diesen friedlichen Landen vor allem herumstreunende Schwarzkittel, Wildschweine, sein würden. Oder Flusspiraten. Aber gegen diese würde eine hüfthohe Bruchsteinmauer schwerlich helfen. Das Dorf bestand aus schmucken Fachwerkhäusern mit weiß ausgekalkten Gefachen und dicken Rieddächern, unter die sich die Häuser kuschelten wie Kücken unter das Gefieder einer Glucke, und auf den Feldern standen zufrieden weidend Schweine, Ziegen, Kühe und das eine oder andere Ross. Der Markplatz selbst war sogar gepflastert, um den Brunnen in seiner Mitte standen vier Linden, deren Laub sich golden gefärbt hatte und unter dem Schein des Praiosschildes leuchteten.

Auf einem kleinen Hügel, noch innerhalb der Einfriedung, standen auf Bruchsteinsockeln drei Speicherhäuser. Ein besonders großes Fachwerkhaus am Dorfplatz besaß drei Stockwerke und unter dem First eine zweiflügelige Tür, über der ein Pfosten mit Seilzug in das Gebäude eingelassen war. Die Reichsstraße an dieser Stelle führte vielleicht zweihundert Schritt neben dem Dorf vorüber, ein verhältnismäßig breiter, wohlgepflegter Weg führte vom Dorf zur Straße. Der Baron gab seinem Roß die Sporen und sprengte an seinem Dorf vorbei, in dem die Dörfler zusammenliefen und, die Hüte in der Hand, die prachtvoll gekleidete Reiterschar mit großen Augen musterten.
Der große Fluss rechterhand der Reiter sprudelte am Rand über einige Stromschnellen, und nur mehrere hundert Schritt weiter draußen verhieß ruhiges Wasser das tiefe Flussbett abseits der Kiesbänke, in dem die schweren Flussschiffe ihre Wege zogen. Mehr als eine Meile breit war der Große Fluss hier, nachdem er dem engen Korsett aus Ingrakuppen und Isenhag entronnen war, und zeigte, dass er seinen Namen mit vollstem Recht erhalten hatte. In der Ferne, weit im Efferd, zeichneten sich die Grate der Windhagberge im blauen Dunst ab.
Das Ufer des Flusses war von weiten Riedfeldern gesäumt, aus denen der laute Gesang der Frösche und das dumpfe Brummen der Rohrdommeln drang. Die Reichsstraße zog sich in sicherer Entfernung neben dem Fluss entlang, durchschnitt das Schwemmland und bot den Reisenden ein sicheres fortkommen. Die Riedfelder, die von kleinen Bruchwäldchen, oft nur ein Dutzend Weiden und Erlen, durchsetzt waren, zogen sich an den Stellen, die nicht von den Bauern als Feld, Heuwiese oder Weideland genutzt wurden, entlang kleiner Bäche und sumpfiger Altarme teilweise noch viele hundert Schritt ins Land, während in den Meilen vor den Reitern das Land zu sanften Hügeln anstieg.
Auf einer schönen Wiese, am Rand eines ausgedehnten Riedgebietes, zügelte der Baron sein Ross und wies die Treiber an, auszuschwärmen und das Federvieh aus dem Schilf aufzustöbern.

Nordmarken Barsch2.png

„Sobald das hier losgeht, möchte ich, dass Ihr für Euch jagen geht. Ich bevorzuge das alleine zu machen. Es bringt auch kaum etwas, wenn die ganze Masse auf das Federvieh springt. Verstanden, Elko?“ Gundula, Edle von Tannwald, schaute ihren Kämmerer herrisch an.

„Selbstverständlich, Euer Wohlgeboren.“ Elko schluckte trocken. Er plante, sich einfach an seinen Onkel zu halten und steuerte seine Stute in dessen Nähe. „Elko, Elko, weisst du, ich war in den letzten Jahren jeweils im Firun noch als Vertreter der Firunkirche an der kaiserlichen Jagd in Vinsalt dabei bis sie letztes Jahr nach Aldyramon verschoben wurde. Im Gegensatz dazu ist diese Jagd natürlich eine andere Schuhnummer; schau mal wer da alles rumstolpert, aber machen wir das Beste daraus Potz Falkenschiss und Bogenschmalz! Komm Elko, wir versuchen unser Jagdglück etwas weiter unten!“ dröhnte ein etwas enttäuschter Waldemar und zog sein Tirzamtaler Valemon weg von der Meute, nicht ohne noch zu versuchen die Jagdmeisterin im Getümmel zu entdecken. Doch schien sie seinem Auge verborgen. Elko liess seine Stute seinem zeternden Onkel Waldemar hinterhertrotten. „Onkel, vielleicht sollten wir die Jagd des Barons nicht derart lautstark kleinzureden“, raunte er ihm dringlich zu.

„Schau dir mal diese Zwerge mit ihren Armbrüsten an! Und nichts für ungut, dein Bruder gibt auch nicht gerade ein übermässig kompetentes Bild ab! Und niemand ist auf mich zugekommen für meinen Rat! Man hat mich nicht mal an den Tisch mit der Jagdaufseherin gesetzt sondern mit dem Haushofmeister!“ Waldemar spürte ein Grummeln in seiner Magengegend, verstummte und führte seinen Tirzamtaler weiter weg vom Geschehen und schärfte seine Sinne erneut. Elko blieb an seines Onkels Seite und betrachtete das allgemeine Geschehen. Er verstand nicht recht, was sein Onkel meinte. Die Jagd schien ganz ordentlich zuzugehen und beeindruckte ihn sehr. Er betrachtete den Flug der Falken eine Weile, als er einen Aufschrei seiner Gutsherrin Gundula von Zweigensang vernahm. Er sah sich um und erblickte den Tannwalder Hausritter Aidan von Föhrenschild, wie er schnell in Richtung Gundulas ritt. Alarmiert wendete auch Elko sein Pferd, gab ihm die Sporen, hielt auf Gundula zu und liess seinen murmelnden Onkel zurück.

`Jetzt fällt die Herrin noch vom Pferd, mit was für Leuten vergeude ich da eigentlich meine Zeit? Im Süden hatte die Jagd noch etwas anmutendes, stolzes, aber Firun wird gerecht richten und nur die fähigsten Falkner belohnen.‘ Waldemar spürte, wie sich eine Wut in seinem Bauch ausbreitete, immer stärker wurde und nur darauf wartete endlich in einer Schimpftirade aus ihm herauszubrechen zu können.

Nordmarken Barsch2.png

„Auf, meine Gäste - nun gilt es!“ rief er und warf einen Blick in die Runde, ehe er mit geschickter Hand die Schnürung an der Haube seines Gerfalken löste. Mit munterem ‚Horrido!‘ stöberten die Treiber und ihre Hunde ins Schilf, und rasch stiegen unter lautem Quaken die ersten Enten und Reiher auf. Liafwin lachte fröhlich auf und warf seinen Falken in die Luft.

Nordmarken Barsch2.png

Theodara suchte sich etwas Abseits von der Gruppe ein günstiges Plätzchen und spannte ihren Bogen in Erwartung der aufgescheuchten Beute. Sie murmelte eine kurzes Gebet an den Herrn der Jagd. Meginhard von Schwarzdorn winkte dem Reiter hinter ihm, der sein Pferd daraufhin nahe an den Vogt heran führte. Der ältere Mann, der sicher schon sechzig Sommer gesehen hatte und dessen robuste, aber einfache Kleidung auch eher einem Jagdhelfer zustünde, trug einen Falken an einer Kette auf seinem Arm und wollte diesen seinem Herren reichen, der jedoch abwinkte und dem Alten mit einem Handzeichen zu verstehen gab, dass dieser den Falken doch bitte selbst von der kleinen Kette und der Haube befreien sollte.

Die zauberhafte Umgebung nahm Isavena tief in sich auf. Sie hatte sich eher an den Rand der Gesellschaft gesellt, um einen besseren Blick auf die Landschaft zu haben. Noch während der Baron seine Jagdhelfer ausschickte, versuchte die Junkerin sich die Umgebung so intensiv es ging einzuprägen. Ein sehnsüchtiger Blick fiel auf einen kleinen Wasserarm, dann brach Krach und Hektik los.

Während die Jagdhelfer das Wild aufscheuchten, war Isavena aus tiefen Gedanken gerissen und musste sich erst mal im Hier und Jetzt wieder orientieren. Fieberhaft versuchte sie ihrem Vogel die Haube vom Kopf zu ziehen, hatte aber die Kappe zu gut festgebunden, so dass sich die Lederriemchen nicht mit einem schwupps lösten. Der Sperber, angesteckt von der aufwallenden Aufregung, breitete bereits seine Flügel aus und wollte los, doch Isavena zog den Knoten an der Haube eher noch fester, als das sie ihn löste. Eppo unter ihr began aufgeregt zu tänzeln und war von dem Krach der Helfer, als auch dem Vogellärm erschreckt. Isavena verlor die Balance und wackelte ungeschickt im Sattel hin und her. Gefährlich neigte sie sich bereits zu einer Seite und versuchte mit der freien Hand sich irgendwo festzuhalten.

… als ein Arm nach ihr Griff und sie vor einem möglichen Sturz bewahrte. „Hoppla, seid Ihr in Ordnung?“, fragte Meingard. Sie wusste bereits von ihrem Bruder, dass es sich bei der jungen Dame um ihre Nachbarin handelte. Reginhard stand nur wenige Schritt entfernt. Ihn schienen seine Mitreisenden im Moment mehr zu interessieren als die aufsteigenden Vögel.

Ungeschickt krallte sich Isavena an den auf einmal auftauchenden, aber sehr willkommenen, Arm. Mit einem leichten Ächzen hievte sie sich zurück in eine aufrechte und sichere Sattelposition. Dann erst ging der Blick zum Gesicht der helfenden Hand. „Auweia - das ging fast schief. Habt Dank … ah! werte Meingard! Aus tiefsten Herzen, habt Dank!“ Peinlich berührt blickte sich Isavena verstohlen um, räusperte sich und meinte leise zu der anderen Reiterin „Ich befürchte die Ungeschicklichkeit war nicht zu übersehen, oder?“ Die Wangen begannen sich zu röten, als sie weiter über das Jagdgeschehen sah. „Und ich befürchte die Beute ist bereits erlegt oder davon.“ Isavena seufzte. „Nun … dann wollte Firun wohl nicht, dass ich einem Vogel ein Leid antue.“ Der Blick richtete sich fragend und immer noch verlegen auf Meingard „Konntet ihr was ergattern?“

„Nein, ich interessiere mich eher dafür, dass die hier Anwesenden gesund wieder heimkehren“, sprach Meingard und drehte dabei den Kopf zu ihrem Bruder. Sogleich erschrak sie über das Gesagte und drehte sich wieder zu Isavena um. „Bitte entschuldigt, das war gar nicht auf Euch bezogen. … Ich wollte sagen, eine Jagd kann gefährlich sein. … Und ich denke, die wenigsten haben etwas bemerkt. Alle Augen sind auf die Vögel gerichtet.“ „Erwartet ihr denn schlimmeres, als von einem verärgerten Schwan angegriffen zu werden?“ fragte Isavena mit erstaunt hochgezogenen Brauen und geweiteten Augen. Dann folgte Isavenas Blick dem Meingards und sie schob weiterhin überrascht nach „Oder euer Bruder?“ Meingard blickte Isavena für einen Moment still an. Vielleicht war der Junkerin nicht bekannt, welcher Berufung sie nachging. „Vielleicht habt Ihr schon einmal gehört, dass ich Mitglied der Plötzbogener bin. Es ist Teil meiner Berufung, mich um die Sicherheit meiner Auftraggeber und ihrer Gefährten zu kümmern. Insofern habe ich stets vor Augen, dass es zu einem … Zwischenfall kommen könnte. Aber wenn Ihr fragen wolltet, ob ich eine konkrete Erwartung habe: Nein, die habe ich nicht.“ Bei den letzten Worten wirkte Isavena schon etwas erleichterter und die unbewusst aufgebaute Anspannung wich aus ihrem Körper, so dass sie wieder entspannt im Sattel saß.

Beiläufig tuend nestelte Isavena an der Haube des Jagdvogels herum, damit ihr ein Malheur wie eben nicht wieder passierte. Dabei antwortete sie Meingard „Plötzbogener? Nein, das wusste ich in dem detaillierten Maße nicht. Das ihr dem kämpferischen Gewerk nachgeht, das schon eher.“ Die Haube war endlich zufriedenstellend gelockert und Isavena drehte den Kopf in Richtung Meingard zurück und lächelte. „Euer Bruder bekräftigte dies auch im Gespräch beim gestrigen Mahle. Allerdings ging ich irgendwie davon aus, die Familie Kropfenhold beteiligt sich gemeinsam bei diesen Ausflug als Jäger.“ Dann wurde Isavenas Lächeln unverhältnismäßig breiter. „Sagt, wie gefällt es euch denn so bei den Plötzbognern? Gibt es da viel für euch zu tun?“ Meingard schaute die Junkerin prüfend an und wog ab, ob sich hinter dieser Frage etwas anderes verbarg. „Die letzten Jahre waren sehr unruhig. Entsprechend der Bedarf an Geleitschutz hoch. Ich würde sagen, es gab viel zu tun. Wir werden sehen, wie es sich in Zukunft verhält.“ Meingard war nicht gut in leichter Unterhaltung. Nach einer etwas zu langen Pause fragte sie: „Was macht Euer Vogel?“ Die Junkerin von Knechtstett schien ob der Antwort etwas enttäuscht, versuchte es sich aber nicht anmerken zu lassen. So griff sie den Versuch Meingards, zurück zur Jagd zu thematisieren, auf.

„Ich denke dem Vogel geht es gut. Er war eben sehr unruhig, aber das lag an mir. Die Haube ist nun gerichtet und ich denke bei der nächsten Gelegenheit kann er ganz seinem Instinkten folgen.“ Kurz huschte ein gequältes Lächeln über Isavenas Gesicht, bei der Erinnerung an vorhin. Dann entschied sie doch nochmal ihr eigentliches Thema aufzunehmen.
„Wisst ihr, werte Meingard, falls es mal je ruhiger bei den Plötzbogenern werden sollte und ihr Ausschau nach einem neuen Aufgabenfeld haltet - ich hätte da vielleicht etwas in petto und würde euch ein gutes Angebot machen wollen.“ Isavena blickte die andere Frau mit herzlicher Offenheit an. „Natürlich nur, wenn es euch in Elenvina zu fade wird. Mir liegt es wirklich fern, euch von wichtigen Aufgaben abwerben zu wollen.“ Isavena sah noch ein paar Herzschläge zu Meingard herüber, ehe ihr Blick abschweifte und versuchte das aktuelle Jagdgeschehen wieder aufzunehmen. ‚Wie sollte es in Elenvina jemals fade werden‘, fragte sich Meingard. Tatsächlich gab es Gerüchte, dass es die Plötzbogener zu neuen Aufgaben hinziehen würde. „Ihr dürft ruhig offen mit mir sprechen. Wie kann ich Euch dienlich sein?“ Isavena richtete ihre Augen wieder auf Meingard.

„Nun, wenn ich so offen sein darf“, begann sie ohne Umschweife,“ in meinen Gefilden ist noch die Position des Ritters unbesetzt. Ich weiß, ihr selber seid keine Ritterin, aber dennoch eine gut ausgebildete Kriegerin. Seit mein Bruder damals verschwand, fehlt dem Junkerngut die kämpferische Expertise.“ Isavena seufzte leise und ihr Blick wurde traurig. „Es ist auch so, dass ich dem Herzog bei Einforderung der Lehnstreue wenig ausgebildete Leute zur Verfügung stellen könnte. Von einem kriegserfahrenem Oberhaupt ganz zu schweigen. Ich selber habe nie die Ausbildung einer Kriegerin genossen. Mich hat mein Burgweibel im Umgang mit dem Schwert geschult. Und er selber war auch nie wirklich bei irgendeinem Kriegsheer ausgebildet worden. Meine Mutter hatte ihn damals aus den elenvinischen Stadtwachen rekrutiert oder abgeworben. Phex allein weiß, welchen Handel die beiden ausgemacht hatten.“ Es entstand eine kurze Pause in der Isavena ihren Gedanken nachhing. „Wie dem auch sei, ich hätte eine Position anzubieten, deren genauer Rahmen wohl an anderer Stelle besser besprochen ist, als mitten im Jagdgeschehen. Aber soviel möchte ich noch anfügen: wenn ihr gewillt wäret, dieses Angebot anzunehmen, würde ich mich sehr dafür einsetzen, euren Weg zu mehr Ansehen zu unterstützen und ein gutes Wort beim Herzog für euch erwirken - sofern euch überhaupt an so etwas gelegen ist.“ Die letzten Worte waren von einem fragenden Blick begleitet.
„Und ihr wäret nicht fern der Heimat, falls euch so etwas wichtig ist“ schob Isavena noch schnell abschließend nach.
„Das ist ein unerwartetes Angebot“, sprach Meingard. „Und in jedem Fall eine verantwortungsvolle Aufgabe. Ich danke Euch für das Vertrauen, dass Ihr in mich setzt.“ Meingard brauchte einen Moment, um ihre Gedanken zu sortieren. „Wenn ich ehrlich sein darf, suche ich noch eine Aufgabe für meine Zeit nach den Plötzbogenern. Es gibt … die Idee, dass unsere Truppe die Nordmarken verlässt.“ Meingard kaute auf ihrer Unterlippe. „Aber zugleich bin ich das älteste Kind meines Vaters, der sicherlich auch noch ein paar Gedanken zu meinen nächsten Herausforderungen hegt. Nicht, dass ich das zwingend befolgen würde … Lasst es uns doch so halten, prüft meine Fähigkeiten auf dieser Jagd und bildet Euch ein Urteil über mich. Zugleich werde ich zeitnah mit meinem Vater das Gespräch suchen.“ Meingard machte ein Pause. „Das Gespräch mit meinem Vater könntet auch Ihr suchen. Ich bin mir sicher, dass fähige Ritter aus seiner Ausbildung auch eine Hilfe für Euch sein könnten. Was haltet Ihr davon?“ Meingard sah die Junkerin fragend an.

Isavena schien zufrieden und nickte dementsprechend auf Meingards Worte. „Dann seid euch gewiss, dass ich alsbald nach diesem Ausflug mich an euren Vater wenden werde. Und wie immer eure Zukunft aussehen mag - in Knechtstett steht euch gerne Tür und Tor offen.“

Isavena war sich nicht sicher, ob sie sich mit ihren eigenen Worten vielleicht zu sehr vorgewagt hatte, aber letztendlich ist das politische Spiel zwischen wollen, bekommen und werden immer auch ein Risikogeschäft - entweder für die ein oder die andere Seite. Die Junkerin beschloss, es beim bisher Gesagten zu belassen und sich endlich mal der Jagdtätigkeit zu widmen. Kurz schmunzelte sie Meingard noch zu und meinte heiter: „Und seid euch auch gewiss, dass ich eure Fähigkeiten ab jetzt sehr genau ins Auge fasse". Dann zog sie die Haube vom Kopf des Sperbers und entließ ihn endlich mit einer schwungvollen Bewegung in Richtung Himmel .Gefolgt von einem beherzten Fersenstupps nahm sie auf ihrem Pferd die Verfolgung des Vogels auf.

Meingard schaute Vogel und Reiterin hinterher und lächelte keck. Dann schaute sie sich um. Wo war eigentlich ihr Bruder? Sie sah ihn mit weiteren Teilnehmenden in Richtung eines Hügels reiten und beschloss, zu folgen.

Nordmarken Barsch2.png

Eichward, der während des kurzen Ritts den kleinen Vorsprung der Schar aufgeholt hatte, reihte sich bei Meginhard wieder ein. „Dann wollen wir doch einmal sehen, ob das Tier sein Geld wert ist,“ murmelte er, als er etwas ungeübt die Haube des Falken löste. „Firun mit Dir, mein Freund,“ und mit diesen Worten ließ er den Vogel vom Handschuh steigen, was ein wenig so aussah als ob er ihn abschüttelte. Dann wandte er den Kopf zu Meginhard hinüber. „Ich verstehe ja, dass für so einen Anlass die Falkenjagd gebührlich ist, aber ein ordentliches Saustechen wäre spannender gewesen. Oder was meinst Du?“
Meginhard nickte zunächst seinem Jagdhelfer zu, der den Falken schließlich aufsteigen ließ, mit der Hand dann seine Augen vor der Sonne abschirmte und dem Falken, der sich schnell in die Lüfte erhob, hinterher blickte. Dem Vogt von Schlehbronn entfuhr darauf hin ein Seufzen und er wandte sich seinem Standesgenossen zu.

„Selbst ein Tjost wäre mir lieber. Ich werde an der Jagd wohl keinen Gefallen mehr finden. Aber das gestrige Mahl war vorzüglich und sehr ergiebig!“ Mit einem Male schien Meginhard zufrieden und ein Lächeln zeigte sich in seinem Gesicht.
„Ein Tjost?“ Eichward musste nur kurz überlegen. „Mein Freund, das ist eine ganz famose Idee von Dir! Wir sollten wirklich einmal wieder ein Tunier besuchen, das ist doch jetzt schon ewig her… Vielleicht zum Frühjahrstunier nach Gareth? Oder wenn sie eines in Elenvina veranstalten, dann vielleicht dorthin, das wäre nicht so weit…“ Er schien sichtlich Freude an dem Gedanken zu haben. „Und das Abendessen wird uns heute sicher auch nicht enttäuschen, wenn nur unseren Begleitern hier mehr Erfolg vergönnt sein wird, als wir ihn für uns erwarten dürfen.“ Dabei blickte er dem gerade losgelassenen Falken hinterher, kniff die Augen zusammen und hatte sichtlich Mühe, seinen von all den anderen nun losjagenden Vögeln zu unterscheiden. Einer der aufgestiegenen Falken fing eine der plumpen, fliehenden Enten und brachte sie zu Boden, ein zweiter verfehlte seine Beute knapp und stieg, suchend kreisend, wieder höher, während ein dritter Vogel ebenfalls Beute machte. Schimpfend machte sich ein Reiher, aufgeschreckt von den Menschen und dem Getöse, in unbeholfenen Flügelschlägen in Richtung des Flusses davon, den vermeintlich sicheren Ausweg wählend.

„Den hole ich mir!“, sagte Hadelind von Haffenberg, die schöne Vögtin. Wieder zwinkerte sie Meginhard zu und gab ihrem Pferd die Sporen. „Nicht wenn ich ihn mir zu erst hole!“, rief Gerdor von Hamrath und preschte ihr hinterher. Nachdem die beiden Menschen davon galoppiert waren, lenkte Luxurr sein Pony auf eine kleine Anhöhe und ließ seinen Blick über die sich vor ihm ausbreitende Landschaft schweifen. Die verhältnismäßig flache Gegend und der weite Himmel waren ihm nicht ganz geheuer, aber die sich in fast allen Himmelsrichtungen abzeichnenden Gebirge glichen das mehr als aus. ‚So schön können die Berge wohl nur wirken, wenn man ihnen fern ist‘, dachte er sich. Man konnte der Oberwelt viele Dinge vorwerfen, dies aber nicht. Der Zwerg ließ sich etwas ungeschickt vom Rücken seines Reittiers gleiten und band es mit den Zügeln an einem dünnen Baum fest. Dabei achtete er darauf, dass das Tier genug Platz zum Grasen hatte. Luxurr warf sich den Armbrustspanner über den Rücken, löste die Befestigung seiner Armbrust und nahm sie in seine Rechte. Den gegabelten Stab, auf den er seine Waffe zum besseren Zielen ablegen konnte, packte er mit der anderen Hand wie einen Wanderstab.
Luxurr sah zu den anderen Jagdgästen und besonders zu Xorgolosch hinüber, wohin diese sich aufmachten. Er versuchte eine gute Stelle abzuschätzen, an der er sich positionieren konnte, ohne dass die anderen sich in seine Schussbahn bewegen würden. Das hätte ihm gerade noch gefehlt, so durcheinander hier alle durch die Gegend stürmten.
Xorgolosch, der neben seinem Pony stand, erwiderte den Blick von Luxurr und machte deutliche Zeichen mit seiner Hand - kurz ausgestreckt erhoben, dann auf Luxurr mit einem Finger zeigend, schließlich die Hand zur Faust geballt - um ihm zu signalisieren, das er sich auf dem Weg zu ihm machen würde.

‚In einem richtigen Gefecht hätten sich nun alle schon ihrer Position offenbart, so wie jeder von den Langbeinern hier herumschreit. Gut, dass das Federwild scheinbar recht dumm ist.‘, dachte der Angroscho zu sich selbst als er seine bereits gestopfte Pfeife in den Mund steckte. Er öffnete eine rechteckige Blechbüchse, die ganz außen an seinen Satteltaschen hing. Aus seiner Hosentasche zog er ein dünnes Zänglein, womit er in die Blechbüchse griff und ein kleines graues Stückchen ans Tageslicht brachte. Vorsichtig blies er mit verzogenen Mund, aber so akkurat, dass sich das Pfeiffchen nicht rührte, etwas Luft gegen die Kohle, die dann hellrot aufglühte. Mit der Kohle entzündete er seine Pfeife, verstaute alles wieder und wendete sein Pony in Richtung Luxurr.

Eichward überlegte kurz, blieb dann aber an Ort und Stelle. Sein Falke hatte das Ziel verfehlt und so würde er warten, bis auch dieser eine Beute geschlagen hatte und von einem der Jagdhelfer zurückgebracht würde, oder irgendwann von selbst wieder auf dem Handschuh ansitzen mochte. So sicher war er sich dabei aber nicht. Zumindest würde er nicht allein warten müssen, außer Efferdane und Meginhard wollten sich den schon wieder lospreschenden Reitern anschließen. Dann sah er einen Angroschim den nahen Hügel hinaufreiten und eine veritable Armbrust schussbereit machen. Das weckte seine Neugier, und er entschloss sich, langsamen Schritts diese Richtung einzuschlagen. „Efferdane meine liebe, mein guter Meginhard, was haltet ihr davon, wenn wir uns etwas aus dem Getümmel lösen und jenem Angroschim dort oben“, dabei zeigte er den Hügel hinauf, „Gesellschaft leisten?“ Meginhard blickte zwischen Eichward und seinem Jagdhelfer hin und her, bis letzterer ihm schließlich mit einem Nicken zu verstehen gab, dass der Vogt hier nicht mehr gebraucht werden würde. „Horbert, du hältst die Stellung!“, befahl Meginhard seinem Jagdhelfer schließlich in einem recht harschen Ton, ehe er sich von diesem abwandte und stattdessen in Richtung Eichwards knapp nickte. Dann lächelte er Efferdane an und wies mit seiner Hand den Hügel hinauf: „Euer Gnaden…“, ließ er ihr den Vortritt. Efferdane grinste..“Nun ich hoffe mich nicht zu blamieren. Die Reitkunst gilt es noch zu verbessern. Aber sehr gerne komme ich eurem Vorschlag nach.

Ihr könnt euch sicher denken das die Jagd nicht zu meinen größten Steckenpferden gehört. Wenn gleich grade wir Diener Efferds gerne mal Wild essen, anstatt Meeresfrüchten.“ Langsam lenkte Efferdane ihr Pferd in Richtung des Hügels.
Ebro verstand nicht viel von der Jagd. Weder bessass er einen Falken noch war er ein guter Schütze. Seine Leidenschaft und Stärke lag, wie es schon bei seiner Mutter der Fall gewesen war, im Reiten. Wäre sein Bruder Elko nicht an scheinbar formelle Aufgaben mit der Herrin von Tannwald und dem Onkel Waldemar gebunden, wäre er mit ihm um die Wette geritten. Nun aber bot sich für Ebro kein direkter Wettstreit. Er gallopierte daher stattdessen wild drauflos, erst in Richtung der Treiber, die er trotz dem Vorsprung den sie hatten rasch aufholte. Gekonnt zog er mit seinem temperamentvollen Elenviner Vollblut eine gefährliche Kurve an und umkreiste in grossem Bogen den Hügel, auf dem sich schon einige Gäste versammelt hatten. Mit hohem Tempo hielt er auf den Hügel zu und brachte seinen Hengst scharf zum halt, nur wenige Schritt von den dort versammelten Gästen entfernt. Er kraulte sein Reittier am Ohr und beobachtete die Konversation der Gäste auf dem Hügel.
Eichward, der den heranpreschenden Heißsporn den Hügel stürmen sah, zog die Brauen hoch. Dann stieg er, nachdem er oben angekommen war, in aller Ruhe neben dem Angroscho aus dem Sattel und bedachte dessen Armbrust mit einem bewundernden Blick. „Ein schönes Stück habt Ihr da, wenn ich das sagen darf. Ich hätte es zwar eher auf der Mauer einer Burg zur soliden Verteidigung vermutet als bei einer solchen Jagd, aber wirklich ein schönes Stück. Da will man nicht am falschen Ende stehen… denkt ihr, ihr werdet einen der flatternden Vögel erwischen?“

„Ich danke Euch“, sagte der Angesprochene selbstbewusst und warf Eichward einen kurzen, Maß nehmenden Blick zu, bevor er wieder den Hügel hinab sah.
Ohne seinen Blick von Ebro abzuwenden, fuhr er fort: „Armbrüste wurden von meinen Ahnen entwickelt, um fliegende Wesen vom Himmel zu holen. Wenn es bei den Geschuppten funktioniert, sollten Gefiederte wohl kaum eine Schwierigkeit darstellen“, stellte er lapidar fest.
„Einer der Falken ist der Eure?“, wechselte er das Thema und wandte sich Eichward zu. „Bejagen sie sich nicht gegenseitig, wenn so viele an einem Ort versammelt werden?“ „Das glaube ich Euch gern, aber er es ist sicher ein Unterschied, ob man auf einen Drachen von der Größe einer Bauernkate zielt, oder auf diesen Silberreiher dort vorne. Was Eure Fähigkeiten nicht schlechtreden soll. Ich bin selbst nicht der beste Schütze und habe im Krieg schon manchen Mann und manche Frau mit ihren Schusswaffen wahre Kunststücke vollführen sehen, aber das waren trotzdem eigentlich immer stehende oder gehende Menschen, wenn auch oft weit entfernt. Aber bitte, in Firuns Namen, ich bin gespannt darauf ein solches Meisterstück auch heute beobachten zu dürfen.“ Er winkte Efferdane zu sich heran, damit sie dies ebenfalls sehen konnte. „Und ja, auch mein Vogel kreist dort oben mit den anderen. Es sind schlaue Tiere, die genau wissen wie ihre Beute aussieht. Enten, Tauben, Hasen, Rebhühner… das alles jagen die Falken ja auch schon ihrer Natur nach, aber keine Tiere ihrer eigenen Art. Zumindest hätte ich noch nie davon gehört, dass sie über ihresgleichen herfallen. Oder wäre solch ein Vorfall schon einmal einer der Damen und Herren zu Ohren gekommen?“ Dabei blickte Eichward fragend in die Runde. Xorgolosch war nun auch auf dem Hügel angekommen und hörte den Gesprächen Luxurrs und der anderen Anwesend entspannt zu. Dabei paffte er immer kleine Rauchkringel in die Luft. Seine Armbrust beließ er erst einmal auf seinem Packtier. Meginhard kniff die Augen zusammen und sah in den Himmel, wobei sich sein Blick langsam Richtung Boden senkte. Die Frage Eichwards hatte er anscheinend überhört, denn plötzlich begann er kurz zu applaudieren und nickte zufrieden. „Ich habe einen gefangen!“ Einer der Jagdhelfer trat neben Meginhard, verbeugte sich und fragte ‚soll ich euch die Beute und Euren Vogel bringen, hoher Herr?‘ Meginhard blickte den Mann verdutzt an und ihm entfuhr ein Laut der Überraschung: „Äääähhh…“, während er sich hilfesuchend umblickte.

Dann beugte er sich ein Stück zu dem Jagdhelfer hinab und sprach mit gedämpfter Stimme: „Das macht Horbert, nichts für ungut.“, ehe er sich wieder aufrichtete und dem Unbekannten breit lächelnd ansah.
Der Jagdhelfer verbeugte sich und zog sich dann wieder eine diskrete Strecke von den hohen Herrschaften zurück, den Blick wieder aufmerksam auf das Geschehen, die Falken und die zugehörigen Adelsleute gerichtet.
"Da war Euch Firun ja schon wohlgesonnen, Meginhard. Glückwunsch,“ freute sich Eichward für den Jagdkameraden. „Ich scheine darauf noch etwas warten zu müssen…“ Dann wand er sich wieder dem Angroschim zu, um zu sehen wie dieser seinen Schuss vorbereitete. Einige Schritt entfernt klatsche Reginhard anerkennend Beifall. Wenige Augenblicke zuvor war er mit weiteren Gästen auf dem Hügel angekommen und verfolgte gespannt das Spektakel.

Während sich die menschlichen Jagdgäste unterhielten, pflanzte Luxurr an einer exponierten Stelle des Hügels seinen Gabelstock auf und legte seine Armbrust an. Er versuchte die Gespräche möglichst auszublenden und behielt den Silberreiher, den Eichward mehr oder weniger zufällig ausgewählt hatte, im Auge.

Der Vogel stand abseits des größten Trubels auf der anderen Seite des kleinen Weihers, der sich am Fuße des Hügels befand. Als Ziel war der Reiher so gut wie jedes andere, aber Luxurr fühlte sich herausgefordert. Er wollte den Versammelten - und sich selbst - beweisen, dass er bei dieser Jagd seinen Teil beitragen konnte, auch wenn er nicht wie die Großlinge den Falken Befehle geben und den Vögeln in ihrem eigenen Element nachjagen konnte. Schließlich hatte man ihn ja dafür eingeladen... Einen Vogel am Boden zu erlegen war kein besonders schwieriger Schuss, dennoch beschloss Luxurr, zur Sicherheit noch einmal seine Notizen zu konsultieren. Er zog aus seiner ledernen Gürteltasche ein kleines Wachstafelbuch hervor, in dessen zwei mit Wachs gefüllten Feldern gebogene Linien und Runen gedrückt waren. Luxurr schätzte die Entfernung zum Silberreiher auf etwa 100 Schritt, kalkulierte ein, dass der Vogel einige Schritt tiefer als er stand, und entnahm der entsprechenden Linie, wie hoch er die Armbrust auszurichten hatte. Nachdem er es sorgfältig zugeknotet hatte, steckte er das Notizbuch wieder zurück. Der Zwerg versicherte sich, dass der Silberreiher immer noch am Ufer des Weihers stand, legte einen der schweren Jagdbolzen mit der breiten Spitze auf und richtete seine Waffe seinen Notizen entsprechend aus. Luxurr atmete tief durch, dann löste er den Abzug. Bei nahezuher Windstille flog der Bolzen wie in Stein gemeißelt und traf den Reiher ins Brustgefieder. Der Vogel fiel ohne jeglichen Schrei direkt zu Boden. Die Miene des Zwergs bewegte sich kaum. Der Schuss war wie erwartet verlaufen, das Töten von Tieren interessierte ihn wenig. Wie es ihm beigebracht worden war, kontrollierte er mit geübtem Blick, ob die Armbrust noch einwandfrei funktionierte, setzte den Spanner an und machte seine Waffe wieder einsatzbereit.

„Bei Firuns wilder Meute, was für ein Schuss!“ Eichward salutierte anerkennend zu dem Angroschim. „Habt ihr das gesehen, edle Damen und Herren? Das hätte kein Elf besser hinbekommen…“ Dann trat er einen Schritt näher zu dem Zwergen heran. „Ich habe im Krieg auch schon den ein oder anderen Schützen beobachtet, der den Feind aus den Stiefeln geschossen hat, aber so ruhig und berechnend wie bei Euch habe ich das noch nicht erlebt. Ist das eine besondere zwergische Technik, die ihr da benutzt habt?“ Erneut konnte das anerkennende Applaudieren Reginhards vernommen werden, in welches Meginhard nickend einstimmte und: „Sauberer Schuss. Seeeehr sauberer Schuss!“, murmelte.

„Perfekt mein lieber Luxurr!“, Xorgolosch trat heran und legte eine Hand auf die Schulter von Luxurr, als dieser gerade begann die Armbrust wieder zu spannen. Nach ein zwei Paffern mit der Pfeife fügte er schmunzelnd hinzu: „Bei Angrosch, ich wusste warum ich Dir den Vortritt lasse mit der Armbrust und es ist wahrscheinlich besser, wenn ich meine Armbrust auf meinem Pony lasse! Eine solch berechnende Präzision kann ich nicht schlagen!“ ‚Das kann ich wohl wirklich nicht‘ grummelte der Angroscho im Gedanken. Es war keine falsche Bescheidenheit. Er spürte tiefen Stolz und Bewunderung für Luxurr, hatte aber Ängste, dass wenn er nun noch einen Schuss nachsetzen würde, das ganze Volk der Zwerge wieder ins schlechtere Licht zu ziehen sofern etwas schief ging.

Der erfolgreiche Schütze warf dem anderen Zwergen einen belustigten Blick zu und rollte spielerisch mit den Augen. „Was redest Du wieder, Xorgolosch? Du bist viel zu bescheiden. Wir sind doch beide keine bartlosen Jungzwerge mehr, die eine Armbrust nicht stillhalten können." Er fügte etwas ernster hinzu, während er Xorgoloschs Geste erwiderte und diesem seine freie Hand ebenfalls auf die Schulter legte: „Der Schuss wäre dir mindestens ebenso gut gelungen wie mir. Du bist der Ältere und hast mehr Erfahrung. Der Vogel ist ja auch gar nicht geflogen... ." Nach einem kurzen Moment wandte sich Luxurr den übrigen Herumstehenden zu und bedachte alle von ihnen mit einem dankbaren Nicken. Zu Eichward gewandt fragte er zudem: „Verzeiht, was meint Ihr, Herr? Eine besondere Technik? Ich habe lediglich gezielt und das Flugverhalten meines Bolzens bedacht. Tut das nicht jeder Schütze, der das Treffen eines Ziels nicht dem Zufall überlassen möchte?" „Das mag sein, edler Herr, das ein Schütze abwägt was den Pflug seines Pfeils oder Bolzen beeinflussen mag. Aber ich habe noch nie jemanden gesehen, der es so genau zu kalkulieren scheint wie ihr. Ich meine, anlegen, ruhig Zielen, schießen… das ist das eine. Aber diese Täfelchen die ihr da hattet… nicht das ich allzuviel davon verstehen würde. Aber das hat mich an eine der Lektionen an der Akademie in Elenvina erinnert, wo versucht wurde uns Belagerungstechniken zu erklären. Da war so ein alter Sappeur, der hat etwas an die Wand gezeichnet, das sah so ähnlich aus, als es um Katapulte und Geschütze ging.“ Eichward legte die Stirn in falten und versuchte sich weit zurück zu erinnern. „Es war auf jeden Fall nicht ganz einfach, und als wir dann auch noch berechnen sollten, wie das mit den Flugbahnen bei welcher Entfernung war… nun, die Hälfte meines Jahrgangs mindestens hatte da freundlich gesagt nicht gerade geglänzt.“ Dann grinste er. „Wie hatte der Lehrer damals zu uns gesagt? Ihr mögt vielleicht mit dem Schwert umgehen können, aber Stadttore brauchen vor Euch Jungs und Mädels sicher keine Angst zu haben…“ Efferdane nickte anerkennend „Ehre wem Ehre gebührt.Sollten wir einmal einen Ausflug ans Meer machen, dann zeige ich euch im Gegenzug die Kunst des Fischfangs.“

Luxurr antwortete mit gerunzelter Stirn: „Ans Meer, edle Dame? Ist das die nächste Etappe dieser Jagd? Ich hatte nicht gedacht, dass sie so umfangreich werden würde…Sind Meeresfische denn schwieriger zu fangen als solche aus Seen und Flüssen?“ „Ich habe gehört, es soll zumindest größere Fische im Meer geben als in unserem Rodasch?“, sprang Xorgolosch mit ein und schaute ebenfalls fragend in Richtung Efferdane. In sich schauderte es aber den Zwerg, als er an das Meer dachte - diese unsagbaren blauen Tiefen ersäufen wohl jeden, der meint sie bezwingen zu wollen.

Nordmarken Barsch2.png

Die Edle von Tannwald stieg kurz von ihrem Pferd ab, griff nach einem Apfel aus ihrer Satteltasche und biss hinein. Ein dunkler Schatten raste plötzlich an ihr vorbei und hätte sie fast von den Füßen gerissen. Ein Reiter in dunkler Kleidung und einem schwarzen Pferd war an ihr vorbei geprescht. Vor Schreck hatte Gundula den Apfel fallen lassen. „Ja, will er mich den umbringen? Verflucht sollt ihr sein Dankrath von Schleckenbronn!“, keifte sie dem Reiter hinterher. „Was schaut ihr so dämlich, ich bin hier die Unschuldige!“, blaffte sie beobachtende Gäste an. Dann stieg sie wieder aufs Pferd und ritt alleine von dannen.
Tatsächlich gab es einige Gäste die ebenfalls wie das Tannwalder Gefolge abseits ritten. Der Jagdausflug, so sehr Orinka auch an ihre Fähigkeiten als Jägerin zweifelte, erwies sich doch als willkommene Abwechslung. Es war ein schöner Ausritt durch eine wunderschöne Landschaft. Orinka genoss die kühle, feuchte Luft und nahm einige tiefe Atemzüge. Als sie heute morgen erwachte haderte sie mit dem gestrigen Verlauf des Abends. Nicht das Essen gab ihr Anlass zu hadern vielmehr das sie die Absichten die sie sich vorgenommen hatte nicht in die Tat umsetzen konnte. Viel zu schnell hat Satinav das Rad der Zeit gedreht. Sie hatte es nicht geschafft mit den anderen Gästen ins Gespräch zu kommen.

Diese Gedanken sind ihr glücklicher weise schnell verflogen als sie auf dem Rücken ihres Pferdes hinaus geritten war. Sie liebte das Reiten und das Reisen. Der Ausflug endete jedoch abrupt als die eigentliche Jagd begann. Glücklicher weise, Ritt sie nicht sonderlich weit vorne in der Gesellschaft. So blieb es ihr zumindest erspart inmitten der Edlen Gesellschaft, die wie auf ein stummes Kommando in ein Jagdfieber gefallen zu sein schien, sich aus dem Chaos von fliehenden Hühnern, angreifenden Falken und unruhig tänzelnden Pferden heraus zu manövrieren. Sie musste schmunzeln beim Anblick der Jagdszene, als sie im Augenwinkel einen herannahenden Reiter wahr nahm. Er war recht schnell und kreuzte gefährlich nahe den Weg einer kleineren, recht feisten Edlen.
Orinka konnte sich nicht daran erinnern sie gestern an den Tischen gesehen zu haben. Sie schlussfolgerte jedoch das es sich wohl um die Edle von Tannenwald handeln musste. Bei dem entsetzten Aufschrei der Edlen musste sie Lachen und sagte „na das hätt beinahe fette Beute gegeben“ immer noch Lachend biss sie sich auf die Unterlippen und hoffte das ihr Bemerkung nicht zu laut gewesen war. Sie schaute dem vorbei preschendem Reiter hinterher und wunderte sich darüber welches Ziel er wohl hatte? Sie sah sich um und musterte die anderen Personen in ihrer nähe. Aidan von Föhrenschild ritt etwas abseits seiner Lehnsherrin. Ohne dem geselligen Treiben um ihn herum viel Beachtung zu schenken, liess er seinen Blick nachdenklich über die Landschaft gleiten. Nur aus dem Augenwinkel wurde er dem dunkeln Reiter gewahr, der knapp an seiner Herrin vorbei preschte und gleich darauf drang ihr wütendes Geschrei an sein Ohr. Kurz schien er zu überlegen, doch dann trieb er sein Pferd an und schloss nach kurzem Trab zu Gundula von Zweigensang auf. «Euer Wohlgeboren, seid ihr unversehrt? Wer erlaubte sich diese Rücksichtslosigkeit?» Diese schnaubte bloß und gab ihrem Pferd die Sporen. „Trollt euch, Föhrenschild, und haltet mir den Schleckenbronner vom Leib.“ Reginhard hatte sein Pferd seit den ersten Augenblicken der Jagd kaum bewegt und blickte sich aufmerksam um. In den Augenwinkeln nahm er wahr, dass die Junkerin von Knechtstett beinahe gestürzt wäre und dass Meingard sich ihr annahm. Das war für sie alle drei vorteilhaft. Die Junkerin wurde vor einem peinlichen Sturz bewahrt. Meingard fühlte sich nützlich. Und Reginhard musste nicht länger ihren missmutigen Blick erdulden. Und es gab ihm Zeit, die Umgebung ausführlich zu beobachten. Er vernahm die Szene zwischen den Edlen von Tannwald und von Schleckenbronn, sah zwei Reiter davonpreschen und eine Gruppe, die sich auf einem Hügel sammelte. Er wartete und lauschte dem Gespräch seiner Schwester. Die rechte Hand streichelte sanft den Rücken seines Pferdes.
Die Blicke Reginhards, Orinkas, Aidans und Elkos trafen sich.
Als Orinka sich einen Überblick in dem durcheinander zu verschaffen suchte, bemerkte sie, dass sich ihr Blicke mit dem der Edlen aus Kyndoch und dem Edlen aus Fuchsgau trafen.
Sie versuchte ihr Lippen zu glätten um das Schmunzeln aus ihrem Gesicht zu bekommen was ihr letztlich nur mit einer wedelnden linken Hand vor dem Gesicht und einem deutlichem „Puhhu das war aber Knapp, fandet ihr das nicht auch furchtbar rücksichtslos und leichtsinnig von dem Herrn, wie hieß er gleich noch?
Man kann wahrlich sagen das die Götter ihre schützende Hand über der Edlen gehabt haben. Das hätte schlimmer ausgehen können“. Nun da Orinka sicher war das sie ihre Mundwinkel wieder unter Kontrolle hatte, hörte sie mit dem Wedeln der Hand auf. Sie richtete sich etwas im Sattel auf und Fragte dann „und wie ist es um euer Jagdglück bestellt Edle Herren?“ „Dankrath von Schleckenbronn, nehme ich an“, antwortete Reginhard auf die Frage Orinkas. „Das kam unerwartet, in der Tat.“ Seine Lippen formten sich zu einem charmanten Lächeln. „Mein Jagdglück habe ich noch nicht auf die Probe gestellt. Ich jage mit dem Bogen, doch vage ich es nicht, über die Köpfe der Gruppe vor uns zu schießen. Mir scheint allerdings, ein paar der Gäste halten sich zurück.“ Und er deutete auf den Hügel. „Dort muss es einen guten Ausblick auf das Treiben hier geben. Ich denke, auch dorthin zu reiten. Wollt Ihr mir folgen?“ Da seiner Gutsherrin scheinbar nichts passiert war und sie keiner unmittelbare Unterstützung wünschte, entspannte sich Elko und ging auf das Gespräch Orinkas und Reginhards ein. Aus Angst seine Unerfahrenheit mit der Jagd zur Schau zu stellen, liess Elko unerwähnt, dass er bisher noch nicht verstanden hatte, welches Verhalten eigentlich genau von den jagenden erwartet wurde und antwortete stattdessen: „Hört sich nach einer guten Idee an. Kommst du auch, Aidan?“

“Oh ja“ sagte Orinka „da habt ihr durchaus ein gutes Auge unter Beweis gestellt. Ich denke der Hügel ist eine vortreffliche Idee, zumal es mir für eine konzentrierte Jagd hier etwas zu turbulent zugeht. Ich wäre untröstlich wenn sich meine Stute ein Bein verletzt oder durch mich einer der Edlen Vögel zu schaden kommt.“
Ein lauten Lacher konnte Orinka sich nur durch ein gekonntes Räuspern verkneifen. Allein ihrer Selbstbeherrschung wahr es zu verdanken das aus dem gesagtem lediglich ein zweideutiges Lächeln erwuchs. Erneut räusperte sie sich und sprach.
„Die Herren, lasst uns den anderen auf dem Hügel Gesellschaft leisten und überlegen wie wir unser Geschick am ehesten in ein gutes Licht stellen können. Zudem muss ich unbedingt etwas trinken. Mein Hals ist bereits völlig ausgetrocknet.“ Mit leichtem Schenkeldruck lenkte sie ihr Pferd um, nur um dann noch kurz inne zu halten. Sie wendete sich nochmal um und sagte.
„Verzeiht Edle Herren wir saßen ja gestern zum Essen nicht zusammen. Mein Name ist Orinka von Kieselgrund ich vertrete das Edlengut Steinbrücken aus der Baronie Eisenhuett.“ Damit wendete sie ihre graue Stute und lenkte sie abseits der Schussbahnen in Richtung des Hügels. Mit verstimmtem Gesichtsausdruck sah Aidan seiner Lehnsherrin nach, als diese davon galoppierte. Halb zu Elko neben ihm, halb zu sich selbst murmelte er, ohne den Blick von der Davoneilenden zu nehmen: «Die Pflichten eines Ritters sind nicht immer die angenehmsten.» Dann wandte er sein Pferd und lenkte es ebenfalls in Richtung des Hügels. «Mir gefällt diese Jagd nicht. Man fühlt sich, als wäre man immer noch am Hof. Bloss sitzt man dabei auf dem Pferd. Eine Jagd sollte kein Zeremoniell sein, sondern in Verbindung mit - ». Hier hielt er Inne in dem sein Blick auf die Edle von Steinbrücken fiel, der er jetzt erst gewahr zu werden schien. «Verzeiht mir meine Rede, Euer Wohlgeboren. Aidan von Föhrenschild, Ritter im Dienste des Gutes Tannwald» sprach er mit einem leichten Nicken zu Orinka.

„Reginhard von Kropfenhold,“ antwortete dieser auf die Vorstellung der Edlen von Steinbrücken. Dann wendete er sein Pferd, um eben dieser gemächlich zum Hügel zu folgen.
Orinka lenkte ihr Pferd geschickt ohne übermäßig die Zügel zu benutzen. Die Vorstellung der Edlen beantwortete sie mit einem Kopfnicken und einem freundlichen Lächeln.
Das Jagdgetümmel schien sich etwas zu beruhigen, jedenfalls den Geräuschen nach. Orinka wäre froh wenn diese schreckliche Jagd endlich ein Ende fand und war gleichzeitig zufrieden auf die Aussicht mit den Edlen Herren auf dem Hügel ein interessantes Gespräch zu führen. Bisher war es schon ganz gut gelaufen, sie konnte doch ein zwei neue Kontakte für sich verzeichnen. Was diese in Zukunft jedoch bringen wird, wird die Zeit entscheiden.

Orinka Sah sich in der Umgebung aufmerksam um und genoss die frische Brise du um ihr Nase spielte. Als sie sich dem Hügel näherten schaute sie sich die dort versammelte Gesellschaft genauer an. An einer geeigneten Stelle stieg sie von ihrem Pferd ab, richtet kurz ihre Kleidung und wandte sich den ihr folgenden Herren zu und sprach. „Ritter von Föhrenschild erzählt ihr mir etwas von eurem gestrigen Abend?

Ihr habt mit dem Haushofmeister zu Tisch gesessen oder? Ich bedaure es sehr nicht auch die Gelegenheit gehabt zu haben an den anderen Tischen ins Gespräch zu kommen. Obwohl ich sehr gut Unterhalten wurde an meinem Tisch.“ Orinka wandte sich um.

„Edler von Kropfenhold ihr habt mit der Jagdmeisterin gespeist wenn ich nicht irre.
Es wurde ja viel gesprochen an eurem Tisch zwischenzeitlich, muss ich gestehen, bin ich etwas neidisch geworden als der Edle von Feuerberg eine Erzählung zum besten gab. Ich liebe es wenn nach Musik, Wein und Bier die Zeit der Geschichten kommt.“
Orinkas lächeln wurde offener und ihr Augen begannen ein klein wenig zu leuchten als sei sie kurz in schönen Erinnerungen versunken.
Dann wandte sie sich in Richtung Elko. „Hoher Herr von Flussgrund, nun das ihr gestern am Tisch mit dem Edlen von Föhrenschild gespeist habt, ist mir natürlich nicht entgangen aber so berichtet doch., ihr seit mit Familie angereist? Die anderen beiden edlen Herren tragen doch ebenfalls den Namen von Flussgrund. Das macht mich sehr neugierig, was das Gut Tannwald angeht. Wie kam es dazu, das ihr mit euren Verwandten her gereist seit?“ Orinka schaute sich kurz um, um sich zu vergewissern das sie keinen vergessen hatte anzusprechen, was womöglich unhöflich gewirkt hätte.

Nachdem sie sich sicher war, niemanden vergessen zu haben zog sie einen Trinkschlauch aus ihrer Satteltasche und gönnte sich einen Schluck Wasser. Da er sah wie Orinka von Kieselgrund vom Pferd abstieg, tat Elko es ihr gleich und ging auf ihre Frage ein: „In der Tat, Euer Wohlgeboren, sind sowohl mein Bruder Ebro wie auch mein Onkel Waldemar gestern mit uns aus Tannwald angereist. Die Edle von Tannwald hat mir in meiner Funktion als Kämmerer die Ehre erwiesen, sie auf diese Reise begleiten zu dürfen. Sie hat sogar erlaubt, dass meinen Bruder, der seit dem Tod unseres Vaters ebenfalls in Tannwald weilt, uns begleitet. Seiner Gnaden Waldemar von Flussgrund, nun ja, schien als Vertreter Firuns ebenfalls mehr als geeignet um sich dieser Jagd anzuschliessen. Dass nun heute gleich drei Flussgrunder anwesend sind, hat also einzig damit zu tun, dass die beiden, also Ebro und Seiner Gnaden, mich in den letzten Monaten in Tannwald so tatkräftig unterstützt haben.“
Elko blickte kurz verlegen umher. „Ah, da reitet er ja, mein Bruder Ebro -“ und er zeigte auf Ebro, der sein Pferd sichtlich freudig zu hohem Tempo antrieb.

Mit offenem Interesse lauschte Orinka den Ausführungen Elko´s und genehmigte sich gleich noch einen Schluck des kühlen Wassers. Bei der Erzählung über die Familienband und das zusammenwachsen der Brüder und des Onkels ging ihr das Herz auf. Nichts ging über die Meschpoche die mit jedem schmerzlichem Verlust innerhalb, nur noch enger zusammenrückt und geschlossen die Bande zueinander neu und um ein vielfaches stärker wob. Orinka folgte dem Finger des Edlen Elko lächelte offen und sprach. „Es ist erhaben so frei auf dem Rücken eines Pferdes sich die Last des Lebens von den Schulter zu reiten.“
Dann wandte sie sich Elko zu.
„ Euer Bruder und euer Onkel können sich wahrlich glücklich schätzen das sie euch haben edler Herr. Ihr gebt ihnen in schwierigen Zeiten einen Platz an dem sie sich einbringen und gutes Tun könne. Glaubt mir, ich weiß was es heißt eine Familie zu haben. Ich würde ohne zu zögern jedem dem Krieg erklären, der es wagt Hand an meine zu legen. Mit einem lächeln wandte sie ihren Blick wieder Ebro zu und beobachtete seinen Galopp. Reginhard hatte der Unterhaltung gebannt zugehört und nickte sanft. „Familie ist etwas sehr Wertvolles.“ Kurz schweiften seine Gedanken an seine verstorbenen Brüder ab. Dann wand sich sein Blick der Jagdszene vor ihnen zu. „Ich meine, der Vogt von Schlehbronn hat soeben erfolgreich einen Vogel erlegt.“ Reginhard klatschte anerkennend in die Hände.

Auch Elko blickte beeindruckt in Richtung des erlegten Tiers. Leise sagte er zur Edlen von Steinbrücken: „Ich fühle mich geehrt, Euer Wohlgeboren, doch fürchte ich, dass ein Missverständnis vorliegt. Gundula von Zweigensang ist die Edle von Tannwald - ich bin lediglich ihr bescheidener Kämmerer.“

Orinka schob ihren Trinkschlauch wieder in ihre Satteltasche zurück. Dem Beifall bekennendem Klatschen und dem Hinweis Reginhardts folgend wendete Orinka sich dem Jagdgeschehen zu.“ Oh ja ihr besitzt ein gutes Auge das ist wahrlich ein Prachtfang“. Orinka bekundete ebenfalls mit einem Klatschen ihren Respekt zum Fang. Dann neigte sie sich mit bedacht Elko zu und antwortete, „gewiss Herr Elko von Flussgrund ganz gewiss, lasst euch eins sagen. Nicht unsere Titel entscheiden wer wir sind, alleine unsere Taten.
Eure Bescheidenheit legt für euch ein Zeugnis ab“.
Dann wendete sich Orinka wieder der Jagd zu. Elkos Blick blieb derweil noch auf Orinka hängen. Zwar stimmte er geistesabwesend in den gelegentlichen Beifall der anderen ein, doch starrte er noch eine ganze Weile verdutzt und nachdenklich die Frau im wattierten Waffenrock an. Ihre langen roten Zöpfe, die Kleidung aus Wildleder, das elegante Schwert.

Reginhard lauschte den Worten der Edlen von Steinbrücken, nicht ohne das Geschehen auf dem Hügel im Auge zu behalten. Neugierig beobachtete er vor allem,wenn auch aus der Ferne, das Gewerkel des Angroschim. Als sich der Bolzen löste und in weiter Ferne ein Silberreiher umfiel, applaudierte Reginhard erneut. „Welch ein Schuss. Habt Ihr das gesehen?“ Reginhard stieg von seinem Pferd und begann, seinen Bogen vorzubereiten. „Ich denke, es wird Zeit, dass wir dem Herren Firun huldigen und dem Baron unsere Ehre erweisen.“ Er sah sich um, ob sich ein weiteres lohnenswertes Ziel in der Nähe befand.

Spurensuche landeinwärts

Die Gruppen waren schnell sortiert und so konnte es wie vom Baron gewünscht auf Spurensuche gehen.
Der Weg führte die Gruppe vom Fundort der Leiche weg in Richtung des Hinterlandes, die Spur der Reiter war schließlich in den feuchten Auen gut zu erkennen. Sie machte um das naheliegende Wäldchen einen Bogen und verschwand dann aus der Sicht.
„Nun, die Damen und Herren, aufgesessen und abmarschiert,“ rief Eichward in die Runde, als er sich auf sein Pferd setzte und sich auffordernd umblickte. „Wenn wir einen Hund aus dem Zwinger des Barons mitnehmen sollen, kann diesen einer von Euch führen? Der Herr von Flussgrund vielleicht?“ Meginhard von Schwarzdorn, der noch immer auf seinem Pferd saß und unruhig in seinem Sattel hin und her rutschte, blickte fragend in die Runde. So, als fühle er sich selbst nicht angesprochen.

Als sich jedoch niemand zu Wort zu melden schien, fügte er nach einem Moment der Stille hinzu: „Ich meine, das schaffen wir auch ohne Hunde. Die Spur ist hier noch gut sichtbar und drei Pferde mitsamt Reitern sollten hier auffallen, nicht?“. Dann wendete er sein Pferd und ließ es langsam der Spur folgen.

Efferdane folgt leisen Schrittes, soweit dies per Pferd möglich ist.
Immerhin haben sich Pferd und Reiterin inzwischen so gut aneinander gewöhnt, das Efferdane den Anschluss an die Gruppe halten kann.
„Der Tote ist ohne Verletzungen?
Als ob ihn der Schlag getroffen hätte?“
Waldemar, über das abrupte Ende der Jagd etwas sprachlos gemacht, hörte den Vorschlag von Eichward zwar, reagierte aber erst mit Verspätung. Er führte seinen Tizamtaler zum Zwinger und liess sich wortlos einen Hund aushändigen und folgte der Gruppe. Da weder er noch sein Pferd den Rüden kannten und umgekehrt, gelang dies nicht sehr filigran und der Firungeweihte musste einige male kräftig an der Leine ziehen und laute Befehle brüllen.

Eichward reihte sich wenige Schritt hinter dem Firungeweihten in den Trupp ein. sorgen über einen Überfall machte er sich nach wie vor nicht, niemand wäre so dumm eine Gruppe Adliger mitten in den eigenen Landen anzugehen. Er würde sich voll auf das Können des Geweihten verlassen, was die Verfolgung der Spur anbetraf, aber stets ein waches Auge in die Richtung haben, in die sie ritten, um mögliche Flüchtige oder Personen in Not frühzeitig zu entdecken. Die Halterung des Sauschwerts am Sattel lockerte er vorsichtshalber, falls es doch geboten war bei der Verfolgung einen Delinquenten aus dem Sattel schlagen zu müssen.

Luxurr von der Xoramswand wusste nicht so recht, was zu tun war. Ein Teil der Jagdgesellschaft entfernte sich entlang des Flusses, ein anderer ritt dagegen weiter ins Landesinnere hinein.

Der Zwerg besah sich noch einmal kurz den Perlenohrring in seiner Hand, der offenbar doch nicht der Verstorbenen gehört hatte, wie er es angenommen hatte. Dieses Rätsel galt es aber wohl, später zu lösen. Eine Edle war tot; der Anstand gebot es, die Umstände ihres Ablebens zu klären und ihren Angehörigen zumindest diese Ungewissheit zu nehmen. Luxurr verstaute den Ohrring in einer seiner Gürteltaschen und schwang sich auf sein Pony. Bequem war es nicht im Sattel zu sitzen, aber in dieser Situation wieder einmal notwendig.

Mit einem kleinem Stoßgebet an Angrosch auf den Lippen ließ Luxurr das Tier antraben, um den Abstand zu den Vorausreitenden aufzuholen. Er hatte sich dafür entschieden der Gruppe zu folgen, die vom Fluss wegritt. In dieser Richtung hatte er schließlich auch den Ohrring gefunden. Als er sich den anderen Reitern näherte, ließ er die Zügel wieder etwas lockerer und das Pony trottete ihnen anschließend hinterher. Der Zwerg blieb stumm. Der Jäger mit dem angeleinten Hund schien zu wissen, wo es lang ging.
Nachdem er sich nach einem kurzen Schulterblick davon vergewissern konnte, dass einige Begleiter ihm folgten, ritt Meginhard weiter langsam, aber stoisch voran. Da der hünenhafte Geweihte mit dem Hund an der Leine und der Zwerg auf einem Pony folgte, passte er den Schritt seinen Pferdes an. Die Spuren waren noch hervorragend zu erkennen und so begann er sich, vom stetigen Schaukeln im Sattel begleitet, Gedanken zu machen, wer die drei Reiter wohl waren und wohin es sie getrieben haben könnte.

Aidan von Föhrenschild ritt neben dem Firungeweihten, der ihn aufgefordert hatte, sich ihm anzuschliessen. Dieser Ausritt in kleinerer Gruppe, weg vom grossen Jagdtreiben, hätte ihn an anderen Tagen freier atmen lassen. Doch nun ritt er schweigend und mit etwas finsterer Mine neben Waldemar. Zwar spähte er, als jemand der an Wald und Wildnis gewohnt war, aufmerksam ins Unterholz und achtete auf Spuren, doch schien er zugleich angestrengt über etwas nachzudenken. Ohne Zweifel eine Reaktion auf den überraschenden Tod seiner Lehnsherrin, wenn auch vielleicht nicht diejenige die man als erstes erwarten würde. Auch wenn er es nie zugeben würde, Waldemar fühlte sich beruhigt, dass der Hausritter vom Tannwald neben ihm ritt. Er verfluchte sich aber innerlich über die Mitnahme des Hundes, der ihn in diesem Moment mehr behinderte denn bei der Spurensuche half.

Der Jagdhund, der Hundeführer hatte ihn ‚Rondrian von Zitterpelz‘ genannt, sträubte sich erst seinem neuen Herren zu folgen, aber ein letzter Befehl des Hundeführers ließ ihn gehorsam an der Seite des Firungeweihten traben. Die verschiedenen Düfte der Spuren drangen in seine Nase und so zog er die Nase kaum einen Finger breit über dem Boden an. Es ging geradewegs auf den Spuren der Reiter entlang auf das kleine Wäldchen zu. Nach einiger Zeit hatten sie dieses erreicht und Rondiran ging weiter witternd auf der Spur, die sich auch für Ungeübte deutlich im noch feuchten Gras abzeichnete. Aber dann, sie waren einige Schritt parallel zum Waldrand entlang geritten, als Rondrian auf einem Wildwechsel stehen blieb, rechts in den Wald schnüffelte und dann den Firuni abwartend anblickte.

Eichward hielt sich zunächst weiter hinter dem Firungeweihten zurück. Er konnte sich noch lebhaft daran erinnern, wie einer der Spurenleser ihn im Albernia-Aufstand damals zurechtgewiesen hatte, als er sich ohne dabei helfen zu können unverdrossen vorgedrängt und fast die Fährte der Rebellen zertrampelt hatte, der sie damals in seinen jungen Jahren gefolgt waren. Einen solchen Fehler würde er hier sicher nicht begehen, wenn ihn der Geweihte nicht explizit auffordern würde nach vorne zu kommen. Waldemars Muskeln entspannten sich ein wenig nachdem der Hund sich einfacher führen ließ, die Fährte aufnahm und die Gruppe am Wald entlang führte. Als Rondrian dann aber stehen blieb, schnellte seine Hand nach oben um die Gruppe zu stoppen. Er sprang von seinem Pferd, zog sein Jagdmesser und begab sich in Lauerstellung. Meginhard stoppte sein Pferd ebenfalls und blickte etwas verwundert über die Schulter. Ihm schien, als hätte der Geweihte etwas entdeckt. Da dieser nun auch sein Messer zog, tat Meginhard es ihm gleich und zog langsam sein Schwert aus der am Sattel befestigten Scheide. Dann tätschelte er mit der freien Hand die Flanke seines Pferdes um es zu einem ruhigen Stand zu bringen, beugte sich im Sattel nach vorne und kniff die Augen zusammen, so als versuche er in dem Wald das gleiche zu erspähen wie Waldemar. „Was ist dort"?“, frug er diesen flüsternd.

Waldemar sah, dass die Spuren weiter parallel zum Waldrand liefen, aber hinter einer Buschgruppe, die aus der Waldstück hervorragt, verschwinden. Rondrian stand weiterhin steif mit der Nase in Richtung des Waldes und wuffte leise.
Waldemar flüsterte zu den umstehenden Adelsleuten: „Die Spuren führen hinter diesen Busch da vorne aber der Hund scheint etwas gewittert zu haben. Es ist bestimmt sinnvoll seinen tierischen Sinnen Vertrauen zu schenken.“ Waldemar stellte sich vor, wie ein Reh sich jetzt verhalten würde und schlüpfte trotz seiner hünenhaften Gestalt unter den Ästen am Rand hindurch in den Wald hinein.

Nordmarken Barsch2.png

Efferdane bemühte sich etwas zu sehen, streckte ihren Hals empor. „Hat euer Hund etwas gewittert?“
Eichward blieb auf seinem Pferd sitzen und versuchte, dem Firungeweihten mit Blicken durchs Gebüsch zu folgen. Dann setzte er sein Pferd mit einem Schenkeldruch neben Efferdane. „Sollte der Herr von Flussgrund gleich etwas aufstöbern und aus dem Gebüsch scheuchen, seid ihr so fest im Sattel das Euch kein Ungemach droht, falls Euer Tier erschrickt, oder mögt ihr, das ich zur Sicherheit an Eurer Seite bleibe?“

„Bei Efferds Bart, ich muss gestehen das meine Reitkunst zwar Fortschritte macht, aber ich noch etwas auf Sattel schaukele wie ein Kahn auf dem Wellen.
Daher nehme ich eure Hilfe gerne an.
„In diesem Fall… was haltet ihr davon, wenn wir uns etwas von dem Gebüsch entfernen und gemütlich den Spuren dort,“ dabei deutete Eichward auf die gut sichtbaren Hufabdrücke, „zumindest bis dort vorne folgen, wo wir vielleicht sehen wie sie weiter verlaufen und gleichzeitig noch die restliche Gesellschaft im Blick haben?“ Efferdane nickte „Das ist eine gute Idee. Diesen Spuren zu folgen sollte selbst mir als Stadtmensch nicht zu schwer fallen. Mal sehen ob die anderen schon was entdeckt haben.
Nach dieser Bestätigung setzte Eichward ruhigen Schrittes neben Efferdane sein Pferd wieder in Bewegung und hielt auf die voraus liegende Buschgruppe zu. Der Geweihte würde sich schon bemerkbar machen, sollte er doch Hilfe benötigen. Und so weit, dass er nicht mit einem schnellen Antritt des Pferdes gleich wieder da wäre, würden sie ja zunächst gar nicht vorreiten.

Mit einem Seitenblick zu Luxur und dem Ritter von Föhrenschild, in welche Richtung diese sich wenden würden, nickte er Efferdane aufmunternd zu. „Wohlan, dann lasst uns einmal sehen, ob hinter diesen Büschen mehr ist als nur weiterer Wald.“
Nachdem Eichward die Buschgruppe umgangen hatte, konnte er den weiteren Verlauf des Waldes und der Spur erkennen. Diese verlief weiter parallel zum Waldrand, aber nach ungefähr weiteren zweihundert Schritt Ende das Wäldchen und die Spur verschwand aus dem Sichtfeld. Der Zwerg warf einen kurzen Blick auf den Pfad, der in in das Wäldchen hineinführte. Hufabdrücke würden sich dort sicherlich nicht so gut zu finden sein, wie hier im Offenen, nur der Hund würde in diesem Dickicht unter Umständen etwas erschnüffeln können. Seine Armbrust wäre dort drinnen aber sicherlich nicht von großer Hilfe und das mühselige Ab- und Aufsteigen wollte sich Luxurr gerne ersparen.

Nachdem Eichward dem Zwergen einen fragenden Blick zugeworfen hatte, ließ dieser sein Pony wieder anreiten und folgte dem Junker und der Efferdgeweihten. Die Fährte schien leider noch kein Ende zu nehmen.
Efferdane blickte auf den Waldboden..“Nun dann werden wir wohl weiter suchen müssen. Aber immerhin besser als das die Spur sich im nirgendwo verläuft. Doch ich frage mich immer noch…wer tut sowas? „Da habt ihr recht meine Liebe, besser so als das wir die Fährte nicht mehr sehen würden,“ entgegnete Eichward. „Vielleicht haben sich diejenigen die wir Verfolgen ja tatsächlich getrennt und einige sind in den Wald, und nur einer ist mit den Pferden am Zügel weiter um die Fährte zu legen. Ich habe so etwas einmal in einer Geschichte gehört. Aber ohne einen echten Spurenleser werden wir es wohl nur raten können.“ Eichward lauschte einmal in die Richtung aus der sie gekommen waren, konnte aber weder vernehmen das nach ihnen gerufen wurde, noch sonst etwas aus dem Wald hören wo der Geweihte und Meginhard verschwunden waren. „Da hinter uns und im Wald alles ruhig und friedlich zu sein scheint … die wenigen Meter bis dort vorn wo die Spuren am Ende des Wäldchens nicht mehr zu sehen sind … das geht schon noch, oder?“ Dabei setzte er sein Pferd wieder in Bewegung, ein neugieriger Blick hatte sich auf seinem Gesicht breit gemacht. „Wollt ihr mich das kurze Stück begleiten, oder lieber hier warten?“ fragte er schon halb über die Schulter zu seinen Begleitern. Efferdane möchte Eichward lieber begleiten.

„Merkwürdig das der Täter nicht versucht hat die Spuren zu verwischen. Das deutet eher darauf hin das es kein Profi war. Vielleicht war die Tat auch nicht so lange geplant, vielleicht aus der Situation heraus? Luxurr ließ das Pony wieder anreiten: „Nun, hier hier zu bleiben wird uns vermutlich nicht klüger machen und die anderen kommen in diesem Wäldchen sicherlich auch ohne uns zurecht. Ich stimme euch zu, Herr Junker, wir sollten das Licht des Tages ausnutzen und der Spur noch weiter folgen.“ Die Spuren der Pferde waren klar zu erkennen, somit hatte Eichward keine Probleme ihnen zu folgen. Und als er dann um die Ecke des Waldes spähen konnte, sah er das sie auch weiterhin in einiger Entfernung am Waldrand entlang weiter verliefen.

„Es scheint, als hätten Sie den Wald einfach umrundet.“ Meinte Eichward zu seinen Begleitern. „Auf jeden Fall würden wir uns von Meginhard und dem Herrn vom Flussgrund trennen, wenn wir der Spur nun weiter folgen. Sie haben ja am Waldrand ihre Pferde zurückgelassen, kommen auf jeden Fall irgendwann wieder heraus aus dem Dickicht. Ich schlage vor, wir geben ihnen vielleicht ein halbes Stundenglas? Wenn dann weder Geschrei aus dem Wald kommt noch sie uns folgen, haben sie das Tannicht vielleicht schon durchquert und warten auf der anderen Seite. Das sollte ihnen genug Zeit geben, ehe wir weiter reiten. Oder möchte einer von Euch kurz zurückreiten, und nach den beiden sehen? Oder soll ich vielleicht, ich bin vermutlich der schnellste Reiter von uns?“ „Sofern Ihr dies als ratsam erachtet… Der Geweihte des grimmigen Gottes dürfte sich in diesem Unterholz allerdings besser zurecht finden als die meisten anderen und nicht blindlings in Gefahr geraten, zumal Vogt Meginhard ja bei ihm ist. Ich votiere dafür weiterzureiten und möglichst viel in Erfahrung zu bringen, bevor es zu dunkeln beginnt. Umso genauere Schlüsse können wir dann über das Ableben der Edlen von Zweigensang ziehen.“

„Wohlan, dann wollen wir es genau so halten. Ihr habt Recht, den Einbruch der Dämmerung sollten wir nicht abwarten. Die Lande sind zwar zivilisiert und die nächste Unterkunft sicher nicht weit, aber ich würde ungern des nächtens hier irgendwo herumstreifen müssen,“ stimmte Eichward dem Angroschim zu. „Lasst uns das verbliebene Praioslicht nutzen und der Fährte so weit als möglich folgen.“ Damit war es für ihn entschieden. Die beiden zurück Gebliebenen würden der Spur sicher selbst folgen können. Dennoch brach Eichward nun einen Zweig vom nächsten Busch, und steckte ihn wie eine Fahne neben der Spur in die Weiche Erde. Efferdane stimmte den Vorschlägen zu. Sie war nachdenklich geworden.
Doch es galt nun sich auf die weiteren Nachforschungen zu konzentrieren.

Der Keiler

Meginhard seufzte, steckte sein Schwert zurück und ließ sich aus dem Sattel gleiten. Dann führte er sein Pferd die wenigen Schritte bis zum Waldesrand und band es dort schnell an einen Baum. Dann zog er sein Schwert erneut und schlich in geduckter Haltung ein gutes Dutzend Schritte hinter dem Geweihten mit seinem Spürhund den kleinen Pfad entlang. Er versuchte dabei leise zu sein, was ihm nicht immer gelang.

Als Waldemar den Wildwechsel betrat, folgte ihm Rondrian auf dem Fuße. Durch das dichte Unterholz konnte der Geweihte allerdings den gewundenen engen Pfad nur ein paar Schritt überblicken und auch seine Gefährten waren nach kurzer Zeit aus seinem Blick verschwunden. Mit Ausnahme Meginhards, der ihm mit gezogenem Schwert in einigem Abstand folgte.

Waldemar spürte die Anwesenheit von Meginhard in seinem Rücken und ging mit großen Schritten dem Pfad entlang. Der Wildwechsel war eng und gewunden und das Unterholz bestand aus weit ausladenden Brombeersträuchern, die mit ihren Dornen das Vorankommen und die Sicht zusätzlich erschwerten.

Meginhard versuchte mit einem lauten Zischen den Geweihten auf sich aufmerksam zu machen: „Ssssst! Ssssst!“, ehe er mit gedämpfter Stimme zu Waldemar rief: „Euer Gnaden, seid ihr euch sicher, dass wir hier richtig sind? Ich erkenne keine Spuren. Vielleicht jagt der Köter nur einem Hasen nach!“
Waldemar versuchte sich mit seinen großen Körper an den Dornen so gut es ging vorbeizudrücken, allerdings gelang dies eher schlecht als recht und er hatte schon bald einige Kratzer an Händen und Gesicht. Er war aber so konzentriert darauf dem Hund zu folgen, dass er diesen Umstand gar nicht bemerkte. Er versuchte eins zu werden mit der Umgebung, öffnete seine Sinne und versuchte auf seine Intuition zu vertrauen. Da hörte er im Hintergrund zuerst die Zischlaute und dann die Stimme von Meginhard der ihm ins Dickicht gefolgt war. „Ich traue den Sinnen der Tiere mehr als jene der Menschen, hoher Herr!“ antwortete er knapp und beschleunigte sein Tempo, auch wenn das hieß, dass er noch stärker von den Dornen in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Meginhard erwiderte nur knapp: „Aha.“, und ging nicht weiter auf die Antwort des Geweihten ein. Stattdessen versuchte er angestrengt, mit dem nun schneller werden Mann mitzuhalten.

Der Hund witterte immer weiter und folgte dem Wildwechsel immer tiefer in den Wald hinein. Und dann für die beiden Menschen völlig überraschend, blieb er abrupt stehen, Nase vorgereckt und blickte wie erstarrt nach vorne.

Waldemar tat es dem Hund gleich und ging leicht in die Knie, er versuchte die Umgebung wahrzunehmen und öffnete ebenfalls seine Geruchssinne. Er hob die Hand um Meginhard zum anhalten zu bewegen. Mit dem gezogenen Jagdmesser in der Hand schlich er im Fuchsgang am wie angewurzelt stehen bleibenden Hund vorbei und versuchte zu erkennen, was den Hund zum stehenbleiben gebracht hat.

Meginhard wusste die Geste jedoch nicht sogleich zu deuten und schloss missmutig zu dem Hund auf. Erst als er beinahe schon neben diesem stand, fiel ihm die Lauerstellung und und er duckte sich erschrocken hinter das Buschwerk und versuchte zu erkennen, was der Hund wohl erspäht haben musste. Wenige Schritt vor dem Hund öffnete sich der Wald zu einer Lichtung, die von kniehohem Farn und Gestrüpp bewachsen war. In der Mitte hatte sich vom Regen der letzten Tage ein Pfuhl gebildet, an dessen schlammigen Rand ein Keiler mit der Scheibe wühlte. Das Tier war sicherlich einen Schritt hoch und ragte somit weit über den Farn hinaus. Waldemar konnte nun auch den säuerlichen Wildgeruch wahrnehmen, der von dem sicherlich über hundert Stein schweren Tier ausging. Der Keiler hatte die beiden Menschen und den Hund noch nicht bemerkt, da sie sich entgegen der Windrichtung der Lichtung genähert hatten.

Waldemar starrte auf den mächtigen Keiler, dass es sich nicht um ein Muttertier handelte liess seinen Herzschlag ein wenig ruhiger schlagen. Er wusste aber um die Gefahr die von so einem Exemplar ausgehen konnte, sollte er auf sie zustürmen. Wäre er in einer Notsituation gewesen bei dem er auf das Fleisch und das Fell des Tieres angewiesen hätte er sich dem Keiler gestellt aber unter den gegebenen Umständen entschied er sich für einen geordneten Rückzug. Er drehte sich zu Hund und Ritter um Meginhard erspähte den Keiler durch das Gestrüpp, welches Waldemar zur Seite gebogen hatte. Und auch wenn er nur ein Teil des Tieres sehen konnte, schien dieses kapital zu sein und der Ritter blieb sogleich in Deckung. Auf seinem Gesicht zeichnete sich ein Schrecken ab. Ganz langsam, noch immer in geduckter Haltung, ging er nun wieder rückwärts, während er abwechselnd nach vorne zu zwischen seinen Beinen hindurch blickte, um zu sehen, wohin er den nächsten Fuss am besten setzen solle. Doch vergeblich. Das laute Knacken des Astes auf den Meginhard getreten war, ließ den Keiler aufschrecken und neugierig in die Richtung der beiden Menschen und des Hundes wittern. Da er aber keinen Geruch wahrnehmen konnte und mit seinen schwarzen Augen auch nichts im Gebüsch erkennen konnte, grunzte er unwirsch und kam dann langsam mit gesenktem Kopf auf die Richtung des störenden Geräusches zu.

Meginhard wusste, dass er mit seinem Schwert die falsche Jagdwaffe für einen Keiler gewählt hatte, und so beschloss er, den ungeordneten Rückzug anzutreten. Bevor er Fersengeld gab, blickte er jedoch nochmals in Richtung des Firungeweihten.
Waldemar sah zuerst in das bleiche Gesicht des Ritters und beobachtete dann mit Schrecken, wie Meginhard auf einen Ast stand der knackend nachgab. Die Erleichterung darüber, dass der Keiler offensichtlich die beiden Männer und den Hund noch nicht gerochen hatte, verflog dann aber als Meginhard lautstark die Flucht ergriff. Er beobachtete die Reaktion des Jagdhundes und schätzte die Distanz ab, die noch zwischen ihm und dem Tier lag während er sich langsam bückte und einen Stein in die Hand nahm der neben seinem Stiefel lag.

Rondrian hatte gelernt das Wild nicht aufzuschrecken und so blieb der Jagdhund starr stehen und wartete auf Befehle der beiden Menschen. Der Keiler näherte sich immer weiter dem Rand der Lichtung, den Kopf erhoben, die Scheibe schnüffelnd hin und her bewegend, die Teller nach vorn gerichtet. Als der nur noch drei Schritt vom Dickicht entfernt war, ertönte vom linken Rand der Lichtung ein Gequieke und Gegrunze und zwei Bachen mit gut einem Dutzend Frischlingen betraten lautstark die Lichtung.

‚Ein Zeichen Firuns!‘, dachte Waldemar als er die prächtigen Bachen durchs Unterholz auf die Lichtung treten sah. Er warf den Stein in Richtung der anderen Seite der Blösse in der Hoffnung, dass dies die Aufmerksamkeit der Rotte dorthin lenken möge. Dann trat er langsam im Fuchsgang gegen hinten, die Füße so achtsam wie möglich auf den Waldboden abstellend bis er in etwa die Höhe des Jagdhundes erreicht hatte. Er stellte sich neben den Hund, nahm in wieder an die Leine und ging nun zügigen Schrittes, ohne sich noch einmal umzusehen den Pfad zurück von dem sie gekommen waren.
Als Meginhard sah, dass sich der Geweihte zusammen mit dem Jagdhund ebenfalls daran machte, das Wäldchen zu verlassen, drehte er sich um und verfiel in einen leichten Trab, stets darauf achtend, nicht über einen Ast zu stolpern oder sich im Dickicht zu verfangen. Der Keiler auf der Lichtung indessen hatte sich seinen Bachen und den Frischlingen zugewandt und gar nicht mehr mitbekommen, dass sich die beiden Menschen und der Hund von seiner Lieblingssuhle entfernt hatten.
Waldemar traf an der Stelle an der sie das Wäldchen betreten haben auf Meginhard. Der Firungeweihte brach außer Atem aber mit einem breiten Lachen im Gesicht aus dem Wäldchen. „Was für eine Begegnung, hoher Herr! Ich fühlte mich zum ersten Mal am heutigen Tag ganz lebendig! Wie gerne hätte ich mich mit dem Tier gemessen, aber unser Ziel ist ein anderes, die anderen scheinen schon vorausgeritten zu sein. Wir sollten keine weitere Zeit verlieren.“ Der Vogt atmete tief durch und sah Waldemar etwas irritiert an. Dann begann er übertrieben zu lachen, klopfte dem Geweihten halbherzig auf die Schulter und meinte: „Fein … fein! Dann war Phex statt Firun mit uns!“
Als die beiden Menschen und Rondrian wieder am Waldrand ankamen, war von den Gefährten nichts mehr zu sehen. Zum Glück hatten sie die Pferde der beiden an einem Baum angebunden.
Nachdem der Firungeweihte seinen seltenen Lachanfall, der den Blick auf sein lückenhaftes Gebiss freigab, überwunden hatte, sah er sich kurz die Spuren am Boden an, sass dann auf seinen Tizamtaler und nahm Rondrian an die lange Leine. „Weiter gehts, hoher Herr!“ Hastig verstaute Meginhard sein Schwert wieder am Sattel des Pferdes, band es los und schwang sich darauf. „Ja, sonst fangen die anderen den Schurken noch ohne uns!“ entgegnete er atemlos und ritt weiter den Spuren nach. Es war keine grosse Kunst, den Spuren zu folgen und dank den immer wieder abgeknickten Zweigen kamen die beiden Reiter schnell voran bei der Verfolgung der Gefährten.

Auf den Spuren

Als die Gruppe um eine weitere Ecke des Waldes herumgeritten waren, sahen sie in der Ferne einen dunklen Streifen, der sich vom Waldrand in die Grasebene zog. Die Spur der Reiter führte genau darauf zu.
In sanftem Schritt ließ Eichward sein Pferd weiter den Spuren in die Grasebene folgen, den Blick immer wieder einmal nach links und rechts schweifend, ob er irgendwo vielleicht einen Bauernhof oder ein Dorf sah. Ab und an, wenn die Spur an einem Baum oder Busch vorbei führte, brach er dort erneut einen Zweig ab um diesen wie einen Pfeil neben die Spur zu legen und den hoffentlich Nachfolgenden damit einen Hinweis zu geben, dass sie weiter hinunter die Fährte erwartet würden. Sie waren noch geschätzt einhundert Schritt von dem quer verlaufenden Streifen entfernt, als sie von hinten die donnernden Hufe von galoppierenden Pferde hörten. Mit einem Blick über die rechte Schulter drehte sich Eichward, um zu sehen, ob es die Zurückgebliebenen waren, die sich nun eilten aufzuholen, oder vielleicht sogar Boten des Barons, die ihnen neue Nachricht bringen sollten. Dann zügelte er sein Pferd, um den beiden Reitern die Gelegenheit zu geben aufzuschließen und zu berichten, was sie entdeckt hatten. Erwartungsvoll blickte er ihnen entgegen. Efferdane schloss auf, ihre Reitkünste waren zwar bei weiten noch nicht gut genug um am Turnier zu Gareth teilzunehmen, aber zumindest lies sich das Pferd nun halbwegs von ihr führen.

„Es verwundert mich weiterhin, das offenbar keine Versuche unternommen wurden die Spur unkenntlich zu machen.“
„Nun, vielleicht liegt es auch daran, dass sich diejenigen, denen wir folgen keiner Schuld bewusst sind, dass sie ihre Spuren nicht verbergen? Vielleicht haben sie selbst etwas beobachtet und umgehend die Verfolgung eines Flüchtenden aufgenommen, ohne auf weitere Teilnehmer unserer Gesellschaft zu warten?“ meinte Eichward in Efferdanes Richtung, während sie darauf warteten, dass die Reiter endgültig aufschlossen.

Wenig Augenblicke später waren die beiden Reiter mit dem Jagdhund bei ihren Gefährten angekommen und die Gruppe wieder vereint. „Also ihr meint das der Täter sich gar nicht als solcher sieht? Das es aus seiner Sicht vielleicht nur Selbstverteidigung war? Die Sache wird immer mysteriöser.“ Efferdane streicht sich übers Haar…

Meginhard schüttelte sich kurz verwundert und sah Efferdane fragend an: „Wie kommt ihr darauf Euer Gnaden?“
Als die beiden Nachfolgenden aufgeschlossen hatten, ließ Eichward sein Pferd wieder in gemäßigtem Tempo auf der Spur weitergehen. „Da seid Ihr ja wieder. Wie ihr seht, bei uns hat sich nicht viel getan, die Spur will noch kein Ende nehmen. Was habt ihr entdeckt? Etwas, das uns bei diesem Rätsel weiterhilft?“ Der Vogt von Schlehbronn schüttelte betreten den Kopf. „Einen Eber und seine Rotte, mehr nicht.“, antwortete er Eichward, „Folgen wir lieber weiter der Spur.“. „Dann scheint es ja eine klare Sache zu sein,“ entgegnete Eichward. „Der Hund konnte wohl nicht aus seiner Haut, er ist nun mal ein Jagdhund und kein Schweißhund um Menschen zu verfolgen.“ Mit diesen Worten ließ er das Pferd eine etwas schnellere Gangart anschlagen. „Ich denke, es ist dann am besten, wenn wir diesen Spuren nun so schnell wie möglich folgen. Wer weiß schon wo sie am Ende hinführen mögen, nicht das uns die Dunkelheit später noch überrascht.“ Die Bestätigung der Anderen suchend ließ er den Blick über die Runde schweifen und deutete mit einer freundlichen Geste dem Firungeweihten an, er dürfe gern wieder die Führung übernehmen. Waldemar war erst überrascht ob der lapidaren Erzählung vom Vogt, erinnerte sich dann aber daran, wie schnell dieser sich aus dem Staub machte bei der Begegnung mit dem Eber. Wahrscheinlich hatte er einfach die Bedeutung nicht verstanden. So richtete er sich im Vorbeigehen mit lauter Stimme an die Gesellschaft: „Dieser Eber war ein Zeichen Firuns für unser Vorhaben! Das Wildschwein steht für Zusammenhalt und den unbändigen Willen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Oh Firun gib uns die Kraft von Eber und Bache für eine mögliche Konfrontation und die Bindung der Wildschweinrotte für das Vertrauen untereinander um diesen feigen Angriff zu sühnen!“ Er gab seinem Pferd die Sporen und hielt zusammen mit dem Jagdhund Kurs auf den dunklen Streifen vor ihnen.

Meginhard nickte während der kurzen Ansprache des Geweihten bedächtig und folgte ihm danach zügig.
Je näher die Gruppe dem dunklen Streifen kam, um so besser konnten sie erkennen, dass es sich um einen Karrenweg handelte. Durch die wohl recht häufige Benutzung des Weges war von den Rädern das Gras zerdrückt und die blanke Erde kam in zwei breiten Spuren zum Vorschein.
Die Spur der drei Reiter führte direkt auf den Weg und bog dann nach links - vom Waldrand weg - dem Karrenweg folgend ab. „Ich deute es als ein für uns gutes Zeichen … wohin auch immer diese Reiter wollten, es scheint sich um ein Ziel zu handeln, das öfter angesteuert wird. Vielleicht kommen wir bald an einen Weiler oder eine Hofstelle, wo wir uns nach den Verursachern der Fährte erkundigen können, um Gewissheit zu erlangen wer da vor uns reitet,“ meinte Eichward zuversichtlich in die Runde.
Efferdane nickte Eichward zu.
„Ja vielleicht hat da jemand was gesehen oder gehört und eine kurze Rast wird uns und unseren Pferden bestimmt gut tun.“ Kurz blickte sie zum Himmel. „Efferd schenke uns weiterhin klare Sicht und ein mildes Wetter, auf das wir den Spuren weiter folgen können.“ Waldemar ließ sich zurückfallen, seine Spurenlesefähigkeiten schienen nicht mehr unmittelbar von Nutzen zu sein und so konnte er beruhigt seine Gedanken ordnen. Firuns Botschaft im Wald ließ sein Feuer im Bauch fast erlöschen und gab ihm Gewissheit, die rechte Pflicht auszuüben, was ihn ungemein entspannte. Sein Magen entspannte sich derart, dass ihm ein lauter Furz entwischte, der ihn augenblicklich an sein Weihetier denken ließ. Im Wissen darum, dass sich so ein Verhalten unter solch adeliger Gesellschaft nicht zierte, beobachtete er die Reaktion der anderen Gefähren. Der Karrenweg führte jetzt vom Wald weg und auf eine kleine Gruppe Bäume zu, die in der Ferne sichtbar wurde. Über der Baumgruppe wog eine dünne Rauchsäule im Wind hin und her.
Das knatternde Geräusch aus Richtung des offensichtlich nervösen Magens des Geweihten geflissentlich ignorierend deutete Eichward nach vorne. „Seht, entweder hat sich dort vorn jemand eine Heimstadt geschaffen, oder zumindest ein Lager aufgeschlagen. Gebe Hesinde, dass wir dort ein paar Antworten erhalten. Folgt mir!“ Bei den letzten Worten schnalzte er mit den Zügeln, drückte dem Pferd die Fersen in die Flanken und ließ es in einen schnellen Gallop fallen. Im Galopp schmolz die Strecke wie Eis in der Khom dahin. Je näher die Gruppe nun der Baumgruppe kam, umso deutlicher wurde, dass die Baumgruppe den Windschutz für eine kleine Gruppe Häuser bot. Aus dem Schornstein eines Hauses stieg der Rauch auf.

Sich umsehend ließ Eichward den Blick suchend über die Häuser gleiten. Wo ein Dorf und ein Herdfeuer waren, mussten auch die Bewohner sein. Erst am Rande des Weilers zügelte er das Pferd und ließ es dann in ruhigem Schritt zwischen die Häuser schreiten. Dabei richtete er sich im Sattel auf und rief ein freundliches „Rondra zum Gruße, gute Leute. Hätte einer der Herren oder der Damen die Freundlichkeit, heraus zu kommen?“ Meginhard sah sich um. Waren irgendwo Pferde zu entdecken, welche den Reitern gehören mussten oder führten die Hufspuren geradewegs durch den Weiler hindurch? Auch Efferdane ließ ihren Blick schweifen.
„Der Herr der Flüsse segne euch ihr guten Leute.
Wir können eure Hilfe gebrauchen.
Waldemar richtete seine eisblaue Tracht und liess seinen Blick über die Häusergruppe schweifen. Sein Magen beruhigte sich nun vollständig und er hoffte, dass niemand das Feuer darin erneut schüren möge. Im Wissen, dass er für einen ersten Kontakt mit den BewohnerInnen dieser Häuser wohl nicht die Idealbesetzung sein könnte stellte er sich neben die Efferdgeweihte, um zwölfgöttliche Einigkeit zu demonstrieren.

Der Weiler bestand aus einem größeren Wohnhaus, aus dessen Schornstein der Rauch aufstiegt, daneben standen zwei Scheunen und ein Stall. Auf der anderen Seite des Weges gab es neben einem Brunnen mit Tränke noch zwei kleinere Katen.
Es war kein Mensch zu sehen, aber an der Tränke waren drei Pferde angebunden. Die Gruppe ritt bis in die Mitte der kleinen Ortschaft, auf ihre Rufe reagierte keiner, vermutlich waren alle in dem großen Haus versammelt. Eichward wartete kurz. Offensichtlich mussten hier Leute sein, aber das niemand auf ihr Rufen reagierte war doch zutiefst unhöflich. Hier mitten im Nirgendwo sollte man doch meinen, das Besuch nicht so häufig war, dass man nicht den Kopf einmal zum Fenster hinausrecken konnte. Mit einem Seufzen stieg er bei dem großen Haus vom Pferd, ging zur Tür und pochte laut und vernehmlich mit der Hand dagegen. Dann trat er einen Schritt zurück und blickte erwartungsvoll auf den Eingang des Hauses. Meginhard lenkte gerade sein eigenes Pferd zu den drei angebundenen Pferden an der Tränke, als er von dem lauten Klopfen aufgeschreckt wurde und sich erschrocken zu Eichward umblickte. Noch ehe eine Reaktion aus dem Haus zu vernehmen war, ließ er sein Pferd auf der Stelle wenden, sodass sein Blick nun zum Eingang ging.

Luxurr war verwirrt. Er saß inmitten des Weges auf seinem Pony und sah sich um. War dies die Wohnstätte der verfolgten Mörder? Hatten sie sich in den Gebäuden versteckt, als sie die Truppe der Verfolger erspäht hatten? Oder war das hier eine einfache Bauernsiedlung und die Verfolgten hatten die Bewohner als Geiseln genommen? Irgendetwas stimmte hier nicht, das machte den Zwergen unruhig. „Bei Angrosch! Was ist hier los?“, murmelte er leise. Efferdane drehte den Kopf herum.
Auch sie war verwirrt und wusste nicht so ganz was hier geschah.
„Bei Efferds Wogen.“
Noch bevor die Tür von innen geöffnet werden konnte, hörten Eichward die trommelnden Hufe herangaloppierender Pferde.

Spurensuche flusswärts

Für einen kurzen Moment wurde es geschäftig um Isavena herum. Der Baron hatte die Jagd als beendet erklärt und der mitgebrachte Karren würde von den Helfern wohl alsbald mit dem leblosen Körper der am Boden liegenden Edlen beladen werden. Isavena lenkte ihr Pferd Eppo etwas zurück, um dem Sortieren der Anwesenden genügend Platz zu lassen. Dann versuchte sie sich einer Erkundungsgruppe zuzuordnen. ‚Ich denke, ich werde mich in der Nähe der Edlen von Steinbrücken halten. Ich glaube das ist nicht verkehrt.‘ dachte Isavena für sich, während sie beobachtete, wie sich die Versammlung aufteilte.

Nicht lange, und die Gruppe, die sich landeinwärts wandte, war ihren Spuren gefolgt. Der Baron hatte sich mit seinen direkten Begleitern zurückgezogen, nicht ohne den Ermittlern Glück zu wünschen. Der Karren kam und die sterblichen Überreste der unglückseligen Edlen von Tannwald wurden angemessen versorgt. Die Ermittler waren unter sich.

Elko hatte dem davonziehenden Karren noch eine Weile gedankenversunken nachgesehen, als er bemerkte, dass sein Bruder Ebro ihn ein wenig besorgt beobachtete. „Komm, Ebro, lass uns herausfinden, was hier passiert ist!“, sagte er mit überspieltem Selbstbewusstsein. Instinktiv schaute er sich nach Aidan von Föhrenschild um. Er hätte den schweigsamen Ritter gerne dabeigehabt, doch schien dieser sich stattdessen dem Onkel Waldemar bei der Spurensuche angeschlossen zu haben. Er blickte in die Runde der verbliebenen Jagdteilnehmer. Xorgolosch und Orinka machten auf Elko einen kompetenten und gefassten Eindruck. Isavena, die scheinbar Orinka von Kieselgrund im Blick hielt, wirkte dagegen in diesem Moment ein wenig unentschlossener. Dennoch: wie sie da sicher und aufrecht auf ihrem schönen Pferd sass, sprach aus dem Gesicht mit den eisblauen Augen eine Reife - vielleicht auch ein Schmerz - der Elkos Vertrauen weckte und ihn beruhigte. „Euer Wohlgeboren“, sprach er alle drei gleichzeitig an, „ich glaube zu wissen, welche Stelle des Flusses auf dieser Karte“, er zeigte das Pergament noch einmal deutlich vor, „gemeint ist. Würdet Ihr mir die Ehre erweisen, und mich und meinen Bruder dorthin zu begleiten, damit wir dieser Sache auf den Grund gehen können?“ Bei den Worten „auf den Grund gehen“ verkrampfte sich der Zwerg kurz innerlich. Ihm wurde abrupt bewusst, dass er sich nun ja der Fluss-Gruppe angeschlossen hatte. Solange er nun nicht auch noch auf ein Boot steigen oder gar noch schlimmer, auf den Grund des Flusses nach etwas suchen müsse, wird in Angrosch schon entsprechend führen.

„Bei Angrosch, natürlich bin ich mit dabei. Dieses Unglück muss aufgeklärt werden. Führt uns bitte zu der Stelle an dem Fluss.“, antwortete Xorgolosch mit fester Stimme. Nach außen lies er sich seine Gedanken, die sich kurz um das teuflische Nass drehten, natürlich nicht anmerken. Mit einem kurzen Blick zur Praiosscheibe murmelte Isavena halblaut vor sich hin „Hoffentlich schaffen wir das noch rechtzeitig.“ und dann deutlicher in Richtung des Kämmerers von Tannwald „Ist es sehr weit bis dahin? Schaffen wir es vor der angegebenen Stunde dort zu sein?“ Die Junkerin begann Ungeduld auszustrahlen, was ihr Pferd mit den Hufen scharren ließ.

Mit leichtem Zweifel im Gesicht fragte Isavena anschließend an alle gerichtet: „Meint ihr, wir sollten einen der Hunde mitnehmen? Oder würde er uns unter Umständen eher verraten, wenn wir in irgendeinem Versteck sitzen und lauern müssten?“
Ebro erschrak bei der Vorstellung, dass er bald irgendwo im Schilf auf der Pirsch liegen sollte. Es dämmerte ihm erst jetzt, dass sie sich möglicherweise mit einem gefährlichen Tier oder gewaltbereiten Menschen auseinandersetzen würden müssen. „Ich kann einen Hund führen!“, sagte er sofort laut und ging auf die anwesenden Hunde zu. Elko überlegte indessen, und versuchte die nötige Zeit bis zum Zielort abzuschätzen…
Orinka richtete sich im Sattel auf und schaute sich um. Sie sah die andere Gruppe landeinwärts, den vermeintlichen Spuren folgen. Sie schloss kurz die Augen und nahm einen tiefen Atemzug. Dann vernahm sie die Stimme von Elko. Öffnete die Augen und sah ihn offen an. Sie stieg von ihrem Pferd ab und ging in Richtung Elko und Ebro. Sie achtete darauf in etwa mittig in der verbleibenden Gruppe zum stehen zu kommen. Dann begann sie zu sprechen. „Verehrte Herren Elko und Ebro von Flussgrund Vertreter Tannwalds, gewiss werde ich euch Helfen dieser Angelegenheit ihre Geheimnisse zu entreißen. Aber ich sehe auch noch andere Helfer die sich entschlossen haben euch zu unterstützen.

Edler Xorgolsch Sohn des Fuldoram“ Orinka wendete sich Xorgolsoch direkt zu und sah ihn an. „Ihr mit eurer guten Auffassungsgabe, Erfahrung und Weitsicht. Ich freue mich sehr euch und eure Armbrust an meiner Seite zu wissen“.
Orinka wendete sich Isavena zu. „Edle von Leuenstolz, ich bin mehr als glücklich euch in meiner Nähe zu wissen. Ihr bringt uns Besonnenheit und Verhandlungsgeschick. Eure Einsichten werden uns stets ein Lichtschein sein im erforschen der dunkelsten Geheimnisse“. Orinka lächelte sie offen an. Sie drehte sich den beiden Flussgrund Brüdern zu. „Und ihr beiden Herren, tragt die Edelmut im Herzen eure Treue und Loyalität gegenüber der Herrin Zweigensang über ihren Tod hinaus, ist euer Zeugnis. Seit euch gewiss, wie auch immer diese Reise zu Ende geht und was auch die Zukunft bringen mag. In Steinbrücken ist eine Tür für euch aufgesprungen die euch offen steht, wann immer ihr es für nötig und richtig erachtet“.
Orinka wendete sich in Richtung Fluss und sah in die Ferne.
Dann wendete sie sich wieder der Gruppe zu und richtet ihr Wort an alle. „Ich habe meinen Rang und Status meiner Fähigkeit am Schwert zu verdanken. Auch habe ich bereits erwähnt, welch hohe Bedeutung die Familie für mich hat. Ein weiteres wertvolles Geschenk, was mir diese Welt machte, sind die Schwertbrüder und Schwestern, meine zweiten Familie. Ich habe das Kriegshandwerk abgelegt, jedoch vermisse ich die Zeit der Geschlossenheit und Verbundenheit.

Genau jetzt sehe ich uns in einer vergleichbaren Situation. Wir werden uns auf den Weg machen diese Untat von der Dunkelheit ins Licht zu bringen und niemand der mich auf diesem Weg begleitet, soll mich als etwas anderes sehen als ich bin, von daher vordere ich euch auf, mich ab jetzt bei meinem Namen zu nennen: Orinka.“ Dann wandte sie sich mit leuchtenden Augen Ebro zu „Lieber Ebro, seit so gut und kümmert euch um die Hunde.Nehmt so viele mit, wie es geht“. Sie wandte sich den anderen der Gruppe zu.“Seit bitte so gut und lauft nochmal die Stelle ab, an der die Edle Zweigensang lag. Schaut euch nochmal genau um und versucht euch jede Einzelheit einzuprägen. Vielleicht gibt es noch einen Hinweis. Wir brechen auf, sobald die Hunde bereit sind. Elko?“ Orinka wandte sich an den Flussgrunder.
„Bitte reitet schon mal langsam voraus, bleibt in Sichtweite und versucht euch zu Orientieren vielleicht findet ihr den schnellsten Weg zu der besagten Stelle. Für die Reise unterwegs sollten wir das Wissen sammeln, welches wir zu den drei vermissten Personen zusammen tragen können.“ Voller Tatendrang ging Orinka zu der Stelle an der die Tote lag und untersuchte noch einmal jede Einzelheit. Bis auf ein paar Äpfel im Gras, fand sie nichts bemerkenwertes an der Stelle, wo die Tote lag. Alle war bewußt, das die Zeit drängte, wollten sie es noch zur Rondrastunde den Fluss erreichen. Derweilen überliess der letzte anwesende Jagdhelfer Ebro einen der Jagdhunde.
Ebro kniete sich vor der Jagdhündin hin und liess sie zuerst an seiner ausgestreckten Hand, danach an seinem Gesicht schnüffeln. Dann kraulte er ihr kurz die Ohren und richtete sich auf. Er konnte ein Grinsen nicht verkneifen, schwang sich in seinen Sattel und sprach die Hündin an: "Komm mit mir, du gute!" Elko war beeindruckt und gerührt von den warmen Worten Orinkas, der Art und Weise, wie sie in dieser Situation die Ruhe zu behalten schien und scheinbar mühelos allem wieder eine Ordnung gab. Er betrachtete sie noch einen Moment dabei, wie sie den Boden absuchte und dachte sich nicht einmal etwas, als er sie ein paar Äpfel einstecken sah.

Ermutigt schwang er sich wieder in den Sattel und sprach laut: "Wenn wir uns beeilen, können wir es noch knapp vor der Rondrastunde schaffen! Wie die Edle von Kies... äh, Orinka vorgeschlagen hat, werde ich vorausreiten. Komm mit mir Ebro!" Und ohne hörbares Kommando beschleunigten beide Brüder sofort ihre Pferde und ritten im Gallopp davon, die Hündin freudig bellend nebenan. Orinka steckte einige Äpfel ein wandte sich um und ging dann zu ihrer grauen Stute, um ihr den Hals zu tätscheln. Die Stute neigte vorsichtig den Kopf und berührte Orinkas Hals.
Dann schwang sie sich in den Sattel. Richtete sich auf und rief: „Zeit zum aufsitzen, die Jagd wird wieder eröffnet. Möge Heschinja unseren Weg erleuchten und unseren Geist mit Mut und Weisheit beflügeln“. Dann gab sie ihrem Pferd ein Kommando und mit einem kleinen Satz nach vorne Ritt sie los Richtung Fluss. Isavena beäugte noch einmal aufmerksam den Himmel und sah sich nach weiteren Raben um, dann schenkte sie Orinka ein herzliches Lächeln und Nicken auf deren warme Worte. Im Stillen betrachtete sie wie einer der beiden Brüder sich mit einem der Hunde des Barons beschäftigte und war ehrlich erstaunt wie schnell das Tier Vertrauen zu dem jungen Mann fasste. Als es auf einmal sehr eilig losging stutze die Junkerin kurz, abermals überrascht über die Plötzlichkeit des Geschehens, bevor sich ein begeistertes Lächeln auf ihr Gesicht legte.
Mit einem herzhaften Stoß in die Flanken signalisierte sie ihrem Rotbraunen vorwärts zu hechten und begleitet von einem Wiehern machte Eppo einen Satz nach vorne und nahm an Geschwindigkeit auf. Tief über den Hals ihres Pferdes gebeugt schloss Isavena rasch zu den voraus reitenden Brüdern auf, ohne ihnen jedoch die Führungsrolle abspenstig zu machen.
Als die anderen davonpreschten wendete sich der Zwerg seinem Reittier zu. Dabei änderte sich Xorgolosch´s gefasste Mine und seine Stirn wurf tiefe Falten, ähnlich einem überalterten Gebirge. „Oh meine Liebe, scheinbar müsste du mich nun doch noch einmal tragen heute.“, grummelte der Angroscho zu seinem Pony und tätschelte es dabei seitlich am Hals. Auch wenn er sein liebes Pony mittlerweile ins Herz geschlossen hatte und es gern in seiner Nähe hatte, konnte er sich mit dem Gedanken des Reitens nur sehr wenig anfreunden. Nicht aus Tierliebe - vielmehr hatte er seine Füße lieber fest auf dem Grund als baumelnd in einem Steigbügel. Auch die Anreise zur Jagd von seinen Gut in Brüllenbösen aus erfolgte zu Fuß, das Pony an den Zügeln führend. Seine letzten langen und harten Ritte, an die er sich ungern zurückerinnerte, waren während des Krieges oder des Angriffes auf eine seiner Erzminen - demnach auch in Situationen, die kein zaudern zuließen. So ähnlich war es wohl nun auch hier. Xorgolosch schob die Satteltaschen nach hinten, löste die Lederbänder, mit denen seine Armbrust auf dem Sattel befestigt war und hakte sie an eine Öse der Satteltaschen. Nachdem er die Steigbügel abgehängt hatte seufzte er noch einmal kurz und stieg auf. Er trieb sein Pony an und versuchte baldmöglichst aufzuschließen.
Nachdem Orinka einige Meter zügig angeritten war und aufgrund des bevorstehendem Ereignis sich ein grimmiges Lächeln auf ihr Gesicht legte wurde, sie von einem sich im Gallop befindlichem Pferd abgelenkt.
Isavena von Leuenstolz schoss weit über den Hals ihres Rotbraunem Eppo gebeugt an ihr vorbei den Flussgrundern nach. Der Anblickt entzückte Orinka so sehr, dass sie spontan ein lautes “!!! ouhhuu Edle Isavena, schnappt euch die Schurken“ ausrief und mit einem beherztem Lacher schaute sie zurück. Sie erkannte das Xorgolosch deutlich langsamer nachfolgte. Noch immer vom Anblick Isavenas lächelnd verlangsamte sie ihre graue Stute und gab somit Xorgolsosch Gelegenheit aufzuschließen. Als sie auf gleicher Höhe waren, wandte sie sich Xorgolosch zu. „Herr Xorgolosch darf ich euch darum bitten bei unserer Unternehmung die Nachhut zu bilden? Dann wurde ihr Blick ernster und sie sprach weiter. „ Ehrlicher weise mache ich mir einige Gedanken sollten wir auf jemanden treffen, der sich nicht von Worten und Titeln davon abhalten lässt uns nach dem Leben zu trachten“. Orinka machte ein kurze Pause.

„Ich würde mich deutlich wohler fühlen, wenn ich euch mit eurer Armbrust im Rücken hätte damit ihr mir den selbigen von jedwedem Gesindel frei halten könntet. Nur im Ernstfall versteht sich.“ Orinkas lächeln kehrte wieder in ihr Gesicht zurück. „Es sei denn,“
Orinka zwinkerte Xorgolosch zu. „Ihr wollt nicht aus der ferne zusehen und euch auch in das Getümmel stürzen. dann sollten wir mit den anderen nochmal reden vielleicht findet sich ja noch ein passabler Schütze“.

Sie deutete mit ihrer rechten auf ihren Kurzbogen den sie neben ihren Pfeilen am Sattel befestigt hatte. Der Zwerg lachte lauthals schallend, als sie nebeneinander herritten. Orinka hatte es wieder geschafft Xorgolosch so zu verwirren, dass er sein eigentliches Trübsal fast vergaß.
„Werte Orinka, natürlich bilde ich gerne die Nachhut. Sowohl meine als auch die Beine meiner Freundin unter mir sind nicht für die schnellste Fortbewegung gemacht. Aber wenn ihr dies so ansprecht sollte ich vielleicht lieber meine Armbrust spannen.“, erwiderte er und griff elegant zunächst mit der Linken nach hinten zu seiner Armbrust, während er mit der anderen Hand weiterhin die Zügel führte. Er hakte den breiten Bügel an der Spitze seiner Waffe, die eigentlich als Fußtritt beim händischen Spannen auf dem Boden gedacht ist, vorne in seinen Sattelknauf ein. Als er so wieder beide Hände frei hatte, griff er genauso elegant in seine rechte Satteltasche und zog eine Spannkurbel heraus, die er so gleich ansetzte und mit einer Hand seine Armbrust vorspannt. „So… den Bolzen lege ich erst auf, wenn es wirklich zu einer Konfrontation kommt. Aber ihr habt recht, hier besser Vorsicht walten zu lassen.“, grinste Xorgolosch zu Orinka, als er bemerkte, dass sie ihn fasziniert mit der Spannkurbel beobachtete. Als er nach wenigen Umdrehungen fertig war und die Sehne einrastete drehte er seinen Kopf wieder zu Orinka und deutete auf ihren Bogen. „Damit hättet ihr natürlich Vorteile. In der Zeit, in der ich spanne, den Bolzen einlege, ziele und schieße würden bei eurem Bogen bereits drei Pfeile ein Ziel gefunden haben.“

Jetzt war es an Orinka zu Lachen. „Nun Herr Xorgolosch dann werde ich euch jetzt ein Geheimnis verraten“ sagte sie lachend zu ihm. „Ihr müsst nämlich wissen, als ich davon Kenntnis erhielt das wir im Zuge unseres zusammentreffen, zu einer Jagd aufbrechen werden, habe ich mir schnell noch diesen Bogen zugelegt um zumindest so auszusehen als würde ich mich an der Jagd beteilige“. Orinka lachte beherzt auf.

„So wie ich das einschätze, wäre ich froh, wenn der dritte Pfeil sein Ziel findet. Natürlich habe ich ein bis zweimal geübt und war mit meinem Ergebnis durchaus zufrieden, aber ich besitze auch genug gesunden Menschenverstand um im Ernstfall einfach gleich zum Schwert zu greifen. Wir sollten jetzt zu den anderen aufschließen sie warten sicher schon. “ Noch immer Lachend gab sie ihrer grauen das Kommando ihren Trab zu beschleunigen.

Elko und Ebro preschten stumm und mit ernsten Mienen voran, bis sie den Geisterfelsen erreichten. Das erste Mal hatten die Brüder diesen markant geformten Felsen vor vielen Jahren bei einer Durchreise entdeckt. „Geisterkuchen“, hatte Ebro ihn damals genannt, in Anlehnung an eine Süssspeise, die ihr Koch ihnen jeweils Ende Traviamond zubereitet hatte. So hatten sie die Stelle auf der Karte nun auch erkannt und zuordnen können. Die Brüder verlangsamten, und kamen schließlich zu einem Halt. Wie Orinka vorgeschlagen hatte, wollten sie nicht außer Sichtweite geraten und warteten deshalb erstmal, bis der restliche Trupp aufholen würde.

Erfreut stellten sie fest, dass Isavena von Leuenstolz ihnen dicht gefolgt war. „Wir sollten hier kurz auf die anderen warten“, erklärte Elko.
„Ein prachtvolles Tier! Aus Elenviner Zucht?“, fragte Ebro mit anerkennendem und interessiertem Blick auf Isavenas Ross. Als die Brüder vor ihr das Tempo verlangsamten, verlangsamte auch Isavena ihr Pferd. Schnaubend trippelte Eppo die letzten Meter zu den beiden Flussgrundern heran. Das Gesicht der Junkerin glühte noch immer begeistert nach von dem schnellen Spurt, während sie sich umsah. Auf Ebros Frage hin schüttelte sie kurz den Kopf, lächelte aber weiter beseelt vor sich hin und klopfte den Hals des Rotbraunen. „Eppo ist ein Yaquirtaler, aber ich vermute in seiner Ahnenlinie befindet sich sicherlich ein Elenviner Vollblut. Er ist ein Geschenk meines Vaters gewesen und stammt aus einer liebfeldischen Zucht.“ Sie zögerte kurz und rang mit sich ob sie es sagen sollte, beschloss dann schließlich den letzten Teil ihrer kurzen Erklärung so beiläufig wie möglich klingen zu lassen: „Meine Familie hat Verwandte im Liebfeldischen mit regen Beziehungen ins almadanische.“ Dann blickte sie ausweichend zurück um nach Orinka und dem Zwergen zu sehen.

Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass die beiden nicht verloren gegangen waren, widmete Isavena sich der Umgebung. Mit einer kurzen Geste des Kopfes in Richtung des seltsamen Gesteins meinte sie in Richtung Elko „Eine sehr skurrile Formation, der Felsen dort drüben.“ „Ah, Almada…“, begann Ebro, doch da Isavenas Blick erst zurück und dann zum Felsen wanderte, brach er ab. „Ja, wirklich skurril", pflichtete er ihr stattdessen bei. „Mein Bruder sieht darin eine Fratze, aber ich kann dem nicht ganz zustimmen. Wonach sieht er für euch aus?“ Isavenas Blick war weiterhin auf den Felsen gerichtet, während sie versuchte nicht allzu ungeduldig zu wirken, denn in ihr schwelte der bohrende Trieb sich zu beeilen. Stattdessen war sie ganz froh über den Ansatz des Gespräches mit Ebro. Ein Stirnrunzeln folgte auf die Bemerkung mit der Fratze und etwas unsicher antworte sie dem Flussgrunder „Hmmm? Ich weiß nicht recht…. für mich sieht das ein wenig wie die Ruine einer alten Herdstelle aus. Wenn auch wirklich nur mit viel Einbildungsvermögen.“ Man merkte der Junkerin allerdings an, dass sie sich selber in ihrer Antwort nicht ganz sicher war was sie da sah. Bevor sie noch eine Frage zur Geschichte dieses Felsens stellen konnte, tauchten Orinka und Xorgolosch auf.

Xorgolosch erkannte schon von der Ferne, dass sich die Anderen bereits vor ihm an einer Art Felsen versammelten. Als erstes wunderte er sich, wie ein solcher Felsen überhaupt an diesen Fleck kommen konnte. Wenn er näher heran kommen würde, konnte er sagen ob er aus dem hiesigen Grundgestein stammt oder doch von einer anderen Stelle hier her transportiert wurde.

Der dunkle Felsen hatte die Größe eines Fuhrwerks und stand allein und selig in der Landschaft. Wie alle schon erkannt hatten, hatte dieser eine merkwürdige Form und wirkte an vielen Stellen asymmetrisch. Mit etwas Fantasie konnte frau darin eine Geisterfratze, einen schlafenden Troll oder eine versteinerte Feuerstelle darin erkennen. Irgendwo in der Ferne hörten sie das Meckern einer Ziege. Die Jagdhündin lief schnüffelnd um den Felsen, um schlussendlich etwas Wasser zu lassen. Elko wurde indessen ein wenig ungeduldig. Er war schon zweimal langsam um den Felsen herumgeritten und hoffte, dass die anderen bald aufholen würden. Im leichte Trab näherte sich Orinka dem seltsamen Felsen. Sie umrundete ihn langsam einmal und schaute ihn sich genau an ob sie etwas auffälliges entdecken konnte. Nachdem sie offenbar nichts außergewöhnliches entdeckte sagte sie zu den anderen.
„Ich denke der Felsen ist nur eine markante Orientierungshilfe. Wenn ich eure Karte richtig deute, müssen wir mittig zwischen Praios und Rahja (S.O.) an einem Ziegenstall vorbei Richtung Fluss ich würde den Felsen hinterher untersuchen.
Aber falls jemand sich ihn genauer ansehen möchte wäre es auch in Ordnung dann würde ich diesmal ein kurzes Stück voraus reiten um den weiteren Weg verlauf auszukundschaften“.

Orinka schaute sich aufmerksam um, um auszumachen wie ihr Vorschlag aufgenommen wird.
Isavenas Pferd Eppo drehte sich einmal im Kreis und seine Reiterin versuchte ihn bereits auf den von Orinka angesprochenen Kurs auszurichten. „Ich denke auch, wir sollten hier nichts groß untersuchen. Ich habe die Befürchtung, uns läuft die Zeit davon. Lasst uns lieber weitereilen, damit wir nicht zu spät kommen.“ Ein fragender Blick ging dann zum Zwergen „Kann euer Pony im Galopp mithalten, werter Xorgolosch? Ansonsten reite ich diesen Streckenabschnitt an eurer Seite, damit wir einander nicht verlieren.“ Dabei nickte sie Orinka zeitgleich kurz bestätigend zu, dass diese gerne mit voran reiten konnte. Der gesteinskundige Angroscho saß im Sattel, den Felsen direkt parallel zu seinem Pony, und streichte behutsam mit seinen Fingern über den Fels. Er befühlte die Risse und versuchte sich die Maserungen und Einschlüsse genau anzusehen bevor er schließlich zu einem Entschluss kam. Dies war sicher kein Grundgestein aus dieser Gegend. Vielmehr kam es aus tieferen Schichten und musste an einer Gebirgsfalte nahe an die Oberfläche gekommen sein. Wie der Fels dann hier her kam wusste dann wohl nur Angrosch. Aber der Fels war mindestens 1000 Götterläufen schon der Witterung an diesem Ort ausgesetzt. „Sicher kein Grundgestein…“, murmelte Xorgolosch nochmal mehr zu sich selbst, bevor er zusammenzuckte und bemerkte, dass er von Isavena und den Umstehenden wartend angesehen wurde.



„Oh ja, Galopp, aber natürlich kann meine Freundin Galopp!“ nach einer kurzen Pause setzte er fort: „Aber sie ist natürlich nicht so kräftig und schnell wie eure edlen Rösser. Ich bilde die Nachhut, macht euch keine Sorgen. Meine Armbrust ist bereits gespannt und die Ogerschelle griffbereit. Ansonsten hatte ich euch bis jetzt auch immer im Auge vor mir. Wichtig ist nur, dass wir rechtzeitig zu der Stelle am Fluss kommen. Reitet an! Ich folge!“

‚Ich werde mich hier bestimmt nicht wund reiten oder mein Pony zu Schande reiten. Es ist schlimm genug, dass ich überhaupt aufsteigen musste.‘, grummelte Xorgolosch in seinen Gedanken, verzog aber keine Miene.

Orinka bestätigte mit knappem Nicken Richtung Isavena.
Sie schaute noch kurz zu Elko und Ebro. Gab ihrer grauen Stute ein Kommando begleitet von einem lautem:“HA!“. Die Stute machte einen Satz nach vorne und sprang los in die vereinbarte Richtung.
Sie ritt frei, schaute aufmerksam, vor sich die öffnende Landschaft. Sie atmete tief ein, konnte im Wind die feuchte Erde, sowie ein einen leicht strengen tierischen Duft ausmachen. Aller Wahrscheinlichkeit Ziege. Sie korrigierte leicht ihren Kurs. Achtet gleichzeitig darauf nicht zu weit vor zu preschen, um noch in Sichtweite zu bleiben. Als sie an eine kleine Erhebung der Landschaft ankam, blieb sie stehen und sah sich aufrecht im Sattel sitzend um. Der Anblick Xorgoloschs gespannter Armbrust liess Elko erschaudern. Nicht etwa weil der Angroscho einen unheimlichen Anblick abgab, sondern weil es ihm klar machte, dass die anderen Anwesenden in der Situation scheinbar ein ernstzunehmendes Gefahrenpotenzial und die Möglichkeit einer gewaltvollen Auseinandersetzung sahen. Er schluckte, blickte zu Ebro und nahm sich vor, bedächtiger vorzugehen. Wie er Orinka weiterreiten sah, sprach er: „Vielen Dank dass ihr uns den Rücken deckt, werter Herr Xorgolosch, das ist sehr beruhigend. Wir sollten, trotz aller Eile, alle versuchen näher zusammen zu bleiben.“ Er sandte Ebro einen Blick zu um ihn verstehen zu lassen, dass er an seiner Seite reiten soll. Mit einem lauten „Heya!“ preschte er Orinka hinterher, ohne diese zu überholen.

Isavena sah Orinka, Elko und Ebro voran reiten. Das Pferd unter ihr machte Anstalten hinterher zu spurten, doch sie zügelte Eppo etwas. Mit unwilligem Schnauben verlangsamte der Rotbraune seinen Schritt und Isavena blickte nochmal zum Zwergen.
Trotz Xorgolosch seiner Worte zögerte sie etwas, bevor sie Eppo mehr Freiraum zum weiter ausgreifen ließ. Als Bindeglied zwischen den drei Reitern vor ihr und dem Zwergen als Nachhut hinter ihr, versuchte sie beide Gruppen nicht aus den Augen zu verlieren. Es dauerte nicht lange und ein Ziegenhof zeichnete sich vor den Reitern ab. Meckernd wurden sie von einer Schar Ziegen begrüßt, sowie eine Ziegenhirtin ihre Hand zum Gruß erhob. Die alte Frau trug Hose, Hemd und Weste aus einfachen Leinen und stützte sich auf einem Stock ab. Ihre grauen Haare hatte sie kurz geschnitten und ihr wettergegerbtes Gesicht sprach von vielen Jahrzehnten unter dem freien Himmel.
Orinka vernahm die laute von heran nahenden Hufen und ohne sich umzudrehen, vermutete sie ,dass das Ebro und Elko waren, die ihr folgten. Das leichte Lächeln drückte die Zufriedenheit mit ihren Mitstreitern aus. Sie wartete bis die Beiden aufgeschlossen waren, drehte sich zu ihnen um und sagte:“ Ich vermute die Hirtin könnte uns etwas interessantes mitteilen. Ich bin mir sicher, dass sie sich sehr gut auskennt und kann uns sicherlich etwas darüber erzählen, ob sie vor kurzem Reiter gesehen hat. Lasst mich ein, zwei Worte mit ihr wechseln. Wollt ihr mich begleiten oder euch schon in Richtung Fluss aufmachen?“
Orinka sah die beiden Brüder aufmerksam an.

Die Norbardin sah, dass Elko ein sehr ernste Gesicht machte und fragte:“ Alles in Ordnung mit euch Elko? Ihr schaut sehr ernst. Sagt, was nagt an euren Gedanken?“ Sie schaute kurz zurück und sah das Isavena und Xorgolosch folgten, dann wendete sie ihren Blick wieder Elko zu.
„Heda, Edelst Leut! Den Göttern zum Gruße!“, rief die Hirtin den Reitern entgegen.

Ganz auf Orinka konzentriert, ignorierte Elko die Alte Hirtin vorerst. „Orinka, es ist nur…“ begann er, blickte kurz zu Ebro, und sprach dann leiser weiter, auf dass Ebro es nicht hören würde: „ich kann und will meinen Bruder keiner weiteren Gefahr aussetzen.“ Sein Kiefer war angespannt. „Mir wäre es lieber, wenn wir zusammen bleiben könnten.“ Er hielt nach hinten Ausschau. Isavena war in Sichtweite und schien ihrerseits auf Sichtkontakt mit Xorgolosch bedacht zu sein. „Euer Vorschlag ist Weise. Lasst uns den Moment nutzen und mit der Hirtin sprechen, bis die anderen aufgeholt haben.“ Währenddessen hatte Ebro die Alte schon angesprochen: „Die Zwölfe zum Gruss, Grossmütterchen! Hübsche Ziegen hast Du da. Aber sag‘, ist vielleicht kürzlich irgend Gesindel vorbeigezogen?“

„Gsindel? Neij. So Lumpenvolk gibts doch nur in Taindoch. Oder meinse die Fischer Fitze? Die sin nur arm. Haben halt keine schön Zicklein wie Alma, eure Schöngeborenen.“ Die Alte deutete eine Verbeugung an.
Orinka sah etwas irritiert Elko an. Auch sie hatte gerade kein Ohr für die Hirtin. Dann nickte sie verstehend. Direkt an Elko gewandt sprach sie, „ Die Geschichte dahinter müsst ihr mir zu einem anderen Zeitpunkt erzählen, lieber Elko. Aber habt Dank für eure offenen Worte. Selbstverständlich werden wir uns enger Formieren. Ich dachte wir würde Zeit sparen und auch eventuelle Probleme frühzeitiger erkennen. Euer Vorschlag ist gut und richtig, also warten wir kurz auf die anderen. Jedoch habe ich eine Frage: Kann einer von euch mit Pfeil und Bogen umgehen? Und das soll keinesfalls eine Beleidigung sein. Ich frage nur, weil ich hier einen wunderschönen Kurzbogen habe, diesen jedoch leider nicht für unsere Sache einsetzen kann. Ich würde ihn gerne in würdigere Hände abgeben. Habt ihr eine Idee?“ Das Lächeln kehrte zurück auf Orinkas Gesicht. Es machte sogar den Anschein, als ob sie ihre eigen Unfähigkeit mit Pfeil und Bogen umzugehen amüsierte. Mit einem breitem Grinsen sagte sie: „Seit unbesorgt Elko, heute Abend werden wir zusammensitzen, lachen, uns Geschichten erzählen und Meskinnes trinken.“ Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, schwang sich die Norbardin aus dem Sattel. Straffte ihre Kleidung und ging lächelnd und mit beiden Armen geöffnet auf die Hirtin zu.

Gut hörbar sagte sie: „Ah Mütterchen Alma, wie schön euch hier zu treffen. Mein Herz schlägt auch für die Zicklein. Wisst ihr, ich komme aus Steinbrücken und wir haben die sogenannte Steinbrückener Weiße, ein edles Tier, was über unseren Grenzen hinaus bekannt ist. Zeigt mir eure prächtigen Tiere, vielleicht können wir über eine Kreuzung mit unseren Tieren reden.“ Orinka nahm beide Hände der Alten in ihre und drückte sie sanft zur Begrüßung. Sehr behutsam plauderte sie mit der Ziegenhirtin Alma weiter, mit der Absicht das Gespräch zu gegebener Zeit auf eventuell in der Umgebung stattfindenden Ereignisse zu lenken. Auch den seltsamen Feldstein sprach sie an und hörte aufmerksam zu, was ihr Alma darüber berichten konnte, sowie den Fluss was sich so darüber bewegt, die hiesigen Flößer, falls es welche gab und eventueller dem Treidelverkehr. Sie holte ein paar Äpfel aus der Tasche und schenkte sie Alma. Einen schnitt sie sogleich mit ihrem Dolch auf und teilte ihn zum verzehr. Sogleich begann die Alte zu erzählen, wie schöne die Ziegenzucht ihrer Familie ist und das der Baron manchmal von ihnen kauft. Der Ort Steinbrücken schien ihr nichts zu sagen und deutete darauf hin, das ihre Zucht keine Kreuzung bedarf. Der Felsen, den sie `Zickenhüter´ nannte, war schon immer da und in ihren Augen von Peraine als Hüter dort hingesetzt worden. Der Fluss war in der Nähe und abgesehen von den Fischern entlang des Ufers, warnte sie vor den Flusspiraten, die aber kaum bis hierher käme.

Schon einen Augenblick vor Ankunft bei der Hirtin zügelte Isavena das Tempo ihres Rotbraunen, um in einem langsameren Trab zu den Vorreitern aufzuschließen. Sie wusste das Xorgolosch nicht weit hinter ihr war und gab ihm so Raum aufzuholen. Als der schon etwas auf seinem Pony durchgeschüttelt wirkende Angroscho mehr oder weniger gleichzeitig mit Isavena am Ziegenhof ankam, konnte er gerade beobachten wie Orinka Äpfel aus der Tasche holte und der Ziegenhirtin anbot. Von der Ferne hatte er schon gesehen, dass die Gruppe am Ziegenhof halt gemacht hatte und eine Unterhaltung mit der Bäuerin angefangen hatten. Da war Xorgolosch nun auch erleichtert, als er tatsächlich feststellte, dass die Rast wohl offensichtlich wirklich nicht gemacht wurde um auf ihn zu warten, sondern um Neuigkeiten zu erfahren. Während die alte Hirtin erzählte, verzog der Zwerg plötzlich das Gesicht, als ihm bewusst wurde, welche Äpfel sie da gerade in der Hand hatte. Wenn sie gewusst hätte, dass diese Äpfel vor kurzer Zeit aus der Hand einer Toten gekullert waren, würde sie wohl nicht mehr so herzhaft zubeißen. Isavena hielt sich etwas abseits, lauschte aber dem Gespräch. Einen Moment lang sah sie die Edle aus Steinbrücken bewundernd an, wie diese so leicht ins Plaudern mit dem alten Mütterchen fand.

‚Vielleicht ist es genau diese Art, die einem behagt und leicht Vertrauen fassen lässt ihr gegenüber.‘ dachte die Junkerin aus Knechtstett verblüfft über Orinka. Dann richtete Isavena das Augenmerk auf die Umgebung und musterte diese eingehend. Halb nur hörte sie dem Gespräch noch zu, aber als das Wort 'Flusspiraten‘ fiel brummelte die Junkerin zu Xorgolosch:
„Für meinen Geschmack kommen noch viel zu oft Flusspiraten den Großen Fluss entlang. Vor einem Monat musste ich mich auch wieder mit solchem Gesindel herumärgern und Knechtstett liegt ja noch viel südlicher flussaufwärts.“ Ein Schatten von Ärger huschte über ihr Gesicht als sie sich erinnerte. „Nun, mit Flusspiraten musste ich mich noch nicht herumschlagen", antwortete Xorgolosch ziemlich plump. Als er erkannte, dass er wohl etwas kurz geantwortet hatte, versuchte er zumindest mit einem höflichen Blick und erhobenen Mundwinkeln der Junkerin neben ihm etwas Verständnis entgegen zu bringen. Ebro beobachtete stumm, wir Orinka mit der alten Hirtin sprach. Er war ein wenig irritiert, ob dem fast freundschaftlichen Umgangston den Orinka dieser gemeinen Hirtin entgegenbrachte, doch ausser einem leichten Stirnrunzeln, liess er sich nichts anmerken.
Elko derweil fand es durchaus sympathisch, dass Orinka so wenige Berührungsänste zum Fussvolk zu haben schien. Allerdings musste auch er die Stirn in Runzeln legen: Dass nun plötzlich die Äpfel seiner verstorbenen Gutsherrin ihren Weg durch verschiedenste Hände fanden, um dass verspeist zu werden, löste in ihm irgendwie ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aus. Nach einem Moment der Plauderei zwischen Orinka und der Hirtin fragte Isavena in einem passenden Moment von hinten : „Heyda, gute Hirtin!? Gibt es am Fluss irgendwelche besonderen Orte die sehenswert sind?“ Dann blickte die Junkerin zu Elko: „Werter Elko, kennt ihr die vermerkte Stelle am Fluss genauer? Hat sie vielleicht einen Namen?“ „Neij.“, sagte die Hirtin. „Aber ein Fischer würds wohl anders sagen.“ Sie lächelte. „Wollt´ a fischen, Schöngeboren? Die Fitzes verkaufen euch sicher auch Fisch.“ Die Alte deutete flusswärts.

„Ich würde lieber malen gehen, als fischen“ brubbelte Isavena leiser vor sich hin und sah etwas zerknirscht drein. Dann meinte sie zu den anderen Edelleuten: „Vielleicht hat die Gute recht. Wir sollten bei den Fischern fragen gehen.“
Dann nickte sie der Hirtin dankend mit einem „Peraines Segen mit euch“ zu.
„Ich stimme euch zu, Isavena. Die Stelle am Fluss ist auf der Karte nicht wie der Felsen und die Ziegenhütte durch irgendein Merkmal gekennzeichnet. Ich wäre nun einfach von hier auf direktestem Wege Flusswärts geritten - das deckt sich in etwa mit der Richtung die die Hirtin uns deutet.“ Er blickte in die Runde und versuchte sich zu vergewissern, dass ihm alle zuhörten: „Ich möchte alle bitten, dass wir diese letzte Teilstrecke gemeinsam zurücklegen.“ Er drehte sein Pferd in die Richtung in die er weiterzuziehen gedachte und wartete darauf, dass alle bereit zum weiterziehen sein würden. Die Junkerin zu Knechstett nickte beipflichtend und machte sich ebenso abritt bereit. Der Zwerg drehte als erstes sein Pony in Richtung Fluss und ritt los. „Na denn … ich bin eh der langsamste Reiter!“, rief er er so laut, um alle hinter sich zu verstehe zu geben, das er schon mal etwas Strecke gut machen möchte. Die Anderen hätten ihn nach hundert Schritt längst wieder eingeholt. Nicken bestätigte Orinka die Vorschläge. Sie wandte sich wieder der Alten Hirtin zu und sprach sanft. „Habt dank gute Alma deine Tiere sind gesund und wohl genährt. Du weißt was du tust. Doch wir müssen leider weiter. Mögen Travia und Peraine dir deine Mühe lohnen“. Sie drückte zum Abschied Almas Hände, drehte sich um und saß auf. Mit leichtem Schenkeldruck reihte sie sich bei ihren Mitstreitern ein und ritt Richtung Fluss.

Bei Fischer Fitze

Es dauerte nicht lange und der rauschende Fluss kam in Sichtweite. Eine dunkle Bretterhütte stand an seinem Ufer und war umgeben von gespannten Fischernetzen. An einigen der Netze waren Fische aufgehangen und baumelten im Wind. Von weiten sahen sie ein junges Mädchen in einem schmutzigen Kleid und einen Reuse in den Händen. Nachdem sie die Reiter sah verschwand sie flugs hinter der Hütte. Von irgendwoher erschallte fünfmal hintereinander das Trällern eines Vogels. Schon von weitem war der typische Geruch von Algen und Fisch zu vernehmen, gepaart mit dem hintergründigen Odeur von Wasser. Isavena mochte die Landschaft und je weiter sie sich dem Fluss näherten, desto wohliger fühlte sie sich. Ein beginnendes Lächeln spiegelte sich langsam auf ihrem Gesicht. Als die Reitgesellschaft soweit in Blickweite war, dass man das Mädchen ausmachen konnte, welches so urplötzlich davon sprang, stutze Isavena sichtlich. Einer Eingebung folgend riss die Junkerin an Eppos Zügeln und drückte die Beine unsanft in seine Flanken, dass er unvermittelt beschleunigte. Eilig raunte sie zu den nächsten Begleitern direkt neben ihr „Folgt mir!“ und lenkte schnell ihr Pferd um die rückwärtige Seite der Fischerhütte herum. Elko und Ebro lenkten sofort und gekonnt mit ein. Ihre Herzen schlugen schneller ob dem dringlichen Tonfall Isavenas. Vor ihm sah er wie die anderen ihre Pferde anspornten und darauf abzielten die Hütte zu umrunden. ‚ … wenn ich euch mit eurer Armbrust im Rücken hätte damit ihr mir den selbigen von jedwedem Gesindel frei halten könntet. Nur im Ernstfall versteht sich.‘, klangen die Worte Orinkas in seinen vom Ritt durchgeschüttelten Gedanken nach.

‚War dies nun der Ernstfall?‘, war er sich sehr unschlüssig, nachdem er die Reaktion des jungen Mädchens gesehen hatte.
‚Vielleicht hatte sie einfach nur Angst vor einer Horde heranpreschender Pferde mit grimmig aussehenden Reitern?‘
Sein Gesichtsausdruck verhärtete sich. Die Würfel waren in einem Wimpernschlag in seinem Kopf gefallen. Der Angroscho stoppte sein Pony auf eine Art, die er seiner Freundin normalerweise nicht zumutete. Erdbrocken flogen dabei durch die Luft. Seine rechte Hand griff nach hinten und legte die gespannte Armbrust quer vor sich auf den Sattel. Der Bolzen, elegant aus der Satteltasche gefischt, war genauso schnell aufgelegt. Er beließ die Armbrust jedoch dort wo sie war, um niemanden zu provozieren. Aus der Ferne sollte man nicht entdecken, dass seine Waffe schussbereit vor ihm lag.

Mit schnellen Blicken ringsum versuchte er etwas ungewöhnliches zu entdecken, um dann wieder den Blick nach vorne zu der Bretterhütte zu richten. Orinka von der Gedankenschnelle Isavenas etwas überrascht, sammelte sich schnell wieder. Sie beschleunigte ihre Graue Stute und schloss auf. Im Augenwinkel bemerkte sie noch das Abrupte anhalten von Xorgolosch und eine Zuversicht machte sich in ihr breit. ´´gut wenn alles ineinandergreift dachte sie bei sich.

Sie folgte den anderen und Konzentrierte sich auf die Geschehnisse um nicht in eine unerwartete Situation zu geraten. Die Gedanken waren wie ausgeschaltet und tief beugte sich Isavena über den Hals des Pferds. Eppo wieherte und galoppierte an. Innerhalb weniger ausgreifender Sprünge waren Reiterin und Ross an der Hütte und noch einen Herzschlag später konnte die Junkerin bereits um das Gebäude herum lugen. Argwöhnisch hielt sie Ausschau nach dem Fischermädchen.

Hinter der Hütte konnte Isavena noch zwei weitere erkennen, eine Feuerstelle, ein Boot das am Ufer lag und ein größeres Boot, dass an einem Steg im Fluss befestigt war. Doch so verlassen war der Ort nicht. Neben dem jungen Fischermädchen, das sie nun erschrocken anschaute, konnte sie ein Dutzend Leute ausmachen. Einige waren auf dem Boot, andere an der Feuerstelle, doch die meisten standen und hatten ihre Hände an ihren Gürteln … mit ihren Entermessern. Der recht raue Menschenschlag waren eindeutig Flusspiraten. Ein ältere Mann hob beschwichtigend seine Hände und lächelte Isavena zu. Mit Schwung kam die Junkerin zu Knechtstett um das Gebäude gefetzt, nur um dann genauso schwungvoll ihr Pferd zum Stehen zu bringen. Eppo protestierte lautstark als Isavena unvermittelt an den Zügeln riss.

Sie selber war im Spurt hochkonzentriert, doch die unerwartete Szenerie ließ sie verdattert dreinblicken. Als ihr die Situation gänzlich gewahr wurde, was für Gesellen sie hier vor sich hatte, bereute sie es so impulsiv gehandelt zu haben. Inmitten einer Horde von Gaunern und Ganoven wollte sie gewiss nicht stehen und schon gar nicht an erster Stelle.

Nichts desto trotz war sie nun hier und ihr Herz begann schneller zu schlagen. Einzig das sich rasch nähernde Hufgetrappel der Begleiter hinter ihr ließ sie Mut fassen. So wurde aus ihrer verblüfften Mine eine ernstere und ungehalten blaffte sie den Mann vor ihr an: „Heda! Im Namen des Barons, was geht hier vor?“

„Hohe Dame, gemach, gemach. Ich bin der Fischer Fitze und habe nur eine gesellige Runde von Freunden zu Gast. Ihr müsst die Hohe Dame von Zweigensang sein. Wir haben Euch schon erwartet.“ Auch wenn der Fischer weiter lächelte, schauten die Flusspiraten misstrauisch. Elko und Ebro kamen kurz hinter Isavena hervorgeschossen und brachten ihre Reittiere ebenso schnell zum Stand wie sie, so dass sie dicht bei Isavena standen. Erschrocken ob dem plötzlichen Anblick blieb ihnen erstmal der Atem weg, doch Elko fasste sich und positionierte sich ein wenig vor Ebro. Als er den Namen seiner Gutsherrin vernahm, stellten sich Elkos Nackenhaare auf. Was hatte dieses Pack hier mit Gundula von Zweigensang zu schaffen? Er wollte seiner Verwirrung und Empörung in einem Ausruf Ausdruck verleihen, doch zu viele Gedanken drehten sich in seinem Kopf, so dass er nur mit offenem Mund die versammelten Menschen anblickte.

Isavena war sich nicht sicher, ob die Worte des Fischers eine Falle sein sollten oder ihnen zum Glück verhalfen. Ihre Gedanken schlugen einen Moment Purzelbäume. ‚Soll ich ein falsches Spiel inszenieren oder bei Praios Wahrheit bleiben?‘ dachte sie in sekundenschnelle, dicht gefolgt von dem Zweifel: ‚Was wenn sie wissen, dass die Zweigensangsche tot ist und uns mit den Worten prüfen wollen?‘ Verzweiflung stieg kurz in ihr auf und sie entschied sich innerlich für den schmalen Grad zwischen halber Wahrheit und subtilem Schauspiel.
Mit gleichbleibend unfreundlichem Tonfall fuhr Isavena den Fitze an: „Wenn ihr auf mich gewartet habt, warum wurde ich nicht unterrichtet?“ Mit ernstem Gesicht auf ihrer grauen Stute aufrecht sitzend, näherte sich Orinka ihren Begleitern. Mit bedacht lenkte sie ihr Pferd auf gleiche Höhe mit Isavena, Elko und Ebro.
Ruhig blickte sie sich die Gesichter der Flusspiraten an. Dann wandte sie sich Isavena zu und sagte ebenfalls in einem ruhigem Ton,“Nun Edle Dame? Gibt es hier ein Problem?“ Sie Blickte Isavena direkt an in der Hoffnung ihr Mut zu geben. Dann wandte sie sich wieder den Gesellen zu blickte den älteren Mann an. „Ah ihr seit der Fischer Fitze, wir haben schon einiges von euch gehört. Was gibt es den zu Feiern?“ Orinka blickte nochmal in die Runde.

Währenddessen wurde der Zwerg auf der anderen Seite der Bretterbude unruhig und rutschte in seinem Sattel hin und her. Isavena, Elko, Ebro und Orinka waren außer Sicht um die Hütte geritten. Er vernahm Stimmen, konnte auch die Isavena‘s Stimme zuordnen. Er verstand aber nicht was gesprochen wurde. Aber es waren auch fremde Stimmen darunter - mehrere fremde Stimme. Das machte ihn stutzig und nervös. Xorgolosch blickte vor sich auf seine geladene Waffe und begann langsam in einem größeren Bogen um die Hütte zu reiten. Dabei versuchte er gute 5 Schritt Abstand zu der schäbigen Behausung zu halten.

Als er mit gewissen Abstand um die Ecke kam war er zunächst verblüfft wie viel Personen sich im Sichtschatten der Hütte aufgehalten hatten. Damit hatte er nicht gerechnet. Seine Hand wollte schon zur Armbrust schnellen als er dann aber feststellte, dass keiner eine bedrohliche Mine aufgesetzt hatte und die langen Messer, schön in der Sonne blitzend, in den Gürteln steckten.

Als er etwa drei Pferdelängen hinter seinen Begleiterinnen und Begleitern zum Stehen kam sprach einer der Männer an Land scheinbar direkt Isavena an.

„Ihr habt doch unsere Karte bekommen oder nicht? Jedenfalls seit ihr zum vereinbarten Zeitpunkt erschienen … auch wenn wir euch allein erwartet hatten. Nun, wir ´feiern´ erfolgreiche Geschäfte. Und ihr habt Glück, Edelste, euer Bekannter Scanlair ist auch hier. Wida, Liebes, sei so gut und hole mal den Kapitän.“ Damit sprach er das junge Fischermädchen an, die nun folgsam nickte. Isavena zerriss die Nervosität innerlich, aber äußerlich zwang sie sich zur Ruhe. Ihre Augen versuchten alle Informationen so schnell es ging aufzufassen und jegliches Vorgehen eiligst zu verarbeiten. Auf die Worte des Fischers meinte Isavena halblaut: „Scanlair ist ist hier - sehr gut.“ und nickte Fitze bekräftigend, als hätte sie nichts anderes erwartet.

Isavena sah einen Moment hilfesuchend zu Orinka und den Brüdern, war sich aber nicht sicher ob diese den Blick verstanden. Das sich Xorgolosch von hinten näherte entging ihr völlig, so sehr war sie auf das Geschehen vor sich konzentriert. Langsam stieg sie aus dem Sattel.

Der Zwerg im Hintergrund war zuerst völlig verblüfft, dass Isavena scheinbar diesen Kapitän kennen sollte. Doch kurz bevor seine Gesichtszüge kurzfristig die Fassung verloren hätten, dämmerte es ihn und er schelte sich selbst einen Dummkopf. ‚Bei Angrosch‘s Bart! Natürlich! Er erwähnte, dass Isavene die Karte bekommen hätte. Er denkt, sie sei die verstorbene Edle von Zweigensang!‘ Xorgolosch merkte, dass die Situation durchaus brenzlich für die eigenen Gruppe werden konnte, versuchte sich aber nach außen völlig ruhig zu verhalten.

Orinka schaute für eine kurzen Augenblick überrascht und erstaunt in Anbetracht des kühnen Vorgehens Isavenas. ´da sieh mal einer an, bei Phexens Geldbeutel dieses gelungene Schauspiel hätte ich nicht im geringsten von Isavena erwartet´. Dachte sie voll Stolz, als ihr der kurze hilfesuchende Blick der Edlen auffiel. Sie erfasste die Situation recht schnell und drängte etwas vorwärts zu Isavena. Mit gut hörbarer Stimme sprach sie, „Wenn ich erinnern darf Edle, ihr solltet besser wieder zur Jagdgesellschaft bevor der ganze Tross hier auftaucht, sie fragen sich sicherlich schon wo ihr seit und haben bestimmt schon die ersten Helfer mit Hunden losgeschickt.“ Bei diesen Worten deutet ihr Blick auf Ebro hinüber der neben sich eine Jagdhündin führte. Überlasst eurem Kämmerer die Angelegenheit wir bleiben bei ihm“.

und folgen euch dann zurück zum Tross. Orinka deutet mit den Augen an das Isavena sich zurückziehen solle bevor ihr bekannter Scanlair sich heraus bequemte. Sie beugte sich zu Isavena und sagte für die anderen nicht hörbar, „bleibt in der Nähe“. dann machte sie Platz damit Isavena sich zurückziehen kann. Ihr Blick ging zu Elko hinüber. Als Elko realisierte, dass das durchaus geschickte Schauspiel Isavenas schon wieder auzufliegen drohte, war sein erster Instinkt sie dazu zu bringen wieder aufs Pferd zu steigen, damit sie im schlimmsten Fall schnell fliehen können würden. Doch dann hörte er Orinka und sah ihren Blick, und begriff ihre List. „Die Edle von Steinbrücken hat recht, Euer Hochwohlgeboren. Lasst mich die Angelegenheit mit Scanlair klären. Ihr könnt euch derweil wieder dem Jagdgeschehen widmen.“

Er schluckte und fragte sich, ob dieser Plan lange gut gehen würde. Er wandte sich an Ebro: „Du bleibst bei der Edlen von Tannwald, Ebro!“ Und zeigte dabei deutlich und eigentlich unhöflich mit der Hand auf Isavena. Der Alte stutze und schaute sich fragend um, die Blicke der Flusspiraten suchend. Derweilen machte sich die junge Fischerin auf, um in die Richtung des Bootes zu laufen. Nachdem die Meisten mit den Schultern zuckten, sagte Fitze schließlich: „Na gut Edle, dann mit euren Lakaien. Das ihr uns ja den Baron vom Halse haltet!“

Die Junkerin von Knechtstett sortierte grade ihre Zügel, als Orinka zu ihr sprach. Mit deutlicher Erleichterung in den Augen nickte sie der Edlen zu und wendete ihr Pferd in einem engem Kreis. Dann sah sie den Fischer an und nickte auch diesem: „Die Edle hat recht, ich werde den Baron fern halten. Mein Kämmerer kann die Angelegenheit ebenso klären. Ich vertraue ihm vollkommen in dieser Sache.“ Innerlich rebellierte ihr Magen und sämtliche Muskeln waren verkrampft und angespannt. Etwas steif machte sie ein paar Schritte auf Elkos Bruder zu und hoffte, man könnte meinen, die ungelenken Bewegungen kämen vom langen Ritt heute. Unsicher sah sie Ebro an, brachte aber mit fester Stimme ein „Komm, lass uns ein Ablenkungsmanöver ersinnen.“ zustande. Dann machte sie noch ein paar Schritte von den versammelten Gaunern weg um zum Aufsitzen wieder anzusetzen. Ebro schluckte leer, als er den bestimmten und dringlichen Tonfall Elkos hörte. Ohne Widerrede hielt er sich an Isavena und machte sich dazu bereit, mit ihr fortzureiten, obwohl es ihm widerstrebte, seinen Bruder bei diesem Piratenpack zurückzulassen. Als Isavena ihm zu verstehen gab, dass sie nicht gedachte einfach untätig in Sicherheit zu verweilen, entfachte dies ein Feuer in ihm. „Genau! Wir müssen etwas unternehmen!“, raunte er ihr zu und sein Verstand begann mit einer Geschwindigkeit und Intensität zu arbeiten, wie er sie zuvor noch selten erlebt hat. Elko wurde kalt und er hoffte, dass ihm seine Nervosität nicht ansehbar war. Gleichzeitig war er erleichtert, wenigstens seinen Bruder vorläufig aus der unmittelbaren Gefahrenzone zu wissen.

So schnell es ihr möglich war, ohne dabei überhastet zu wirken, stieg Isavena wieder auf ihr Pferd, das von dem dauernd auf und ab seiner Reiterin gereizt schnaubte und mit dem Kopf schlackerte. Einen letzten kurzen Blick warf sie in Richtung der Versammlung und ihr wurde nur noch mulmiger. Die anderen hier zurück zu lassen gefiel ihr gar nicht, aber sie war viel zu angespannt, um eine andere Lösung zu finden. Zudem hoffte sie, der angebliche Ablenkungsrückzug ließe das mühsam errichtete Bild der Täuschung nicht jäh zusammen brechen. ‚Vielleicht können wir hinterm nächsten Baum die Szenerie weiter beobachten und überraschend den anderen zur Hilfe eilen, sollte es brenzlig werden.‘‚ überlegte die Junkerin und war sich der Lächerlichkeit ihrer eigenen Gedanken gar nicht bewusst. Ebros Worte quittierte sie mit einem Nicken, den eigentlichen Sinn darin nicht wirklich auffassend. Mit einem beherzten Stups in Eppos Flanken ritt sie an.

Von weiter hinten sah der Angroschim zu, wie Isavena ihr Pferd wendete und auf ihn zu ritt. Kurz trafen sich seine Blicke mit den ihren. Xorgolosch nickte ihr kurz zu. Für Außenstehende wirkte es wie ein höfisches Nicken, ganz der Etikette gegenüber einer Edlen. Für den Zwerg war es mehr der Versuch Isavena in einer Geste Mut zuzusprechen, dass sie alles richtig mache. Xorgolosch verharrte danach weiterhin wie versteinert, obwohl er am liebsten sofort sein Pony gewendet hätte und mit der Edlen von dannen geritten wäre. Ihm war die gespannte, todbringende Waffe bewusst, die vor ihm - halb im Schoß, halb auf dem Sattel lag - bewusst. Sie wurde noch nicht bemerkt, sonst wären sicherlich schon die Messer gezogen worden. Würde er die Armbrust hochnehmen und entspannen, wären die Flusspiraten alarmiert und würden wo möglich angreifen. Ebenso konnte er nicht weiter nach vorne zu Orinka und Elko. Je näher er kommen würde, desto sicherer würde man die todbringende Waffe entdecken.

Und so verharrte der Zwerg weiterhin mit einer steinernen Miene um möglichst wenig auf sich aufmerksam zu machen. Innerlich rüttelte die Situation an ihm jedoch wie bei einem Felsbeben.
Als Isavena und Ebro außer Sichtweite waren, gab der Fischer einen Wink und zwei der Flusspiraten holten einen kleinen klapprigen Holztisch hervor. Dann schaute Fischer Fitze zu Elko, Orinka und Xorgolosch. „Kommt näher. Wollen wir unseren Handel beginnen.“ Aus dem Flusssegler kam ein schmärbäuchiger Mann mit aufwändigen Kapitänshut und Augenklappe. ´Èin klappriger Holztisch, eine Fischerkate, Flusspiraten was hat die Zweigensang nur für Geschäfte getrieben?´, dachte Orinka bei sich. In Gedanken ging sie noch mal alles, was sie wusste, durch. Genauso schaute sie sich nochmal aufmerksam um und fasste die Situation nochmal schnell für sich zusammen.
Èin alter Fischer als Mittler zu den Flusspiraten. Das erschien ihr mehr als plausibel. Ihr Kapitän mit dem Namen Scanlair mit einer kleinen Mannschaft zu einer bestimmten Zeit, an einen bestimmten Treffpunkt, den die Edle nicht kannte.
Das bedeutet: In dem Zeitraum zwischen der Einladung des Barons und jetzt muss sie Kontakt mit Scanlair aufgenommen haben, vermutlich ein Bote. Als Antwort gab es eine Uhrzeit und Ort (die Karte). Das wiederum heißt: Scanlair hat den Treffpunkt arrangiert, was bedeutet, dass die Edle Zweigensang ihn kannte und zumindest soweit vertraut, dass sie ohne Geleitschutz zu diesem Treffen erschienen wäre`. Orinkas Gedanken kreisten, als sie sich Zwang, sich die aktuelle Situation anzuschauen. Sie erfasste möglichst viele Details und ging auch diese in Gedanken durch. ´Der Kapitän kommt erst nach Aufforderung vom Boot. Ein alter Tisch wird aufgestellt, was bedeutet das er nicht sonderlich gut zu Fuss ist´. Orinka versuchte ihre Vermutung anhand der Bewegung Scanlairs zu prüfen. Sie schaute sich seine Bewaffnung an. Dann suchte sie im Hintergrund nach den ein bis zwei Männern die seine engsten Vertrauten sind. Das sind meist die, die sich in der Nähe aufhalten und das Geschehen aufmerksam beobachten.

Anhand dieser ganzen Gedanken, vermutet Orinka das die Zweigensang hier etwas bekommen sollte. Sie ging nochmal kurz ihre Waffenoption durch und stellte sich an die Seite von dem Tisch von der aus sie, im Ernstfall, direkten Zugriff auf den Kapitän hat. Dann schaute sie lächelnd in Richtung Elko und sagte laut. „Dann lasst uns beginnen, mein Herren, bevor der Fischgeruch sich in meinen Kleidern fest setzt. Ihr Blick ging zum Kapitän und sie sah ihn lächelnd direkt in die Augen. Zu behaupten, Elko würde es beim Anblick des Kapitäns und seiner Equippe unwohl wäre eine markante Untertreibung. Er musste seine gesamte Konzentration darauf richten, sein Zittern zu unterdrücken. Er war kreidebleich und blieb wie angewurzelt neben seinem Ross stehen, den Blick auf den Tisch gerichtet, aber das Gesehene kaum wahrnehmend. Erst als Orinka sich dem Tisch näherte, trat auch er unsicher auf diesen zu. Nun war wohl auch die Zeit für den Angroscho gekommen sich an die Front zu wagen. Wäre er angezogen wie ein Leibwächter würde wohl keiner Verdacht schöpfen wenn er sich weiter hinten zurückhalten würde. So aber sah man ihn an, dass er von höherer Stellung war. Er musste auf die Aufforderung des Kapitäns reagieren.

Xorgolosch drehte sein Pony auf die Seite und griff dabei geschickt den Bolzen in der Armbrustrinne und steckte ihn mit der Stahlspitze voran in seinen Mantel. Nach dem er sich nochmal vergewissert hatte, dass das Hauptaugenmerk aller scheinbar auf den kleinen Tisch und den Kapitän gerichtet war schwang er sich auf der dem Geschehen abgewandten Seite aus dem Sattel. Die Armbrust lies er dabei mit dem Fußbügel am Sattelknauf seitlich hängen. Diese bleib gespannt. Ein Schnalzen würde wiederum das Augenmerk auf ihn richten. Er trat um das Pony herum und versuchte seine Nervosität mit einem festen Blick, starrem Gesicht und normalen Schritten zu verstecken. Stetig näherte er sich seinen beiden Begleitern und dem Tisch.
Kapitän Scanlair kam näher und grinste breit. an seiner Seite hing ein Entermesser und seine Daumen hatte er vor dem Bauch in den Gürtel seiner speckigen Hose gesteckt. Ein dürrer Flusspirat mit Augenklappe hielt ein Leinenbündel in der Hand. „Ay, Ay. Ihr seit wohl die Schwester der Zweigensang. Rotes Haar wie die Flammen einer Schiffsfackel, doch weniger Schiffsproviant um die Hüften. Ja wo ist sie den, unsere nordmärkische Wuchtsirene?“ Der Alberned-Dialekt war kaum zu überhören. Der Fischer räusperte sich. „Die Zweigensangsche hält uns den Baron vom Hals. Ihre Lakein werden uns die Dukaten überreichen.“ Damit zeigte Fitze auf Elko.
Während ihn der Anblick des Kapitäns, dessen plötzliche Nähe, seine Bewaffnung und die schiere Anzahl der hier Anwesenden krummen Gestalten weiterhin in Angststarre versetzten, hafteten sich Elkos Gedanken ganz an dem Gehörten an. Interessanterweise war es das Wort „Dukaten“, über den sein Geist einen Weg fand, aus dieser furchterregenden Situation zu entkommen und in den Komfort gewohnter Bahnen zu fliehen. „Eine Zahlung in Dukatenhöhe im Gut des Barons müsste doch in den Büchern aufgeführt sein“, war der erste klare Gedanke, der ihm seit dem Abritt Isavenas und Ebros kam. Der Kämmerer Elko, der über die finanziellen Geschehnisse Tannwalds pedantisch Bescheid wusste, fand sich einigermassen schockiert, ja fast in seinem Stolz verletzt, dass ihm seine Gutsherrin eine Transaktion vorenthalten hatte.
Sein Blick klärte sich und er lachte sogar kurz hörbar auf, als ihm die Absurdität seiner Gedankengänge bewusst wurde. Er war nun wieder mental präsent, wenn auch immer noch angespannt. ‚Um was für ein Geschäft handelt es sich hier wohl?‘, dachte er sich und entschloss sich, dies vorsichtig zu ergründen.

„G…genau, wir… sind hier um für die Hohe Frau die Zahlung zu t-tätigen. I-ich bin Elko Walmar von Flussgrund, Kämmerer auf Tannwald. Ähm… könnten wir uns erstmal der Qualität der Ware versichern?“, stammelte Elko in der Hoffnung, dass ihm der Inhalt des Leinenbündels präsentiert werden würde. Scanlair nickte und gab ein Handzeichen, woraufhin der Einäugige das Leinenbündel entwickelte. Dann stellte er das schimmernde Objekt auf den Tisch: Ein Becher aus Gold mit filigraner Einlegearbeit die ein Wappen darstellte. Auf Gold ein roter Greif, der Schildrand von rot umrahmt im Lilienschnitt: Das Wappen der Baronie Kyndoch! Elko wusste sofort das dieser mehrere hundert Dukaten wert war und sicherlich aus dem Schatz der Barone von Kyndoch stammen musste.
Xorgolosch stand nun in einer Reihe mit Orinka und Elko. Als er fast schon mit einem falschen Wort herausgeplatzt war begann er kurz zu stammeln: „Äh hm… ein sehr schönes Stück“.
Als sich die Gesichter auf ihn richteten griff er die fragenden Blicke auf und fuhr fort: „Verzeiht, mein Name ist Golosch Sohn des Logosch, zwergischer Prospektor, Spezialist für Steine und Edelmetalle aller Art, Händler und seit Jahren guter Vertrauter derer von Zweigensang.“
Zum Abschluss verbeugte er sich höflichst gegenüber dem Kapitän. Orinka konnte sich ein kurzes zucken ihrer Augenbrauen nicht unterdrücken, so beeindruckt war sie von dem schnellem und gekonntem Täuschungsmanöver des Angroscho. Sie spürte auch die Unsicherheit von Elko, die jedoch ihrer Meinung nach gut zu der Situation passte. Sie ging in Gedanken die Situation durch. ´Also, es ging um diesen wertvollen Becher, was mag die Zweigensang damit vor gehabt haben? Xorgolosch hat sich gekonnt als Kundiger für Edelmetalle vorgestellt, was mir die Möglichkeit gibt, meine Stellung etwas kritischer auszulegen.Vielleicht gelingt es mir den verhandelten Preis heraus zu kitzeln´. Orinka überlegte kurz und sprach dann zum Kapitän. „Nun so wie ich das sehe, ist er gerade mal die Hälfte Wert, dieser Becher kann überall gefertigt worden sein.“ Sie sah den Kapitän offen ins Gesicht in der Hoffnung er würde die verhandelte Summe ausplappern. "Sagt an Kapitän Scanlair, auf welchem Basar habt ihr das Stück erstanden?“ Ihr Blick ruhte auf dem Kapitän.

Kurz schaute der Albernier verblüfft, lachte dann laut auf. „Basar? Sind wir jetzt bei den Tulamiden? Und solch ein Prachtstück kann nicht überall gemacht werden.“ Scanlair senkte die Stimme. „Er ist mir ´zugefallen´. Wollt ihr etwa den Preis prellen? Nix da. 300 Dukaten waren ausgemacht. Und nun, packt den Zaster auf den Tisch, Elko oder ihr landen auf dem ´Flussgrund´!“ Er grinste, doch seine Hand lag auf seiner Waffe. Dem Zwerg stockte der Atem. Schweiß rann seinen Rücken herunter und sammelte sich in Gefilden, die nie das Tageslicht erreichen würden. Wahrscheinlich hatte er den Angstschweiß auch deutlich auf der Stirn. Xorgolosch wagte es aber nicht sich prüfend über die Stirn zu wischen. Seine Ogerschelle, ein kleines Jagdmesser, die Armbrust … das alles war gut verstaut in den Satteltaschen, während hier die Lage zu eskalieren drohte. Nur der Armbrustbolzen in seinem Mantel ist ihm geblieben. Aber selbst mit Waffen würden sie gegen diese Übermacht nicht bestehen. Der Angroscho überlegte, ob er den Kapitän auffordern sollte, ihm das Stück zur Prüfung zu überlassen. Er kannte sich zwar viel besser mit der Qualität von Silber aus, aber mit einer Mischung aus Menschensprache und rogolanischen Bergbaugeschwätz könnte er wohl Zeit schinden. Der Gedanke verflog in dem Moment wie er gekommen war. Der Angroscho war zu angespannt als dieser Scanlair die Hand an das lange Messer legte. Da Elko schon von Kind (und seit der engen Zusammenarbeit mit Gundula von Zweigensang noch mehr) auf mit Anspielungen auf seinen Familiennamen getrietzt wurde und er diesbezüglich einen Filter entwickelt hatte, ging Scanlair‘s Beleidigung komplett an ihm vorbei. Elkos Nervosität blieb ungebrochen. Die ruhige Aura, die von Orinka ausging und das schlaue Eingreifen Xorgoloschs hinderten ihn immerhin daran, vollends in Panik auszubrechen. Seine Gedanken schienen zu rasen und und sich schon abzuwechseln, bevor sie jeweils zu Ende gedacht worden waren. Doch ein Bauchgefühl bildete einen konstanten Basston unter diesen verwirrten Zustand: Sie mussten Zeit gewinnen. Ohne richtig zu wissen was er tat, öffnete er den Mund: „Also… äh… bitte wartet doch einen Moment… Herr Sinclair. äh, Scanlair, …“ Elko versuchte eine fachmännische Miene aufzusetzen, die allerdings wohl kaum jemanden überzeugen konnte. „Ich … ich… muss meiner Begleitung schon recht geben und… also… als Finanzverantwortlicher der hohen Frau von Vogelsang und … äh Herrin von Tannwald natürlich… und in Anbetracht des beachtlichen Transaktionsvolumens … also… muss ich wirklich insistieren, dass der Herr Xor… ich meine Golosch sich die Ware auf Ihre Authentizität überprüft.“ Nachdem er sich selbst all diese Worte hatte sagen hören, konnte Elko nur noch trocken Schlucken und rief innerlich alle Zwölfe zu Hilfe.

Nordmarken Barsch2.png

Kaum waren Isavena und Ebro etwas entfernt, bemerkten beide den Flusspiraten in einem Baum, der sie beobachtete. Nun fiel es beiden wie ´Schuppen von den Augen´: das fünffache Trällern eines Vogels bei der Ankunft stammte wohl von diesem! „Schaut, Frau von Leuenstolz, der Ausguck der Piratenbande.“, raunte Ebro Isavena zu. „Wir wollen uns seine Position merken... Denkt ihr nicht auch, dass die übrige Jagdgesellschaft nicht weit sein kann? Ihr seid eine gute Reiterin, lasst uns schnell zu den anderen eilen und sie hierherholen!“

Die Junkerin dachte im Moment gar nichts mehr. Sie registrierte zwar die Person im Gehölz, aber die Tatsache trat nicht wirklich in ihr Bewusstsein bis Ebro sie direkt darauf hinwies. Ein Streifblick bedachte den Ausguck, als sie nur noch die Worte >gute Reiterin< und >übrige Jaggesellschaft< vernahm. Ein Nicken zeigte Ebro das Einvernehmen an und unverzüglich gab Isavena Eppo den Befehl zum schneller werden.


Piraten!

Es dauerte nicht lange und Ebro von Flussgrund und Junkerin Isavena von Leuenstolz fanden die anderen Jagdteilnehmer, die sich an einem Weiler aufhielten.
Isavena von Leuenstolz war sichtlich in Konzentration versunken, da der wilde Galopp auf ihrem Rotbraunen alle Aufmerksamkeit forderte. Geübt passten sich ihr Körper und ihre Bewegungen dem Tempo und den Bewegungen des Pferdes an, so dass Pferd und Reiterin wie eins miteinander waren. Dennoch stand Isavena die Sorge um die zurückgelassenen ins Gesicht geschrieben und gequält bat sie immer mal wieder gepresst um den Beistand der Götter.

Die Gruppe hatte sich gerade umgeschaut und die Pferde gerade zur Tränke geführt, als von der entgegengesetzten Seite des Weiler zwei Reiter im Galopp angejagt kamen.
Als die Gesichter deutlicher waren, konnten sie erkennen, dass es sich um zwei Reiter aus der anderen Suchgruppe handelte. Eichward horchte auf, als er den Hufschlag hörte und drehte einmal den Kopf, um in die Richtung des Geräuschs zu blicken. Gleichzeitig machte er drei weitere Schritt weg von der Tür, um wieder neben seinem Pferd zu stehen an dessen Sattel das Sauschwert, die einzige „Waffe“ die er zur Jagd mitgenommen hatte, hing. Andererseits hatte noch keiner ihrer Begleiter, die ja noch zu Pferd saßen und die Neuankömmlinge sicher schon gesehen hatten, Alarm geschlagen. Luxurrs Verwirrung wuchs, als er wildes Hufgetrappel wahrnahm. Er wollte sein Pony gerade vom Weg herunter zwischen die Gebäude in Sicherheit lenken, als er die Gesichter der sich nähernden Reiter erkannte. Es waren zwei der anderen Jagdteilnehmer, von denen sie sich vor einigen Stunden getrennt hatten.

„Keine Sorge“, rief er seinen Begleitern zu, die sich gerade anschickten, die Hütten des Weilers zu erforschen, „es sind die Junkerin von Knechtstett und einer der Herren vom Flussgrund, die sich nähern. Vielleicht haben sie am Fluss ebenfalls etwas entdeckt, dass sie hierher führt.“ Efferdane hatte noch etwas Probleme ihr Pferd zu führen. Aber schaffte es dieses in eine ruhige Position zu bringen.
Da aus dem Haus keine Reaktion erfolgte und Luxxur eine Erklärung für den nahenden Lärm geliefert hatte, schwang Eichward sich erneut in den Sattel um einen besseren Überblick zu haben. „Bei Rondra, Isavena, Ebro, was treibt Euch denn an? Ihr reitet ja, als wäre der Namenlose hinter Euch her. War Eure Suche am Ende erfolgreicher als unsere?“ rief er den beiden mit lauter Stimme zu und setzte sein Pferd in Bewegung, um ihnen ein Stück entgegen zu reiten.

Die Junkerin richtete sich im Sattel auf, als sie Leute vor sich ansichtig wurde. Nachdem diese Leute dann noch die von ihr und Ebro gesuchten Personen waren, verlangsamte Isavena ihren Ritt. „Schnell, es wird kampferprobte Hilfe benötigt!“ brachte sie hervor, nur um ihren Rotbraunen bereits wieder zum Wenden zu animieren. Noch in der Drehung des Pferdes blickte Isavena zu dem ihr entgegen eilenden Eichward und so waren auch ihre Augen fest auf ihn gerichtet, auch wenn die Worte an alle gemeint waren:
„Die Edle von Steinbrücken und der Kämmerer von Tannwald sind grade in einem Gespräch mit Räubergesindel. Der Edle von Erzwacht deckt die Tarnung, aber es sind zu viele! Sollte das von uns eingefädelte Schauspiel auffliegen, sind die Herrschaften in Gefahr einfach übermannt zu werden. Wir brauchen Unterstützung! Bitte! - Eilt euch!“ Und damit war sie auch schon wieder in die Richtung ausgerichtet, aus der Isavena und Ebro gerade gekommen waren, um den anderen den Weg zurück zu weisen.

„Aber…“, Meginhard setzte zu einer Erwiderung an und deutete auf die Hütte, in der sich die vermeintlichen Übeltäter aufzuhalten schienen, „…wer ist dann dort drin?“ In diesem Moment ging die Türe auf. Erst kam eine Frau hinaus, gefolgt von zwei Männern. Es handelte sich hierbei um drei Gäste der Jagdgesellschaft: Hadelind von Haffenberg, Vögtin von Bitterburg, Dankrath von Schleckenbronn, Junker von Treuenbronn und Gerdor von Hamrath, Edler von Kronau. „ Was ist hier los? Warum diese Aufruhe?“, fragte die schöne Vögtin. Isavena wollte grade wieder anreiten, als etwas im Augenwinkel ihre Aufmerksamkeit erregte. Aus Reflex sah sie zum Haus, vor dem die anderen sich versammelt hatten, und war dann maximal verwirrt. Das Pferd Meginhards von Schwarzdorn tänzelte ob des Aufruhrs ein wenig auf der Stelle und der Vogt benötigte einige Sekunden, um es wieder zur Ruhe zu bringen. Dann erwiderte er der Vögtin von Haffenberg: „Euer Aufbruch ist aufgefallen und wurde mit einem Unglück in Verbindung gebracht, euer Wohlgeboren.“ Seine Stimme klang dabei überraschend unaufgeregt. „Darüber hinaus scheint sich Raubgesindel in den Ländereien des Barons herumzutreiben, dem es das Handwerk zu legen gilt. Wenn ihr Euch also unserem Ritt anschließen wolltet? Rondra ruft unsere Namen!“ Aus Eichwards stimmte war eine kalte Begeisterung heraus zu hören. Dies war eine Aufgabe, für die er sich zuständig fühlen konnte. „Für Kyndoch, für Liafwin! Folgt mir! Ihr führt uns, Isavena!“ Dabei stieß seinem Pferd die Hacken in die Flanken, um es in einen raschen Gallop fallen zu lassen und brauste in Erwartung das sie umdrehen und die Führung übernehmen würde auf Isavena zu.

Ebro hatte bisher vor Aufregung noch kein Wort herausgebracht und war froh, dass Isavena die essentiellen Informationen übermittelt hatte. Doch Ebro blieb angespannt. Er hatte gehofft, Aidan hier anzutreffen, den er als zuverlässigen - wenn auch schweigsamen und etwas eigenen, jungen Rittersmann kennengelernt hatte. Dem hünenhaften Firungeweihten ging diese ganze Szenerie zu schnell. Als er seinen Neffen in Begleitung der Junkerin erspähte, drehte er seinen Tizamtaler in die Richtung der Heranreitenden. „Ihr habt euren Bruder alleine in der Gefahr gelassen?“ harschte er Ebro an als er die Ausführungen der Junkerin vernahm. Die drei aus der Türe tretenden Personen dessen Spuren sie verfolgt hatten sah er zwar im Augenwinkel, interessierte sich aber nicht für deren Schicksal. Seine Arbeit war mit dem Spurenlesen erledigt und das Schicksal der Verdächtigen würde sich an anderer Stelle entscheiden. Die Begegnung mit dem Keiler im Wald fügte sich zu einem klaren Bild zusammen: Wichtig war nun das eigene Rudel. „Los Ebro! Wir müssen deinem Bruder zu Hilfe eilen!“ bellte er in Richtung seines Neffen.

„Ja, Onkel!“, Ebro war vielleicht zum ersten Mal wirklich froh den mysteriösen Bruder seiner Mutter zu sehen. „Aber ist denn Aidan nicht hier?“ Ebro sah sich enttäuscht nach dem Ritter um. Doch die Not drängte und Ebro beobachtete Isavena. „Aidan, Aidan! Was weiss ich wo der wieder rumschleicht. Ich habe ihn zum letzten Mal gesehen bevor wir dem Hund gefolgt sind und die Wildschweinrotte entdeckten. Wahrscheinlich ist er uns gefolgt, hat sich ablenken lassen und unseren Rückzug verpasst. Aber der Ritter scheint sich in der Natur ja erstaunlich gut auszukennen, nachdem was ich auf Tannwald so gesehen habe. Der wird dann vermutlich plötzlich irgendwo wieder auftauchen.“ Waldemar liess seine Gedanken kreisen und merkte gar nicht, dass sich Ebro schon lange weggedreht hatte. Isavenas Pferd tänzelte ob der aufgebrachten Stimmung. Mittels einer Drehung konnte die Junkerin ihren Rotbraunen etwas bändigen, aber sie merkte, dass Eppo laufen wollte. Sie selber war hin und her gerissen. Da kam der Herr von Zollstein auf sie zu und auch der Firun-Geweihte schickte sich an, den Zurückgelassenen zur Hilfe zu eilen. Aber dann waren da auf einmal noch die Vögtin aus dem Fuchsgau und weitere verlustigte Jagdteilnehmer, deren Erscheinen Isavenas Neugier aktivierten. Jetzt war eine schnelle Entscheidung zu fällen unumgänglich. Und entgegen dem Impuls, hier in Sicherheit zu bleiben und sich lieber mit der Frage zu beschäftigen, warum so weit ab von der Jagd sich drei der herrschaftlichen Teilnehmer zu einer konspirativen Versammlung in einer unbedarften Bauernkate trafen, drehte Isavena ihr Ross und begann den anderen den Weg zurück zu geleiten. Sowie er Isavena den Rückritt antreten sah, rief er Waldemar zu: „Folgt mir, Onkel!“ und spornte sein geliebtes Pferd an, Isavena und den anderen zu folgen. „Ein Unglück? Raubgesindel?“, wiederholte die Vögtin und schaute ihre beiden Begleiter fragend an. „Boron braucht uns.“, sagte der schwarz-gewandete Junker von Treuenbronn und ging zu seinem Pferd. „Ich hoffe uns klärt jemand auf dem Ritt auf.“, sagte Gerdor von Hamrath.“ Alle drei sattelten auf und machten sich auf, den anderen zu folgen. Dem Vogt von Schlehbronn schien das alles nicht geheuer. Abwechselnd sah er zwischen den ganzen Personen hin und her. Er war sich unsicher, was hier gespielt wurde. Oder übersah er wieder das Offensichtliche? Er wusste, dass es ihm schwer fiel, die Launen und Intentionen anderer Menschen richtig zu deuten. Also half nur eines: Fragen! Noch in dem Moment, in dem der Junker von Treuenbronn an ihm vorbei lief, um zu seinem Pferde zu gelangen, sprach Meginhard ihn direkt an: „Was haben die drei Herrschaften in diesem Weiler gesucht? Weswegen hat man sich von der Jagdgesellschaft entfernt?“ Dieser schaute ihn verwundert an. „Wir waren jagen, doch fing es an uns zu dürsten. Wir sind zur Rast im Weiler eingekehrt. Warum fragt Ihr? Wisst Ihr mehr über das Unglück und Raubgesindel?“ „Nein, das nicht. Das weiß nur sie!“. Mit ausgestrecktem Arm wies er zu Isavena. „Dann lasst uns Ihr folgen!“ Er machte mehrere klackernde Geräusche und wendete sein Pferd, sodass er der Edlen folgen konnte. Nachdem Isavena nun die Führung übernahm und anscheinend auch die meisten der Anderen seinem Ruf folgten, gab Eichward seinem Ross die Sporen und ließ die Zügel fahren. Die einzige Grenze war das Tempo, dass die Junkerin von Knechtstett vorgeben mochte. Er setzte sein Pferd auf Armeslänge Abstand neben das Ihre, passte die Geschwindigkeit an und drehte sich zu Ihr hinüber. „Könnt Ihr mir sagen, liebe Isavena,“ war zwischen den Hufschlägen zu vernehmen, „mit wie vielen Gegnern wir es zu tun haben, und wie weit sich das Gesindel von hier weg befindet?“ „Es war ein ganzer Haufen“ Isavenas Gesicht arbeitete sichtlich beim Versuch, sich an alles richtig zu erinnern und Eichward eine adäquate Antwort zu geben. Zu aufgeregt war sie, als dass die hätte klar denken können.

„Da war der Fischer und seine Tochter oder Magd. Wahrscheinlich ungefährlich. Aber dann war da eine ganze Schiffsbesatzung Flusspiraten - bewaffnet mit Säbeln und Haumessern. Vielleicht zwölf bis fünfzehn Mann. Und der Kapitän!“
Ihr grauste beim Gedanken an dessen Anblick und sie verstummte. Diese Bauernsiedlung hier war nach einer mühseligen und nicht wirklich ergiebigen Spurensuche wohl von keinerlei Belang gewesen. Ein klares Ziel war Luxurr also nur recht, wenn es auch Kampf bedeuten mochte. Der Zwerg war zwar weder ein großer noch ein begeisterter Kämpfer, aber seine Tischgemeinschaft vom Vorabend brauchte Hilfe und Diebesgesindel sollte nicht diese Lande unsicher machen. Also hieß es weiter reiten. Bevor er seinem Pony die Sporen gab, kontrollierte Luxurr noch einmal mit geübtem Blick die Mechanik seiner Armbrust, bevor er jene wieder in ihre Halterung zurückgleiten ließ. „Hü“, rief er auf Rogolan aus und versuchte wieder einmal, Anschluss zu den Vorausreitenden zu bekommen. Die Geweihte schwankte einen Moment , was ihre Gefühle anging. Zorn wechselte sich mit rationalen Denken. „Zwölf bis 15 Mann? Bei Efferds Bart, ich glaube da sollten wir lieber Verstärkung holen. Das ist mir doch etwas viel Gesindel auf einem Haufen.“ „Bei Rondra, habt keine Furcht,“ rief er den übrigen zu, die Isavena und ihm folgten, nachdem er die Situation im Kopf kurz abgewogen hatte. „Was ist schon ein Dutzend armseliges Raubgesindel gegen eine tapfere Schar Nordmärker Edler? Wir werden über sie kommen wie der Wind über das Herbstlaub! Und so viel mehr sind es nun auch nicht … allein wir hier, wie wir versammelt sind, sind schon zu elft. Und wenn man die drei die noch vor Ort sind hinzurechnet, ist es eine ausgeglichene Sache! Wir haben Rondra und Praios, Kampfesmut und Gerechtigkeit auf unserer Seite. Seit zuversichtlich und eilt Euch nun alle! Nicht das den Tapferen die dort zurückgeblieben sind auf Grund unseres Zauderns noch ein Unglück geschieht!“ Innerlich stimmte Isavena der Efferdgeweihten voll und ganz zu. Äußerlich versuchte sie sich auf den Weg zu konzentrieren und das Kunststück zu vollbringen niemanden zu verlieren, als auch so schnell es ging die Strecke zurück zu reiten. Eichwards Worte beflügelten für einen Augenblick ihren Mut, doch dann schwappte wieder der ausgesprochene Zweifel der Geweihten über sie. Mit zusammen gekniffenen Gesicht meinte sie schlicht und einfach „Wir sind die Verstärkung.“ Es dauerte nicht lange und der Reitertrupp kam an dem Haus der Ziegenbäuerin vorbei. Nicht mehr lange und sie würden das Ufer und die Kate von Fischer Fitze erreichen. Als die Hütte der Ziegenbäuerin in Sicht kam verlangsamte Isavena ihr Ross und sah sich zu den nachfolgenden Begleitern um. „Es ist nicht mehr weit. Nur noch ein Stück zum Fluss hinunter. Da ist eine Kate, man kann sie von beiden Seiten umrunden. Im Gebäum saß ein Ausguck und zwitscherte, als wir uns näherten. Ob er immer noch da sitzt weiß ich nicht. Wir sollten uns einig sein, wer wo lang reitet und wer sich um wen kümmert. Wir können sie flankieren, aber das Gesindel hat immer noch die Möglichkeit des Rückzuges über den Fluss.“ Die Junkerin griff ihr Kurzschwert, das bis jetzt tatenlos in seinem Futter am Sattel hing. Sie kam sich sehr komisch vor, war ihr der rondrianische Fokus an sich selber etwas fremd.

Efferdane atmete tief durch, sprach ein leises Stoßgebet zu ihrem Gott. „Niemand soll uns der Feigheit geziemen. Doch sich übermütig in wilde Fluten zu stürzen, das ist nicht immer klug.“ „Ich würde vorschlagen, den Ausguck zu umgehen!“, japste Ebro im Ritt den anderen zu. „Ein Ausguck überblickt üblicherweise weite Distanzen, junger Herr“, äußerte Luxurr sich in leicht belehrendem Tonfall. Er hatte ebenfalls gerade zu den anderen aufgeschlossen. „Falls es überhaupt möglich ist, würde es sicherlich einen großen Umweg bedeuten und damit viel Zeit kosten. Oder meint ihr, dass ein Teil des Weges von seinem Baumwipfel aus nicht einsehbar ist?“, fragte der Zwerg, die Stirn in Falten gelegt. „Könntet ihr den Ort des Überfalls näher beschreiben?“ Die offenkundige Angespanntheit seiner Begleiter schien den Angroscho im Moment nicht weiter zu beschäftigen. Waldemar hatte Mühe mit den anderen Schritt zu Halten, da er den Jagdhund mit auf sein Pferd gehoben hatte. Dafür spähte er, mit wenig Hoffnung, zum Waldstück zu seiner Linken ob wohl Aidan, der stille Hausritter von Tannwald, irgendwo aus dem Wäldchen breche. Eichward zügelte sein Pferd neben Isavena. „Ein Ausguck sagt ihr?“ Ein Blick auf die versammelte Mannschaft ließ ihn sicher sein, dass ein schneller und überraschender Sturmangriff zu Pferd wohl nicht die beste Wahl war. Die anderen Edlen und Geweihten mochten sich im Sattel halten, aber aus diesem heraus zu kämpfen war dann doch noch einmal etwas anderes. „Isavena, kommen wir bis zu der Kate die Ihr erwähntet ungesehen, wenn wir die Pferde hier zurücklassen? Dann könnte vielleicht unser guter Luxurr hier mit seinen Schießkünsten den Ausguck aus dem Baum holen, bevor dieser Alarm schlägt? Was sagt ihr? Und ihr Luxurr, traut euch solch einen Schuss sicher zu, oder?“

„Nun ja, ich kann euch diese Frage nicht abschließend beantworten. Ich kenne die Örtlichkeit und die dortigen Gegebenheiten ja nicht …“ Luxurr machte eine kleine Pause um seine Gedanken zu sammeln, bevor er weitersprach: „Sofern der Ausguck nicht durch ein Blätterdach verdeckt wird und ich ihn gut einsehen kann, gleichzeitig von diesem aber nicht wahrgenommen werde und ausreichend Zeit zum Zielen habe, sollte ich ihn unter den jetzt herrschenden Wetterbedingungen treffen können. Allerdings würde ich dennoch erwarten, dass der Ausguck aus Schmerz aufschreit oder von der Wucht des Bolzens getroffen vom Ast stürzt, auf dem er vermutlich sitzt. Beides sollte seine Kumpane alarmieren.“ Isavena ließ den Zwergen erst Eichward gegenüber aussprechen, bevor sie Luxurr auf seine Frage antwortete. „Die Fischerkate ist von dieser Seite das erste, was man sieht und auf das man zukommt. Es stehen natürlich etliche Netze drum herum. Flussseitig sind dann noch zwei Schuppen vorhanden und zwei Boote. Ich glaube ein kleines Fischerboot und ein etwas größerer Flusskahn.“ Da sie selber die Umgebung nur am Rande wahrgenommen hatte, konnte sie der Beschreibung nicht wirklich viel mehr hinzufügen. Hilfesuchend blickte sie zu Ebro, der vielleicht die Umgebung mehr beachtet hatte als sie selber. Aidan von Föhrenschild, der schweigsame Hausritter Tannwalds schob sich erstaunlich gewandt durchs Unterholz in Richtung Waldrand entgegen. Er fühlte sich ein wenig flau im Magen aber trotzdem voller Zuversicht. Beim Waldrand angekommen stoppte er seinen Gang abrupt und erspähte die galoppierende Meute ein gutes Stück weit weg in Richtung Fluss galoppieren. Ganz hinten erkannte er den Firungeweihten mit dem Jagdhund auf seinem Schoss. Die große Eile der Gesellschaft verunsicherte ihn während er an sich hinunterschaute und mehrere rote Flecken an seiner Kleidung wahrnahm. Schnell nahm er ein paar Blätter und wischte diese notdürftig weg. Er nahm zwei Finger in den Mund und pfiff so seinem Pferd, dass nach kurzer Zeit tatsächlich im gestreckten Galopp seinem Signal folge leistete, sass auf und versuchte die Reitgruppe einzuholen.

Während Waldemar Brünzli von Flussgrund damit beschäftigt war, den schweren Jagdhund auf dem Pferd zu halten, hörte er plötzlich von hinten einen Pfiff. Er versuchte mühselig seinen Tizamtaler zum anhalten zu bewegen und spähte in Richtung des Waldes wo er einen Reiter entdeckte der auf ihn zu galoppierte. Kurz lenkte ein entferntes Geräusch Isavenas Aufmerksamkeit ab, aber nach einem flüchtigen Umsehen konnte sie nichts besorgniserregendes ausmachen. In Richtung Eichward gewandt sagte sie: „Der Weg bis zum Fluss bietet wenig Deckung. Sicherlich stehen hier und da ein paar Büsche oder Bäume, aber nicht genügend, um sich heranzuschleichen.“ Ebro war ebenfalls kurz abgelenkt gewesen vom plötzlichen Erscheinen und Pfiff Aidans. Dringlich wandte er sich nun aber der laufenden Diskussion zu: „Wir haben keine Zeit! Wenn wir einen Umweg machen, sollten wir ungesehen am Ausguck vorbeikommen und trotzdem noch schneller sein als mit Schleichereien. Spart euch euren Bolzen lieber für die Unholde am Fluss! Lasst uns zureiten!“ „Den Versuch ist es zumindest Wert, wenn wir anderweitig nicht überraschend herankommen.“, stimmte Eichward zu. „Isavena, was meint ihr, sollten wir, wenn ihr Euch der Position des Spähers erinnert, eher vom Oberlauf des Flusses heranreiten, oder lieber von flussabwärts?“ Ebro beschrieb dringlich die Lage des Spähpostens. „Wenn wir uns also an den Oberlauf halten, sollte es klappen!“ Im Laufenden Text dieser hier:

Nordmarken Barsch2.png

Währenddessen am hinteren Ende des Zuges: Als der Reiter näherkam, erkannte der hünenhafte Firungeweihte die Gestalt Aidans von Föhrenschild und hob die Hand zum Grusse.
Aidan von Föhrenschild, der Hausritter Tannwalds erreichte die hintersten Reiter des Zuges und traf da auf Waldemar von Flussgrund. Der Anblick der doch recht kampfstark zu scheinende Truppe steigerte seine Zuversicht, während gleichzeitig der holprige Ritt seine schon bestehende Übelkeit so weit trieb, dass er alsbald er sein Pferd stoppte sich auf die saftige Wiese übergeben musste. Waldemar schaute ins Gesicht des sonst so anmutigen Ritters. Er sah eine fast geisterhaft weiße, verzogene Fratze mit fahlen Augen. Ebenfalls erkannte er rote Flecken auf der Kleidung des Ritters. „Aidan! Was ist geschehen? Kann man euch helfen?“. „Alles kommt gut, eurer Gnaden! Macht euch keine Sorgen und erklärt mir lieber euer Unterfangen“, erwiderte Aidan mit ruhiger Stimme. „Wir haben die Flüchtigen gefunden. hoher Herr, sie reiten mit uns im Zug. Uns wurde aber die Kunde zugetragen, dass Elko von Flusspiraten bedroht wird und reiten nun zur Unterstützung in Richtung des Großen Flusses, Ebro befindet sich ganz vorne im Zug. Aber was ist mit euch passiert? Ihr ward plötzlich nicht mehr mit uns im Trupp unterwegs.“

Aidan gab seinem Pferd wortlos die Sporen und ritt im Galopp an die Spitze des Trupps. Ein lauer Windstoß fuhr vom Fluss über die abgeernteten Felder und Büsche und trug neben dem Geruch nach Schilf auch Wortfetzen mit sich - von vielen, von sehr vielen Leuten. Aufgeregten Stimmen, die dem Bericht von Flusspiraten eine dringliche Note mit dem Ruch der Wahrheit verliehen. Meginhard von Schwarzdorn sah sich unruhig um. An seiner Seite ritten noch einige andere Kämpen, aber im Kriegshandwerk geschult waren neben ihm nur noch zwei, vielleicht drei andere. Die Stimmen, die er vom Fluss her vernahm, waren hingegen viele. Zu viele für die kleine Schar, die sie selbst gewesen sind. „Unser Vorteil ist, dass wir beritten sind.“, sagte er lapidar in die Runde und fixierte dann Eichward mit einem auffordernden Blick. „Und damit die Geschwindigkeit, vielleicht überraschen wir sie ja doch. Aber den Kampf werden die meisten von uns wohl abgesessen führen … nicht jeder der sich im Sattel hält vermag auch die Klinge aus selbigem zu schwingen,“ erwiderte Eichward. „Aber was wären wir für Nordmärker Edle, wenn wir uns vor einem Haufen verlauster Flusspiraten fürchten würden? Selbst wenn es ein paar mehr sind als wir selbst. Wir führen die Klinge, und den ein oder anderen Bogen oder auch eine Armbrust haben wir ja noch dazu. Nun heißt es vorwärts und in Rondra vertraut! Also Isavena, Links oder Rechts herum?“

Still verfolgte Isavena die kurze Diskussion und auch in ihr drängte die Befürchtung, die Zurückgelassenen mit jedem weiteren Wort unnötig lange in Gefahr zu bringen. So war sie umso dankbarer, als Ebro die Beschreibung zum Späher übernahm und die Zeitnot mit seinem Tonfall untermalte. Sie selber hatte noch einige Ideen, wie eine geschickte Formation hätte glücken können, doch diese sparte sie sich in Anbetracht der bereits vergangenen Gesprächsdauer und gab ihrem Pferd die Sporen. Des Junkers zu Zollstein Worte quittierte sie mit einem einfachen „Hier entlang!“ Mit einem Schnalzen der Zügel setzte sich Eichward an Isavenas Seite. Noch mit dem Zügel in der Hand legten sich seine Finger um den Griff des Sauschwerts. Als er sich umwandte rief er den anderen zu: „In breiter Formation! Wer sich geeignet fühlt für die erste Welle in die feindliche Linie zu brechen, setzt sich an meine Seite. Der Rest folgt dahinter, wenn wir sie zersprengt haben! Sie werden keine Zeit haben, eine Verteidigungslinie zu bilden.“ Auch Meginhard führte sein Pferd neben die Edle von Knechtstett und ließ es in einen leichten Trab fallen, während er sein Schwert zog. Er hatte auch im Getümmel ganz sicher nicht vor abzusitzen, aber das behielt er für sich.

Hoch zu Ross waren es nur wenigen Augenblicke, bis die Gruppe in Flussnähe gelangte. Ein dichter Schilfgürtel, durchsetzt mit hohen Weiden, das sich landwärts mit einem Gestrüpp aus Erlen mischte, versperrte den freien Blick auf den Fluss, unterbrach aber nicht das Stimmengewirr, das mehrere Leute am Ufer verriet. Zu sehen waren sie auf den ersten Blick nicht. Erst der zweite offenbarte einen Mast, der sich über das Schilfmeer erhob, aber fast in den Ästen der hohen Weiden verschwand. Der Vogt von Schlehbronn zog tief die feuchte Luft ein und er musste unwillkürlich lächeln. Das gezogene Schwert in der einen, die Zügel seines langsam in Galopp fallenden Pferdes in der anderen Hand, verspürte er beinahe schon ein Hochgefühl. Er trug nur ein leichtes Lederwams, aber er fühlte sich dennoch wieder wie einst, als er als junger Ritter in voller Platte in die Schlacht ritt.
Auf der anderen Seite Isavenas zog Eichward ebenfalls die Klinge aus der am Sattel befestigten Scheide. Er bedauerte nur, dass er, natürlich, zur Jagd den Schild nicht mitgenommen hatte. Aber das würde ihn, einen echten Elenviner Krieger und Veteran des Albernia-Aufstandes nicht aufhalten. Mit etwas Glück waren es sogar albernische Flusspiraten, die ihm nun vor die Klinge sprangen um endlich Gerechtigkeit zu erfahren. Mit grimmigem Blick konzentrierte er sich auf das vor ihm liegende Gelände, damit sein Pferd nicht im letzten Augenblick ins Straucheln geriet. Luxurr war wie bereits zuvor mit seinem Pony hinter die Pferde der anderen zurückgefallen. Weder in Trab noch in Galopp konnte er mit diesen mithalten, das wusste er, daher versuchte er es auch gar nicht.

Als sie den Fluss erreichten, ließ er sein Tier kurz halten und spannte - so gut es im Sattel eben ging - seine Armbrust. Ab- und wieder aufzusteigen hätte noch mehr Zeit in Anspruch genommen. Einen Bolzen legte er aber nicht auf, dieser würde während des Ritts nur herunterfallen. Der Zwerg stellte allerdings sicher, dass er die Bolzen auch im Sattel ohne Schwierigkeiten aus seinem Köcher ziehen konnte, den zu seiner Rechten am Gürtel trug. Ein kurzes Stoßgebet an den Großen Vater auf den Lippen, ließ er das Pony wieder antraben. ,Flusspiraten!‘ dachte er sich widerstrebend, ‚wenn dass mal nicht ins Auge geht …‘

Das Pony trabte, so schnell Luxurr es sich zutraute, seinen Gefährten hinterher. Die Hufspuren ihrer Pferde waren im feuchten Uferboden nicht zu übersehen. Die Junkerin zu Knechtstett fühlte sich seltsam geborgen zwischen den beiden Reitern an ihrer Seite. Mit ihrem Kurzschwert machte sie sicherlich nicht gänzlich so einen veritablen Eindruck wie die beiden Herren, aber sie verspürte Zuversicht. Entschlossen blickte sie auf den Weg und ging gedanklich einige Übungsstunden mit ihrem Waffenmeister durch.
Eichwards Erfahrung beruhigte Isavena und sie war ganz zufrieden, einfach nur die Wegführung übernehmen zu müssen. Als durch das Buschwerk hier und da ein Mast durchblitzte, deutete sie voran und meinte: „Es ist nicht mehr weit.“ Dann lauschte sie nach den Stimmen, die noch viel zu undeutlich waren um irgendwas zu verstehen, aber sie erhoffte sich aus der allgemeinen Gesprächsstimmung einen Hinweis zu erhaschen, ob die anderen Jagdteilnehmer noch unversehrt waren oder nicht.

Ebro ritt hinter dem Trio her, sah wie diese ihre jeweiligen Waffen bereitmachten und schnappte auf, was sie sich zuriefen. Er versuchte es ihnen gleich zu tun, sich ebenfalls vorzubereiten. Dann entdeckte er plötzlich Aidan in vollem Galopp neben sich. Also war der Ritter doch noch hier! „Rondra zum Grusse, junger Herr!“ rief der Hausritter Ebro zu, wenn auch ein wenig gequälter und leiser als gewohnt. „Setzt mich ins Bilde! Wie planen wir den Angriff?“. Aidan von Föhrenschild dachte an die harten Lektionen unter Yanturwin von Selminsroden und dessen AUGEZ-Prinzip. „Was ist der Auftrag? Wie ist die Umwelt beschaffen? Welche Mittel nutzt der Gegner? Welche Mittel stehen uns zur Verfügung? Und wieviel Zeit bleibt uns noch?“ presste er hervor, während er versuchte Haltung zu wahren.

„Hoher Herr! Elko ist in Gefahr! Flusspiraten!“, Ebro presste die Worte laut zwischen seinen tiefen Atemzügen hervor. Der Wortschwall des sonst so schweigsamen Ritters hatte ihn ein wenig überrumpelt. „Uns bleibt keine Zeit!“ Der Firungeweihte ließ den Hausritter ziehen und befand sich weiterhin am Ende der Gruppe da er mit dem Jagdhund in seinen Armen nicht besonders schnell reiten konnte. Während dem Ritt dachte er an seine unzähligen Jagden in Aranien und an all das Gesindel das in den Wäldern herumschlich, auch wenn dies kein Vergleich war zu den Gestalten die er hier anzutreffen vermutete. Efferdane musste ihren Zorn wieder einmal zügeln. Die Piraterie ist ein Frevel gegen Efferd. Nicht nur auf dem Meer sondern auch auf den Flüssen. „Soviel hat er euch geschenkt. Fische die euch als Nahrung dienen. Flüsse, die ihr für den Handeln befahren könntet … Doch dieses Pack missbraucht seine Gaben um feige zu überfallen.“

So zischte sie halb zu sich selber. Aidan von Föhrenschild, der Hausritter Tannwalds hörte das „uns bleibt keine Zeit“ von Ebro nur noch von hinten. Die Zeit war gekommen sich als Ritter zu beweisen, schliesslich war der ihm Anvertraute Elko in Gefahr. Er ging die wichtigsten Grundsätze die ihm sein Schwertherr eingebläut hatte noch einmal durch und machte sich bereit für den Angriff. Durch das Trinken des Wildschweinblutes fühlte er sich vorbereitet und sprach noch ein leises Gebet zu Rondra, bevor er sein Schwert aus der Scheide zog und mit einem lauten „für Tannwald!“ seinem Pferd die Sporen gab und durch das Erlengebüsch hindurchbrach. Der Firungeweihte Waldemar war überrascht vom plötzlichen Mut des Ritters, der sonst eher einen stillen, fast schon gleichgültigen Eindruck gemacht hatte. Gleichzeitig hatte er bereits durch sein geschultes Gehör erkannt, dass hinter dem Schilf eine Übermacht von Personen sprach und die Aktion des Ritters ziemlich leichtsinnig war. Er flüsterte dem Jagdhund ein paar Worte ins Ohr und liess ihn mit Schwung aus seiner Umklammerung abspringen. Der Hund raste dem Ritter hinterher und sprang hinter diesem durchs Gebüsch. Währenddessen überblickte der Firungeweihte die Landschaft und suchte sich einen geeigneten Ort für einen Bogenangriff.

Nordmarken Barsch2.png

…währenddessen bei den Piraten Der Kapitän Scanlair verzog sein Gesicht. „Was soll das ganze Gestammel hier? Ich finde es riecht hier ordentlich nach faulen Fisch! Die Dukaten oder kein Geschäft.“ Dann schaute er die Adligen abschätzig an. „Und wenn ich es mir so betrachte … eure Kleidung, Waffen und Pferde sind auch ein guten Dukaten wert.“ Alle bemerkten wie die Stimmung anfing zu kippen.

Elko sank das Herz in die Hose. Er war wie zerrissen zwischen der schieren Schockstarre und dem Instinkt, so schnell und weit weg zu fliehen wir nur irgend möglich. Xorgolosch konnte es nicht unterdrücken und blickte vor Anspannung suchend nach links und rechts. Er kannte lebensgefährliche Situationen aber hier war er mit seinen Verbündeten in eine Ecke gedrängt wie eine Höhlenspinne vor dem Ende eines Blindschachts in einer Binge. ‚Wenn wir jetzt Glück haben, behalten wir neben unseren Leben nur noch unsere Unterkleider. Genauso wahrscheinlich ist aber wohl auch, dass wir alle abgeschlachtet werden. Angrosch steh uns bei!‘ dachte der Zwerg und wusste, dass er alles auf eine Karte setzen musste, um weiter Zeit zu schinden. Er schluckte noch einmal tief und versuchte seine Stimme wiederzufinden um schließlich leicht stotternd zu antworten: „Bitte … bitte mein Herr, wir sind beide erfahrene Geschäftsleute.“ Er machte eine lange Satzpause um weiter zur Ruhe zu kommen. „Wir sollten nichts übereilen. Ihr werdet den Becher sonst nur einschmelzen können, da ihr schwerlich einen anderen Abnehmer finden werdet. Ich soll im Auftrag der Edlen Herrin lediglich die Echtheit überprüfen. Hierzu müsste ich mir das Stück näher ansehen.“ Xorgolosch hielt den Atem an, als er auf die Antwort wartete. Er konnte es jetzt fast selbst nicht fassen was er für Worte ausgesprochen hatte. Ihm war bewusst, dass sie sich dadurch nur noch tiefer verstrickt hatten.

Der Albernier hob die Hand. „So, so. Gutachter. Na kommt näher, Herr Zwerg.“, sagte Scanlair verärgert. „Aber Kapitän … wird sollten den ihr Zeug nehmen und sie dann im Fluss baden lassen … da haben wir mehr von …“, zischte der einäugige Flusspirat, der neben dem Anführer stand. Wo Elko vor Erleichterung über Scanlairs Zustimmung zu Xorgoloschs Vorschlag erstmal wieder ausatmen konnte, erstarrte er erneut als der Einäugige die Waagschale wieder zu kippen drohte. Doch wenigstens hatte sein Verstand in der kurzen Verschnaufzeit einen Hoffnungsstrang gefunden, an den er sich bange klammerte. „Wir sind Gäste des Barons!“,fiepste er laut. „Eure Machenschaften mögen den Baron bisher nur bedingt interessieren. Doch sollte uns während seiner Jagd etwas widerfahren, wäre er - mehr noch als überhaupt schon - gezwungen all seine Mittel zur Jagd auf euch einzusetzen …“. Elko ereiferte sich während seines Monologs, gewann zunehmendes Selbstbewusstsein im Vertrauen auf die vorgetragene Logik. Der Kapitän holte tief Luft, zwirbelte seinen prachtvollen weizenfarbenen Schnurrbart und betrachtete den aufmüpfigen Landadligen. „Wollt Ihr mich hinhalten? Ich habe den Kelch für euch und ihr kein Geld für mich. Entweder wir kommen zum Handel - und zwar genau jetzt, ehe eure Verstärkung, die ihr ganz sicher in der Hinterhand habt, hier ist, oder ich bin weg. Und wagt es ja nicht, mir zu drohen! Selbst wenn ihr mich bekommt - den Becher wird dann der Flussvater haben, nicht ihr! Also - ihr habt fünf Herzschläge lang Zeit, euch zu Entscheiden, sonst … . Eins … . “

Der Einäugige begann zu grinsen und offenbarte ein Gebiss, in dem zwei Schneidezähne fehlten. „Eins …“ murmelte er leise vor sich hin, seinen Kapitän wiederholend, und grinste Elko aus seinem letzten Auge an.
Elkos ohnehin schon bleiches Gesicht verlor auch noch die letzten Zeichen von Durchblutung. Kalter Schweiß überzog seine Schläfen und seinen Rücken während seine Zunge vor lauter Dingen die er gleichzeitig entgegnen wollen wie verknotet war. Der Kapitän räusperte sich, fixierte den Zwergen und meinte: „Und Ihr? Wolltet Ihr nicht gerade noch einen Schritt vortreten? Die Zeit läuft ab.“ „Nun ja“, Xorgolosch trat auf den Tisch zu und nahm den Pokal in sein rechte Hand. Der Schweiß rann ihn dabei über die Stirn und ein erster Tropfen kam in sein Auge, welches sofort zu brennen anfing. Er war noch nie ein guter Lügner oder Schauspieler gewesen. Er hielt den Becher nach oben gegen das Licht des blauen Himmels. Der Trinkrand war akkurat gearbeitet - keine Beschädigungen oder Kratzer. Anschließend nahm er sich die Einlegearbeiten, das Wappen, vor. Auch hier hielt er es gegen das Licht. Er driftete mit seinen Gedanken bereits ab und suchte nur noch unterbewusst nach Unebenheiten. Mit den Fingern strich er im Anschluss über das Wappen u die Oberfläche zu befühlen. Er musste etwas sagen. Alle Blicke ruhten auf ihn.

„Ka roboschan hortiman Angroschim!“, presste er zwischen seinen Lippen heraus. „In was bin ich hier nur hineingeraten.“, führte er weiter auf Rogolan fort. Anschließend drehte er den Becher und besah das eingeschlagene Siegel des Kunstschmiedes auf dem Boden. Mit der Linken griff er sich zwischen die Knöpfe seines Mantels und zog für alle sichtbar den Armbrustbolzen heraus. Der Becher war eine ausnehmend feine Arbeit, und das Siegel des Schmiedes, soweit Xorgolosch das beurteilen konnte, war das einer Elenviner Goldschmiedefamilie. Die eingesetzten Steine aber zeigten einen Schliff, der nahezu sicher aus zwergischen Werkstätten stammte. Die Steine selbst waren edler Nordmärker Turmalin. Ein wahrhaft schönes Stück. „Zwei.“ Erklärte der Kapitän mit einem fast schon bösartigen Grinsen und zwirbelte erneut seinen prachtvollen Bart.

Elko, vom Scheitel bis zu den Zehen angespannt, beobachtete Xorgolosch. Er erschrak, als der Zwerg einen Bolzen hervorzog und erhob sich eine Handbreit vom Stuhl. Da er sich nicht traute, ganz aufzustehen, erstarrte er dann wieder in dieser höchst unbequemen Haltung. Der Angroscho bekam das Zucken Elkos neben ihm nicht mit. Er war vollkommen gefangen in einer Situation, die ihn förmlich die Luft zum Atmen raubte. Es war wie als wenn er lebendig unter einem Steinrutsch begraben liegen würde und von allen Seiten ein unendlicher Druck auf seinen Körper lastete. Er bemerkte wie sich langsam sein Bart bis zu den Spitzen mit Schweiß vollsog und wohl bald auch zu tropfen anfangen würde. Er nahm den Bolzen verkehrt herum und rieb mit der Holzkante zwischen dem Federn eine kleine Stelle auf der Unterseite des Kelches blank, drehte den Bolzen wieder und prüfte die Härte des goldenen Metalls, indem er mit der Spitze des Metallblattes am vorderen Ende des Bolzens mit wenig Druck feine Rillen in die Oberfläche ritzte. Abschließend rieb er die gut gearbeitete Kante des unteren Rand des Bechers seitlich über das blattförmige Metall der Spitze. Es zeigte sich eine feine aber gut zu erkennende Spur von gelblichen-goldenen Glanz auf dem dunklen Metall. Xorgolosch atmete tief aus und seufzte. Der Becher war aus seiner Sicht zwar nicht aus reinem Gold - das war auch nicht zu erwarten, da er sonst zu weich gewesen wäre - aber die Qualität der Legierung war von enormer Qualität. Langsam blickte er auf und sah in die Augen des grinsenden Kapitäns. Mehr konnte er in dieser Situation nicht mehr tun, er hatte sich in eine Sachgasse manövriert. Er brachte nur noch zwei Wort heraus und sprach sie dabei in einem Ton aus, die einer Niederlage gleichbedeutend klangen: „Herausragende Qualität.“
„Na dann.“ lachte der Kapitän und hob die Hand, um den Becher zurückzufordern. Xorgolosch entging nicht, dass die Hände seiner Bande wie zufällig an die jeweiligen Waffen wanderten.

„Den Becher. Oder die Dukaten. Und zwar rasch.“ Der Zwerg vernahm den Befehlston des Piraten. Innerlich hatte er schon resigniert: ‚Wird das hier mein Ende sein? Gegen Flusspiraten? Wahrscheinlich schmeißen sie mich danach ins Wasser und lassen mich so tief sinken, dass ich Angrosch an seiner Esse nie gegenübertreten werde.‘

Um Hilfe ersuchend blickte er sich um und sein Blick traf sich mit Elkos. Der verlorene Blick des stolzen Angroschos erschütterte Elko zutiefst. Er wusste nun nicht mehr weiter. Noch ein paar Augenblicke gewinnen - völlig verzweifelt klammerte er sich an diesen Gedanken, diese vage Vorstellung, dass sein Bruder und die übrige Jagdgesellschaft plötzlich unter donnerndem Hufgetrappel hinter den Hügeln herauspreschen würden. „Frau von Kieselgrund“, sagte er resigniert, „da die Qualität des Bechers nun bestätigt worden ist, sollte dem Handel in der Tat nichts mehr im Weg stehen.“ Seine Augen waren weit offen, seine Haltung angespannt. Wie ohne selbst zu erfassen was er tat, versuchte er das Unvermeidliche Moment für Moment hinauszuzögern. „Die Herrin von Tannwald wird zufrieden sein, meint ihr nicht auch?" Elko wandte sich Orinka zu. Er schien sie anzusehen, doch sein Inneres war völlig erfüllt von dem Traumbild einer Reiterschar, die kommen würde um ihn zu retten. Orinka ahnte, dass hier etwas passieren würde, etwas was sie in dieser kleinen Gruppe kaum bewältigen konnte. Vorsichtig schaute sie sich nach einem Fluchtweg um. Ungeduldig blickte der Kapitän von einem zum anderen, da sich immer noch kein für ihn zufriedenstellendes Ergebnis eingestellt hatte, begann er weiterzuzählen: „Drei!“ Aidan von Föhrenschild sprang mit gezogenem Schwert durch das Erlengestrüpp, die Zweige schlugen in sein Gesicht und warfen ihn beinahe vom Pferd. Im ersten Augenblick sah er alles verschwommen da ihm ein Erlenzweig mit viel Schwung auf sein linkes Auge federte. Das Adrenalin ließ immerhin das Übelkeitsgefühl in den Hintergrund zu rücken. Mit der ihm kräftigst möglichen Stimme brüllte er die verschwommenen Gestalten an: „Im Namen des Barons! Was ist hier los? Ergebt euch und gebt den hohen Herr zu Tannwald frei!“ Die verschwommenen Gestalten nahmen langsam wieder Form an und er erkannte eine ziemliche Übermacht bewaffneter Piraten, was ihn heimlich hoffen ließ, dass die anderen Edlen ihm folgen würden. Mit dem zweiten Blick erblickte er den käsebleichen Elko und stellte sich hinter diesen. Hinter dem Ritter sprang laut bellend und Zähne fletschend der baronische Jagdhund `Rondrian von Zitterpelz`durch die Büsche, stellte sich neben den Ritter zu Pferde und nahm den bedrohlichsten Piraten in seinen furchteinflössenden Blick. Eichward war etwas überrascht, als der junge Ritter ungestüm an der angedeuteten Schlachtreihe vorbeipreschte, fing sich aber direkt wieder. So war das mit den jungen Männern … heißes Blut und begierig darauf sich in der Schlacht zu beweisen. „Jetzt gilt es, bei Rondra,“ richtete er das Wort an die neben ihm Reitenden. Als sie hinter Aidan durch das Gestrüpp brachen, erfasste er die sich vor ihm ausbreitende Szene mit wenigen Blicken. „Wir schützen die anderen Edlen, alle Mann zu Pferd folgen mir!“ Mit den letzten Sprüngen seines Rosses lenkte er dieses zwischen die vor den Piraten stehenden Edlen und ihre bedrohlich aussehenden Widersacher, das Schwert im festen Griff. Direkt hinter seinem Standesgenossen setzte Meginhard mit seinem Pferd durch die Hecke und hielt sodann sein Schwert an der Seite. Sein treues Reittier jedoch scheute nach dem Sprung durch den Busch etwas und Bäumte sich wiehernd auf. Der Vogt von Schlehbronn konnte sich nur mühsam auf seinem Pferd halten.

Überraschung zeichnete sich auch auf dem Gesicht der Junkerin zu Knechtstett ab, als der stille Ritter auf einmal von hinten an dem ursprünglich voran reitenden Dreiergespann vorbei preschte.
Isavena wurde verwirrt langsamer, fand aber durch Eichwards Rufen ihren Fokus wieder. Vor ihr waren der Ritter und der Herr zu Feuerberg bereits durch das Gestrüpp gesprungen und dem Vogt von Schlehdorn ließ sie ebenfalls den Vortritt. Dann sprang sie den anderen hinterher. „Ist dies nun Borons Segen? Bin ich dem Tod so Nahe, dass er mir solch intensive Traumbilder schickt?“ Das Bild der Hoffnung, in das Elko sich versenkt hatte, ging so plötzlich und nahtlos in die Realität über, dass er im ersten Moment den Unterschied nicht wirklich begriff. Sein Körper hingegen reagierte reflexartig und ohne einwirken seines verwirrten Verstandes: Er sprang auf und machte zwei Schritte rückwärts, weg vom Tisch, weg von der fürchterlichen Gestalt Scanlairs, sodass die stolzen Reiter Platz hatten, sich dazwischen zu stellen. Neben der reetgedeckten Hütte des Fischers, die auf Stelzen am Flussufer Stand und zu der eine Treppe aus fünf Stufen hinaufführte. Ein kleiner, gerade mal anderthalb Schritt breiter Steg, der um das Haus und vier, fünf Schritt auf den Fluss hinaus und durch das Schilf führte, diente dem Fischer zum Festmachen für seinen geruderten Kahn - und augenblicklich auch für den Einmaster Scanlairs, offensichtlich das Beiboot seines Seglers, oder was auch immer das Hauptschiff der Piraten war. Der schlanke Kahn hatte ein havenisch getakeltes Segel und vier Ruder, die mit kräftig aussehenden groben Gesellen besetzt waren. Auf dem Steg stand Scanlair, während sein Handlanger ein Seil um einen Pfosten am Steg geschlungen hatte und damit das Boot am Steg hielt.

Vor Scanlair, bereits über dem Wasser, standen augenblicklich Elko und Xorgolosch, alle anderen standen notgedrungen hinter beiden. Als die Reiter durchs Gebüsch brachen, verengten sich die Augen des Kapitäns und er herrschte den Zwergen an „Verräterpack! Her mit dem Kelch!“ Gleichzeitig zog sein Handlanger sein Entermesser und grinste bösartig. Da er mit dem Pferd kaum würde auf den Steg reiten können, wo sich das Piratenpack befand, schwang Eichward sich hinter Elko und Xorgolosch aus dem Sattel. „Föhrenschild, zu mir. Der Steg ist die Engstelle, die halten wir zu zweit.“ Dabei setzte er bereits nach vorn, um sich zwischen den zurückweichenden Elko und die Piraten zu drängen. Er hoffte nur, dass der Zwerg genauso schnell reagieren würde wie der tannwaldsche Kämmerer, ansonsten würde er ihn zur Not vom Steg stoßen müssen um ihn außer Reichweite der Waffen zu bringen. Aber das Wasser darunter konnte ja noch nicht allzu tief sein …
Der junge Ritter war erleichtert als er die anderen Edlen durchs Gebüsch brechen sah, er hatte sich gar nicht gross überlegt wie er den finsteren Gesellen auf dem Steg begegnen sollte. Die Stimme Eichwards die ihn aufforderte ihm zu folgen erinnerte ihn an die scharfen Befehle seines Schwertherrs und er eilte dem erfahrenen Krieger mit gezogenem Schwert hinterher. Meginhard erfasste die Szenerie und war nun dankbar, dass sein Pferd scheute. Er hätte es ansonsten sicher ins Wasser getrieben. Während sich Eichward neben ihm bereits vom Pferd schwang, versuchte Meginhard sein Reittier noch zu beruhigen, sodass auch er gefahrlos absteigen konnte. Dabei hielt er sein Schwert mit der Rechten hoch über seinen Kopf, sodass die Piraten hoffentlich seinen Stand erahnen konnten. Um sicher zu gehen, rief er noch halblaut aus: „Ritter nach vorn!“

Hinter ihm brach die Hölle los und es dauerte ein paar Wimpernschläge bis Xorgolosch sich fasste und die Situation begriff. Instinktiv warf er den Armbrustbolzen dem Piraten entgegen - wo er traf bekam er nicht mehr mit, da er im nächsten Moment dem Tisch vor ihm einen kräftigen Schubs in Richtung Scanlair gab. Er hoffte den Piraten soweit abgelenkt zu haben und wendete sich um. Er musste außer Reichweite des Räuberpacks kommen, da er keine Waffen zur Verteidigung bei sich hatte. Als er zum Sprint ansetzen wollte, bemerkte er im Drehen plötzlich, dass Eichward bereits schon mit gezogener Waffe in vollen Lauf den Steg heran kam und nur noch wenige Schritte von ihm entfernt war. Nach einem weiteren Schritt war der Zwerg nun ganz am Rand des Steges und versuchte Eichward auszuweichen - den Kelch immer noch fest mit der Rechten umklammert. Isavena war erleichtert, als sie feststellte, dass die zurück gelassenen Jagdteilnehmer anscheinend noch körperlich unversehrt waren. Mit ihrem Kurzschwert vom Pferd aus zu kämpfen war sinnbefreit, das war ihr klar. So nutzte sie einen Moment, um die Lage zu überblicken, was sie im losgebrochenen Chaos für Hilfe beitragen könnte. Die beiden kampferfahrenen Männer riefen Formationsbefehle und Eichward von Feuerberg eilte nach einem schnellen Absitzen bereits in Richtung Steg. Meginhard von Schlehdorn sicherte den Rücken. Der Herr Xorgolosch und Elko von Flußgrund standen mitten in der Kampflinie und wurden mehr oder minder von den anstürmenden Verteidigern aus dem Weg gedrängt. Isavena sah nicht viele Chancen sich einzubringen und die beste Kämpferin war sie auch nicht. Aber sie scheute sich nicht durch Efferds Element Elko oder Xorgolosch zu Hilfe zu eilen und aus der Front zu retten. So drückte Isavena ihrem Pferd die Schenkel in die Seiten und trieb es in Richtung Ufer, mit Ziel, seitlich den Steg entlang zu reiten um einen der beiden auf zu pflücken.

Behände drehte sie ihr Kurzschwert, um es wieder ins Futteral zu schieben. Der Firungeweihte schaute zu dem mit einer Armbrust bewaffneten Zwerg in seinem Trupp und gab diesem ein Handzeichen um eine gute Schussposition zu suchen. Er fand diese unter einer der Erlen die am Ufer standen. Er rief mit seiner lauten Stimme in den allgemeinen Lärm hinein: „Bei Firun! Ergebt euch oder die Pfeile des Eisigen werden euch durchbohren!“ und spannte seinen umgebauten baburinischen Streitwagenbogen den ihm eine Edle aus dieser Nordaranischen Stadt geschenkt hatte und den sie nach ihrer Darstellung persönlich von der Leiterin der Keshal Hashinnah erhalten hatte. Er dachte an seine langen Jahre in Aranien zurück und fühlte die Wärme dieser Gegend in seinem Bauch, die ihm neue Kraft verlieh. Der Zwerg war gerade erst an den einfachen Fischerhütten angekommen als ihm fast schon im selben Augenblick der Geweihte des grimmen Gottes mit klaren Gesten aufforderte, einen Bolzen aufzulegen und sich umgehend einen Platz zu suchen, von dem aus er die Flusspiraten würde beschießen können. Er sah sich um, sein Blick fiel auf ein überdachtes hölzernes Gestell, auf dem das hier hausende Gesindel üblicherweise wohl seine Fischernetze zum Trocknen aufhängte. Mit einem kurzen Blick überzeugte sich Luxurr davon, ob es sein Gewicht aushielte. Für einen guten Schuss, musste der Zwerg von seinem Pony absteigen, das Gestell bot die Möglichkeit, aus etwas erhöhter Position das sich entwickelnde Kampfgeschehen zu überwachen.

Der Zwerg lenkte sein Pony neben das Gestell und versuchte - möglichst ohne abzusteigen - direkt aus den Steigbügel heraus auf das Dach hinüberzuwechseln.

Als er dies mit etwas Mühe bewältigt hatte, warf Luxurr einen Blick zum Geweihten hinüber, den er in der Nähe des Flussufers wusste. Sobald dieser auf die Piraten schießen sollte, würde er sich ihm anschließen. Er nutzte die Zeit bis dahin und versuchte abzuschätzen, wie groß die Entfernung ins Getümmel war. Diese Information würde ihm im bevorstehenden Konflikt wahrscheinlich große Dienste leisten. Da ihm der junge Ritter nun auf den Hacken zu folgen schien, setzte Eichward seinen Lauf mit erhobener Klinge fort. Dumpf hallten seine Stiefel auf den Bohlen des Steges. Immerhin schien der Zwerg so geistesgegenwärtig, ihm nicht aus versehen den Weg zu verstellen. Nur Wimpernschläge trennten ihn davon, mit dem Schwert in Reichweite des Piraten zu kommen, den er nun grimmig anblickte. „Ergib dich, albernischer Abschaum, oder fahr zu Boron!“ schleuderte er dem offensichtlichen Wortführer der Piratenmeute entgegen. „Mein Sauschwert ist genau die richtige Waffe für Schweine wie euch!“

Der Jagdhund Rondrian von Zitterpelz folgte mit weit aufgerissenen Augen und zähnefletschend Aidan von Föhrenschild und Eichward von Feuerstein und versuchte sich an den beiden vorbeizudrängen. Elko wäre beinahe rücklings vom dem Steg gestolpert, sah sich schon ins Wasser stürzen. Doch dann fühlte er einen kräftigen Druck an seinem Arm… Im schnellen Galopp streckte Isavena den freien Arm aus, um den nächsten Gefährten zu greifen. Sie hing recht schief im Sattel, doch unzählige Übungsstunden mit Eppo ließen Reiterin und Roß die seltsame Position souverän meistern. Das Wasser spritzte unter des Rotbraunen kräftigen Schritte in alle Richtungen, als sie neben dem Steg entlang preschte. Ihre Augen waren auf Elko vom Flußgrund gerichtet, auch wenn dieser anscheinend ob des Tumultes etwas verloren wirkte. Einige Galoppsprünge noch und dann war der passende Moment heran. Isavena griff beherzt an Elkos Arm und zog ihn vom Steg und zerrte gleichzeitig am Zügel, um Eppo aus der Gefahrenzone zu manövrieren.

Während Elko auf der einen Seite des Steges strauchelte, konnte sich Xorgolosch auf der anderen Seite nicht mehr fangen. Eichward stürmte zu nah an den breiten Schultern des Zwerges vorbei und er machte einen Schritt zu weit. Durch seinen Stiefel spürte er nur noch wie er an der Kante der Bohle abrutschte und plötzlich einseitig absackte. Im Flug beobachtete Xorgolosch noch die Szenerie an der Fischerhütte und sah seinen Freund Luxurr, wie er auf das Dach des Gestells kletterte. ‚Alle sind da!‘ waren seine Gedanken bevor das Wasser über seinem Gesicht zusammen schwappte und ihm schockartig die Luft abschnitt. Schließlich hatte Meginhard sein Pferd auch beruhigen können und er ließ sich aus dem Sattel des Tieres rutschen und landete sicher auf beiden Beinen. Mit einem hastigen Blick versuchte er die veränderte Situation zu erfassen und machte sich dann schnellen Schrittes, mit noch immer gezogenem Schwert, auf zum Steg, denn ansonsten konnte er keine Piraten erblicken. Nachdem ihr Pferd ein paar Sprünge vom Steg weg gemacht hatte, drehte Isavena von Knechtstett den Kopf leicht nach hinten und rief Elko über die Schulter zu: „Alles in Ordnung? Haben die Kerle euch etwas angetan?“ „Ich bin unversehrt!“, antwortete Elko und sah Isavena mit grossen Augen an. Er hielt sich an ihren Hüften fest, um nicht hinten vom Pferd zu rutschen. Den Atem anhaltend betrachtete er den Steg, wo alles hektisch zu und her zu gehen schien. Scanlair fluchte herzhaft, wich gewandt dem Tisch aus und sprang auf sein Boot. „Ablegen!“ befahl er seinem Handlanger. Der klemmte sich den Säbel zwischen die Zähne, holte das Tau ein, mit dem das Boot festgemacht war, und einer der Ruderer drückte es mit seinem Ruder weg vom Steg. „Das werdet ihr mir büßen!“ donnerte der Albernier, „und den Kelch werdet ihr mit bezahlen!“ Mit einigen kräftigen Ruderschlägen legte das Boot ab und verschwand rasch über einen kleinen offenen Kanal im Schilf, das an dieser Stelle über zwei Schritt hoch aus dem Wasser ragte.

Bald flog das Segel am Mast empor und der kleine Kahn, von dem nur noch die Spitze des Masts über das Schilfmeer ragte, nahm Fahrt auf. Orinka, die im Kampfgeschehen sich hinter einem Fass verbergen konnte, schaute dem Flusspiraten hinterher. Es war vorbei. Vorsichtig stand sie auf. Eichward stürmte noch mehrere Schritte den Steg entlang, bevor er verdutzt anhalten konnte. „Feiger Hundsfot, albernischer! Möge Efferd Deinen armseligen Kahn versenken!“ rief er dem fliehenden Piraten hinterher. Die Enttäuschung darüber, mit dem Gesindel nicht die Klingen kreuzen zu können stand ihm sehr offensichtlich ins Gesicht geschrieben, als er sich umwandte und ratlos zu den anderen nach hinten sah. Der Jagdhund überholte Eichward kurz bevor der Ruderer den Kahn vom Ufer wegstiess und sprang mit einem gewaltigen Satz in Richtung des Bootes. Während des Fluges wurde der Abstand zur Reling durch die feige Aktion des Piraten allerdings immer grösser und der Hund fiel ins Wasser. Da das Piratenschiff mit grosser Geschwindigkeit im Schilf verschwand, paddelte der Hund in Richtung Steg zurück. Aidan eilte hinter Eichward her, als er auf der linken Seite des Stegs plötzlich den ins Wasser fallenden Zwerg sah, der den schnellen Schritten des Kriegers vor ihm nicht mehr ausweichen konnte. Er liess sein Schwert fallen und versuchte mit beiden Händen ins Wasser zu fassen, im Wissen darum dass ein Sprung ins Wasser mit seinem Kettenhemd seinen sicheren Tod bedeuten würde.
Der Firungeweihte stand mit gespanntem Bogen unter den Erlen, den Piraten im Blick. Als dieser in sein Boot sprang und mit der ganzen Bande im Schilf verschwand liess er seine Waffe senken und nahm einen tiefen Atemzug. Die Luft die in seine Lunge strömte beruhigte ihn aber keineswegs sondern schien das fast schon ausgegangene Feuer in seinem Magen auf ein mal wieder auflodern. „Potz Fuchsebrunz und Stinkfueschäs! Reudiges Gesindel! Speuzige Kellerasseln! Feiges Ungeziefer!“ Mit einem wahren Schimpfwortkonzert brach er aus den Erlen in Richtung Steg. „Die schöne Jagd zerstören und dann einfach abhauen! Dachsegschiss! Schimmelpilze!“ Auf dem Weg schaute er ob die bei den Hütten aufgegabelten Edlen irgendwo zu sehen bekam, bevor er den zurückschwimmenden Jagdhund und den Hausritter mit beiden Händen im Wasser entdeckte und seinen Kurs zum Steg fortsetzte. Ein gellender Pfiff, gefolgt von einem lauten „Rondrian!! Tauchen!!“ ertönte über die chaotische Szene, ohne dass der Firungeweihte wissen könnte ob der Jagdhund zu so einem Manöver überhaupt in der Lage war. Bewundernd hatte Ebro Isavenas schnelles Handeln verfolgt. Wie sie seinen Bruder vor dem Sturz ins Wasser bewahrte und aus der unmittelbaren Gefahr rettete, erschien sie ihm geradezu heldinnenhaft! Doch er schluckte, als er Xorgolosch vom Steg taumeln sah. Inspiriert von Isavenas Vorbild, lenkte er sein Reittier schnell ans Ufer und an Aidan, der die Arme im Wasser hielt, vorbei. Er lenkte sein Tier so nah es ging an die Stelle an der er Xorgolosch vermutete und sprang dann ohne zu zögern ab, tauchte unter und versuchte den Zwerg zu fassen. Der Hund schien den Befehl des Firungeweihten tatsächlich gehört zu haben, denn kurz darauf waren nur noch die Hinterläufe und schliesslich gar nichts mehr vom stolzen Jagdhund zu sehen ausser ein paar Luftblasen. Oder war ihm etwa die Kraft zum Schwimmen ausgegangen? - Unter dem Wasser erblickte der Jagdhund den sinkenden Zwerg und schaffte es tatsächlich den Halbling mit seinem starken Kiefer am Umhang zu packen und strampelte gegen die Wassermassen an um so zumindest ein weiteres Absinken kurzzeitig zu verhindern. Kurz bevor ihm die Luft ausging spürte er eine Hand von hinten herantasten und der Rüde stiess mit den letzten Atemzügen wieder nach oben wo er sich mit seinen verbliebenen Kräften versuchte an der Oberfläche zu halten.

Meginhard, der gerade den Steg betreten hatte, steckte darauf hin sein Schwert zurück in die Scheide und kniete sich an den Rand des Steges, um nach dem Taucher und dem untergegangenen Zwerg Ausschau zu halten. Mit einem schnellen Sprung war Efferdane im Elemente ihres Gottes. Tauchte hinab und blickte sich nach Xorgolosch um. Efferd sei es gedankt, das ihre Augen daran gewöhnt waren unter Wasser zu schauen. Luxurr hatte sich darauf eingestellt, angreifende Seeräuber zu beschießen; mit ihrer hastigen Flucht und dem ungestümen Anrennen seiner Begleiter hatte er nicht gerechnet.

Der Sohn des Lagalrix stieß einen Stoßseufzer aus, als der das wilden Getümmels um Elko und Xorgolosch gewahr wurde; als Letzterer ins Wasser stürzte, erbleichte er vor Panik. Das war auch ohne Piraten höchst gefährlich, er musste irgendetwas tun. In seiner Hektik äußert ungeschickt ließ er sich mit beiden Armen wieder von der kleinen Dachkonstruktion herab, auf die er erst vor wenigen Augenblicken so mühselig geklettert war. Da er den Boden mit seinen Füßen um ein gutes Stück nicht erreichen konnte, ließ der Zwerg sich fallen. Ein stechender Schmerz schoss durch seinen linken Knöchel. Luxurr versuchte, den Schmerz herunter zu schlucken, das durfte ihn jetzt nicht beschäftigen. Er lief in Richtung des Stegs. Er musste irgendetwas tun. Waldemar beobachtete die Szene im Wasser, sah wie sowohl Ebro als auch die Efferdgeweihte sich ins Wasser stürzten und das Auftauchen des Jagdhundes der jetzt angestrengt versuchte seinen Körper über Wasser zu halten. Beim Steg angekommen legte er sich auf seinen Bauch und zog den mit vollgesogenem Fell ziemlich schweren Jagdhund nach draussen. Dieser schüttelte seinen Pelz und blieb dann nahe bei Waldemar, der sich hoffend neben Meginhard und Aidan positionierte. Nach einem ersten Schock spürte Xorgolosch wie ihm das eiskalte Wasser unter den dicken Mantel drang. Er riss schlagartig wieder die Augen auf und sah nur sehr schwer in ein dunkelgrün bis braunes nichts. Irgendwoher kam Licht, er konnte jedoch nicht zuordnen woher es kam. Schlagartig er versuchte mit seinen Armen und Beinen in irgendeine Richtung zu kommen. Das einzige was er zu fassen bekam waren jedoch glitschige dicke Fäden irgendwelcher Pflanzen und sonstigen Dreck. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass diese Brühe sein Ende bedeuten würde, sollte er nicht bald Luft holen können. In einem Anflug von Panik begann er schneller zu strampeln und bekam immer wieder neue Pflanzen zu fassen - manche so dick als könnten es Baumwurzeln sein.

Da sein Pferd beim Eintritt ins Flussbett einiges an Schlamm aufgewirbelt hatte, konnte Ebro kaum etwas sehen. Verzweifelt wechselte er sich darin, mit den Armen nach allen Seiten herumzuwedeln um den Körper des Zwergs zu erspüren, und wieder tiefer zu tauchen. Sein Brustkorb begann langsam zu schmerzen - ob der anstrengenden Suche ging ihm die Luft schneller aus, als erwartet. Da spürte Ebro etwas schnelles, grosses zielstrebig und nahe an ihm vorbei in die Tiefe schießen. Efferdane sprach ein Stoßgebet zu ihrem Gott.
Sie spürte seine Gegenwart, spürte wie sie unter der Wasseroberfläche frei atmen konnte, wie die Macht des Meeres sie erfüllte. Ihre Hände ergriffen Xorgolosch , hielten ihn fest. Hoben ihn an seinen Schultern empor, zogen ihn mit aller Kraft wieder nach oben zur Oberfläche.

„Efferd stärke meinen Leib“ Prustend tauchten beide empor. Einen größeren Bogen reitend manövrierte Isavena ihr Pferd durch das Wasser zurück zum Land. Mit etwa gut 15 Schritt Abstand zum Rest der Gruppe hielt sie dann an und verschaffte sich einen Überblick über die Situation am Steg. Ihr Herz klopfte schnell, setzte aber kurz aus, als sie die Aufregung neben dem Steg auf der gegenüberliegenden Seite gewahr wurde, wo sie Elko eben aufgesammelt hatte. Kurz schickte sie einen Blick über ihre Schulter, ob der Herr vom Flußgrund schon Anstalten machte abzusteigen, damit sie selber auch absitzen konnte.
Elko hielt sich unverändert an Isavena fest. Er verspürte trotz unbequemem Sitz, halb auf dem hinteren Teil des Sattels, halb direkt auf dem Rücken des Pferdes, keinen Impuls, irgendetwas anderes zu tun. Eichward drehte sich gerade in dem Moment um, als die Effergeweihte mit dem prustenden Zwerg am Arm die Oberfläche durchbrach. Mit mehreren schnellen Schritten eilte er auf dem Steg zurück, diesmal deutlich vorsichtiger um nicht noch einmal mit jemand zu kollidieren. Aber es schien, als ob niemand hier noch akut weitere Hilfe benötigen würde. „Kann mir jemand erklären, was dieses Schauspiel gerade eben zu bedeuten hatte?“ fragte er in die Runde. Meginhard war derweil damit beschäftigt, dem Angroscho sowie dessen beiden Rettern Ebro und Efferdane die Hand zu reichen und ihnen dabei zu helfen, sich zurück auf den Anlegesteg zu ziehen. Etwas verwundert realisierte Isavena, dass ein Absitzen mit einem unbeweglichen Kämmerer hinter ihr wohl nicht möglich war und so ergab sie sich der gegenwärtigen Lage und blieb mit Elko auf dem Pferd sitzen. Besorgt drehte sie den Kopf wieder zum Tumult neben dem Steg, um dann noch mit eigenen Augen mit zu erleben, wie die Geweihte des Launenhaften samt Kopf des Zwergen im Arm wieder auftauchte. Ein erleichtertes Seufzen entwich der Junkerin und Elko konnte sicherlich spüren, wie ihre Körperspannung weich wurde. „Den Zwölfen sei es gedankt“ murmelte sie vor sich hin, ehe sie das Ross wieder etwas näher an die restliche Gruppe heran lenkte. Kurz nachdem sie dachte, die Situation habe sich entspannt, fiel ihr der Fischer und sein Anhängsel ein. Eilig sah sich Isavena nach dem Verbleib des Hausbesitzers um.

Der Fischer hatte sich mit der Frau in seine Hütte geflüchtet - die Tür war verschlossen. Ganz offensichtlich hatte da jemand sehr kalte - oder nasse - Füße bekommen. Luxurr erreichte nach einem kurzen Spurt den Steg. „Angrosch sei gepriesen“, rief er aus, als er erleichtert feststellte, dass Xorgolosch ein Tod im kalten Nass offenkundig erspart bleiben würde. Er schnaufte durch und sah sich um. Seine Gefährten und der Hund waren glücklicherweise ebenfalls heil den Fluten entstiegen. ,Wasser‘, dachte er, ‚was für ein trügerisches Element. So lebensnotwendig und gleichsam so gefährlich.‘ Der Zwerg starrte mehrere Augenblicke in die Strömung. ‚Nun gut, zumindest darin gleicht ist es dem gesegneten Feuer …‘ Als Luxurrs Blick auf Isavena fiel, die einige Schritt entfernt hoch erhoben zu Pferde saß, bemerkte er, wie sie sich hastig umblickte. „Was habt ihr, Junkerin? Sind weitere Piraten hier?“ Im Augenblick jedoch waren die Adligen allein auf dem Steg. Langsam näherte sich Isavena mit Elko hinter ihr zu Pferde und beobachtete die Umgebung ums Haus herum. Jedoch konnte sie niemand gefährlichen mehr ausmachen und schüttelte auf Luxurrs Frage nur den Kopf. Da sich die allgemeine Aufregung nun langsam zu legen begann versuchte Eichward es, nun am Ende des Stegs zum Land hin stehend erneut. „Was hatte es mit diesem seltsamen Schauspiel auf sich? Ein Handel mit dem Abschaum? Wer hat das eingefädelt?“ „Bei Angrosch‘s Bart!“, der Zwerg saß in einer großen Pfütze auf dem Steg. Das Wasser lief weiterhin konstant tropfend aus Xorgolosch‘s Bart und rann an ihm herunter. Nach zwei kurzen Hustenanfällen griff er in seine Mantel und zog den Kelch heraus und hielt ihn in Richtung Eichward und der Anderen.

„Dieser von Euren 12en und Angrosch verfluchten, vermaledeiten Becher…“, dabei spie Xorgolosch das Wort „Becher“ förmlich abwertend aus. „… darum ging es! Ein verfluchter Becher! Deswegen musste ich in den Fluss springen!“ Der Zorn stand rot in sein Gesicht geschrieben. Durch die Anstrengung im Wasser atmete er immer noch hektisch. Meginhard saß schnaufend neben dem Angroscho, den er gerade mit Hilfe Ebros und Efferdanes auf den Steg gewuchtet hatte und besah ungläubig den Becher.

„Verflucht? Warum verflucht? Also…so richtig verflucht?“, frug er Xorgolosch und sah dabei jedoch in Richtung Isavenas. „Was genau es mit dem Becher auf sich hat, vermag ich nicht zu sagen.“ Elko, immer noch hinter Isavena zu Pferde, sprach in die Runde nachdem er gesehen hatte, dass sein Bruder zwar triefend nass, aber scheinbar unversehrt war. „Er stammt sicherlich aus dem baronischen Schatz.“ Elko zögerte, wandte den Blick zum Boden. „Aus irgendeinem Grund wollte ihn meine Gutsherrin für 300 Dukaten diesem Piraten abnehmen…“ „300 Dukaten?“ erstaunt pfiff Eichward durch die Zähne als er die erstaunliche Summe hörte. „Da rupf dem Phex doch einer den Schwanz… das kann nicht mit rechten Dingen zugehen…“ verschlug es ihm regelrecht die Sprache. Eine Augenbraue hob sich ungläubig, als der Zwerg den Grund der ganzen Aufregung präsentierte und in Isavenas Stimme war deutliche Verblüffung zu vernehmen.

„Das ganze Aufgebot wegen einem Becher?“ Zum Vogt von Schlehdorn zuckte sie ahnungslos die Schultern, als ihrer beiden Blicke sich trafen. Dann drehte sie sich zu Elko hinter ihr um: „Werter Elko, erklärt doch bitte, was würde die Herrin von Tannwald mit einem Becher aus dem baronischen Schatz anfangen wollen? Sie könnte sich mit dem Diebesgut ja nie in der Öffentlichkeit repräsentieren, da es auf unlautere Weise in ihren Besitz gelänge.“ Und nach einer kurzen Denkpause fügte sie wieder den Blick auf Meginhard von Schlehdorn gerichtet hinzu: „Oder wollte ihro Wohlgeboren vielleicht gar den Baron verfluchen?“ Er lebte nun schon sehr lange unter den Menschen aber immer wieder zweifelte Xorgolosch an der großen „Völkerverständigung“. Der Angroscho saß immer noch - den Becher in der Hand - und rollte mit den Augen. Sein Zorn über den Sturz ins Wasser ebbte langsam ab, dafür ärgerte er sich nun innerlich über die Umstehenden: ‚Wie kann man jetzt nur denken, dieser Kelch sei wörtlich und wahrhaftig von allen Göttern verflucht? Das war doch nur ein Ausspruch! Das müssen sie doch verstanden haben. Als nächstes wollen sie nachsehen, ob in dem Becher nicht vielleicht ein kleiner Dämonling sitzt…‘ Der Vogt von Schlehbronn machte ob der Andeutung Isavenas ein Schutzzeichen vor seinem Oberkörper und murmelte mit aufgerissenen Augen: „Parios bewahre!“

Dann nahm er Elko in den Blick und hoffte, dass dieser seine Ausführungen noch präzisieren wollte. Erst jetzt, als Isavena sich zu ihm umgedreht und ihn angesprochen hatte wurde Elko sich der körperlichen Nähe zu ihr bewusst und errötete. Sofort nahm er die Hände von ihren Hüften und hielt sich stattdessen am hinteren Sattelteil fest. Doch die Fragen und Blicke die an und auf ihn gerichtet waren, brachten ihn sogar noch mehr in Verlegenheit. Nicht nur hatte er erst vor wenigen Stunden - wenn überhaupt - den leblosen Körper seiner Gutsherrin ansehen müssen. Nein, er war auch gerade erst aus einer lebensgefährlichen Notsituation entkommen. Und nun schien sich herauszustellen, dass seine Herrin in abscheuliche Begebenheiten verstrickt gewesen war. Und dann war da auch noch der grimmige Blick des durchnässten Angroschos. Elko schwindelte. Seine Unterlippe begann zu beben, seine Augen wurden wässrig. Wortlos Blickte er gerade noch vorn, an den Rücken Isavenas, versuchte seine Tränen zu verkneifen und konnte aber ein paar schluchzende Atemzüge nicht verhindern. Ebro war es äusserst unangenehm, seinen älteren Bruder derart ausgestellt mitzuerleben. Er war dabei heranzutreten um seinen Bruder wenigstens aus der seltsamen Lage auf dem Pferd zu befreien. Peinlich berührt hielt er den Blick jedoch von Elko fern und musterte stattdessen die Fischerhütte. „Die Fischersleute! Die sind mit dem Piraten vertraut!“, rief er plötzlich. Er war doppelt glücklich über den Einfall. „Wir sollten sie fragen, was hier vor sich ging!“

Als der Zwerg wieder auf dem Trockenen stand und er die wütenden Worte von ebendiesem, die Anschuldigungen von Isavena und den scharfen Blick von Meginhard erkannte stiess er den Hausritter Aidan in die Seite und nickte in die Richtung von Elko auf dem Pferd. Die beiden setzten sich in Bewegung, Aidan stellte sich schützend vor Elko und fasste mit seiner Hand an sein Schwert während der Firungeweihte nach dem mittlerweile schluchzenden Elko griff und diesen versuchte vom Pferd zu heben. Isavena war noch ziemlich in ihren eigenen wirren Gedanken zu all den Vorkommnissen versunken, als sie hinter sich ein sehr leises greinen vernahm. Dies Geräusch katapultierte ihren Geist wieder ins Hier und Jetzt und unvermittelt stieg ihr ein Kloß in den Hals. Der ganze Druck musste schwer auf den Kämmerer lasten und sie stellte hier solch seltsame Vermutungen an. Ihre wilden Vorstellungen in den Hintergrund schiebend wollte sich die Junkerin grade teilnahmsvoll an Elko wenden, als auf einmal der Firungeweihte und der stille Ritter neben ihrem Ross auftauchten, um Elko hinter ihr vom Pferd zu ziehen. Ärgerlich zogen sich ihre Brauen zusammen und etwas bissig maulte Isavena die beiden Männer an „Entschuldigung die Herrschaften? Ich denke, der Herr Elko kann sehr gut selber von einem Pferd steigen, wenn er denn möchte. Lasst ihm doch bitte die Würde eines erwachsenen Mannes. Er ist schließlich kein Kind mehr.“ In einem versöhnlicheren Ton zu ihrem Mitreiter fügte sie an: „Verzeiht wenn ich durch meine Frage euch zu viel Last aufgebürdet habe. Ich denke eure Freunde wollen euch Trost spenden.“ Mit diesen Worten drehte sie sich wieder zu den anderen und richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Fischerhütte. „Mit Verlaub euer Wohlgeboren, besten Dank dass ihr den hohen Herr vom Sturz ins Wasser gerettet habt aber ab jetzt kümmern wir uns um das Wohlergehen vom Kämmerer zu Tannwald, ihr habt ihn ja bereits einmal hier bei diesem Piratenpack im Stich gelassen.“ Er zog noch einmal kräftig an Elkos Mantel um ihn vom Pferd zu bekommen.

Isavenas Kopf ruckte mit zornigem Blick zum Firungeweihten und funkelte ihn an. Mit vor Ironie triefendem Ton entgegnete sie: „Verzeihung euer Gnaden, aber wenn dies eure Ansicht ist, hat sein Bruder ihn ebenso im Stich gelassen. Und wir sind auch nur rein zufällig in eure Richtung geritten, weil eigentlich wollten wir beide gar keine Hilfe holen.“ Die Junkerin schnaubte sarkastisch. „Ich glaube euch gedeiht die Hitze nicht. Als Mann des kalten Wetters und der Einsamkeit, scheinen euch die gegebenen Umstände arg zu zusetzen, dass ihr nicht mehr Herr über eure Zunge seid.“
Mit einem Gesicht, dass Milch hätte sauer werden lassen können, wartete Isavena bis die zwei den Kämmerer vom Pferderücken gezogen hatten, um anschließend etwas Abstand zwischen sich und dem Geweihten zu bringen. Erbost über die ruppige Art mit der er vom Pferd gerissen worden war, funkelte Elko seinen Onkel und den Rittersmann böse an. Er war schon kurz davor die beiden wütend anzugehen. Er fing sich dann aber noch, und erinnerte sich an die unzähligen Male an denen die Herrin von Tannwald seinen Vater auch vor Gästen blossgestellt hatte. Dieser hatte stets ein ruhiges Gemüt bewahrt und sich bestens darauf verstanden, allfällige Wogen des Missfallens die das Betragen der Gundula von Zweigensang bei anderen Anwesenden auslösen könnte zu glätten. Elko trat deshalb vor Isavena, nahm eine aufrechte Haltung ein und sprach sie an: "Frau von Leuenstolz, ich danke Euch inständig dafür, mich vor dem Sturz ins Wasser bewahrt zu haben. Und noch viel mehr dafür, dass ihr rechtzeitig Hilfe geholt habt. Ich stehe tief in Eurer Schuld. Bitte übt Nachsicht mit dem Verhalten meines werten Onkels.“

Waldemar spürte Ärger in seinem Bauch hochkochen und der Umstand dass Elko sich bei der Junkerin noch entschuldigte anstatt zu ihm zu halten, half der Beruhigung von seinen Emotionen keinesfalls. „Leuenstolz, aha! Ich glaube die Himmelslöwin wäre alles andere als stolz auf diese Farce.“ murmelte er noch hervor während er sich umdrehte und in Richtung der Fischerstube stampfte. In der Junkerin von Knechtstett kochte ebenso der Ärger. Aber nicht über des Kämmerers Worte, sondern über des Firungeweihten Worte. Milder, aber dennoch verbittert über seinen Onkel, sah Isavena Elko kurz an und nickte unmerklich. Bemüht, weiterhin den Geweihten zu ignorieren erwiderte sie nur kurz „Ich denke darüber nach.“ und trieb ihr Ross dann von Elko und seinen Rettern fort. Den nicht wirklich erhellenden Erklärungen und dem Wortgefecht der Anderen folgend schüttelte Eichward den Kopf. „Viel scheint es hier nicht mehr zu tun zu geben. Lasst uns noch kurz nach den Fischern sehen und dann gemeinsam zum Herrn Baron zurück reiten. Vielleicht kann dieser uns um die Herkunft oder die Bedeutung des Kelchs aufklären.“ Dabei machte er bereits einige Schritte in Richtung der Tür zur Hütte. „Euer Gnaden Efferdane, die Menschen hier sollten eigentlich Eurem Herrn zugetan sein, wollt ihr vielleicht die Befragung übernehmen? Das mag diese einfache Menschen etwas weniger einschüchtern oder zugänglicher machen, als wenn ich dies tun würde.“ „Dies will ich gerne tun.“

Efferdane nickte und nahm eine etwas stolzere, würdevolle Haltung ein. Wie es sich für eine Vertreterin des Herrn der Stürme wohl geziemt. „Ihr befahrt Efferds Element und seinem guten Willen seid ihr ausgeliefert. Reich beschenkt er euch mit den Gaben seines Reiches. Doch hütet euch seinen Zorn auf euch zu ziehen. So beantwortet wahrheitsgetreu die Fragen, die meine Begleiter an euch stellen werden.“ So blickte die Geweihte die Fischer an und so richtete sie ihr Wort an diese. Die Fischer, die auf Efferdanes Klopfen wieder aus ihrer Hütte hervorlugten, drehten verlegen ihre Mützen in den Händen und schauten verschüchtert vom einen der hohen Herrschaften zum nächsten. „Jo, mer ham nischt mit denne zu dun!“ nuschelte der Älteste der Fischer mit zusammengebissenen Zähnen. „Wenn‘s die Herrschaft wat wiss‘n will, mer wisse nischt!“

„Von wegen nichts wissen!“, rief Ebro sogleich aus. Er fixierte den Fischer Fitze, der sie bei ihrer erstmaligen Ankunft an diesem Ort mit Scanlair in Verbindung gebracht hatte: „Wart ihr nicht gerade dabei gewesen ‚Geschäfte zu feiern‘, als wir angekommen sind? Ausserdem kanntet ihr den Piraten mit Namen!“ „Ach so ist das?“ wandte sich Eichward deutlich für den Fischer vernehmlich an Efferdane und Ebro. „Der Fischer hat mit den Piraten gehandelt und gefeiert? Vielleicht sollten wir dann direkt den Herrn Baron und ihro Gnaden den Herrn Ratsburger dazu holen. Sich mit Piratengesindel gemein zu machen ist ja schon verbrechen genug, aber diesen Abschaum dann auch noch zu unterstützen…“ Waldemar betrat mit hochrotem Kopf die Szenerie vor der Fischerhütte. „Bei Firun! Läuft die Fischerei in diesem Fluss so schlecht, dass ihr mit Piraten Geschäfte machen müsst?“ schrie er voller Ärger dem Fischer entgegen. „Oder vermögt ihr einfach nichts zu fangen?“ Der Fischer senkte den Kopf und knetete seine Kappe, die er abgezogen hatte, zwischen den Händen. Seine Schultern sanken angesichts der geharnischten Standpauke herab. „Nein, hoher Herr, so ist‘s nicht. Wir fangen schon Fisch - und das tun wir gut. Aber ‘s ist halt so, wir wohne‘ am Fluss. Und da hat‘s halt die Piraten … und wenn m‘r die beim Baron verpfeife, dann tun se halt unser Boot‘ versenke … und vor zwanzich Johr ham se auch d‘r Gelda ihr Hütt‘ abbrennt … des war‘n sicher net die Albernier … scho, weil‘s halt Albernische war‘n, awwer halt net die Soldknecht … ihr versteht scho?“ Verschüchtert sah er Waldemar an, mit einer Mischung aus Hoffen und Bangen. „Do isch‘s doch besser, wenn m‘r manchmol halt a Aug zudrücke - dann passiert koim was … .“ „Auge zudrücken?! Ich drück dir gleich ein Auge zu dass es nie mehr aufgeht!“ Waldemar schwang seine Faust und trat auf den Fischer zu. Seine Halsschlagader pulsierte bedrohlich, sein Blickfeld färbte sich rot und sein ganzer Körper spannte sich an. Und just in dem Moment, als die Wut auf alles und jeden am grössten war, löste sich die Spannung in einem mächtigen Leibwind. Plötzlich sah er die mächtige Bache vor seinem geistigen Auge, die ihre Frischlinge beschützte. Bevor seine mächtige Faust auf den Kopf des Fischers niedersauste öffnete sich die Pranke des Geweihten und die Bewegung endete in einer ziemlich ungelenken Umarmung. Er stand jetzt neben dem eingeschüchterten Fischer und richtete sein Wort an die umstehenden Edlen: „Wie kann es sein dass diese Leute in die Armen von Piraten getrieben werden und nicht Firuns und Efferds Gaben nachkommen können, während wir die Ländereien des Barons bejagen?“

Völlig verblüfft beobachtete Eichward das Verhalten des Firungeweihten. Er hatte ja mit vielem gerechnet, aber das ausgerechnet der Diener des grimmen Jägers sich der Sache annahm und dies dann so eine unerwartete Wendung nahm verschlug ihm die Sprache. „Hmmm…. jaaaa….“, räusperte er sich dann endlich. „Ich glaube ich verstehe worauf ihr hinaus wollt, ihro Gnaden von Flussgrund. Nichtsdestotrotz ist es unsere Pflicht, dem Herrn Baron Bericht zu erstatten und die Entscheidung über seine Bürger ihm zu überlassen. Aber, und da gebe ich Euch recht, es kann nicht im Sinne der Zwölfe und in unserem Sinne sein, dass das Gesindel die Leute davon abhält ihrem Tagwerk nachzugehen, für ihre Familien und unseren Zehnt zu sorgen. Wir sollten dem Baron vorschlagen anstatt einer Waidjagd eine Piratenjagd auszurufen, was meint ihr? Ich will mich da gerne selbst und mit dem ein oder anderen Waffenknecht von meinen Gütern beteiligen, diesen albernischen Abschaum zur Strecke zu bringen. Was meint ihr?“ Fragend und mit einem unterschwellig lodernden Feuer in den Augen blickte er in die Runde.
Meginhard von Schwarzdorn nickte Eichward zögerlich zu, schien aber nachdenklich. „Wenn es denn so einfach wäre…“, murmelte er vor sich hin. Dann schüttelte er kurz seinen Kopf und frug irritiert in die Runde: „Und was hatte es jetzt mit dem Ableben der Edlen auf sich?“ Da die Anderen mäßig bis kaum auf seinen Vorschlag reagierten wand Eichward sich wieder dem Fischer zu. „Will er noch etwas zu seiner Verteidigung hinzufügen, Kerl, bevor wir ihn verlassen und dem Baron Bericht erstatten? Wenn er weiß, wo der Abschaum sich sonst versteckt hält mag ihm das in den Augen seines Herrn vielleicht ein milderes Urteil verschaffen … .“
Fitze bot ein belämmertes Bild. „Ich hab‘ immer treu meine Abgaben gezahlt, hoher Herr. Ich weiß nur, dass der Scanlair von der anderen Flussseite kommt - aus dem Albernischen. Aber ich hab‘ seinen Ankerplatz nie so genau gesucht oder angeguckt - ich weiß, was gut für mich ist. Bis die Leut‘ vom Baron da sind, ist meine Hütte beim Flussvater, wenn ihr versteht', was ich mein‘ … .
Waldemar stand immer noch neben dem nervösen Fischer als er seine Erklärungsversuche abgab. Mit einem leichten Druck, so leicht wie eben möglich von einem zwei Schritt langen Hünen, zu verstehen dass dieser in die Hütte zurückgehen sollte während er ihm folgte. „Der Baron wird seine Prioritäten bestimmt richtig setzen. Wir haben das Piratenpack vertrieben und den Becher in unseren Besitz gebracht. Ich sehe hier nicht mehr viel zu tun, wir sollten am Fluss entlang zurück zum Baron reiten und Ausschau nach dem Masten der Piratenbande halten.“ „Natürlich kommt er aus dem albernischen, kein anständiger Nordmärker würde als Raubgesindel den Fluss befahren…“ herrschte Eichward den Fischer noch an, ehe er sich Waldemar zuwandte. „Mir ist zwar immer noch nicht klar, was es mit diesem Becher auf sich haben soll oder warum er im Besitz dieses Piraten war, aber ihr habt wohl recht. Ausrichten werden wir hier nichts mehr. Entweder weiß dieser Kerl wirklich nichts, oder ist unwillig zu helfen. Das wird sein Herr entscheiden müssen, uns steht hier ja keine Gerichtsbarkeit zu. Als dann, lasst uns aufsitzen und zurück reiten.“ Dann drehte er sich um, ging zu seinem Pferd um das Sauschwert zu verstauen und schwang sich in den Sattel. Efferdane war ja selber sehr wütend gewesen und als Efferdgeweihte lag das aufbrausen in ihrem Wesen. Doch nun taten ihr die Fischer fast leid. Der Bruder in Firun war wahrlich nicht eiskalt. Grade schien er vor Zorn zu glühen. Isavena war nicht mit in die Hütte gekommen, um die Fischersleute zu befragen, noch stand sie unmittelbar vor der Hütte. Ihrer Ansicht nach widmeten sich genügend Anwesende den hiesigen Bewohnern.

Ihr Pferd Eppo zu einem der Gerüste mit den Netzen gelenkt, stieg sie ab und schritt zu den Zwergen. Der eben gerettete Xorgolosch wirkte noch sehr verstimmt ob des unfreiwilligen Bades. Vorsichtig näherte sie sich zu Fuß und fragte: „Alles in Ordnung mit euch?“ Der Zwerg hatte gerade das Wasser aus seinen Stiefeln geleert und stellte diese fein säuberlich neben seinen Mantel. Der Mantel hatte durch das Wasser die Struktur und Form eines großen grauen Wischlappens angenommen. Nach dem er angesprochen wurde erhob sich Xorgolosch, stopfte sein klitsch-nasses Hemd mit einer schnellen Geste in die Hose und versuchte, trotz des Gewichts der nassen Kleidung, aufrecht zu stehen und nach oben ins Gesicht der Junkerin von Knechtstett zu blicken. Sein strenger, griesgrämiger Gesichtsausdruck entspannte sich zu einem neutralen Blick. „Nun ja, soweit gut. Ich bin eben nass bis auf die Orte, die keinen Sonnenschein je…“, abrupt war er sich seiner Wortwahl bewusst - er war immer noch etwas neben sich, da er in den letzten Minuten mehrfach dachte, jemand lösche Angrosch‘s Lebensflamme in ihm aus. Diese Worte wollte er nun aber wirklich nicht weiter vor der Dame äußern.
„…verzeiht…habt Dank für Eure herzliche Frage. Ich denke ich komme gut zurecht. Die Sonne wird ihr bestes geben und mich etwas trocknen bevor wir uns von diesem Ort wieder zurückziehen. Dort vorne können wir im Moment wohl nicht mehr viel Unterstützen. Warten wir ab, bis sie die Fischer befragt haben.“ , erwiderte Xorgolosch und zeigte auf den diskutierenden Pulk an der Fischerhütte. Des Zwergen Worte hob die Stimmung der Junkerin um einiges. Isavena zeigte ein sanftes Lächeln auf Xorgoloschs unbeendeten Satz und folgte mit den Augen der Richtung des Fingerzeigs zur Hütte. Einen Moment blickte sie nachdenklich zur dortigen Gruppe und fragte dann recht unvermittelt zum nassen Zwerg samt nahe stehender Anwesender „Sollten wir bereits los reiten und den Baron suchen? Ich denke je eher dies Situation geklärt werden kann, desto schneller kommt ihr zu trockener Kleidung.“
Dann wanderte ihr Blick umher und blieb auf den verlorenen Dreiergrüppchen der Adligen hängen, welches zuvor abgängig war und deren Auftauchen sie kurz völlig aus der Fassung brachte, als Ebro und sie die zweite Jagdgruppe am Waldrand an einer anderen Hütte aufgespürt hatten. „Vielleicht können wir die ehemals verlorenen Herrschaften dort drüben schicken, den Baron zu holen.“ überlegte Isavena laut. Ohne lange noch weiter über ihre laut ausgesprochenen Gedanken nachzudenken folgte Isavena ihren Impuls und steuerte kurz entschlossen auf die kleine Gruppe zu, welche sich um die Vögtin von Bitterburg gesammelte hatte und die vor kurzem, so mysteriös wie sie verschwunden, auch wieder aufgetaucht waren.
Einen Moment blickte die Junkerin nacheinander die drei Herrschaften an, als wolle sie aus deren bloßem Antlitz die offenen Fragen herauslesen, die sich Isavena insgeheim noch stellten. Aber Fragen über das Verschwinden von Hadelind von Haffenberg, Dankrath von Schleckenbronn und Gerdor von Hamrath standen jetzt nicht im Vordergrund, also besann sich Isavena auf das Wichtigste und richtete das Wort an die drei. „Werte Wohlgeboren, wäret ihr geneigt, einen Teil zur Aufklärung der Ereignisse hier beizutragen und euch auf den Weg machen den Baron zu informieren und herzubringen?“ Mit einer Geste deutete Isavena auf die Szenerie und ergänzte: „Wenn ihr so freundlich wäret, könnten die anderen hier die Stellung sichern und kontrollieren, ob die Piraten eine Rückkehr wagen.“ Dann sah Isavena die drei abwartend an. Dankrath von Schleckenbronn tauschte einen Blick mit seinen beiden Begleitern, nickte schweigend und wandte wortlos sein Pferd, gab ihm die Sporen und trabte in die Richtung los, in der er den Baron vermutete. Die Vögtin von Bitterburg lächelte schmal. „So werden wir das tun.“ Sie tat es dem Schwarzgekleideten nach und machte sich zusammen mit Gerdor von Hamrath auf die Suche nach dem Baron.

Die Braue der Knechtstetter Junkerin hob sich ungewollt skeptisch bei dem Gesichtsausdruck und der knappen Antwort der Vögtin. Isavena konnte kein Augenrollen unterdrücken, als das Dreiergespann sich anschickte den Baron zu holen. Erst der Zwist mit dem Firuni und dann die Reserviertheit der Vögtin im Zusammenspiel mit den ganzen Ereignissen hier zerrte an ihren Nerven. ‚Bei allen Zwölfen, was ist der denn über die Leber gelaufen. Liegt es an mir oder warum begegnet mir soviel Unfreundlichkeit?‘ dachte Isavena bei sich. Äußerlich entglitt ihr nur ein frustriertes Seufzen. Überraschenderweise legte jemand seine Hand auf Isavenas Schulter. Es war die rothaarige Orinka von Kieselgrund, Edle von Steinbrücken. „Nicht jeder weiß Höflichlichkeit zu schätzen.“, sagte diese mit einem Lächeln. „Ihr habt euch gut geschlagen Isavena. Nicht so wie ich. Mir schien der Schutz eines Fass am sichersten. Zumindest bin ich mir sicher, das die Gefahr jetzt gebannt ist.“ Was die Gebrüder Flussgrund anging war die Anspannung des Moments von ihnen abgefallen. Beide fühlten sich erschöpft und anhaltend verwirrt. Was war hier bloß vorgefallen? Sie sahen hier kein Weiterkommen und wünschten sich zurück ins barönliche Anwesen, um in Ruhe über das Geschehene nachdenken zu können.

Die Ankunft des Barons

Nicht sehr viel später kam der Baron von Kyndoch, begleitet vom Rest der Festgäste und einem halben Dutzend Büttel am Fischerhaus an. Die Büttel hatten ihre Armbrüste griffbereit und sie machten einen höchst aufmerksamen Eindruck - gerade so, als wollten die den Piraten herausfordern, zurückzukommen.

Der Baron parierte sein Pferd durch, als er bei seinen restlichen Gästen angekommen war. „Man berichtete mir, dass Ihr mit albernischem Diebsgesindel zusammengestoßen seid. Erzählt mir genau, was passiert ist.“ Er ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen und verharrte kurz auf dem triefnassen Xorgolosch. „Ist jemand verletzt?“

Da der Baron noch im Sattel saß blieb Eichward, der schon aufgestiegen war, ebenfalls zu Pferd, als er dem Baron antwortete. „Euer Hochgeboren von Fadersberg, habt Dank für Eure Sorge. Uns geht es gut, das feige Piratenpack floh, als es unserer ansichtig wurde, mit seinem Kahn hinaus auf den Fluss, statt sich uns zum Waffengang zu stellen. Es scheint, als hätten die Piraten den Steg dieses Fischers,“ dabei deutete er zur Hütte hinüber, „genutzt, um in Eure Lande einzudringen.“ Er überlegte kurz, was er sonst noch zu sagen hatte. „Den Tot der Edlen von Tannwald können wir nach wie vor nicht erlären, aber es hängt wohl mit einem goldenen Becher zusammen, den sie möglicherweise von diesen Piraten hätte erwerben wollen. Wir sind jedoch erst als Entsatz zur Rettung der anderen Edlen hierher gelangt, vielleicht können diese, „dabei deutete er erneut zur Seite auf die Gruppe die zuerst an der Hütte angelangt war, „und auch mit den Piraten gesprochen hat, den Hintergrund etwas genauer erläutern.“ Isavena, die sich in der Zwischenzeit wieder zu ihrem Ross gesellt hatte, um dessen Wohlbefinden zu überprüfen, näherte sich langsam während Eichward begann dem Baron zu berichten. Zu Eichwards Worten ergänzte sie:
„Es war eine ganze Rotte von Flusspiraten, vielleicht 12 bis 15 Mann. Der Kapitän hieß Scanlair und schien mit der Edlen von Tannwald irgendwelche geheimen Geschäfte abgesprochen zu haben. Wie der Herr von Feuerberg bereits sagte, es schien um einen Handel mit irgendeinen Kelch zu gehen.“ Mit den letzten Worten ließ sie bereits ihren Blick schweifen, um bestimmte Leute ausfindig zu machen. Dann deutete sie auf Elko, Xorgolosch und Orinka und beendete ihre kurze Ergänzung „Der Kämmerer von Tannwald hielt das Piratenpack mit Hilfe des Herrn von Erzwacht und der Edlen von Steinbrücken solange in Schacht, wie ich und der Bruder des Herrn Kämmerers die Verstärkung geholt hatten. Ich denke, sie können euch mehr Details berichten.“

Orinka nickte zu Bestätigung. Der Zwerg ging auf den Baron zu - immer noch barfuß. Den goldenen Becher hielt er dabei in der Hand. „ Euer Hochgeboren, verzeiht mein Auftreten.“ , begann Xorgolosch seine Ausführungen und strich sich dabei mit seiner freien Hand das nasse Hemd glatt. „Zunächst darf ich Euch versichern, dass niemand verletzt wurde, auch wenn ich innige Bekanntschaft mit dem Fluss gemacht habe. Es ging um diesen Becher.“, Xorgolosch pausierte und hob den Becher in Richtung des Barons. Nach weiteren kurzen Schritten stand er nun direkt neben den Steigbügeln seiner Hochgeboren, drehte den Becher und zeigte dem Herrn von Fadersberg das Wappen seiner Baronie und das Siegel eines Elenviner Goldschieds auf der Unterseite. „Kennt Ihr das Stück? Das Piratenpack wollte offensichtlich diesen Becher an die Edle von Tannwald für 300 Dukaten verscherbeln.“, Xorgolosch verharrte und wartete ab, ob der Baron den Becher abnehmen würde. Liafwin von Fadersberg beugte sich vor, musterte den Becher mehrere Spann unter ihm, und kurz huschte eine Mischung aus Freude, Erleichterung, Verwunderung und einem Hauch Fatalismus über sein junges Gesicht, ehe er tief Luft holte und aus dem Sattel sprang - nicht unelegant, auf das Reiten verstand er sich.

„Es war wohl getan den Becher zu erobern, Meister Xorgolosch. Doch achtet auf Euch - im Fluss zu ersaufen ist auch der edelste aller Becher nicht wert. Es ist niemand ertrunken?“ „Nein, euer Hochgeboren, es kam wirklich niemand zu Schaden.“, erwiderte Xorgolosch. Er musste jedoch sofort an seinen Tabak denken, den er in der Manteltasche verstaut hatte. So durchnässt wie das Kleidungsstück nun war, war wohl auch sein Tabak nicht mehr zu retten. Das machte ihn etwas ungemütlich. Nach all diesem Stress hätte er gern ein Pfeifchen genossen. Die Kohle würde bestimmt noch etwas glühen. Ohne Tabak musste er sich aber wohl gedulden bis sie in der Burg waren. Der Baron nahm den Becher entgegen, drehte ihn in seiner Hand und betrachtete schließlich den Stempel auf dessen Boden. Dreihundert Dukaten war ein stolzer Preis - und in etwa die Einkünfte vor Steuern, die ein Edlengut im Götterlauf einbrachte. Doch hätte der Kelch nicht hier sein dürfen - sondern brav an seinem Platz im Praiostempel auf Burg Efferdwacht - oder vielmehr in einer Truhe unter dem Altar, in dem die kostbarsten Tempelgegenstände aufbewahrt wurden. „Der Kelch war ein Krönungsgeschenk Seiner Hoheit an meinen Amtsvorgänger, Baron Larael von Fadersberg. Seitdem wird er auf der Efferdwacht verwahrt und im dortigen Praiostempel für einige Zeremonien genutzt. Den Rest der Zeit ruht er wohl verwahrt im Tempel.“ Seine Mine verfinsterte sich. „Dass er verschwunden war, wusste ich nicht.“ Der Kelch unternahm eine weitere Drehung in der Hand des Barons. „Ich bin euch allen zu Dank verpflichtet, dass ihr ihn wieder beschafft habt.“ Xorgolosch nickte kurz wohlwollend dem Baron zu und entfernte sich wieder etwas von dessen Pferd. Auch Orinka wartete freundlich ab. ´Der Baron weiß nichts von dem Diebstahl? Aus dem Praiostempel?´ Die Norbardin schmunzelte und hörte aufmerksam zu.

Elko, erst erfreut über die Ankunft des Barons, war es mittlerweile äusserst mulmig zumute. Er war es sich ja gewohnt dass der Mangel an Etikette und diplomatischem Gespür seiner Gutsherrin des Öfteren für unangenehme Situationen und Peinlichkeiten sorgte. Dises mal aber war klar dass das blatant verschwörerische Verhalten der Gundula von Zweigensang Wogen schlagen würde, die nicht so leicht zu glätten wären.

Instinktiv wollte er sich nur so klein wie möglich machen, sich aus der Sache gänzlich herausreden, jeden Zusammenhang zwischen ihm und seiner Gutsherrin abstreiten. Doch war ihm klar: Das wird nicht gehen. 'Wer Praios mit Offenheit und Ehrlichkeit ehrt, wird selig!' Dieser Leitspruch seines verstorbenen Vaters klang in Elkos Innerem nach. So trat er also vorsichtig vor den Baron, schluckte einen unwahrscheinlich grossen Kloss im Hals herunter, und setzte an: "Bitte verzeiht, Euer Hochgeboren, doch die Pflicht gebietet es mir das Wort zu ergreifen. Diese abscheulichen Schandtaten der Herrin von Tannwald die heute ans Licht gekommen sind... der Verkehr mit Flusspiraten und der Handel mit Diebesgut... Das alles widert mich aufs Äusserste an. Doch selbstverständlich...", Elko schluckte, "...übernehme ich als höchster Diener der verstorbenen Gundula von Zweigensang die volle Verantwortung für ihre Taten..."

Ebro riss die Augen weit auf, als er seinen älteren Bruder so sprechen hörte und schritt ein: "Elko, nein! Du konntest doch von nichts wissen - dich trifft keine Schuld!". Doch Elko hielt seine Bruder zurück und beendete: "... und bitte Euch über mich zu richten, auf dass in dieser Sache Genugtuung getan werden kann." Der jüngere Ebro blickte erst den Baron ängstlich an und schaute dann hilfesuchend in die Runde der Anwesenden. Isavenas Augen wurden vor Überraschung größer bei den Worten des Kämmerers. Respekt und auch Bewunderung über den Mut des Mannes sprachen aus ihrem Blick, während sie das Gespräch aus nächster Nähe beobachtete.

Auch Eichward war höchst überrascht von den Worten, denn aus seiner Sicht würde ein Urteil über den Kämmerer , wenn er denn von nichts wusste, das Unrecht nur vergrößern. „Euer Wohlgeboren, wenn ich noch einmal das Wort ergreifen darf?“ Nach nur einer kurzen Pause fuhr er fort. „Der Herr Kämmerer ist, was die Taten seiner Herrin angeht, wohl kaum einer Schuld zu bezichtigen. Aber vielleicht kann er ja zur Aufklärung mit seinem Wissen um die Finanzen derer von Zweigensang beitragen? Wenn bei diesem Handel 300 Dukaten den Besitzer hätten wechseln sollen, wo ist dann all das Gold? Beim Körper der Verblichenen war, soweit ich das sagen kann, kein derartiger Schatz zu finden gewesen. Und der Herr Kämmerer wüsste sicher aus seinen Büchern, ja aus seinem Gedächtnis, wenn die hohe Dame vor kurzem eine solche Summe aus der Kasse ihres Lehens entnommen hätte, oder nicht? Ein solcher Betrag fällt in den Büchern auf und eine solche Menge an Gold trägt man ja auch nicht in der Hosentasche mit sich herum, will ich meinen?“ Dabei blickte er fragend vom Baron zum Kämmerer und zurück.

Aidan von Föhrenschildstand bei der Ankunft des Barons stramm und beobachtete die Szene. Seine Gedanken drehten sich im Kreis, die tote Edle, der Becher, die 300 Dukaten. Was sollte das bloss? Wo würde sein Platz in dieser Geschichte sein? Dann trat er zwischen den um Worte ringenden Elko und den Baron. „Euer Hochgeboren, als Hausritter Tannwalds ist es meine Pflicht und Ehre, die Bewohner von unserem kleinen Ort zu beschützen. Dieser Mann ist ein einfacher Kämmerer, ein Mann der Zahlen. Er hat ein reines Herz und bestimmt nichts zu tun mit solch Piratenpack. Ich stelle mich also vor Elko von Flussgrund wie ein….“ Aidan suchte nach einem passenden Vergleich und stockte kurz, bis ihm ein Bild aus dem Walde vor seinen Augen durchhuschte: „Wie ein Haus schützend um die Weinbergschnecke….“ Aidan schämte sich ein wenig für den schrägen Vergleich den wohl niemand in der Runde begreifen würde„…und übernehme die Verantwortung für die Taten die im Namen Tannwalds begangen wurden, wenn hier also jemand gerichtet werden sollte, dann ich euer Hochgeboren“ Liafwin schüttelte den Kopf. „Ich habe keine Ahnung, wie der Kelch aus meiner Burg verschwunden ist. Und wenn mich die Praiosgeweihtenschaft eines lehrte, so, dass eine Verurteilung nur aus Mutmaßungen heraus schändlich ist.

Ich schätze Euer Wort als Herrschaften von Stand. Und ich bin mir gewiss, dass ein jeder von Euch mir bei seinem guten Namen schwören würde, keinen Handel mit dem Piratenpack eingegangen zu sein, noch dies zu planen - und nicht versuchtet, mein Eigen an Euch zu bringen. Oder deute ich dies falsch?“ Wieder nickte die Edle von Steinbrücken. „Und … wo schon von Mutmaßungen gesprochen wurde, besteht eine kleine Hoffnung, das die Edle von Zweigensang den Kelch erwerben wollte, um ihn dem Baron … dem Praiostempel wiederzugeben“, sagte Orinka und schaute beschwichtigend zu dem Kämmerer. Der Baron musterte die Tannwalder Ritter. „Es ehrt Euch, dass Ihr für die Taten der Frau von Zweigensang einstehen wollt. Das ist ein wahrlich nobler Zug.“ Sein Blick schweifte über die Versammelten und verharrte kurz auf dem tropfenden Angroschim, ehe er sich wieder zu Aidan, Elko und Ebro zurückkehrte. „Lasst uns zurück zur Efferdwacht reiten - dort soll unsere Medica sich die Edle von Tannwacht, Boron hab sie selig, ansehen und uns mitteilen, was sie findet. Und ich schulde Euch allen noch zumindest ein gutes Bankett und sämtliche Erkenntnisse, welche mir meine Medica zuteil werden lässt. Mit Hesindes Zuspruch soll dann praiosgefälliges Licht auf diese Angelegenheit fallen.

Eichward nickte zustimmend, die Worte des jungen Barons gefielen ihm. Diese Art von Herrschaft war genau das, was die Nordmarken brauchten, auch wenn er trotzdem gern auf Piratenjagd gegangen wäre. Mit sanftem Schenkeldruck reihte er sein Ross hinter dem Baron in dessen Tross ein, um ihm zurück nach Efferdwacht zu folgen. Während Waldemar von Flussgrund still nickte, stand Aidan auf und wischte sich den Staub von seinen Knien. Mit einem leisen „besten Dank euer Wohlgeboren, eine wunderbare Idee“ lief er an Elko vorbei und gab diesem einen leichten Schulterklapps während er sich in Richtung des Firungeweihten davonschlich. Isavena schwirrte der Kopf von den ganzen Umständen. So war sie umso erleichterter, als der Baron seinen Vorschlag machte. Sie hatte für heute genug von Natur und Abenteuer. Wortlos wandte sie sich in Richtung ihres Pferdes, hielt kurz inne, als der Ritter von Tannwald ihren Weg kreuzte und ließ ihn passieren, würdigte ihn aber keines Blickes. Anschließend setzte sie ihren Weg zum Ross fort und stieg auf, um sich dem Zug zurück zur Burg anzuschließen.

Elko wie Ebro waren höchst erleichtert über die klaren Worte des Barons. Sie atmeten tief durch. Für einen Moment wurde Elkos Kopf endlich wieder klar - und prompt fiel ihm etwas ein. Er ging rasch zu Eichward und sprach diesen an: „Herr von Feuerberg, nun da ihr es erwähnt habt: Die Hohe Frau hatte in letzter Zeit zwar niemals einen Betrag in der Höhe um 200 Dukaten entnommen. Allerdings hat sie auffällig viele mittelgrosse Besorgungen getätigt. Oder dies zumindest behauptet.“ Elko verhaspelte sich fast, als er die Zahlen noch während dem Sprechen zusammenrechnete. „Zusammen genommen kämen wir auf 212 Dukaten und 7 Silber in den letzten drei Wochen…“ Eichward wandte sich dem Kämmerer zu. „Nun, das sind nicht die wohl im Raum stehenden 300 Dukaten, aber wer weiß schon, was hier vielleicht im Vorfeld verhandelt worden war, und der Pirat war jetzt nur noch gieriger geworden. Oder die Dame von Zweigensang besaß noch anderweitig Rücklagen, auf die sie hätte zugreifen können oder hat das von langer hat über einen längeren Zeitraum geplant. Man hat ja auch seine Privatschatulle…“ Freundlich nickte er dem Kämmerer zu. „Sehr gut, Herr von Flussgrund. Wir werden das Rätsel, das sie uns hinterlassen und dessen Antwort sie mit zu Boron genommen hat vielleicht so nicht völlig lösen, aber es bringt zumindest ein wenig Licht ins Dunkel. Und, viel wichtiger, es entlastet Euch und Euren Ruf.“

Der Angroscho lief zu seinen nassen Habseligkeiten und griff als erstes in seine Manteltasche, doch der Tabak war wie vermutet ein nasser Klumpen. Er versank im Gedanken und lies das Geschehene noch einmal in seinen Kopf ablaufen. Auf dem Weg zu seinem Pony kapitulierte er aber, da er sich immer noch keinem Reim aus der Geschichte machen konnte. Er zuckte mit den Schultern, stieß einen Seufzer aus und kraulte sein Pony am Hals. „Wenigstens konntest du trocken bleiben, Mädchen.“, sprach der Zwerg liebevoll und saß auf. Auch setzte sich nun Orinka auf ihr Pferd und stellte sich neben Isavena. „Genug der Jagd. Ein Wein wäre jetzt genau das richtige“, sagte sie laut vor sich hin. Isavena war froh, als Orinka neben ihr auftauchte. Noch immer konnte sie sich die ruhige Ausstrahlung der Edlen nicht ganz erklären, aber die Wut auf den Firungeweihten samt des Tannwalders Ritters verflogen just in dem Moment, als Orinak laut vor sich hin dachte.

Die Junkerin lächelte und nickte Orinka beipflichtend zu. Meginhard hingegen ritt schweigend hinter seinen Standesgenossen her. Er grübelte und konnte sich nach wie vor keinen Reim auf die Ereignisse bilden.

Burg Efferdwacht

Auf Burg Efferdwacht war alles für die Rückkehr der Jäger vorbereitet - vermutlich ob eines Boten, den die Jagdmeisterin vorsorglich zurückgeschickt hatte, als sich abzeichnete, dass die Jagd deutlich vor der erwarteten Zeit ihr Ende finden würde.
Nun aber wartete nicht nur ein festlich eingedeckter Rittersaal, sondern auch ein angeheiztes Badehaus auf die erschöpften Jäger.
Obwohl ihm die Hitze der Schlacht erspart geblieben war, nahm Eichward das Angebot sich vor dem Bankett frisch zu machen dankend an. Zumindest ein kurzes Bad um die müden Glieder wieder etwas zu erfrischen, das Haar zu waschen und sich vor der Feierlichkeit noch einmal zu rasieren wollte er nutzen. Was brachten einem die besten sauberen Gewänder, wenn man vom Tagwerk darin roch wie ein nasser Streifendachs? Im Burghof herrschte der übliche Trubel. Xorgolosch war auf einer Bank am Rande in seinen Gedanken versunken und genoss seine Pfeife. Er hatte sich rasch gesäubert und seine Bart wieder in exzellente Form gebracht. Ihm ging der Anblick der toten Edlen nicht aus den Kopf‚ Vielleicht waren doch die Äpfel vergiftet. Vielleicht wusste sie von irgendetwas zu viel. Vielleicht wollte sie die Piraten gegenseitig ausspielen. Viel zu viele „vielleicht“ ‘, sinnierte Xorgolosch und beobachtete seinen Peifenrauch wie er langsam höher stieg und dann von einem Lufthauch verweht wurde. Als alle sich erfrischt und zum Bankett umgekleidet hatten, fand sich die Gruppe wieder im Rittersaal ein. Diesesmal waren die Tische in der Form eines Us aufgestellt, so dass jeder direkt an der Tafel Seiner Hochgeboren Platz fand.

Die Knappen, Pagen und Bediensteten nahmen hinter den Stühlen der Adligen Platz, um dafür zu sorgen, dass es den edlen Herrschaften an nichts mangelte. Die Getränke waren in kostbaren Krügen und Kannen auf einem Tisch an der Seite des Raumes aufgestellt, so dass der Platz vor den Adligen nicht dadurch verunziert wurde. Dafür war die Dienerschaft angetreten, das jeweils gewünschte auf Zuruf oder auch nur eine Geste zu reichen. Als der Baron eintrat, erhoben sich die Gäste höflich. „Setzt euch, meine Gäste.“ bat Liafwin von Fadersberg. Auf einen Wink von ihm hin gab der Haushofmeister von Birkenbruch den Dienern und dem Jungvolk den Befehl gab, Getränke auszuschenken. Er wartete, bis jeder das Getränk seiner Wahl im Becher hatte und hob dann einen Becher - einen einfachen Silberpokal - mit Wein.
„Auf Euer Wohl.“ „Auf das Haus Fadersberg, auf Kyndoch und die Nordmarken.“ Eichward hob seinen mit schäumendem Bier aus dem Keller des Barons gefüllten Krug zum Gruß. Ebro hob den Kelch voll Wein und bewegte die Lippen. Auch Xorgolosch hob seinen Bierkrug an und nickte in die Runde. Der Baron gab nach außen die Mine eines Souveräns - innerlich, so vermutete es der Angroscho, würde er wohl sehr angespannt in dieser Runde sein. Dieser Vorfall egal mit welchem Ausgang würden sich herumsprechen. Meginhard bevorzugte ebenfalls den Wein, doch erhob er den Pokal nur wortlos zum Salut, trank jedoch noch nicht daraus. Ein kurzes und eher halblautes „Auf den Gastgeber.“ murmelte Isavena vor sich hin, als sie den Kelch zum Zuprosten hob.

„Nun, die Jagd war nicht so, wie von mir geplant. Ich bin glücklich, dass Ihr wohlbehalten hierher zurückgekommen seid, auch wenn wir das Verscheiden meiner Edlen von Tannwald zu bedauern haben. Ehe wir zum Bankette starten, lasst uns aber der Herrin Hesinde Ehre erweisen - und zusammentragen, was wir über das Piratenpack wissen - und was über die Rolle Ihrer Wohlgeboren von Tannwald. Den Piraten selbst bin ich nicht begegnet. Am besten wir fangen mit diesen an. Was wisst Ihr über sie?“ Nach einem unangenehmen Moment der Stille, in dem nicht klar war, wer das Wort als erstes ergreifen sollte, begann Elko zögerlich: „Euer Hhh, …“ Elko räusperte sich. „Euer Hochgeboren, ich befürchte leider, dass wir nicht allzu viel über das Pack wissen. Es handelt sich aber mindestens um ein knappes Dutzend - so viele hatte ich immerhin bei den Fischersleuten gesehen. Möglich, dass zu der Bande noch weitere Piraten gehören, die nicht anwesend waren.“ Elko machte eine Pause. Er versuchte dem Baron gefasst in die Augen zu schauen. „Der Name des Anführers lautet Scanlair. Er ist eindeutig Albernier. Sowohl er wie auch sein Adjutant tragen eine Augenklappe…“, einerseits verwirrt über die hohe Augenklappendichte andererseits in Überlegungen vertieft, was er noch über die Piraten wusste brach Elko hier ab.
„Zudem, Euer Hochgeboren, scheint es so, dass der Pirat den Anlegesteg Eures Vasallen, des Gemeinen Fischers Fitz, nicht zum ersten Mal nutzt, um ins Nordmärkische überzusetzen. Der Fischer schwört zwar, mit ihnen nicht im Bunde zu sein, gemeldet hat er diese Ungeheuerlichkeit jedoch auch nicht. Wenn man nur wüsste, wer der Mittelsmann der Dame von Zweigensang zu diesen Schurken ist, könnte man vielleicht eine Falle einfädeln und ihnen dort mit einigen Armbrustschützen auflauern.“
Waldemar von Flussgrund sass während den Ausführungen an seinem Platz und nippte an seinem Kelch. Wieder zurück in der Burg schwand die Anspannung aus seinem kräftigen Körper und er hatte Zeit nachzudenken und achtete so kaum auf die Worte von Eichward. Die Geschehnisse um den Fischer und die Zweigensangerin, die so abrupt aus seinem Leben verschwand wie sie aufgetaucht war, waren ihm seltsam gleichgültig geworden. Vor seinem inneren Auge sah er sich bereits wieder am Hofe Araniens als Hüter der adligen Jagd, schob diesen Gedanken dann aber zur Seite wohlwissend darum dass sich zuerst das Schicksal seiner Neffen zu entscheiden hat bevor er endlich losreiten konnte. Meginhard von Schwarzdorn saß gequält lächelnd an der Tafel und versuchte gleichsam mit dem Baron, die Geschehnisse nachvollziehen zu können. Insbesondere die Frage, wie und folglich durch wen die Edle von Tannenfels verschied, schien ihm noch völlig schleierhaft.
Der Angroscho fügte weiter hinzu: „Ich muss hier dem Kämmerer von Flussgrund beipflichten. Über die Piraten an sich ist uns nichts Weiteres - insbesondere nichts wichtiges - bekannt. Jedenfalls hatten sie den geschätzten Goldpokal in den Händen und wollten diesen an die Edle von Tannwald veräußern. Die Edle war bei den Piraten wohl persönlich bekannt. Schließlich wusste dieser Scanlair über ihre rote Haarfarbe und ihr allgemeines Auftreten Bescheid.“ Der Blick von Xorgolosch wand sich anschließend dem Kämmerer zu. „Ich denke, werter Elko von Flussgrund, wir sollten uns nicht nur darauf versteifen, dass die Edle abscheuliches im Sinn hatte. Vielleicht wollte sie auch einen Komplott aufdecken, der komplexer ist, als wir es annehmen. Zumindest wäre dies eine Möglichkeit.“
Ob diesen Worten nickte Elko Xorgolosch langsam und nachdenklich zu. „Vielleicht sollten wir auch sogar noch etwas vor den Piraten ansetzen." griff Isavena des Zwergen Worte auf. „Vielleicht sollte erst einmal geklärt werden, was dieser Kelch für eine Bedeutung hat.“, dabei wanderten der Junkerin eisblaue Augen bereits in Richtung Liafwin. „Euer Hochgeboren, wäret Ihr so huld, uns mit Hesindes Erkenntnis zu segnen, seit wann Ihr diesen Kelch vermisstet. Ob Ihr ihn überhaupt vermisstet und welche Bedeutung dieser Kelch für Euch besitzt. So können wir des Herren Xorgolosch These besser einschätzen und der Verstorbenen eher Gerechtigkeit zollen.“
Erwartungsvoll blickte Elko nun den Baron an und hoffte dieser würde mit seinen Erläuterungen neues Licht auf die Angelegenheit werfen.
Liafwin von Fadersberg musterte seine Gäste mit wachem Blick. „Der Kelch selbst ist ein Familienerbstück. Er war das Krönungsgeschenk, dass seine Hoheit Jast Gorsam meinem Amtsvorgänger, Baron Larael von Fadersberg, zu dessen Belehnung gab. Ob seiner Bedeutung habe ich ihn zum Tempelschatz gestellt, auf dass er einen würdigen Platz habe und gebührend gewürdigt würde.
Diese Gegenstände werden nur zu den großen Messen hervorgeholt, nicht zu den täglichen Andachten - und so wurde sein Verschwinden bislang nicht bemerkt. Wohin er verschwand - und woher Ihre Wohlgeboren von Tannwald wusste, dass er sich in den Händen der Piraten befand, ist mir nicht bekannt. Vielleicht vermag dies ja jemand von euch in der Zukunft herausfinden. Irgendwie muss er in die Hände des albernischen Packs gelangt sein - und auf irgendeine Weise muss auch Ihre Wohlgeboren in die Sache verwickelt gewesen sein. Sicher kann ich Euch jedoch sagen, dass sie mir und meinem Hof keine Kunde von ihrem Wissen gegeben hat.“

Er holte tief Luft und betrachtete seine Vasallen und Nachbarn. „Doch scheint es, dass keine irdische Hand beim Ableben Ihrer Wohlgeboren eingriff. Unsere Hofmedica hat herausgefunden, dass sie sich an einem Apfelstück verschluckte, das noch in ihrem Schlund stak, und daran verschied. Einen Mord also können wir nicht nachweisen.“

Wieder holte er Luft und wog seine nächsten Worte sorgsam, während er seinen Blick auf Elko richtete. „Doch ist es nun so, dass Tannwald verwaist ist und dringend einen neuen Herrn benötigt. Elko, ich wünsche heute nach dieser Veranstaltung mit Euch zu reden. Wir haben Dinge zu klären.“ Die aufsteigende Verblüffung war Isavena anzusehen, als der Baron sich zum Kelch erklärte. Die angeschlossene Erklärung zur Todesursache der Tannwälderin schien die Junkerin jedoch zu erleichtern, auch wenn die Erklärung wiederum andere Fragen aufwarf.

Nachdenklich führte sich Isavena ihren Kelch zum Munde und sann einen Moment im Stillen nach, während der Baron seine Worte an Elko richtete. Kurz hielt sie inne und hob ganz leicht beglückwünschend den Kelch in des Kämmerers Richtung, während sich ein Schmunzeln auf ihrem Gesicht abzeichnete.

Xorgolosch - in der einen Hand seine Pfeife, in der anderen einen Krug Bier - war zunächst verblüfft, als der Baron den Kämmerer direkt ansprach. Elko musste wohl nun den nächsten Schock bekommen habe. Der Zwerg begriff dann erst das zuvor gesagte und überlegte ob er noch irgendetwas beisteuern könnte. Es gab für ihn zwar immer noch viele Fragen - z.B. der gefunden Schmuck bei der Edlen und evtl. weitere Spuren. Er entschloss sich jedoch nur kurz Elko zuzuprosten während er langsam den Pfeifenrauch aus seinem Mund entließ. Elko tönte eine leichte Verbeugeung an: „Sehr wohl, Euer Hochgeboren!“ Er war erleichtert und verdutzt ob der neuen Tatsachen. Seine geistigen Kapazitäten waren nach wie vor damit beschäftigt, das Geschehene einzuordnen und Antworten auf die offenen Fragen zu finden. Erst das Zuprosten der anderen Anwesenden brachte ihn darauf, darüber nachzudenken, was der Baron wohl mit ihm zu besprechen haben würde. Sowie er dies realisierte weiteten sich seine Augen, er lief rot an und schluckte.

Der Firungeweihte der neben seinem Neffen Elko sass hörte nur mit einem Ohr hin, bekam aber einen heftigen Hustenanfall als ihm klar wurde was die Worte des Barons zu bedeuten hatten, der glücklicherweise wieder verhallte als Isavena das Wort ergriff.
Während Elko sich mit Schamesröte überzog fragte Isavena den Baron: „Euer Hochgeboren, wie gedenkt Ihr in der Sache weiter voran zu gehen? Schickt Ihr Bewaffnete aus, diesen Scanlair ausfindig zu machen? Oder werdet Ihr den Fischer für die Kooperation mit dem Räubergesindel zur Verantwortung ziehen?“

Der Baron lächelte kurz. „Ich werde meinen Haushofmeister ausschicken, damit er ein ernstes Wort mit den Fischern spricht, und ihnen dringend ans Herz legen lassen, dass sie meine Büttel informieren, wenn der Pirat wieder auftaucht. Was diesen anbelangt - nun, ich habe tapfere Edle, die sich in meinem Auftrag darum kümmern werden.“ Er blickte in die Runde. „Oder etwa nicht, meine Vasallen?“
Orinka schaute vorsichtig ihre Begleiter an, nickt dann lächelnd und verbeugte sich. Aidan stand stramm und nickte einmal zackig, militärisch.
Ein wenig in Gedanken versunken nickte Isavena beiläufig auf die Pläne des Barons. Dann suchten ihre Augen unwillkürlich die drei Adeligen, die zwischendurch vom Jagdgeschehen verschwunden waren. Ziemlich unverblümt fragte die Knechtstetterin frei heraus in Richtung der Fuchsgauer Vögtin von Bitterberg, als auch zum Junker von Treuenbronn und den Edlen von Kronau, die beide direkte Vasallen des Barons von Kyndoch waren: „Und was hatten die Herrschaften in dem Kleinen Weiler, fern ab des Jagdgeschehens zu besprechen? Ich muss zugeben, es war sehr ungewöhnlich ihro Wohlgeboren zusammen aus der Hütte irgendwo im Nirgendwo heraus kommen zu sehen.“ Die gutaussehende Vögtin Hadelind von Bitterburg räusperte sich.
„Wir haben Rast gehalten.“ erklärte sie mit hochnäsiger Stimme. „Den gesamten Tag auf Jagd zu sein ist ermüdend. Sie fixierte Isavena mit wachen Augen. „Ist dies jetzt auf einmal unangemessen?“ Eine Braue der knechtstetter Junkerin hob sich unwillkürlich. Den Blick standhaltend entgegnete Isavena mit deutlich ungläubigen Unterton: „Rast gemacht in einer Bauernkate, weit ab vom Jagdgeschehen? Wäre da nicht ein Picknick auf einer Wiese und bei dem schönen Wetter unter freiem Himmel viel angenehmer gewesen?“ Dann winkte sie ab „Das kommt mir etwas fadenscheinig vor, aber Ihr könnt natürlich tun, was euch beliebt.“ Anschließend verschloss Isavena weitere Gedanken in ihrem Kopf mit einem Schluck Wein aus ihrem Kelch.

„So ist es. Wie es uns beliebt.“, fügte Gerdor von Hamrath, Edler von Kronau, hinzu. Es war offensichtlich, dass ihm die Vögtin etwas bedeutete. Auch der dunkel gekleidete Junker von Treuenbronn, Dankrath von Schleckenbronn, regte sich. „Nicht jedem mag ein romantisches Picknick liegen. Und wie sich zeigte, hatte schon der Herr Boron mit einer Edlen ein Treffen auf einer Wiese.“
Elko war verwirrt von dem Austausch zwischen Isavena und Hadelind. Er hatte das Geschehen bei der Bauernkate nur indirekt aus den Berichten der anderen mitbekommen und sich nicht viel dabei gedacht. Isavenas Anklagen weckten nun aber auch in ihm ein Misstrauen. Waren die drei Gäste womöglich in das Geschehen um seine Gutsherrin verstrickt? Aber nein - Gundula von Zweigensang war an einem Stück Apfel erstickt, ein Unfall. Und schliesslich waren Hadelind von Haffenberg, Dankrath von Schleckenbronn und Gerdor von Hamrath tapfer mit den anderen zum Entsatz mitgeritten. Dieser Gedanke weckte in Elko das Bedürfnis, die unangenehme Spannung im Raum zu lösen. Er wandte sich an die gesamte versammelte Gemeinschaft und sprach: „Bitte verzeiht mir meine Nachlässigkeit - im Eifer des, nun ja, Gefechtes bin ich noch gar nicht dazu gekommen, mich zu bedanken. Hiermit will ich nun aber der gesamten Jagdgesellschaft inständig meinen verbundesten Dank aussprechen dafür, dass ihr mir und Herrn Xorgolosch alle so tapfer und ohne Zögern zu Hilfe geeilt seid!„ Er stellte sicher, dass er allen einmal in die Augen sehen konnte und verbeugte sich dann tief.

Auf diese Worte konnte der Angroscho auch nur kurz in die Runde nicken. Xorgolosch war gedanklich noch viel zu sehr mit dem kurzen Gespräch zwischen der Junkerin von Knechtstett und den drei Edlen, die sich während der Ereignisse abgesondert hatten, beschäftigt. Diesen Faden der Ereignisse hatte er völlig verdrängt. Die abschätzende Redensart, dass die Edle von Tannwald ja ein Picknick mit Boron gehabt hätte zeigte dem Angroscho deutlich wie es um die Beliebtheit der nun Verstorbenen in dieser Baronie stand. Selbst der Baron griff bei diesen Worten nicht ein oder sorgte für einen andächtiges Moment für die Edle.

Meginhard von Scharzdorn lächelte zufrieden. Diese verwirrenden Ereignisse hatten also doch zu einem versöhnlichen Ende geführt. Zwar war eine Edle verschieden, die jedoch, das musste er sich eingestehen, nicht allzu beliebt gewesen war, aber zeichneten sich für deren Ableben weder seinesgleichen noch die Piraten verantwortlich, sondern alleine die Götter. Zudem schien der junge Mann, welcher sich anschickte, der neue Edle von Tannwald zu werden, von aufrechtem Herzen zu sein. Meginhard atmete tief durch, blickte versonnen im Raum umher und nickte sich dabei zufrieden selbst zu.

Das Bankett

Als die wichtigsten Dinge besprochen und die Vorspeisen aufgeräumt waren, trugen die Diener und Vasallen den ersten Hauptgang auf. Mit einer Wolke herrlicher Gerüche servierten sie ein dunkles Ragout von Reh und Hase mit Waldpilzen geschmort, dampfende Serviettenknödel sowie einen passenden dunklen Geron, einer jener Weine aus dem Elenviner Land, die nur selten in den Verkauf über die Grenzen hinaus gelangten, da sie üblicherweise ihren Weg in die Keller der Weinliebhaber unter dem ortsansässigen Adel fanden. Ehe die Gäste begannen, zu schmausen, erhob sich der Baron.

„Ihr habt Euch als getreue Streiter und aufrechte Leute von Stand erwiesen, meine Gäste. Wie ihr wisst, habe ich nicht allein zur frohen Jagd nach Kyndoch geladen. Ich möchte euren Rat - und eure Vorschläge. Mein Hof besitzt vakante Stellen, die zu Füllen mir ein Anliegen ist. Seitdem mein Leibdiener vor einiger Zeit vom Boronsschlag getroffen wurde, ist diese Stelle verwaist. Auch zeigte sich, dass es viel Arbeit für nur eine Person ist. Darum wünsche ich mir zwei anstellige Leute von Stand und Adel, die hierfür an meiner Seite stehen und mir vertraut werden. Ebenso benötigt mein Hof einen fähigen Scriptor - oder eine Skriptorin, ebenso wie eine Stallmeisterin und, so sich dies fügt, eine Burgoffizierin, die meine Wachen ausbildet und führt, sowie einen Waffenmeister zu deren Rechter. Auch einen Ritter oder eine tapfere Ritterin an meinem Hofe heiße ich willkommen“ Er musterte die Anwesenden aus klaren Augen.

„Habt Ihr Kunde von fähigen Mitgliedern Eures Hauses, die euch hierfür geeignet deuchen und Dir ihr an unseren Hof schicken mögt, auf dass sie mit ihrem Dienst Ehre auf Euer Wappenschild tragen?“ Elko blickte nachdenklich seinen Bruder an. Ihm war nur zu bewusst, dass sein jüngerer Bruder schon länger damit haderte, was aus ihm werden solle. War dies die Gelegenheit, Ebro endlich etwas Struktur zu schenken? Andererseits: Nun da auch noch seine Gutsherrin verschieden war, konnte Elko jede Hilfe auf Tannwald brauchen. Wäre es wirklich angebracht seinen Bruder nun fortzuschicken? Ebro bemerkte Elkos Blick und erwiderte ihn fragend. Elko überlegte kurz und machte seinerseits eine suggestive Nickbewegung in Richtung des Barons, um seinem Bruder anzudeuten, dass es hier eine Möglichkeit für ihn gäbe. Da meldete sich die schwarzhaarige Edle von Steinbrücken zu Worte. „Euer Hochgeboren, solltet ihr jemanden einstellen wollen der des Rechnens und des Schreibens äußerst kundig ist, so kann mein Haus jemanden fähigen stellen, aber auch einen fähigen Cellarius. Der Handeln liegt sozusagen uns Kieselgrundern im Blute und die weise Göttin Heshinja hatte schon immer ein wohlwollendes Auge auf uns.“ Liafwin lächelte die Edle an. „Und wen würdet ihr mir als Skriptorin anempfehlen? Beschreibt mir die Person. Er kniff leicht die Augen zusammen. „Ihr sprecht die Weise Herrin eigenartig aus.“ „Verzeiht, Hochgeboren. Die Zunge meiner Mutter, sprich die Sprache meiner Vorfahren, die Alhani, bricht sich noch oft Bahnen.“ Orinka versuchte nun ihren Akzent zu unterdrücken. „Meine Base, Tochter einer Hesch… Hesindegeweihten, ist eine gelehrte Scriptorin. Sie ist in meinem Alter und wir sind uns auch sehr ähnlich.“ „Nun denn, dann schickt die Dame an meinen Hof, auf dass sie sich vorstellen möge. Ich bin sicher, wir werden miteinander auskommen.“
Einige zufriedene Fältchen bildeten sich in den Augenwinkeln des Barons, als er die Edle von Steinbrücken anlächelte.

Isavena hielt sich bei dieser Art von Frage eher zurück, zumal sie als weit angereister Gast wohl eher wenig dem Baron helfen konnte. Sie hatte aber ein sehr amüsierten Gesichtsausdruck, während sie sinnierend vor sich den Tisch betrachtete. Der Gesichtsausdruck blieb nicht unbemerkt. Xorgolosch versuchte kurz hinter die Gedanken der Edlen auf der anderen Tischseite zu kommen. Dabei bemerkte er, dass auch er unbewusst den Blick Richtung Tisch gesenkt hatte. Er blickte darauf hin auf und suchte den Blick des Barons. „Euer Hochgeboren, bereits als ich Eure Einladung erhalten habe - für die ich mich noch einmal ausdrücklich bedanken möchte - hatte ich mir Gedanken für Eure vakanten Stellen gemacht. Derzeit ist mein Lehen jedoch sehr … wie soll ich es ausdrücken … es ist wie ein perfektes Zahnwerk eines Lorenaufzuges. Jedes Zahnrad ist perfekt abgestimmt, daher kann ich niemanden entbehren. Direkte Nachfahren habe ich nicht und die, nennen wir sie freien Zahnräder, also Verwandte meines Stammes sind teils weit entfernt. Ich kann aber auch dort Aug‘ und Ohr für Euch offen halten. Ich kann aber anbieten meinen Wachtmeister, meinen Bruder Fratam, ebenfalls ein Sohn des Fuldoram, für Ausbildungszwecke für eine Weile zur Verfügung zu stellen. Er könnte den Kyndocher Hof in der Ausbildung von Armbrustschützen unterstützen.“
Immerhin würde er dann vielleicht auch noch den Ausgang der Piratenverschwörung durch seinen Bruder erfahren. Erstaunt über das gehörte hob Isavena den Blick und betrachtete den Zwergen. Ein leise gemurmeltes „Hört hört“ entfuhr ihr und achtungsvoll nickte sie dem Zwergen kurz zu. Sie war gespannt, ob der Baron ein Trupp von Armbrustschützen begrüßen würde.
„Tut dies sehr gerne, Euer Wohlgeboren. Wer könnte zum Angebot, die Landwehr von einem schlagkräftigen Angroscho inspiziert und die Wache von diesem geschliffen zu bekommen ‚nein‘ sagen?“ Wohlwollend nickte der Baron dem Zwergen entgegen. Angroscho in der Garde hatten die Isenhager Freiherren nur selten - doch die anderen Adligen noch sehr viel weniger, so dass er durch diese Errungenschaft in einen kleinen, erlauchten Kreis aufstieg.
„Euer Hochgeboren“, ergriff Elko das Wort, nachdem er ein bestimmtes Kopfnicken seines Bruders empfangen hatte, „wenn Ihr erlaubt würde ich Euch gerne meinen Bruder Ebro zum Stallmeister empfehlen.“ Er deutete auf seinen Bruder, der seinerseits den Baron ernst ansah. Elko fuhr fort: „Er liebt die anmutigen Tiere und versteht sich seit Kindestagen an ausgezeichnet auf den Umgang mit ihnen. Man könnte fast meinen, er wäre auf dem Rücken eines Pferdes geboren.“

Unter vier Augen

Am Morgen des nächsten Tages bat der Haushofmeister Elko von Flussgrund in die Schreibstube des Barons. Es war ein hoher, großer Raum, mit einer Holzvertäfelung, die bis unter die kunstvoll geschnitzte und bunt bemalte Decke aus dunklen Holzbalken reichte. Die Fenster waren verglast und mit bunten Scheiben belegt, und der Kamin, der eine Stirnseite beherrschte, besaß filigrane Steinmetzarbeiten in seinem Fries aus einem hellen, fast weißen Stein. Der Schreibtisch des Barons war reich verziert, aus dunkelbraunem Holz und ruhte auf gewaltigen geschnitzten Löwenpranken. Das Schnitzwerk wiederholte sich auf dem hohen, mit goldbesticktem, roten Samt gepolsterten Stuhl des Landherrn.
Vor dem Schreibtisch war ein nicht ganz so prachtvoller, aber ebenfalls mit Samtpolster verzierter Stuhl aufgestellt.

Liafwin der mit dem Rücken zur Tür stand und aus dem Fenster zu seinem Rücken, das dals Bunte Glasarbeit das Wappen der Baronie trug, geblickt hatte, wandte sich um, als Elko den Raum betrat. „Setzt Euch, Flussgrund.“ bot er ihm den Platz.
„Es freut mich, dass Ihr meiner Einladung gefolgt seid.“ Elko deutete eine beflissene Verbeugung an und antwortete: „Selbstverständlich, Euer Hochgeboren. Es ist mir eine Ehre.“ Vorsichtig nahm er Platz. Liafwin betrachtete den Adligen und trat hinter seinen Schreibtisch. „Ihr seid mir als aufrechter und anstelliger Mann bekannt, Flussgrund.“ Der Baron ließ die Worte einige Atemzüge lang wirken. „Ich weiß, dass ihr ein Edlengut zu führen versteht - ihr wart meiner Edlen lange Zeit ein getreuer Kämmerer. Seid ihr gewillt, mir künftig als Edler von Tannwald zu dienen?“ Elko schluckte.

Er hatte während des Banketts die womöglich bevorstehende Entscheidung schon abgewägt. Einerseits hatte er schon als Kämmerer alle Hände voll zu tun gehabt und war zusätzlich durch die Pflege seiner Mutter schwer belastet. Da schien es auf den ersten Blick kaum mehr Kapazitäten zu geben, um noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Andererseits lag der Grund für seine starke Auslastung eigentlich eher darin, dass Gundula von Zweigensang die allermeisten Tannwalder Angelegenheiten ohnehin schon Elko überlassen hatte - weit über die eigentlichen Pflichten des Kämmerers hinaus. Darüber hinaus führten die wenigen Entscheidungen und Amtshandlungen die die Edle selber traf fast immer zu Problemen die Elko wieder eindämmen oder ausbaden musste. Ja, er hatte sich schon oft gedacht - auch wenn er sich diese Gedanken nur ungern eingestand - dass mit einigen geschickten Massnahmen in der Gutsverwaltung so einiges deutlich einfacher, reibungsfreier und effizienter ablaufen könnte. So betrachtet würde die Belehnung ihm zwar mehr Verantwortung aufbürden, aber seine Arbeitslast insgesamt deutlich mindern. Von diesen Überlegungen einmal abgesehen wäre es ohnehin kaum denkbar, ein direktes Angebot des Barons ohne wirklich gute Begründung abzulehnen. Also nahm er kerzengerade Haltung an, blickte dem Baron in die Augen und sprach: "Eure Worte ehren mich, Euer Hochgeboren. Ich werde das Vertrauen, das ihr mir entgegen bringt nicht enttäuschen. Mit Stolz und Freude will ich Euch ein treuer Vasall sein und das Gut Tannwald nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne Kyndochs verwalten."

Ein ehrliches Lächeln erhellte das Gesicht des Barons. Er erwiderte den direkten Blick Elkos. „Dann wird es so sein, Flussgrund - ihr werdet in meine Dienste treten. Die Belehnung wollen wir morgen vornehmen, vor den Augen meines Kaplans und aller Gäste.“
Das kurze Zögern seines künftigen Edlen war dem Baron in des nicht ergangen. „Gibt es etwas, das ihr mir sagen wollt?“

„Nun ja, Euer Hochgeboren, ich will zugeben, dass ich im ersten Moment vor dem Gedanken zurückschrak, meinen Verantwortlichkeitsbereich zu erweitern. Ihr müsst wissen, dass ich nebst meinen amtlichen Tätigkeiten reichlich absorbiert bin mit der Pflege meiner Mutter.“ Elko stockte kurz - er hielt es eigentlich für äusserst unschicklich, dem Baron seine persönlichen Sorgen vorzutragen. „Ah, aber dies ist überhaupt nicht von Belang!“, ergänzte er schnell. „Ich bin überzeugt davon, dass ich die Verwaltung Tannwalds effizient gestalten kann und Euch mit meinem Dienst alle Ehre erweisen werde.“ „Das freut mich. Ich bin mir gewiss, Ihr werdet Eure Aufgaben vollständig meistern.“ In den Augen des Barons blitzte insgeheime Belustigung. Hätte er nicht erwartet, dass der Flussgrunder einen loyalen und fleißigen Edlen abgäbe, so hätte er ihm den Vasalleneid nicht angeboten. Doch so blickte er zufrieden in die Zukunft. „Lasst uns dies mit einem guten Glas Wein besiegeln! Ich habe einen Elenviner hier, den Ihr einmal probieren solltet - er steht einem Yaquirtaler in nichts nach.“ Und stammte aus Fuchsgau - aber irgendein Problem gab es mit einem solch guten Wein ja immer. Auf einen Wink des Barons hin trat ein Diener, der bisher an der Tür ausgeharrt hatte, vor und kredenzte beiden einen Kelch eines tiefroten schwarzen Gerons, der hielt, was sein Bukett versprach.

Der schwere Kelch in der Hand erinnerte Elko unweigerlich an den Pokal in den Fängen der Piraten, die beklemmende Angst, die er in Scanlairs Nähe verspürt hatte. Davor der Tod seiner Gutsherrin. Wahrlich, die Ereignisse hatten sich heute überschlagen. Überhaupt waren die letzten Jahre für Elko geprägt gewesen von Schicksalsschlägen. Er fühlte sich wie ein Spielball der Götter, wild hin- und herkatapultiert. Trotz allen Bemühungen immer alles richtig zu machen und göttergefällig zu leben konnte er nie abschätzen was die Weltals nächstes für ihn bereitzuhalten schien. Ihm schwindelte. Doch wie so oft in seinem Leben verlangten die äusseren Umstände von ihm ein Verhalten, dass sein innerliches Befinden überdeckte. So hob er also den Kelch und sagte: „Auf Euch!“

Der Abschied

Der nächste Morgen brachte Nebel mit sich, der aus den Wiesen und von Fluss aufstieg und alles in weiches Zwielicht tauchte. Die Luft roch nach Herbst, feuchtem Laub und nasser Erde und brachte das Versprechen auf einen goldenen Spätsommertag mit sich. Nach dem Frühstück versammelten sich die Gäste im Saal der Efferdswacht.

Der gesamte Hofstaat des Barons war ebenfalls anwesend, und Phexhilf von Birkenbruch, der Haushofmeister, stand an einem Stehpult und blickte über ein aufgeschlagenes Buch, neben dem Tintenfass und Federkiel standen, in den Raum. Schließlich trat der Baron ein und schritt an die Stirn des hohen Raumes.

Es wurde still. Das sanfte, nebelgefilterte Licht, in das sich die ersten Strahlen des Praiosmals mischten, drang durch die hohen, verglasten Fenster und ließ die Staubteilchen in der Luft leuchten. „Meine Gäste. Wir haben zusammen gejagt, ihr habt gegen Piratenpack gefochten und wir haben gemeinsam den Tod meiner Edlen von Tannwald bedauert.

Doch will ich meiner Pflicht und Recht dem Herrn Praios gegenüber Genüge tun und dafür sorgen, dass das schöne Edlengut Tannwald wieder eine ordnende und führende Hand erhält, die für Recht, Ordnung und Frieden sorgt. So tretet bitte vor, Herr Elko von Flussgrund.“
Elko trat vor; innerlich nervös, äusserlich einigermassen gefasst.
Der Baron lächelte und trat einen Schritt nach vorn. „Kniet nieder, mein Getreuer von Flussgrund.“ Der Kaplan, der neben Birkenbruch nach vorne getreten war, wies Elko dezent auf den Platz direkt vor Liafwin von Fadersberg. Der Baron reichte Elko seine Hände, auf dass dieser seine in der uralten Schwurgeste eines Vasallen in jene lege. Elko kniete andächtig nieder und legte seine Hände in die ihm dargebotenen. Liafwin hob seine Stimme.

„Vor den Zwölfen und allen anwesenden Zeugen tue ich, Liafwin von Fadersberg, Baron von Kyndoch, kund und zu wissen: Mein hier kniender treuer Gefolgsmann, der wackere Elko von Flussgrund, ehelicher Sohn von Sabea und Praiophan von Flussgrund, vormalig Kämmerer des Edlenguts Tannwald, will ich anvertrauen das Gut Tannwald in meinen Landen Kyndoch. Dies will ich tun mit allen Rechten und Pflichten, wie es zuvor vergeben war. Sämtliche in Eurem Lehen ansässigen Unfreien seien Euch zu Obhut und Fürsorge anvertraut, und auch die bisherigen Regale, aber auch Fronen, Gülten, Zölle und weiteren Abgaben sollen in gleicher Form und Höhe weiterbestehen.

In Kriegszeiten und bei Fehden, wann immer ich Euch zu den Waffen rufe, werdet Ihr Euch verpflichten, Euren Schwertarm und Schild, Euer Ross, sämtliche Ritter in Eurem Gefolge und sämtliche sonstigen Gefolgsleute, welche Ihr Eurem Range gemäß ins Felde zu führen habt, im Sinne Praios und Rondras und ihrer zehn göttlichen Geschwister mir zuzuführen. So das Land selbst bedroht ist, werdet Ihr, Herr Elko, die Landwehr mit der gegebenen Zahl verstärken. Abgesehen davon wird die Landwehr nur auf mein Geheiß Euer Lehen verlassen, sei es zur Landwehrübung oder anderem Zwecke. Meine Rechte und Ansprüche als Baron von Kyndoch werdet Ihr, Herr Elko, anerkennen und werdet diese mit Wort, Tat und Schwert verteidigen. Ihr werdet mir gegenüber stets wahr und treu sprechen und nicht schweigen, wo Euer Wort geboten ist.

Und so werde ich, Liafwin von Fadersberg, Baron von Kyndoch, mich zum Schutze von Wohl und Ehre von Euch, meinem Vasall, verpflichten. Nach meinem Tode gelobt Ihr, dem nächsten rechtmäßigen Baron von Kyndoch, Euren Lehnseid zu leisten. Im Gegenzug für Eure aufrichtige Treue und Eure Dienste verpflichte ich, Liafwin von Fadersberg, Baron zu Kyndoch, mich, fürsorglich über Euch zu wachen und Hilfe zu gewähren, so Ihr unverschuldet in Not geraten seid und mich um Beistand ersucht. Des Weiteren verpflichte ich mich, zum Schutze von Wohl und Ehre über Euch zu wachen und Euch zu verteidigen, bis Eure Schuld bewiesen sein sollte.“

Der Kaplan des Herrn Praios trat vor und sprach, seinen Blick unverwandt auf den Baron und seinen Vasallen gerichtet, mit sonorer Stimme: „Bestrebt sollt Ihr sein, die Gebote der Zwölfe, allen voran des Götterfürsten Praios und der himmlischen Leuin Rondra, zu befolgen und zu wahren. So gelobt nun vor dem himmlischen Richter, dem Fürsten der Götter, dem Herrn Praios!“ Elko begann mit trockener Kehle mit dem Treueschwur, den er fleissigst verinnerlicht hatte, seit er ihn gestern Abend vom Haushofmeister Birkenbruch vordiktiert bekommen hatte: „Hiermit schwöre ich, Elko von Flussgrund, und gelobe all dies. Euch, meinem Herrn Liafwin von Fadersberg, treuer Vasall des Herzogtums Nordmarken, Gefolgschaft im Felde und zu Hofe, wahrhaftigen Rat und Lehnstreue und schwöre auf Praios und seine zwölfgöttlichen Geschwister, Euch zeitlebens ein getreuer Vasall zu sein.“ Als Elko geendet hatte, ergritt erneut der Baron das Wort. Seine Worte hallten durch den stillen Saal. „Und ich, Liafwin von Fadersberg, Baron von Kyndoch, gelobe Euch Schutz und Treue als meinem getreuen Gefolgsfrau, in ergebener Treue gegenüber den Zwöflgöttern und den Nordmarken. Hiermit übergebe ich Euch zum Lehen mein Gut Tannwald bis zu Eurem Tode unter den genannten Bedingungen. Bei Bruch Eures Eides vor den Zwölfen und gegen mich als Euren Lehnsherrn sei dies und alles damit Verbundene auf der Stelle verwirkt. So sei es!“

Elko schloss andächtig die Augen in Erwartung der Anrufung der Zwölfe durch den Kaplan. Der Angroscho lauscht ebenfalls von etwas Entfernung dem Treueid. Er streckte sich etwas um besser sehen zu können. In diesen Momenten war er innerlich ergriffen und erinnerte sich an seinen eigenen Schwur. Auch wenn ihm und Barox, seinem Vogt von Brüllenbösen, bereits zuvor eine innige Freundschaft verband, so schmiedete dieser Eid ihre Bande noch fester zusammen. Was Angrosch zusammen schmiedete vermochte kein anderer Schmied mehr zu trennen. Die Knechtstetter Junkerin folgte dem Eid weitestgehend wohlwollend lächelnd. Doch die Worte erzeugten in ihr auch eine gewisse Unannehmlichkeit, führten sie doch ihre eigenen Schwachpunkte im Junkergut mal wieder vor Augen. Etwas unbehaglich sah Isavena daher mal hier hin, mal dort hin und wirkte an sich etwas ungeduldig. Doch immer wieder fand ihr Blick zu Elko, der nun zum Edlen berufen wurde, und die Freude für ihn überwog wieder.

Seine Gnaden Ratsburger hob die Hände gen Alveran. Seine Stimme gewann an Volumen und Kraft, als er sprach: „Heiliger Herr Praios, blicke auf uns hernieder und segne diesen Schwur! Seine Worte, ihr Sinn und Ihre Bedeutung sollen fortan heilig sein. Aus freien Stücken, ohne Dunkelsinn und Tücke im Geist, wurde er geschworen und sei Dir anempfohlen. Wer diesen Schwur tut, um seine Bedeutung zu verzerren, dem anderen seinen Willen aufzwingt oder den heiligen Eid schließlich bricht, den möge Deine göttliche Strafe ereilen! Mögest Du über diesen Bund wachen und Dein Segen auf ihm liegen! So sei es!“

Durch die Fenster drang das Licht des Praiosmals, das seinen Sieg über den Nebel verkündete und einen sonnigen, strahlend schönen Spätsommertag ankündigte, voll des Jubels über den neuen Vasallen des Herrn über Land und Leute. „Steht auf, Edler von Tannwald. Und willkommen in meiner Familia.“ Liafwin reichte Elko die Hand und klopfte ihm auf die Schultern, sichtlich zufrieden mit dem Stand der Dinge. Ermuntert durch die zufriedene Art des Barons, gewann sich auch Elko ein Lächeln, ja einen Seufzer der Erleichterung ab, nun da das Zeremoniell vollzogen und die damit verbundene Anspannung von ihm abfiel. Er blickte in die Runde der Anwesenden und es überkam ihn ein seltsames Gefühl. Noch gestern war er sich kleiner als die anderen vorgekommen. Lediglich Anhängsel und Diener der eigentlich geladenen Gundula von Zweigensang. Nun jedoch realisierte er plötzlich dass er nun auf Augenhöhe mit den anderen Jagdgästen stand.

Nacheinander nickte er ihnen zu: Dem tapferen Xorgolosch, mit dem er sozusagen im Rachen des Drachens steckte und gerade noch entkommen war. Dem ernsten Vogt von Schlehbronn, der auf ihn einen fast väterlichen Eindruck machte. Die mutige Isavena von Leuenstolz, die ihn vom Steg gerrettet hatte.
Xorgolosch, immer noch sehr überwältigt von der Zeremonie, empfand Stolz für den jungen Elko. Nach der Vergangenheit, durch die sich der nun zum Edlen ernannte von Flussgrund durchbeißen musste, hat er etwas erreicht, was er sich selbst wohl nie erdacht hätte. Die gemeinsam durchstandene Situation am Steg wird noch oft in den hiesigen Landen und seiner Heimat erzählt werden. Seine ungewolltes, gar fast tödliches, Bad und seine Rettung von den mörderischen Pflanzenranken unter der Wasseroberfläche wird der Zwerg zukünftig geflissentlich verschweigen.
Meginhard von Schwarzdorn sah sehr zufrieden aus und er erwiderte das Nicken des jungen Edlen. Einen Impuls folgend begann Isavena spontan zu applaudieren, als der zeremonielle Teil zu Ende war. Sie war sichtlich gerührt. Hin und wieder wischte sie sich verstohlen den feucht werdenden Augenrand trocken und strahlte Elko beeindruckt an. Der Firungeweihte wurde durch den spontanen Applaus von Isavena aus seinen Gedanken ob der Wendung in Elkos Leben und was diese für ihn zu bedeuten habe gerissen. Er erinnerte sich an den Firuntempel, den die alte Apfelfresserin so zerfallen liess, dass er kaum noch als Tempel erkennbar war. Er würde Elko anbieten, dem heiligen Ort neues Leben einzuhauchen. Für ihn selbst überraschend klatschte er dreimal in seine massigen Pranken.

Zur Mittagsstunde kam der Abschied und die meisten der Gäste brachen auf. Nicht wie geplant war die Jagd verlaufen - und doch hatte sie die Geladenen zu einer Gemeinschaft verbunden. Jeder war sich gewiss, dass dies nicht das letzte Zusammentreffen auf der Efferdwacht gewesen sein würde und ihnen die Freundschaft des Barons geschenkt worden war. Und doch ahnte ein jeder, dass ihr oder ihm in dem Piraten Scanlair auch ein ganz persönlicher Feind für die Zukunft erwachsen war, mit dem sich die Wege sicher noch weitere Male kreuzen würden. Mochte auch diese Feierlichkeit ihr Ende gefunden haben - es war nur die erste Perle auf einer Kette an Begebenheiten, die Satinav für die mutigen Edlen bereit hielt.

Das Wissen um die Piratenbande besorgte den Vogt von Schlehbronn, wurde insbesondere der Weiler Faroldsheim in seinem Gut schon das ein oder andere Mal Opfer von Überfällen durch Flusspiraten. Wobei es in den letzten Götterläufen, den Göttern sei gedankt, nicht wieder vorgekommen war, dass man das Örtchen überfiel. Da schoss Meginhard von Schwarzdorn ein Gedanke in den Kopf: Was, wenn die Bewohner Faroldsheims ebenso wie diese armen Fischer von den Piraten gezwungen wurden, ihnen zu helfen? Wir könne er dies herausfinden? Grübelnd ritt er die Reichsstraße Richtung Süden. Wahrlich, diese Jagdgesellschaft hatte ihm einiges zu Denken gegeben!

Für Elko war die Zeit vor der Abreise vollgepackt mit Arrangements im Zusammenhang mit dem Versterben seiner einstigen Gutsherrin. Verwandte mussten benachrichtigt, der Transport des Leichnams geregelt werden. Der jüngere Bruder Ebro hingegen genoss die verhältnismäßig ereignisarmen Stunden mit der übrigen Jagdgesellschaft. Nun, da sein Bruder so unerwartet in den Kreis der Edlen aufgestiegen war, legte er deutlich mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit den anderen an den Tag.

Als die Brüder schliesslich rittlings den Heimweg antraten, sprachen sie lange kein Wort und hingen beide langen Gedankenketten nach. Viel hatte sich für sie verändert. Erst als sie das baronische Gut hinter sich gelassen hatten, warf Ebro seinem Bruder einen herausfordernden Blick zu. Sobald Elko den Blick bemerkte, spornte Ebro sein Pferd an. Elko zögerte nicht und jagte dem jüngeren Bruder in verspieltem Wettstreit hinterher - ganz so wie sie es schon in jungen Jahren zu tun gepflegt hatten. Waldemar ritt den beiden Brüdern gedankenversunken hinterher. Er dachte über die neuen Queste nach, die ihm der Alte vom Berg zu übertragen schien. Als die beiden jungen davonjagten schaute er ihnen eine zeitlang nach und spürte tief in seinem Inneren den ganz eigenen Zauber eines Neuanfangs.

Der Heimweg nach Knechtstett lag lang vor ihr, doch Isavena schätzte sich glücklich, ihren Stallmeister Fredo bei sich zu haben. Während sie den mitgebrachten Sperber noch als Abschiedsgeschenk dem Baron übergeben hatte, waren ihrer beider sieben Sachen von Fredo schnell gepackt worden. Junkerin und Stallmeister saßen auf dem Kutschbock, während Isavenas Lieblingspferd Eppo angebunden hinten drein zockelte.

Beide hatten sich lange nicht wirklich mehr unter vier Augen unterhalten, waren die Ereignisse doch so fesselnd gewesen. Jetzt aber, während die Kutsche rumpelnd gen Süden fuhr, sah man eine sehr redselige Junkerin wild gestikulierend neben ihrem guten Freund sitzen und in einer atemberaubenden Lebhaftigkeit von den Einzelheiten der Ereignisse erzählen. Der Stallmeister lächelte beseelt.

Entlang der Rodasch sah man den Zwerg neben seinem Pony einhergehen. Er führte sein „Mädchen“ an den Zügeln und paffte an seiner Pfeife. Bald wäre er in den Brüllenbösener Ländereien.
„Gut, dass du am Heimweg nicht mehr so viel zu schleppen hast.“, sprach Xorgolosch zu seiner Weggefährtin und blickte auf den leeren Karren, der an das Pony geschirrt war.
„Der Baron wird von dem Bier begeistert sein.“ sprach er dann schon wieder mehr zu sich selbst. Immer noch kamen ihm Gedanken über die Vorfälle der letzten Tage, aber langsam freute er sich wieder auf seine Stube in seiner Burg. Wie hatte sich die Konzentration von Metall in den Erzen seiner Minen geändert? Wurde endlich wieder auch gediegenes Silber gefunden? Leicht schmunzelnd lief er still weiter und paffte weiter seine Wölkchen, die sich schon bald im leichten Wind verwehten.

~ finis ~