Weisse Schweine

Ort: Edlengut Linnartstein
Zeit: Peraine bis Rahja 1041 BF

Personen:

Eine kurze Briefspielgeschichte von StLinnart.

Inhalt: Ein Missverständnis führt zur Freude einer Kirche zu einer vielversprechenden Entdeckung.

In den Weinbergen Linnartsteins, kurz vor St. Aldec, Baronie Kyndoch, Peraine 1041 BF

Es sollte nicht mehr lange dauern bis das Praiosmal gänzlich hinter dem Horizont verschwunden war und sich über das orangene Abendlicht jenes schwarze Tuch der Nacht breiten würde, auf welches der Herr Phex seine Schätze zu hängen pflegt. Zwei Reiter näherten sich vom praioswärts gelegenen Dorf Linnartstein kommend dem Kloster St. Aldec. Hinter den beiden stolzen, Autorität ausstrahlenden, Kriegern, zuckelte ein knarrendes und knarzendes Ochsengespann, welches einen Käfig auf der Ladefläche transportierte und dabei einen fast lächerlichen Kontrast zu den beiden Lichtgestalten davor bildete. Laut protestierend wand sich darin ein älterer Mann und seine raue Stimme schnitt durch die abendliche Ruhe wie ein heißes Messer durch Butter.

Dennoch ließ sich keiner der beiden Reiter zu einer Regung hinreißen. Einmal nur wandte sich der ältere der Beiden zu ihm um, blaffte ein paar Worte und beließ es dann allem Anschein nach dabei. Stoisch nahmen die beiden in weiterer Folge das Jammern des Alten im Käfig hin, ohne ihm auch nur einen Hauch von Beachtung zu schenken…

***

Wenig später in der Arbeitsstube des Abten

Adelhelm von Halberg saß über ein Pergament gebeugt. Er seufzte. “Unfähige Pünten …”, maulte der Abt in - noch - recht gemäßigtem Ton. Das Klopfen an seiner Tür sollte einem Anschwellen seines Ärgers zuvorkommen.

“Ja …”, blaffte der alternde Bannstrahler in Richtung der geschlossenen, mit Eisen bewährten Tür.

Herein trat Linnart vom Traurigen Stein, sein jüngster Ritter. “Hochwürden …”, kam es zögerlich aus dessen Mund, “... wir haben den Alten hergebracht, wie von Euch gewünscht.”

“Und?” Adelhelm zog interessiert seine Brauen hoch.

“Wie … und?” Der junge Ritter fasste sich an seinen Oberarm - eine Geste der Abwehr. Das wusste auch der Abt, der daraufhin mit seinen Augen rollte.

“Na, stimmt es was die Dörflerin ausgesagt hat?”

“Ähm …”, Linnart zögerte, “... ähm … ja. Er sprach in der Tat unentwegt von weißen Schweinen. Auch direkt vor mir und Bruder Praioswulfus.”

Adelhelms Blick musterte den jungen Linnartsteiner eindringlich. Dann schüttelte er ungläubig den Kopf. “Das heißt er hat Euch und den Orden beschimpft? In Eurer beider Gegenwart.” Der Abt legte seine Stirn in Falten. “Schwer zu glauben, dass ein alter Schweinebauer diese Dreistigkeit aufzubringen vermag. Die Beschimpfung von Würdenträgern der Kirche des Gleißenden kommt einer Beschimpfung des Herrn gleich und stellt ein schwerwiegendes Verbrechen dar.”

Der junge Ritter begann sich nun zu winden. “Naja direkt beschimpft …”, stammelte er, “... er hat es wiederholt gesagt. Von weißen Schweinen gesprochen, die hier umgehen und ihn heimsuchen. Es gibt Zeugen und er hat es auch uns gegenüber gesagt.” Linnart hob seine Schultern.

Dem Abt rang diese Schilderung jedoch bloß ein Schnauben ab. “Habt Ihr Euch denn vergewissert, dass der Bauer keine weißen Schweine im Stall hat?”

“Wie? Weiße Schweine?”

Abermals folgte ein Augenrollen. “Der Alte sprach von weißen Schweinen auf seinem Hof. Gab es welche? Habt Ihr Euch vergewissert?”

Die Frage ließ einen Ruck durch den Körper des jungen Bannstrahlers gehen. Von einen auf den anderen Moment wirkte er selbstsicherer und gefasster. “Mit Verlaub, Hochwürden, aber weiße Schweine? Der Mann hat den Orden beschimpft, das ist eindeutig. Hat die Streiter des Herrn mit Vieh gleichgesetzt.”

Adelhelms Blick nahm nun bedrohliche Züge an, was dem Jungen wieder etwas Wind aus seinen Segeln nehmen sollte. “Hesinde wirfs herab …”, motzte er dann und rieb sich dabei die Schläfen. “Ihr habt die Aussage des Weibs für gegeben hingenommen und den Mann hier her zum Verhör zitiert ohne Euch zu vergewissern, dass die Beschimpfung wirklich dem Orden galt?”

“Nun … ja … ja … Ihr sagtet doch, dass wir ihn hier her bringen sollen.”

Wieder seufzte der Abt. “Ja, wenn die Anschuldigungen des Weibs sich als richtig erwiesen haben ... wohin habt Ihr ihn gebracht?”

***

Gehört in den Katakomben des Klosters

“Er wird gestehen!” Die dunkle Männerstimme hallte im Gewölbe mehrfach wieder. Es war klar, dass deren Urheber keine Widerworte duldete.

“Herr … nie .... würde ich den Herrn Praios und seine … Diener … beschämen. Herr … ich … schwöre.”, folgte es in weinerlicher, zittriger Stimme.

“Praiodan holt die Daumenschrauben …”, antwortete die dunkle Stimme hämisch, “... wollen wir doch sehen, ob Er sich nicht doch daran erinnern kann.”

“Neiiiiiin …”, die weinerliche Stimme schlug nun in Hysterie um, “... Herr ich schwöre. Bei meinem Weib und meinen Kindern. Bei allem was mir heilig ist.”

“Heilig …”, höhnte die dunkle Stimme, “... was ist einem Mann schon heilig, der den heiligen Orden vom Bannstrahl unseres Herrn Praios aufs wüsteste beschimpft.”

“Herr … ich würde nie …”, die Hysterie ging so schnell wie sie gekommen war und wandelte sich zu leisem Wimmern. Beinahe schien es als hätte sich der Alte mit seinem Schicksal abgefunden. “Meine Schweine … die Berta und die Resi … sie sind weiß … es ist ein Fluch, oder Magie … ich würde nie … habt Gnade …”

“Altzack … lasst gut sein …”, schaltete sich dann eine schnarrende, noch nicht gehörte, dritte Stimme ein.

“Hochwürden..?”, kam es ungläubig zurück.

“Der Alte bleibt hier …”, es war ein befehlsgewohnter Ton, der keine Widerworte duldete, “... nehmt Euch einen Ritter und reitet zum Hof dieses Tropfs. Sucht nach diesen Schweinen und sprecht noch einmal mit den Menschen im Dorf.”

“Ja, Hochwürden ...”, antwortete die einst dunkle Stimme pflichtbewusst.

“Und packt die Daumenschrauben weg - die sind nicht nötig. Zumindest noch nicht.”

***

Gut Linnartstein, Rahja 1041 BF

"Äußerst interessant …", Adda von Halberg warf ihrem Schwager Rahjaman einen amüsierten Blick zu, "... ein sehr intelligenter Gardanzug würde ich sagen." Sie führte den Kelch mit Wein an ihre edel geschwungenen Lippen und nahm einen kleinen Schluck daraus. "Meinem Mann wird das aber nicht gefallen. Der hatte sich schon ausgemalt wie er diesen Fund nutzen könnte. Er sah sich schon Bäder … eine Therme … errichten." Die Halbergerin lachte beim Gedanken daran herzhaft auf. "Und jetzt setzt tatsächlich die Rahjakirche einen Tempel darauf."

"Dein Mann wäre gut beraten die Kirche in ihrem Ansinnen zu unterstützen …", kam es in besonnenem Ton zurück, "... er sollte vielleicht gar als Gönner auftreten und den Bau des Tempels unterstützen."

Abermals lachte Adda herzhaft auf. "Du musst zugeben, dass diese Geschichte eine gewisse Komik nicht verhehlen kann." Sie prostete ihrem Schwager zu. Die Belustigung hatte ihr kindliche rote Flecken auf die Wangen gemalt. "Zwei Schweine laufen einem Bauern davon und kommen Tage später verändert in seinen Stall zurück. Der Säue waren weiß, doch nicht etwa weil sie verzaubert wurden, wie erst gedacht, sondern weil sie sich in einem salzhaltigen, warmen Tümpel gesuhlt hatten, der mitten im Dorf Linnartstein entstanden war. Dann rückten die Bannstrahler aus, weil sie dachten, dass das Gerede wegen weißer Schweine auf sie bezogen war, nahmen den armen Schweinebauern gar mit zur Befragung, nur um dann zu erkennen, dass das Dorf allem Anschein nach auf einem Schatz in Form einer warmen, salzhaltigen Quelle sitzt."

Rahjaman wog lächelnd seinen Kopf, unterbrach die Halbergerin jedoch nicht.

"Eine Quelle warmen Wassers bei uns im Dorf …", Addas Augenbrauen wanderten abermals nach oben, "... als hätte uns Rahja nicht schon genug mit dem Wein gesegnet." Wieder gluckste sie vergnügt. "Mit dem Problem jedoch, dass diese Quelle sich auf jenem Grund und Boden befindet, welcher vor Jahren der Kirche der Schönen zum Geschenk gemacht wurde um dort den Schrein zu Ehren des heiligen Linnart zu errichten." Die Edle rollte amüsiert mit ihren Augen. "Ein regelrechter Schenkenklopfer, findest du nicht?"

Der Angesprochene lächelte schmal. Er war ein Meister der Etikette und des guten Benehmen, weshalb keinerlei hämische Worte über seine Lippen kommen sollten. "Wichtig ist, dass dein Mann seinen Anspruch gegen die Kirche nicht durchzusetzen versucht. Der Anspruch auf die Quelle ist sowieso schwach und die Optik wäre verheerend."

Adda winkte jedoch sogleich ab. "Keine Frage. Thymon wird tun was ich ihm sage. Wir werden uns nicht gegen den Tempelbau aussprechen, gerade weil die Kirche der Rahja diesen ja beinahe zur Gänze trägt. Wir werden unsere Rolle als brave und großzügige Gläubige wahrnehmen, dafür spenden und Ressourcen zur Verfügung stellen. Es ist schließlich nie ein Fehler sich eine Kirche der Zwölfe zur Freundin zu machen.”

-Fin-

Kategorie: Briefspielgeschichte

-- StLinnart - 14 Dec 2019

Topic revision: r2 - 15 Dec 2019 - 09:40:15 - StLinnart
 

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