Dorf Saubach

Beschreibung

Saubach ist ein kleines, gedrungen wirkendes Dorf mit rund hundertfünfzig Einwohnern, das sich eng an den alten Karrenpfad schmiegt, der aus der nordöstlich gelegenen Junkerei Ulenau herabführt und sich serpentinengleich weiter nach Süden in Richtung Schweinsfold windet. Wer sich Saubach nähert, hört es meist, bevor er die ersten schiefen Schindeldächer zwischen den Hangbiegungen erkennt: Das stetige, lebendige Plätschern des Saubächles, das mitten durch den Ort rinnt, begleitet von dem gemütlichen Grunzen der Herden, die hier seit jeher das Rückgrat des Dorfes bilden. Das Bächlein gilt den Saubachern als Herz ihrer Gemeinschaft – ebenso sehr, wie es ihnen regelmäßig Flüche entlockt, wenn es nach einem Sommergewitter anschwillt, über die niedrigen Ufer tritt und mit kindischer Bosheit das ein oder andere Holzfass oder Werkzeug davonträgt. Man sagt im Scherz, der Saubächle habe einen eigenen Willen, und wer ihn beleidige, dessen Sauen würden sich im Wald verlaufen.

Die Saubacher gelten als treue, bodenständige Menschen, deren Leben seit Generationen vom Rhythmus der Schweinezucht, der Räucherkammern und des Pfadverkehrs bestimmt wird. Es heißt, man erkenne Saubacher schon von weitem am Duft, den sie mit sich tragen: eine herzhafte Mischung aus Stall, Heu und den allgegenwärtigen Räuchereien, die sich den Hang hinaufziehen. Ihr Räucherschinken genießt im ganzen Junkergut einen hervorragenden Ruf und soll sogar gelegentlich den Tisch der Baronin zieren. Trotz ihrer etwas derben Art sind die Dorfbewohner hilfsbereit, vor allem gegenüber Reisenden, die den Karrenpfad entlangziehen und auf den Schutz und die Versorgung des Dorfes angewiesen sind. Der Pfad selbst ist die Lebensader Saubachs – ein holpriger, oft morastiger Weg, von uralten Karrenspuren durchzogen, auf dem Händler, Treiber, Holzfäller und manchmal sogar Geweihte verkehren. Kaum jemand passiert ihn, ohne dass die Menschen im Dorf ein Auge darauf hätten.

Ein eigentlicher Dorfplatz existiert nicht; stattdessen steht alles dort, wo es die Hanglage, der Bachlauf und die Sturheit der Bewohner erlaubten. Das plätschernde Zentrum bildet die Brunnstube, ein steinernes Becken, über das klares Wasser aus einer Seitenader des Saubächles geleitet wird. Hier wäscht man Wäsche, tauscht Neuigkeiten aus und erzählt sich die Geschichten, die ein Dorf wie Saubach am Leben halten. Gleich daneben liegt die wohl bekannteste Räucherei der Gegend, die Saustiegel-Räucherei, aus deren schiefen Schindelbrettern beinahe ununterbrochen Rauch aufsteigt. Ihr Meister, der alte Rotsch, gilt als ein halbes Original und als einziger Mensch, der den Saubächle angeblich „zur Ruhe reden“ kann.

Wer auf dem Karrenpfad reist, kehrt meist im Gasthof „Zum grunzenden Marsch“ ein, einem einfachen, aber wärmenden Ort, in dem Ungolf, ein stämmiger Wirt mit einer Stimme wie ein Hafenmeister, das Zepter schwingt. Seine Frau Lania ist bekannt für Speisen, die so kräftig sind, dass man sagt, ein Oger könne davon satt werden. Weiter oberhalb, nahe der Waldlinie, liegt ein kleiner Weiler aus verstreuten Höfen, deren Bewohner sowohl den Pfad als auch den Wald im Blick behalten und als erste bemerken, wenn sich etwas Ungewöhnliches im Dickicht regt.

Wie überall in den Nordmarken tragen auch die Saubacher ihre kleinen Sagen und Geschichten mit sich. Man raunt, dass der Saubächle in manchen Nächten einen rötlichen Schimmer annehme – „wie’s halt bei Hexennächten so is’“. Man erzählt von wandernden Lichtern im nordöstlichen Wald und von einem Reisenden, der dort vor Jahren spurlos verschwand. Und man munkelt, der neue Junker Barnabas möge ja ein netter junger Herr sein, aber vom Schweinezuchtwesen verstehe er so viel wie eine Katze vom Melken.

Ob an all dem etwas Wahres ist, fragt in Saubach keiner zu genau.

Zusammenfassung

Geschichte

Offizielle Quellen

Inoffizielle Quellen